Traumhafte Ver�nderung

In Begleitung eines TV-Teams unterst�tzten 2 AQHA Pro Horsewomen eine Jugendliche und ihr Pferd bei einer gr�ndlichen Ver�nderung.

 

Text & Fotos: Andrea Caudill

�bersetzung: Sonja Gr�nauer

 

Es ist ein perfekter Sommermorgen in Hastings, Minnesota � warm und sonnig. Der Duft des letzten Regens umh�llt die Weiden. Die 13-j�hrige Lindsey Shank steht in der N�he der Zufahrt  zu den WestWind-Stallungen und beobachtet nerv�s zwei Kameraleute, die sich einige Meter von ihr entfernt aufhalten. Sie pr�fen ihr Equipment, ihre Mikrofone und machen einen Sound-Check. �Ich glaub, ich kann das nicht�, murmelt sie.

Einige Wochen zuvor hatte sie sich als AQHYA Mitglied aus der N�he von Oakdale online beim �Team Wrangler � Make Over My American Quarter Horse!�-Bewerb f�r Jugendliche angemeldet und einen Aufsatz �ber sich und ihr Pferd Skippa Bar Slick (auch Dreamy genannt) geschrieben. Sie erkl�rte darin detailliert, dass sie gerne Spins, Sidepasses und den Jog am losen Z�gel verbessern w�rde. �Ich wei�, dass mein Pferd diese Lektionen kann, aber ich wei� nicht, wie ich mein Pferd dabei richtig trainieren kann. Ich brauche professionelle Hilfe, um meinem Pferd die richtigen Hilfen f�r diese Lektionen geben zu k�nnen!�, schrieb sie. Lindsey gewann � und das bei �ber 100 Mitbewerbern.

Die Realit�t holte sie in Form der Team Wrangler-Mitglieder Vicky Holt aus Argyle/Texas und Joni Nelson aus Lone Grove/Iowa und einer Kamera-Crew ein, die alle Fortschritte von Lindsey und ihrem Pferd bei diesem Trainingzyklus festhalten sollten.

Einige Augenblicke sp�ter wird Lindsey nach ihrem Pferd gefragt. Sie l�chelt, wenn sie an ihren Dreamy denkt, der in n�chster N�he im Stall geduldig auf sie wartet. �Ich hatte keine Ahnung, was da auf mich zukommen k�nnte, als ich meine Bewerbung schrieb�, erz�hlt sie, als das Kamerateam sie filmt, �aber ich denke, es wird ein gro�artiges Erlebnis.�

Harte Arbeit

Vor f�nf Jahren hatten Lindsey und ihre Mutter Leslie noch ein ganz anderes Leben. Lindsey hatte durch ihr Asperger-Syndrom � eine Form des Autismus � Schwierigkeiten bei der sozialen Integration. Sie musste oft zum Schuldirektor und hatte auch daheim einige Probleme. Oft ben�tigte sie 3 Stunden um 5 Mathematik-Beispiele zu l�sen.

 

Lindsey liebt Pferde seit ihrem dritten Lebensjahr, erz�hlt ihre Mutter. Im Alter von 10 Jahren begann sie im WestWind Stall mit Reitstunden. Ihre Mutter teilte mit ihr diese Leidenschaft . Oft ritten sie dort zwei bis drei Mal pro Woche. Die Arbeit mit den Pferden wirkte sich auf Lindseys mentale Verfassung sehr positiv aus. �Autistische Kinder haben Probleme, Ursache und Wirkung zu begreifen�, erkl�rt Leslie. �F�r sie sind Menschen wie M�belst�cke. Durch die Arbeit mit Tieren lernen diese Kinder �Wenn ich dies mache, dann wirkt sich das so auf das Verhalten des Tieres aus.� Und damit begreifen sie auch, dass es genauso im Umgang mit Menschen ist.� Lindsey begriff bei der Arbeit mit Pferden, dass man auch Geduld haben muss, lernte das L�sen von auftretenden Problemen und die Zusammenarbeit mit anderen Reitern.

