mit pferden kommunizieren, oder: erkenne den versuch!
�Der Kuckuck soll dich holen�, brummte ich vor mich hin. �Wo liegt eigentlich das Problem?�
Ich sa� seit einer Dreiviertelstunde im Sattel. Es lief �berhaupt nicht gut. Ich ritt eine junge Stute namens Lacey. Wir hatten in aller Ruhe im Roundpen gearbeitet, bis mir einfiel, ich k�nnte ihr beibringen r�ckw�rts zu ge�hen. Ich begann damit, sie aus dem Schritt zum Halten durchzuparieren, was sie willig tat. Dann machte ich, was man � wie jeder wei� � immer macht, wenn man ein Pferd r�ckw�rtsrichten will: Ich zog an den Z�geln. Erst nur ganz leicht (fand ich wenigstens), aber sie ging nicht zur�ck. Ich zog ein bisschen st�rker � immer noch nichts.
Es vergingen einige Minuten. Ich machte immer mehr Druck, bis ich nicht nur mit den H�nden zog, sondern mich ganz nach hinten lehnte, um mehr Hebelkraft einsetzen zu k�nnen. Ich w�rde sagen, dass ich fast mein gesamtes K�r�pergewicht � alle meine damals siebzig Pfund � ins Gebiss legte� und sie legte nicht ganz einundsiebzig Pfund dagegen. Nach einiger Zeit wurde ich m�de und meine H�nde begannen wehzutun. Schlie�lich musste ich aufgeben und den Druck nachlassen. Ich legte die Z�gel �ber das Sattelhorn und betrachtete die Furchen, die die Z�gel in beiden H�nden hinterlassen hatten.
�Zum Kuckuck�, sagte ich und rieb meine H�nde gegeneinander, um die Furchen zu gl�tten. �Du bist doch ein hartm�uliges Seh ... tier!�
�Wie l�uft᾽s?�, h�rte ich pl�tzlich die Stimme des alten Mannes hinter mir. Aufgeschreckt h�rte ich mit dem H�ndereiben auf, nahm die Z�gel und wendete die Stute in seine Richtung.
�Prima�, stie� ich hervor. �Es l�uft gut.� �Arbeitet sie gut mit?� �Keine Probleme�, sagte ich mit einem gezwungenen L�cheln und klopfte der Stute den Hals. �Aha�, nickte er. �An was arbeitet ihr gerade?� �Arbeiten?� Ich merkte, dass ich unbewusst wieder die H�nde gegeneinander gerieben hatte, um das Brennen in meinen Handfl�chen zu lindern. �Och, wir haben gerade ... ich dachte, wir k�nnten mal versuchen ...� �Ihr Stillstehen beizubringen?�
�H�h?� �Stillstehen�, sagte er, hob den Fu� und setzte ihn auf die unterste Stange der Umz�unung. �Ich habe gesehen, dass ihr zwei ziemlich lang auf einem Fleck gestanden seid. Arbeitest du daran, ihr das Stillstehen beizubringen?� �h, ja, so was �hnliches, denke ich. �Der alte Mann nickte bed�chtig und schien �ber etwas nachzudenken. Er rieb sich langsam das Kinn und st�tzte schlie�lich beide Ellbogen auf die oberste Stange. �Ich glaube, sie hat᾽s�, sagte er, wieder mit dem bed�chtigen Nicken. �H�h?� �Sie hat᾽s begriffen � das Stillstehen.� Er zeigte l�ssig auf die Stute. �Sie steht ziemlich gut.� �Oh, ja�, stimmte ich profihaft zu. �Das macht sie jetzt schon sehr sch�n.� �Solltest dann vielleicht was Anderes anfangen�, sagte er. �Wo sie doch schon so sch�n steht und so.� Ich nickte. �Vielleicht arbeite ich ein bisschen an den �berg�ngen.�
