GO WEST
Text: Tanja Miehl, Ivonne St�ckler
Fotos:
Reisebericht
�von einem, der auszog, das F�rchten zu lernen � NEIN, so beginnt die Geschichte nicht.
�von 7 St. Margarethenern und 3 Steirern, die auszogen, um die Lebensweise eines Cowboys kennenzulernen!
�GO WEST� � n�mlich von Wien �ber Amsterdam in den Westen der USA � hie� es Ende Mai f�r die sieben Mitglieder des Reit- und Fahrvereins St. Margarethen � Niki, Tanja, Ivonne, Gerhard, Heinz, Walter, Tom � und die drei Steirer � Sabine, Sandra und Uwe � unter der F�hrung von Franz H�bl.
Zwar traten wir die Reise nicht gemeinsam an � die Einen fr�her, die Anderen sp�ter � unser Ziel war jedoch dasselbe, n�mlich San Francisco in Kalifornien.
Die Kalifornier im Allgemeinen wollen immer wissen woher ihr Gegen�ber kommt (in dem Fall wir �sterreicher). Und die Standardreaktion auf unsere Antwort, welche wir in den 3 bzw. 4 Wochen sicher 100x zu h�ren bekamen: �Oh, Austria � the home country of our Governor Arnold Schwarzenegger, right.�
Hier sind wir also � 11 �sterreicher aus dem Heimatland Arnies � in San Francisco.
Lange wollen wir hier vorerst nicht bleiben. Unsere Reise geht weiter nach Reno, �the biggest little city of the world�, wo zuallererst einmal fest eingekauft wird (shopping also).
In den bekanten Westernstores BootBarn und Sheplers verbringen wir Stunden und kaufen ein, was das Zeug h�lt! (So wie auch in den folgenden Wochen in diversen anderen einschl�gigen Gesch�ften.) Derart gut ausger�stet und nach unserer ersten Nacht in einem richtigen Motel wie aus dem Film, peilen wir das eigentliche Ziel an�
Man muss erw�hnen, dass nicht alle von uns zum ersten Mal eine Reise in den Wilden Westen machen. F�r manche ist Amerika schon eine zweite Heimat, andere kommen immer wieder gerne hierher.
Das eigentliche Ziel also ist die Fish Springs Ranch mitten in der W�ste von Nevada (und sehr nahe am Nukleartestgebiet der Army). Unter �W�ste� stellst du dir bestimmt glei�ende Sonne, Hitze, Durst, Trockenheit, Fata Morgana� vor. Weit gefehlt! Sehr untypisch f�r den Monat Juni �berrascht uns in den ersten beiden Wochen beinahe t�glich ein kleiner Regenschauer. Aufgrund der au�erordentlich niedrigen Temperaturen (niedrigster Tagesh�chstwert 10�C) m�ssen wir uns sogar Winterjacken kaufen bzw. borgen.
Die Fish Springs Ranch ist eine echte Cowboyranch mit Pferden, Rindern, Ranchh�usern und allem, was sonst noch dazu geh�rt. Betreut wird diese Ranch von einem echten Cowboy, dem Matthias (�Motts� auf amerikanisch).
Motts zog einst (vor gut 20 Jahren) aus Mattersburg aus, um nicht nur die Lebensweise eines Cowboys kennenzulernen, sondern um wirklich und wahrhaftig ein Cowboy zu sein! Und das ist er nun. Immer unterwegs mit einem Trailer voller Pferde und seinen Hirtenhunden, um auf den verschiedensten Ranches nach dem Rechten zu sehen.
Auf der Fish Springs Ranch beziehen wir also unser erstes Quartier. Einfach zwar und spartanisch, aber so lebt man als Cowboy. Nicht, dass du dir jetzt denkst, wir h�tten 2, 3 bzw. 4 Wochen in Zelten geschlafen und Dosenbohnen am Lagerfeuer gew�rmt, wie du᾽s vielleicht in Brokeback Mountain gesehen hast � nein, zum Dosenessenw�rmen haben wir einen richtigen Gasherd und � ganz amerikanisch � Pappteller und Plastikbesteck. Aber gottseidank gibt es da noch den Griller (BBQ)!