Vor drei Jahren lernte sie Dreamy kennen. �Ich kam zu einer Reitstunde�, erz�hlt Lindsey. �Dreamy wurde gerade von einem anderen Reiter in einer Privatstunde geritten und sah dabei sehr griesgr�mig aus. Mein Reitlehrer fragte mich, ob ich ihn in meiner Reitstunde auch reiten m�chte. Irgendetwas in meinem Unterbewusstsein sagte mir, dass ich es tun sollte. Und ich entschloss mich, dieses Pferd zu reiten. Ich war �berrascht, wie gut es funktionierte. Es war wie Liebe auf den ersten Blick bzw. so, als w�rden wir schon sehr lange zusammen arbeiten.� Im April 2007 wurde Dreamy offiziell ihr Pferd.

Lindsey geht jetzt in die 8. Klasse. Seitdem ist sie eine viel bessere Sch�lerin und in ihrer Stallgemeinschaft voll integriert. Sie assistiert bei Stall-Camps und hat eine beratende Funktion bei den Junior Camps. �Es ist erstaunlich, welche Fortschritte sie durch die Pferde gemacht hat�, sagt Leslie. �Und dass sie einen Aufsatz-Wettbewerb gewinnen w�rde, h�tte ich mir nie tr�umen lassen. Dreamy ist in Gold nicht aufzuwiegen!�

Der Unterricht

Vicky und Joni lehnen am Tor der Reithalle und beobachten das erste Mal Lindsey und Dreamy. Der 7-j�hrige sorrel-farbene Wallach joggt einen perfekten 30-Fu�-Zirkel um seine junge Besitzerin, ohne Longe oder andere Einschr�nkung. Er k�nnte jederzeit losgaloppieren und in der ganzen Halle herumtoben, doch Dreamy bleibt lieber in der N�he von Lindsey. Als Schritt von Lindsey verlangt wird, reagiert Dreamy sofort korrekt auf die Aufforderung. �Ich denke, wir werden trotzdem einiges an Arbeit vor uns haben�, sagt Vicky leise und Joni nickt zustimmend. Nachdem das Pferd nun aufgew�rmt ist, geht die Gruppe auf den Au�enplatz, um dort an Lindseys erstem Vorhaben � der Showmanship � zu arbeiten. Dies ist jene Disziplin, in der der Pferdef�hrer sein Pferd zu Fu� durch ein vorgegebenes Pattern f�hrt, um dabei die F�higkeit zu zeigen, dass er sein Pferd kontrolliert vorstellen kann. Zuerst einmal wird jedoch Dreamys Show-Halfter vom Wrangler-Trainer-Duo korrekt eingestellt. Danach zeigen sie Lindsey, wie ihre korrekte K�rperhaltung und K�rperposition sein sollte, die Augen sollten geradeaus gerichtet und die H�nde nicht zu tief und vor allem ausbalanciert gehalten werden. Lindsey und Dreamy zeigen eine nette Jog-Sequenz. Vicky r�t Lindsey folgendes: Wenn Dreamy stoppt, sollte sein rechtes Hinterbein am Boden sein, da der Pferdef�hrer dann leichter die anderen Beine des Pferdes im Stehen auskorrigieren kann. Sie zeigt Lindsey, wie sie die F�hrleine halten soll, damit Dreamy beim Gehen seine Beine gut genug anheben kann. Um nach dem Stopp ein Bein r�ckw�rts setzen zu lassen, ziehe die F�hrleine ein wenig zur�ck. Wenn das Pferd ein Bein nach vorne stellen soll, ziehe leicht nach vorne. Wenn das Pferd das hintere Bein zwar in richtiger Position, jedoch leicht verdreht hat, empfiehlt Vicky, die F�hrleine leicht nach unten zu ziehen, damit das Pferd sein Gewicht auf die Vorhand verlagert. Wenn das Pferd auf diese Hilfen korrekt reagiert, wird es selbstverst�ndlich gelobt und am Hals gestreichelt.

