Berühmte Trainer - Jack Kyle aus Western News 03/2007
Ein echter Cowboy
Dieses auf einer Ranch aufgewachsene Mitglied der AQHA Hall of Fame bringt immer noch tollen Reining Nachwuchs auf den Markt. Aber Jack Kyle ist mehr als ein großer Horsemanship-Mann
Text: Jennifer Forsberg Meyer, Fotos: Cappy Jackson, Übersetzung: Sonja Grünauer
Es ist früh am Morgen im Herbst 1981 als Jack Kyle aus seinem Ranch-Haus in Belen (New Mexiko) kommt und zu seinem Pick-up geht. Das Starten des Motors unterbricht die morgendliche Stille. Er fährt nach Albuquerque – 25 Meilen entfernt. Dort liegt seine 35-jährige Frau in einer Pflegeanstalt im Koma. Dort angekommen eilt er in Barbara Kyles Zimmer. Leise setzt er sich an ihr Bett und verweilt dort die nächsten zwei bis drei Stunden. Danach kehrt er wieder auf seine Ranch zurück, um dort wie jeden Tag die Pferde zu reiten und danach wieder für einige Stunden ans Krankenbett seiner Frau zurückzukehren.
„Er macht dies seit 7 Monaten täglich“, erzählt seine Tochter, die Quarter Horse Trainerin und Richterin Jackie Krshka. „Wenn wir ihm von diesem täglichen Stress des Hin- und Herfahrens abraten, dann sagt er: „Barbara ist mir all die Jahre zur Seite gestanden. Jetzt lasse ich sie nicht alleine.““ Tragischerweise erlangte Barbara nie mehr das Bewusstsein und verstarb im März 1982. Jack und seine Familie blieben am Boden zerstört zurück. Zur Trauer kamen auch noch 200.000 Dollar ausstehende Rechnungen für die medizinische Versorgung seiner Frau hinzu (eine Klausel in der Versicherung besagte nämlich, dass die Kosten nicht getragen werden, wenn der Grund für das Koma unbekannt sei). Eine Benefiz-Hengst-Auktion, die von Al Dunning und weiteren Freunden organisiert wurde, brachte wenigstens 40.000 Dollar ein. Für die Differenz musste jedoch Jack selbst aufkommen. „Er musste alles, was er hatte, zu Geld machen und verkaufen, um den Erlös für die Begleichung der offenen Rechnungen verwenden zu können“, erinnert sich Jackie. Letztendlich hatte er jeden einzelnen Penny abbezahlt und übersiedelte dann nach Yukon (Oklahoma) um dort in der Nähe seiner verbleibenden Familienmitglieder zu sein. Das, in Kürze erzählt, ist der Mensch Jack Kyle. Im Jahr 1999 wurde er in die American Quarter Horse Association Hall of Fame aufgenommen. Begründet war seine Aufnahme nicht nur durch seine Leistungen als Showman und Züchter von vielen Champion-Pferden, sondern auch, weil er durch und durch ein echter Cowboy ist und sein Lasso lieber einsetzt, um eine Kuh einzufangen und diese dann zu verarzten, als das Lasso-Schwingen für das Gewinnen einer Preisschleife zu machen. Er ist immer der Familienmensch geblieben. „Er ist der netteste und höflichste Mann“, sagt Christy Avila, die Ehefrau von World-Champion-Trainer Bob Avila. „Seine harte Schale schreckt die Leute zwar ab, wenn man jedoch seinen weichen Kern entdeckt, dann sieht man den liebenden Großvater in ihm“. Jack ist ein typisch gekleideter Horseman. Als Christy ihrer Sammlung einen „typischen Cowboy-Stiefel“ hinzufügen wollte, dann fragte sie Jack nach seinen alten Stiefeln, da diese echte Erinnerungsstücke waren.
