Buster Welch: Der �ber 80-j�hrige, der als Cowboy-Ikone und Rancher bekannt ist, meint, dass auch die harten Zeiten gute Zeiten f�r ihn waren

 

Text: Betsy Lynch, �bersetzung: Sonja Gr�nauer

 

Es ist kaum vorstellbar, aber im May 2007 wurde Buster Welch 79 Jahre alt. W�hrend Buster liebend gerne �ber die fr�heren Zeiten spricht, verweilt er dennoch nicht immer nur bei diesem Thema, wenn er etwas zu erz�hlen hat. Als Rinderh�ter mit mehr als tausend Angus Rindern, um die er  sich k�mmert, freut er sich immer wieder auf die n�chste Zuchtsaison, die n�chste Saison zum Kalben, das n�chste K�lberbrennen und den n�chsten Verkaufsmarkt f�r Rinder. Beachten wir einmal f�r einen kurzen Augenblick Busters Lieblingszitat: �Der gr��te Teil unseres eigenen Gl�cks h�ngt von unserer Bestimmung und nicht von unseren Lebensumst�nden ab.� � Martha Washington

Buster�s Bestimmung hat ihn immer dazu verpflichtet, seine Lebensumst�nde so zu gestalten, wie sie waren bzw. wie sie sind. Sein angeborener Optimismus ist jener Teil an ihm, der die anderen Menschen so sehr fasziniert und obwohl es schon eine l�ngere Zeit her ist, dass Buster aktiv in der Cutting Arena zu sehen war, bleibt er immer noch eine faszinierende Pers�nlichkeit. Betrachten wir einmal seine Erfolge: 3 Aufnahmen in die Hall of Fame, 4 NCHA World Championships, 5 NCHA Futurity Championships und mehrere Horseman und Cattleman-Awards. Welch nahm jede Auszeichnung in tiefer Dankbarkeit an. Er bevorzugt zwar keinen der Preise, trotzdem war f�r ihn der Foy Proctor Cowman�s Award die wahrscheinlich bedeutendste Auszeichnung. Sein Erfolg in der Pferdewelt ist legend�r und er erreichte seine Erfolge eigentlich mit einer unvergleichlichen Leichtigkeit. L�ngere Trockenheiten und die Unbest�ndigkeit des Rindermarktes waren f�r ihn schwierigere Aufgaben � und auch diese konnte er bew�ltigen.

Regeln in West Texas

Busters Leben begann nicht unter besten Lebensbedingungen. Er wurde am 23. Mai 1928 in der N�he von Sterling City in Texas geboren. Er war erst 6 Jahre alt, als seine Mutter an einer Blinddarmentz�ndung verstarb und er wuchs dann bei seinen Gro�eltern auf. Sein Gro�vater, Bud Welch, war ein pensionierter Mills County Sheriff und ein Rinderfarmer. Er f�hrte Buster in die Welt der Pferde und Rinder ein, als dieser ein geeignetes Alter erreicht hatte. Busters Vater, Charles Welch, arbeitete auf einer Bohrinsel der Atlantic Oil Company. Als er wieder heiratete, nahm er Buster wieder zu sich und siedelte sich mit seiner Familie in Midland, Texas, an, wo er dann mit seinen insgesamt 12 Kindern � inklusive Buster � lebte. Da Buster einige Jahre alleine bei seinen Gro�eltern gelebt hatte, kam er mit so vielen Geschwistern nicht besonders gut zurecht. Im Alter von 14 Jahren riss er von daheim aus, sattelte sein Pferd Handsome Harry und verlie� auf diesem Pferd sein Zuhause. Das Pferd buckelte in gleich anfangs einmal kr�ftig aus dem Sattel und Busters Schaffellmantel verh�ngte sich im Sattelhorn. Gl�cklicherweise passierte nicht mehr, als dass kein Knopf mehr am Mantel verblieben war. Mit der Vision, ein Cowboy zu werden, ritt Buster sein Pferd im kalten S�dwind durch die Nacht hindurch bis in den n�chsten Tag. Vor lauter K�lte dr�ckte er seinen Mantel noch enger an sich, um etwas W�rme zu finden. 45 Meilen entfernt von seinem Zuhause kam er bei der Foy und Leonard Proctor�s Ranch, einer der gr��ten Rinderranches in West Texas und Foy stellte Buster trotz seines jungen Alters ein. Es war 1942 und der zweite Weltkrieg war in vollem Gange. Gute M�nner waren damals Mangelware. �Es war ein Gl�ckfall, dass ich dort gelandet bin�, erz�hlt Buster. Die Proctors hatten eine College-Ausbildung, waren sehr geradlinig und hatten eine strenge Arbeitseinstellung. �Ich war damals noch sehr unerfahren�, erinnert sich Buster. �Die Menschen hatten Sorge wegen der Energiekrise. Doch damals wussten sich nicht, was eine Energiekrise wirklich bedeutete.� Buster ritt Jungpferde ein und h�tete die Herde, w�hrend Foy und Leonard K�lber aussonderten. Er bewunderte die ruhige Art und Weise, wie die beiden ritten. Ihre Pferde galoppierten schnell, stoppten gerade und machten sehr gute Rollbacks. Buster lernte, dass der Erfolg oder Misserfolg einer Ranch davon abh�ngt, wie die Herde zusammen gestellt ist � welche Tiere behalten und welche verkauft werden. Buster sehnte sich bereits damals danach, auch einmal solch eine Herde zu haben.