Gleich am ersten Tag bekommt jeder sein Pferd zugeteilt � wirklich bemerkenswert, wie viele Pferde ein Cowboy besitzt bzw. auftreiben kann! Nat�rlich sind wir 11 nicht alle gleichzeitig unterwegs. (Wir treten unsere Reise sch�n in Etappen an.)
Kaum auf dem Pferd, geht᾽s auch gleich an᾽s Eingemachte (auch f�r Uwe, der bis dahin noch nie zuvor auf einem Pferd gesessen ist).
In den folgenden Tagen und Wochen werden Z�une kontrolliert, Kuhherden von Wasserstelle zu Wasserstelle getrieben, Bullen verfrachtet, kranke K�lber geimpft (und nat�rlich in Cowboymanier zuvor mit dem Lasso � sorry, Rope � eingefangen) � all das unter flei�iger Mithilfe von uns Neo-Cowboys.
W�hrend stundenlanger Streifz�ge durch die Natur sichten wir Klapperschlangen und wilde Mustangs, erklimmen Bergk�mme und durchqueren Todesschluchten. Es w�rde den Rahmen sprengen, hier alle Eindr�cke und die weite Vielfalt des Landes festhalten zu wollen. � Darum kannst du nebenher einige Eindr�cke auf den Fotos betrachten.
Die Fish Springs Ranch bleibt nicht unsere einzige Herberge. Motts nimmt uns auch mit zum Trainingsstable von Paul Barnes. Paul trainiert Cuttingpferde und Reiter auf seinem eigenen, kleinen Anwesen. Die Tage bei Paul verbringen wir mit Zuschauen (Training der Jungpferde), �ben (Lassowerfen) und Ausprobieren (Cutting an der Flag). Dass so etwas noch niemand unter uns zuvor gemacht hat, f�llt nicht weiter auf. Paul und sein Lehrling Kenny am�sieren sich k�stlich �ber uns tollpatschige und steife �sterreicher, denen man nicht anmerkt, dass sie sich zu Hause bereits in der Westernreitweise ge�bt haben. Nicht nur einmal werden wir gefragt, ob wir Englischreiter seien.
Die N�chte bei Paul verbringen wir in einem �mobile home� f�r Besucher. In einer jener Behausungen also, die man an jeden beliebigen Ort transportieren kann � voll ausgestattet mit Heizung, Licht, Wasser und sogar mit Waschmaschine inkl. Trockner.
Motts ist nicht nur ein echter Cowboy, sondern auch wirklich ein guter Reisef�hrer! In seiner Begleitung bzw. unter seiner Anleitung besuchen wir die St�dte Minden und Gardnerville, einen Country-Abendclub (tolles Essen!), den ber�hmten Lake Tahoe (10�C, Regen) sowie ein Highschool Rodeo, einen tollen Event, welchen wir zu Hause so sicher nicht geboten bekommen! W�hrend des feierlichen Einmarsches der jungen Reiter/innen wird die Landesflagge geschwungen und Hand-zur-Brust-erhoben die amerikanische Hymne angestimmt. Nach Er�ffnungsworten und gemeinsamem Gebet geht᾽s in wildem Tempo zur Sache. Ganz begeistert sind wir von den akrobatischen K�nsten der Cowgirls und der Rasanz, mit der sie in vollem Galopp K�lbern hinterherjagen und das Lasso schwingen.
An dieser Stelle trennen sich die Wege unserer kleinen Gruppe. Ein Teil der Gruppe wird noch ca. 2� Wochen Cowboy sein, ein kleines Gr�ppchen von vier Personen wird 5.000 km durchs Land fahren, bevor alle wieder den Beginn und das Ende dieser Reise � San Francisco � erreichen.
Diejenigen unter uns, die nicht auf gro�e Entdeckungsreise gehen, sondern auf der Ranch bleiben, d�rfen in den folgenden 2� Wochen ganz besondere Highlights erleben.
