Mark Rashid

 

Es hatte einen einfachen Grund gehabt, warum man mich gebeten hatte, den jungen Wallach zu reiten: damit er fl�ssige �berg�nge von einer Gangart zur anderen lernt. Daran arbeiteten wir nun seit etwa eineinhalb Stunden, aber seltsamerweise waren wir keinen Schritt weiter-gekommen. Mir fiel dazu nur ein, dass es eigentlich nicht so schwer sein d�rfte. Zugegeben, er war noch ziemlich gr�n, erst seit gut sechs Wochen unter dem Sattel � aber trotzdem schien er mehr als die �blichen Schwierigkeiten damit zu haben zu begreifen, was man von ihm wollte. Was ich auch tat, nichts schien ihn zu beeindrucken. Er bewegte sich sogar umso weniger, je mehr Druck ich aus�bte. Inzwischen waren wir an einem Punkt angelangt, an dem wir nur noch in einem sehr langsamen Schritt kleine Kreise in der Mitte des Platzes machten � wenn wir uns �berhaupt bewegten. Die Besitzerin hatte die ganze Zeit an der Umz�unung gestanden und zeigte nun Anzeichen von Frust angesichts meiner Unf�higkeit, eine Reaktion aus ihrem Pferd hervorzulocken. Ich konnte es ihr nicht ver�beln, denn ehrlich gesagt f�hlte ich mich langsam selbst reichlich frustriert. Ich hatte allm�hlich das Gef�hl, das Pferd auf keine Weise dazu bringen zu k�nnen, das zu tun, was ich wollte. Ich hatte ihm die Abs�tze in den Bauch gedr�ckt, ihn mit den Z�gelenden geschlagen und war im Sattel herumgerutscht, um ihm das Stehen ungem�tlich zu machen � was mir �berhaupt nur einfiel �, aber nichts hatte gewirkt. Jetzt sp�rte ich, wie mein Frust langsam die Oberhand gewann. Was noch schlimmer war: Ich sp�rte, dass mein Kopf anfing auszusetzen und sich stattdessen ein urzeitliches Verlangen breit machte, dieses Pferd zu einer Reaktion zu bringen, koste es, was es wolle. Es war kein sch�nes Gef�hl, und ich brauchte meine ganze Willenskraft, um ihm nicht nachzugeben.

Ich beschloss, eine Pause zu machen, sa� ab und f�hrte das Pferd zu seiner Besitzerin hin�ber.

�Geben Sie auf?�, fragte sie, h�rbaren Frust in der Stimme. �Noch nicht�, sagte ich. �Ich mache nur einmal ein paar Minuten Pause.� �So ist er, seit ich ihn von dem Trainer zur�ckgeholt habe�, sagte sie voller Abscheu. �Er hat gesagt, die �berg�nge w�rden besser, aber sie werden immer schlechter. Vielleicht sollten Sie Sporen anziehen. Der andere Trainer hat ihn mit Sporen geritten.� �Lieber nicht, so lange es nicht unbedingt sein muss�, antwortete ich und klopfte dem Wallach den Hals.

�Ich verstehe einfach nicht, warum das so ein Kampf sein muss�, meinte sie kopfsch�ttelnd. �Man sollte doch meinen, es w�re leichter f�r ihn, es einfach zu machen, aber er versucht es nicht einmal.�

Pl�tzlich traf es mich wie ein Blitz � genau zwischen die Augen. Mit einem Mal h�rte ich das, was der alte Mann �ber das K�mpfen mit Pferden gesagt hatte wieder so deutlich, als st�nde er vor mir. Kein Wunder, dass ich aus dem Kleinen hier keine Reaktion hatte hervorlocken k�nnen � wie auch, ich hatte die ganze Zeit nur mit ihm gek�mpft. Selbst wenn er es versucht haben sollte, war ich viel zu besch�ftigt damit gewesen, was ich mit ihm machte, als dass ich es h�tte bemerken k�nnen. Die ganze Zeit hatte ich auf die gro�e Antwort gewartet � auf den �bergang. Dadurch waren mir aber die kleinen Dinge entgangen, die den �bergang schlussendlich erm�glichen w�rden � die Versuche.