Bud Wellman, ein texanischer Geschichtsprofessor und langj�hriger Freund von Buster, begann vor einigen Jahren Aufzeichnungen zu machen, die den Nutzen der Cowboys bereits vor vielen Jahren schilderten. Daf�r interviewte er auch Foy Proctor, die zu diesem Zeitpunkt bereits ein stolzes Alter von 90 Jahren erreicht hatte. Foy erkl�rte Wellman: �Buster war wie alle Cowboys � nur war er smarter.� Buster blieb 2 Jahre lang bei den Proctors, doch als er dann sein Lager mit einem Mann, der zu viel Alkohol trank, teilen musste, war Buster vorsichtig genug und suchte sich einen neuen Job. Im Alter von 16 Jahren bekam er einen Job bei der Roy Parks� Ranch in der N�he von Odessa, Texas. �Ich wollte n�her an der Stadt sein � wollte was erleben�, lacht Buster. Er blieb so lange auf der Parks� Ranch, damit er Roy Junior helfen konnte, dessen Roping-K�nnen zu verbessern und �berwachte Rastus MacIntosh und Andy Hensley bei der Rinderarbeit. Buster w�rde sp�ter einmal gegen Hensley und dessen Pferd namens Royal King im Showpen antreten. �Die beiden waren schwer zu schlagen�, erz�hlt Buster heute. Danach fand Buster bei der Reynolds Cattle Company (auch Xes genannt), bei der Pitchfork und der Four Sixes Ranch und auch bei seinem Mentor James Kenney Arbeit. Da hatte er sich bereits den Ruf erarbeitet, eine feine Hand mit Pferden zu haben.

 

Bild 1: Sheila Welch ritt bereits, als sie ihrem zuk�nftigen Ehemann Buster begegnete und sie war viele Jahre eine wichtige Hand auf der Welch Ranch.

 

Es ist kaum vorstellbar, aber innerhalb von 18 Monaten ritt Buster zirka 200 Pferde ein. �Das stimmt�, best�tigt er. �Ich ritte f�r die Xes-Ranch 108 Pferde ein. Dann ging ich nach Midland und ritt noch zirka 100 Pferde f�r Bob Hill ein, der diese dann so schnell, wie ich die Pferde nur einreiten konnte, wieder verkaufte. W�hrend des Krieges waren nicht viele Pferde zugeritten worden und viele von den rohen Pferden waren bereits 8 Jahre alt. Doch diese �lteren Pferde waren deutlich leichter anzureiten, da sie mehr sensibel waren.� 8 bis 10 S�ttel und Pferd wurden normalerweise pro Cowboy-Gruppe zusammengestellt. Wenn die Pferde buckelten oder ungehorsam waren, wurden sie wieder zu Buster zur�ck gebracht, der sie dann wieder einige Male korrigierte. Buster r�umt ein, dass er kein Pferdefl�sterer war. Doch auf einen Kampf mit einem Pferd lie� er sich niemals ein. Seinen �ltesten Sohn, Ken, ermahnte er immer wieder, nicht zu grob mit den jungen Pferden umzugehen. �Ich wuchs bereits als Westernreiter auf�, erz�hlt Ken. �Eines Tages sah mein Vater die Spuren der Sporen an meinem Pferd und er sch�ttelte seien Kopf und sagte �Ich bin froh, wenn du endlich lernst, deine Sporen sanfter einzusetzen�.�

