Berühmte Trainer

 

Berühmte Trainer aus Western News 02/2007

 

Tim McQuay – Der Weg zum 2 Millionen Dollar-Reiter der NRHA

 

„Wenn man mich vor 30 Jahren gefragt hätte, ob das Erreichen von 1 Million Dollar Preisgeld bei NRHA Shows für mich ein Ziel wäre, dann hätte ich nein gesagt.“ Das erzählt Tim McQuay aus Tioga/Texas. „Nicht einmal einen Gedanken hätte ich daran verschwendet. Als jedoch Bill Horn seine erste Million Preisgeld 1995 komplett machte, kratzte es mich dann doch ein bisschen, dass ich es auch versuchen könnte, so weit zu kommen.“ – 1997 erreichte Tim McQuay tatsächlich dieses Ziel. Er wurde der zweite Reiter der NRHA mit einer Million Dollar Preisgeld. Tim erhielt seinen ersten NRHA Geldpreis 1978. Er brauchte 20 Jahre, um den Meilenstein von einer Million Dollar zu erreichen. Und es waren anfangs harte Zeiten, denn er hatte wenig Geld. Damals gab es noch nicht so viele Veranstaltungen. Er hatte auch nicht jene Möglichkeiten, die viele Reiter von heute haben. Wenn man nicht eine Futurity gewann, dann konnte man nicht einmal ein Preisgeld von 100.000 Dollar pro Jahr verdienen.

Bereits acht Jahre später erreichte Tim McQuay das, was jedem unmöglich erschien: 2005 wurde er der erste NRHA Reiter, der insgesamt ein Preisgeld von 2 Millionen Dollar erreiten konnte. „Die zweite Million zu gewinnen, fiel mir bei weitem leichter.“ Sicherlich war es ein langer Weg bis dahin, jedoch dank des Einsatzes von Leuten wie Tim McQuay – Mitglied der NRHA Hall of Fame, Trainer, Züchter, Besitzer, Förderer und Showman – war dieser Weg möglich.

On a roll

Tim McQuay: „Ich wollte immer schon Pferdetrainer werden. Ich besuchte nach meinem Highschool-Abschluss einen Monat lang eine Elektronikerschule. Das reichte für mich, um zu verstehen, dass ich nicht diese Berufsrichtung einschlagen wollte.“ Dies war lange Zeit, bevor Tim sich dem Reining verschreiben sollte. „Ich habe mein ganzes Leben mit Pferden verbracht. Bereits als ich noch ein kleiner Junge war, hatte meine Großeltern Ponys, damit ich bei ihnen in Minnesota reiten konnte.“

„Ich verbrachte von meinem 5. bis zu meinem 12. Lebensjahr jeden Sommer bei meinen Großeltern. Dann traf ich einige Leute aus Bloomington/Minnesota, die damals bereits bei Open Shows an den Start gingen. Und da fing ich Feuer. Ich nahm an Barrel Races und anderen ähnlichen Bewerben teil. Danach wechselte ich von den Open Shows zum Rodeo und zu den AQHA Shows.“

Als Kind konnte ich einige Youth All-Arounds gewinnen. Und 1970 wurde ich mit meinem alten Roping-Pferd Fair Lad Vierter oder Fünfter beim Youth Reining beim All American Quarter Horse Congress. Ich war damals 16 Jahre alt und hatte Fair Lad von einem Freund gekauft, als dieser zur Armee musste. Er kostete damals 750 Dollar. Damals war ich noch auf der Highschool und ich brauchte zwei Jahre, um das Pferd in Raten abzubezahlen. Er war ein großartiges, altes Pferd und er blieb bis zu seinem Lebensende bei uns.“

„Zu dieser Zeit lernte ich Gary Putman kennen. Ich arbeitete mit ihm zusammen beim Roping. Er nahm mich auch zu AQHA Shows mit. Er öffnete mir die Augen für ein lebendiges Training mit Pferden. 1972 oder 1973 war ich bei der Minnesota State Fair. Tommy Manion und ein Jungpferd von Pawnee Eagle gewannen die AQHA Senior Reining und ich wurde dahinter Zweiter. Jedoch die mit 500 Dollar dotierten Reining Stakes konnte ich für mich entscheiden, Tommy wurde hinter mir Zweiter. Damals ritt ich Bee Line Bueno. Ich war mit ihm ein wenig Roping geritten, jedoch beherrschte er den Run und die Stopps und alle anderen Lektionen. Ich ging gerade zurück zum Stall, als jemand Tommy fragte, ob er die Stakes gewonnen hätte. Dieser antwortete, dass ein einheimischer gewonnen hat.“ Tim McQuay war also auf dem Weg zu einer beneidenswerten Karriere und war dabei, NRHA-Geschichte zu schreiben.

