Chief Joseph Trail und Canyon de Chelly - Reiten in Amerika

 

Westernreiten in Amerika � nichts Besonderes? Oh doch! Organisiert von Alfred Meindlhumer und seiner Frau Eva wagten sechs Appaloosafreunde aus �sterreich dieses Abenteuer: Erich und Rosi Kratschmar, August Tober, Ferry Reinhard und Peter Zeirzer, alle aus O�, und ich, Rudolf Zimmermann aus Vorarlberg.

Es begann mit dem Einchecken am M�nchner Flughafen: 7 Uhr Leibesvisitation in Socken und rutschenden Hosen, da wir die Schuhe ausziehen und die G�rtel abnehmen mussten, Abflug nach Atlanta (Georgia), Ankunft in Atlanta, durch die Schalter der Einreisebeh�rde (der Schalterbeamte musste offenbar Stundenlohn bekommen, da es endlos dauerte), weiter zum Terminal nach Salt Lake City, neuerliche Leibesvisitation ohne Schuhe und G�rtel. Mit Humor lie� es sich aber aushalten. Die Dame am Schalter erz�hlte, dass sie stolze Appaloosabesitzerin ist. Wir freuten uns. Weiter nach Salt Lake City. Der Weiterflug nach Spokane im Staat Washington verz�gerte sich um mehrere Stunden. Endlich Ankunft in Spokane um halbzwei Uhr in der Fr�h Ortszeit. Alfred versuchte, der jungen Dame am Mietwagenschalter zu erkl�ren, dass er zwei Autos mit einer Reservierung bestellt hatte, doch offenbar hatte die Lady M�he, um diese nachtschlafende Zeit wach zu werden und zu begreifen, was Alfred von ihr wollte. Dann endlich im Hotel! Wir waren hundem�de und schliefen wie die Murmeltiere.

Nach einem opulenten Fr�hst�ck fuhren wir nach Moscow, Idaho, wo wir den Appaloosa Horseclub besuchten. Nach einer F�hrung durch das Museum durch George Hatley (erster Gesch�ftsf�hrer des ApHC und Initiator des Chief Joseph Trails vor 41 Jahren) und die �brigen Clubr�umlichkeiten stillten wir unseren Hunger in einem netten Restaurant.

Sp�ter ging die Fahrt weiter nach S�den nach Lewiston am Zusammenfluss des Clearwater River mit dem Snake River. Auf der anderen Seite des Snake River im Staat Washington liegt Clarkston. Die zwei St�dte erinnern an die beiden Forscher Lewis und Clark, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Auftrag der Regierung die Indianerst�mme westlich des Mississippi besuchten, unter anderem auch die Nee Me Poo (Nez Perce). Sie bewunderten die Pferde dieses Stammes wegen ihrer Qualit�t und Sch�nheit. Diese Eigenschaften zeichnen noch heute den Appaloosa aus.

Nachdem wir unser Hotel bezogen hatten, schauten wir uns noch in der Gegend um. Eine wundersch�ne, wilde und faszinierende Landschaft zeigte sich uns im Sonnenschein. Wenn wir schon auf der Reservation der Nee Me Poo waren, durfte nat�rlich ein Besuch bei diesem Stamm nicht fehlen. Da Alfred und Eva einige Familien schon l�nger kennen und mit ihnen befreundet sind, war unser Besuch sehr pers�nlich. Bei der Familie Rosa und Jon Yearout wurden wir zu einem Ritt durch die herrliche Landschaft eingeladen � als Vorbereitung zu unserer gro�en Tour, dem Chief Josef Trail Ride.

Ich nahm am Chief Joseph Trail teil... ein Jugendtraum wurde wahr. F�nf Tage zu Pferd in Nord-Idaho. Dies ist ein sehr traditionsreicher Ritt mit Appaloosa Pferden auf den Spuren des Nee Me Poo- (Nez Perce-) H�uptlings Chief Josef, der 1877 vor der US-Kavallerie fl�chten musste. Aber nicht nur der historische Hintergrund fasziniert die Teilnehmer. Wo sonst gibt es die M�glichkeit, unter mehr als 200 gleich gesinnten Appaloosafreunden an einem bestens organisierten Wanderritt teilzunehmen, und das in einer Gegend, in die man sonst wahrscheinlich nie kommen w�rde.

