Ber�hmte Quarter Horses & Vererber

Eine Serie f�r QH-Z�chter & Enthusiasten

�bersetzung & Bearbeitung: Heinz Langer

 

Doc O�Lena

Teil I

Doc O�Lena war wahrhaftig ein Geschenk f�r die Pferdewelt. Seine Existenz ist seinen Z�chtern Dr. Stephen und Jasmin Jensen, der Beharrlichkeit des Tierarztes Dr. Frank Whalen und dem gro�en Herzen seiner Mutter Poco Lena zu verdanken. Dass Doc O�Lena alle Erwartungen als Hochleistungspferd �bertraf, die man in ihn setzte, ist seinem Trainer, dem gro�en Horseman Shorty Freeman, zu verdanken. Dass er imstande war, sein Genie als Cutting Horse einer endlos langen Pferdedynastie weiter zu vererben, ist eines der unerkl�rlichen Wunder der Genetik.

Doc O`Lenas Geschichte ist mehr als bemerkenswert. Sie beginnt knapp vor dem Tod seiner Mutter und liefert einen Begriff davon, dass wahre Gr��e mehr eine Frage der Auswahl als des Zufalls ist.

Cow Horse Royality

Doc O�Lenas Mutter, Poco Lena, war die Tochter von AQHA Champion Poco Bueno und Sheilwin, von Pretty Boy. Poco Lena war nicht nur AQHA Champion, sie war auch das erste Pferd, das in die Hall of Fame der National Cutting Horse Association aufgenommen wurde. Sie war NCHA World Champion Cutting Mare in den Jahren 1959, 1960 und 1961. Zwischen 1954 und 1961 war sie �berdies auch f�nfmal NCHA Reserve World Champion Cutting Horse. 1961 endete ihre spektakul�re Karriere tragisch und abrupt, doch hatte sie bis dahin ann�hernd 100.000 Dollar in NCHA-Bewerben gewonnen � in einer Zeit, in der die Gewinnb�rsen sehr gering, wenn �berhaupt existent waren. Poco Lenas Reputation war so gewaltig, dass sie automatisch auch in die American Quarter Horse Hall of Fame eingetragen wurde.

Doch das Schicksal hatte Poco Lena keine leichte Existenz erm�glicht. 1962 war ihr Eigent�mer, B.A. Skipper Jr., auf dem Weg vom Cutting nach Hause einem Flugzeugabsturz zum Opfer gefallen. Ein angestellter Fahrer, der die Stute nach Hause bringen sollte, lie� sie einfach im Pferdeh�nger ohne Futter und Wasser zur�ck. In dem Chaos, das dem Verschwinden von Skippers Flugzeug folgte, verging geraume Zeit, bis das Pferd vermisst und schlie�lich aufgefunden wurde. Das Ereignis hatte Poco Lena fast umgebracht und so verkr�ppelt, dass an einen Wiedereinsatz im Sport nicht mehr zu denken war.

Die kalifornischen Pferdez�chter, Dr. Stephan und Jasmine Jensen, h�rten von dem Ungl�ck der gro�artigen Stute und beschlossen, sie zu kaufen. Sie beabsichtigten, den Zustand von Poco Lena zu rehabilitieren, um sie ihrem Champion Halter-Hengst Doc Bar zum Decken zuzuf�hren. Wie auch immer, als Poco Lena in Kalifornien aus dem H�nger geladen wurde, war ihr Zustand so erb�rmlich, dass der erste Gedanke der Jensens war, die Stute human einschl�fern zu lassen. Der Tierarzt Dr. Frank Wayland  �berredete die neuen Besitzer jedoch, Poco Lena noch eine letzte Chance zu geben. Er hatte das Gef�hl, sie doch noch so weit hinzukriegen, dass man sie decken konnte. Eine Resektion der Hufe sollte Poco Lenas Schmerzen lindern, man war aber weit entfernt davon, sie total zu kurieren. Gleicherma�en beunruhigend war ihr �briger Gesundheitszustand. Jahrelang hatte sie Medikamente bekommen, um ihre Rossigkeit zu unterbinden. Bedenklich war auch ihr Alter von 14 Jahren, in dem sie nie ein Fohlen empfangen hatte.

�Sie war eine unbrauchbare Zuchtstute�, erinnert sich Stephanie Ward, die Tochter der Jensens. �Als sie zu uns kam, waren ihre Eierst�cke auf Bohnengr��e geschrumpft. Aber Dr. Wayland und Dr. Gary Deter arbeiteten unerm�dlich nicht nur an ihren F��en, sondern auch an der Wiederherstellung ihrer Zeugungsf�higkeit. Jeder Monat brachte einen neuen Versuch der Tier�rzte.�

Es dauerte zwei Jahre, doch schlie�lich, 1966, nahm Poco Lena auf. Sie war zum ersten Mal von Doc Bar tragend.

