In den h�heren Landesregionen
Ein Horseman aus Alberta erkl�rt mit seinen eigenen Worten, wie er sein Leben mit American Quarter Horses verbringt und mit diesen Pferden die Rancharbeit erledigt.
Text: Carl Wilson mit Larri Jo Starkey
Fotos: Larri Jo Starkey
�bersetzung: Sonja Gr�nauer
Als junger Bursche im Alter von 18 oder 19 Jahren bl�tterte ich im Western Horseman Magazin und stolperte �ber ein Inserat von Dr. Hall aus Casper, Wyoming, der darin einige Pferde zum Verkauf anbot, unter anderem eine Stute, die eigentlich ein Rennpferd war. Ihr Name war Docs Hut Sut. Also nahm ich mit Dr. Hall Kontakt auf und sagte ihm, ich w�re interessiert, diese Stute zu kaufen. Ich sprach mit meinem Vater dar�ber und er sagte: �Sobald wir mit der Ernte fertig sind, werden wir uns diese Pferde ansehen.�
Wir hatten einen neuen Farm-Truck, der so langsam �bersetzt war, dass man mit ihm nicht auf dem Highway fahren konnte, da er daf�r zu langsam war. Ich wusste, dass mein Vater keine Freude damit haben w�rde, eine solch lange Strecke mit diesem Fahrzeug zu bew�ltigen. Am Abend hielten wir bei einem kleinen Restaurant in Grass Range, Montana. Darin sa�en vier Cowboys, mit denen wir ins Gespr�ch kamen. Sie meinten, wir sollten noch diesen Abend mit zu ihrer Ranch kommen, das sie einige Quarter Horses zu verkaufen h�tten. Der Besitzer der Ranch in Billings, Montana, auf der die vier Cowboys arbeiteten, war Bob Fraser. Da er auch der Vorarbeiter dieser Ranch war, klang dies nach einem guten Plan. Wir fuhren noch am selben Abend zur Ranch.
Am n�chsten Morgen zeigte er uns eine Herde an Stuten, die er als kleine Herde bezeichnete. Er sagte: �Es sind zirka 60 Stuten � und sie sind gemeinsam mit diesem einen Hengst, er hei�t Little Bulger, auf der Weide. Schauen wir uns die Stuten doch einmal an�, forderte er uns auf. Mein Vater war dar�ber sehr froh, denn wenn wir hier ein passendes Pferd finden w�rden, w�rde er sich viele weitere Kilometer mit dem Truck sparen. Wir sattelten einige Pferde und ritten die Weide entlang, bis wir die Stutenherde fanden. Der Hengst war uns gl�cklicherweise gut gesinnt und lie� uns in Ruhe die Stuten beobachten. Mein Vater war �berzeugt und sagte: �Ich denke, wir sollten einige dieser Pferde kaufen und mit nach Hause nehmen.� Also trieben wir die Herde zu einem Pen. Ich ritt eine kleine buckskin-farbene Stute, die noch roh war. Ich dachte, wenn diese Quarter Horses alle so wie sie sind, bin ich nicht sicher, ob ich solch ein Pferd haben will.
Als wir schon fast beim Ziel angekommen waren, bemerkten die �lteren Stuten, dass wir versuchten, sie in einen Pen zu treiben. Sie versuchten, zu entkommen. Dies entwickelte sich zum Ritt meines Lebens. Die kleine Stute unter mir begann von sich aus, die Pferde daran zu hindern, auszubrechen. Die anderen drei Reiter versuchten auf einer Seite, die Herde zu halten, ich alleine mit meiner Stute auf der anderen Seite. Und meine Stute konnte alle Pferde der Herde problemlos alleine in den Corral geleiten!
Der Kauf unserer ersten Pferde
Nachdem die Stuten nun alle in dem Rundcorral waren, konnten wir uns die Tiere in Ruhe ansehen. Wir entschieden uns f�r eine 6-j�hrige Stute von der Matador Ranch, die an ihrer H�fte die Zahl 50 eingebrannt hatte. Ihr Name war Frasers Nicky. Sie hatte eine J�hrlingsstute bei Fu�, die mir so gut gefiel, dass ich auch sie kaufte. Weiters entdeckte ich eine Palomino-Stute, die von Skipper W abstammte. Sie war bereits 10 Jahre alt, und ich kaufte auch dieses Pferd.
Bild 1:
Carl Wilson und seine Familie beginnen in der ersten Oktoberwoche damit, die Rinderherde aus den Rocky Mountains ins Tal zu treiben.
Bild 2:
Das Zuchtprogramm der Carl�s Alta Bar Ranch ist auf die Zucht von robusten, kr�ftigen und athletischen Pferden ausgelegt.
Bild 3:
Harlee Wilson z�hlt die Rinder w�hrend der ersten Oktoberwoche 2007. Laut Regierung muss die exakte St�ckzahl bis Ende Oktober feststehen.