Bevor er einen �bergang machte, musste ich erst sp�ren, wie er einen �bergang versuchte. Und um zu sp�ren, wenn er es versuchte, musste ich vor allem eines: Ich musste zur�ck in den Sattel und mich entspannen. Ich wartete noch ein paar Minuten ab, um selbst wieder zu Atem zu kommen. Dann nahm ich den Wallach wieder in die Platzmitte und sa� auf. Diesmal war ich bereit, das Ganze aus einer v�llig anderen Perspektive heraus anzugehen. Anstatt ihn dazu zu bringen, auf meine Hilfen zu reagieren, w�rde ich es ihm �berlassen, die richtige Antwort herauszufinden. Was noch wichtiger war: Ich war eher dazu bereit, jeden Versuch seinerseits, das Richtige zu tun, auch zu sp�ren. Ich w�rde annehmen, was er zu geben hatte, und von da aus weitermachen.

Als ich im Sattel sa�, forderte ich den Wallach zum Antreten auf, indem ich mit der Zunge schnalzte und ganz leicht die Schenkel anlegte. Diesmal sp�rte ich etwas, das ich vorher nicht gesp�rt hatte, eine Art Woge nach vorn, wenn auch nur f�r ein oder zwei Schritte. Keine Riesenwoge, das ganz sicher nicht, aber es war, als h�tte eine Welle ihn von hinten gepackt und nach vorne geschoben. Schon nach ein oder zwei Schritten schien die Welle zu verebben und der Schwung war weg. Ich lie� ihn noch ein paar Schritte machen, schnalzte wieder und legte die Schenkel leicht an. Wieder kam die Woge vorw�rts und wieder verebbte sie nach wenigen Schritten. Mir d�mmerte, dass diese kleinen Wogen vielleicht seine Versuche waren und ich sie �bersehen hatte. Wenn diese Wellen tats�chlich der Ansatz war, auf den ich gehofft hatte, brauchte ich sie bis zum �bergang selbst vielleicht nur in der Art auszubauen, wie ich damals mit Lacey gearbeitet hatte. Ich musste den Versuch anerkennen, indem ich rechtzeitig meine Hilfe aussetzte, und auf dem Versuch aufbauen, indem ich die Hilfe wieder einsetzte, bevor die Vorw�rtswelle total verebbt war. Ich forderte ihn mit Zungenschnalzen und Schenkeldruck wieder zum Vorw�rtsgehen auf und sp�rte wieder die Welle. Sobald ich merkte, dass er schneller vorw�rts ging, setzte ich mit den Hilfen aus, setzte sie diesmal aber wieder ein, bevor die Welle verebbte. Fast sofort f�hlte ich die n�chste Welle und reagierte fast ebenso schnell damit, indem ich die Schenkel vom Pferd wegnahm. Er wurde ein wenig schneller und hielt dieses Tempo drei oder vier Schritte, bevor ich sp�rte, wie er etwas an Schwung verlor. Wieder schnalzte ich mit der Zunge und legte die Schenkel an, wieder wurde er schneller und wieder nahm ich die Schenkel weg.

Das ging ein paar Minuten so weiter. Jedes Mal wenn ich meine Hilfen gab und damit wieder aussetzte, wurden seine Schritte etwas schneller. Bald konnte er die lebhaftere Bewegung immer l�nger durchhalten.

Bevor ich recht wusste, wie mir geschah, war aus dem schleppenden Schritt, der vor kurzem noch unsere einzige Option gewesen zu sein schien, eine sehr fl�ssige, schwungvolle Vorw�rtsbewegung geworden. Der gesamte Pferdek�rper bewegte sich viel freier, das Pferd war viel konzentrierter und erheblich williger. Und dabei brauchte ich �berhaupt keine Schenkelhilfen mehr. Ein einfaches Zungenschnalzen, wenn ich sp�rte, dass er an Schwung verlor, und er beschleunigte seinen Schritt wieder.