Ohne Frage war Doc Bar ein viel versprechender Partner f�r Poco Lena. Obwohl er f�r die Rennbahn gez�chtet war, hatte er keinen Speed. Stattdessen zeigte er sich als effektvolles Halter Horse. Jedoch die Jensens liebten die Working Lines und insbesondere die von Poco Bueno. Gerade eine solche erfolgreiche Anpaarung war mit der gro�artigen Cutting- und Working Cow Horse-Stute Fizzabar erfolgt. Seit Fizzabars ph�nomenalem Erfolg galt Doc Bars Nachkommenschaft als viel versprechend im Cutting. In der Tat erblickte gerade zu diesem Zeitpunkt Doc Bars gro�artigster Sohn das Licht der Welt.

Am 21. Juni 1967 wurde Doc O`Lena auf der Frontwiese von Jensens Double J Ranch in Paicines, Kalifornien, geboren.

Die Jensens, die sonst in Orinda im Norden wohnten, waren gerade zum Wochenende auf der Ranch, als Poco Lenas kleines bay-farbenes Hengstfohlen ankam. Stephanie Ward erinnert sich an die Bemerkung ihrer Mutter, dass das Fohlen so winzig war, dass es unter dem Bauch seiner Mama durchlaufen konnte, ohne diesen zu ber�hren.

Weil Poco Lena in so schlechtem Zustand war, gaben sie die Jensens mit dem Fohlen in eine abgetrennte Weide mit saftigem Gras, um sie von den anderen Pferden zu trennen.

Doc O�Lena lernte schnell, an seiner Mutter zu saugen, wenn diese sich hinlegte, um ihre kaputten F��e zu schonen. Es st�rte ihn �berhaupt nicht.

�Wir hatten eine Rohrstangenumz�unung um Poco Lenas Wiese. Auf der anderen Seite der Einz�unung graste eine andere alte Stute mit ihrem Fohlen. Wir entfernten die mittlere Stange, sodass der kleine Doc O�Lena durch den Zaun schl�pfen konnte, um mit dem anderen Fohlen zu spielen. Das tat er immer, wenn er nicht gerade zu seiner Mutter zur�ckkam, um seine Milch zu trinken. Es war nur eine schmale �ffnung, doch er wusste genau, wo sie war. Er war ein schlauer, kleiner Kerl.

Doc O`Lena zeigte von Beginn an eine scharfe Intelligenz und ein nettes �u�eres�, erinnert sich Stephanie. �Er war ein s��es, kleines Fohlen, das nie vor etwas Neuem scheute. Sah er etwas, so blieb er stehen und betrachtete es genau, ohne je wegzuspringen.�

Training

Charlie Ward, Stephanies Gatte, startete den Colt unter dem Sattel in dem Fr�hjahr, als er das zweite Lebensjahr erreichte. Charlie war hellauf begeistert, wie leicht das Hengstfohlen zu trainieren war. Charlie war sein Leben lang ein Roper gewesen, doch hatte ihn letztlich auch die Faszination f�rs Cutting erfasst. Er hatte im Vorjahr ein Doc Bar-Fohlen zur Futurity mit nach Texas genommen und etliche Cutting Clinics bei Buster Welch absolviert. Dort traf er zum ersten Mal Shorty Freeman. Er begann ein richtiges Gef�hl f�r den Cutting-Sport zu entwickeln. Als er ein Jahr sp�ter begann, Poco Lenas Fohlen anzureiten, sp�rte er sofort dessen Bestimmung f�r das Cutting.

�Doc O`Lena war ein �u�erst begabtes Fohlen�, erinnert sich Stephanie. �Er war eines der Pferde, die selbst mitdachten. Er pr�fte den Sattel, der ihm aufgelegt wurde, und er pr�fte den Reiter. Dann sagte er sich, alles ok, ich bin einverstanden, von dir geritten zu werden.�

Nach etwa 30 Trainingstagen, begann Charlie, Doc O`Lena an Rindern zu arbeiten. �Doc O`Lena war ein smartes Pferd, �beraus �cowy�. Charlie kannte den richtigen Weg�, erkl�rt Stephanie. �Charlie sagte immer, Doc O`Lena hatte eine geistige Verbindung mit jedem Kalb, eine seltene Top- Eigenschaft, die vom ersten Tag an feststand.�

Charlie berichtete seinen Schwiegereltern, dass Doc O`Lena alle Eigenschaften erf�llte, die sein Pedigree versprach. Die Jensens begannen, einen K�ufer f�r Poco Lenas Fohlen zu suchen.

