Vaquero Style

Richard Caldwell beschreibt dieses Wort, das hier die Bedeutung von Horsemanship im alten Stil hat.

 

Text: Tom Moates

Fotos: Emily Kitching

�bersetzung: Sonja Gr�nauer

 

Er tr�gt einen schwarzen Hut, kein lang�rmeliges, wei�es Hemd, eine graue Weste, Lederchaps mit Fransen und k�nstlerisch verzierte Silber-Sporen. � Richard Caldwells Stil f�llt durch das typische Aussehen eines Westernreiters der heutigen Zeit auf. Auch das Outfit seines Pferdes vermittelt den gleichen Eindruck: ein Zaum handgefertigt aus Rohhaut, handgemachte Z�gel aus Pferdehaar und ein Hackamore der alten Schule oder manchmal auch fein geflochtene Z�gel und ein kunstvolles Bit. Mode ist jedoch nichts, was einen Horseman interessiert, sondern mehr die Zweckm��igkeit der Dinge, die er f�r seine Arbeit einsetzt.

Den richtigen Weg lernen

Richard ist ein Vaquero-Style Horseman aus Alturas, Kalifornien, und hat viele Jahrzehnte seines Lebens mit Rinderarbeit und dem Training von Pferden im alten Vaquero-Stil verbracht. Die Vaquero-Cowboys (Buckaroos) trainieren ein Pferd mehrere Jahre, um es vom Hackamore auf ein Bit umzustellen. Eine erfahrene Hand und die �berzeugung betreffend Horsemanship sind f�r ihn genauso wichtig, wie das traditionelle Vaquero-Sattelzeug und Zaumzeug, wenn er Pferde in Bewerben vorstellt. Er versucht immer so zu handeln, wie er es am besten f�r das Pferd h�lt. Heute trainiert Richard American Quarter Horses im Vaquero-Stil in der Rinderarbeit, veranstaltet Horsemanship Clinics und startet auch bei Turnieren, wo er seine mehr als 30-j�hrige Erfahrung zum Einsatz bringt. �Ich verlie� mein Zuhause, als ich 15 war�, erz�hlt Richard. �Ich durfte von gro�artigen Horsemen lernen � und das vorwiegend drau�en im Gel�nde und nicht in der Arena.�

Die Tradition der Vaquero-Cowboys reicht in seiner Familie bis zu seinem Gro�vater zur�ck und historisch gesehen bis zu vielen Generationen von Rinderh�tern im fr�heren Nordamerika. Der richtige Vaquero mit seinen F�higkeiten und seiner Erfahrung in den Weiten des rauen Landes hat bei seinem Handwerk nicht viele Zuseher. Noch heute beruht der gute Ruf des echten Vaqueros, so wie bei der des Cowboys, auf seinen F�higkeiten in der feinen Horsemanship und in der Rinderarbeit. Richard arbeitete all die Jahre f�r viele verschiedene Ranches, vorwiegend in Idaho, Utah, Nevada und Oregon und arbeitet nebenbei auch noch als zertifizierter Hufschmied.

Moderner Wettkampf

Richard ist mit seinem Interesse und seiner Liebe zur Vaquero-Reitweise nicht alleine in der heutigen Zeit. Immer mehr Pferdebesitzer suchen nach traditionellen Wegen, um ihre Horsemanship-Kenntnisse durch Clinics, B�cher und Videos zu verbessern. Die Vaquero Horsemanship hat in der heutigen Pferdeausbildung durch ihre sanfte und humane Methode, um die Beziehung zwischen Pferd und Mensch zu verbessern, einen hohen Stellenwert. Ma�geblich f�r die Wiederbelebung der Vaquero-Reitweise waren Wettbewerbe, die speziell auf diese Reitweise ausgerichtet sind.

Der Californios Ranch Roping und Stock Horse Contest veranstaltet seit neun Jahren j�hrlich in Red Bluff, Kalifornien, solch ein Event f�r moderne Vaqueros. Bei diesen Bewerben tragen die Teilnehmer authentische Vaquero-Kleidung, und alle Events werden von Richtern bewertet. Bei Roping-Bewerben werden die Teilnehmer beispielsweise aufgrund der Gr��e des Ropes und des entspannten Handlings bewertet.

�Ich m�chte einfach die wirkliche Bedeutung der Vaquero Horsemanship verdeutlichen�, sagt Richard. �Ich bin zwar nur eine einzelne Person, doch ich mache einfach das, was ich f�r wichtig erachte. Ich werde mit dem Equipment bewertet, das ich beim Bewerb verwende. Doch Richter bei solchen Events haben oft kein Verst�ndnis f�r die traditionelle Kleidung der Vaqueros.�  Richard erkl�rt, dass ein harter Stopp bei einem Roping-Bewerb normalerweise als positiv gewertet wird, w�hrend Vaquero-Reiter eher sanfte Stopps bevorzugen, da diese f�r das Pferd  und das Rind weniger Stress bedeuten. Dieser Unterschied ist wichtig, um den Ranchern ihre Existenzgrundlage zu sichern. Die anderen Unterschiede sind etwas feiner. �Kein echter Vaquero w�rde sein Pferd mit den Z�geln lenken�, sagt Richard, denn dies k�nnte die vielen Stunden intensiven Trainings, in denen man das Pferd an die sensiblen Hilfen mit dem Spade Bit gew�hnt hat, zunichte machen. �Es gibt zwar viele Pferde, die mit Bridle geritten werden,  jedoch nur wenige echte Bridle-Pferde. Ich sah Spade Bits ohne Kette. Kein Vaquero w�rde die Kette weglassen. Manche Leute �ben damit Druck aus, da sie vergessen, dass es sich hierbei um ein Signal-Bit handelt.�

