Albtraumritt  Sterngartl

 

Albtraumritt im Sterngartl/ aus Western News 04/2007

 

Albtraumritt

Der Bericht eines leicht verunglückten Wanderritts im August 2007 im Sterngartl/Oberösterreich

Als begeisterte Wanderreiter wollten meine Frau und ich den zweiwöchigen Urlaub im August dazu nutzen, wieder ein neues Reitgebiet kennen zu lernen. Durch einen Tipp von Mag. Brigitte Kuttner, auf deren (GPS-) Spuren wir letzten Sommer mit großem Vergnügen das Mühlviertler Kernland durchkreuzten, stießen wir auf Peter und Lisi Lackner in Steinbach/ Niederwaldkirchen, zwei ganz liebenswürdige und engagierte Leute, die mit ihrem Reiterhof die Basisstation unserer geplanten Mehrtagesritte (ca. 300 km) darstellen sollten. Wie gewohnt, planten wir auch heuer die Touren mit Peter Lackners GPS- Dateien genau vor, reservierten mit Lisis und Peters Hilfe die Übernachtungsmöglichkeiten für Pferde und Reiter und vergewisserten uns der Öffnungszeiten der Tagesraststationen.

Am 6. August starteten wir zum Eingewöhnen mit einem sehr gelungenen Hansberg- Halbtagsritt, abends verwöhnte uns Lisi mit einem köstlichen Zwiebelfleisch. Erinnerungen an die vergangenen Mühlviertel- Ritte wurden wach, als wir bei Menschen wie „Hiaslbauer“ Sepp und Resi Viehböck in Lasberg,, Elfi Eibensteiner in Freistadt, Gabi und Walter Wurm in Reith, Margit Kern in Königswiesen, Huber- Bäuerin bei Liebenstein, Maisnester bei Weitersfelden und vielen anderen äußerst freundlich aufgenommen wurden.

Dienstag, den 7. August, begannen wir morgens den ersten Dreitagesritt, der uns von Steinbach in Niederwaldkirchen nach Norden in über 1000 Meter Höhe entlang der tschechischen Grenze und östlich von Bad Leonfelden über Wintersdorf rund um den Hirschstein auf einer Länge von 111 km wieder zurück nach Steinbach bringen sollte. Der 7. August war zum Reiten ein sehr schwüler Tag und über die letzte Anhöhe nach Ahorn gingen wir zu Fuß, da selbst unseren beiden vierbeinigen Konditionsriesen die Anstrengung abzulesen war. Zwei- und Vierbeiner freuten sich auf die Mittagsrast beim „Ziegelstadel“ in Ahorn, einer offiziellen Reiterherberge der aktuellen Wanderreitkarte Sterngartl, auf deren Homepage für Pferd und Reiter sogar eine spezielle Jause mit Futter, Koppel und Reiterbrot angeboten wird. Zum Glück hat sich Peter Lackner noch einige Tage vorher vergewissert, ob auch sicher zu Mittag geöffnet ist.Als dann endlich 12 Beine durstig, hungrig und erwartungsfroh vor dem „Ziegelstadel“ standen, glotzte uns auf dem heißen Steinboden eine Tafel mit „Heute erst ab 16:30 geöffnet“ an. Meine Frau machte sich auf die Suche nach irgendjemanden, die Pferde zupften lustlos an einigen Halmen im Pflanzenrabatt. Schließlich läutete meine Frau an, eine schlanke, blonde Frau öffnete. Die Ausbeute war ein Plastikkübel und der Hinweis auf die Wasserleitung. Daneben Stallungen mit satten, zufriedenen Pferden. Man brauchte kein Tierfreund zu sein, um die Enttäuschung unserer Vierbeiner zu sehen. Als meine Frau fragte, ob wir ein Bier, oder eine Limonade bekommen könnten, verneinte sie, da sie jetzt kein Personal habe.

Wir erinnerten uns an „Scharti“ Gerhard Schartmüller in Erdmannsdorf, der hatte letztes Jahr, als wir vorbeikamen, gerade Ruhetag. Das wussten wir und wollten eigentlich nur unsere Vierbeiner im Schatten ruhen lassen. Als „Scharti“ uns sah, kletterte er von seiner Dachleiter herunter und wir machten uns bekannt. Da kam er auf einmal mit 2 Bier. Als wir zahlen wollten, meinte er, das gehe nicht, weil er Ruhetag habe. Auch so kann es gehen.

Also weiter, wegen fehlender Pause Tourenänderung und direkter (Sterngartl- Wanderreit??-) Asphaltstraßen- Ritt Richtung Norden. Mühsam. In Piberschlag kehrten wir schließlich bei der offiziellen Reitraststätte „Frellerhof“ in Piberschlag/ Helfenberg ein. Originell ist die ca. 50 cm hohe Anbindestange vor dem Haus. Da wir rundherum nicht einmal einen passenden Baum zum Anbinden fanden, verwendeten wir diese wohl eher für Zwergpudel geeignete Vorrichtung, meine Frau wich aber keine Sekunde von den Pferden. Stehbuffet in der Reiterrast. Trotzdem kam es, wie es kommen musste, unser Wallach verfing sich mit der Hinterhand im Strick, scheute und schnitt sich über der Fesselbeuge die Haut komplett durch. Als ich im Frellerhof um ein Desinfektionsmittel ersuchte, war nicht einmal im Erste-Hilfe-Kasten ein solches vorhanden. Der Frellerhof rühmt sich übrigens auch als Bikertreff. Die Anbindestange ist laut Auskunft deswegen so niedrig, weil die Wiese dort aufgeschüttet wurde.

