Dreiländerritt – 10 Tage „Natur pur“

 

Dreiländerritt – 10 Tage „Natur pur“

aus Western News 05/2007

 

Am 15. August 2007 brachen sechs Reiter mit ihren Pferden zu einem 10-tägigen Wanderritt von Oberösterreich in die Steiermark auf.

 

Bereits im Winter begannen die Vorbereitungen mit der Planung und Organisation des Rittes. Dabei wurden zahlreiche Karten studiert, mögliche Routen überlegt und Geländeprofile vermessen. Als die Rundreise feststand, erfolgten Erkundigungen der Teilstrecken vor Ort per Pferd, per pedes und mit dem Drahtesel.

Von der Motley Horse Ranch in Ansfelden ausgehend, überquerten wir die Enns nach Niederösterreich. Weiter führte uns die Reise über Reichraming durch das Ennstal und den Nationalpark Kalkalpen bis nach Liezen in der Steiermark. Zurück ging’s über den Pyhrnpass, den Nationalpark Kalkalpen und das Sensengebirge wieder Richtung Bad Hall und St. Marien und zurück nach Ansfelden.

In den zehn Tagen (inkl. Ruhetag) hatten die Pferde eine Wegstrecke von rund 450 Kilometern,

14 Tunneldurchquerungen und 5.880 aufsteigende Höhenmeter zu bewältigen!

Teilnehmer des Wanderittes:

Hans mit seiner Haflo-Araber-Stute Lana – unser Medizinmann für Mensch und Tier;

Erwin mit seiner Warmblut-Araber-Stute Tiffany – unser GPS-Scout;

Ingeborg mit ihrem Appaloosa-Wallach Bank For You – ihrem wachsamen Auge entging nichts;

Christian mit dem von Nicole geliehenen Pinto-Wallach Dam Jari – das jüngste Teammitglied mit 16 Jahren;

Joe mit seiner  Paint Horse-Stute Surena – Cool Man in allen kritischen Situationen;

Evelyn mit ihrer Traberstute Gundula – sie hofft, dass Gundi nicht trächtig ist;

Andreas mit über 100 PS unterwegs – unser Chuck Waggon und Camp Chief;

Zwei Tage als Begleiter mit dabei:

Siegi mit Paint Horse-Wallach Chili Pepper und Sepp mit dem ungarischen Warmblut-Wallach Ronny.

Treffpunkt für Pferd und Reiter war bereits am Vorabend in Ansfelden für eine letzte Routenbesprechung und Kontrolle der Ausrüstung. Als es endlich losging, war der Chuck Waggon mit Taschen und Verpflegung voll beladen. Feldbetten, Schlafsäcke, Futter, Koppelsteher usw. wurden im Pferdanhänger verstaut.

Erster Tag – Ansfelden bis Kürnberg:

Bei strahlendem Sonnenschein war pünktlich um 8.00 Uhr Abritt. Das Abenteuer konnte beginnen. 450 Kilometer auf teilweise unbekannten Wegen lagen vor uns. Werden wir bzw. unsere Pferde die Strecke ohne Probleme bewältigen? Wie wird das Wetter? – All diese Fragen gingen uns durch den Kopf.

Wir waren noch nicht einmal zehn Minuten unterwegs, da gab es den ersten Grund zum Lachen. – Lana hatte ihren Reiter Hans samt Sattel verloren und stand verdutzt daneben. – Der Sattelgurt war gerissen, obwohl erst am Vorabend alles nochmals kontrolliert worden war. Da wir jedoch für alle Fälle von jedem Ausrüstungsteil Reserve mithatten, war das Missgeschick schnell behoben und wir konnten weiterreiten.

Die Enns überquerten wir ohne Probleme beim Kraftwerk in Ernsthofen. Am Abend trafen wir bei unserem ersten Etappenziel, der Ranch von Siegi im niederösterreichischen Kürnberg, ein. Wir wurden herzlich empfangen und die Pferde bestens versorgt. Abends saßen wir gemütlich beim Lagerfeuer im „zukünftigen Offenstall“ und schliefen gut im Matratzenlager über dem Offenstall.

Zweiter Tag – Kürnberg bis Reichraming:

Diesen und den nächsten Tag begleiten uns Siegi und Sepp als Trailführer.

Nach einer ausgiebigen Mittagsrast in Losenstein überquerten wir wieder die Enns und ritten am Radweg zu unserem Abendquartier. Die Pferde wurden in Boxen und Koppeln untergebracht. Wir rollten uns in den Schlafsäcken ein.