Niki und Ivonne d�rfen in Minden am Ranch Rodeo hinter den Kulissen helfen. Eine sehr interessante und logistisch herausfordernde Arbeit. Hier merkt man, dass K�he ihren eigenen sturen Kopf haben. S�mtliche Disziplinen vom Roping, �ber Big Loop Roping, Saddle Bronc, Wild Cow Milking (sehr spa�ig!), Branding� k�nnen wir hier hautnah erleben.
Ein Abenteuer f�r sich, ein einmaliges Erlebnis und unvergessliches Ereignis ist ein Viehtrieb mit �ber 300 K�hen am Fu�e der Sweet Water Mountains, den wir tatkr�ftig begleiten. Ein Branding auf der Ranch geh�rt genauso zu unseren Arbeiten wie Z�une kontrollieren und � nochmals � K�he treiben.
In Reno muss man einmal beim gro�en Reno Rodeo gewesen sein, dessen Austragung in die Zeit unseres Aufenthalts f�llt. Allein die Atmosph�re und Stimmung dieses Riesenevents sind f�r �sterreichische Verh�ltnisse unbeschreiblich.
Wer einmal diese Seite des Cowboyalltags erlebt, wei�, dass es nicht wirklich viel mit der Romantik der Westernfilme zu tun hat. Es ist harte, aber auch sehr befriedigende Arbeit. Den M�nnern und Frauen, die dies jahrein, jahraus machen, sollte man mit Respekt entgegentreten.
Die Route f�hrt uns, die wir das Land erkunden wollen, durch den Yosemite Nationalpark, wo Millionen von Touristen t�glich in Shuttlebussen ein- und ausgekarrt werden, durch das Tal des Todes (Death Valley) � vorsorglich haben wir, wie im Reisef�hrer beschrieben, an der letzten Tankstelle noch einmal vollgetankt und ausreichend Wasser im Kofferraum verstaut, bis nach Las Vegas, wo wir in einer der Luxusherbergen hoch �ber der Stadt mit Blick auf den Strip eine kurze Nacht verbringen. Weiter nach Los Angeles (Universal Studios), Anaheim (Disneyland) und direkt an der Westk�ste entlang wieder nordw�rts Richtung San Francisco.
Am R�ckweg streifen wir das �d�nische� D�rfchen Salinas. Dort m�ssen wir zu unser aller Unbehagen nach einer Weinverkostung feststellen, dass der kalifornische Wein nicht nur teuer ist, sondern auch Kopfschmerzen bereitet. Das D�rfchen Salinas kennst du entweder aus dem Film �Sideways� oder als Heimatort des weltweit bekannten Pferdefl�sterers Monty Roberts! Ja, du hast richtig geh�rt. Ganz spontan statten wir Montys Flag-is-Up Farm einen Besuch ab. Er selbst ist just an dem Vormittag nicht zu Hause! Vom Besucherb�ro mit Karte ausgestattet, stapfen wir die endlose Farm ab. Am einen Ende die Rennpferde, dazwischen Englischreiter, dahinter der Bereich f�r Westernpferde und -reiter� F�r alle und jeden gibt es hier die M�glichkeit, mit seinem Pferd zu fl�stern. (Dementsprechend leise und ruhig ist es.) Zu guter Letzt k�nnen wir noch den nicht minder bekannten Mustang Shyboy aus n�chster N�he bewundern.
Noch einige Zwischenstopps und schon sind wir wieder an unserem Ausgangsort angelangt. Hier endet unsere Reise. Vor dem Abflug m�ssen wir allerdings noch �The Rock� Alcatraz besichtigen und nat�rlich auch eine Fahrt mit dem Cable Car wagen (vergleichbar mit einer Achterbahn in den Studios).
Essen gut, alles gut. � Obwohl man uns im Flugzeug w�hrend 2x 10 + 2 harter Stunden f�ttert wie Weihnachtsg�nse, kann ich so einen Flug nicht wirklich empfehlen. Er wird durch das st�ndige Essen auch nicht k�rzer.
Goodbye und auf Wiedersehen, Amerika !
Interessenten, die auch einmal den Alltag hinter sich lassen m�chten, um eine Zeitlang Cowboy zu sein, k�nnen sich unter ranchlife@gmx.at melden. F�r n�chstes Jahr sind wieder Trips nach Nevada geplant.