 

Bild 2: So wie die meisten Familienmitglieder, ist der Enkelsohn Dawson Burns auch beim Viehtrieb und der Kennzeichnung der Rinder dabei.

 

Ken �bernahm die Gabe seines Vaters was die Pferdearbeit betraf. Er war ein Top-Reiter, der 1972 die Rodeo Cowboys Association Rookie gewinnen konnte. Buster entmutigte seinen Sohn niemals, weiterhin junge Pferde einzureiten. Der einzige Ratschlag, den er Ken gab, war, sein Leben nicht nur dem Rodeo zu widmen. Nach seinem Turnierjahr befolgte Ken den Rat seines Vaters und kehrte zur Rancharbeit zur�ck.

Gut zusammenpassen

Ein Leben mit Buster war immer wie ein Abenteuer, best�tigt Sheila Welsh, die mit Buster seit �ber 35 Jahren verheiratet ist. Seit dem Moment, als Buster ihren Showsattel zu Beginn eines Cutting-Kurses zu Boden warf, hatten die beide eine interessante und manchmal auch st�rmische Beziehung. Buster und Sheila heirateten 1972 und ihre Partnerschaft besteht immer noch. Sheila ist ein intelligenter, starker, bezaubernde und sehr bodenst�ndiger Mensch � und sie lie� sich nie an Heim und Herd verbannen. Als sie Buster traf, ritt sie bereits und hat es seitdem auch nicht mehr aufgegeben. Sie ist nicht nur beim Viehtrieb eine gro�e Hilfe, denn ihre Leidenschaft gilt auch dem Turnierreiten �mehr als sich ihr Mann jemals daf�r interessierte. Die beiden haben gemeinsam sehr viel durchgemacht. Mitte der 70er Jahre, als der Rindermarkt sehr schlecht war, mussten sie ihre M�glichkeiten abw�gen und heuerten auf der King Ranch an. Sie zogen mit ihren und seinen Kindern (jeweils aus fr�heren Beziehungen) nach Kingsville und planten dort ein Jahr zu bleiben. Aus einem Jahr wurden acht Jahre. W�hrend dieser Zeit gewann Buster seine zweite Weltmeisterschaft mit Mr San Peppy, seine f�nfte NCHA Futurity mit Peppy San Badger und die Kings Ranch arbeitete sich an die Spitze der Z�chterliste vor. Buster hatte den Vorteil, dass er all diese guten Pferde der Kings Ranch auch f�r die Rancharbeit einsetzen durfte. Er pendelte oft nach Hause nach West Texas, um dort auch in der Rinderarbeit und bei der Kennzeichnung der Tiere mitzuarbeiten. Wenn Buster und Sheila l�nger unterwegs waren, trat Ken in ihre Fu�stapfen und leitete den Betrieb auf der Kings Ranch. Heute leitet Ken die Silverbrook Ranch in der N�he von Baird in Texas.

