Die Libido des Hengstes
Zuchtmanager und Veterin�re erkl�ren, welchen Einfluss die nat�rliche Zucht auf die Deckf�higkeit der Zuchthengste hat.
Text: Cynthia McFarland
Fotos: John Brasseaux
�bersetzung: Sonja Gr�nauer
Die Leute scherzen gerne dar�ber, welch einen tollen Job ein Zuchthengst doch hat � doch dies ist nicht immer der Fall. Hengste sind besondere Tiere, die sehr von ihrer Umgebung, ihren Betreuern, den Deckaktivit�ten, der t�gliche Routine und auch von anderen Hengsten beeinflusst werden. Es h�ngt von der Pers�nlichkeit eines Hengstes ab, ob sich der eine oder andere Faktor negativ auswirkt. Die Libido eines Hengstes auf h�chstem Niveau zu halten, ist das Ziel jedes Zuchtmanagers. Um herauszufinden, was zu tun ist, um den Hengst bei Laune zu halten, haben wir mit Zuchtmanagern von zwei wichtigen Zuchtstationen und mit einigen Veterin�ren gesprochen.
Nat�rliches Umfeld
Auf der Babcock Ranch in Valley View, Texas, hat der Rancheigent�mer Jim Babcock einige Hengste im Einsatz, wie z.B. Smart Chic Olena. Dieser 23-j�hrige Hengst wurde in die NRHA Hall of Fame aufgenommen, gilt als 4-Millionen-Dollar Zuchthengst und ist einer der erfolgreichsten Quarter-Zuchthengste �berhaupt. (Diese weiteren Hengste wurden sind auch in die Hall of Fame aufgenommen: Trashadeous, Mister Dual Pep, Paid By Chic, Cowboy Smarts, Bueno Fritzi Nic, Elans Playboy, Captain Nice und Chicks Achy Braky.)
Obwohl es eher �blich ist, alle Zuchthengste in einem Stalltrakt unterzubringen, ist dies auf der Babcock Ranch nicht der Fall. �Sieht ein Hengst den ganzen Tag �ber immer nur andere Hengste, dann kann dies zu sozialen Verhaltensst�rungen f�hren, weniger bei den aggressiven Tieren, sondern eher bei den ruhigeren�, erkl�rt Steve Bond, der zust�ndige Veterin�r auf der Babcock Ranch, der f�r den Zuchtbetrieb zust�ndig ist. Die Hierarchie kann jene Hengste negativ beeinflussen, die von Natur aus einen ruhigeren Charakter haben. �Es gibt eine Art Einsch�chterungsfaktor. Diesen �ben vor allem dominante Hengste aus, wenn sie in keiner nat�rlichen Umgebung leben�, sagt Dr. Bond. �Aber auch dominante Hengste sind dadurch manchmal beeinflusst, weil es in ihrem Naturell liegt, die rangniedrigeren Hengste aus ihrem Revier zu verjagen. Fakt ist, dass in der Natur niemals 9 oder 10 Hengste gemeinsam eine Herde bilden w�rden und um sich herum keine anderen Pferde haben. Pferde sind gemischte Herden gew�hnt. Dies w�rde somit nicht einer nat�rlichen Herdenkonstellation entsprechen.�
Auf der Babcock Ranch sind die Hengste in den beiden Show-Stallungen aufgeteilt. In diesen Stallungen sind auch Stuten untergebracht. Die Boxen der Hengste sind jedoch nicht direkt an der zentralen Stallgasse bzw. ist kein Hengst neben einem anderen Hengst untergebracht. �Wir stellen problemlos eine Stute in die Box neben einen Hengst�, erkl�rt Bond. �Das h�lt den Hengst wach, und er hat dadurch sozialen Kontakt zu anderen Artgenossen. Wenn Hengste immer nur dieselben Pferde um sich herum haben, kann es negative psychologische Auswirkungen auf sie haben, wenn man pl�tzlich ein anderes Pferd in die Nebenbox stellt. Durch permanenten Wechsel der Nachbarpferde beugen wir diesem Problem vor. F�r einige Hengste macht dies psychologisch gesehen einen sehr gro�en Unterschied. Sind sie nicht gew�hnt, dass es immer wieder Ver�nderungen gibt, lernen sie nicht, sich der Umgebung anzupassen. Viele Leute wundern sich, wie es m�glich ist, einen Hengst in einem Stalltrakt mitten unter Stuten unterzubringen. Ich finde es absolut nat�rlich, denn auch drau�en in Freiheit lebt der Hengst inmitten einer Stutenherde.�
Auch die Babcock-Pferde, die erst in der Aufzucht sind und auf einer eigenen Ranch leben, sind nicht nach Stuten und Hengsten getrennt. Dies ist in Hinblick auf zuk�nftige Show-Starts hilfreich, denn auch dort m�ssen die Hengste in der N�he von rossigen Stuten ihre Leistung bringen. Durch diese Art von Aufzucht sind sie entsprechend darauf vorbereitet.