Am n�chsten Tag verluden wir die Pferde und brachten sie in ihr neues Zuhause. Mein Vater und ich waren gl�cklich �ber unsere Wahl. Als wir zur Grenze kamen, mussten wir das ganze Wochenende dort warten, da Thanksgiving war und kein Tierarzt Dienst hatte. Endlich daheim begannen wir, viel Zeit mit den Pferden zu verbringen. Wir mussten mit ihrer Ausbildung teilweise ganz von vorne beginnen, aber sie machten sich dabei sehr gut. Einige Zeit sp�ter, ich wei� nicht genau wann, bekam ich einen Brief vom Vorarbeiter der Ranch, wo wir die Pferde gekauft hatten. Er erz�hlte darin, dass er einen schweren Reitunfall gehabt hatte und sich dabei einen R�ckenwirbel gebrochen hatte. Eine Operation hatte er abgelehnt und arbeitete nun mit Schmerzen weiter.
Quarter Horses in Alberta
Als Mary Ellen und ich heirateten, hatten wir zwei Jungpferde zum Anreiten. Eines war eine Palomino-Stute von der ersten Wiescamp-Zuchtstute, das andere war eine Chestnut-Stute aus unserer ersten Matador-Stute. Im Alter von zwei Jahren brachten wir sie zu einer Landwirtschaftsmesse, wo es jedoch keine Quarter Horse-Klassen gab. Niemand in unserer Region kannte diese Rasse. Es gab nur eine allgemeine Zuchtklasse, und wir gingen mit den Stuten dort an den Start. Der Bewerb wurde von einer gro�en Thoroughbred-Stute gewonnen, jedoch unsere Palomino-Stute wurde bereits als Zweite platziert. Mary Ellen wurde mit der Chestnut-Stute Dritte. �Als ich nach dem Bewerb mit dem Richter sprach, erkl�rte ich ihm, dass er gerade ein Quarter Horse bewertet hatte und er in Zukunft sicherlich mehr Pferde dieser Rasse zu Gesicht bekommen w�rde.� Innerhalb weniger Jahre vermehrte sich diese Pferderasse in unserer Region. Jeder wollte ein Quarter Horse. Auch bei uns h�uften sich die Anfragen nach Pferden aus unserer Zucht. Mit der Zeit wurde die Nachfrage wieder schw�cher, weil der Markt zunehmend ges�ttigt war.
Rennpferde-Blut
Die Palomino-Stute, die bei der ersten Landwirtschaftsmesse den zweiten Platz erreichte, war eine sehr h�bsche Stute. Ich startete mit ihr bei einer kleinen Horse-Show in Hannah, Alberta, und ich gewann mit ihr die Stock Horse-Klasse. Nach einiger Zeit wurde sie eine unserer Zuchtstuten. Das erste Fohlen verlor sie leider. Bereits sehcs Wochen danach startete ich die Stute in einem Rodeo-Bewerb. Die kleine Stute war einfach unglaublich. Als wir bei dieser Show ankamen, war sich nicht bei bester Kondition. Sie hatte einen dicken Bauch und war eigentlich nicht in optimaler Verfassung f�r solch einen Event. Ich stellte fest, dass auch ein Quarter-Mile-Rennen auf dem Programm stand und dass nur zwei Thoroughbred-Pferde daf�r genannt waren. Mary Ellen und ich beschlossen, die Stute bei diesem Bewerb zu starten, obwohl Mary Ellen meinte, dass die Stute nicht in bester Kondition sei. Wider Erwarten flog die Stute mit einem unglaublichen Tempo �ber diese Distanz und besiegte die beiden anderen Pferde um L�ngen. Die Reiter der beiden anderen Pferde waren entsetzt dar�ber, von einer kleinen, dicken Stute besiegt worden zu sein. Ein Mann aus der �lbranche, der bei dem Event mit einigen Cutting-Pferden am Start war, versuchte mit allen Mitteln, uns diese Stute abzukaufen. Er bot mir seinen Cutting-Hengst und zus�tzlich noch 2000 Dollar f�r die Stute. Doch ich behielt die Stute und startete sie noch am selben Tag im Roping, wo ich den 4. Platz belegte und Harvey Burrows auf ihr den Sieg holte. Es war ein gro�er Tag f�r unsere Stute.
Bild 4:
Harlee Wilsons Familie hilft mit, um die Rinder f�r den Heimtransport zusammenzutreiben.
Bild 5:
Carl und Mary Ellen Wilson schafften sich am Fu�e eines Berges in der N�he von Rimbey, Alberta, ein neues Zuhause. Ihr Hengst, Ezzie Tiger, genie�t die Weiden, w�hrend die Wilsons ihn beobachten k�nnen, wenn er gerade nicht bei seinen Stuten ist.
