Berühmte Quarter Horses

Poco Dell

Es war 1952. – Der 26-jährige Jimmie Randals war von wahrem Cutting-Fieber gepackt. Er hatte seinen selbst trainierten Ranch-Wallach Jessie Lee in einem New Mexico Cutting auf den dritten Platz geritten, gegen so prominente Konkurrenz wie Chickasha Mike, geshowt von Buster Welch. Darauf entschied er, dass er ein besseres Cutting-Pferd haben müsste. Alle Leute, die an Cutting interessiert waren, dachten damals automatisch sofort an Poco Bueno.

Da Poco Bueno der unerfüllbare Traum aller Cutter war, trachtete Randals sofort nach einem Sohn dieses Wunderpferdes. – Kein Anderes hätte man ihm verkaufen können.

Der Zufall wollte es, dass Paul E. Waggoner, der Besitzer Poco Buenos, im Sommer dieses Jahres auf seiner 3D Stock Farm eine Auktion für den Nachwuchs seines berühmten Hengstes veranstaltete.

Zwei Wochen vor dem Sale reiste Randals nach Texas, um die angebotenen Pferde sorgfältig zu studieren.

Es war ihm bewusst, dass er gegen zahlreiche, erfahrene Horsemen der Gegend bieten musste. Randals glaubte stark an den ersten Eindruck. Er wusste, dass er wohl kein herausragender Pferdekenner war, doch hatte er sein ganzes Leben mit Pferden zugebracht. Er wusste, was er wollte.

Unter den angebotenen Pferden befand sich ein bemerkenswerter Zweijähriger. Er sah ihn und wusste sofort, dass dieses Tier das Pferd war, das er haben wollte. Randals Wahl fiel auf ein braunes Hengstfohlen von Poco Bueno, aus der red dun-Stute Shady Dell. Das Fohlen war das erste, das diese Stute zur Welt gebracht hatte, und so bestand die Möglichkeit, dass die anderen Interessenten sich eher für Fohlen aus den berühmteren Zuchtstuten der Herde entscheiden würden. Da Randals sein Leben lang mit Rindern zu tun gehabt hatte, beurteilte er auch das Hengstfohlen allein auf seine Fähigkeit, mit Rindern umgehen zu können.

Shady Dell stammte von Pep Up, den die namhafte Waggoner Ranch von der ebenso berühmten King Ranch erworben hatte. Pep Up war sehr jung auf die Waggoner Ranch gekommen und erwies sich bald als idealer Beschäler der selbst gezogenen Waggoner-Stuten, wie Shady Dell eine war. Poco Dells Nachzucht mochte vielleicht nicht alle entscheidenden Merkmale bringen, doch es stand fest, dass er wohl seine tolle Conformation, sein Wesen, seine Lernwilligkeit und seine Fähigkeit zu arbeiten vererben würde.

Poco Buenos Vater, King P-234, wahr wohlbekannt als Erzeuger hervorragender Performance Horses. Er war der Sohn des legendären Zantanon, von Little Joe.

Randals erzählte, dass er immer nur einen Hengst wollte. Er hatte nie eine Stute besessen. Auf seiner Ranch in Montoya, New Mexiko, befand sich ein großer Canyon, gerade südlich des Ranch-Hauses. Man konnte von der Einfahrt aus leicht Weiden einzäunen. Er hatte die vage Idee, nach Poco Dells Cutting-Karriere, so weit dachte er schon, eine Gruppe von etwa fünf Zuchtstuten zu erwerben, um ein paar gute Fohlen unter den natürlichen Bedingungen, die der raue Canyon bot, zu züchten. – Der Zaun sollte nie gebaut werden.

Randals wusste, wie man sich auf eine Auktion klug einstellte, und so setzte er sich ein Limit für den Erwerb von Poco Dell.

Poco Dell kam gleich als Zweiter in den Verkaufsring und erregte sofort großes Interesse bei der Zuschauermenge. Randals bekam es mit der Angst zu tun. Treu seiner Vorentscheidung bot er 2.000 Dollar. Doch damit hatte er keine Chance. Die Gebote stiegen um mehrere hundert Dollar und Randals wollte sich schon um ein kostengünstigeres Hengstfohlen umschauen. Doch er konnte nicht widerstehen. Als der Hammer bei 2.800 Dollar fiel, war er stolzer Besitzer seines Traumpferdes. Man bedenke, dass 2.888 Dollar in den Fünzigerjahren ein verdammt hoher Preis für ein Pferd war, wurden doch die weiteren Top-Fohlen um weit geringere Beträge verkauft.