�K�nntest du wohl.� Er rieb sich wieder das Kinn. �Aber noch besser w�re, wenn du am R�ckw�rtsrichten arbeiten w�rdest.� �R�ckw�rtsrichten?� Er nickte. �Wir sollten vielleicht sicher sein, dass sie r�ckw�rts geht, bevor wir an �berg�ngen arbeiten.� �Ich wei� nicht�, wand ich mich. �Ich bin nicht sicher, dass sie der R�ckw�rtsgeh-Typ ist.� �Wirklich?� Ein leichtes L�cheln huschte �ber sein wettergegerbtes Gesicht. �Na, ich denke, wir werden᾽s nie herausbekommen, wenn wir es nicht versuchen, oder?� �Na ja, ich hab᾽s ein bisschen versucht, aber sie schien nicht viel davon zu halten.� �Aha�, nickte er wieder. �Sollen wir es noch mal versuchen?� �Okay�, stimmte ich zu, mit einem Hauch von Sarkasmus in der Stimme. �Aber ich glaube nicht, dass sie es mag.� Damit rieb ich ein letztes Mal meine H�nde gegeneinander, nahm die Z�gel auf und fing an, Druck auf das Gebiss auszu�ben. Ich konnte sp�ren, wie sich Lacey dagegen lehnte, w�hrend ihre Nase nach vorn kam. Ein paar Sekunden hielt ich den Druck aufrecht, aber dann begannen die Furchen in meinen Handfl�chen wieder zu schmerzen. Ich lie� den Druck nach und schaute hin�ber zu dem alten Mann. �Siehst du�, sagte ich. �Ich glaube nicht, dass sie viel davon h�lt.� Der alte Mann nickte bed�chtig und ging um den Roundpen herum. Er �ffnete das Tor, ging hindurch und schloss es ruhig hinter sich. Er kam zu uns her�ber, klopfte Lacey den Hals und sagte, ich solle es noch einmal versuchen. Ich war nicht gerade begeistert davon, stimmte aber zu.
Noch einmal nahm ich die Z�gel auf und �bte Druck auf das Gebiss aus, und wieder stie� Lacey ihre Nase nach vorn und lehnte sich dagegen. �Okay�, sagte der alte Mann. �Ich glaube, ich wei�, wo das Problem liegt.� Fein. Endlich merkte er, was ich ihm die ganze Zeit klar zu machen versucht hatte. Die verflixte Stute wollte nicht r�ckw�rts gehen. Es wurde auch Zeit, und ehrlich gesagt war ich ein bisschen erstaunt, dass er so lange gebraucht hatte, um es zu begreifen. Normalerweise war er nicht so langsam. �Was dagegen, wenn ich es versuche?�, fragte er. �Nein�, sagte ich �berrascht. ��berhaupt nicht.� Damit lie� ich die Z�gel fahren und wollte absitzen, aber er sagte, ich solle oben bleiben. Ich setzte mich wieder richtig in den Sattel und st�tzte die H�nde in die H�ften, w�hrend er neben Lacey stand und vorsichtig die Z�gel aufnahm. Langsam verk�rzte er sie, bis sie nicht mehr durchhingen, h�rte dann aber pl�tzlich auf und lie� sie wieder ein St�ckchen durchh�ngen. Er wartete ein paar Sekunden und nahm dann die Z�gel allm�hlich wieder an. Wieder hielt er pl�tzlich inne und lie� den leichten Druck, den er aufs Gebiss aufgebaut hatte, wieder nach. Das machte er noch dreimal. Beim vierten Mal sp�rte ich, wie Lacey ihr Gewicht nach hinten verlagerte. Der alte Mann gab noch einmal nach und nahm die Z�gel noch einmal an. � Da kippte Laceys Kopf ab und sie glitt still und widerstandslos zur�ck. Erst einen Schritt, dann noch einen, dann noch einen � in einer flie�enden Folge. Der alte Mann entspannte seine H�nde, Lacey hielt an. Er lie� die Z�gel los und streichelte ihr sanft den Hals. Nach ein paar Minuten nahm er die Z�gel wieder auf und �bte einen leichten Druck aus. Die Stute z�gerte ein paar Sekunden. Als ich gerade anfing zu glauben, die ersten paar Schritte zur�ck seien ein Zufallstreffer gewesen, fing sie wieder an r�ckw�rts zu gehen, diesmal ein bisschen schneller und noch flie�ender. Als sie zwei oder drei Meter r�ckw�rts gegangen war, lie� der alte Mann die Z�gel los und streichelte ihr wieder den Hals.