Wir ritten in einem sch�nen flotten Schritt einige Runden um den Platz, bevor ich beschloss, einen �bergang zum Trab zu verlangen. Dazu gebrauchte ich nur meine ersten Hilfen � einen leichten Schenkeldruck und ein Zungen�schnalzen. Unverz�glich sp�rte ich eine gro�e Woge unter mir und nahm die Schenkel weg. Bevor die Woge verebben konnte, wiederholte ich die Hilfen und erhielt eine noch gr��ere Woge. Hilfen aussetzen und noch einmal ganz sanft wiederholen. � Der Wallach ging von einem flotten Schritt in einen netten, kleinen Trab �ber. F�nfzehn oder zwanzig Meter trabte er ruhig vor sich hin, als ich pl�tzlich sp�rte, wie er wieder Schwung holte. Es war aber eine andere Art von Schwung. Anstelle des fl�ssigen, konzentrierten Schritts war dies eine verspannte, �ngstliche Art von Bewegung. Es f�hlte sich im Gegensatz zu der fr�heren Bewe�gung derartig ungem�tlich an, dass ich in seinem Interesse so schnell wie m�glich damit aufh�ren wollte. Wenn er Schwierigkeiten damit hatte, mich im Trab zu tragen, wollte ich sie auf keinen Fall dadurch verschlimmern, dass ich ihn zwang, mich zu tragen. Also entspannte ich mich im Sattel, nahm die Z�gel ganz leicht an und brachte ihn zur�ck in den Schritt. Er seufzte tief, lie� den Kopf fallen und ging in flottem Schritt weiter.

Nach einer halben Runde Schritt forderte ich ihn wieder auf anzutraben. Diesmal schnalzte ich zwar, lie� die zus�tzliche Schenkelhilfe aber weg. Er wurde schneller, trabte aber nicht an. Also setzte ich beim n�chsten Mal auch die Schenkelhilfe wieder ein. Diesmal trabte er unverz�glich an. Nach zehn oder f�nfzehn Metern, bevor er sich wieder verspannen konnte, parierte ich durch zum Schritt. � Er blieb ruhig und locker. Das machten wir vielleicht f�nf Minuten, bevor er immer l�ngere Trabstrecken ohne Probleme durchhielt. Bald konnte ich ihn mit ganz leichten Hilfen, oft nur einem Zungenschnalzen, innerhalb weniger Schritte in den Trab bringen und so lange traben, wie es ihm angenehm war.

Mit jedem �bergang schien sein Vertrauen zu mir und zu sich selbst zu wachsen. Bald trabte er ganze Runden um den Platz, ohne sich zu verspannen. Er war zwar lockerer im Trab, aber am meisten �berraschte mich seine sensible Reaktion in den �berg�ngen.

Als ich erst einmal aufgeh�rte, mit ihm zu k�mpfen, und anfing, seine Bem�hungen zu belohnen, wurde er extrem willig. Kampf und Verwirrung schienen dahin zu schmelzen, ein ganz neues Pferd wurde sichtbar.

Das war f�r mich wirklich eine Lernerfahrung, nicht nur weil wir bei unserer eigentlichen Aufgabe (dem �bergang vom Schritt zum Trab) einen Durchbruch erzielt hatten, sondern wegen der Art, wie wir ihn erzielt hatten. Von eineinhalb Stunden Kampfund Frust waren wir innerhalb von Minuten zu weichen, ruhigen �berg�ngen gelangt. Es war fast zu sch�n, um wahr zu sein. Aber es war wahr!

Einfach so hatte dieses einzelne Pferd meine ganze Wahrnehmung ver�ndert, wie und warum ein Pferd auf Hilfen reagiert. Das Erlebnis hatte mir wirklich die Augen ge�ffnet!