Ranch-Arbeit
Die Alta Bar Ranch liegt mitten in Alberta in Kanada, im Nordwesten von Calgary, und wird von uns, unserem Sohn Harley, dessen Ehefrau Brenda und deren Kinder gef�hrt. Unsere Rinderzucht besteht aus zirka 350 Mutterk�hen und zirka 100 einj�hrigen K�hen, die wir selbst z�chten. Zirka die H�lfte der Jungk�he wird j�hrlich verkauft, der Rest verbleibt in unserer Zucht. Ein Teil des Landes, das wir bewirtschaften, geh�rt uns, einen Teil haben wir dazugepachtet. Der gepachtete Teil liegt am Fu�e der Rocky Mountains, zirka 60 Meilen von unserer Ranch entfernt. Jeden Sommer verbringen wir dort einige Zeit, um unsere Rinder ins Hochland zu bringen. Es ist ein sehr raues Land. Es gibt dort B�ren, W�lfe und Pumas. Vor drei Jahren haben sogar zwei Grizzlys eine unserer K�he gerissen. Immer wieder kommt es auch vor, dass die W�lfe eines der Rinder erlegen. Harley findet dann meist nur die �berreste des get�teten Tieres. Besonders im September trainieren die Wolfsm�tter ihre Jungen f�r die Jagd, dadurch verlieren wir immer wieder einige K�lber.
Vor zwei Jahren �ffnete Mary Ellen das Weidetor und lie� den Stier hinaus. Sie h�rte ein unheimliches Ger�usch und entdeckte in einer Entfernung von 10 Metern einen Puma. Ihr Pferd wurde nerv�s. Sie lenkte das Pferd vorsichtig aus der gef�hrlichen Zone und konnte dieser heiklen Situation entkommen.
Es gibt eine Menge solcher unangenehmen Situationen, doch alles in allem ist der menschliche Feind unser gr��tes Problem. Jedes Jahr verlieren wir dadurch mindestens zwei oder mehr K�lber. Wir bringen Anfang Juni die K�lber zur Rinderweide, wo sie bis Mitte Oktober bleiben. Mitte Oktober m�ssen wir sie aus diesem von der Regierung zur Verf�gung gestellten Land bringen. Es dauert zirka eine Woche bis 10 Tage, bis die Herde zusammengetrieben ist und weggebracht werden kann. Wir versuchen, Gr�nfutter f�r den Herbst und Winter zu lagern. Normalerweise m�ssen wir diese Vorr�te nicht vor der Weihnachtszeit verf�ttern, was die Zeit, in der wir die Herde durchf�ttern m�ssen, gl�cklicherweise sehr verk�rzt. Wird das Wetter jedoch fr�hzeitig schlechter, m�ssen wir entsprechend fr�her mit der Zuf�tterung beginnen. Unsere Rinder sind vorwiegend eine Kreuzung der Simmental-Kuh mit der Red Angus-Kuh.
Vor einigen Jahren hatten wir nur reine Simmental-Stiere im Deckeinsatz, die wir aus Europa importiert hatten. Daf�r reisten wir zwei Mal nach Europa, um passende K�lber auszusuchen, und brachten 12 Tiere zu uns nach Hause.
Im Februar beginnen die Muttertiere mit dem Kalben. Es ist zwar oft noch sehr kalt, doch wir denken, dass es besser ist, wenn das Klima rau und hart ist, als wenn es im Fr�hling schlammig und w�rmer ist. Ich liebe diese Arbeit. Sie ist mein Leben. Ich liebe es, mit meinem Pferd bei der Arbeit durch das Hochland zu reiten.
Bild 6:
Mary Ellen Wilson arbeitet immer noch bei der Rinderarbeit mit.
BIO
Carl Wilson und seine Frau Mary Ellen lernten sich bei einem Symposium f�r junge Farmer an der Universit�t von Edmonton kennen. Sie heirateten 1958 und bekamen vier Kinder, die alle im Rodeo-Sport t�tig waren. Ihre Tochter Dawn ist K�nstlerin, ihre Tochter Carla ist immer noch aktiv im Barrel Racing. Sohn Randy reitet als Halbprofi im Rodeosport. Auch ihr Sohn Harlee hat viele Erfolge in der Rodeoklasse vorzuweisen. Auch alle 12 Enkelkinder der Wilsons reiten, einige sogar erfolgreich in den Rodeoklassen.
Das bekannteste Wilson-Pferd war Peponita San Tivio, ein Sohn von Peponita. Viele ihrer Zuchtstuten stammen von ihm ab. Ezzie Tiger, ihr derzeitiger Zuchthengst, ist ein Sohn von Zippos Mr Goodbar aus einer Tiger Leo-Zuchtstute.
Carl war Vorstandsmitglied der Alberta Quarter Horse Association, der Alberts Reined Cow Horse Association und der Alberta Cutting Horse Association. �Ich w�rde sagen, mein sch�nstes Erlebnis war der Sieg im Alberta Reined Cow Horse Cutting-Bewerb 1993�, sagt Carl, wo er auch als erfolgreicher Z�chter ausgezeichnet wurde. �Aber trotzdem ist es f�r mich immer noch am sch�nsten, auf meinem Quarter Horse zu reiten, eine Herde von Rindern und K�lbern zu h�ten und das Land, das unser Sch�pfer erschaffen hat, zu bewundern. Das stimmt mich gl�cklich und zufrieden.� Derzeit arbeitet Carl mit Hilfe von Mary Ellen an seinen Memoiren, in denen er von seinem Leben, seiner Arbeit und seiner Liebe zum American Quarter Horse erz�hlt.