Geradlinigkeit: Mit seinem sonnengebräunten Gesicht und seinem Outfit sieht der 75-jährige Jack Kyle wie ein Original-Cowboy aus. Seine ironische Art humorvoll zu sein, zieht die Menschen in seinen Bann. Vor allem, wenn er erzählt, dass Jack gar nicht sein richtiger Name ist. „Mein Name ist eigentlich Thurman Francis“, erzählt er in texanischer Mundart. Thurman war ein unbeliebter Spitzname bei den Cowboys und Jack hasste ihn. Er mochte eher seinen Nicknamen, den er von seiner Familie bekommen hatte. „Ich war störrisch und eigenwillig wie ein Esel“, sagt Jack unverblümt über sich selbst. Diese Sturheit entwickelte sich in Entschlossenheit mit eisernem Willen, der mit Konkurrenzfähigkeit gepaart war – wie der legendäre John Hoyt es simpel mit dem Wort „Kämpfernatur“ beschrieb. Hoyt, der selbst auch kein Feigling war, ritt in den 50er und 60er Jahren mit Jack immer Kopf an Kopf in den Bewerben. „Er war kein Gegner zum Scherzen“, erzählt Hoyt heute darüber, „wenn man nicht gut genug aufpasste, dann wurde man im Bewerb von Jack schnell geschlagen.“ Trainer Bob Curtiss erinnert sich auch an Jack’s Vorliebe zum Gewinnen. „Nur eine blaue Schleife zählte bei Jack“, erzählt er. „Mein Sohn wurde einmal Zweiter und Jack erklärte ihm, dass dies nicht mehr wert wäre, als wenn er nur an 50. Stelle platziert wäre.“ Solch direkte Aussagen brachten Jack den Ruf des „Unverblümten“ ein. „Er wurde dafür zwar kritisiert, aber er war einfach ehrlich“, sagt ein langjähriger Freund, der Cowboy Leroy Webb. „Wenn man nicht wissen will, was Jack über eine Sache denkt, dann sollte man ihn auch nicht danach fragen“. Einige von Jacks besten Tugenden wurden in seiner Familie weiter vererbt. Auch seine Tochter Jackie, die 1999 AQHA Horsewoman of the Year wurde und sein Neffe Pete Kyle, der AQHA Horseman of the Year 1997, profitieren davon. „Nachdem ich meine Highschool-Zeit beendet hatte, lebte ich einige Zeit bei ihm. Jack betonte immer, dass es wichtig wäre, immer ehrlich zu den Menschen zu sein und dass man damit noch immer am Besten durchkommen würde.“ Jackie erzählt die Umstände, unter welchen ihr Vater mit dem Rauchen aufgehört hatte, als Beispiel, wie familienverbunden ihr Vater ist. „Er rauchte eine oder zwei Packungen Zigaretten pro Tag“, erinnert sie sich. „1986 bekam er Schmerzen im Brustkorb und der Herz-Kreislauf-Spezialist sagt ihm, dass er aufhören sollte, zu rauchen. ‚Das mache ich sicher nicht’, sagte mein Vater, ‚ich habe mein Leben lang geraucht, dann höre ich jetzt auch nicht auf!’. Dann deutete der Arzt in Richtung meines Sohnes Kyle, der damals gerade 18 Monate alt war, und sagte: ,Sehen Sie diesen kleinen Jungen? Wenn Sie jetzt nicht aufhören zu rauchen, dann werden Sie den Jungen nicht mehr als Teenager erleben!’ Mein Vater sagte darauf kein Wort und ich habe ihn seit diesem Tag nie wieder rauchen gesehen.“
Rancherherkunft Jack wurde 1925 als 3. von 4 Söhnen des Ehepaares Pete und Edna Kyle auf einer Ranch in Brownsfield in West Texas geboren. Bereits im Alter von 4 Jahren ritt er Pferde und arbeitete auf der Ranch mit. Später mussten er und seine Brüder 14 Meilen pro Strecke täglich in die Schule reiten – dies war laut Aussage von Jack „charakterbildend“. Wenn die Burschen daheim Spaß haben wollten, dann improvisierten sie einfach. „Wir spannten die Ziege vor einen Wagen oder versuchten alles, was sich bewegte mit dem Lasso zu fangen oder wir ritten einfach durch die Gegend und halfen unserem Vater bei der Rancharbeit“, erinnert sich Red Kyle, 73, Jack’s jüngerer Bruder. Jack liebte die Pferde ganz besonders! „Er ritt jedes Pferd, das er von seinem Vater aus reiten durfte und wenn unser Vater nicht da war, dann ritt er auch jedes andere Pferd“, kichert Red. Jack erinnert sich auch ganz besonders an seine Mutter. Sie war die am härtesten