Am Heimweg zu seiner Ranch machte Randals in Snyder, Texas, Halt, wo er zufällig seinen Vater traf. Er zeigte ihm stolz seinen Neuerwerb. Als er dem Vater den Preis nannte, den er für den Hengst bezahlt hatte, bezeichnete dieser ihn als verrückt und total unzurechnungsfähig.

„Der Preis war wirklich verrückt. Doch es sollte sich bald zeigen, dass er durchaus gerechtfertigt war.“ Der Durchschnittspreis der anderen guten Poco Bueno-Söhne, die bei diesem Sale versteigert worden waren, belief sich auf 500 Dollar. Einige davon wurden Rekordhalter, deren Namen noch heute in aller Munde sind, wie z.B. Poco Deuce, Poco Turp und Poco Bill.

Die Jährlingssöhne Poco Buenos bei dieser Versteigerung wechselten für durchschnittlich 800 Dollar ihre Besitzer. Darunter waren spätere Top-Performer wie Poco Speedy, Poco Line und Poco Mike. Poco Shade, ein Vollbruder von Poco Dell, wurde für bloß für 400 Dollar verkauft und wurde auch ein Spitzenpferd.

Ein weiterer Schwerpunkt der Auktion waren die relativ niedrigen Preise, welche die Töchter Poco Buenos erzielten und die später ebenfalls Top-Performer und -Zuchtstuten werden sollten. Darunter war Patsy Daugherty um 660 Dollar, Poco Doll um 775 Dollar und Poco Red Ant, die gar nur 300 Dollar brachte. Shady Dell, die Mutter von Poco Dell, die zu diesem Zeitpunkt sechsjährig war, wurde ebenfalls verkauft und zwar für 310 Dollar. Poco Tiny, eine Vollschwester von Poco Dell, kam als Absetzer für 280 Dollar unter den Hammer.

Shady Dell zeigte ihren Wert als Zuchtstute, indem sie fünf AQHA Champions gebar: Poco Dell, Poco Willy (auch von Poco Bueno), Poco Deuce Jr. (v. Poco Deuce), Snipper Reed (v. Logas Bobby Reed) und Poco Pep Up (v. Poco Deuce).

Poco Willy und Snipper setzten die Familientradition als gute Vererber fort. Shady Dells Poco Shade und Shady Reed (v. Logan´s Bobby Reed) waren Register of Merit Performer. Ihre beiden anderen Halter Point Earners waren Shady Chic und Shady Van. Sie brachten zusammen 17 gute Fohlen zur Welt.

Der zweijährige Poco Dell gewann seine Halter Class beim New Mexico State Fair, einige Wochen nachdem ihn Randals gekauft hatte. Im folgenden Jahr wurde er beim gleichen Event Grand Champion. Das war der Beginn einer langen Quarter Horse-Zuchtkarriere in New Mexiko, die unter allen Blutlinien die Nummer Eins bedeutete. Randals konnte sich ins Fäustchen lachen, denn die Züchter stürmten ihm geradezu die Bude.

Währenddessen nahm Phil Williams, ein berühmter Old Time Cutting Horsetrainer, Poco Dell 30 Tage lang ins Training und showte ihn ein einziges Mal, wobei er gewann. Danach wurde Poco Dell nur mehr von seinem Besitzer Randals geshowt. Innerhalb von 90 Tagen machte er den Hengst in der Cutting-Arena berühmt und ritt ihn innerhalb dieser Zeit zum AQHA ROM Cutting. Neben seiner Decktätigkeit showte Randals den Hengst immer wieder in Cutting. Er gewann und punktete in fast allen NCHA Events, doch diese waren damals noch viel seltener als AQHA-Veranstaltungen. So schien es, dass die Zukunft Poco Dells doch vorrangig in der Zucht lag.