�Ich glaube, sie hat doch nicht so viel gegen das R�ck�w�rtsgehen�, sagte er. �Warum arbeitest du nicht noch ein bisschen weiter mit ihr? Versuch einfach, nicht so viel zu ziehen. Denk daran, dass du sie nicht mit dem Gebiss r�ckw�rts richtest. Das Gebiss ist nur dazu da, dass sie sp�rt, was sie soll.� Und damit drehte er sich um, ging aus dem Roundpen und �berlie� es mir, mir einen Reim auf das Geschehene zu machen.
W�hrend ich ihm nachblickte, hallten seine Worte in mir nach. Was sollte das hei�en, dass ich die Stute nicht mit dem Gebiss r�ckw�rtsrichten sollte?
Das ergab keinen Sinn. Nat�rlich richtete ich sie mit dem Gebiss r�ckw�rts. Daf�r war es doch schlie�lich da, oder? Ich ritt noch ein paar Runden, versuchte aber gar nicht erst, die Stute noch einmal r�ckw�rtszurichten. Was der alte Mann gesagt hatte, verwirrte mich. Ich wusste nicht genau, was er meinte. Der Satz l�hmte mich irgendwie. Ich hatte keine Lust, es auch nur zu versuchen.
Sp�ter, als ich mit dem Reiten fertig war und die Stute auf die Weide gebracht hatte, ging ich in die Scheune und fing an, in der gro�en Box neben der Sattelkammer neue Bretter an die Wand zu nageln. Schon die ganzen letzten Tage hatte ich damit verbracht, verrottete Planken zu ersetzen. Heute konnte ich vielleicht mit der Arbeit fertig werden, wenn dem alten Mann in der Zwischenzeit nicht eine neue Besch�ftigung f�r mich einfiel. Ich glaube, ich hatte nicht mehr als zwei oder drei N�gel eingeschlagen, als der alte Mann in der Boxent�r auftauchte. Ein paar Sekunden stand er wortlos da und schien sich mein Werk zu betrachten, bevor er in die Tasche langte und seine Zigaretten hervorzog. Ich schlug noch einen oder zwei N�gel ein, bevor mir d�mmerte, dass er wohl kaum vor Ehrfurcht erstarrt angesichts meiner �berragenden Zimmermannsk�nste dort stand. Ich hatte das Gef�hl, dass er sich einfach zur Verf�gung stellte, um die Frage zu beantworten, die mir im Kopf herumging � wegen des Gebisses, das nicht zum R�ckw�rtsrichten dienen sollte. �Wie l�uft᾽s?�, fragte er, nachdem er sich eine Zigarette angez�ndet hatte. �Es l�uft�, erkl�rte ich und schlug den letzten Nagel ein.
Ich sah zu ihm hoch, als ich mich umdrehte, meinen Hammer hinlegte und das n�chste Brett packte, aber ich sagte nichts. Ich fummelte das Brett an seinen Platz und merkte zu sp�t, dass ich vergessen hatte, Hammer und N�gel aufzunehmen. Sie lagen gut zwei Meter entfernt. Um sie zu holen, musste ich das Brett loslassen, worauf es mit Sicherheit herunterfallen w�rde. Es blieb mir nichts anderes �brig, als das Brett wieder abzusetzen. Um in den Augen des alten Mannes nicht wie ein kompletter Idiot dazustehen, weil ich mein Werkzeug vergessen hatte, visierte ich das Brett scharf an, als ob ich mich vergewissern wollte, dass es auch wirklich in die Stelle passte, die ich gew�hlt hatte. Erst nach einiger Zeit lie� ich erkennen, dass ich mit dem Brett (das speziell f�r diese Stelle zugeschnitten worden war) vollst�ndig einverstanden war, riss es wieder los und setzte es ab. Als h�tte ich es von Anfang an so geplant, ging ich hin�ber und nahm meinen Hammer und eine Hand voll N�gel. Die N�gel steckte ich zwischen die Lippen, wie es richtige Zimmerleute tun, und den Hammer in den G�rtel. Dann passte ich das Brett wieder ein und begann zu h�mmern.
