Horseman´s

 

Bill Horn / One Man´s Trash...

 

Ursprünglich als farbliche Ausschussware gesehen, hat Bill Horns Familie mit solchen Paint Reining Horses bewiesen, dass es sich um wahre Schätze handelt.

 

Vor 31 Jahren betrachtete der legendäre Pferdetrainer Bill Horn aus Cable/Ohio das vierbeinige Dilemma, das vor seinen Augen gerade von seiner Mutter gesäugt wurde. Es war nicht so, dass dieses neugeborene Fohlen nicht hübsch war. Sie war eine Tochter eines jungen Quarter Horse-Hengstes, der der einflussreichste Zuchthengst aller Zeiten werden sollte. Ihre Mutter war Horns eigene aus sehr guter Zucht stammende Show-Stute. Als er so dieses junge Pferd betrachtete, war er sich sicher, dass dieses Pferd alle physischen Merkmale für eine athletische Karriere hatte. Offensichtlich hatte das Pferd keinen Mangel.

 

Niemand wollte sie registrieren

„Dieses Fohlen war das erste, das ich selbst züchtete.“, erzählt Horn. „Little Miss Hank, ihre Mutter, war überhaupt das erste Pferd, das ich je besessen hatte. Ich trainierte und startete Miss Hank über mehrere Jahre in Cutting-Bewerben und 1966 ließ ich sie von Mr. Gunsmoke decken. Im folgenden Frühling bekam ich ein nettes Sorrel-Fohlen, das sowohl auf allen Beinen als auch am Bauch weiße Abzeichen hatte. Die American Quarter Horse Association wollte das Fohlen nicht registrieren, weil es zu viele weiße Abzeichen hatte und die American Paint Horse Association begründete ihre Ablehnung damit, dass das Fohlen zu wenig weiße Abzeichen hatte. So stand ich nun mit einem gut gezüchtetem hübschen Fohlen da, das von keiner Association akzeptiert wurde. Ich erzählte einem Freund, dass niemand mein Fohlen registrieren wollte und dass die Kleine sozusagen eine Ausschussware war – und so nannte ich sie Miss White Trash.“

 

Keine Show

1970 war die National Reining Horse Association (NRHA) im Anfangsstadium. Horn war von Anfang an daran beteiligt. 1965 kämpfte er bei einer AQHA Show in der Reining-Klasse mit zwei anderen Teilnehmern um den Sieg. Dieser Kampf veranlasste die Richter, ein schwierigeres Pattern zu erstellen und dadurch entstand die Gründung der NRHA.

Der größte NRHA Event bis heute ist die Reining Futurity der 3-jährigen. Überzeugt von den Fähigkeiten von Miss White Trash beschloss Horn, die Stute 1970 in der Futurity zu starten. Zu seiner Bestürzung wurde ihm mitgeteilt, dass dieses Pferd keine Startberechtigung hatte. Leider war Miss White Trash genau dieses Jahr 3-jährig und genau in diesem Jahr war die Futurity nur für registrierte Quarter Horses ausgeschrieben. „Sowohl ihr Vater als auch ihre Mutter waren gute Cutting-Pferde, daher beschloss ich, die junge Stute im Cutting zu trainieren und sie in der National Cutting Horse Association (NCHA) Futurity in Fort Worth/Texas zu starten.“  Bei der NCHA Futurity erreichte Miss White Trash den respektablen 5. Platz von 220 Teilnehmern. Ironischerweise wurde sie dann aufgrund dieser Leistung von der APHA zur Registrierung zugelassen. Horn startete seine Stute in den folgenden Jahren bei einigen NCHA-Bewerben und gewann mit ihr über 10.000 $ an Preisgeldern. Horn gewann mit Miss White Trash auch in einigen offenen Bewerben noch weitere 13.000 $. 1992 wurde die Stute in die NRHA Hall of Fame aufgenommen.

 

Eine lebende Legende

Bereits vor der Zeit mit Miss White Trash hatte sich Bill Horn einen Namen als Reining Horse Trainer gemacht und ist dadurch zur Legende geworden. Er war der erste Reiner, der insgesamt ein Preisgeld von 1 Million Dollar gewonnen hat – einen Meilenstein, den er im Dezember 1994 erreichte. In der Zeit von 1966 bis 1994 qualifizierte er in 28 NRHA Futuritys mindestens ein Pferd pro Jahr für das Finale und 22 Mal ritt er dabei die Pferde bis in die Top 5. Vier Mal gewann Horn die NRHA Futurity Championship und er wurde 6 Mal Reserve-Champion. Weiters gewann er 4 NRHA Maturity/Derby Championships, zwei Superstakes und drei Lazy E Classic Championships.

