Sensationelle Reining Europameisterschaft in Österreich
Ein Event der Superlative – Österreich holt ein Drittel der EM-Titel!
Von 7. bis 9. Juli 2006 ging die Reining EM, die NRHA European Championship, im Western Training Center H & D Schulz in Wr. Neustadt über die Bühne. Da diese EM über zwei aufeinanderfolgende Jahre von der National Reining Horse Association an den selben Veranstalter vergeben wird, kann man für 2007 mit einem noch spektakulärerem Erfolg rechnen, obwohl es schwer fällt, sich eine Steigerung des diesjährigen Topevents vorzustellen!
Hochkarätig waren die Leistungen der Spitzen-Reiner aus elf europäischen Nationen, hochkarätig in jeder Hinsicht waren auch die äußeren Bedingungen dieser EM – so die Aussage der Profi-Richter Victor Clark und Richard Griffith aus den USA und vor allem der anwesenden NRHA-Vorstandsmitglieder, Executive Director Dan Wall, RHSF President Frank Constantini, Sr. Director of Affiliate and Alliance Program Debbie Drinko, Lance Griffin und Marc Wagman, die extra zu dieser Veranstaltung aus den USA angereist waren. Deren Meinung vertraten auch die diversen europäischen NRHA-Abgeordneten. wie Willeke Reijs aus den Niederlanden, Monica Widh aus Schweden, Nick Cornelissens aus Belgien usw.
Begünstigt war die EM auch durch das Traumwetter, das die Regentage der Vorwoche vergessen ließ und bei den 3.000 begeisterten, meist fachkundigen Zuschauern für optimale Turnierstimmung sorgte.
9 EM- und 5 weitere hochdotierte Reiningklassen lösten bei den in- und ausländischen Gästen wahre Begeisterungsstürme aus, die – wie gewohnt gerade bei den Italienern – weder zu überhören, noch zu überbieten waren. Leicht erklärbar, waren doch die Vorstellungen in jeder Klasse nur von höchstem Niveau, da ausschließlich die sieben besten Qualifizierten jeder Nation an den Start gehen durften.
Schon am Donnerstag, zum Zeitpunkt der Eröffnung der Viertages-Show, war ein Großteil der 120 Spitzenpferde beim Paid Warm Up unter dem Sattel zu bewundern, was schon an diesem „Go On“ viele neugierige Fans anzog. Am Abend wurden die Teilnehmer bei einem gemütlichen Empfang auf die bevorstehende EM eingestimmt.
Ab Freitag, dem 07.07., Punkt ½10 Uhr, waren die Richter Victor Clark (USA), Richard Griffith (USA) und Sylvia Katschker (Österreich) bereits bei den NRHA-Klassen Youth 13 and under, Youth 14-18, Rookies und bei den NRHA EM-Klassen Intermediate Open und Intermediate Non Pro im Einsatz.
In der Youth -13 konnte Marie Christin Schranz mit Fritz Leo Tolo den Sieg erreiten, die Youth 14-18 gewann Ruggiero Musacci (I) auf Kays Dun It vor Birgit Schäfer mit Cowboys Dun A Queen.
Die Rookie Class gewann Natalie Peterka auf Jacs Top Lucy.
In der EM Intermediate Open siegte Bernhard Fonck mit One Fine Remedy (B) vor Dennis Schulz mit Smart Rattle Snake auf Platz zwei.
Die EM Intermediate Non Pro ging an Claudia Klucsarits mit Fifty Proof, Zzweite wurde die Belgierin Ingrid H De Pus auf Pride of Pecos, die am Samstag mit einem hervorragenden Ritt den EM-Titel in der Limited Non Pro gewann.
Viele der Teilnehmer nützten die NRHA-Klassen, um sich für die EM 2007 zu qualifizieren.
Während der Freitag Nachmittag frei zum Abreiten für die EM-Teilnehmer und die CRI-Reiter war, trafen sich beim Empfang im VIP-Zelt die NRHA-Gäste (fast der gesamte Vorstand der NRHA USA) sowie AWA/ARHA-Mitglieder, Ausbilder und weitere geladene Gäste aus Wirtschaft und Politik. Aus ganz Österreich waren sie der Einladung von Helmut Schulz gefolgt. So waren einige Reiter der „ersten Stunde“, wie Fam. Jarc, Hnizdo, Chat, Bernhard, Aistleitner, Prohaska, A. Reiter, Kuni, Serro, interessierte Zuschauer der EM.
