Spirits of the West
Text: Heinz Langer
Fotos: Gerda Langer
Am 12. September 2008 brechen wir nach viert�gigem Aufenthalt im Yellowstone National Park von West Yellowstone auf, um unsere Fahrt �ber Idaho, nach Montana fortzusetzen. Da es in den National Parks selten vorkommt, Schwarzb�ren oder gar Grizzlys bei Tageslicht zu Gesicht zu bekommen, besuchen wir zun�chst die Yellowstone Bear World, wo jede Menge B�ren eingez�unt, aber frei leben und man sich mit ihnen am�sieren kann. Es ist allerdings streng verboten, das Fahrzeug zu verlassen. Es gibt hier auch W�lfe zu beobachten, die so scheu sind, dass sie sich in freier Wildbahn �berhaupt nicht sehen lassen. Als wir bei einer Dreiergruppe ruhender Schwarzb�ren Halt machen, um sie aus dem Fenster ausgiebig und aus unmittelbarer N�he zu fotografieren, packe ich ein Toast aus, um einen kleinen Imbiss zu nehmen. Sofort ist einer der drei am Autofenster, um seinen Kopf, der die ganze Scheibe ausf�llt, durchzustecken und mitzunaschen. � So schnell habe ich ein Autofenster noch nie geschlossen. Nach vorsichtigem Anfahren hinterl�sst der B�r doch einige Kratzspuren an der Karosserie. Nach diesem kleinen Intermezzo machen wir uns auf den Weg nach Butte in Montana.
Wir �berqueren den 1967m hohen Pipestone Pass, der die kontinentale Wasserscheide nach Westen bildet, und kommen direkt nach Butte, dem wichtigsten Verkehrsknotenpunkt Montanas. In der in den 1880er-Jahren als der �reichste H�gel der Welt� bekannten 34.000-Einwohner-Stadt in den Bergen des s�dlichen Montana lebten in der Bl�tezeit des Bergbaus doppelt so viele Menschen. Eine dominierende Rolle spielte neben Gold und Silber vor allem Kupfer, f�r dessen Gewinnung fast f�nf Millionen Tonnen Erze aus Buttes Boden gebaggert wurden. Die F�rdert�rme zieren als fotogene historische Wahrzeichen die Skyline der Altstadt.
Die Hauptstadt Montanas, Helena, lassen wir aus Zeitgr�nden rechts liegen und fahren weiter
nach Missoula. Die 57.000-Einwohner-Stadt ist gepr�gt einerseits von der Holzindustrie, andererseits von der Universit�t. Die Stadt ist der �Anfang vom Ende der Welt� wie es scheint. Doch Missoula hat seinen eigenen Reiz. Hier treffen sich Studenten, Holzf�ller, Schriftsteller, Gesch�ftsleute, Urlauber und jede Menge Cowboys. Gesellschaftliche Ver�nderungen und neue Moden erreichen Missoula lange vor Montanas Hauptstadt, Helena, Butte oder Billings.
Wir �bernachten in Missoula und setzen unsere Reise am n�chsten Tag in Richtung eines der Hauptziele, dem Glacier National Park an der Grenze Kanadas, fort.
Als erstes Etappenziel erreichen wir den Flathead Lake, den mit 43 km L�nge und 24 km Breite gr��ten nat�rlichen S��wassersee im Westen der USA. Hier beginnt, etwa 50 km n�rdlich von Missoula, das Indianerland.
Auf einer Rundfahrt �ber die bewaldeten H�nge �stlich des Sees kann man die National Bison Range erkunden, auf der derzeit noch ungef�hr 500 Bisons von den seinerzeit zwei Millionen Tieren leben, bevor die endlosen Wagenz�ge der wei�en Siedler �ber die Pr�rie rollten. Diese ern�hrten sich auf ihrem Weg nach Oregon jahrzehntelang von den mit Gewehren leicht zu erjagenden B�ffeln und stellten so die Grundnahrung der Indianer immer mehr in Frage.
Der Highway f�hrt am Hochufer des malerischen Flathead Lake entlang und windet sich parallel zum tiefblauen Wasser nach Norden. Auf der gegen�berliegenden Seite des Sees reichen die W�lder der Great Bear Wilderness bis zum Horizont. In der Ferne leuchten die schneebedeckten Gipfel des Glacier National Parks.
Mitunter trifft man einen Einheimischen, der sein Wohnhaus gerade am Highway von Idaho nach Montana, Washington oder gar nach Kanada transportiert (siehe Foto). � Was soll᾽s? � In den USA gibt es unendlich weites Land!
Auf halber H�he des Sees nach Norden beginnt die Flathead Indian Reservation. In der bereits 1855 etablierten Reservation leben 3.500 Indianer der Salish, Kootenai und Pend d᾽Oreilles. Das ist etwa die H�lfte der Bev�lkerung der Colvin Indian Reservation und gilt mit rund 6.000 qkm noch immer als eines der gr��ten Reservate der USA. Dabei umfasste das Land zwischen 1855 und 1872 zus�tzlich noch ein Drittel des Staatsgebietes von Washington, ehe es auf die heutige Gr��e reduziert wurde. Die ber�hmtesten Mitglieder der Konf�deration sind die Nachkommen jener Nez Perce-Indianer, die sich unter Chief Joseph mit der legend�ren Flucht 1877 nach Kanada absetzen wollten. Die �berlebenden, darunter Chief Joseph selbst, wurden Ende des 19. Jh. hier angesiedelt. Sie leben im Hauptort Nespelem, wo 1904 der verbitterte Chief Joseph verstarb und beerdigt wurde.
Wir passieren die mit 14.000 Einwohnern gr��te Stadt in NW-Montana, Kalispell, die sich als sehr gesch�ftig erweist, bildet sie doch einen idealen Ausgangspunkt f�r Ausfl�ge in die wildromantische �Eisbox� Montanas, den Glacier NP.
Wir fahren weiter nach Whitefish, wo wir Quartier f�r die n�chste Nacht nehmen. Der kleine Ort, ehemals ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt, hat sich dem NP-Tourismus sowie dem Skisport verschrieben. Mit seiner Lage am malerischen Whitefish Lake und einer beschaulichen Innenstadt ist Whitefish ein beschaulicher Aufenthaltsort.
In der n�chsten Folge der WN k�nnt ihr unsere Eindr�cke vom wildromantischen Glacier NP miterleben...