Die Hengste kommen hier regelm��ig in ihren Paddockauslauf, an den die Koppeln der Stuten und Fohlen angrenzen. Sie werden also nicht von den anderen Pferden isoliert gehalten. Die Hengste laufen nat�rlich am Zaun auf und ab, aber dies wird auch so erwartet. Dadurch kann man dem Hengst ein entspanntes Leben bieten. �Nat�rlich ist es wichtig, dass die Z�une stabil sind und der Boden am Paddock gut ist�, f�gt Dr. Bond hinzu. �Pferde sind eben Herdentiere. Also ist das Einsperren der Pferde in Boxen, um sie zu sch�tzen, sicherlich keine vern�nftige L�sung, um zu verhindern, dass sie sich verletzen. �berhaupt ist die Koppelhaltung das Wichtigste f�r ein Pferd. Ein Stall muss nicht unbedingt sicherer f�r ein Pferd sein, als seine Koppel. � Wichtig ist nur, dass die Einz�unung sicher ist.�
Arbeit ist wichtig, um Hengste gesund und ihre Libido stark zu erhalten. Die Babcock-Hengste werden regelm��ig gearbeitet. Entweder longiert man sie im Roundpen oder sie gehen in der Schrittmaschine. Sie trotten dabei nicht einfach nur vor sich hin, sondern man achtet darauf, dass die Tiere ins Schwitzen kommen und entsprechende k�rperliche Arbeit leisten. Die einzige Ausnahme ist Smart Chic Olena, dieser wird nur im Schritt spazieren gef�hrt. �Er ist hier sozusagen das Aush�ngeschild und genie�t eine ganz besondere Aufmerksamkeit und Pflege�, sagt Dr. Bond. �Als pensioniertes Show-Pferd hat er bereits Arthrosen, daher wird er nur im Schritt gef�hrt. Wir machen mit ihm lange Spazierg�nge, damit er die Stuten sehen und sich immer noch wichtig f�hlen kann.�
Einige der Zuchthengste stehen im sportlichen Einsatz und werden ausw�rts auf Turnieren gestartet. Diese gemischte Stallhaltung kommt ihnen f�r diese Aufgabe sehr entgegen. �Die Pferde lernen besser, mit Ver�nderungen umzugehen�, sagt Dr. Bond. �Cowboy Smarts zum Beispiel ist oft nur zwei oder drei Wochen hier im Stall, um dann wieder zu einem Turnier gebracht zu werden. Er hat keine Probleme damit, sich in seinen Pausen daheim einzugew�hnen. Er ist diesen st�ndigen Ortswechsel gew�hnt.�
Bild 2:
A Grand Prize genie�t seinen Koppelgang auf der Sunny Pines Farm.
Die Libido stark erhalten
Wenn ein Hengst Stuten hat, die er als seine Herde sieht, st�rkt dies definitiv seine Libido. Es st�rkt nicht nur sein Selbstvertrauen, sondern auch seinen Charakter. Dr. Bond konnte beobachten, dass man die Libido eines Hengstes wieder aktivieren kann, wenn man ihn auf die Koppel in die N�he von Stuten bringt. Man darf nicht erwarten, dass sich ein Hengst normal benimmt, wenn man ihm den Kontakt zu Stuten verweigert. �Auch wenn die Babcock-Zuchthengste zur Samenabnahme gef�hrt werden, werden sie von einer rossigen Stute begleitet, die sie f�r die Prozedur einstimmen soll. Wir legen viel Wert darauf, dass der Hengst bei der Samenabnahme ein m�glichst nat�rliches Umfeld hat, damit alles gut funktioniert.�
Will ein Zuchthengst einmal nicht auf die Dummy-Stute aufspringen, ist dies kein Grund zur Beunruhigung. Auch er kann einmal einen schlechten Tag haben. Passiert dies jedoch �fter, sollte sich der Zuchtmanager M�glichkeiten �berlegen, wie er den Hengst wieder motivieren kann.