arbeitende Mutter, die man sich nur vorstellen kann und die ganz besonders auf ihre Familie achtete und jeden Sonntag zur Kirche ging. „Ich wurde dazu erzogen, vor älteren Menschen Respekt zu haben“, erzählt Jack. Von ihrem Vater lernten die Kyle-Jungen Selbstvertrauen. „Vater schickte uns hinaus – auch die jüngsten – um die Zäune und Weiden zu kontrollieren“, erinnert sich Jack. „Er vertraute uns bereits damals, dass wir die richtigen Entscheidungen treffen würden und lehrte uns damit auch, an uns selbst zu glauben“. Im Alter von 7 Jahren nahm Jack bereits an einem 13-tägigen Viehtrieb von Brownsfield nach Tatum (New Mexiko) teil. Seine Aufgabe war, auf die Herde von 120 Pferden zu achten, diese jeden Tag vor Sonnenaufgang und mittags in einem Roundcorral zu versammeln. Bereits in diesem Alter konnte man sich auf ihn verlassen. 1938 übersiedelte die Kyle-Familie nach Fort Sumner, New Mexiko und arbeiteten doch als Rancher weiter. Es war keine leichte Zeit, aber Jack möchte diese Zeit auf keinen Fall missen. „Die jungen Leute von heute tendieren dazu, eher den einfachen Weg zu gehen“, erklärt er. „Aber es gibt nichts besseres auf der Welt, als als Cowboy aufzuwachsen. Denn diese Arbeit macht aus einem Jugendlichen einen verantwortungsvollen Menschen.“ Mit 17, als der 2. Weltkrieg ausbrach, brach er die Highschool ab, um seinen Eltern vermehrt bei der Rancharbeit helfen zu können. Nachdem er ins Militär einberufen wurde, verbrachte er 3 Jahre lang bei einer Infanterie-Einheit im Südpazifik. Über diese Erlebnisse spricht er jedoch nicht gerne.Nach Kriegsende kehrte er auf die Ranch zurück und 1947 heiratete er seine große Liebe Barbara Johnson. Er war damals 22 und sie 17 Jahre alt. Sie mieteten sich ihr erstes gemeinsames Heim, eine alte spanische Post beim Pecos River westlich von Fort Sumner. Das Dach war undicht und sie hatten eine Plane über dem Bett. „Durch die Risse im Dach konnten wir nachts die Sterne am Himmel sehen“, erinnert sich Jack. „Und es war gar nicht so schlimm!“König der Region 1947 stellte sich Jack das erste Mal im Show-Ring vor. Barbara’s Onkel, Warren Shoemaker fragte Jack, ob er nicht seine Pferde auf der New Mexiko State Fair starten wollte. Shoemaker war einer der besten Quarter Horse Züchter in New Mexiko und Jack führte bzw. ritt dessen Pferde in den darauf folgenden Jahren zu mehrfachen Siegen in Halter-, Wester Pleasure-, Reining-, Roping-Klassen und anderen Disziplinen. Außerdem begann Jack auch, die muskulösen Pferde aus der Skipper-W Linie, deren legendärer Züchter Hank Wiescamp aus Colorado war, zu showen. „Hank hatte eine Züchtung, die unschlagbar war“, erzählt Jack. Andere Leute schreiben Jack’s Gabe zu Reiten die vielen Erfolge dieser Pferde zu. „Es waren große, starke und stämmiger Pferde“, erzählt Tim McQuay, ein bekannter Reiner und Miteigentümer des Top-Reining-Zuchtvererbers Hollywood Dun It. „Jack wusste, wie er athletische Pferde perfekt präsentieren konnte“. Sein guter Freund Al Dunning, der beim sehr bekannten Land of Enchantment Quarter Horse Circuit in Albuquerque gegen Jack antrat, stimmt Mc Quay’s Aussage zu: „Die Pferde aus der Skipper W Linie wären nie so erfolgreich gewesen, wenn Jack sie nicht geritten hätte“, sagt er. „Ich dachte immer, dass wir die besseren und athletischeren Pferde hätten, aber Jack brachte immer wieder bessere Pferde hervor. Einen Hauptanteil hat sicherlich sein unglaubliches Einfühlungsvermögen, was Pferde betrifft – er kann alles mit einem Pferd tun!“ Und Jack’s körperlich tolle Verfassung trug auch noch einen Teil dazu bei. „Jack hat eine unglaubliche Balance im Sattel“, bemerkt Bob Curtiss. „Er sitzt total ruhig. Wenn er galoppiert bewegt sich nichts an seinem Körper, weder seine Beine noch seine Füße.