Die AWA-Obleute mehrerer Bundesländer, wie z.B. Gabriele Gellner (V), Vize Renate Wutte (K), Wolfgang Schöninger (ST), waren gekommen, sowie auch die RichterInnen Daniela Mantler, Hilde und Andreas Jarc, Hannes Gaube, Walter Aistleitner, der Präsident der Austrian Paint Horse Assoc. Franz Vorraber sowie Gerold Dautzenberg, Präsident der Austrian Quarter Horse Assoc. und viele mehr. Halb Niederösterreich, Wien und das Burgenland waren vertreten, was beim Aufzählen der Anwesenden den Rahmen dieses Artikels sprengen würde.
Das CRI, das anschließend an die NRHA-Bewerbe stattfand, wurde leider zugunsten der EM bezüglich Starterzahlen geschmälert. Ursprünglich wollten auch die österreichischen WEG-Starter in diesem Bewerb antreten, entschieden sich dann aber zur Schonung der Pferde, und um zumindest am Kampf um die EM-Titel antreten zu können, gegen einen Start. So ging bei nur vier Startern der Sieg an den Tschechen Lukas Jirak mit SR Sweet N Low.
Ab 21 Uhr war Feiern angesagt. Bei Livemusic mit der Band Four Of A Kind ging´s rund. Es wurde Wiedersehen gefeiert, neue Kontakte wurden geknüpft oder einfach nur der Musik gelauscht. In bester Stimmung mischte sich der Vorstand der NRHA-USA unter die Reiter und Gäste und zeigte, dass auch die US-Bürger keine Kinder von Traurigkeit sind. Bis in die frühen Morgenstunden hielt der harte Kern aus.
Samstag am Morgen, ab 9:30 Uhr, startete der EM-Bewerb Youth –13, den Mario Pokornik mit Lenas Top Jac vor der Französin Emilie Laversin auf Haidas Cowgirl für sich entscheiden konnte.
Beim anschließenden Bewerb Youth 14-18 konnte sich die junge Holländerin Ilona Vet mit BH Smoken Lady den EM-Titel vor der Schwedin Camilla Pantzar mit Remedy For An Oscar holen.
In der Limited Non Pro konnte Österreich durch Sarah Koo und Smart Pepo einen dritten Platz verbuchen.
Anlässlich des Jahres der Jugend der NRHA wurde auch ein Youth Team Cup durchgeführt. Jeweils ein Reiter aus der Youth 13 & under und zwei Teilnehmer aus der Youth 14-18 wurden länderübergreifend in ein Team gelost. Gewinner dieses Cups war das Team "Shawn Flarida's Group" mit Mariska Hak/NL, Ricarda Lisec/A und Ilona Vet/NL.
Nach dem VIP-Empfang am Nachmittag, der wieder sehr gut besucht war und durch Elvis- und Marilyn-Imitatoren für zusätzliche Unterhaltung sorgte, konnte man die ersten Spekulationen für die Highlights hören. Bei einer Stimmung, die knapp vor dem Siedepunkt war, starteten die Bewerbe Non Pro und Open. Beide wurden sozusagen als Vorläufe für die am Sonntag stattfindenden Europameisterschaftsbewerbe genützt. Schon in der Non Pro wurden die Nerven der Zuschauer fast zum Bersten gebracht. Ein Tie am ersten Platz (zwei Reiter mit Score 217) brachte nach Rücksprache mit den Reitern einen Run Off. Piet Mestagh (B) und Manuel Bonzano (I) mussten in einem weiteren Ritt um den ersten Platz kämpfen. Piet Mestagh konnte nach einen abermals ausgezeichneten Ritt mit SR Lil Peppy Sprat den EM-Titel für sich entscheiden.
Beim Endbewerb des Tages, der NRHA Open, gab es dann für die Zuschauer kein Halten mehr. Jurgen Pouls (B) setzte mit Tabasco Tari und einem Score von 229,5 die Latte hoch und gewann die für die diesen Bewerb ausgesetzte Lawson Trophy. Den 2. Platz belegten ex aequo Lil Dry Peppy mit Rudi Kronsteiner (225,5) und Elvis Peppy Taco unter Dario Carmignani (225,5) aus Italien.