Eine sehr wichtige Schlüsselfigur auf diesem Weg war seine Ehefrau Colleen.

Seelenverwandte

Colleen erzählt: „Ich arbeitete bei einer Zeitung, gab diesen Job jedoch auf, um mit Pferden arbeiten zu können. Ich unterrichtete im Stall von Harry und Sue Hetletvedt. Sie arbeiteten mit der englischen Reitweise. Tim verbrachte ab und zu Zeit mit den Hetletvedts. Bei einem seiner Besuche lernte ich ihn kennen.“

Tim arbeitete damals tagsüber für den Tierarzt Dr. Marlin Baker als Assistent. Er machte auch Hufbeschläge und startete Pferde beim Rodeo. Tim konnte von diesem großartigen Tierarzt sehr viel lernen.

Tim und Colleen heirateten, als sie beide 21 Jahre alt waren. „Wir waren ja fast noch Kinder und waren im gleichen Jahr und im gleichen Monat geboren.“ Tim hat am 1. April und Colleen am 10. April Geburtstag. Es hatte den Anschein, dass Tim und Colleen, obwohl sie so verschiedene Persönlichkeiten waren, doch eine Art Seelenverwandtschaft hatten. Es entwickelte sich eine harmonische Partnerschaft, die all die Jahre Bestand hatte.

„Ich habe mich mehr als Tim mit dem Reining beschäftigt, während Tim eher zu den Hunters und Jumpers tendierte. Trotzdem hatte er einen gewaltigen Einfluss auf meine reiterliche Laufbahn und Karriere“, sagt Colleen. „Ich denke, wir sind ehrliche Partner. Jeder hat seine eigene Meinung. Bei wichtigen Dingen sind wir jedoch immer einer Meinung.“

Tim schätzt bei Colleen besonders ihr gutes Auge für Pferde, ihren guten Geschäftssinn und ihr kritisches Auge bei den Shows. „Wenn ich aus dem Bewerb komme, dann sagt Colleen manchmal... du hättest dies oder jenes machen sollen und, wenn du dies tust, dann kannst du den Bewerb gewinnen...“, kichert Tim „Und sie hatte immer recht. Sie weiß, wovon sie spricht, sie weiß, was ich mag, und sie hat auch das richtige Auge, um zu beurteilen, ob ein Pferd zu mir passt. Und sie bekräftigte mich in meiner Entscheidung, bei Kenny Eppers zu reiten.“

Spezielle Einflüsse

Während Gary Putman Tim zeigte, wie man lebendiges Training bei Pferden macht, konnten Kenny Eppers und seine Frau Diane die beiden McQuays davon überzeugen, dass auch sie das Zeug dazu hätten. „1978 startete ich das erste Mal bei einer NRHA Futurity. Ich hatte eigentlich keine Ahnung davon und kam trotzdem ins Finale und erreichte mit Band of Glo immerhin den 13. Platz.“

1979 verbrachten Tim und Colleen in Illinois viel Zeit zusammen mit Ken und Diane Eppers. „Wir brachten Kinder zu den AQHA Shows und arbeiteten mit Horsemanship, Pleasure- und Reining-Pferden. Sie waren keine schlechten Pferde, man konnte sie schon um 1000 Dollar kaufen.“

Dies änderte sich jedoch, als McQuay bekannter wurde. „Wir trafen Ken und Diane bei einer AQHA Show in Minnesota. Sie waren die Favoriten dort und Colleen bewunderte Dianes Art, Geschäfte zu machen. Diane brachte uns bei, dass man besonders auf seine Kunden eingehen sollte. Dies war uns eine sehr große Hilfe beim Aufbau unseres eigenen Geschäftes.“ Kenny lehrte Tim sehr viel über das Training mit Pferden. „Kenny zeigte mir, wie ich einem Pferd den Stopp beibringen kann, ohne dass es seinen Kopf in die Höhe nimmt. Und er zeigte mir, wie man einem Pferd beibringt, auf das Kommando WHOA zu reagieren, und wie man korrekte Wendungen macht.“

Eines ist sicher, Ken und Diane Eppers hatten einen sehr großen Einfluss auf die Karriere von den McQuays – einen lebenslangen Einfluss. Bob Anthony, Mitglied der NRHA Hall of Fame, hatte auch Einfluss auf die Beiden. „Bob hielt 1980 in River Falls/Wisconsin eine Clinic. Ich nahm auch daran. Am Ende luden wir Bob ein, einige Tage bei uns zu verbringen. Er blieb zwei Wochen lang bei uns und lehrte uns einiges über Circles und über die richtige Zügelführung beim Pferd.“

Tim ist immer offen für Neues. Er empfiehlt auch seinen Schülern, immer wieder etwas Anderes auszuprobieren und nur das zu behalten, mit dem man sich am wohlsten fühlt.