Die Joseph Plains sind ein Hochplateau in knapp 2000 m H�he im mittleren Idaho. Der Salmon River hat sich 1000 m tief in dieses Plateau eingeschnitten. Seine Nebenfl�sse haben es weiter zerschnitten. Ausgangs- und Endpunkt des Trails war der Tolo Lake (in der Sprache der Nee Me Poo �Tulekeec'esa ceex c'emit�, die Wei�en machten daraus �TOLO�).

In einer gro�en Schleife von ca. 100 Meilen f�hrte uns der Ritt zweimal hinunter zum Salmon River und am n�chsten Tag nat�rlich wieder hinauf auf die Plains. Einmal nur halbe H�he hinunter in den Bear Creek, daf�r am selben Tag wieder hinauf. Wir hatten also t�glich 1000 H�henmeter entweder hinauf oder hinunter zu bew�ltigen. Bei Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius sowohl f�r Pferde als auch f�r Reiter eine Herausforderung. Laut Alfred, der schon an zwei anderen Etappen des Chief Joseph Trails teilgenommen hat, war die heurige Etappe die anspruchsvollste.

Aber auch die FahrerInnen der ca. 100 Begleitfahrzeuge, meist Pickups mit 3-, 4-, 5-Pferdeanh�ngern wurden gefordert. In einer schier endlosen Kolonne folgten sie den Reitern auf steilen, schmalen, ungesicherten Sandstra�en. Da konnte es schon vorkommen, dass ein Gespann nur durch Anlehnen an die Felswand zum Stehen gebracht werden konnte, weil die Bremsen versagten. Ein anderes Gespann, Zugfahrzeug und Anh�nger, brannte total aus. In dieser Gegend scheint wirklich das Pferd das bessere Verkehrsmittel zu sein. An dieser Stelle m�chten wir uns bei Eva bedanken, die mit unserem gemieteten Kleinbus unsere Habseligkeiten von Camp zu  Camp transportierte.

Die Teilnehmer kamen aus nahezu allen Bundesstaaten der USA, neben einer Dame aus Holland waren wir acht �sterreicher die einzigen Europ�er. Da Alfred schon viele Bekannte unter den Teilnehmern hatte, wurden wir als �the Austrians� sehr herzlich aufgenommen.

Unter den Teilnehmern waren markante Pers�nlichkeiten. Allen voran Jackie Hartman, die Organisatorin, die sich als echte �Trailmutter� erwies. Mike Howard, der Trailboss, der t�glich um 7.45 Uhr durch das Camp ritt und mit �Mount your horse!� daran erinnerte, dass in einer Viertelstunde abgeritten wird. Er ist Pensionist und war in seinem fr�heren Beruf Leibw�chter und Reitbegleiter von Jackie Kennedy und Pr�sident Johnson. Dr. John Corpolongo ist schon seit 39 Jahren der Trailarzt und hat bereits seine zweite Ehefrau am Trail kennen gelernt. Dr. Dave Rustabakke, der Tierarzt, ist erst zum zweiten Mal dabei. Er gab jeden Abend eine Geschichte aus seiner Praxis zum Besten. Seiner Meinung nach ist ein solcher Trail nur mit Appaloosas m�glich. Da gab es auch einen Pensionisten, der mit seinem Appaloosa bereits in allen Bundesstaaten der USA geritten ist (sogar in Alaska und Hawaii), und jetzt Kanada in Angriff nimmt. Seymour Young-Dog, Lakota-Medizinmann, sprach am ersten Abend ein Gebet f�r einen guten Verlauf des Trails.

Und da war auch heuer wieder die Gruppe der Nez Perce. Rosa Yearout, die mit ihrem Mann Jon die wahrscheinlich gr��te Appaloosa-Zucht der Nez Perce Reservation betreibt. In ihrer Herde sind Nachkommen der Pferde von Chief Ollokot. Bonnie Ewing, Chefin der Chief Joseph Foundation, f�hrte so wie jedes Jahr eine Gruppe von jugendlichen Nez Perce zum Trail. Im Jugendprogramm der Foundation haben junge Nez Perce die M�glichkeit, wieder mit Pferden und dem Reiten in Kontakt zu kommen. Bonnie betreibt auch eine kleine, feine Appaloosa-Zucht mit einem Dreamfinder-Sohn als Deckhengst. Richard Gere, der bekannte Schauspieler, hat seine Appaloosas von ihr gekauft. Die Leute der Chief Joseph Foundation organisierten an den Abenden auch eine Verlosung von Preisen und eine Silent Auction (eine stille Versteigerung), um so Geld f�r weitere Aktivit�ten, insbesondere f�r die Jugendarbeit, zu lukrieren.