Arbeit in der Herde

Buster beabsichtigte nie, sich ausschlie�lich dem Turniersport zu widmen. Er f�hlte sich immer als Cowboy und weniger als Rancher. Das Training und das Showpen der Pferde war f�r ihn immer nur Nebenjob. Er wagte sich das erste Mal mit einem Pferd namens Candy in einen Cutting Bewerb. Candy lernte diese Art von Arbeit bei seinem normalen Job als Ranchpferd auf der Ranch von George Glass. Um das Pferd zu testen, wollte Buster Candy zu einem Roping Wochenende nach Penwell, Texas, mitnehmen. Er hatte das Ger�cht geh�rt, dass er mit einem schlecht gelauntes Pferd dort an den Start gehen w�rde, und man jedem, der dieses Pferd reiten k�nnte, eine Pr�mie von 5 Dollar bezahlen w�rde. �Candy ist auf jeden Fall besser, als die Meinung dieser Leute�, dachte Buster und �berredete Freunde, den Wallach nach Penwell zu transportieren. Buster bekam tats�chlich die 5 Dollar, weil er dieses Pferd dort ritt und zus�tzlich auch nocht 15 Dollar, weil er mit ihm den Cutting-Bewerb gewinnen konnte. Dies war Busters erster finanzieller Gewinn im Cutting Business und stellte f�r ihn eine gro�e Verlockung dar. Danach investierte Buster 125 Dollar in den 6-j�hrigen Chickasha Mike � der noch immer wild und nicht zugeritten auf einer Weide lebte � Buster musste ihn selbst erst einmal einfangen, nachdem er ihn gekauft hatte. Der Schweif des Pferdes war v�llig ungepflegt und verknotet und Buster schnitt dem Hengst kurzerhand einen Gro�teil des Schweifes ab. �Mike� hatte dadurch zwar kein besonders sch�nes Erscheinungsbild, doch sein Cowsense war dadurch in keinster Weise beeintr�chtigt. In diesem Sommer begann Buster damit, Mike bei Rodeos zu starten, verbrachte seine N�chte im Freien unter einer Decke und ern�hrte sich  bei Hamburger-Imbiss-Buden. Die Konkurrenten spotteten �ber Buster, dass er ein Leben wie ein Zirkuskind f�hrte, doch die Richter beeindruckte dies nicht negativ und er gewann in dieser Saison mit Mike an die 7000 $. Danach verkaufte er den Hengst an Bill Hale, einem Ford-H�ndler in Odessa. Im Kaufpreis von 10.000 Dollar war ein neuer viert�riger Mercury-Ford inbegriffen � daran erinnert sich Buster immer noch gerne. Zu dieser Zeit hatte Buster auch Marion�s Girl f�r Marion Flynt im Training. 1954 gewann er mit dieser Stute die erste NCHA Weltmeisterschaft, was er 1956 wiederholen konnte. In der langj�hrigen Turnierlaufbahn von Buster rangiert die Stute immer noch unter den drei Top-Pferden. Auch heute w�rde sie mit ihrer Qualit�t und Klasse in Bewerben bestehen k�nnen. Sie war sehr h�bsch. Auch in Odessa wurde sie zur Grand-Champion-Stute gek�rt.

 

Bild 3: Ken, Busters �ltester Sohn, leitet die Silverbrook Ranch. Trotzdem nimmt er sich die Zeit, um seinen Vater beim Kennzeichnen der Rinder auf der Welch Ranch zu unterst�tzen.

 