Millionen Dollar-Meilenstein

Während seiner ganzen Karriere war Tim McQuay in jeder NRHA-Disziplin (außer Youth und Non Pro) erfolgreich. Er gewann die NRHA Futurity, das Derby, die Superstakes, die NRHA World und die Reserve World Championship und war regelmäßig in den NRHA Top Ten. Er gewann die Saddlesmith Series-Titel, die Prime Time Open und große internationale Turniere. Seine erste Million an Preisgeldern gewann er mit Starts in normalen NRHA Shows. Er war dort regelmäßig in den Geldrängen platziert.

Die zweite NRHA-Million gewann Tim leichter, da er außergewöhnliche Pferde ritt – wie zum Beispiel Footworks Finest, der 1998 Open Reserve World Champion und NRHA Derby und Superstakes Reserve Champion wurde.

1982 gewann Tim mit Lu Skipper (Besitzer: Russel Rehbein) seinen ersten NRHA-Titel – die Limited Open Reserve World Championship. 1983 folgte seine erste NRHA Open Bronze Trophy mit Set the Pace (Besitzer: McQuay Stables). Er ist bis heute überzeugt davon, dass ihm dieses Pferd damals zum Durchbruch verholfen hat, da die Leute auf ihn als Trainer aufmerksam wurden. Colleen war natürlich auch für diesen Erfolg mitverantwortlich. „Wir hatten das Pferd zur richtigen Zeit gekauft. Als mir Kenny Eppers eine beträchtliche Summe für dieses Pferd anbot, sagte Colleen zu mir, wir sollten dieses Pferd nicht verkaufen. Wir brauchten zwar Geld, aber vor allem brauchten wir dieses Pferd.“ 1985 wurde Tim mit Mr Boggie Jac (Besitzer: The Jac Pac) Open Reserve World Champion.

Im darauffolgenden Jahr kam ein Pferd in Tims Leben, das sein Leben verändern würde. 1986 wurde Tim mit Hollywood Dun It (damalige Besitzerin war Gwendy Steif) Zweiter in der NRHA Futurity und 1987 gewann er mit diesem Pferd das NRHA Derby und die Superstakes Championship. Durch das Training der McQuays wurde Hollywood Dun It (Mitbesitzerin war Jennifer Easton) im Jahr 2004 der NRHA 4 Millionen Dollar-Hengst. Er half den McQuays, sich als Züchter einen großartigen Namen zu machen, bevor er 2005 frühzeitig verstarb.

Tim liebt es, gute Pferde zu reiten. Hollywood Dun It hatte es ihm ermöglicht, einige solcher guten Pferde zu züchten. Natürlich war es auch dieser Hengst, der mit Tim die 1 Million Dollar-Marke erreichte.

1997 startete Tim bei der Southwest Reining Horse Association (SWRHA) Futurity und war wenige Tausend Dollar unter der 1 Million Dollar-Marke. Die Zuschauer waren an Tim besonders interessiert, da sie von seinem Ziel wussten. – Einige hatten sogar Listen bei sich, auf welchen die Preisgelder vermerkt waren, die Tim bis jetzt gewonnen hatte. Tim startete zwei Pferde in der SWRHA Futurity. Dun Broke The Code (Hollywood Dun It), der in Besitz von John LaBreche war, und Heza Berry Twist (Heza New Twist), in Besitz von Dave Silva. Dun Broke The Code gewann die Futurity. Dann war es Gewissheit. Tim McQuay war der zweite 1 Millionen Dollar-Reiter der NRHA. Die zweite Million gewann er dann etwas leichter – dank dem Pferd Footworks Finest, mit dem er 1998 Open Reserve World Champion wurde, und dem Pferd Miss Tinseltown, mit dem er 1999 Derby Open Reserve Champion wurde. Beide Pferde waren in Besitz von David Silva.

2002 wurde Tim mit Kid Whiz (Besitzer: Bryan Fix) NRHA Open Derby Reserve Champion, 2003 ritt er mit RR Star (Besitzer: Lundin Farm) zum NRHA Open Derby Champion.

Und einmal mehr verhalf ihm ein dreijähriges Pferd zu seinem nächsten Meilenstein – der 2 Millionen Dollar-Grenze. Als Tim bei der NRHA Futurity 2005 an den Start ging, hatte er bereits 1,946.684,30 Dollar an NRHA-Preisgeldern gewonnen. Er war der einzige Reiter, der alle seine drei Pferde bis ins Finale gebracht hatte. Bei dieser Show verdiente er 81.817,31 Dollar an Preisgeldern, dank der Pferde Great King Pine (Earl Be Nimble) mit einem vierten Platz (Besitzer: Guenter Bosner), Hollywood Smart Guy (Hollywood Dun It) mit einem 13. Platz (Besitzer war Tim selbst) und Einsteins Revolution (Einstein) mit einem 24. Platz (Besitzer: Wagner & Vandorp).

