Namibia
Namibia � ehemals Deutsch-S�dwestafrika am Wendekreis des Steinbocks � liegt zwischen Angola und Zambia im Norden, Botswana im Osten und S�dafrika im S�den am, in dieser Region, kalten Atlantik. Kalt deshalb, weil hier der aus der Antarktis kommende Benguelastrom auf die K�ste trifft. Das hat die kuriose Situation zur Folge, dass man hier am s�dlichen Wendekreis nur wenige Tage im Jahr, rund um Weihnachten, im Meer entspannt baden kann.
Das Klima an der K�ste ist moderat und zieht immer mehr deutsche Pensionisten zum �berwintern hierher. Deutsche deshalb, weil Namibia das einzige Land Afrikas ist, das eine relativ gro�e deutschsprachige Population (ca. 20.000 Menschen) aus der Kolonialzeit erhalten hat. Die ersten waren Handwerker und Bauern und kamen zu Beginn des vorigen Jahrhunderts als Siedler mit gro�en Dampfschiffen aus dem Norden Deutschlands. Von der K�ste durchquerten sie eine der trockensten W�sten der Erde, die Namib, auf der Suche nach fruchtbarem Farmland.
Die Folge waren mehr oder weniger problematische Begegnungen mit den jeweiligen ortsans�ssigen, schwarzen V�lkern. Viele lokale Vertr�ge �ber Grund und Boden wurden unter oft eigenartigen Umst�nden abgeschlossen. So bekam ein �rtlicher Dorfkaiser einen schicken, deutschen Anzug f�r Land von der Gr��e Wiens. Andere, wie z.B. die Hereros oder Namas (in �lteren Geschichtsb�chern lauern sie noch als gef�hrliche Hottentotten auf wei�es Fleisch) wollten diesen Handel oft nicht mitmachen und wehrten sich. Zu ihren Ungunsten. In blutigen Schlachten wurden sie �umgestimmt�. Heute noch verhandelt die namibische Regierung mit der Deutschen �ber Reparationszahlungen. Und die ortsans�ssigen, deutschst�mmigen Siedler verweisen auf Vertr�ge ihrer V�ter.
Neben dieser deutschen Volksgruppe leben noch ca. 60.000 Englisch und Afrikaans Sprechende Wei�e im Land. Sie kamen nach den Deutschen aus S�dafrika als Beamte und Siedler. So sind heute 90% des Landes in der Hand von 10% der Bev�lkerung. Dass das nicht unproblematisch ist, konnte man in den letzten Jahren in Zimbabwe sehen.
Die namibische Regierung hat aus dem wirtschaftlichen Niedergang des Nachbarn nach Vertreibung der Wei�en offensichtlich ihre Schl�sse gezogen. Man ist derzeit bestrebt, im Zuge einer umfassenden Landreform die Gewichte neu zu verteilen, ohne die Wirtschaft dabei zu ruinieren.
Das Land ist zum gr��ten Teil Steppe oder Halbw�ste mit Niederschl�gen von h�chstens 50 mm an der K�ste bis maximal 600 mm im Norden. Der Landesdurchschnitt liegt bei 300 mm. Und dieser Regen f�llt nur zwischen Dezember und M�rz. Den Rest des Jahres ist der Himmel strahlend blau.
Dementsprechend gro� ist der Bedarf an Land pro Rind oder Pferd. Kann man bei uns pro Hektar zwei Pferde halten, braucht man in Namibia je nach Gegend 20 bis 100 Hektar. Daraus ergeben sich Farmgr��en von durchschnittlich 10.000 ha. Diese Fl�che ist zur G�nze von Z�unen durchzogen, um damit ein optimales Weidemanagement durchf�hren zu k�nnen. Der Wert einer Farm ergibt sich aus dem durchschnittlichen Niederschlag, der Zahl der Wasserl�cher (Wasser wird aus 100 Meter Tiefe hochgepumpt) und dem Zustand der kilometerlangen Z�une.
Die Hauptarbeit auf solch einer Farm ist die Instandhaltung der Wassersysteme. D�mme sollen den Regen des Sommers f�r einige Zeit konservieren. Die Brunnen werden meist von noch mechanischen Windr�dern betrieben. Langsam setzen sich auch Solarsysteme durch. Noch sind sie meist zu teuer.