�Man muss bei diesem Training sehr geduldig sein�, erkl�rt Vicky. �Man sollte bedenken, dass ein Pferd keine Ahnung hat, was wir da eigentlich von ihm wollen.� Wenn sich ein Pferd gegen die F�hrkette wehrt � Dreamy dr�ckt z.B. am Beginn des Showmanship-Trainings seinen Kopf hoch �, sollte man leicht ziehen und dabei eine sanfte Seitw�rtsbewegung mit der F�hrkette machen, damit der konstante Gegendruck des Pferdes gebrochen wird � und das Pferd wird sich entspannen.

Als n�chste Aufgabe sind Wendungen an der Reihe. Vicky bittet Lindsey, ihnen zu zeigen, wie sie diese Wendungen macht, und stellt fest, dass Dreamy einige gute Tritte in diesen Wendungen macht, bevor diese dann schlechter werden. Sie zeigt Lindsey, wie Dreamys Schulter dabei von der Linie abkommt, was ihn dazu veranlasst, falsch aus der Wendung heraus zu gehen, und zeigt ihr als L�sung des Problems, wie sie dem Pferd helfen kann, seinen K�rper dabei gerade zu halten. Au�erdem empfiehlt sie Lindsey, zu Beginn nur Teile einer Wendung zu machen. Weiters r�t sie Lindsey dazu, verschiedene Stimmhilfen anzuwenden, wie z.B. Zunge schnalzen, um jeden Schritt in einer Wendung zu fordern oder �Bussi� zu schicken, wenn das Pferd antraben soll.

Nach dem Showmanship-Training sattelt das junge M�dchen ihr Pferd auf und sitzt auf. Sie ist neugierig, wie ihr das Trainer-Duo nun bei den Reit-Man�vern helfen wird. Zu Beginn korrigieren Joni und Vicky die Sitzposition der Reiterin, damit diese im Sattel effektivere Hilfen geben kann. Sie ermutigen Lindsey, darauf zu achten, dass ihr Sitz so sein sollte, dass von ihrem Ohr bis zu ihren Fersen eine Linie zu sehen w�re und dass ihre Beine in der richtigen Position bleiben und die Steigb�gel am Fu�ballen liegen.

W�hrend des Aufw�rmens zeigt Dreamy, woran Lindsey unbedingt arbeiten m�chte: Beim Trab ist er zu flott, geht gegen das Bit und wirft seinen Kopf abw�rts. Joni gibt Lindsey folgende Anweisungen: �Halte deine H�nde ruhig, lege deine Schenkeln ans Pferd. Durch diese Beinhilfe wird er ermuntert, vorw�rts zu gehen, w�hrend du mit deinen H�nden eine entsprechende Hilfe mit den Z�geln gibst, indem du sanften Zug aus�bst, bis er beginnt sich zu entspannen. Sobald Dreamy sich entspannt, l�sst du auch den Druck mit den Z�geln nach. Er kann sich dadurch gut ausbalancieren.� Nach einigen Minuten beginnt sich der Wallach tats�chlich zu entspannen, verlangsamt sein Tempo und h�lt den Kopf ruhig. Er dr�ckt auch nicht mehr gegen das Bit.

Um seine Tendenz, sich nach links zu lehnen, zu korrigieren, fordert Joni die Reiterin auf, darauf zu achten, das Pferd zwischen den Z�geln zu halten. Wenn sich das Pferd vermehrt auf eine Seite lehnt, sollte die Reiterin auf dieser Seite entsprechend st�rkeren Schenkeldruck, unterst�tzt durch eine Z�gelhilfe, aus�ben. Damit kann das Pferd auf der Zirkellinie bzw. der Linie, die gerade geritten wird, konstant gef�hrt werden.

