Ber�hmte Quarter Horses & Vererber

 

Eine Serie f�r QH-Z�chter & -Enthusiasten

�bersetzung & Bearbeitung: Heinz Langer

 

Little Joe

 

Dieses Mal m�chte ich in der Geschichte unserer Rasse mehr als 100 Jahre zur�ckgreifen, sozusagen in die Urgeschichte der Quarter Running Horses, die schon im 18. Jahrhundert mit den sogenannten Steel Dusts, Shilohs, Travelers und dem ber�hmten Peter McCue, auf den gut ein Drittel der gesamten Population zur�ckzuf�hren ist, ihren Anfang nahm.

Im Jahr 1905 kaufte Lucrecia Clegg ein etwas unansehnliches, kleines Hengstfohlen, das sie sp�ter einfach Little Joe nannte. Sie zahlte 250 Dollar, sperrte es in einen H�hnerstall und zeigte es ihrem Gatten George. Obwohl George als erfahrener Pferdez�chter einen guten Blick f�r viel versprechende Pferdequalit�ten hatte, ahnte er nicht, welchen Einfluss der Winzling auf die sp�tere Quarter Horse-Zucht haben sollte.

Dazu muss bemerkt werden, dass zu jener Zeit viele Pferde Little Joe hie�en, doch keiner davon erreichte ann�hernd die Bedeutung �DES LITTLE JOE�, der in diesem Kapitel behandelt werden soll.

Der Name des kleinen, 1904 oder 1905 geborenen Hengstfohlens findet sich sp�ter in den Pedigrees so bedeutender Pferde, wie zum Beispiel dem World Champion Quarter Running Horse von 2000, Ransom. Weiter sind die Blutlinien des NCHA Futurity-Siegers von 2000, Royal Fletch, des AQHA Superhorse Acadamy Award-Siegers, Reminic, und des NRCHA Snaffle Bit Futurity-Siegers von 2000, Smokums Price, bis auf diesen Hengst aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts zur�ckzuverfolgen. � Kein schlechtes Verm�chtnis f�r ein Pferd, das in einem H�hnerstall aufwuchs und f�r das die Witwe des 1959 verstorbenen George Clegg ganze 250 Dollar bezahlt hatte!

Laut Ott Adams stammte Little Joe aus dem harten Buschland im S�den von Texas, einer Gegend, die auch QH-Ahnen wie die Shilohs und Billys hervorbrachte. Niemand nannte Little Joe zu seinen Lebzeiten ein Quarter Horse, als dieser Begriff noch gar nicht bekannt war. Doch heute, im 21. Jh. f�hrt fast jeder Racing- und Performance-Champion der Rasse einen Blutanteil von ihm!

The Shely Years

1904 oder 1905 geboren, wurde Little Joe von der bekannten Z�chterfamilie Dow und Will Shely aus Alfred, Texas, gez�chtet. Sein Vater war der damals sehr ber�hmte Hengst Traveler, ein Pferd unbekannter Abstammung, das jedoch im Short Racing zu jener fr�hen Zeit in Ost-Texas als unschlagbar galt. Little Joes Mutter war Shelys Topstute Jenny. Sie war von Sykes Rondo, aus der damals sehr popul�ren Zuchtstute May Mangun. �Old May� genannt, war May Mangun eine Bay-Stute, geboren 1882. Sie brachte sechs bemerkenswerte Fohlen von Sykes Rondo zur Welt. Ihr bekanntester Nachwuchs war ein Wallach, ebenfalls namens Little Joe, der in Match Races so gut wie unschlagbar war. Little Joe (der Wallach) wurde allein von Blue Jacket in einem Match Race geschlagen, und Blue Jackets Status war immerhin eine Platzierung im Mexican Jockey Club in Mexico City.

Jenny bew�hrte sich bei der Anpaarung mit Traveler vorz�glich. Jenny brachte von Treaveler unter anderen einen Sohn namens King zur Welt (nicht zu verwechseln mit King P-234). King wurde an Jim J. Kennedy aus Bonita, Arizona, verkauft und hie� von da an Possum. Little Joe und King (Possum), die beiden einzigen Fohlen aus der Traveler-Jenny-Paarung, wurden die bedeutendsten Vererber der Traveler-Blutlinie.