Die Zuchthengste auf der Babcock-Ranch haben eigene Betreuer, die sich um deren Wohl k�mmern. Sie sind nicht die Trainer der Hengste und reiten sie auch nicht. �Ein Trainer hat dem Hengst eigentlich immer zu erkl�ren, dass er sich nicht wie ein Hengst zu verhalten hat, daher haben wir eigene Betreuer, bei denen der Hengst auch Hengst sein kann. Das ist psychologisch f�r den Zuchteinsatz sehr wichtig�, erkl�rt Dr. Bond. �Ich hatte Hengste, die kein Interesse mehr hatten, ihrer Aufgabe als Zuchthengst nachzugehen, sobald jemand mit Sporen daher kam. Diese Pferde hatten alle die Jahre gelernt hatten, dass die Menschen von ihnen erwarteten, sich nicht als Hengst zu benehmen.�
Hengste, die normalerweise von M�nnern trainiert werden, kommen mit einer weiblichen Betreuerin am besten zurecht, da die Tiere somit noch einen besseren Unterschied machen k�nnen, wann sie sich als Hengst benehmen d�rfen und wann nicht.
�Wir bringen die Hengste zum Absamen in einen anderen Stalltrakt, damit sie begreifen, dass sie hier wirklich Hengst sein d�rfen. Manche bekommen ein anderes Halfter angelegt, das sie als das Halfter erkennen, mit dem es zum Abnehmen der Samen geht. Diese Regeln helfen den Hengsten zu wissen, wann ihre Libido gefragt ist.�
Es ist auch wichtig, den Tieren die M�glichkeit zu geben, zur Ruhe zu kommen. Dr. Bond h�lt nichts von der Methode, die Hengste Tag und Nacht bei Licht zu halten, damit sie kein Winterfell bekommen. Dadurch wird der nat�rliche Jahreszyklus des Pferdes durcheinander gebracht werden und das ist nicht gut. �Wir drehen nachts das Licht ab, nehmen den Pferden im Stall die Decken runter und lassen dem nat�rlichen Jahreszyklus seinen Lauf�, sagt Dr. Bond, der bereits seit 30 Jahren Erfahrung in der Pferdezucht hat. �Es ist vollkommen nat�rlich, dass die Hengste ab dem Herbst �ber den Winter nicht so aktiv sind. Dies geht parallel zu den Zuchtstuten, die normalerweise erst im Fr�hling rossig werden. Ich bin ein gro�er Bef�rworter dieser Methode, denn nach der Winterpause ist der Samen der Hengste wieder stark.�
Im Stall mit den Stuten
In Lucama, North Carolina, befindet sich die Sunny Pines Zuchtranch, die in Besitz von Francois Gauthier ist, der lange Zeit Turnierreiter und NRHA-Profi war. Seine NRHA-Preisgelder betrugen mehr als 594.000 Dollar. Der Zuchtbetrieb nimmt auch Stuten von ausw�rts zum Decken auf und verschickt Gefriersamen. Sogar bis nach Europa werden die Samen der Zuchthengste versendet.
Auf der Sunny Pines Ranch waren im Jahr 2008 mehrere Zuchthengste, wie Rowdy Yankee, Boggies Flashy Jac, Boggierima, Don Quintana, A Smart Enterprise und A Grand Prize im Einsatz.