Etwas ramponiert kamen wir abends schließlich am Lenznhof in Afiesl an, wo uns Frau Schöftner auch bekochte.

Wieder gestärkt, versöhnte uns am Mittwoch, 8. August ein fantastischer Ritt in den Wäldern entlang der tschechischen Grenze, der uns in über 1000 Meter Höhe über Hirschenstein und Sternstein zu einer Rast im neu eröffneten Gasthaus in Rading führte, wo es zwar keine geeignete Anbindestange, aber ein Stück Wiese mit Bäumen in Sichtweite zum Gastgarten gab.

Um 19:00 Uhr erreichten wir nach einem 40 km- Ritt schließlich glücklich und auch erleichtert Wintersdorf, wo wir in der offiziellen und angeblich aus EU- Geldern finanzierten Reitherberge „Roadlhof“ bei der Familie Keck 2 Boxen und ein Zimmer reserviert hatten. Auch für Abendessen sollte gesorgt sein, da, wie uns Herr Keck versichert hatte, auch eine Gastwirtschaft angeschlossen ist. Wieder standen 12 Beine erwartungsfroh vor einem Anwesen, wieder war alles geschlossen, keine Menschenseele zu sehen. Es war Abend. Was tun? Die Lackners waren leider gerade nicht erreichbar.

Ich klopfte bei einem kleinen Nachbarhaus direkt unterhalb an und bat um die Telefonnummer eines Taxis. Diese Familie war außerordentlich freundlich und hilfsbereit. Während der Wartezeit gesellten sich sehr nette deutsche Feriengäste zu uns und gaben uns etwas zu trinken. Sie erzählten, dass es ihnen und auch anderen Gästen bei Keck ähnlich ergangen war.

Das Mädchen ging mit mir in den Stall, da ich Wasser für die Pferde holen wollte. Außer einem durchlöcherten Eimer, einem fettverschmierten und vielen total verdreckten Kübeln war in dem dunklen Stall, in dem wir keinen Lichtschalter fanden, nichts geeignetes zu sehen. Auch nicht 2 leere Boxen. Also kein Wasser für die Pferde.

Es dämmerte bereits, als ich meine Frau mit den Pferden auf der Wiese zurückließ und ins Taxi stieg.

Ein sehr netter Taxifahrer, ich glaube, es war Herr Kmieczyk, brachte mich auf dieser inzwischen nächtlichen Odyssee über Gallneukirchen und Linz- Urfahr zurück nach Steinbach/ Niederwaldkirchen, ca. 60 Kilometer. Unterwegs begann es zu regnen und ich hoffte, dass der Regen nicht Wintersdorf erreicht. Wir haben zwar immer gute Regenbekleidung mit uns, aber mir war klar, dass meine Frau stundenlang im Freien bei den Pferden auf mich wartet und womöglich krank werden könne.

In Steinbach half mir Peter beim Anhängen, dann gab ich im Navi „Wintersdorf/ Ottenschlag“ ein und wagte mit dem Gespann die direkte Nachtfahrt quer durchs Mühlviertel, um Zeit zu sparen.

Um ca. 23:30 Uhr war ich da. Im Scheinwerferlicht sah ich meine Frau mit unseren Pferden auf der Wiese stehen. Es war stockfinster, die Beleuchtung der tollen Reitherberge hing offenbar an einer Zeitschaltuhr. Zum Glück haben wir ganz brave Vierbeiner, die ohne Probleme in den Anhänger gehen, wenngleich nicht zu übersehen war, dass unsere Freunde irgendwie verstört waren. Kein Wunder. Als die Pferde verladen waren und wir gerade losfahren wollten, kam ein PKW. Ich stieg nochmals aus und sprach das ältere Paar an. Es handelte sich um Herrn und Frau Keck senior vom Roadlhof/ Wintersdorf. Ich stellte mich vor und wies darauf hin, dass wir reserviert hatten. Beide Kecks sen. sahen mich nur an, kein Kommentar, keine Bestürzung, nicht einmal das Zeichen einer menschlichen Regung, schon gar nicht eine Entschuldigung. Erst als ich die Sprache auf die 85 Euro für die Taxifahrt und meine Spesen für den nächtlichen extra Pferdetransport brachte, kam Leben in die guten Herrschaften. Sie meinten, damit hätten sie überhaupt nichts zu tun, das wäre Sache der Keck´s jun. und die seien auf Kurzurlaub. Frau Keck sen. raffte sich auch noch zu der Feststellung auf, ich könne diese Angelegenheit ruhig meinem Anwalt übergeben. Als ich abschließend fragte, was sie eigentlich für Menschen seien, erhielt ich keine Antwort .

Zum 2. Mal in dieser Nacht, jetzt aber mit meiner Frau und den Pferden, fuhr ich nach Steinbach. Am Donnerstag, 9. August, um 01:30 Uhr nachts, also nach einem 40 km- Ritt und 16 Stunden, waren die Pferde wieder im Stall. Lisi und Peter Lackner haben besorgt auf uns gewartet.

Nach einigen Stunden erschöpften Schlafes brachen wir zur Heimfahrt auf.

 

buckaroo Albtraumritt im Sterngartl/Oberösterreich

10. August 2007