Dritter Tag – durch den Nationalpark Kalkalpen:

Heute meinte es der Wettergott nicht gut mit uns. Der anfängliche Sprühregen wurde im Laufe des Tages immer stärker und es goss in Strömen. Wir mussten uns voll auf die Wege konzentrieren und sahen durch den dichten Regen nicht viel von der Landschaft im Nationalpark. Eine besondere Herausforderung waren die zahlreichen, teilweise unbeleuchteten Tunnels, der längste mit ca. 300 Metern. Wir waren vorschriftsmäßig mit Warnwesten bekleidet, trotzdem überraschten uns immer wieder unbeleuchtete Mountainbiker.

Nach fast acht Stunden non-stop im Sattel erreichten wir klitschnass das Ziel der Tagesetappe, die Almstube, die sich bereits in der Steiermark befindet. Als wir ankamen, hatte Andreas bereits die Koppeln aufgebaut und die Hütte eingeheizt. Wir waren froh, die Pferde rasch versorgt zu haben und endlich in warme, trockene Kleidung zu kommen. Anschließend trafen wir uns in der talwärts liegenden urigen Gaststube zum Abendessen.

Hinweis: im Nationalpark kein Handyempfang (egal welche Betreiber)!!!

Vierter Tag - Weißenbachtal bis Selzthal:

Der vierte Reittag war die längste Tagesetappe mit 53 Kilometern!

Die Sonne lachte endlich wieder vom Himmel und die Strecke war herrlich! Es ging flott durch Wälder, Wiesen und über Schotterwege dahin! Äußerst anspruchsvoll war ein Wandersteig in der Nähe der Ruine Gallenstein (Steiermark), aber unsere bunte Pferdherde kämpfte sich tapfer durch Bäche und Holzbrücken mit Treppen. Als wir aus dem Waldstück herauskamen, waren einige Anrainer ganz überrascht. Sie konnten es kaum glauben, dass wir diesen Steig geritten waren.

Das Mittagsbier zur Erholung wurde uns kühl vom Chuck Waggon serviert. Am Nachmittag ging es teilweise zu Fuß über Admont weiter Richtung Selzthal, unserem Tagesziel, dem Reitertreff Zeiser entgegen.

Nachdem wir abgesattelt und unsere Vierbeiner versorgt hatten, bekamen sie eine rund einen Hektar große Koppel. Wir genehmigten uns einen Schluck. Bevor wir von unseren Gastgebern ins Quartier gefahren wurden (endlich eine Dusche und zwei Nächte ein richtiges Bett!), sahen wir nochmals nach den Pferden. Als sie uns entgegen galoppierten, glaubte jeder für sich, er hätte schon zu viel getrunken, da der Boden unter unseren Füßen schwankte. Thomas klärte uns jedoch auf, dass diese Schwankungen nicht vom Alkohol, sondern durch den Moorboden verursacht werden!

Fünfter Tag – „Tag des Herren“ für Pferd und Reiter bei Sonnenschein:

Ausgeruht und frisch geduscht genossen wir ein ausgiebiges Frühstück. Anschließend wurden der Jeep und der Hänger entrümpelt und neu eingeräumt. Das Mittagessen ließen wir uns ebenfalls gut schmecken. Am Nachmittag besuchten wir den Reiterhof unserer Gastgeber und unsere Pferde auf der Moorkoppel.

Sechster Tag - Selzthal über Liezen bis Spital/Pyhrn:

Am morgen ging’s weiter Richtung Liezen, wo uns bereits der Geschäftsführer von Giga-Sport mit dem Fotografen erwartete. Die Besucher waren sehr erstaunt, als sie auf dem Parkplatz unsere sechs PS angebunden sahen. Nach dem Presse-Fototermin auf der Almhütte wurden wir köstlich bewirtet und mit praktischen Jacken beschenkt.

Im Laufe des Tages wurde das Wetter leider wieder regnerisch. Auf herrlichen Wegen wurden wir auf einer Alm in  rund 1.300 Metern Höhe von einem heftigen Gewitter überrascht und  von einer Herde Schottischer Hochlandrinder durch Sumpfgebiet und über Schotterstraßen begleitet.

Die Abfahrtspiste Kalkgraben auf der Wurzeralm war wegen entwurzelter Bäume unpassierbar, sodass wir uns einen anderen Weg suchen mussten, um das Ziel, den Landgasthof Seebacher, zu erreichen. Zu erwähnen sei unser ungewöhnliches Nachtlager: Da keine Betten mehr frei waren, wurden wir einfach mit den Feldbetten in der Vinothek einquartiert. – Wir haben keine Flasche getrunken und trotzdem gut geschlafen. :-)

Die heutige Etappe war der anstrengendste Tag für  Pferd und Reiter. Nicht nur aufgrund der Aufregung um den Empfang in Liezen, sondern auch wegen der rund 1.200 aufsteigenden Höhenmeter, die unsere Pferde bei Schlechtwetter über Stock und Stein erklimmen mussten.