W�hrend des Reitens, beim Anstellen zum Essen oder vor dem Klo oder ganz einfach beim gem�tlichen Beisammensitzen am Abend gab es immer Gelegenheit zu interessanten Gespr�chen � nicht nur �ber Pferde.

Es war anstrengend, aber wundersch�n. Es zeigte uns wieder einmal, wie verl�sslich, ruhig und  ausdauernd Appaloosapferde sind.

 

Wie verl�sslich, ausdauernd

Nach diesem Ritt im Nordwesten der USA ging es in den S�dwesten, in das Land der Din� (Navajo). Im n�rdlichen Teil des Canyon de Chelly, dem Canyon del Muerto, schlugen wir unser Lager auf. Nat�rlich waren wir wieder zu Pferd unterwegs. Mein kleiner Palomino mit dem stolzen Namen Milkyway trug mich tapfer durch Sand, Schotter und Gestr�pp. Unser F�hrer, Kendall, ein junger Din�, zeigte uns nicht nur das Land, sondern brachte uns auch die Geschichte n�her, indem er uns Ruinen und Felszeichnungen aus der Zeit der Anazazi zeigte und erkl�rte. Das Ziel des Rittes im Canyon de Chelly war der Spider Rock, ein Monolith von 180 m H�he mitten in einem Talkessel.

Dieser Fels spielt eine besondere Rolle in der Mythologie der Din�, da er die Wohnst�tte von �Spider Woman� ist. Spider Woman soll den Navajofrauen das Weben beigebracht haben und sie ermutigt haben, stets ihren Tr�umen zu folgen. Abends am Lagerfeuer erz�hlte mir Kendall noch viele alte Legenden der Din�, die er von seinem Gro�vater wusste, der Medizinmann ist. Da wir aber schon in dieser Gegend waren, durfte nat�rlich ein Besuch im Monument Valley nicht fehlen.

Ein weiterer Besuch f�hrte uns nach Window Rock, dem Hauptort der Din� Reservation. Auch hier besuchten wir Freunde von Eva und Alfred. Wir wurden mit einer Din�-Spezialit�t, dem Fry Bread, einem Fladenbrot, begr��t. Obwohl die Din� Fremden gegen�ber normalerweise sehr distanziert sind, wurden wir mit einer Herzlichkeit begr��t, die uns alle tief ber�hrte. Evas Freundin Mary und deren Sohn Hernel lie�en uns einen Blick in ihren Alltag tun, einen Blick, der nicht jedem gew�hrt wird. Ich betrachte dies als eine Ehre f�r uns.

Von Window Rock fuhren wir nach Gallup, wo wir einen Tag blieben. In der N�he gab es ein Rodeo, das wir nat�rlich besuchten. Es war eine harte Sache, was wir da zu sehen bekamen. Also, die Reiter hatten hinterher ganz sicher Schmerzen.

Von Gallup fuhren wir auf der traditionellen Route 66 nach Albuquerque, von wo wir unsere R�ckreise �ber Atlanta nach M�nchen antraten.

Wir sind dankbar f�r die vielen, neuen Erfahrungen, die gute Organisation der Reise und die �u�erst harmonische Stimmung in der Gruppe. Es war ein gro�artiges Abenteuer!

Wenn der lange Flug nicht w�re, ich w�rde dieses Abenteuer gleich wiederholen.

Rudolf Zimmermann

 

Appaloosa Trail 2006

Der Appaloosa Trail 2006 findet vom 10. bis 15. August 2006 in Unterwei�enbach - M�hlviertler Alm statt. Das Basislager ist, so wie 2000, auf der Wild Mountain Ranch unseres Mitgliedes August Tober. Gust wird wieder vier wundersch�ne Tagesritte entwickeln. Die M�hlviertler Alm hat viele neue Reitwege und sonstige Attraktionen. Die Zahl der Reiter ist diesmal nicht beschr�nkt. Die Unterbringung der Pferde erfolgt in Zeltboxen, die Reiter schlafen in Zelt, Auto oder Zimmern in der N�he. Genaue Infos in der n�chsten Western News oder auf Anfrage bei Alfred Meindlhumer (07248/62636, a.meindlhumer@eduhi.at).