Der alte Mann r�hrte sich nicht vom Fleck. Er stand einfach da, als ob es nichts Wichtigeres g�be, als mir beim H�mmern zuzusehen. Na, ich war bald fertig mit dem Brett. Inzwischen war klar, dass der alte Mann nicht weggehen w�rde, bevor ich nicht die Frage gestellt hatte, die mir, wie er wusste, auf der Zunge lag. �Lacey ist heute nicht schlecht gegangen�, bemerkte ich, w�hrend ich zur�cktrat und mein Werk begutachtete. �Sah so aus, als ob sie gut ginge�, stimmte er zu und stie� eine Rauchwolke aus. �Wie ist sie r�ckw�rts gegangen, nachdem ich weg war?� ��h, eigentlich ...�, fing ich an. �Eigentlich hatte ich gar keine Gelegenheit mehr, sie r�ckw�rtszurichten.� �Nein?� �Nein�, sagte ich mit einem Hauch von Verlegenheit in der Stimme. �Ich glaube, ich wusste nicht, was du damit meintest, dass ich sie nicht mit dem Gebiss r�ckw�rtsrichten sollte.�
Endlich sah ich zu dem alten Mann hoch. Auf seinem Gesicht lag ein leises L�cheln. Er nahm einen Zug von seiner Zigarette, nickte bed�chtig und machte mir ein Zeichen, ihm in die Sattelkammer zu folgen. Ich legte meinen Hammer auf den Bretterstapel und ging ihm nach. Er stand in der Sattelkammer und schaute auf ein paar Trensen an der Wand. Er langte hoch und nahm einen alten Zaum mit einer Wassertrense herunter. Die Z�gel waren ein bisschen verheddert. Er fummelte ein Weilchen herum, bis er sie entwirrt hatte. Dann gab er mir das Zaumzeug mit dem Gebiss und behielt selbst die Z�gel in der Hand. �Nimm einmal das Gebiss in die Hand�, sagte er und kniff leicht die Augen zusammen, weil ihn der aufsteigende Zigarettenrauch reizte. �Und das Zaumzeug ziehst du dir �ber den Arm.� Ich h�ngte mir das Zaumzeug �ber den ausgestreckten Arm, das Stirnband �ber der Schulter, und nahm das Gebiss in die Hand. �Okay. Jetzt mache die Augen zu und sag mir, wann du den ersten Zug am Z�gel sp�rst.� Ich machte die Augen zu und wartete. Nach ein paar Sekunden sp�rte ich, dass das Gebiss sich bewegte, sagte aber nichts, weil ich nicht das Gef�hl hatte, dass er richtig an den Z�geln �zog�. �Sp�rst du etwas?�, fragte er. ��h, nein. Ja. Irgendwie schon, glaube ich.� �Was nun?� ��h, ich glaube, ja. Ich sp�re etwas.� �Okay, gut.� Ich konnte f�hlen, wie das Gebiss wieder locker wurde.