Poco Dell hatte, als er erwachsen war, während seiner Showkarriere ein Stockmaß von ca. 1,42m. Darum war es umso erstaunlicher, dass manche seiner Nachkommen eine Größe bis zu 1,60m erreichten. „Ich glaube, was ihn so populär machte, war die Tatsache, dass der Typ von Pferden, die er zeugte, noch populärer wurde.“, meint Randals.

Obwohl er im Stall aggressiv gegen jedermann war, war er außerhalb der Unterkunft leicht zu händeln, sowohl am Führseil als auch unter dem Sattel. Nie hätte er draußen gegen jemand geschlagen oder gebissen. Er besaß einen ausgeprägten Bewegungsdrang und rebellierte gegen jegliches Eingesperrtsein.

Randals erstand eine Zuchtstutenherde, wobei er nicht viel Geld investierte, da er bei diesen Tieren eigentlich wenig auf die Blutlinien achtete.

Er kaufte zum Beispiel einfach Stuten von Guy Troutman, der in New Mexico als einer der Foundation Quarter Horse-Züchter bekannt war. Für die Stute Nestora gab er ihm einfach 100 Dollar. Die Stute war nicht einmal ans Halfter gewöhnt, sie war einfach ein altes Wildpferd. Doch sie war eine Tochter von Billy Clegg, und Randals kannte die Familie, aus der sie kam.

Den allergrößten Glanz verlieh Randals Brood Mare Band allerdings Quo Vadis. Für sie hatte Randal 500 Dollar bezahlt. Sie ist heute neben Poco Dell auf Randals Anwesen, nahe dem Wohnhaus, begraben. Sie stammte aus der Miss Circle H III, von Brown Ceasar. Von Poco Dell brachte sie Poco Cercle, eine top Halter- und Performance-Stute.

Quo Vadis stammte zwar nicht direkt von der King Ranch, doch sie führte eine Menge King Ranch-Blut. Sie kam von San Jon (New Mexico) und gehörte ursprünglich Ross Roberts.

Zu Poco Dell und Randals wachsender Zuchtstutenherde, unter der es auch gute Außenseiterstuten gab, kamen bald zahlreiche Quarter Horse- und Cutting-Enthusiasten aus sämtlichen Staaten des Westens. Die geografische Lage war günstig, sodass es auch viele kalifornische Züchter nach New Mexico zog, darunter auch die Nune-Brüder, die gewöhnlich fünf gute Stuten jährlich zum Decken brachten. Von Idaho und von Oklahoma kamen die Züchter angefahren, um an ein Fohlen von Poco Dell zu kommen. So berühmte Stuten wie Mayflower Daugherty, Susette Clapper, Panzarita Daugherty und Native Girl wurden Stammkunden.

Poco Dell jedenfalls hielt das Prestige seiner Blutlinie hoch. Er zeugte 474 AQHA-registrierte Fohlen, darunter 126 Halter Point und 123 Performance Earners.

18 Nachkommen wurden AQHA Champions. Die bekanntesten davon waren Del Tommy, Poco Della, Poco Ra Dell, Poco Dondi, Poco Jeff, Poco Dana, Poco Mickey, Nunes´Poco Joe, Hooky Dell, Poco Honcho und Dell Jiggs. Das verschaffte Poco Dell eine Führungsposition unter den Leading Sires of AQHA Champions.

Tatsache war, dass Poco Dell die Art von Pferden zeugte, die zu seiner Zeit am begehrtesten war. Seine Töchter gebaren später so viele AQHA Champions, dass sie ihren Großvater auch noch zum AQHA Leading Maternal Grandsire of Quarter Horses machten.

Ein Sohn von Poco Dell, Dell Tommy, gewann den Titel AQHA Superior Western Pleasure & Trail Horse. Impressive Dell wurde ebenfalls AQHA Superior Western Pleasure Horse.

Dell Tommy, ein Brauner, aus der Bonnie Benear, einer Stute aus der Troutman-Zucht, wurde 1961 und 1962 AQHA Honor Roll Western Pleasure Horse. 1970 wurde er AQHA High Point Trail Horse. Im nächsten Jahr kam er zurück in den Showring und toppte abermals alle seine Mitbewerber als Honor Roll Trail Horse.