Nach der Erfahrung mit diesem Wallach gab ich mir viel mehr M�he, die Versuche, die meine Pferde w�hrend des Trainings oder auch sonst anboten, zu erkennen und anzuerkennen. Sehr schnell fand ich heraus, wie viel ich bisher verpasst hatte in der einfachen Kommunikation zwischen Mensch und Pferd. Zum Beispiel stellte ich fest, dass meine Pferde oft viel schneller auf meine Hilfen reagierten, als ich mir vorgestellt hatte. H�ufig reagierten sie schon, bevor ich die Hilfe tats�chlich gegeben hatte � ein Gef�hl, das einem fast Angst machen konnte. Au�erdem merkte ich, dass der Versuch oft so subtil war, dass er mir v�llig entgangen w�re, h�tte ich nicht speziell darauf geachtet. Infolgedessen war ich gezwungen, sehr viel aufmerksamer zu verfolgen, was meine Pferde jeweils machten, und zwar immer, nicht nur wenn ich etwas von ihnen verlangte.

Ich werde oft gefragt, was ich als Versuch auf eine gegebene Hilfe betrachte. Das ist schwer zu beantworten. Ein Versuch kann meiner Erfahrung nach alles sein, von einem fliegenden Wechsel zu einem Zucken mit dem Ohr, je nach Umst�nden und Pferd. Einmal hatte ich ein Pferd, das Schwierigkeiten mit dem Stoppen hatte, wenn Druck auf das Gebiss gemacht wurde. Sobald man die Z�gel annahm, war die erste Reaktion des Pferdes, die Nase vorzustrecken und sich gegen den Druck zu versteifen. Nach f�nf, sechs Metern kam es schlie�lich irgendwie zum Stehen, aber nie war es ein weicher �bergang.

Als ich anfing, mit ihm zu arbeiten, gingen wir im Schritt. Ich forderte ihn zum Anhalten auf, indem ich mein Gewicht im Sattel etwas nach hinten verlagerte und dann leicht die Z�gel annahm. Zuerst sp�rte ich nur, dass er mehr vorw�rts ging statt weniger. Aber allm�hlich sp�rte ich, dass er herauszubekommen versuchte, was ich eigentlich von ihm wollte. Ich sp�rte ein leichtes Abnehmen des Schwungs, kurz nachdem ich mein Gewicht verlagert und die Z�gel aufgenommen hatte. Wenn dieser Schwungverlust seine Art von Versuch war, musste ich darauf achten, ihn f�r diesen Versuch zu belohnen.

Als ich ihn das n�chste Mal zum Anhalten aufforderte und den kleinen Schwungverlust sp�rte, belohnte ich ihn sofort mit einem leichten Nachlassen des Z�geldrucks. Angehalten hatte er noch nicht, also nahm ich die Z�gel wieder an und sp�rte erneut einen Schwungverlust. Ich gab wieder nach, und wieder kam er nicht zum Halten. Aber beim dritten Mal stoppte er, und diesmal war der Widerstand dagegen viel weniger ausgepr�gt.

Nachdem er angehalten hatte, nahm ich den Druck weg, lie� ihn ein, zwei Sekunden dar�ber nachdenken, nahm die Z�gel wieder auf und forderte ihn auf r�ckw�rts zu treten. Ich nahm die Z�gel gerade so viel an, dass ich Kontakt zu seinem Maul hatte, und wartete ab. Nach ein paar Sekunden merkte ich, dass er herauszubekommen versuchte, wie er den Druck loswerden k�nnte, auch wenn dieser nur ganz leicht war. Er streckte die Nase vor. Kein Nachgeben. Er schlug den Kopf hoch. Kein Nachgeben. Er ging gegen das Gebiss und bohrte mit dem Kopf nach unten. Kein Nachgeben. Er schlug mit dem Kopf von einer Seite zur anderen. Kein Nachgeben. Schlie�lich stand er mit vorgestreckter Nase, im Genick leicht gebogen, und fing an, das Gebiss ruhig im Maul umherzurollen. Ah, das war᾽s! Eine Art von Versuch. Er ging zwar nicht wirklich r�ckw�rts, aber es war da eine Weichheit, die vorher nicht da gewesen war.

Er musste weich werden, bevor er zur�cktreten konnte, und das hatte er mir gerade gegeben. Sofort belohnte ich ihn durch Nachgeben. Er wurde noch weicher. Ich nahm die Z�gel wieder an und �bte den gleichen leichten Druck aus. Wieder probierte er eine ganze Reihe von Dingen durch, um den Druck loszuwerden, stellte aber fest, dass das Einzige, was half, ein Nachgeben im Genick und ruhiges Halten des Gebisses im Maul war.

