Als das Hochwasser kam�
VON GILA-SILVANA WOHLMANN
Hallo, heute m�chte ich euch gerne eine wahre Geschichte erz�hlen, die sich vor wenigen Wochen zugetragen hat.
Viele von euch tr�umen sicher, einmal einen eigenen Stall zu haben. Auch ich hatte schon immer diesen Wunsch. Vor rund f�nf Jahren habe ich mir dies verwirklicht, in dem ich einen Teil eines Bauernhofs in St. Veit an der G�lsen im Bezirk Lilienfeld gepachtet habe.
In den vergangenen Jahren habe ich immer wieder gesehen, wie sch�n es ist, selbst f�r seine Pferde � beginnend bei der t�glichen F�tterung �ber das Ausmisten bis hin zum Weidegang � verantwortlich zu sein. Doch habe ich auch die anstrengenderen Seiten kennen gelernt und gesehen, wie viel Arbeit es ist, nur zu zweit neben einem Fulltime-Job die Anlage halbwegs auf Trab zu halten. T�glich stehen neben dem Ausmisten, dem F�ttern und ein wenig Pferdepflege allerlei �Rundherum-Arbeiten� an � sei es nun die Reparatur eines Weidezauns, die Reitplatzpflege oder das Beschaffen von Futter oder Einstreu. Da ist neben wirtschaftlicher Kalkulation sehr viel handwerkliches Geschick, gen�gend maschinelle Ausr�stung, Know-how und vor allem sehr viel Zeit und Enthusiasmus gefragt.
Dennoch m�chte ich keinen Tag missen. Ich mache die Arbeiten mit gro�er Freude, auch wenn mir das Wetter immer wieder einen Strich durch die Rechnung macht. So auch wieder vor wenigen Wochen, als das Hochwasser kam�
Ich war gerade in Hainfeld bei einem Fototermin, da ich ja als Journalistin t�tig bin. Pl�tzlich begann es zu regnen. Zuerst dachte ich mir nicht viel dabei, doch als der Regen abrupt st�rker wurde und in einen Wolkenbruch �berging, sprang ich ins Auto, um zum Stall zu fahren und die Pferde von der Weide zu holen. Es waren nur wenige Kilometer bis zu unserer kleinen Ranch, doch die Fahrt wurde immer gef�hrlicher. Der Himmel hatte sich komplett verdunkelt und ich sah, obwohl ich den Scheibenwischer auf der h�chsten Stufe eingeschaltet hatte, kaum mehr die Stra�e. Langsam wurde ich ziemlich nerv�s, weil ich mir Sorgen um die Vierbeiner machte, da schwere Blitze vom Himmel kamen. Jede Minute ihm Auto erschien mir als Stunde. Umso verunsicherter wurde ich, als mir auch noch s�mtliche Feuerwehrautos, Rettungsw�gen und Polizeifahrzeuge mit Blaulicht entgegenkamen oder mich auch �berholten.
In der Gemeinde St. Veit angekommen, konnte ich es kaum fassen: Die Bundestra�e 18 war �berflutet, die Polizei nahm bereits teilweise Sperren vor. Gl�cklicherweise war ich mit meinem gro�en amerikanischen Ford Pickup unterwegs und konnte mich mit eingeschaltetem Allrad sicher bis zum Stall vork�mpfen. Anderen Fahrzeugen war bereits eine Weiterfahrt unm�glich geworden. Sie �schwammen� im wahrsten Sinne des Wortes davon.
Beim Stall angekommen, wollte ich meinen Augen kaum trauen. Als mir mein Lebensgef�hrte Gregor entgegenkam, hatte er das Wasser bis zum Bauch stehen � und das bei 180 Zentimeter K�rpergr��e! Die Stallgasse, alle Boxen waren komplett �berflutet. Gl�cklicherweise ist der Besitzer des Hofes aktiver Feuerwehrmann und stellte uns eine Pumpe zur Verf�gung. Meine Sorge galt nat�rlich in erster Linie den Vierbeinern, die im str�menden Regen noch immer tapfer auf der Weide verharrten. Ich lief kurz die Wiese hinunter zu den Paddocks und wusste im ersten Moment nicht so recht, was ich nun tun sollte. Die Pferde in den Stall zu f�hren, war unm�glich, weil der ja komplett unter Wasser stand. Die Pferde zuzudecken w�re sinnlos gewesen, da sie ja bereits komplett nass waren, die Decken bei diesem Unwetter innerhalb weniger Minuten durchn�sst gewesen w�ren und somit keine vern�nftige Wirkung mehr gehabt h�tten.