Buster betont, dass er, was Pferde betrifft, nicht sentimental ist. �Daf�r bin ich zu sehr Realist�, erkl�rt er. �Ich liebe Pferde, doch f�r mich sind sie keine Haustiere.� Wenn er �ber sein Lieblingspferd spricht, hat er immer einen besonderen Blick. Dieses Pferd hie� Peppy San Badger, auch bekannt als �Little Peppy�. Mit diesem Hengst gewann Buster seinen f�nften NCHA Futurity Titel, einen Debytitel und einen Reserve-Weltmeistertitel. Nach dem Sieg in der Futurity kaufte Buster den Hengst von der Kingsville Ranch, damit er nicht in falsche H�nde verkauft w�rde. Sp�ter sollte dieser Hengst dann wieder an die Kingsville Ranch zur�ck verkauft werden. Au�er H�rweite ihres Ehemannes vertraut mir Sheila Welch an, dass Buster im Jahr 2004 bei einem Besuch auf der Kingsville Ranch seinen Little Peppy das letzte Mal gesehen hatte. �Es war ein sehr emotionales Wiedersehen�, erinnert sie sich. Nachdem er die H�hen und Tiefen der Wirtschaftskrise gut �berstanden hatte, wurde Buster trotzdem nicht leichtsinnig. Jedes Pferd war verk�uflich, bis auf eines � der Wallach seiner Frau, Doc O Leo. Buster und Sheila wurden f�r Doc O Leo bereits in jungen Jahren 125.000 Dollar geboten, doch Buster gab seinen Vorsatz nicht auf. Er wusste, dass Sheila dieses Pferd hei� und innig liebte. Sheila wusste, dass es unsinnig war, solch eine Summe auszuschlagen, doch Buster erkl�rte ihr, dass sie dieses Geld nicht brauchten, um ihren Lebensstandard zu halten. Sie behielten den Wallach und Sheila gewann mit ihm knapp 200.000 Dollar an Preisgeldern, inklusive den NCHA Non-Pro Weltmeistertitel. Doc O Leo starb in hohem Alter auf ihrer Ranch. Tausende von Pferden hatte Buster geritten und daher ist es schwierig, eine Rangliste seiner liebsten Pferde zu erstellen. Man k�nnte dar�ber diskutieren, ob es Haidas Lil Pep oder Mr San Peppy waren, denn Buster mochte jedes dieser Pferde und war ihnen auch f�r die gute Zusammenarbeit dankbar. Buster ist auch bescheiden, was seinen Einfluss auf ihren Erfolg hatte. �Ich bin niemals ein Pferd geritten, bei dem ich nicht dachte �jetzt versuche ich es nochmals, denn ich k�nnte es noch besser machen�,� erkl�rt er. �Diese Fehlersuche kann sehr kritisch sein. Wenn man z.B. ein Maler ist und mit dem Bild, das man gemalt hat nicht zufrieden ist und dann versucht noch mehr in dieses Bild hinein zu bringen, dann zerst�rt man es vielleicht, weil man zu lange daran herumgemalt hat. Das gleiche gilt auch beim Training von Pferden. Und ich habe es bei manchen Pferden etwas �bertrieben.� Dort wo Buster her stammt, spricht man nicht dar�ber, warum man gut mit Pferden umgehen kann. Man spricht eher dar�ber, wie gut man mit Rindern arbeiten kann und dadurch entwickelt man auch gut ausgebildete Pferde. Die in der Cutting-Welt gerne zitierten endlosen Abstammungen waren f�r Buster nicht wichtig. Oft wusste er nicht einmal die Zuchtlinie der Pferde, die er gerade ritt. Das Pedigree war ihm f�r seine Performance absolut nicht wichtig. Er sah jedes Pferd als Individuum und er suchte nur nach au�ergew�hnlichen Athleten und schnell denkenden Pferden.

