Geh hinaus und genie�e das Reiten!
Lass nicht zu, dass mangelndes Selbstvertrauen dir die M�glichkeit nimmt, die Zeit mit deinem Pferd zu genie�en.
Text: Richard Shrake
Fotos: Becky Newell
�bersetzung: Sonja Gr�nauer
John, 67, hat ein Pferd, das seine Tochter Kathy normalerweise bei Turnieren reitet. Da Kathy nun auf dem College ist, m�chte John jetzt nicht mehr der ewige Turnierhelfer sein, sondern lernen, das Pferd zu pflegen und zu reiten � um vielleicht einmal selbst an einem Turnier teilzunehmen. Das Problem ist, dass er sich sch�mt, weil er trotz 15-j�hriger Pferdeerfahrung nicht einmal Schritt reiten kann. Und damit ist er nicht alleine. Es gibt viele verschiedene Faktoren, die dazu f�hren, dass man sein Selbstvertrauen angesichts seines fortschreitenden Alters verliert. Ich kenne viele Menschen im Alter von 40 Jahren oder �lter, die ein eigenes Pferd haben m�chten, jedoch Angst davor haben, sich bei diesem Hobby zu verletzen. Ich rate ihnen dann, in einer entsprechenden Reitschule, die auf Reitanf�nger dieses Alters spezialisiert ist, das Reiten zu lernen. Aufgrund dieser Ausbildung wird es danach wahrscheinlicher sein, sich beim Radfahren als beim Reiten ernsthaft zu verletzen. Mangelndes Selbstvertrauen h�lt viele �ltere Pferdeliebhalter davon ab, Reiten zu lernen.
Selbstvertrauen bilden
Selbstvertrauen wird am besten in kleinen Schritten aufgebaut. Sich in B�chern �ber die einfachste M�glichkeit des Einstellens der Steigb�gell�nge, die Z�gelhaltung und das korrekte Aufsteigen aufs Pferd zu informieren, ist bereits ein guter Anfang. Danach sollte man bei einem Reitlehrer seines Vertrauens, der zuverl�ssige Anf�ngerpferde im Einsatz hat, seine ersten Reitversuche machen und sich mit dem Charakter seines Pferdes befassen. Ich verwende beim Unterrichten von Reitanf�ngern gerne Vergleiche. Ein aufgewecktes Pferd vergleiche ich mit einem Jack Russell-Terrier, ein eher fauleres Pferd mit einem entspannten Basset-Hund. Ein Anf�nger w�re beispielsweise mit einem nervigen Pferd total �berfordert.
Zuchtlinien, wie z.B. jene von Zippo Pine Bar, sind besser f�r Reitanf�nger geeignet. Die Pferde aus dieser Zucht verzeihen eher die Fehler eines Anf�ngers. Wenn man also in einer Reitschule beginnt, sollte man sich zuvor �ber die Eignung der Pferde erkundigen. Anfangs lernt man, wie man die F��e des Pferdes anhebt, wie man ein Pferd richtig f�hrt und wie man es kontrollieren kann, um sicher mit ihm umzugehen.
Informiere dich gut �ber das Thema Pferd. Dies gibt dir sp�ter die Sicherheit, wenn du wirklich einmal ein eigenes Pferd kaufen m�chtest. Dann machst du nicht den �blichen Anf�ngerfehler, ein Pferd zu kaufen, weil es eine sch�ne Farbe und gro�e, braune Augen hat oder weil es so vertraulich seinen Kopf an deine Schulter legt.
Sp�re die Liebe zum Pferd
Megan, 17, hat ein neues Pferd, das weit sensibler ist, als ihr fr�heres Pferd. Sie hat dadurch Probleme, sich mit diesem Pferd besser anzufreunden und verliert die Freude am Reiten. Megan sollte zuerst einmal realisieren, dass ihr Pferd ihr bester Freund werden soll. Sie darf ihr Pferd nicht verurteilen, nur weil es sehr sensibel ist. Sie sollte einen Weg finden, mit ihrem Pferd eine enge Freundschaft zu schlie�en und viel Zeit mit ihm verbringen. Am besten findet man einen Weg der Routine im t�glichen Ablauf. Wenn sie ihr Pferd z.B. von der Koppel holt, sollte sie folgenden Ablauf einhalten:
� Aufmerksamkeit des Pferdes auf sich lenken,
� Endorphine freisetzen � diese �Wohlf�hlhormone� hat jedes Tier, beim Pferd werden diese Hormone freigesetzt, wenn man seine Ohren oder Backen streichelt,
� das Pferd aufhalftern.