Nach dem letzten Bewerb waren die Richter aus den USA froh, endlich entspannen zu können. Teilweise waren selbst sie vor lauter Begeisterung kaum mehr auf ihren Sitzen zu halten. „Mit Reining auf diesem Niveau kann Europa stolz auf sich sein. Es braucht den Vergleich mit Amerika nicht zu scheuen!“ – So das Argument für ihre Temperamentsausbrüche!
Bei Musik, wieder mit der bewährten Gruppe Four Of A Kind klang der Abend schwungvoll und nicht weniger heiter als am Vortag aus.
Sonntag, der Tag der ultimativen Highlights, und mit einem Beginn, mit dem keiner gerechnet hatte, begann wieder pünktlich um 9:30 Uhr.
Erster Bewerb war die EM Rookie mit 13 Startern. Die Klasse schien mit Susie Baeck mit Gumps Haidas BB auf dem zweiten Platz und Marc M. Andries mit Diamond Lynnea als Sieger fest in belgischer Hand zu sein.
Was Richter und Zuschauer doch tatsächlich von den Sitzen riss, war der Score von Marc Andries. Mit seinen 220,5 Punkten hätte sich der Einsteiger mit sämtlichen Profis messen können. Diesem jungen Mann steht wirklich eine große Zukunft im Reiningsport ins Haus!
Mit der Limited Open stand ein weiterer spannender Bewerb auf dem Show-Programm. Auch hier waren die Leistungen sehenswert und durchaus ausgewogen. Max Mammel auf Snappy Lena Too konnte mit 219 sehr respektabel scoren und musste sich nur knapp Bernhard Fonk mit Custom Wrangler (B) geschlagen geben, der mit 220 Top Score ritt und damit seinen Mitbewerber auf den zweiten Platz verweisen. Sein Siegpreis war, wie übrigens in jedem EM-Bewerb, ein prächtiger Trophy-Sattel, nebst Championatsbuckle und einer Kaffeemaschine, gesponsert von der Firma Nespresso („a cup of coffie is everytime welcome“).
Max Mammel konnte sich über einen attraktiven Co-Champion Headstall und ein von Samsung gesponsertes Handy freuen.
Die Drittplazierten erhielten jeweils diverses Pferdezubehör wie Skidboots, Shinboots etc. (Sponsor Classic Equine).
Für die 15 Teilnehmer der NRHA Non Pro schlug um 13:30 Uhr die große Stunde. Geritten wurde das NRHA Pattern Nr. 6 , das mit je vier Spins nach rechts und links, zwei schnelle und einen langsamen Zirkel nach links vorschreibt, nach dem Galoppwechsel sind je zwei schnelle und ein langsamer Zirkel nach rechts vorgeschrieben. Nach dem neuerlichen Wechsel ist nach dem schnellen Zirkel links ein Rundown über den Mittelmarker mit Sliding Stop und Rollback gefordert; Fortsetzung findet das Pattern nach Bahnumrundung mit dem selben Manöver an der anderen langen Seite, wonach ein neuerlicher Rundumritt mit anschließendem Sliding Stop nach dem Mittelmarker und Rückwärtsrichten erfolgt. So weit – so gut.
Umgesetzt wurde dieses Pattern optimal wiederum Piet Mestagh auf SR Lil Peppy Sprat (B) vor Olga Hofmann auf Keen Little Katie (D). Die Scores von 219,5 für den Sieger und 219 für die Zweitplatzierte konnten sich durchaus sehen lassen und forcierten den Publikumsapplaus.
Um Punkt 15:30 Uhr starteten die Profis im NRHA EC Open-Bewerb. Jetzt war die Spannung wirklich nicht zu überbieten, ging es doch um den Hauptbewerb der Show. Mit Reitern wie Jurgen Pouls, Rudi Kronsteiner, Dennis Schulz, Dario Carmignani, Bernhard Fonck, Chuck Klipfel, Vern Sapergia und weiteren Profis ging es nicht nur um viel Geld, sondern um den Ehrentitel des NRHA European Champions, der höchsten Auszeichnung, die in diesem Sport in Europa möglich ist.