“ „Außerdem“, fügt Curtiss hinzu, „kennt Jack die Gedanken eines Pferdes besser als jeder andere! Er hat sozusagen einen sechsten Sinn und tut viele Dinge mit Pferde automatisch.“ Zusätzlich zu seiner Traineraufgabe und dem Starten von Pferden versuchte sich Jack 1949 auch in der Pferdezucht, nachdem er einen Sommer lang bei den Wiescamp’s gearbeitet hatte. Sein Ziel war, schöne athletische Pferde zu züchten. „Ich bevorzuge Pferde, die man am Vormittag in einer Halter-Klasse präsentieren kann und dann am Nachmittag bereits in gerittenen Klassen vorstellen kann“, erzählt Jack. Er kaufte seinen Basisbestand an Zuchtstuten bei Shoemaker und die Hengste wie z.B. Silver Skip, Stagehand und Skip A Barb von Wiescamp. Silver Skip und Stagehand waren Vollbrüder (Vater Skipper W, Mutter war eine Tochter von Brush Mount). Skip A Barb war von Skipper’s King, der aus der Blutlinie von Plaudit und Skipper W stammte und aus der Stute Barbara Star, die 1956 die Stute mit den höchsten Punkten war. Jack ritt sowohl Silver Skip als auch Skip A Barb zu zum AQHA Champion-Titel. Tatsächlich machte er in alle den Jahren aus so vielen Pferden Champions, dass man alle Namen gar nicht mehr aufzählen kann. „Jack war der König von New Mexiko“, erinnnert sich Dunning. „Die Leute kamen von Arizona, Texas, Colorado und sogar aus Kalifornien um bei der Land of Enchantment Show zu starten und wenn man dort Jack in der Halter- oder gerittenen Klasse schlagen konnte, dann war man ein Sieger.“ 1955 gingen Jack und Barbara eine Partnerschaft mit Barbara’s Familie ein und übersiedelten auf die Johnson & Kyle Ranch in die Nähe von Santa Rosa, New Mexiko. Es war eine große Ranch mit Kälbern, Schafen und Pferden und Jack setzte dort sein Leben als Cowboy und als Quarter Horse Showman fort. Zu dieser Zeit hatte das Ehepaar bereits einen 7-jährigen Sohn, Joe Bob und die gerade neugeborene Tochter Jackie. Joe Bob war nie der Pferdenarr gewesen und sein Vater drängte ihn auch nicht dazu. Heute arbeitet er in der Versicherungsbranche in Albuquerque. Jackie trat in die Fußstapfen ihres Vaters und wurde eine Top-Trainerin. „Ohne seinen Einfluss hätte ich niemals das alles erreicht“, sagt sie heute. „Er zeigte mir den richtigen Weg und lehrte mich entsprechende Disziplin.“ Die älteren Kyles gaben den Wünschen ihrer Kinder immer nach. „Showing war für mich das Schönste. Meine Eltern fanden immer wieder eine Möglichkeit für mich, dass ich Pferde starten konnte. Mein Vater warnte mich immer, mich niemals in eines unserer Pferde zu sehr zu verlieben, denn wenn er ein gutes Angebot bekäme, würde er dieses Pferd sofort verkaufen. Trotzdem schaffte ich es immer wieder, mein Lieblingspferd eine ganze Saison lang starten zu können. Obwohl Jack mit Familie und Arbeit genug zu tun hatte, fand er auch noch Zeit, jungen Trainern weiterzuhelfen. Leroy Webb war einer davon. „Zu dieser Zeit war mein Job, Kühe zu kennzeichnen und dies für 100 Dollar im Monat“, erinnert sich Webb. „Jack verkauft mir sehr gute Pferde zum halben Preis und ich konnte den Betrag zurückzahlen, wann immer ich Geld hatte. Er machte niemals Druck, egal wie lange ich für die Rückzahlung brauchte. 1958 schenkte er mir mein erstes Paar Sporen – sie waren handgemacht und nicht billig. Wir sind seit 45 Jahren befreundet und er kommt immer noch zu mir, um mir beim Kennzeichnen der Rinder zu helfen. Man kann sich keinen besseren Freund wünschen!“