Tim kam nach Tioga/Texas als erster NRHA 2 Millionen Dollar-Reiter nach Hause.

Glück im Leben

„Ich bin sehr glücklich. Wir haben einen guten Betrieb und ich habe großartige Pferde, mit denen ich arbeiten kann. Ich habe das Glück, solch eine wunderbare Familie zu haben. Ich liebe meine Frau Colleen und meine Tochter Mandy. Mandy liebt Pferde genauso wie ich. Sie ist mit Tom McCutcheon verheiratet, der auch bei uns im Betrieb arbeitet. Wir haben großartige Kunden, die uns zu Freunden geworden sind.“ Die McQuays pflegen tatsächlich langjährige Freundschaften zu ihren Kunden. „Mein erster Reining Horse-Käufer war Russ Rehbein. Er kauft seit 35 Jahren Pferde von mir. Ich habe lieber selbst einen Verlust, bevor einer meiner Kunden einen Verlust beim Pferdekauf hat.“

Was macht diesen Mann zum Besten in dieser Sparte?

Laut Mandy ist Geduld die größte Tugend ihres Vaters. „Ein guter Trainer zu sein, ist ein von Gott gegebenes Talent. Entweder hat man solch ein Talent oder man hat es nicht. Die Mentalität meines Vaters macht ihn zum großartigen Trainer. Es hat die größte Geduld, die ein Mensch überhaupt haben kann. Nichts bringt ihn aus der Ruhe. Das macht einen guten Trainer aus.“

Was bewundert Colleen an ihrem Mann am meisten? „Ich bewundere Tims Art, alles zu vergeben und zu vergessen und wieder nach vorne zu sehen. Ganz selten ist er schlecht gelaunt. Es kommt kaum vor, dass er kein Lächeln auf den Lippen hat. Er liebt einfach seine Arbeit.“

Wird er jemals in Pension gehen? „Ich glaube nicht, dass Tim jemals in Pension gehen wird.“, sagt Colleen. „Er wird sich vielleicht von der Show zurückziehen, jedoch niemals zu reiten aufhören. Deshalb haben wir uns hier in Tioga aufs Züchten konzentriert. Denn dies können wir auch weitermachen, wenn wir älter sind. Ich hoffe, dass er so wie Jack Brainard auch noch im Alter von 85 Jahren im Sattel sitzt!“ Dies ist der Traum von jedem Reiter.

 

Text: Pat Feuerstein

Übersetzung: Sonja Grünauer

 

Karriere Highlights

 

1982:   Limited Open Reserve World Champion mit Lu Skipper

1983:   Open Reserve World Champion mit Set The Pace

1985:   Open Reserve World Champion mit Mr Boggie Jac

1986:   NRHA Open Futurity Champion mit Hollywood Dun It

            Open Reserve World Champion mit Jacs Little Pine

            Novice Horse Open World Champion mit Spanish Lace

1987:   NRHA Open Derby Champion mit Hollywood Dun It

            Snaffle Bit Reserve World Champion mit Ms Poco Roco Jac

            Open Superstakes Champion mit Hollywood Dun It

1988:   NRHA Open Futurity Champion mit Mr Melody Jac

            Open Reserve World Champion mit Eds Cody

1989:   NRHA Open Derby Reserve Champion mit Tuff Taco Bar

1991:   NRHA Open Derby Reserve Champion mit The Jac Be Nimble

            Open Superstakes Champion mit The Jac Be Nimble

1992:   Open Reserve World Champion mit Mister Slydun Pine

1994:   NRHA Open Derby Champion mit Shining Spark

1996:   NRHA Open Derby Reserve Champion mit Footworks Finest

            Open Superstakes Reserve Champion mit Footworks Finest

1997:   NRHA Million Dollar Rider Award

            NRHA Open Futurity Co-Reserve Champion mit Dun It With A Twist

1998:   Open Reserve World Champion mit Footworks Finest

1999:   NRHA Open Derby Reserve Champion mit Miss Tinseltown

2000:   Aufnahme in die NRHA Hall of Fame

            Open World Champion mit ARC Sparkle Surprise

2002:   NRHA Open Derby Reserve Champion mit Kid Whiz

2003:   NRHA Open Derby Champion mit RR Star

2004:   Prime Time Open Futurity Champion mit Sorcerers Apprentice

            Prime Time Open Futurity Reserve Champion mit Hollywood Downtown

            Futurity Open Gelding Incentive Reserve Champion mit Hollywood Downtown

2005:   Two Million Dollar Rider Award

2006:   Derby Prime Time Open Champion mit Chic Magnetic

            Goldmedaille im Teambewerb bei den Weltreiterspielen in Aachen

            Silbermedaille im Einzelbewerb bei den Weltreiterspielen in Aachen