�Und jetzt m�chte ich, dass du einen Schritt in Richtung Druck machst, sobald du etwas sp�rst. Klar?� Ich nickte und wartete darauf, dass das Gebiss sich wieder bewegte. Ich sp�rte einen ganz leichten Zug am Gebiss, fast unmerklich, aber ich war sicher, er war da. Sobald ich ihn wahrnahm, machte ich � ganz der aufmerksame Mustersch�ler � einen Schritt nach vorn in Richtung Druck. �Sehr gut.� Sogar mit geschlossenen Augen konnte ich h�ren, dass der alte Mann l�chelte. �Probieren wir᾽s noch einmal.� Ich entspannte mich und wartete wieder darauf, dass das Gebiss sich bewegte. Diesmal bewegte es sich noch weniger, aber wieder wollte ich der Mustersch�ler sein und machte einen Schritt nach vorn. �Gut�, sagte er wieder. �Und jetzt sag mir etwas.� Ich machte die Augen auf und sah ihn an. �Habe ich dich mit dem Gebiss zu mir hingezogen?� �Mich gezogen?� Ich war etwas verwirrt. �Nein.� �Hast du das Gef�hl gehabt, dich gegen den Druck wehren zu m�ssen?� �Nein.� �Ist es dir leicht gefallen zu tun, was ich dir gesagt habe?� �Ja�, sagte ich leicht �berrascht. �Es war wirklich leicht.� �Sch�n�, sagte er, nahm mir den Zaum ab und h�ngte ihn wieder sorgf�ltig an die Wand. �F�r mich war es auch leicht.� Damit zog er ein letztes Mal an der Zigarette und rollte das Ende zwischen den Fingern, bis das rot gl�hende Ende so gut wie verschwunden war. Der restliche Tabak schwebte mit den letzten Fitzelchen Zigarettenpapier zu Boden. Er trat das Ganze mit der Fu�spitze in den Boden und ging aus der T�r.
Gleich am n�chsten Tag holte ich Lacey herein, putzte und sattelte sie und f�hrte sie zu unserer t�glichen Arbeit in den Roundpen. Ich erinnere mich, dass wir beide bester Laune waren. Schon bald sa� ich im Sattel, wir nahmen unsere Routinelektionen durch. Schritt, Wendung nach rechts, Wendung nach links, Halten, ein paar Sekunden Stillstehen, und das Ganze noch einmal von vorn. Nach vielleicht f�nf Minuten beschloss ich, es w�re Zeit, sie r�ckw�rtszurichten. Lacey hatte sehr sch�n angehalten und stand ruhig da, als ich anfing, die Z�gel anzunehmen. Ich versuchte verzweifelt, so weich und ruhig zu sein wie der alte Mann, als er sie am Tag zuvor r�ckw�rtsgerichtet und er mit mir in der Scheune gearbeitet hatte. Obwohl ich nur einen ganz leichten Druck aus�bte, hatte ich zuerst nicht den Eindruck, dass die Stute in irgendeiner Weise reagierte. Eigentlich wollte ich gerade etwas mehr Druck machen, als mir pl�tzlich eine Idee kam. Als der alte Mann mich sp�ren lassen wollte, wann er Druck auf das Gebiss machte, hatte ich die Augen schlie�en m�ssen. Zugegeben, ich wusste nicht, ob er damit erreichen wollte, dass ich nicht sehen konnte, wann er die Z�gel annahm oder dass ich wirklich sp�rte, was er machte. Wie auch immer, es war ein wichtiger Teil des Puzzles, das mir da entgangen war. Also schloss ich die Augen, w�hrend ich langsam die Z�gel annahm. Und schon sp�rte ich Dinge �ber die Z�gel, die ich vorher nicht wahrgenommen hatte. Da war hier ein winziger Widerstand, dort ein leichtes Nachgeben, ein Klingeln vom Gebiss, ein kleines Nachgeben im Genick � alles innerhalb von Sekunden. Ich lie� den Druck kurz nach, nahm dann die Z�gel wieder auf und sp�rte erneut eine Vielfalt von Bewegungen �ber die Z�gel. Ohne Vorwarnung, w�hrend ich noch damit besch�ftigt war, die verschiedenen Bewegungen, die ich �ber die Z�gel sp�rte, einzuordnen, kam von Lacey eine ganz neue Bewegung. Sie verlagerte ihr Gewicht nach hinten! Nicht viel, das nicht. Wenn ich darauf gewartet h�tte, w�re es mir vielleicht gar nicht aufgefallen. Aber ich denke, da meine Augen zu waren, konnte ich die Bewegung erf�hlen. Sofort lie� ich das bisschen Druck, das ich aus�bte, ganz nach, machte die Augen auf, lehnte mich nach vorn und klopfte der Stute den Hals.
