Disziplin Hunter under Saddle

 

Richterin Sally Jo Freund erkl�rt, dass Teilnehmer bei Hunter under Saddle-Bewerben vier Grund�bungen beherrschen sollten.

 

Text & Fotos: Ross Hecox

�bersetzung: Sonja Gr�nauer

 

Wenn Sally Jo Freund die Klasse Hunter under Saddle bewertet, stellt sie sich dabei vor, wie der Reiter sein Pferd w�hrend einer englischen Fuchsjagd �ber gr�ne Wiesen hinter einer Hundemeute reitet und mit seinem Pferd �ber Z�une springt. Das hei�t nicht, dass sie w�hrend ihrer Aufgabe als Turnierrichterin tr�umt � sie vergleicht nur jede Bewegung des Pferdes, ob dieses auch bei einer Fuchsjagd eingesetzt werden kann.

�Die Klasse nennt sich Hunter under Saddle�, sagt Freund. �Das Pferd sollte dabei eigentlich in der Lage sein, jederzeit bei einer Jagd an den Start zu gehen und diese Aufgabe ohne gro�e reiterliche Hilfe zu bew�ltigen.� Bei diesem Bewerb wird zwar nicht verlangt, dass der Reiter mit seinem Pferd �ber Z�une springt, jedoch laut APHA Rule Book ist diese Klasse wie folgt spezifiziert: �Das Pferd sollte sich in einem verl�ngerten Rahmen bewegen, das hei�t es sollte seine Tritte verl�ngern k�nnen, um dabei mit der gleichen Anzahl von Tritten eine weitere Distanz zur�ckzulegen � so als w�rde es hinter einer Hundemeute herlaufen.�  Bei diesem Bewerb wird eine entsprechende Bewegungsfreudigkeit in den Gangarten Schritt, Trab, Galopp und Handgalopp erwartet.

Freund erkl�rt, dass es wichtig ist, den Grund dieser Regeln zu verstehen, um in dieser Klasse erfolgreich zu sein. Sie hat bereits 10 Jahre Erfahrung bei APHA Shows und nahm bei den World Shows 1993 und 1997 teil. Dadurch hat sie bereits viele Reiter gesehen, die Fehler machen, die durchaus vermeidbar gewesen w�ren.

Freund erkl�rt uns hier die vier wichtigsten Punkte, die einen erfolgreichen Start ausmachen. Diese Punkte umfassen die Bewegung des Pferdes, die richtige Position entlang der Einz�unung, die �berg�nge und die K�rperhaltung des Reiters.

1. Die richtigen Bewegungen

Freund erkl�rt, auf welche Art von Bewegungen sie in dieser Klasse achtet. �Ich sehe gerne Pferde, die aufmerksam sind, ein entsprechendes Ohrenspiel zeigen und auf ihren Reiter gut reagieren�, erkl�rt sie. �Der Galopp sollte raumgreifend sein, der Trab mit entsprechend langen Tritten, jedoch ohne viel K�rperbewegung des Pferdes. Es sollte also kein Trab mit kurzen, schnellen Tritten sein. Ein Western-Jog kann eher k�rzere Tritte haben als ein Hunter-Trab. Oft sehe ich in dieser Klasse Pleasure-Pferde, die einfach nur als Hunter under Saddle-Pferde �verkleidet� sind.� Freund f�gt hinzu, dass die Pferde nur aufgrund ihrer Bewegung und nicht aufgrund ihres K�rperbaues bewertet werden. �Solange ein Pferd einen sauberen Zweitakt im Trab und einen sauberen Dreitakt im Galopp zeigt und beides mit entsprechendem Raumgriff, ist es f�r diese Klasse wunderbar geeignet�, sagt sie. �In der Disziplin Hunter under Saddle findet man sowohl st�mmige Hunter-Pferde als auch die l�ngeren, schlanken Pferde.�

Die Kopfhaltung ist bei einem Hunter- Pferd anders als bei einem Western Pleasure-Pferd. Wie das Pferd in Hunter under Saddle seinen Kopf tr�gt, ist f�r Freund unwichtig. F�r sie ist wichtig, dass die Kopfhaltung nicht die Vorw�rtsbewegung einschr�nkt. �Ich habe kein Problem, wenn bei einem Hunter-Bewerb der Kopf des Pferdes h�her als sein Widerrist ist�, erkl�rt Freund. �Ich achte auf eine nat�rliche Kopfhaltung, und diese ist von Pferd zu Pferd unterschiedlich. Ich denke jedoch, dass die meisten Pferde, die ihren Kopf tief tragen, nicht in der Lage sind, raumgreifend vorw�rts zu gehen.� Im Regelbuch steht, dass die Pferde in einem �niedrigen Rahmen� gehen sollen. Dies bezieht sich auf die Bewegung des Pferdes und nicht darauf, in welcher Position Kopf und Hals des Pferdes sind. Wichtig ist dabei nur eine raumgreifende Bewegung mit flachen Knien. Flie�ende Bewegungen, angehobene Schultern und eine aktive Hinterhand sind wichtig, damit das Pferd ausbalanciert laufen kann. �Die Antriebskraft muss von der Hinterhand kommen, speziell bei einem Hunter-Pferd�, sagt Freund. �Der Richter sollte beim Zusehen das Gef�hl haben, dass das Pferd m�helos abspringen  und �ber einen Zaun springen k�nnte, wenn ein solcher pl�tzlich den Weg versperren w�rde.�

Ein h�ufiger Fehler, den Freund und andere Richter oft beobachten k�nnen, ist, dass die Reiter ihre Pferde zu sehr zur�ckhalten und sie zu viel versammeln. �Bei vielen Futuritys, bei denen ich dieses Jahr als Richterin fungierte, stellte ich fest, dass Pferde in der Hunter under Saddle-Klasse oftmals zu stark an den Z�gel geritten werden. Die Pferde k�nnen sich dann im Canter nicht frei vorw�rts bewegen, die Hinterhand zeigt dann im Galopp keinen Dreitakt mehr, sondern nur mehr einen Zweitakt, w�hrend die Vorhand korrekt galoppiert, jedoch mit zu hoher Knieaktion. Man kann also sagen, dass das Pferd nicht damit gl�cklich ist, was der Reiter gerade mit seinen Hilfen von ihm verlangt. Der Reiter sollte sein Pferd nat�rlich bewegen lassen.�

 

�Oft denke ich am Ende eines Bewerbes, wenn der Reiter seinem Pferd vertraut h�tte und er h�tte es so gehen lassen, wie es m�chte, dann h�tte man ein Pferd gesehen, das sich weitaus sch�ner bewegt, als mit den Hilfen des Reiters.� Dem Pferd die M�glichkeit zu geben, frei vorw�rts zu laufen, hat als Ergebnis einen aufmerksamen und dennoch entspannten Ausdruck des Pferd-Reiter-Paares. Ein aufgeregtes Pferd w�rde in der Hunter under Saddle-Klasse nicht gut abschneiden. Diesen mentalen Zustand sieht man beim Pferd an verschiedenen K�rperpunkten und nicht nur am Schweif. �Ich werte eine leichte Schweif-Bewegung nicht negativ�, sagt Freund. �Denn wenn ein Pferd irritiert ist, kann ich dies auch an anderen Ausdrucksweisen sehen, wie z.B. an den Ohren und an den Augen des Pferdes.�

2. Reiten am Hufschlag

Die Art und Weise, wie ein Reiter sein Pferd am Hufschlag reitet, bestimmt, wie gut die Richter das Paar beobachten k�nnen. Wenn es w�hrend des Bewerbs zu einer Ansammlung der Reiter an einem gewissen Punkt kommt, hat der Reiter nat�rlich mehr zu tun, weil er mit Z�gel und Schenkelhilfen sein Pferd davon abhalten muss, zu nah auf den vorderen Reiter anzuschlie�en. Dies kann jedoch einen negativen Einfluss auf die sanfte Bewegung und Kadenz des Pferdes haben. �Ich mag Reiter, die ihren Blick auf einen Punkt am Hufschlag gerichtet haben�, sagt Freund. �Der Reiter sollte in einer Position sein, in der er mit seinem Pferd keinen anderen Reiter bedr�ngt und dessen Pferd dadurch dann Probleme macht. Viele Unf�lle passieren, weil die Reiter nicht genug Abstand zwischen den Pferden lassen.�

Einen Reiter, der mit seinem Pferd Probleme hat, bzw. einen langsamen Teilnehmer zu umreiten, ist in jeder Rail-Klasse unvermeidbar. Die Richter wollen trotzdem einen gleichm��igen, rhythmischen Ritt sehen. �Ein Pferd sollte im Einklang mit den Sitz- und Schenkelhilfen eines Reiters sein. Diese Hilfen ben�tigt man f�r jedes Man�ver�, erkl�rt Freund. �Dann kann der Reiter diese Man�ver schnell durchf�hren.�

Freund erkl�rt auch, wo genau am Hufschlag das Pferd geritten werden sollte. �Ich empfehle dem Reiter, sein Pferd in entsprechender Entfernung von der Umz�unung am Hufschlag zu reiten, damit diese nicht ber�hrt wird�, sagt sie. �Trotzdem sehe ich nicht gerne, wenn man dann 6-10 Meter entfernt von der Einz�unung reitet. Da muss ich dann meinen Platz, wo ich als Richterin stehe, verlassen, um nicht niedergeritten zu werden. Dies ist f�r mich nicht angenehm.

Der richtige Hunter-Reiter hat unter sich ein Pferd, das lange raumgreifende Tritte macht und sich meist am inneren Hufschlag befindet, um Pferden mit k�rzen Tritten auszuweichen. Solche Pferde gewinnen h�ufig diese Disziplin. Dadurch sehen sich viele andere Reiter veranlasst, ihre Pferde weiter innen zu reiten. Was dabei nicht bedacht wird ist, dass die Richter nicht bewerten, wie weit man von der Einz�unung entfernt ist, sondern wie gut sich das Pferd bewegt. Normalerweise k�nnen die Richter jene Pferde besser beobachten, die weiter au�en geritten werden�, erkl�rt sie.

3. Wechsel der Gangart

Wenn Pferde einen Gangartwechsel in eine langsamere oder schnellere Gangart machen, gibt Freund folgenden Rat. �Ich achte vor allem auf Gleichm��igkeit, Rhythmus und Geschmeidigkeit. Ich sehe nicht gerne, wenn am Z�gel gezerrt und mit den Schenkeln ans Pferd geklopft wird. Auch nicht, dass das Pferd dabei sein Maul �ffnet, weil ihm das Zerren an den Z�geln unangenehm ist, oder es den Kopf hochrei�t, weil es der harten Hand des Reiters entkommen will. Wenn die Reiter geduldig sind und sanft ihre Z�gel- und Beinhilfen einsetzen, wird ihnen ein sanfter, ruhiger Gangartwechsel gelingen.�

Ein oftmals auftretendes Problem ist, dass die Reiter zu sp�t den Gangartwechsel vornehmen. �Ich verstehe die Einstellung der Trainer, die darauf achten, das Pferd nicht sauer zu machen und entsprechend gut auf den Reiter zu achten�, sagt Freund. �Und ich verstehe auch die Teilnehmer der Bewerbe, die damit versuchen, sich mehr Platz zu verschaffen. Manche Reiter wollen ihren guten Platz am Hufschlag nicht verlieren. Doch wenn sie ein gutes Pleasure-Pferd reiten, werden sie wieder einen guten Platz w�hrend des Bewerbes finden. Das Problem ist, dass viele Reiter, obwohl sie vor sich gen�gend Platz haben, immer noch versp�tet einen Gangartwechsel machen.� Freund erwartet nicht, dass die Reiter prompt einen Gangartwechsel durchf�hren. Doch die Richter f�hlen sich in ihrer Geduld zeitweise sehr hart auf die Probe gestellt. Solche Reiter hinterlassen bei ihnen keinen sonderlich guten Eindruck. Beeindruckender sind nat�rlich jene Reiter, die sehr rasch den angesagten Gangartwechsel zeigen.