Am Ende der Trainingseinheit wird mit dem Sidepass begonnen. Zuerst nehmen sie dazu die Umz�unung des Reitplatzes als Hilfe, damit Dreamy versteht, dass er seitw�rts gehen soll und nicht vorw�rts � denn die Vorw�rtstendenz wird durch den Zaun verhindert. Vicky zeigt Lindsey die Hilfen f�r den Sidepass nach rechts � h�lt die Z�gel konstant und presst den linken Schenkel des Reiters an das Pferd. Zuerst reagiert das Pferd nicht, daher wird der Druck entsprechend erh�ht, bis er endlich einen Schritt seitw�rts macht. Lindsey lobt ihr Pferd ausgiebig. Wenn ein Pferd gegen Schenkelhilfen sehr abgestumpft ist, empfiehlt Joni, Sporen zu verwenden, anstatt permanent mit den Unterschenkeln ans Pferd zu klopfen. Dies kann helfen, damit das Pferd zuk�nftig auch auf leichtere Schenkelhilfen reagiert. Durch die Hilfe des Wrangler-Trainer-Teams macht Dreamy jedoch schnell Fortschritte und reagiert auf die Schenkelhilfen, indem er brav seitw�rts geht.

 

 

Nach dem Trainingstag versammeln sich alle, um die Ereignisse des Tages f�r das Kamerateam zusammenzufassen. �Die beiden haben gro�artig begonnen und das Training auch gro�artig beendet�, sagt Joni. �Ich denke, wir haben einiges weitergebracht. Lindsey hat sehr viel dazu gelernt. Es war sehr sch�n, mit ihr und Dreamy zu arbeiten. Er ist zwar etwas langsam und reagiert eher schwerf�llig auf die Beinhilfen, aber Lindsey und Dreamy passen einfach wunderbar zusammen. Lindsey hat sehr viel �ber Pferde dazu gelernt, eine bessere Balance gefunden und sich weitere Ziele gesetzt. Und das ist sehr gut so.�

Vicky stimmt Jonis Aussage zu und best�tigt, dass das M�dchen eine sehr gute Grundausbildung hat. �Ich versuche immer, beim Training auch an die zuk�nftigen Trainingserfolge zu denken�, sagt sie. �Wenn man jeden Tag ein bisschen trainiert, dann wird man mit der Zeit immer besser und irgendwann sehr stark reiten k�nnen.�  Und wenn Lindsey diese �bungen, die sie heute gelernt hat, weiter trainiert, wird sie bald auch schwierigere Man�ver meistern k�nnen. �Wenn man einmal gelernt hat, wie man sein Pferd unter Kontrolle h�lt und wie die Man�ver funktionieren�, erkl�rt Vicky, �wird man �berrascht sein, wie einfach alles funktioniert. Es gibt da keine Grenzen � man muss nur daran glauben, etwas erreichen zu k�nnen.�

�Es hat so viel Spa� gemacht�, sagt Leslie �ber das, was sie heute beobachten konnte. �Ich war sehr beeindruckt, wie nett die Trainerinnen waren und wie schnell sie es schafften, dass Lindsey und Dreamy gut zusammenarbeiten und die ihnen gestellten Aufgaben wunderbar bew�ltigten. Joni und Vicky sind zwei gro�artige Trainerinnen. Es war eine gro�e Chance f�r meine Tochter und ihr Pferd � und es war f�r sie eine wundervolle Erfahrung.�

Und als man Lindsey fragt, was sie bei diesem Training gelernt hat, antwortet diese: �Dass ich einen langen Weg vor mir habe��. Ihre anf�ngliche Angst hatte sich w�hrend des Trainingstages schnell gelegt. �Es war vieles �hnlich wie beim Reitunterricht�, sagt Lindsey. �Sie haben mir sehr viel erkl�rt und ich habe versucht, alles korrekt umzusetzen. Vicky und Joni sind wirklich sehr nett. Ich habe sehr viel dazu gelernt. Jetzt kann ich nur noch sagen: Ich schau hinaus in die Welt und sage den Leuten, dass ich komme!