Wenn das Pferd die Tendenz hat, etwas flotter zu sein, sollte man genau das Gegenteil machen � also langsamer werden. Langsam gehen, langsam wenden. Dies bringt den hohen Energielevel des Pferdes wieder herunter. Danach sollte Megan mit ihrem Pferd das Herdenverhalten �ben � das Pferd sollte ihr also �berall hin folgen. Dies �bt man am besten in der Bodenarbeit � mit Vorhand- und Hinterhandwendungen. Wenn man Pferde in der Wildnis beobachtet, erkennt man, dass das Leittier einer Herde die Rangordnung bestimmt und daf�r auch auf seine Herde aufpasst. Wenn man also als Mensch seinem Pferd lernt, dass es mit seiner Schulter oder seiner Hinterhand weichen soll, erkl�rt man dem Pferd gleichzeitig, dass es vertrauen kann und es sich beim Menschen sicher f�hlen kann.
�bungen am Trailtor
Donna hat von ihrer Tochter deren Turnierpferd geerbt und liebt die Herausforderung an Trail-Hindernissen, au�er dem Trailtor. Jedes Mal wenn Donna die Stute Dolly n�her an ein Trail-Tor heranreitet, scheut Dolly davor. Der Grund liegt darin, dass Donna jedes Mal, wenn sie sich zum Tor-Riegel hinbeugt, automatisch den inneren Schenkel ans Pferd dr�ckt, was das Pferd nat�rlich korrekt als Anweisung zum Weichen versteht. Um dies in Zukunft zu verhindern, sollte Donna daran arbeiten, ihren Oberk�rper mittig �ber dem Pferd zu halten und nur mit ihrem Arm nach dem Tor-Riegel zu greifen.
Diese Aufgabe ist Teil eines intensiven Trainings, das dem Reiter lehrt, Teile seines K�rpers unabh�ngig voneinander zu bewegen. Eine �bung daf�r ist, z.B. die H�nde unter seine Sitzknochen zu legen, w�hrend man auf einem Sessel sitzt. Dann neigt man seinen Oberk�rper nach links. Du merkst, dass dein rechter Sitzknochen sich etwas anhebt und dein R�cken dabei dann nicht mehr so entspannt ist. Am besten versucht man, den Oberk�rper 20-25 cm in jede Richtung zu neigen, ohne den Druck am Sitzknochen zu verringern.
F�r jeden etwas
Das Wichtigste, das einen Reiter mit seinem Pferd verbindet, ist die Atmung. Wenn ein Pferd beispielsweise etwas nerv�s wird, was passiert dann beim Reiter? Der Reiter verspannt sich und atmet tief ein. Die Sitzknochen des Reiters dr�cken fester in den Pferder�cken, was das Pferd noch mehr erschreckt. Ein teuflischer Kreislauf beginnt. Wenn dein Pferd nerv�s wird, solltest du tief ausatmen. Dadurch entspannt sich dein K�rper. Wichtig sind auch deine Augen, die dir immer Informationen vermitteln. Wie z.B. dass vor dir ein Baum steht oder dass der Weg nun einen Berg hinauf f�hrt. Wenn man jedoch seinen Blick gesenkt h�lt und in das Pferd hinein schaut, ist dieser Informationsfluss blockiert. Beim Unterrichten weise ich meinen Sch�ler immer wieder darauf hin, nach vorne zu sehen, damit er sieht, wohin er reitet. Dadurch macht der Reiter keine unkontrollierten Bewegungen, welche ein Pferd erschrecken w�rden. Es ist wie beim Schifahren. Wenn man auf seine Skispitzen sieht, ist ein Sturz vorprogrammiert. Auch ein Schil�ufer muss nach vorne sehen, damit er sieht, wie die Strecke vor ihm aussieht.
Weiters sollte man dem Pferd beibringen, Vorsignale zu verstehen, die dem Pferd schon andeuten, was du gleich von ihm erwartest. Wenn man einen Reiner oder einen Dressurreiter beobachtet, wird man feststellen, dass diese nicht abrupt wenden, sondern ihr Pferd mit ihren K�rperhilfen darauf vorbereiten, indem sie ihren Oberk�rper langsam in jene Richtung drehen, in welche sie dann abwenden wollen. Oder beim Stoppen, wenn ein Reiner schon vorab vermehrt sein Gewicht in den Sattel dr�ckt, bevor er das Kommando �whoa� f�rs Stoppen ausspricht.
F�gt man also alle Teile dieses Puzzles zusammen (die Atmung, die Fokussierung durch die Augen, die Vorsignale), hat man eine korrekte Verbindung zu seinem Pferd erreicht.
Man sollte sich mental vorbereiten und positiv denken, bevor man aufs Pferd steigt. Dann kann man das Reiten so richtig genie�en.