Das zweite Gro�projekt einer Farm sind die Z�une. Diese werden jahraus jahrein von zwei bis drei Mann in Stand gehalten. Sie sind 1,10 Meter hoch, aus f�nf Dr�hten zwischen Pf�hlen (Abstand ca. 30 Meter) gespannt, die dazwischen mit �sten oder alten Hartplast-Wasserschl�uchen als Schwebepf�hle in Form gehalten werden. Wild kann diesen Zaun m�helos �berspringen. Warzenschweine und andere kleinere Typen gehen unten durch.
An den Z�unen erkennt man auch den jeweiligen Typ einer Farm.
Urspr�nglich wurden Rinder, Schafe und Ziegen gehalten. Hier reicht der einfache Zaun.
Die Farmerei ist aber in der heutigen Zeit, die auch in dieser Gegend Einzug gehalten hat, nicht mehr wirtschaftlich. Immer mehr Farmer entschlie�en sich daher, G�ste aufzunehmen und Foto- oder Jagdsafaris anzubieten. Hier sind die Z�une doppelt so hoch, oft auch in Doppelreihe bei besonders wertvollem Wildbestand, der bodennahe Teil ist nochmals mit feinmaschigem Draht gesch�tzt.
Man kann zur Jagd stehen wie man will � aber in Namibia ist sie ein wesentlicher Wirtschaftszweig. Ein Jagdgast aus dem Norden ist bereit (warum auch immer) viel Geld zu bezahlen, dass er hier afrikanisches Wild schie�en darf. Ein Beispiel: Der Farmer bezahlt seine Landarbeiter zum Teil in Naturalien, also mit Fleisch. Fleisch vom Wild auf seiner Farm. Der �J�ger� bezahlt f�r ein Zebra (das ohnehin geschossen werden m�sste) soviel wie der Monatslohn von zwei Arbeitern ausmacht. Und das Fleisch bleibt auch auf der Farm. Man sagt, dass es kein Wild mehr im Land g�be, g�be es die Jagd nicht. Das hei�t, die �J�ger� aus dem Norden sorgen mit ihrem Geld f�r eine nachhaltige Pflege des Wildbestandes. Klingt bl�d, ist aber so. Andernfalls w�re von der �rtlichen Bev�lkerung l�ngst alles abgeschossen und aufgegessen worden.
Eine weitere Alternative f�r die Farmer er�ffnet sich in der Pferdezucht vor allem f�r den s�dafrikanischen Markt und in der Pferdehaltung f�r abenteuerlustige Touristen. Land ist genug vorhanden. Und die unterschiedlichsten Pferderassen auch.
Gez�chtet werden Showpferde wie z.B. American Saddlebred, aber auch Spring- und Dressurpferde bester deutscher Abstammung z.B. mittels Tiefgefriersperma aus Hannover.
F�r Touristen ist nat�rlich aufgrund der Landschaft am ehesten der Distanzritt interessant.
Angeboten wird alles. Vom Tagesritt auf der Farm bis zur mehrt�gigen W�stendurchquerung mit abschlie�endem Bad im k�hlen Atlantik, W�stenelefantensuche in den trockenen Gebieten des Nordens bis zum Besuch bei den Buschleuten der Kalahari im Osten des Landes.
Deutsches Warmblut, Quarter Horse, ja sogar Haflinger sind vereinzelt im Einsatz. Die Bedingungen sind aber in erster Linie dem Araber auf den Leib geschneidert.
Wir besuchten die Farm von Ernst Vermeulen nahe der Kalahari im Osten des Landes irgendwo im Nirgendwo.
12.000 ha Farmland betreiben er und seine Familie in dritter Generation. Buschland auf dem Sandboden wird konsequent gerodet, anschlie�end ein spezielles, f�r diesen Boden der Kalahari geeignetes Gras angebaut und nach einem auf langj�hriger Erfahrung beruhenden System bewirtschaftet. Haupteinkommen sind die 800 Rinder, die je nach Vegetation auf der Riesenfl�che umgetrieben werden.
Daneben hat Ernst aber die Lust am Distanzpferd ereilt. Mit gro�em zeitlichem und finanziellem Aufwand hat er sich verschiedene Methoden der Pferdausbildung angesehen und daraus seine spezielle Form, angelehnt an Parelli, entwickelt.