Zuchtmanagerin Josiane Gauthier verstreut die Zuchthengste in allen Stallgeb�uden, anstatt alle in einem Stalltrakt zu halten. Eine gute Libido der Hengste zu erhalten, war Grund f�r diese Entscheidung. �Normalerweise bringen die Leute die Zuchthengste alle zusammen in einem Stallbereich unter, doch dies kann die Samenproduktion und die Libido erheblich negativ beeinflussen. In der Wildnis wird man auch keine Herde an Hengsten vorfinden, sondern nur einen Leithengst, der alle anderen Pferde dominiert.�
Gauthier ist sich bewusst, dass die kleinste Ver�nderung gro�en Einfluss auf einen Hengst haben kann. Sie erinnert sich daran, dass aufgrund von Renovierungsarbeiten die Hengste f�r l�ngere Zeit alle in einem Stall untergebracht waren und die Zuchthengste nicht positiv darauf reagierten. Aus diesem Grund wurde die Sperma-Abnahme zu dieser Zeit nicht durchgef�hrt, weil sie bef�rchtete, dass die Qualit�t nicht entsprechend gut sein w�rde. �Ich konnte beobachten, wie ungl�cklich unsere Zuchthengste in diesem kleinen Stall waren. Manche wollten sogar nicht richtig ihr Heu fressen.� Sind die Hengste in den Stallungen verteilt, haben sie die M�glichkeit, andere Pferde zu sehen, sowohl Stuten als auch Wallachen. Die Tiere sind dann gl�cklicher, weil sie mehr Kontakt zu anderen Pferden haben k�nnen.
Aufgaben
Einige der Hengste der Sunny Pines Ranch sind im Turniereinsatz. Diese Pferde ben�tigen ein gewissenhaftes Programm, um ihre Libido stark zu erhalten. Hengste, die viele Stuten bedecken, werden nicht jedes Wochenende bei einem Turnier gestartet, da es zu anstrengend w�re. Der Druck w�re physisch wie mental zu gro�. Auch wenn ein Hengst w�hrend der Zuchtsaison nicht mehr im Turniereinsatz steht, ist es wichtig, dass er Aufgaben hat, um ihn fit und gesund zu erhalten. Gauthier betont, dass das Sperma eines Hengstes st�rker ist, wenn er in guter Kondition ist. �Es ist wichtig f�r ihre Arbeitsmoral und die Libido, dass die Hengste jeden Tag eine Aufgabe haben und aus dem Stall kommen�, sagt sie. �Man sieht sicherlich einen Unterschied zwischen einem Hengst, der nur im Stall eingesperrt ist und als Samenspender dient, und einem Hengst, der regelm��ig hinaus kommt und arbeitet.� Hengste, die nicht mehr im Turniereinsatz sind, werden durch die Arbeit in der Schrittmaschine f�r 30 bis 45 Minuten pro Tag oder durch Reiten fit gehalten. Sie kommen auch regelm��ig auf die Koppel.
Der Samen der Hengste wird immer vor der Arbeit abgenommen, da er zu diesem Zeitpunkt st�rker ist. Wenn ein Hengst auf der Koppel zu viel auf- und abl�uft und sich nicht mehr beruhigt, findet Gauthier eine andere M�glichkeit, dem Tier Bewegung im Freien zu verschaffen. Durch das Laufen am Zaun w�rde der Hengst sich zu sehr auspowern und auch an Gewicht verlieren. Daher werden diese Hengste eher im Gel�nde geritten oder auf dem Platz longiert.
Auch die Ern�hrung ist ein wichtiger Faktor f�r eine gute Libido. Also f�ttert Gauthier w�hrend der ganzen Zuchtsaison Magnitude, eine Nahrungsmittelerg�nzung f�r Zuchthengste. Weiters bekommen die Pferde zweimal t�glich Kraftfutter und dreimal t�glich Heu. �Ich erh�he die Futterration w�hrend der Decksaison, damit ich die Hengste in guter Verfassung behalte. Denn mit jeder Ejakulation verbrennt der K�rper viele Kalorien�, f�gt sie hinzu.
�Au�erhalb der Decksaison decke ich die Pferde nicht ein oder halte sie gar Tag und Nacht bei Licht, da sie die M�glichkeit haben sollten, eine Winterruhe zu haben. Dadurch ist das Sperma in der Zeit von April bis Juni besser als bei jenen Hengsten, die permanentem Licht ausgesetzt sind und nicht zur Ruhe kommen.�
Gauthier betont, dass ein Hengst pro Tag 16 Stunden Licht ben�tigt � besonders in der Zeit von Dezember bis Ende der Decksaison. Erst im Dezember beginnt sie die Pferde einzudecken, damit die Hengste gut zwei Monate Zeit haben, qualitativ hochwertiges Sperma f�r die kommende Decksaison zu produzieren.
Bild 3:
Fit, gl�cklich und gesund � Mister Dual Pep ist bereit f�r seine Zuchtaufgabe im kommenden Jahr.