Danach wurde er mit jedem Z�gelaufnehmen weicher, bis ich nach etwa f�nf Minuten sp�rte, dass er tats�chlich �ber das Zur�cktreten nachdachte. Wenn ich sage, dass er �ber das Zur�cktreten nachdachte, meine ich das ganz w�rtlich. Es war da eine kleine Bewegung, aber nur wie ein Muskel, der angespannt wird � eine Art Anfrage seinerseits. Ist es das, worauf du wartest?

Beim n�chsten Versuch �dachte� er noch mehr. Statt einer Muskelanspannung war da so etwas wie eine Gewichtsverlagerung. Es war noch lange nicht das ganze Pferd, das nicht, aber der Versuch wurde wesentlich deutlicher. Das n�chste Mal wurde aus der Verlagerung ein Driften, und danach aus dem Driften ein Schritt zur�ck. Aus einem wurden schnell zwei, aus zweien vier und aus vieren acht, und alles am ganz leicht anstehenden Z�gel und ohne dass er im Mindesten dagegen ging.

Eine halbe Stunde arbeiteten wir weiter am Anhalten und R�ckw�rtstreten, und mit jedem Mal wurde er weicher. Als wir f�r diesmal Schluss machten, ging er beim Stoppen nicht l�nger gegen das Gebiss und trat leicht wie eine Feder zur�ck. Und alles, glaube ich, weil seine Vorstellung von einem Versuch bemerkt und belohnt worden war.

Bei meiner Arbeit mit Menschen und Pferden halte ich es immer f�r eines der gr��ten Probleme, dass die meisten Menschen gelernt haben, immer auf das zu achten, was ihre Pferde falsch machen. Weil sie immer nur auf die Fehler achten, �bersehen sie leicht die kleinen Versuche und haben manchmal Schwierigkeiten, das Gute in ihren Pferden zu sehen, selbst wenn es sie anspringt und in den Hintern bei�t.

Vor ein paar Jahren wurde ich gebeten, jemand mit den fliegenden Wechseln bei seinem Araberwallach zu helfen. Nun war dieser Araber aber ein Ex-Showpferd und hatte �ber f�nf Jahre m�helos fliegende Wechsel gezeigt. Der Mann hatte den Wallach vor etwa einem Jahr gekauft und ihn seither zu keinem einzigen fliegenden Wechsel bewegen k�nnen. Das Paar kam in die Bahn und mir. Jedenfalls war sofort klar, dass der Mann �geladen� war. Er war nicht gl�cklich mit dem Pferd und von vornherein sauer auf den Wallach.

�Ich glaube, ich bin reingelegt worden�, sagte er zu mir. �Seit ich ihn gekauft habe, versuche ich, fliegende Wechsel mit ihm zu reiten, aber er will einfach nicht. Er ist ein ziemlicher Sturkopf.� �Sch�n, sehen wir mal�, sagte ich achselzuckend. �Vielleicht hat er nur M�he zu verstehen, was Sie wollen.� �Oh, der wei� genau, was ich will�, brummte der Mann. �Er streikt nur einfach.� �Gut�, sagte ich. �Am besten fangen wir gleich an und sehen, was dabei herauskommt.�

Der Mann sa� auf und begann sofort um den Platz zu traben und dann zu galoppieren. Zuerst dachte ich, er w�rde das Pferd warm reiten. Dass das nicht der Fall war, merkte ich, als er im Lope auf der linken Hand durch die Mitte der Bahn ritt, pl�tzlich sein ganzes Gewicht nach rechts warf und mit den Z�geln ebenfalls nach rechts zog. Das war sein Versuch, einen fliegenden Wechsel zu reiten. V�llig �berrascht und aus dem Gleichgewicht gebracht, warf das Pferd den Kopf hoch und fiel vom Lope in den Trab. Das erboste den Mann und er trat ihm heftig in die Rippen. Der Wallach drehte daraufhin mit dem Schweif, warf halbherzig die Kruppe hoch und galoppierte schlie�lich rechts an.

