Ein Amerikaner in Afrika aus Western News 06/2007
oder
Wie Topsail Chex und Poco aus Okahandja zueinander fanden
Es war einmal im letzten Jahrtausend,
… da besuchte der Autor im Juli einen Kongress in Pretoria in Südafrika. Und beklagte sich bitterlich ob der klirrenden Kälte, weil er doch einen schönen, warmen Sommer mit den Wintertagen der Südhalbkugel vertauscht hatte. Ein deutschsprachiger Kollege aus Namibia sprach daraufhin am Frühstückstisch eine Einladung für die Weihnachtstage in Windhoek aus. Sie hätten dann die Christbaumkerzen wegen der Hitze im Kühlschrank liegen und würden sie nur zum Feiern an einem Kameldornstrauch befestigen und kurz entzünden.
Wir lachten noch darüber und ich schlug vor, in Zukunft die Praxen zu tauschen. So könnte ich dort überwintern und er hier den für ihn unbekannten Schnee genießen.
Ein Jahr später kam eine e-mail. Ob der Spaß noch ernst sei. Es sei nämlich ein Assistent ausgefallen, er bräuchte mich dringend für seine Deckstation. – So erlebte ich die Jahrtausendwende unter dem Kreuz des Südens. Und half mit, eine damals noch sehr improvisierte Station aufzubauen.
Heute stehen auf dem klinikeigenen Gestüt Hannoveraner, Holsteiner und Araber. Zum Teil aus importierten Tiefgefriersamen aus Deutschlands Spitzensportpferdezucht.
Als Betreuer der Pferdeabteilung kam ich zu den verschiedensten Züchtern im Land. Aufgrund seiner geografischen Lage dient Namibia vor allem als Zuchtstandort und Weideland für die Sportpferdeindustrie Südafrikas. Wegen der Trockenheit sind die Farmen bis zu 10.000 ha groß. Und die Wege dementsprechend weit.
Nach einem Regenguss allerdings blüht und sprießt es, dass man es nicht glauben kann. Es passierte mir, dass ich am Weg zu einer Farm zweimal umdrehte, weil ich dachte, mich verfahren zu haben. So unterschiedlich wirkt die Landschaft.
Ein zweites Standbein ist der Tourismus. Und hier bieten einige Farmen Reiten an.
Dazu bedarf es besonders trittsicherer, ausdauernder und ruhiger Tiere. So hatte ich einerseits Araber in der Kalahari zu betreuen.Und auch einen Betrieb mit Haflingern. Der Besitzer bot mir bei meinem ersten Besuch um 9 Uhr am Morgen zuerst ein Stamperl an. Auf meine Frage, woher er ein „Stamperl“ kenne, lachte er und erzählte mir von seiner Ausbildung zum Büchsenmacher in Ferlach in Kärnten. Von da auch die Liebe zum Haflinger. Immerhin ließ er sich den Import einen Hengstes 5.000 Euro kosten.
Und dann waren da noch Bernd und Babette. Sie sind dem treuen Leser schon aus einer anderen Geschichte über Namibia bekannt. Tierpräparatoren, eingewandert aus Ostberlin und schon in alten DDR-Zeiten Träumer vom Wilden Westen.
Hier in Namibia waren sie nun ihrem Traum recht nahe gekommen. Wenn auch nicht im Westen, sondern im Süden. Aber schon zu Zeiten des Wilden Westens wanderten die einen nach Amerika und die anderen nach Afrika aus.
Im Januar 2000 fragten sie auf der Klinik wegen Besamung im Allgemeinen und wegen Quarter Horses im Besonderen nach. Ich wurde losgeschickt, um die Neugierigen zu bedienen.
Eigentlich hatte ich keine Zeit und wollte nach einem 10-minütigen Vortrag gleich weiter zu meiner richtigen Arbeit.
Wie es nun so passiert, aus diesen 10 Minuten ist eine mittlerweile 7-jährige Freundschaft geworden. Begonnen hat sie mit einem für mich zu dieser Zeit und in diesen Breitengraden völlig überraschenden, köstlichen Marillenkuchen und Kaffee. Und trotz einiger Besuche seither bekam ich erst bei meiner jetzigen Abreise den nächsten Kuchen serviert. Aber offensichtlich musste ich ihn mir erst verdienen.
Im Frühjahr begannen wir mit den Planungen. Als EU-Station war Topsail zwar für den Export bis in die USA befähigt, aber die Amtsvorschriften Namibias sind genauer als unsere.
So erhielt ich per Fax, das nach mehreren Versuchen endlich auch vollständig und leserlich angekommen war, die Vorschriften des Namibian Statevet.
Parallel zu den diversen Samen- und Blutabnahmen erhielt ich per e-mail den jeweiligen Zyklusstand der Stute. So versuchten wir gemeinsam mit dem praktischen Tierarzt in Okahandja, die Stute zu meinem Anreisetag hin zu synchronisieren.
Am Abflugtag wurde Topsail abgesamt, der Samen entsprechend präpariert und vom zugezogenen Amtstierarzt mit allen Papieren versehen und versiegelt.
Am Flughafen in Windhoek kümmerte sich niemand um Topsail bzw. die versiegelte Styroporbox. Und doch waren all die Untersuchungen nicht umsonst. Denn als ich meine Tasche öffnete, lag darin ein amtlicher Schein von der Zollbehörde in München. Sie hätten mein verdächtiges Gepäck öffnen und kontrollieren müssen. Aber da alle Papiere in der Tasche lagen, wurde alles belassen und nach Namibia durchgecheckt. Welch Glück, dass die afrikanischen Behörden so penibel sind.
Vom Flughafen ging es direkt ins 100 km entfernte Okahandja zur dort wartenden Poco.
Und so endet diese Geschichte auch wie im Märchen. Zwar nicht mit „wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie…“, aber mit „und wenn sie nicht abortiert, so lebt nächstes Jahr ein Spross eines (österreichischen) Amerikaners in Afrika“.