Informationen zum Training

Busters Respekt vor den Pferden beeinflusst auch sein Training. Er bevormundet weder Mensch noch Tier. Er l�sst es zu, dass die Pferde Fehler machen, denn nur daraus k�nnen sie lernen. Sheila lernte diese Methode kurz nachdem sie Buster kennen lernte. Sie brachte ihm ein Pferd, das dazu tendierte, von der Herde wegzulaufen, anstatt mit ihr zu arbeiten. Zu ihrem Erstaunen lie� Buster dies auch zu. Doch es dauerte nicht lange, bis der Wallach begriff, dass es ihm nicht gut tat, wenn er den Bereich einfach verlie�, und dann ungesch�tzt der Kuh gegen�ber stand. Er lernte, dass er bei der Herde bleiben sollte und dadurch die Kuh besser unter Kontrolle hatte. Bud Wellman beschreibt Buster als einen �Zen Meister�, f�r den das Training viel mit Verstand zu tun hatte und Horsemanship das Training war, wo das Pferd lernte, was es nicht tun soll. Buster hatte Feinheiten, die man nicht erkennen konnte, wenn man ihn nicht mit voller Aufmerksamkeit beobachtete. �Buster war nie grob mit einem Pferd�, erz�hlt Wellman. �Ich h�rte eines Tages Punk Carter sagen, �Wir sind nicht Buster Welch, daher m�ssen wir manchmal bei den Pferden h�rter durchgreifen.�� Buster Welch erfand auch das Round Pen Training f�r Cutting Pferde, wo die K�lber in der Mitte stehen und die Pferde rund um die Herde geritten werden. Die Idee kam ihm in jenem Jahr, als er mit einer Ladung von saueren Rindern nach Colorado kam und alles was ihm zur Verf�gung stand, war ein kaputter Rundcorral. Es war ganz einfach. Buster positionierte die K�lberherde im Mittelpunkt des Roundpens, holte ein einzelnes Tier an den Rand und blieb mit seinem Pferd zwischen dem einzelnen Kalb und der Herde. Das Wunderbare daran war, dass Buster damit sein Programm etwas verlangsamen konnte. Er musste sein Pferd nicht mehr von einer zur anderen Ecke laufen lassen, um das Kalb von der Herde abgetrennt zu halten. Sein Pferd hatte nun mehr Zeit, um nachzudenken und seinen Job gut zu erledigen. Den Wert, langsamer arbeiten zu k�nnen, lernte Buster von einem Rancher namens Jim Waddell. Waddell erkl�rte Buster diese Taktik bereit vor einigen Jahren und arbeitete damals nur mit langsamen fetten Rindern, die nicht schneller als Trabtempo liefen, da sein Pferd Rooster nicht besonders schnell war. Wenn es an der Zeit war, wilde Rinder einzufangen, stieg er auf ein anderes Pferd um. Eines Tages war das Ersatzpferd lahm und Waddell blieb nichts anderes �brig, als mit Rooster die jungen K�lber auszusortieren. Zu seiner Verwunderung war Rooster wie verwandelt. �Ich bin noch nie zuvor ein Pferd geritten, das so schnell ist und so schnell stoppen kann �Rooster ist fr�her nie ein schnelleres Tempo als Trab gelaufen.�  Also ging Buster dazu �ber, seine Pferde erst einmal nur im Schritt und Trab zu reiten � also die Basis zu perfektionieren, bevor er mit dem Cutting begann. Und das war der Schl�ssel zu seinem optimalen Pferdetraining. Einmal versuchte Buster ein Pferd, mit dem er bei der Weltmeisterschaft starten wollte, nach dem Trainingskonzept von Waddell zu trainieren. Es darf aber nicht missverstanden werden, dass Buster versuchte, den Titel zu gewinnen, in dem er ein Pferd an den Start brachte, das vorher noch nicht galoppiert war. �Ich meine, dass ich das Training so gestalte und nicht meinen Ritt in der Show�, kl�rt Buster auf.

 

Mehrdimensionaler Mann

Buster ist jener Typ Mann, dessen Gehirn dauernd arbeitet. Er war daf�r bekannt, bereits um 3 oder 4 Uhr morgens mit seiner Arbeit zu beginnen und obwohl er betont, dass er mehr als vier oder f�nf Stunden Schlaf braucht, hatte er eine unersch�pfliche Energie, die es ihm schwer machte, l�nger ruhig zu sitzen und nichts zu tun. Wenn er gerade nicht arbeitet, dann liest er gerne. Auch wenn er nicht einmal die 8. Klasse absolviert hat (�Ich verlie� mein Zuhause ohne abgeschlossene Schulausbildung�, scherzt er), hat Buster keinerlei Bildungsl�cken. Er hat eine Vorliebe f�r Geschichte, Politik und Wirtschaft. Er hat tausende von B�chern gelesen, was viele Leute verwundert. Au�erdem erz�hlt er bei der richtigen Gelegenheit auch gerne den einen oder anderen Witz. Sein Lieblingsbuch ist Charles Goodnight �Cowman und Plainsman� von J. Evetts Haley, das von der fr�hen Zeit des Ranchings handelt. Durch seinen aufgeweckten Geist und seiner Gabe, gut erz�hlen zu k�nnen, w�re er durchaus der geborene Professor. Stattdessen ist er Mentor von hunderten Horsemen und Horsewomen.

 

Bild 4: Buster kann das schwere Leben der jungen Cowboys gut verstehen. Er erinnert sich immer noch an den Beginn seiner Karriere auf der Proctor Ranch, als er den Spitznamen �Get Wood� hatte.