 

Bild 3:

Mit einem NRHA Futurity-Rekord, der 4 Championships und 6 Reserve Champion-Titel beinhaltet, hat Bill Horn große Erfahrung. Deshalb kann er auch die 3-jährige Trashadeous-Tochter mit dem Namen Miss Royal Trash als eines der interessantesten Pferde, die er jemals geritten ist, bezeichnen.

 

Er startete drei verschiedene Pferde in den NRHA Open World Championships und brachte sieben Pferde in die NRHA Hall of Fame. Nach seinen vielen Erfolgen beschloss er, Miss White Trash als Zuchtstute einzusetzen. Sein Ziel war, die besten Reining Pferde überhaupt zu züchten.

 

Königliches Reining

1977 ließ er Miss White Trash von Docs Lynx Sohn Mark Him High decken. Im folgenden Frühjahr kam ein dun Overo-Fohlen mit dem Namen Mr. White Trash zur Welt. Nachdem er gelegt wurde, kristallisierte sich heraus, dass dieses Pferd kein Show-Pferd werden würde.  Einer von Miss White Trashs Fohlen wurde Horns Quarter Hengst Be Aech (Abkürzung „B H“) Enterprise. „Ich startete ‚BHs Mutter Enterprise Lady für verschiedene Besitzer.“, erinnert sich Horn. „Sie war ein großartiges Reiningpferd, das zwei Mal die Open Reining beim Congress gewinnen konnte.“

Lady Enterprise startete lange Zeit sehr erfolgreich und kam somit auch in die NRHA Hall of Fame. 1974 entschied Horn, diese Stute für seine Zuchtstutengruppe zu kaufen. Im selben Jahr ließ er sie von Squaw Leo, einem von King P-234 Sohn (Besitzer LeRoy Hetz) decken. – Be Aech Enterprise war das Ergebnis. „BH war ein großes Pferd. Ich startete ihn 1978 bei der Futurity und wir erreichten den dritten Platz. Im folgenden Jahr wurden wir NRHA Open Reserve Champion. Er gewann mehr als 20.000 $ und wurde auch in die NRHA Hall of Fame aufgenommen.“ 1981 ließ Horn Miss White Trash das erste Mal von Be Aech Enterprise decken und 1982 kam eine sorrel Overo-Stute mit dem Namen Im Not Trash zur Welt, die später 13.000 $ in NRHA-Bewerben gewann. Danach kam Patrasha, eine solid Chestnut-Stute, die 1985 geboren wurde. 1988 wurde sie in der Futurity Dritte und gewann danach die Open Reining beim Congress und mehr als 38.000 $ bei NRHA-Bewerben. Das letzte Fohlen dieser beiden Eltern kam 1987 zur Welt. Es war ein sorrel Overo-Hengst und dieser wurde, wie Horn es ausdrückte „das großartigste Reining-Pferd, mit dem ich jemals zusammengearbeitet habe“.  Seine Name war Trashadeous.

 

Eine Symphonie mit Stil

„Meine Frau Kim und ich wussten bereits sehr früh, dass Trashadeous etwas ganz Besonderes ist. Kim benannte ihn nach dem Film Amadeous, der vom Leben des Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart handelt. Als Jungpferd war er bereits sehr hübsch und vor allem sehr talentiert. Wenn man etwas von ihm verlangte, bemühte er sich, seine beste Leistung zu bringen. Vor allem war er sehr einfühlsam. Bis zum Frühling, in dem er 3 Jahre alt wurde, ritt ich ihn sogar ohne Sporen. Davor wäre es für mich wohl schwierig gewesen, auf ihm sitzen zu bleiben, sobald ich ihn mit dem Sporen berührt hätte.“ Als Trashadeous 2 Jahre alt war, verkaufte ihn Horn an seine langjährigen Freunde Mitch und Debbie Zuckerman aus North Salem/New York. 1990 startete er den Hengst in der NRHA Futurity. Der farbenprächtige Hengst wurde dort Reserve Champion mit einem Abstand von einem halben Punkt zum Sieger. Nach der Futurity erlitt er jedoch eine schwere Kolik und daher konnte er den Rest des Jahres nicht mehr gestartet werden. Als er dann als 4-jähriger in das Turniergeschehen zurückkam, war er in Reining-Bewerben besser denn je. „Als 2- bis 3-jähriger war Trash ein sehr nervöses Pferd. Im Alter von 4 Jahren war er bereits ruhiger und stand mit losem Zügel völlig entspannt in der Arena. Wenn es dann mit der Vorführung los ging, war er voll bei der Sache. – Er liebte diese Arbeit.“