�Da sehen Sie, was ich meine!�, br�llte der Mann quer durch die Bahn. �Er will einfach nicht.� Na ja, vermutlich war das eine Art, die Dinge zu betrachten. Die andere Art, die Dinge zu sehen, war die, dass es dem Wallach unm�glich war, einen fliegenden Wechsel zu produzieren, wenn er derartig aus dem Gleichgewicht gebracht wurde. Obwohl ich noch nicht viel gesehen hatte, war eines sicher: Das Pferd war gut geritten und schien auch durchaus willens zu sein zu tun, was man von ihm verlangte. Das war zu erkennen bei den �berg�ngen, die er tadellos absolvierte und auch bei dem Versuch rechts anzugaloppieren, obwohl ihn sein Reiter vorher beinahe umgeworfen h�tte.

Ich bat den Mann herzukommen, damit wir das Ganze ein bisschen langsamer angehen konnten. Er kam her�ber geritten und ich erkl�rte ihm, dass sein Pferd meiner Meinung nach wahrscheinlich fliegende Wechsel machen w�rde, wenn wir sie richtig vorbereiten und uns dann heraushalten w�rden, damit er sie auch machen konnte. Das Gesicht des Mannes zeigte deutlich, dass er Schwierigkeiten hatte, den Sinn meiner Worte zu verstehen. Ich erkl�rte weiter, dass wir langsamer vorgehen und das Pferd mit dem Gedanken an fliegende Wechsel warm werden lassen w�rden, anstatt ins kalte Wasser zu springen und das Beste zu hoffen.

Erstaunlicherweise war der Mann damit einverstanden und ritt wieder an. Zuerst mussten die beiden sozusagen auf einen Nenner gebracht werden. Ich lie� sie antraben und in der Mitte der Bahn gro�e Zirkel anlegen, erst in einer Richtung, dann durch die Mitte der Bahn wechselnd in die andere Richtung, so dass eine gro�e Acht entstand. Jedes Mal wenn der Mann durch die Mitte der Bahn wechselte, sollte er dem Pferd so weich wie m�glich die Hilfen zum fliegenden Wechsel geben, auch wenn sie immer noch im Trab waren. Zuerst kamen die Hilfen grob und aufdringlich. Er legte den �u�eren Schenkel �bertrieben an und zog an den Z�geln. Aber im Laufe der Zeit wurden seine Hilfen immer leichter. Es dauerte gar nicht lang und er zog nicht mehr an den Z�geln und aus der �bertriebenen Schenkelhilfe war eine leichte Gewichtsverlagerung geworden.

Als klar war, dass er bereit f�r den Lope war, sagte ich ihm, er solle angaloppieren, aber immer im Uhrzeigersinn reiten. Er gab weiche Hilfen zum Angaloppieren. Das Pferd galoppierte einwandfrei rechts an und ging ruhig auf den Zirkel. Ich lie� sie vier Runden galoppieren und dann zum Trab durchparieren. Der Reiter sollte weiche Hilfen zum Wechseln geben und das n�chste Mal durch die Mitte der Bahn auf den anderen Zirkel wechseln. Als sie linker Hand auf dem Zirkel waren, lie� ich ihn angaloppieren. Das Pferd sprang links ebenso m�helos an. Ich lie� sie noch ein paarmal durch die Mitte der Bahn den Zirkel wechseln, wobei er jedes Mal zum Trab durchparierte, die Hilfen zum Wechseln gab und danach korrekt angaloppierte. Nach etwa f�nfzehn Minuten begann sich etwas sehr Interessantes abzuzeichnen. Die beiden galoppierten rechter Hand auf dem Zirkel, und als sie durch den Mittelpunkt kamen, begann der Wallach nach links abzudriften. Der Mann richtete ihn wieder gerade und galoppierte rechter Hand weiter. Aber als sie wieder zum Mittelpunkt kamen, driftete der Wallach wieder nach links ab. Diesmal parierte der Mann ihn zum Stopp durch.