�Sie verlangten 10.000 Dollar f�r ihn�, erz�hlt Stephanie. �Es war ein ph�nomenaler Betrag zu jener Zeit, doch heute erscheint er wie ein Geschenk. Meine Eltern wussten, wie begabt er war, da er aus einer derartig fantastischen Stute stammte. Sie sagten immer, alles w�re zu seinem Preis zu verkaufen � au�er nat�rlich Doc Bar�, erz�hlt sie lachend. �Doch das Risiko, das sie eingingen, als sie die �bel zugerichtete Poco Lena gekauft hatten, war gro� gewesen. Aber ihr Hengstfohlen hatte alle Erwartungen erf�llt, um die Reputation von Doc Bar fortzuf�hren.�

Shorty Freeman trainierte damals Cutting-Pferde f�r Adrian Berryhill aus Scottsdale, Arizona, und sein guter Ruf als Trainer war enorm gro� in der Cutting Horse-Industrie. Shorty hatte in der National Cutting Horse Association f�r Aufsehen gesorgt, als er Pferde wie Hoppen und King Skeet zum Weltmeistertitel f�hrte. Charlie hatte Shorty beim Handling seiner Pferde beobachtet, als er bei Buster Welch war. Er hatte ihm auch beim Showen zugeschaut. Charlie wusste, dieser Mann hatte eine unheimlich feinf�hlige Hand f�r seine Pferde. Er war der Erste, den die Jensens f�r ihren speziellen Colt kontaktierten.

�Doc O`Lena war gerade bei der Arbeit an K�hen, als Shorty kam�, berichtet Stephanie. Nachdem er den jungen Hengst probiert hatte, war er restlos begeistert und versprach, �ber ein Kaufarrangement mit seinem Boss, Adrian Berryhill, zu sprechen. Die Jensens warteten, doch der Scheck traf nicht ein. Doc O`Lena blieb also auf der Double J Ranch und wurde von Charlie weiterhin geritten.

Im September �berzeugte Shory die Jensens, ihm den Colt zum Training zu �berlassen, um Mr. Berryhill die Chance zu geben, Doc O`Lena bei der Arbeit zu sehen. Um den Verkauf zu f�rdern, sandten die Jensens den Junghengst nach Arizona.

Einige Monate vergingen, ohne dass die Transaktion voran gegangen w�re. Dr. Jensen verlor schlie�lich die Geduld und rief Mr. Berryhill an, ob er nun Doc O`Lena kaufen w�rde oder nicht. Vielleicht war die Zeit gerade reif. Freeman hatte eben die NCHA Futurity Reserve Championship 1969 mit Berryhills Doc Bar-Stute, Doc�s Kitty, gewonnen. Shorty war auch �berzeugt davon, dass der 2-j�hrige Colt, den er f�r die Jensens trainierte, viel mehr als vielversprechend war. In der Tat hatte Shorty gro�es Interesse einer Besitzpartnerschaft an dem Hengst. Aber Shorty war gro� an Talent, doch knapp bei Kasse. Er k�nnte sich h�chstens die H�lfte von Doc O`Lena leisten. Der Preis f�r das Pferd war inzwischen auf 15.000 Dollar angestiegen.

Als Jensen Berryhill wegen des Kaufs anrief, war dieser trotz des hohen Betrags mit dem Kauf einverstanden. Er war �ber eine Partnerschaft mit Shorty Freeman sehr erfreut und erkl�rte sich bereit, den halben Preis von 7.500 Dollar zu bezahlen.

Der Erfolg dieses Handels stelle sich ein Jahr sp�ter ein. Doch davon in der n�chsten Folge der Western News!

 

 

Fotos:

 

1.

Doc O`Lena zeugte eine Dynastie unvergleichlicher Cow Horses. Seine Nachkommen haben mehr als 14 Millionen Dollar gewonnen.

 

2.

Pedigree:

Three Bars (TB)

Lightning Bar

Della P

Doc Bar

Texas Dandy

Dandy Doll

Bar Maid

Doc O`Lena (1967-1993)

King P-234

Poco Bueno

Miss Taylor

Poco Lena

Pretty Boy

Sheilwin

Mare by Blackburn

 

3.

Doc Bar, der Vater von Doc O`Lena

 

4.

Poco Lena, die Mutter von Doc O`Lena. Sie war eine Tochter des AQHA Champions Poco Bueno und selbst dreimal NCHA World Champion und f�nfmal NCHA Reserve World Champion. Sie wurde in die NCHA Hall of Fame und in die AQHA Hall of Fame aufgenommen.

 

5.

Doc O`Lena als J�hrling auf der Ranch von Dr. Stephan und Jasmine Jensen in Kalifornien

 

6.

Doc O`Lena und Shorty Freeman in Aktion

 

7.

Shorty Freeman und Doc O`Lena, ein unvergessliches Erfolgspaar