Wenn man Horn fragt, was der beeindruckendste Reining-Bewerb war, den er je mit diesem Pferd geritten ist, dann erwähnt er seinen Siegesritt 1992 bei den Lazy E Clasic Open in Guthrie/Oklahoma „Die Arena in Lazy E war für ein Pferd wie Trash sehr angenehm angelegt. Sie ist groß, genauso wie Trash. Damit meine ich, dass Trash bei der Arbeit immer sehr viel Power hat. In einer kleineren Arena haben wir bei lockeren Wendungen ein wenig Platzprobleme.“

Bei NRHA Reining-Bewerben gibt es mehrere Manöver, die unabhängig voneinander bewertet werden. Ein Pferd kann dabei in einem Rahmen von minus 1½ Punkten bis plus 1½ Punkten pro Manöver bewertet werden. Bei NRHA-Bewerben, wo drei Richter gleichzeitig werten, gilt jede einzelne Richterwertung als ein Drittel der Gesamtwertung. – Eine durchschnittliche Bewertung wäre 210 Punkte, eine sehr gute Bewertung würde 240 Punkte bringen. Bei seinem ersten Start 1992 im Lazy E Classic Open erhielt Horn mit Trashadeous einen Score von 229. Im Finale erhielt er dann 230 Punkte und ließ ein großes Starterfeld mit einem Abstand von mindestens 10 Punkten hinter sich. Zusätzlich zu ihrem Erfolg beim Lazy E konnten Horn und Trash auch noch das NRHA Derby, das Superstakes, das NRHA Saddlesmith und das Congress Open gewinnen.

Trashadeous wurde 1993 in Pension geschickt und hatte bis zu diesem Zeitpunkt bereits Preisgelder von 109.000 $ verdient und in die NRHA Hall of Fame aufgenommen.

 

Zucht-Schema

Aufgrund der Tatsache, dass Trashadeous von einem der bekanntesten Trainer trainiert wurde und mit diesem von Sieg zu Sieg ritt und in seinem Pedigree eine große Anzahl an erfolgreichen Pferden aufschienen, stand seiner Zuchtkarriere nichts im Wege. Er war ein Paint-Hengst mit wenig Abzeichen. Die Quarter Horse-Züchter konnten sich anfangs jedoch nicht damit anfreunden, den Hengst als Zuchthengst einzusetzen und nur wenige Top-Züchter buchten Trash als Zuchthengst. Da er nur in NRHA-Bewerben gestartet wurde und dort erfolgreich war, wurden auch die Paint-Züchter erst sehr spät auf ihn aufmerksam. Diese beiden Fakten trugen dazu bei, dass es nur 19 registrierte APHA-Nachkommen von ihm gibt.

 

Olympische Träume

„Vor den Olympischen Spielen in Atlanta/Georgia wurde ich von der NRHA informiert, dass die AQHA eine Anzahl von Startern sponsern würde, damit dort die Talente von Quarter Horses unter Beweis gestellt werden könnten. Die AQHA kontaktierte die NRHA und ersuchte sie, Namen von Pferden und ihren Reitern bekannt zu geben, die als Vertreter in der Reining entsendet werden sollten. So fragte mich die NRHA, ob ich auf Trash mein Können zeigen wollte. Ich sagte zu und holte Trash aus seinem Ruhestand zurück und begann ihn wieder aufzutrainieren. Kurze Zeit später informierte mich die NRHA, dass sie von der AQHA eine Zusage betreffend meiner Vorführung erhalten hatte, jedoch hatten sie ein Problem damit, dass ich diese auf einem Paint Horse reiten würde. Sie meinten, dass ein Mann meiner Qualifikation problemlos ein Quarter Horse zur Verfügung gestellt bekommen würde. Ich hatte ja Verständnis, denn schließlich investierte die AQHA viel Geld, um bei den Olympischen Spielen Werbung für ihre Pferderasse zu machen. Doch dadurch wurden auch wieder alte Wunden aufgerissen, denn ich erinnerte mich an die Geschichte mit meiner Stute Miss White Trash. Also teilte ich ihnen mit, dass ich mich zwar geehrt fühlte, solch eine Vorführung zu reiten. – Nur wenn mein Pferd dafür nicht als gut genug angesehen würde, dann würde ich eben nicht zu Olympia fahren – obwohl wir dort sicherlich ein Hit gewesen wären.“