�Verflucht�, br�llte er. �Sehen Sie, wie er �ber die Schulter wegdriftet? Er zieht mich aus dem Zirkel heraus.�

�Zieht er Sie aus dem Zirkel heraus�, fragte ich, �oder macht er etwas Anderes?� �Was meinen Sie damit?� �Na ja�, sagte ich. �Wir haben ihn die ganze Zeit auf einen fliegenden Wechsel vorbereitet. Vielleicht versucht er uns zu sagen, dass er jetzt dazu bereit ist.� �Soll das hei�en, dass er �ber die Schulter weggeht, weil er uns sagen will, dass er einen fliegenden Wechsel machen kann?� �Ich wei� es nicht�, antwortete ich. �Aber vielleicht finden wir es heraus, wenn wir es ihn versuchen lassen.�

Es war klar, dass der Mann alles Andere als �berzeugt war. Ehrlich gesagt: ich auch nicht. Aber es kam mir einigerma�en seltsam vor, dass ein Pferd, das ganz gem�tlich in einer Richtung galoppierte, pl�tzlich ohne ersichtlichen Grund in die andere Richtung ziehen sollte. Es ergab keinen Sinn. Also ritt der Mann wieder an und machte die ganze �bung noch einmal. Nach ein paar Minuten war er wieder im Galopp und ritt rechter Hand auf dem Zirkel. Nach etwa drei Runden begann der Wallach in die andere Richtung zu ziehen, als sie durch den Mittelpunkt kamen. Der Mann stellte ihn ruhig nach links um und der Wallach wechselte einfach so in den Linksgalopp. Sie ritten einmal herum, und als sie durch die Mitte kamen, lehnte sich der Mann leicht nach rechts und das Pferd wechselte fliegend in den Rechtsgalopp.

Das Interessante daran war, dass das Pferd nicht nur versucht hatte, es seinem Reiter recht zu machen, sondern dass er uns auch zu sagen versucht hatte, dass er verstanden hatte, was wir wollten. Nicht nur das, er hatte uns sogar zu sagen versucht, wann genau er dazu bereit war! H�tten wir sein Ziehen in die Gegenrichtung nur als ��ber die Schulter gehen� betrachtet, h�tten wir seine ganze M�he, uns das alles mitzuteilen, schlicht verpasst.

Wie ich schon sagte, haben viele Menschen gelernt, immer nur auf die Fehler ihres Pferdes zu achten, und tun sich deshalb sehr schwer, die guten Seiten ihres Pferdes zu finden. Das Problem bei dieser Haltung den Pferden gegen�ber ist, dass selbst wenn unser Pferd sein Bestes tut und sich bem�ht, alles richtig zu machen, wir es vielleicht nie erkennen. Weil wir st�ndig auf das gro�e Ereignis warten (den einwandfreien fliegenden Wechsel, den flie�enden �bergang, den Sliding Stop), �bersehen wir oft den wichtigsten Teil � den Versuch, der uns sagt, dass unser Pferd anf�ngt zu verstehen, was wir wollen.

Pferde sind so sensible Tiere, dass schon ein Zucken mit dem Ohr, das Nachgeben mit dem Unterkiefer, das Zucken eines Muskels f�r sie etwas bedeutet. Sehr oft sind diese einfachen kleinen Dinge gerade die Basis f�r die gro�en, auf die wir warten, aber weil wir genau an ihnen vorbeisehen, merken wir nicht einmal, dass sie da sind. Die Folge ist, dass unsere Pferde oft von uns frustriert sind, dass wir von unseren Pferden frustriert sind und das gegenseitige Vertrauen Schaden nimmt.

Mir scheint, wenn wir auf diese kleinen Versuche achten, sie bemerken und anerkennen, �ffnen wir eine ganz neue T�r zur Kommunikation, die schlie�lich dazu beitragen wird, dass unsere Pferde uns als verantwortungsbewusste, faire und zuverl�ssige F�hrer betrachten.

Vermutlich ist das �berhaupt alles, was sie von uns verlangen w�rden, wenn sie es sagen k�nnten.