Das Leben war seine Chance

Buster hat einen langen Weg zur�ckgelegt, bis er endlich Erfolg bei der Rinderzucht hatte. In den 50er Jahren z�chtete er Rinder, die er �Little Rawhide Deals� nannte. Als die K�lberpreise von 50 Cent auf 15 Cent sanken, ging sein Unternehmen pleite. Buster war jedoch immer Optimist und suchte nach einer neuen Chance, sein Ziel weiter zu verfolgen. Er erinnert sich gut an jenen Tag, als er in die Midland National Bank ging, um dort einen Kredit aufzunehmen. Andy Faskins, der damals in der Bank f�r das Controlling zust�ndig war, knuffte Buster hart in die Magengegend und ging danach zum Chef der Bank (der einige Tage zuvor einen Kredit f�r Buster abgelehnt hatte) und erkl�rte ihm, dass Buster so hart im Nehmen sei, dass man ihm jeden Geldbetrag borgen k�nnte. �Seitdem musste ich nie wieder Geld leihen�, sagt Buster. Zugegebenerma�en gab es oft Zeiten, in denen die Horsemanship-Begabung von Buster sein Ranch-Unternehmen �ber Wasser hielt. Gl�cklicherweise ben�tigten bereits damals viele Leute aus der Reitszene seine Hilfe.

 

Bild 5: Von seinem Pferd namens �Mac� aus, kontrolliert Buster das Markieren der Jungtiere. �Das Starten bei Cutting Bewerbung hat schon Spa� gemacht�, sagt er. �Doch dies hier ist die wahre Erf�llung eines Traums.�

 

Bild 6: Frisch markiert mit einem Brandzeichen: eine existenzf�hige Rinderzucht aufzubauen, das war Buster�s Lebenstraum. Er ist sich sicher, dass seine K�lber sowohl seine Vergangenheit, als auch seine Zukunft sind.

 

�Ich hatte 10.000 wilde Ideen und nur drei davon waren gut�, kichert Buster. �Ich denke Marion Flynt und Zack Wood waren diejenigen, die uns davon abhielten, jedem Kunden hinter her zu laufen�, sagt Buster �ber die fr�heren NCHA Funktion�re. Eine Sache, die es wert war, verwirklicht zu werden, war die Cutting Hose Futurity: Buster, der gro�artige Diplomat, versammelte leise genug Gleichgesinnte, um diese Idee zu verwirklichen. Er h�lt noch heute den Rekord der meisten Open Futurity Meistertitel. 1962 gewann er den Titel mit Money�s Glo, 1963 mit Chickasha Glo, 1966 mit Rey Jay�s Pete, 1971 mit Dry Doc und 1977 mit Peppy San Badger. Im Jahr 1991 konnte Buster doppelt zufrieden sein, denn sein Sohn Greg gewann die Futurity auf Little Tenina, eine Tochter von Little Peppy. W�hrend all den Jahren hat Buster mehr als 1,6 Millionen Dollar in NCHA Bewerben gewonnen � eine bemerkenswerte Summe, wenn man bedenkt, dass sein erstes Preisgeld in den 40er-Jahren 15 Dollar waren. Besonders stolz ist Buster, dass ihn sein Sohn Greg, der 2004 verstarb, mit 4,2 Millionen Dollar mehr Preisgeld �bertrumpfte und dass auch Sheila sehr erfolgreich war. Ken und einige Nichten, Neffen, Cousins und Cousinen, Enkelkinder und weitere Verwandte sind auch aktiv im Turniersport t�tig. Das liegt ihnen einfach im Blut. Diese Familienmitglieder geh�ren auch zum Team, wenn es ums Markieren der K�lber geht. Dabei werden auch Futurity-Pferde eingesetzt. Die Rancharbeit tut auch den Turnierpferden gut, meint Buster.