Vom Pionier zum modernen Reiner: Jacks Einfluss auf die Quarter Horse Szene wurde durch seine Erfolge und die Erfolge seiner Schüler immer größer. 1949 war er Mitbegründer der New Mexiko Quarter Horse Association und wurde deren erster Präsident. Es folgten weitere 30 Jahre als Direktor dieser Association. In den frühen 50er-Jahren war er Mitbegründer einer neuen Western-Klasse – dem Western Riding, die bei der New Mexico State Fair Horse Show ausgetragen wurde. 1966 wurde er zum Richter für die erste National Reining Horse Association Futurity in Columbus, Ohio, gewählt. 1974 war er einer der Verantwortlichen für die Eröffnung der AQHA World Show in Louisville, Kentucky. Er war sein Leben lang ein ausgezeichneter Roper (er gewann zwei Team Roping World Championships und 1998 gewann er zusammen mit Leroy Webb das AQHA Foundation Match Roping) und half bei der Erstellung der offiziellen Regeln für das Richten von AQHA Team Ropings. Auch heute reitet er immer noch täglich, obwohl er 1989 bei der World Show das letzte Mal an den Start ging und mit Mis Peponita Chick den 8. Platz erreichte. Heute reitet er noch viele Jungpferde auf der Krshkas’ Quarter Horse Ranch in Yukon ein. Es ist für einen Trainer mit solch strengen Regeln trotzdem auf dem Laufenden zu bleiben, was Neuerungen im Pferdesport betrifft. Besonders im Reining war Jack sehr fortschrittlich. „Heutzutage sehen Reining-Pferde ganz anders aus, als dies noch vor 10 oder 15 Jahren der Fall war“, bemerkt Jackie. „Der Hals der heutigen Reining-Pferde ist viel flacher und sie werden mit viel lockereren Zügeln geritten. Heutzutage muss ein Trainer ein Pferd so ausbilden, dass er viel weniger Zügelkontakt benötigt und das Pferd die Manöver mit weniger Hilfengebung durchführt. Auch mein Vater hat sich diesen Veränderungen angepasst.“ Pete Kyle erklärt: „Top Reiner wie Tim McQuay kaufen besonders gerne Jungpferde bei meinem Onkel, weil er diese besonders sorgfältig zureitet. Er reitet sie schnell, jedoch auch ruhig und effektiv zu.“ Jackie fügt noch hinzu, dass ihr Vater noch immer ein gutes Auge für athletische Pferde hat. „Erst vor kurzem hatte ich ein Pferd in meinem Stall, das mir nicht besonders auffiel. Mein Vater jedoch sagte mir, dass dieses Pferd besser wäre, als ich denken würde. Ich prüfte die Anlagen des Pferdes nochmals genauer und stellte fest, wie recht er damit hatte“, erzählt sie.
Familie geht über alles:
Auch wenn ihn seine Arbeit mit den Pferden immer sehr viel beschäftigte, die Familie war für Jack immer ein sehr, sehr wichtiger Teil seines Lebens. „Er lebt, um seine Enkelkinder aufwachsen zu sehen“, erzählt Jackie. Kyle Krshka, jetzt 22 Jahre alt, trainiert mit seinem Großvater seit Jahren das Roping und die 14-jährige Katy trainiert mit ihm für das Showpen. Jack schenkte jedem Enkelkind eine Zuchtstute, um bereits rechtszeitig für die Kosten der Ausbildung zu sorgen. Kyle’s Zuchstute, Stage’s Melody, hat Nachkommen wie Dunnit Like A Cowboy und Melody Dun It hervorgebracht, die beide mehr als 200.000 Dollar gewonnen haben. Diese Familienverbindung verhalf auch dem wichtigsten Pferd von Jack – Sweet And Innocent – zum Superhorse Award der AQHA World Show im November 1982. Diese talentierte Palomino-Stute war von Jack’s Zuchthengst Skip’N Stage und aus der Stute Billietta, einer Stute, die Jack und Jackie bereits Jahre zuvor im Showring vorgestellt hatten. 1982 gab es kaum jemanden, der die Stute Sweet And Innocent nicht reiten wollte. „Die Strategie für die Superhorse-Meisterschaft ist, ein großartiges Pferd dafür zu qualifizieren und die besten Reiter mit diesem Pferd in Bewerbe zu schicken. Wir verpflichteten professionelle Roper für unser Team, unter anderem auch J.D. Yates, der in diesem Metier unschlagbar war“, erzählt Jackie. „Aber mein Vater züchtete diese Stute und wir beide trainierten sie und mein Vater und ich sind sehr stolz darauf.“ Jackie ritt mit Sweet And Innocent zu vielen Platzierungen im Junior Western Riding, Junior Working Cow Horse, Junior Reining und Jack war erfolgreich im Viehtrieb. Mit Jackie’s Ehemann Tom gewann Sweet And Innocent die Calf-Roping Championship und wurde 1982 Skoal/Copenhagen Superhorse. Das Trio widmete diesen Sieg Barbara Kyle, die in diesem Jahr verstorben war.