Siebenter Tag - Spital/Pyhrn bis Blumauer Alm:

Bei Sonnenschein und leichtem Wind ging es auf schönen Wald- und Wiesenwegen über Windischgarsten und vorbei am Panorama-Aussichtsturm nochmals in den Nationalpark Kalkalpen.

Über den Biwakplatz und den Steyrsteg (der von den Pferden absolute Trittsicherheit verlangt und keinesfalls für Anfänger geeignet ist!) erreichten wir am frühen Nachmittag unser Ziel, die Blumauer Alm im Sensengebirge.

Andreas hatte unseren Vierbeinern wie immer eine tolle Koppel gebaut. Zum Glück waren die Bänder mit Strom versorgt, denn die weidenden Kühe waren über die neuen Nachbarn sehr erstaunt.

Am Abend ließen wir uns „s’Bratl in der Rein“, ein typisches oberösterreichisches Gericht, schmecken. Nach Einbruch der Dunkelheit konnten wir mit dem Fernglas beobachten, wie Rotwild und Kühe gemeinsam über die Alm streiften. Anschließend legten sich die ersten im Matratzenlager zur Ruhe. – Der Rest nach Zirbengeistverkostung ein paar Stunden später!

Achter Tag - Blumauer Alm bis Leonstein:

Bei herrlichem Reitwetter und Sonnenschein kreisten über uns Geier!

Heute wird uns erst bewusst, wie traumhaft die Landschaft ist. Wir stellen einstimmig fest, dass unsere Heimat den berühmten amerikanischen Nationalparks mindestens ebenbürtig ist!

Ab Breitenau folgten wir dem Radweg bis Molln durch Wälder, Wiesen und teilweise Asphalt. Am Nachmittag kamen wir in Leonstein an, wo wir herzlich vorm Saloon empfangen wurden. Die Pferde wurden geduscht, gefüttert und bekamen eine riesige Koppel. Am Abend besuchten uns Siegi und Sepp. Wir ließen uns den Westernspieß im gemütlichen Saloon gut schmecken. Unser Schlafplatz war – wieder einmal – der Heuboden.

Neunter Tag - Leonstein bis Adlwang:

Wie es sich im Saloon gehört – vorm Abritt ein Schnaps mit Michaelas Mama.

Die Wege im Wald und über die Wiesen waren herrlich, das Wetter traumhaft schön. So wurden wir für kurze Asphaltwege entschädigt. Um 14 Uhr erreichten wir den Mostheurigen „Gangl in Aig´n“, wo wir unser Lager im Holzschuppen einrichteten. Andreas hatte uns schon wieder eine tolle Koppel eingezäunt. Wir mussten nur mehr die Pferde und unseren Magen versorgen.

Letzter Tag – Adlwang bis Ansfelden:

Das Bauernfrühstück bekamen wir bereits um 6.30 Uhr. Anschließend wurde die Koppel abgebaut und alles ein letztes Mal im Chuck Waggon verstaut.

Obwohl wir schon viele Tage unterwegs waren, gingen unsere Pferde sehr flott. Je näher wir dem Ziel kamen, umso schneller wurden sie, da sie zum Teil die Wege schon kannten. Oder  konnten sie eventuell den Sender Ansfelden hinter den Hügeln erspähen?

Am späten Nachmittag erreichten wir wieder unseren Ausgangspunkt, die Motley Horse Ranch. Wir waren froh, dass alle Pferde und Reiter gesund zurückgekommen sind! (Für das letzte Stück in den Heimatstall wurden Lana und Gundi in Hänger verladen.)
Nachdem alle Pferde versorgt waren, tranken wir noch ein letztes Bier und ließen die vergangenen Tage wehmütig an uns vorüberziehen. – Unser Trail auf unbekannten Pfaden und Wegen war nun wirklich zu Ende!

Wir haben zehn wunderbare gemeinsame Tage erlebt und viele neue Eindrücke gewonnen. Es war herrlich, einmal dem Alltagsstress zu entfliehen, Tag für Tag mit seinem Pferd in der Natur zu verbringen und Situationen zu meistern, die nicht immer einfach waren. Egal ob Sonne oder Regen, wir möchten keinen Tag missen!

Zum Schluss wurde nur mehr die Frage "Wohin reiten wir im nächsten Jahr?" gestellt: durchs Innviertel und den Sauwald nach Bayern (nicht Pullman City). Dann werden Start und Ziel die Foursideranch sein. - Wir werden demnächst mit der Planung beginnen!

Abschließend möchten wir uns bei den Sponsoren, Firma Nestelberger für das Pferdemüsli und Gigasport für den Empfang und die Jacken, bedanken. Unser besonderer Dank gilt den zu Hause gebliebenen, die während des Wanderrittes unsere Pferde in den Ställen bestens versorgt haben.

 

Texte & Bilder: Foursideranch