Auch Pferde sind nur �Menschen��
Gila Silvana Wohlmann
Livia und Paul besuchten nicht nur die gleiche Klasse, auch waren sie beste Freunde. Da war es nat�rlich klar, dass sie gerne ihre Freizeit miteinander verbrachten und ihre Hobbys teilten. Im Vorjahr fuhren sie gemeinsam auf einen Reiturlaub, wo sie erste Erfahrungen mit Pferden hatten. Das machte ihnen so gro�en Spa�, dass sie beschlossen, fix einmal in der Woche Reitunterricht zu nehmen. Der Zufall wollte es so, dass der n�chstgelegene Reiterhof sich der Westernreiterei verschrieben hatte.
Auf ihrem Reiturlaub hatten sie zwar klassischen Reitunterricht genossen, aber die Chance, in noch eine andere Reitsportart zu schnuppern, gefiel ihnen nat�rlich umso mehr.
So fuhren sie einmal die Woche mit dem Bus zur �Nice Horse Ranch� und nahmen bei Patty eine Trainingsstunde auf einem der zehn Schulpferde, zu denen Quarters, Paints und zwei Appaloosas z�hlten. Livia war die alte Cuttingstute Sue am liebsten, weil sie so ruhig und ausgeglichen war, und Paul bevorzugte das spritzige, junge Paint Coloured John.
Jetzt mussten die beiden f�r den Biologie-Unterricht ein l�ngeres Referat unter dem Motto �Junge Forscher� vorbereiten. Klar, dass sie etwas �ber Pferde machen wollten. Die Arbeit sollte aber wochenlang dokumentiert werden, wie sie zu ihren Forschungsergebnissen kamen. �Ich wei�, was wir machen�, sagte Livia und setzte fort: �Wir erz�hlen etwas �ber das Verhalten des Pferdes auf der Weide.� �Findest du das nicht ein bisschen langweilig? Was sollen wir denn da schreiben? Sie stehen da und fressen sich den Bauch voll?�, scherzte Paul. �Aber nein�, erwiderte Livia. �Ich meine, wir dokumentieren genau das Verhalten in der Herde, die Rangordnung, gegenseitige Fellpflege, Chefs und Au�enseiter in der Gruppe und versuchen, Vergleiche zu unserer Klassengemeinschaft zu ziehen.� �Und du glaubst, dass uns das gelingt?�, war Paul ein wenig skeptisch. �Bestimmt�, war Livia �berzeugt. Und so machten sie sich mit Videokamera und Fotoapparat, Notizblock und Laptop bewaffnet � die technische Ausr�stung hatte ihnen freundlicherweise Pauls Vater zur Verf�gung gestellt � auf den Weg zur Ranch. Dort im Reiterst�berl angekommen, stellten sie ihre Projektarbeit Trainerin Patty vor, die �ber das Interesse und Engagement ihrer Reitsch�ler begeistert war. So wurde in den n�chsten Wochen flei�ig gefilmt, fotografiert, dokumentiert, im Internet recherchiert und nat�rlich auch in Fachb�chern, die sie sich aus der Ranch-eigenen Bibliothek ausborgten, nachgeschlagen. Trainerin Patty half ihnen dann, das Ganze am PC f�r eine Power-Point-Show vorzubereiten. Stets dabei war auch Pattys kleiner Sohn Alex, der gro�e Freude hatte, dass seine Freunde Paul und Livia in letzter Zeit �fters als gewohnt sich im Stall einfanden und er auch ein bisschen mitforschen durfte.
Nach knapp einem Monat war es dann soweit: Die fertige Arbeit wurde vor der ganzen Klasse pr�sentiert. W�hrend Livia leicht nerv�s war, ob denn wirklich alles klappen w�rde und die Mitsch�ler auch wirklich Interesse zeigen w�rden, war Paul �berzeugt, dass ihr Projekt das Klassenbeste sei. Das Besondere daran: Trainierin Patty hatte sich bereit erkl�rt, dass die Pr�sentation bei ihr im Reiterst�bchen stattfinden durfte mit einem anschlie�enden Rundgang im Form einer R�stelrallye durch die Ranch. Der Klassenlehrer hatte zwei Wochen zuvor die Zustimmung dazu gegeben, als Paul und Livia angefragt hatten. Mit dem Schulbus ging es auf den Reiterhof, diese Form des Unterrichts gefiel nat�rlich allen besonders gut.
Auf der Ranch im Reiterst�bchen angekommen, lauschten alle gespannt dem Referat der beiden. W�hrend des Zuh�rens wurden die Mitsch�ler mit selbst gebackenen Keksen, Kuchen und Saft von Trainerin Sue verw�hnt. Das Wetter spielte erfreulicherweise mit, sodass alle kleinen Forscher nach dem Theorieteil, der sogar durch kleine Filmausschnitte, die Paul und Livia selbst gedreht hatten, aufgelockert wurde, die M�glichkeit hatten, selbst die Pferde auf der Weide zu beobachten. Auch sie erkannten bald: Genau wie in ihrer Klassengemeinschaft gab es ein paar �Rowdys�, die immer ein bisschen Unruhe machten, ein paar Sch�chterne, die sich lieber im Hintergrund hielten, und einen Chef, der f�r Ruhe in der Herde sorgte und eingriff, wenn es zu �bunt� wurde. �Die Stute Pretty Painted Jane ist sozusagen die Klassensprecherin�, lachte Livia, die selbst seit diesem Schuljahr diese Funktion in ihrer Klasse inne hatte. Dann erkl�rte Paul, was die K�rpersprache der Pferde alles aussagen kann, beginnend bei der Stellung der Ohren, dem Ausdruck der Augen und bis zu Drohgeb�rden durch Z�hne oder Beine. Am Schluss verteilten die beiden einen kleinen Test, wo es nun an den Mitsch�lern lag, zu zeigen, ob diese ihnen auch flei�ig gelauscht hatten.
Einige Fragen waren ganz sch�n knifflig. Kannst du sie beantworten?
Wie hei�t das Leittier, also der Chef, in einer Pferdeherde?
a) The Boss
b) Herrscher-Hengst
c) Alpha-Tier
Die richtige L�sung ist C: Das Leittier hei�t Alpha-Tier, benannt nach dem ersten Buchstaben des griechischen Alphabets.