�Ich m�chte nicht, dass mich die Leute missverstehen�, f�gt er hinzu. �Ich habe nichts gegen das Showhorse-Business. Ich bin nur gegen Tricks und Ausr�stungsgegenst�nde, die Horsemanship ersetzen sollen. Ich helfe gerne jenen Leuten, die sich f�r Horsemanship interessieren. Die Menschen sind heutzutage immer im Stress und nehmen sich keine Zeit. � Im Bereich der Horsemanship Fortschritte zu machen, braucht das eben entsprechende Zeit.�

 

 

Bild 1: Richard Caldwell trainiert dieses American Quarter Horse im Vaquero-Stil, indem er das Pferd vom Hackamore auf die beidh�ndige Z�gelf�hrung und danach auf das Bridle umstellt.

 

Bild 2: Bei vielen Turnieren gibt es Vaquero-Reiter, die sich der Bewertung der Richter stellen.

 

 

Die Pferde

Der Vaquero, so auch Richard, bevorzugt meist das American Quarter Horse wegen seines Temperaments, der athletischen F�higkeiten, der Ausdauer und der guten Beine. Diese Pferde sind hervorragend in der Rancharbeit einsetzbar, wie bei langen Ritten �ber das Ranchland und der Arbeit mit Rindern und Stieren. �Ich reite Quarter Horses, weil sie f�r meine Arbeit besonders gut einzusetzen sind�, sagt er. Quarter Horses haben das passende Temperament, das Gem�t und die Trainingsbereitschaft f�r die Vaquero-Arbeit. �Ich bin �berzeugt davon, dass der Mensch seine Gem�tsverfassung auf sein Pferd �bertr�gt�, sagt Richard. �Mit anderen Worten, wenn man hektisch und gestresst ist, �bernimmt das Pferd dieses Gef�hl und wird auch hektisch. Ist der Reiter ungeduldig, wird auch das Pferd ungeduldig. Ist der Reiter ruhig und entspannt, so ist es auch das Pferd. Man kann die Pers�nlichkeit eines Pferdes nicht �ndern, jedoch man kann sein Pferd durch seinen eigenen Gem�tszustand beeinflussen. Wenn man beim Reiten stolz ist, dann wird das Pferd auch bis zu einem bestimmten Grad darauf reagieren. Ist der Reiter nicht besonders konsequent, wird auch sein Pferd nicht konsequent mitarbeiten. Wenn man also von seinem Pferd best�ndige Mitarbeit erwartet, muss man selbst auch best�ndig mitarbeiten.�

Es gibt bei der heutigen Turnierszene und dem Vaquero-Reitstil einige �bereinstimmungen. Beispielsweise war Richard im Jahr 2007 Finalist bei der National Reined Cow Horse Association Snaffle Bit Futurity in den Non-Pro-Bewerben. �Bei solchen Veranstaltungen konkurriere ich nicht mit anderen Reitern�, sagt er. �Ich selbst bin meine st�rkste Konkurrenz. Ich bin stolz, ein Vaquero-Reiter zu sein.�

�Au�erhalb der Stadt gibt es einige sehr gute Vaquero-Reiter, die jedoch nicht in die Stadt kommen wollen�, sagt Richard. �Es gibt einen gro�en Unterschied zwischen einem Buckaroo und einem Cowboy, jedoch kann man nicht behaupten, der eine w�re besser als der andere. Ich habe von vielen Menschen gelernt, und ich m�chte ihnen auch etwas zur�ck zu geben. Der Grund daf�r, dass ich mich entschied, Clinics abzuhalten, war, dass ich nicht mehr zusehen wollte, dass Leute etwas falsch machen. Anstatt dar�ber zu jammern, entschloss ich mich, etwas daf�r zu tun und Leute auszubilden.�

 

 

Bild 3: Richard vermittelt in Clinics sein Wissen an andere weiter und h�lt dadurch die Tradition der Vaquero-Reitweise am Leben.

 

 

Biografie

Richard Caldwell wuchs als Buckaroo auf und f�hrt sein weiteres Leben auch also solcher weiter. Er und seine Frau Nancy haben drei T�chter, Amee, Charee und Billee Jo, die sie begleiten. �Ich nahm die Kinder mit in die Cow Camps�, sagt Richard. �Manchmal war das Leben dabei ziemlich hart. Ich denke da an das Windelwechseln im Cow Camp und an das Baden der Kinder in K�beln. Meine Kinder brachten viele Opfer f�r mich. Sie gingen in kleine Ranch-Schulen. Diese Erfahrungen sind mehr wert als materielle Dinge.� Als Richard auf der Rinderfarm in der Alturas Region in Kalifornien arbeitete, gefiel es ihm dort so gut, dass er sich niederlie�, als ihm sein R�cken und seine Knie gesundheitliche Probleme machten. Heute ist er Gro�vater von 7 Enkelkindern.