1940 schrieb O.W. Cardwell an Bob Denhardt, den ersten Sekret�r der AQHA, Little Joe sei der gro�artigste und geradezu ideale Vererber des Jahrhunderts. Pferdez�chter jener Zeit, die mit seinem Blut z�chteten, w�rden nie eine andere Linie einkreuzen und alle anderen jagten geradezu hinterher.

The Clegg Years

Joe Clegg, ein Rinderz�chter aus der Umgebung von Alice, war auf der Suche nach einem Hengstfohlen, das sich als guter Cow Horse Sire eignen w�rde. Clegg brauchte Pferde, die smart und hart genug waren, um Rinder unter extrem schwierigen Bedingungen arbeiten zu k�nnen. Er liebte au�erdem Pferde mit viel Speed. Joe erf�llte sowohl Cleggs Anspruch auf gute Cow Horses, als auch seine Begierde nach einem Pferd, dass schnell genug war, um am Wochenende Match Races zu gewinnen und auch schnelle Short Racer zu zeugen, was schlie�lich der Wunsch jedes Cowboys aus S�dtexas war.

Little Joe, mit seinem kurzen R�cken und seiner kraftvollen Hinterhand, war zum Sprinten geschaffen. Schnelligkeit war seine Leidenschaft, und so gewann er fast jedes Rennen.

�Ich war der einzige, der mit Little Joe Rennen bestritt�, erz�hlte Clegg einmal dem Autor Nelson Nye. �Er war sehr schnell � konnte die Quarter Mile in 22,0 Sekunden laufen. Ich ritt ihn als Dreij�hrigen gegen alle Altersgruppen. Das einzige Pferd, das ihn jemals schlug, war Ace Of Hearts. Damals waren vier Pferde im Rennen, und Joe wurde nur um eine Kopfl�nge geschlagen.�

Obwohl keine offiziellen Rekorde aus dieser Zeit aufgezeichnet sind, ist bekannt, dass Clegg Little Joe vier Jahre lang Short Races laufen lie� und der Hengst jedes Jahr seine Gegner dominierte.

Denhardt beschreibt in seinem klassischen Buch �Quarter Horses � eine Geschichte zweier Jahrhunderte�, dass Little Joe zu seiner Zeit die schnellsten Pferde in Texas schlagen konnte, bis seine Rennkarriere durch eine Verletzung ihr Ende fand.

Clegg besa� Little Joe bis 1913. Er hatte sich Hickory Bill (den Vater von Old Sorrel, dem Foundation Sire der King Ranch) gekauft, um mit diesem Match Races zu reiten. Er wollte keine zwei Hengste.

The Adams Years

Ott Adams war ein kleiner Mann, knapp �ber 1,5m gro�. Sein Gesicht war von der Sonne und dem Wind von Texas gegerbt wie Leder. Doch in seinem verwitterten Gesicht leuchteten die Augen eines unfehlbaren Pferdemannes. Adams war auf der Suche nach einem erprobten Rennhengst, um mit seinen schnellen Stuten zu z�chten. Als er Little Joe fand, fand er in ihm den Hengst, der im vorschwebte.

Sp�ter in seinem Leben erz�hlte Adams, dass Little Joe das beste Pferd war, das er je gesehen hatte. Ott Adams und Little Joe waren wie f�reinander geschaffen. Sie machten sich gegenseitig zu Legenden in der Geschichte der Quarter Horse-Zucht.

Adams lie� Little Joe nie Rennen laufen, doch er gr�ndete mit ihm eine Zuchtdynastie.

Was Adams vor allem an seinen Pferden liebte, war Speed und nochmals Speed vom Start weg, wie er 1949 dem Autor Nelson Nye versicherte. Starke Worte, doch sie bew�hrten sich in der Praxis einer Zuchtlinie fast ein Jahrhundert lang.

Unter Little Joes ber�hmter Nachzucht befanden sich Pferde wie Zantanon (der Vater des unvergleichlichen King P-234), Old Poco Bueno, Cotton Eyed Joe und Pancho Villa. Alle davon hielten Pl�tze in vielen alten, exklusiven Quarter Horse-Familien-Pedigrees.