4. Haltung im Sattel

Auch wenn die Teilnehmer in der Hunter under Saddle-Klasse nur aufgrund der F�higkeiten des Pferdes bewertet werden, hat die K�rperhaltung des Reiters doch einen sehr gro�en Einfluss auf die Leistung des Pferdes. Kurz gesagt, die Teilnehmer k�nnen bessere Bewertungen erzielen, wenn sie besser reiten k�nnen. Das Gesamtbild des Pferd-Reiter-Paares ist sehr wichtig. �Ich sehe gerne Reiter mit Selbstbewusstsein, jedoch ohne Arroganz. Da gibt es n�mlich einen feinen Unterschied. Ein Reiter mit gutem Selbstvertrauen kommt in die Arena und freut sich auf die Show. Er sieht nicht an den Rand der Arena, um sich Ratschl�ge vom Trainer oder seinen Eltern zu holen. Er ist von sich und seinem Pferd �berzeugt. Kommt er in eine unvorhergesehene Situation, l�st er das Problem taktvoll und bringt sein Pferd wieder auf den richtigen Weg zur�ck. Der arrogante Reiter m�chte die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und konzentriert sich gleichzeitig mehr auf die Richter als auf sein Pferd. Oft wirkt es so, als w�rde er die Richter einsch�chtern wollen, um eine bessere Platzierung zu erreichen. Doch dies kann nicht funktionieren.�

 

 

�Wir Richter m�ssten uns selbst an die Wand nageln, wenn wir diese Klasse so bewerten w�rden. Die Teilnehmer dieser Klasse sind heutzutage sehr gut ausgebildet und wissen, wie sich ihre Pferde in diesem Bewerb bewegen sollten.� Freund erkl�rt, dass die reiterlichen F�higkeiten die Vorf�hrung des Pferdes beeinflussen.

Korrektes Leichtreiten hilft dem Pferd, seinen Rhythmus und die Gleichm��igkeit im Trab zu erhalten. �Ich sehe sehr oft, dass die Reiter beim Leichttraben zu hoch aufstehen�, erz�hlt Freund. �Der Reiter sollte nicht h�her als das Vorderzwiesel des Sattels aufstehen und sich dabei ein wenig nach vorne lehnen. Viele stehen kerzengerade und viel zu hoch auf.

Viele Reiter setzen vermehrt die Sporen anstatt ihrer Unterschenkel- und ihrer R�ckenmuskulatur ein. Jedes Mal, wenn sie beim Leichtreiten aufstehen, strecken sie ihre Beine weg vom Pferd und klopfen diese dann wieder ans Pferd, wenn sie einsitzen. Das Pferd l�uft dann ungleichm��ig vorw�rts und verliert den sch�nen Rhythmus. All dies beeintr�chtigt das Gesamtbild.�

 

Jagd auf Preisschleifen

Freund betont erneut, dass es wichtig ist, dass sich die Pferde in dieser Klasse entsprechend der Richtlinien dieses Bewerbes bewegen. �Ein Hunter under Saddle-Pferd sollte sich wie ein Hunter under Saddle Pferd-bewegen und nicht wie ein Western Pleasure-Pferd�, erkl�rt sie. �G�be es keinen Unterschied, m�ssten wir nicht zwei verschiedene Klassen machen.� Diese Pferde sollten problemlos an einer Fuchsjagd teilnehmen k�nnen � raumgreifende Tritte machen, auf ihren Reiter entsprechend gut reagieren und, wenn gew�nscht, auch versammelt geritten werden k�nnen. Au�erdem sollten sie unvorhergesehene Hindernisse springen k�nnen. � Genau diese Pferde haben gute Chancen, Preisschleifen zu gewinnen.

 

Unn�tige Ma�nahmen

Sally Jo Freund sieht oft Reiter, die sich ver�ndern wollen und in Hunter under Saddle starten. Sie erkl�rt, dass die Taktik, sich nur genau an das Regelbuch zu halten, nicht immer hilfreich ist. Hier die Liste der h�ufigsten Fehler:

1. Zu weit vom Hufschlag abweichen und dabei beinahe die Richter niederreiten.

2. Die Richter anstarren und versuchen, diese zu beeinflussen. Freund erkl�rt, dass solche Reiter ihre Vorf�hrung dadurch beeinflussen, da sie sich mehr auf die Richter als auf ihr Pferd konzentrieren.

3. Versp�teter Gangartwechsel ohne triftigen Grund.

4. Permanentes Ziehen der Z�gel im Maul des Pferdes, anstatt das Pferd entspannt vorw�rts zu reiten.