Routine
Gauthier ist �berzeugt, dass eine passende Routine, die funktioniert, �ber den Zuchterfolg entscheidend ist. Auf der Sunny Pines Ranch bringt immer dieselbe Person einen Hengst vom Stall zur Samenabnahme. Das Halfter wird immer in exakt derselben Weise angelegt, sodass das Pferd wei�, dass es jetzt zum Decken geht. Die Hengste werden niemals in den Deckbereich gebracht, wenn nicht ihr Sperma abgenommen wird, damit sie verstehen, dass sie eine Aufgabe haben, sobald sie in diesem Raum ankommen. Jedes Mal nach der Samen-Abnahme d�rfen die Hengste auf die Koppel.
Gauthier betont, dass es wichtig ist, dass die Person, die den Hengst zum Decken f�hrt, nicht dieselbe Person ist, die ihn reitet. �Als Trainer darf man bestimmte Verhaltensweisen eines Hengstes (Schreien etc.) nicht tolerieren und muss dies unterdr�cken, dadurch k�nnte es den Hengst verunsichern, wenn ihn sein Trainer zum Decken bringt�, erkl�rt Gauthier. W�hrend ein Hengst mit einer heiklen bzw. schlechten Libido davon profitiert, �fter Stuten zu sehen, muss man trotzdem einen feinen Unterschied machen. �Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man einen Hengst mit schlechter Libido etwa 30 Minuten fr�her in den Raum bringen sollte, wo das Decken stattfindet, damit er dann bereit f�r seine Aufgabe ist�, bemerkt sie. �Doch dies vermindert die Samenqualit�t, da der Hengst vermehrt wiehert und aufgeregt ist.
Manche Leute halten die Hengste den ganzen Tag in der N�he der Stuten, damit sie stimuliert sind, doch je mehr ein Hengst stimuliert wird, desto schlechter ist leider die Qualit�t des Spermas. Ich bevorzuge daher, den Hengst ohne vermehrten Stutenkontakt absamen zu lassen.�
Auch wenn Gauthier hin und wieder einen Hengst mit schlechter Libido eine lebende Stute decken l�sst, ist sie davon nicht �berzeugt. Der Hengst ist dann irritiert, wenn er wieder auf einen Dummy aufspringen soll. Gauthier tendiert eher dazu, Tricks anzuwenden, um dem Hengst die Dummy-Stute schmackhaft zu machen. Sie h�lt eine rossige Stute im Blickfeld des Hengstes, w�hrend sein Samen abgenommen wird. �Erfahrene Hengste brauchen diese Hilfe nicht, da reicht sogar der Anblick eines Wallachen, da diese Hengste wissen, was von ihnen erwartet wird. Ich hatte einmal einen Hengst, der war in dem Augenblick bereit, seinen Samen abzugeben, sobald er seinen Betreuer erblickte, der ihn zum Decken abholen sollte.�
Gauthier erz�hlt, dass manche Hengste Stuten in bestimmter Farbe bevorzugen. Genau dies herauszufinden, ist sehr wichtig f�r ein gutes Ergebnis. �Man muss eine F�lle von Tricks auf Lager haben. Es ist genauso wie beim Training. Das gleiche Training funktioniert nicht immer bei jedem Pferd, da die Pferde unterschiedliche Pers�nlichkeiten sind. So versuche ich auch mit verschiedenen Hengsten verschiedene Dinge. Was bei einem Hengst gut funktioniert, muss nicht unbedingt f�r einen anderen Hengst passend sein.�
Aus der Perspektive eines Veterin�rs
Forschungen haben bewiesen, dass die Hengsthaltung, wie auf der Babcock Ranch und der Sunny Pines Farm, den Hengsten sehr entgegen kommt. Aufgrund dieser Forschungen kam man zu dem Ergebnis, dass Hengste, die im selben Stall wie Stuten gehalten werden, einen niedrigeren Testosteron-Wert haben, was zu einer schw�cheren Libido und einem schw�cherem Sperma f�hren kann.