Old Poco Bueno begr�ndete eine besondere Familiendynastie, als seine Tochter Miss Taylor, gepaart mit King P-234, Poco Bueno, Royal King und viele weitere gro�artige Pferde zur Welt brachte. Die Blutlinie von King P-234 und Poco Bueno ist bis heute hochbegehrt bei allen Performance Horse-Z�chtern.

Cotton Eyed Joe, ein sorrel-farbener Hengst, wurde 1920 geboren und landete auf der Waggoner Ranch in Texas, wo er etliche Top-Pferde wie Sue und Billy Van zeugte.

Die Familie von San Siemon ist ebenfalls auf Little Joe zur�ckzuf�hren. Aus dieser Familie stammten Peppy San, Peponita, Mr San Peppy und Peppy San Badger.

Doch kein Pferd pr�gte das Zuchtprogramm Adams mit Little Joe so unmittelbar, wie Joe Moore, �ber dessen Leben ich in der n�chsten Folge der WN berichten m�chte.

Adams kaufte die Stute Della Moore, um sie mit Little Joe zu paaren, wobei seine Absicht war, einen Nachfolger f�r Little Joe zu z�chten. Della Moore wurde viermal von Little Joe gedeckt. Nachdem sie zun�chst ein Stutfohlen produzierte und eine Saison nicht aufgenommen hatte, gebar sie zwei Hengstfohlen. Das erste war Grano de Oro, der ein brauchbarer Deckhengst wurde. Als zweites Hengstfohlen brachte sie Joe Moore zur Welt, der sp�ter dazu beitragen sollte, eine ganze Zucht zu definieren.

Geboren 1926, war Joe Moore Della Moores vorletztes Fohlen und geh�rte zu Little Joes letzter Generation von Nachkommen. Nach Meinung der erfahrenen Pferdeleute war Joe Moores Kopf nicht gerade sch�n, doch seine �brige Conformation entsprach voll dem klassischen Idealbild der damaligen Quarter Horse-Zucht.

Intensiv zur Zucht eingesetzt, zeugte Joe Moore sp�ter Monita, Stella Moore, Joe Less und weitere unz�hlige Pferde, die auf der Rennbahn und in der Rodeoarena Top-Erfolge erzielten sollten.

Im selben Jahr, als Joe Moore zur Welt kam, geriet Adams in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten und verkaufte deshalb Little Joe an O.W. Cardwell aus Junction, Texas. Adams bedauerte st�ndig den Verkauf des Hengstes.

Drei Jahre sp�ter verletzte sich Little Joe so schwer, dass er von seinem Besitzer eingeschl�fert werden musste. Cardwell begrub Little Joe auf seiner Ranch. Im folgenden Jahr besuchte Adams Cardwell, um ihn um die Knochen des Hengstes zu bitten. Da Cardwell wusste, was Little Joe f�r Ott Adams bedeutet hatte, stimmte er zu.

Adams brachte Little Joes Gebeine auf seine Ranch und bestattete sie nahe dem Baum, der fast 100 Jahre zuvor anl�sslich des Ablebens seiner Mutter gepflanzt worden war. Jahre sp�ter wurde Joe Moore neben Little Joe begraben.

 

Bilder:

 

1.

Der legend�re Little Joe, geb. 1904 oder 1905, der der Quarter Horse-Zucht seit Beginn der 1900er-Jahre zum Durchbruch verhalf.

 

2.

Pedigree:

Unbekannt

Unbekannt

Unbekannt

Traveler

Unbekannt

Unbekannt

Unbekannt

Little Joe (1904-1929)

McCoy�s Billy

Sykes Rondo

Unbekannt

Jenny

Anthony

MayMangum

Unbekannt

 

3.

Zantanon, einer von Little Joes bedeutendsten S�hnen. Zantanon zeugte unter anderen den ber�hmten King P-234 und Ed Echols.

 

4.

Traveler, der Vater von Little Joe

 

5.

Joe Moore, der bekannteste direkte Sohn von Little Joe, wurde ein bedeutender Vererber, dessen Einfluss bis heute besteht.

 

6.

Ott Adams � ein kleiner Mann, doch ein Gigant in der Geschichte der Quarter Horse-Zucht

 

7.

Die Cutting-Legende Peppy San Badger (Little Peppy), der �ber San Siemon, einen Sohn von Zantanon, auf Little Joe zur�ckgeht.

 

8.

Ott Adams (links) und George Clegg am Grab von Little Joe