Ein Hengstfohlen namens Poco Mockey, aus der Caseys Golden Sandie, war 1990 High Point Western Pleasure Stallion. Er war, 1955 geboren, aus Poco Dells erster Fohlengeneration. Nach seiner Showkarriere wurde er ein unübertreffliches Cowboy Polo Horse und ging schlussendlich als Trainingspferd für behinderte Kinder in Pension.

Die Poco Dell-Tochter Shady Fawn, aus der Scar Face Fawn, erreichte ihr ROM und Superior in Youth-Klassen.

1972 kam Shady Fawn unter die Top Ten in Reining, Western Riding und Western Horsemanship. Im folgenden Jahr platzierte er sich bei der AQHA World Championship, ebenfalls All Around unter den besten Zehn in Reining, Western Riding und Trail. Elf Poco Dell-Fohlen wurden Superior Halter Horses, darunter Madonna Dell (202! Punkte), Poco Dondi, Judy Dell, Nunes Cameo, Poco Dana, Poco Ra Dell, Hooky Dell, Poco Jeff, Dell Jiggs, Wise Poco und Nunes Debonair.

Einmal nahm er eine Anzahl von Poco Dells Nachkommen auf die Southwestern Livestock Horse Show nach Fort Worth mit. Nachdem er mit seinen Pferden fast alles gewonnen hatte, wurde er von Fagon Miller, dem Verwalter der Paul E. Waggoner Ranch angesprochen. Das Resultat dieses Treffens war, dass die Waggoner Ranch fast alle Pferde, mit Ausnahme von Poco Dondi, der Grand Champion geworden war, aufkaufte. Der Preis belief sich auf ein Vielfaches, was Randals seinerzeit für Poco Dell an Paul Waggoner bezahlt hatte.

Randals behielt für die eigene Zucht die drei Hengste Poco Jeff, Poco Ra Dell und natürlich den höchstprämierten Poco Dondi.

Poco Jeff hatte er bereits während der Show an Bill Stockstill aus Pampa, Texas, verkauft, der mit dem Hengst eine bemerkenswerte Showkarriere in Halter und Cutting machte.

Poco Dondi war aus einer originalen Tochter von King P-234, die Randals von Earl Albin gekauft hatte. Ihr Name war Miss Lady.

Wie Poco Jeff stammte Poco Dondi aus demselben Jahrgang 1956. Eigentlich war er bislang nur als wenig beachteter Nachwuchs-Colt, in Konkurrenz zu seinem berühmten Vater, aus Randals Ranch aufgewachsen. Es fiel dem Rancher schwer, Poco Dondi von den ihn umgebenden Stuten, zugunsten Poco Dells zurückzuhalten, obwohl er sicher war, dass auch der „Kleine“ beste Vererberqualitäten hatte.

Poco Ra Dell war nicht nur ein verlässlicher Sieger in Halter und unter dem Sattel. Auch er war ein Top Sire, der seine Qualitäten auf der Pitzer Ranch in Nebraska unter Beweis stellen konnte, die erstklassige Arbeitspferde züchtete.

Poco Ra Dell stammte aus der Stute Racing McCue, die Im Besitz von J.D. und Elsie Kitchens aus Fort Sumner, New Mexico, stand. Die Kitchens, obwohl beide Lehrer von Beruf, konnten ihre Pferdekenntnis später unter Beweis stellen, als ein Sohn von Poco Ra Dell, namens Real Wind, 1976 die All American Futurity gewann.

Poco Ra Dell hatte auf der National Western Stock Show den Grand Champion Titel gewonnen, bevor ihn Randals verkaufte.

Poco Dana, 1956 geboren, war aus der Dutchie Chub, einer Tochter des berühmten Vererbers Chubby. Sie wurde bereits als Zweijährige Grand Champion der State Fair in Dallas.

Madonna Dell, eine auffallende, schwarze Stute aus der Quo Vadis, gewann insgesamt 202 Halter Points bei so großen Events wie der Houston Livestock Show und stand Grand Champion Mare.

Nach einer langen Karriere, deren Spitze er gerade erreicht zu haben schien, starb Poco Dell 1975 im Alter von nur 25 Jahren ohne jeden Hinweis auf ein körperliches Gebrechen.

Der große, alte Hengst starb – aber nicht sein Ruf!

Noch heute, 40 Jahre später, ist seine Blutlinie gefragt, wie zu seinen Lebzeiten!