 

Dem schwachen Start von Trashadeous Zuchtkarriere folgte eine ansteigende Popularität in den folgenden Jahren. „Seine Fohlen sind heute alt genug, um bereits geritten zu werden. Kim startete eine 3-jährige Tochter von ihm bei einem NRHA-Bewerb letztes Jahr und die beiden waren sehr erfolgreich. Mittlerweile hat die Stute bereits 11.000 $ an Preisgeldern gewonnen.

 

Trash-Attacke

Was die Zukunftserwartungen  von Trashadeous betraf, wurden die Horns ein bisschen überrascht. „Kim und ich hatten sich über Trashs Zukunft einige Gedanken gemacht. Er ist absolut das am besten gezüchtete und ausgezeichnetste Pferd, das ich je hatte. Nun ist die Öffentlichkeit zu langsam, um zu begreifen, welches Zuchtpotenzial er hat. Es war eine sehr frustrierende Situation für uns und wir beschlossen, mehr mit Nachdruck an seiner Zuchtkarriere zu arbeiten.“

Erstaunlich war, dass Trashadeous trotz Horns Plänen nochmals in das NRHA-Geschehen zurück kehrte, was natürlich nicht ungefährlich war. „Wir wussten, dass sich manche Menschen wundern würden, wenn Trash von seinem Ruhestand wieder ins Turniergeschehen zurückkehrt. Aus einigen verschiedenen Gründen entschieden wir uns dazu. Der erste Grund war, dass Trash noch relativ jung war. Er wurde nie hart gefordert und stammt aus einer Züchtung, in der die Pferde sehr langlebig sind. Der zweite Grund war, dass ihm der Ruhestand nicht gut tat. Er machte uns dabei mehr Sorgen, als wenn er im Training war. Schließlich entschieden wir uns, Trashs Zuchtkarriere mehr in Richtung Paint-Zucht zu lenken. Durch die Rückkehr ins Turniergeschehen wollten wir ihn wieder etwas bekannter machen – vor allem in der Paint-Zucht. Um ihr Zuchtziel zu verwirklichen, stockten die Horns ihre Zuchtstutengruppe mit einigen Paint-Stuten auf. Mit Wehmut dachten sie daran, dass sie die daraus hervorkommenden Jungpferde irgendwann an andere Menschen weitergeben müssten. „Wir verkauften ein 2-jähriges Trash-Fohlen an Clint Haverty aus Krum/Texas. Clint plante, mit dem Pferd so weit zu kommen, wie es die physischen Vorraussetzungen des Tieres erlaubten - um den anderen Leuten zu zeigen, was ein Pferd aus dieser Züchtung alles leisten konnte. Wir sind auch von einigen anderen Trash-Töchtern überzeugt. In Zusammenarbeit mit den Zuckermans haben wir einen Sohn von Smart Little Lena mit dem Namen Little and Loud gekauft. Wir haben vor, ihn in Cutting- und Reining-Bewerben vorzustellen und die Trash-Tochterstuten dann von ihm decken zu lassen. Dieses Pferd hatte eine besondere Chrom-Farbe und wir wollten sehen, wie dieses Farbkombination mit einer Kreuzung mit der Trash-Linie aussehen würde.“

Horn war sein ganzes Leben lang ein loyaler Mensch. Er war seinen Freunden gegenüber loyal und genauso war er dies bei seinen Pferden. „Wie man weiß, sehen manche Leute diese Pferde als Ausnahmeerscheinungen, die nicht in eine fixe Schublade eingeordnet werden können. Das macht mir jedoch nichts aus. Ich sehe in ihnen die gut gebauten Athleten und exzellenten Show-Pferde, die sie auch tatsächlich sind. Natürlich wäre es mir lieb, wenn die anderen Leute meine Pferde auch akzeptieren würden. Aber ich denke nicht daran, deswegen meinen Weg zu ändern, denn ich züchte und trainiere diese Zuchtlinie nur aus einem einzigen Grund: Für mich sind sie kein weißer Mist, sondern meine Pferde.“