Mit durchwegs ausgezeichneten Ritten zeigten die Profis, was Sache ist. Die Richter waren mit einer Begeisterung dabei, die man normalerweise kaum zu spüren bekommt. Atemberaubende Stops, Runs, Rollbacks, Speed Controls und Spins rissen die Zuschauer regelrecht von den Sitzen. Die Favoriten wurden mit Gejohle, schrillen Pfiffen und frenetischem Geschrei angefeuert. Das NRHA Pattern Nr. 5 verlangte den Bewerbern das Letzte ab.
Die Bewertung der Richter erfolgte bemerkenswert gleichmäßig. So wollen wir uns bei den folgenden Scores auf US-Judge Victor Clark beziehen, da alles andere zu weit führen würde.
Als erster der 12 qualifizierten Bewerber ging KS Whizaway unter Ton De Rooy (B) an den Start. Er zeigte zwar einen ausgeglichenen Ritt, schied aber mit einem 0-Score aus.
Zweiter Starter war Okies Rosa List aus England, vorgestellt von seiner Reiterin Jeanine March. Mit guten Spins, doch ohne weitere Höhepunkte, kam sie auf eine 71 und damit auf Platz 9.
Jetzt brodelte es im Publikum, denn Spaceship Commander, einer der Favoriten, präsentiert von Rudi Kronsteiner, kam in die Arena. Der Superstar punktete unter dem Jubel der Zuschauer bei jedem Manöver mit 1 oder ½. Trotzdem bedeutete der Score von 75,5, was vorerst schon nach Sieg roch, „nur“ Platz 3.
One Fine Remedy, geshowt von Bernhard Fonck (B), scorte exzellent mit 74,5, was ihm den 4. Platz einbrachte.
Als nächster Starter erschien Sprattin, geritten von Chuck Klipfel. Er showte fehlerfrei und erreichte mit einer 73 den 5. Rang.
Freckles Pancho Jac aus Ungarn, vorgestellt von Reka Kis, brachte es mit einer sauberen Leistung und 70,5 Score auf den 6. Rang.
Nun ritt Lokalmatador Ninjajac Hollywood in die Bahn. Er erntete jeweils Pluspukte von 1 oder ½, hatte aber eine Unreinheit beim Rollback im 6. Manöver und musste sich so mit einem 73,5 Score und damit Platz 7 zufrieden geben.
Whiz Me Luck aus den Niederlanden unter Peter Simons kam mit einer glatten 70 auf den 8. Rang.
Ein weiteres Pferd aus den Niederlanden, Tabasco Tari, geritten von Jurgen Pouls, zeigte eine beispiellose Leistung, die ihm mit 76 Highscore und den 1. Platz in diesem sensationellen Bewerb einbrachte.
Er hatte aber die Rechnung ohne Rudi Kronsteiner gemacht, der mit Lil Dry Peppy als letzter Bewerber startete. Rudi holte aus dem Pferd alles heraus, was Lil Dry Peppy, in italienischem Besitz, zu bieten hatte. So konnten die Richter nicht umhin, ihm ebenfalls ein 76 zu geben. Der Gesamtscore aller drei Richter betrug 228 Punkte.
Im Tie entschieden die beiden Sieger sowie der NRHA-Vorstand, wegen der extrem hohen Temperaturen zugunsten der Pferde auf ein Stechen zu verzichten. Die beiden Sieger teilten sich sportlich den Sieg dieser NRHA European Championship Open.
Vern Sapergia auf Golden Mc Jac, auf den seine Fans große Hoffnung setzten, wurde leider von den Richtern wegen eines Spinfehlers disqualifiziert und mit 0-Score aus der Wertung genommen. Ebenso erging es Ton de Roy mit KS Whizaway aus den Niederlanden.
Rückblickend muss man sagen, dass diese Veranstaltung nichts zu wünschen übrig ließ. Es gab Unterhaltung, Spannung und Pferdematerial, wie man es sonst selten in Europa sieht. Ritte in einer Qualität, die Richter und Zuschauer beeindruckten und begeisterten.
Zum Abschluss des Events wurden die Nationenwertungen verkündet. Österreich gewann mit 209,5 Punkten vor Belgien mit 154 und Holland mit 113 Punkten.
2007 wird die NRHA Europameisterschaft wieder im WTC H & D Schulz stattfinden. Mit hoffentlich noch mehr Pferden, mehr Nationen und der gemeinsamen Begeisterung für den Reiningsport.