Heute besitzt er 40 Araber. Alle selbst gezogen. Und alle selbst ausgebildet. Sein Markt sind die Distanzreiter Namibias und S�dafrikas.
Nebenbei ist er auch noch Sattler. Ein Problem, das auch hierzulande kaum l�sbar erscheint, ist in Afrika allgegenw�rtig. Der richtige Sattel.
Ernst Vermeulen hat aus der Not eine Tugend gemacht � und das Sattlerhandwerk erlernt.
Mittlerweile ist er ein gesuchter Mann f�r Vortr�ge und Kurse im ganzen Land. Des Reisens allm�hlich m�de und weil er mit der Farm genug andere Arbeit hat, verlegt er sich nun darauf, die Kurse bei sich zuhause abzuhalten.
Von der Hauptstadt Windhoek f�hrt man zuerst eine Stunde auf der Asphaltstra�e nach Osten Richtung Botswana. Dann biegt man auf die in Namibia �bliche Sandstra�e ab. Diese Art der Stra�e ist mit unseren nicht zu vergleichen. St�ndige Pflege und da nicht durch Wind und Wetter belastet, sind diese Stra�e mit 100km/h locker zu befahren. Nach weiteren zwei bis drei Stunden steht man am Einfahrtstor. Aber man ist noch nicht da. Nochmals eine halbe Stunde auf farmeigenem Weg geht es durch den Busch. Und dann stehen sie pl�tzlich da. Araber, wie man sie nach dieser Fahrt durch den Busch der Kalahari nicht vermuten w�rde.
In einer Landschaft fast wie in Irland. Rund ums Farmhaus frische, gr�ne Wiesen. 1.000 ha wurden im vorigen Jahr gerodet und planiert, Blaubullengras wurde angebaut.
Ein 20x40 m Viereck, ein 18 m Round Pen und Paddockboxen f�r die Herren der (Pferde-) Sch�pfung.
Die Gastfreundschaft war wie so oft in diesem Land schon fast peinlich. Wollt ihr dies? Oder wollt ihr das? Wollt ihr hier schlafen? Oder doch lieber im Bungalow ?
Ein Frage schien unverf�nglich, stellte sich aber sp�ter als kleine Herausforderung heraus: Kennt ihr Kudu? Ja, das ist ein hirsch�hnliches Wild. Esst ihr Kuduleber? Ja, warum nicht. Man muss alles ausprobieren. Nur die Kuduleber kam nicht. Nicht an diesem Abend. Sie kam am n�chsten Morgen. Ger�stet � mit Kaffee, Marmelade und Toast. Zum Fr�hst�ck. Nach kurzem �berlegen fanden wir sie aber selbst um diese Tageszeit und im Verein mit Marmelade und Toast k�stlich.
Und dann nat�rlich: Wollt ihr ausreiten? Na klar!
Hier zeigte sich dann die andere Seite der Naturbelassenheit. Nicht jedes Pferd, das angeblich geritten wird, ist zu reiten. Zumindest nicht an jedem Tag.
Ernst hat sich seiner angenommen und uns eine kleine Vorstellung von Erziehung und Korrektur geboten.
Zuerst dachten wir, einer von beiden werde sich wohl etwas brechen. � Nach einer Stunde Doppellonge und Round Pen schien die Stute �berzeugt zu sein.
Und zu meinem besonderen Vergn�gen eine Vorstellung aus der Situation, wie ich sie mir besser nicht w�nschen konnte.
Diejenigen unter der geneigten Leserschaft, die den Autor kennen, wissen, dass sich meine Wundversorgung h�ufig auf Reinigung und Sp�lung mit kaltem, sauberem Wasser beschr�nkt.
So ergab es sich nun, dass sich eine dreij�hrige Stute am Zaun eine Risswunde �ber dem Carpalgelenk zugezogen hatte. Zuerst zeigte uns Ernst, wie er ein rohes Pferd aus der Herde holt und zum Wasser f�hrt. Dann reinigte und sp�lte er die Wunde mit frischem, klarem Wasser. Und fragte mich, was ich sonst noch tun w�rde. Ich dankte ihm und versprach diese, seine � und meine - Methode in Wort und Bild in der WN im Rahmen eines Artikels �ber Namibia und �ber die Araber des Ernst Vermeulen zu ver�ffentlichen.