Ein paar Sekunden sa� ich still im Sattel, dann versuchte ich es noch einmal. Ich machte die Augen zu, nahm die Z�gel etwas an. Als ich Kontakt zu ihrem Maul sp�rte, wartete ich einfach ab. Es vergingen wohl keine sechs Sekunden, bevor ich wieder eine Reihe von ganz leichten Reaktionen sp�rte. Keine zehn vergingen, bis sie wieder das Gewicht nach hinten verlagerte. Sofort lie� ich die Z�gel locker. Das wiederholte ich dreimal und pl�tzlich, fast ganz ohne Druck aufs Gebiss, trat sie mehrere Schritte zur�ck. Vor lauter Schock, dass die Stute auf einen so leichten Druck hin zur�ckgetreten war, h�tte ich beinahe die Z�gel fallen gelassen. Aufgeregt suchte ich die Umgebung ab und hoffte, der alte Mann h�tte gesehen, was ich gerade gemacht hatte, aber er war nirgends zu sehen. Ich fasste mich wieder und arbeitete mit Lacey in der gleichen Art weiter. In weniger als f�nf Minuten trat sie f�nf, zehn, f�nfzehn Schritte in Folge zur�ck, und das auf einen so leichten Druck hin, dass ich es kaum f�r m�glich hielt. Aber genau so war᾽s!
Sp�ter erz�hlte ich dem alten Mann aufgeregt, was Lacey und ich erreicht hatten, und wie immer kam nicht viel Reaktion von ihm. Er sa� da, h�rte sich geduldig an, was ich zu sagen hatte, nickte ab und zu bed�chtig und schien ansonsten ziemlich unbeeindruckt von meinem Bericht. Ich erinnere mich, dass er wartete, bis ich fertig geredet hatte. Dann z�ndete er eine Zigarette an. Er stie� die erste Rauchwolke aus, lehnte sich in seinem Stuhl zur�ck und sah aus dem Fenster zur Weide hin. Jedes Mal, wenn du mit einem Pferd k�mpfen willst�, sagte er mit leiser, aber fester Stimme, �ist das Pferd bereit zur�ckzuk�mpfen. Tatsache ist aber, dass es sogar w�hrend dem K�mpfen immer noch versucht herauszubringen, was du eigentlich willst. Das Traurige daran ist, dass du so mit K�mpfen besch�ftigt bist, dass du gar nichts von diesen Versuchen merkst. Klingt, als h�ttest du aufgeh�rt, mit ihr zu k�mpfen.�
Damals waren das f�r mich nur Worte. Viel Sinn schien nicht dahinter verborgen zu sein. Vielleicht war ich noch zu jung oder auch zu hingerissen von dem, was ich gerade mit Lacey erlebt hatte. Jedenfalls sollte es noch Jahre dauern, bis mir restlos aufging, wie wichtig das, was der alte Mann damals gesagt hatte, tats�chlich war.
Das Mark Rashid-Buch �Ein Leben f�r die Pferde� ist jetzt auch auf Deutsch lieferbar!
Mark Rashid und Kathleen Lindley
Ein Leben f�r die Pferde
Die Kunst der Verst�ndigung
192 Seiten, 25,60 �, Hardcover, 94 Farbfotos, Kosmos, ISBN 978-3-440-11752-1
Pferden und ihren Menschen zu einer besseren Partnerschaft zu verhelfen, ist das Anliegen des Horseman Mark Rashid. Dieser Bildband zeigt, wie Mark Rashid arbeitet. Es sind ausdrucksstarke Bilder, kommentiert mit fachkundigen und doch sehr pers�nlichen Texten von ihm und seiner Fotografin Kathleen Lindley. So anschaulich und ber�hrend wurden Horsemanship, Sanftheit, Achtsamkeit und Respekt im Umgang mit dem Pferd noch nie erkl�rt.