�Sozialer Kontakt zu Stuten ist nat�rlich sehr wichtig, besonders f�r Hengste mit schwacher Libido�, erkl�rt Mats Troedsson, Professor und Abteilungsleider der Veterin�rmedizinischen Universit�t von Kentucky und Direktor des Gluck Equine Research Center. �Um w�hrend der ganzen Decksaison die Libido eines Hengstes stark zu halten, ist Kontakt zu Stuten sehr hilfreich. Je mehr Kontakt, umso besser, doch ist dies nicht immer durchf�hrbar. Es hilft jedoch, wenn der Hengst die Stuten nur sehen oder riechen kann�, f�gt Dr. Troedsson hinzu.
�Wir sehen kaum Libido-Probleme bei Hengsten, die auf nat�rliche Art und Weise die Stuten einer Herde decken.� Manche Zuchtmanager bef�rchten, dass Masturbation sch�dlich f�r einen Hengst ist und die Hengste mit der Zeit keine Erektion mehr haben, wenn man sie zum Decken bringt. Doch die Forschung hat bewiesen, dass Masturbation keinen negativen Effekt auf die Libido hat.
Bild 4:
Ein Hengst sollte einen vertrauten Betreuer haben, der ihn zur Deckstation bringt. Dr. Steve Bond begleitet das NRHA Hall of Fame Horse Trashadeous auf der Babcock Ranch.
Libido-Probleme
Dr. Troedsson hat herausgefunden, dass es drei Hauptgr�nde f�r die schlechte Libido eines Hengstes gibt. Diese sind: Schmerzen, das soziale Umfeld und psychologische Aspekte.
Bevor man einem Hengst helfen kann, muss man der Ursache auf den Grund gehen. Lahmheit, R�ckenprobleme, Schmerzen in den H�ften oder an anderen Stellen des K�rpers k�nnen einen Hengst deckunf�hig machen. Was das soziale Umfeld betrifft, kann ein Hengst, der wenig Kontakt zu Stuten hat oder andererseits �berarbeitet ist, eine niedrige Libido haben. Psychisch gesehen, kann das Problem darin liegen, dass der Hengst Angst hat, hengstisch zu sein, weil man immer wieder versucht hat, ihm dies abzugew�hnen.
�Wenn es Probleme aufgrund von Schmerzen gibt, sind die Diagnose und die entsprechende tier�rztliche Behandlung am wichtigsten�, sagt Dr. Troedsson. Es ist nicht ungew�hnlich, dass �ltere Hengste Schmerzen im R�cken und an den H�ften haben. In diesem Fall ist es am einfachsten, wenn man vor dem Decken dem Hengst entz�ndungshemmende Medikamente verabreicht.
In F�llen, wo der Hengst kaum Kontakt zu Stuten hat, w�re es wichtig, die Umst�nde seiner Stallhaltung bzw. des Koppelganges zu �ndern, damit er den Stuten n�her sein kann. Auch wenn es normal ist, dass ein Zuchthengst eine schw�chere Libido hat, wenn er im verst�rkten Deckeinsatz steht, kann man dem entgegen wirken. In diesem Fall sollte man ihn nur f�r einige Male pro Woche zur k�nstlichen Besamung heranziehen.
Hengste, die aufgrund psychischer Probleme eine schlechte Libido haben, sind eine besonders schwierige Herausforderung. Wenn z.B. ein Hengst beim Turniereinsatz jedes Mal bestraft wurde, wenn er eine Erektion hatte, wird er auch in Zukunft immer nerv�s werden, wenn es zur Abnahme des Spermas kommt. Solch ein Hengst wird dabei immer �ngstlich und nerv�s sein und seinen Betreuer beobachten, ob dieser ihn nicht auch f�r seine Hengstmanieren bestraft. Man braucht hier viel Zeit und Geduld, um dieses psychologische Problem des Pferdes in den Griff zu bekommen. �Manchmal hilft in solchen F�llen das Verabreichen eines schwachen Beruhigungsmittels in geringer Dosis, damit die Angst des Hengstes gehemmt wird und es zur sexuellen Erregung kommen kann�, erkl�rt Dr. Troedsson. �Solche Beruhigungsmittel sollten aber nur von routinierten Leuten und in gewohnter Umgebung des Pferdes angewendet werden. Au�erdem sollte man bedenken, dass man solch ein Problem nicht einfach mit Drogen beheben kann.�
Das Hormon GnRH (Gonadotrophin Releasing Hormone) wird manchmal Hengsten mit schlechter Libido verabreicht. Dieses wirkt aufs Gehirn und setzt so Testosteron frei, was die sexuelle Erregung des Hengstes steuert. Testosteron ist ein anderes Hormon, das bei schlechter Libido hilfreich ist, allerdings sollte es nur in geringer Dosis angewendet werden. Testosteron wird in den Hoden produziert und ist sehr wichtig f�r die Spermaproduktion. Ironischerweise verringert es die Spermaproduktion, wenn man es in h�herer Dosis anwendet, um die Libido des Hengstes zu verbessern. Genau dies passiert, wenn ein Hengst anabolische Steroide verabreicht bekommt, daher muss man hier sehr vorsichtig sein. Aus diesem Grund verwendet Dr. Troedsson eher das Hormon GnRH anstatt Testosteron. �Wir machten bereits Studien mit dem Hormon GnRH und konnten eine verbesserte Libido bei den Hengsten erkennen. Am besten verabreicht man das Hormon eine halbe Stunde vor dem Deckeinsatz�, erkl�rt er. �Langfristiges Ziel ist jedoch, den Hengst soweit aufzubauen, dass er ohne medikament�se Hilfe eine gute Libido hat.�
Sei achtsam
Achtsamkeit ist immer hilfreich, um eventuellen Problemen vorzubeugen. Dr. Troedsson empfiehlt, eine weitere Person im Deckbereich zu haben, die zus�tzlich zum Hengstbetreuer und zum Samenabnehmer agiert.
�Wir m�ssen auf jedes Detail achten. Diese Person sollte die Beobachterrolle �bernehmen. Der Helfer wird sicherlich einige Male beim Deckakt anwesend sein m�ssen, bis er erkennen kann, ob der Hengst durch irgendetwas irritiert oder gest�rt wird.� Zum Beispiel beobachtet der Helfer das Verhalten des Hengstes gegen�ber der Musterstute. Dr. Troedsson hat bereits festgestellt, dass manche Hengste eine Vorliebe f�r eine bestimmte Farbe haben. Der Tausch der Musterstute kann auf den Hengst eine positive Auswirkung haben.
Um die Libido eines Hengstes gut zu erhalten, ist es wichtig, eine vorgegebene Routine einzuhalten. �F�hrt man die Samenabnahme immer in der gleichen Routine durch, wei� der Hengst mit der Zeit, was von ihm erwartet wird, sobald er in den Deckbereich kommt�, sagt Dr. Troedsson.
�Vermeide Bestrafung! Sicherlich ist es wichtig, den Hengst unter Kontrolle zu haben, doch sollte man darauf achten, ihn im Deckbereich nicht zu strafen. In dieser Umgebung sollte der Hengst nichts mit unangenehmen Erlebnissen in Verbindung bringen, da er sonst das Interesse am Decken verlieren kann.�
Zuchtmanager sollten immer auf Methoden achten, die unbeabsichtigt Probleme bei der Libido des Hengstes ausl�sen k�nnen. Stresssituationen vermitteln dem Hengst negative Emotionen. �Wir �ben z.B. Druck auf den Hengst aus, wenn wir selbst gestresst sind. Sind wir jedoch ruhig und entspannt, unterst�tzen wir den Hengst bei seiner wichtigen Arbeit�, sagt Dr. Troedsson. �Auch �berkorrektes Handling des Hengstes, wie andauerndes Ziehen an der F�hrkette, hat einen negativen Einfluss auf den Zuchthengst. Der Deckbereich im Stall sollte eine Umgebung sein, auf die sich der Hengst freut und nicht vor der er sich f�rchtet.�
Die Temperatur und der Druck in der Absamungs-Dummy-Stute sind auch wichtig. Jeder Hengst hat seine eigenen Vorlieben, doch Dr. Troedsson hat festgestellt, dass die meisten Hengste eine Temperatur zwischen 45 und 50 Grad m�gen � jedoch nicht mehr als 50 Grad.
�Hat ein Hengst einmal ein Problem beim Ejakulieren, kann dies f�r ihn so frustrierend sein, dass sich seine Libido verschlechtert�, warnt Dr. Troedsson. �Die Verschlechterung kann auch durch die Absamungs-Dummy-Stute hervorgerufen werden, wenn Temperatur und Druck f�r den Hengst unpassend sind. In diesem Fall sollte man Druck und Temperatur variieren, bis man den richtigen Punkt gefunden hat und eine Verbesserung erzielen kann.