Echte Entschlossenheit: So ging es all die Jahre weiter und im Sommer 1999 unterzog sich Jack einer Wirbelsäulen-Operation. Die Ärzte meinten, es würde mindestens 3 Monate dauern, bis Jack wieder reiten könne, dieser war jedoch bereits wieder nach 8 Wochen im Sattel zu finden. Als unser Fotografenteam kurze Zeit später für einen Fototermin anreiste, waren sie sich nicht sicher, ob Jack wirklich per Pferd die Rinder vor die Kamera dirigieren könnte. Nach kurzer Aufwärmarbeit, war Jack mehr als bereit dafür. Gerade und perfekt ausbalanciert im Sattel sitzend, begann er mit dem Roping und zeigte mehrere perfekte Lassowürfe. Und das, obwohl es mehrere Monate her war, seitdem er das letzte Mal mit einem Lasso gearbeitet hatte. Das war wieder der beste Beweis, dass er ein echter Cowboy ist.
Jack Kyle
Geboren: 25. April 1925 in Brownsfield/Texas; Derzeitiger Wohnort: Yukon/Oklahoma; Beruf: professioneller Horseman; Wichtigste Erfolge: Er gewann zwei Mal die American Quarter Horse Association World Championship im Viehtrieb – 1975 mit Skip Fancy und 1977 mit Billiettas Jewel und einen Reserve World Championtitel mit Sundae 1975. Ritt mehr als 2 Dutzend Pferde zu AQHA Champion-Titeln, wie z.B. Fame Mounty, Skip A Barb und Skip’N Stage. Brachte mehrere Pferde zum AQHA Honor Roll Champion-Titel, wie z.B. Shoemakers Pay Day im Cutting 1953, Fame Mounty im WOrking Cow Horse 1954 und Skip’N Stage im Working Cow Horse und Stier-Roping 1978. Züchtete Pferde, die einen AQHA Superhorse Award (Sweet And Innocent, 1982), fünf AQHA World Championships, fünf AQHA Reserve Championships, 1350 Halter-Punkte, 4696 Performance-Punkte und mehr als 200.000 Dollar Preisgeld in National Reining Horse Bewerben gewannen.Töchter des selbstgezogenen Zuchthengstes Skip’N Stage brachten NRHA Gewinne von über 450.000 Dollar, wie z.B. Dunit Rawhide, Dunnit Like A Cowboy und Melody Dun It. Er war 1949 Mitbegründer der New Mexico Quarter Horse Association, war einer der ersten Präsidenten dieser Association und war über 30 Jahre lang deren Direktor.In den frühen 50er Jahren war er Mitbegründer der AQHA Western Riding Klasse, war mitverantwortlich für die Erstellung der Regeln für das Richten der Roping-Bewerbe, assistierte bei vielen AQHA Richter-Seminaren.1966 wurde er als einer der Richter für die erste NRHA Futurity gewählt und 1974 war er einer der Organisatoren der ersten AQHA World Show. Mehr als 20 Jahre lang war er als Richter tätig, wie z.B. beim All American Quarter Horse Congress, der Chicago International und der Quarterama.1998 gewann er zusammen mit Leroy Webb das AQHA Foundation Team Roping.1999 wurde er in die AQHA Hall of Fame aufgenommen.Schützlinge, Schüler: Jackie Krshka (Tochter), Pete Kyle (Neffe), Tim Curtiss (der zur Zeit in Italien trainiert)
Text: Jennifer Forsberg Meyer
Übersetzung: Sonja Grünauer