Also tat ich das, was ich immer tue, wenn ich nicht so recht weiter wei�. � Ich rief meinen Tierarzt Mag. Reinhard Moser an, der mich beruhigte, es sei ja warm und unsere Pferde seien nicht so verweichlicht oder schw�chlich, dass sie das nicht aushalten w�rden. Nat�rlich bot er mir an, im Falle des Falles sofort zu kommen und unsere Vierbeiner medizinisch abzudecken. Nachdem die Pferde, als sie mich sahen, unruhig wurden, beschloss ich, lieber schnell zur�ck in den Stall zu gehen und beim Pumpen zu helfen. Zeitgleich rief ich noch das Reitsportzentrum Mauerbach an, wo ich jahrelang unterrichtet hatte und noch immer bei diversen Reitkursen hilfreich zur Hand gehe. Ich wusste, das ist ein Stall, der mir sicher f�nf leere Boxen anbieten k�nnte, falls es uns nicht gel�nge, in den n�chsten Stunden den Stall wasserfrei zu machen.
Und so war es auch: Die Reitstallinhaberinnen sagten mir spontan zu, auch in der tiefen Nacht noch mit meiner kompletten Pferdeherde anr�cken zu d�rfen. Neben ihnen gilt auch Dank Claudia Wobornik, die mir per Mail zusagte, falls ben�tigt, zumindest drei Boxen in ihrem Stall im Bezirk Baden frei zu machen und allen anderen aus der Reiterwelt, die ihre Hilfe anboten.
Doch zur�ck zum Hochwasser: In Anbetracht der teilweise gesperrten, �berfluteten Stra�en und dadurch nicht ungef�hrlichen Fahrverh�ltnisse wusste ich gar nicht, wie ich die Tiere �berhaupt transportieren k�nnte. Die kommenden Stunden waren wir � mittlerweile selbst komplett durchn�sst � mit pumpen, kehren, pumpen, kehren besch�ftigt. Die Kraft des Wassers war gigantisch, um nicht zu sagen, erschreckend. Als endlich der Boden nur noch nass war, streuten wir � gl�cklicherweise hatten wir genug auf Vorrat � Berge an S�gesp�nen und Stroh zum Saugen auf.
Endlich � mittlerweile war es fast 22.30 Uhr � lie� der Regen gl�cklicherweise nach. Wir konnten unsere Vierbeiner wieder � sehr nass, aber sichtlich unversehrt � in den Stall bringen.
An diesem Tag hatte es sogar eine Br�cke in der Gemeinde weggerissen. Ja, die Gewalt der Natur darf man nicht untersch�tzen.
Seit ich unsere Vierbeiner in den Voralpen beheimate, habe ich mich mittlerweile an Schneekatastrophen und immer wiederkehrende Hochw�sser gew�hnt. Doch in dem Ausma�, wie dieses Mal, waren wir noch nie betroffen gewesen. Umso mehr wurde mir die Kraft der Natur und unsere eigene Hilflosigkeit bewusst. Nach einer unruhigen Nacht meinerseits � in der Panik, es k�nnte sich doch ein Pferd verk�hlt haben � durfte ich, als ich am Morgen beim Einf�ttern das gewohnte freudige Wiehern aller Vierbeiner h�rte, aufatmen. Kein Pferd war krank geworden.
F�r uns standen die n�chsten Tage Berge an Aufr�umarbeiten an. � Die Flut hatte durch ihre Kraft s�mtliches Inventar aus dem Stall mitgerissen. Putzboxen, B�rsten, zerrissene M�lls�cke � alles lag im Umkreis von ein paar hundert Metern verstreut. Leider machten uns heftige Regenf�lle in den kommenden Tagen wieder Arbeit � aber gl�cklicherweise kam nicht mehr das gro�e Wasser, sondern es rann �lediglich� bis in die Stallgasse.
Das einzig Positive an dem Schreckensszenario: Endlich hatte ich einen Anlass, alles auszusortieren, was nicht mehr gebraucht wurde. Eine Arbeit, die man ja gerne aufschiebt.
Das Wichtigste jedoch war, dass unsere Vierbeiner nicht krank wurden. Bleibt nur zu sagen: Das Leben ist kein Ponyhof. Reiterliche Alltagsproblemchen wie �Nehm ich die blauen Boots zum roten Showpad oder doch lieber den gr�nen Slinky� werden dann auf einmal ganz unwichtig. Nur eines z�hlt: Pferde in Sicherheit bringen!
Einen sch�nen verbleibenden � hoffentlich nicht zu nassen � Sommer w�nscht euch eure Gila.