Weitere Perspektiven

Auch wenn Buster sehr konkurrenzf�hig ist, war er nie davon besessen, immer nur gewinnen zu wollen. Sein langj�hriger Freund Kay Floyd erz�hlt, dass Busters L�ssigkeit bei den Show-Starts oft dazu f�hrten, dass Marion Flynt glaubte, sie m�sse wegen diesem Mann verr�ckt werden. W�hrend Flynt sich Gedanken machte, ob Buster wohl diesen Bewerb gewinnen w�rde, war es Buster wichtiger, vor dem Bewerb einige Dollar beim Kartenspielen zu gewinnen. Das Gewinnen bei den Turnieren war ihm nicht so wichtig. Bei der tagt�glichen Arbeit war Buster nicht so l�ssig. Dies musste Sheila feststellen, als sie und Greg von Buster gefeuert wurden, weil sie bei der Herdenarbeit etwas nicht so gemacht hatten, wie sich das Buster vorgestellt hatte. Helen Groves, die mit Buster und Sheila viele Jahre lang zusammengearbeitet hatte, erinnert sich daran, dass Buster seine Frau immer wieder ermahnt hatte, �du musst alles viel mehr mit Gelassenheit angehen.� Er wollte dadurch die Emotionen, die durch Gewinn oder Verlust entstehen k�nnten, vermeiden. Buster versuchte einmal einem jungen Cowboy auf dessen Frage, wie es denn sei, ein wichtiges Event wie Fort Worth zu gewinnen, zu beantworten. �Nat�rlich ist es aufregend�, gab Buster zu. �doch sobald der Bewerb vorbei war, waren meine Gedanken wieder bei der Arbeit zu Hause und was dort als n�chstes zu erledigen war.� Mit anderen Worten � das Gewinnen einer Show war ihm nicht so wichtig, wie der Aufbau einer gut funktionierenden Rinderzucht. Sogar w�hrend des Finales der NCHA World Show, packten die Welches ihre Sachen und fuhren kurzfristig nach Oklahoma, um nach ihren Rindern zu sehen, da Buster das Gef�hl hatte, dass dort etwas schlecht lief. In Oklahoma stellte sich dann heraus, dass jemand ihre Rinder gestohlen hatte. Sie sp�rten die Herde wieder auf und kehrten danach wieder zur Show nach Amarillo zur�ck. In den fr�hen 80er Jahren verlie� das Paar die King Ranch und kehrte nach West Texas zur�ck, wo sie ihren eigenen Rinderbetrieb inklusive Pferdeausbildungs-Stall auf ihrer Criswell and Double Mountain River Ranches betreuten. Buster stand der King Ranch f�r weitere 7 Jahre als Hilfe zur Verf�gung. In den fr�hen 90er Jahren begannen sie, ihre K�lber an Coleman Natural Meats (eine Firma, die Busters Philosophie der Herdenverbesserung sch�tzte) zu verkaufen. Denn Buster wusste genau, welche Tiere er z�chtete � von Generation zu Generation. Die Tiere mit dem Buster�s �B Lazy W�- Brandzeichen sind sehr begehrt. Im Jahr 2003 verkauften Buster und Sheila die Double Mountain Ranch und �bersiedelten auf die Criswell Ranch, wo sie heute noch 1000 Rinder halten. �Genug, damit Fleisch auf den Tisch kommt�, sagt Buster. Sein Leben verlief nicht ohne Sorgen, Not und Verluste. Er �berstand D�rren, finanzielle Probleme, Not, eine Herzoperation, einen Schlaganfall, den tragischen Verlust seines Sohnes und seiner Enkelkinder. Und trotzdem blieb Buster Optimist. Auch im Alter von 79 Jahren liebt er noch sein Leben in West Texas. Er kann dort mit seiner Familie, seinen Freunden, Pferden und der Rinderherde arbeiten � genau das, was er immer wollte. Er ist ein Cowboy und ein Rancher. Genau das, was er sich vorgenommen hat, als er damals auf Handsome Harry sein Zuhause verlie�.

 

Auszeichnungen, die Buster Welch erhielt

American Quarter Horse Association Hall of Fame

National Cutting Horse Riders Hall of Fame

Vierfacher NCHA Open World Champion

F�nffacher NACHA Open Futurity Champion

Mehr als 1,6 Millionen Dollar Preisgelder

Texas Cowboy Hall of Fame

Walk of Fame, Stephensville, Texas

Trail Blazers Award, Wichita Falls Ranch Rodeo

Empf�nger des Charles Goodnight Award

Empf�nger des Western Horseman Award

Zane Schulte Trainer des Jahres

Foy Proctor Memorial Cowman�s Award of Honor