Berühmte Quarter Horses & Vererber

Eine Serie für QH-Züchter & -Fans

 

LENA´S BAR

 

Haben wir bisher fast nur über berühmte Deckhengste aus der Geschichte des American Quarter Horse berichtet, so ist diesmal ein Stute an der Reihe, die enormen Einfluss auf die QH-Zucht genommen hat.

Lena´s Bar erhebt nicht nur als Mutter von Easy Jet, dessen Leben Thema des nächsten Beitrags in der WN 2/04 sein wird, Anspruch auf Berühmtheit. Sie füllt auch selbst eine permanente Nische in der Quarter Horse Racing-Geschichte.

Die Lena´s Bar Story beginnt 1951, als Walter Merrick, der damals nahe Crawford, Oklahoma, lebte, eine 5-jährige Thoroughbred-Stute namens Lena Valenti von Eldon Cluck aus Dumas, Texas, erwarb. Sie stammte von Gray Dream, einem guten TB-Sprinter und aus der Perhobo, von Percentage, dem Vater von Three Bars (TB).

Merrick hatte Lena Valenti 1950 für Cluck trainiert und wusste daher genug über ihre Qualitäten als Renn- und Zuchtstute, um sie zu kaufen. Er ließ sie im folgenden Jahr weiter Rennen laufen, meist kurze Thoroughbred-Distanzen. Im August 1951 ließ er sie in einem 440-Yard Sprint Race in Enid, Oklahoma, rennen, eigentlich nur, um das Starterfeld aufzufüllen. Sie gewann das Rennen mit einer Start-Ziel-Führung und schaffte damit ihr AQHA Racing Register of Merit.

1952 leaste Merrick den viel versprechenden jungen Vollbluthengst Three Bars von Sidney Vail aus Tucson, Arizona. Merrick ließ Lena Valenti von Three Bars decken, doch die Anpaarung schlug fehl und brachte keinen Nachwuchs.

Vail wollte Merrick ursprünglich Three Bars für zwei Jahre überlassen, änderte seine Meinung jedoch nach einem Jahr und nahm den Hengst wieder zurück nach Tucson. Merrick ließ sich aber nicht entmutigen und brachte Lena Valenti nach Arizona, um einen neuen Zuchtversuch zu unternehmen.

Das Produkt des zweiten Versuchs war Lena´s Bar, die 1954 zur Welt kam.

Während der 50er-Jahre war New Mexico der einzige Staat, in dem es erlaubt war, Thoroughbreds in regulären Quarter Horse-Rennen starten zu lassen, mit Ausnahme der Futurities für 2-jährige. So ließ Merrick Lena´s Bar nicht als Zweijährige starten. Als die Stute 1957 drei Jahre alt war, ließ er sie acht Rennen laufen, von denen sie vier gewann und den Rennrekord über 400 Yards in Albuquerque erreichte.

Als 4-jährige startete sie ebenfalls acht Mal und gewann wieder vier Rennen, einschließlich der Buttons and Bows Stakes und dem Bright Eyes Handicap, beide in Albuquerque. 1959 lief sie von 22 Rennen 21 Mal siegreich über den Track. Am 26. Juli 1959 gewann sie die berühmten 400 Yard Bright Eyes Stakes in Ruidoso und drei Wochen später die nicht minder hoch bewertete 400 Yard Miller Motel Allowance auf der selben Rennbahn.

Das Starterfeld gegen das Lena´s Bar im Miller Motel Allowance lief, war absolut repräsentativ für ihre famose Rennkarierre, ließ sie doch bei diesem Event  World Champion Running Horses wie Go Man Go, Double Bid, War Chic und Vanetta Dee hinter sich.

In den fünf Jahren, in denen Lena´s Bar Rennen ging, startete sie 76 Mal, gewann davon 24 Bewerbe, wurde 18 Mal Zweite und 10 Mal Dritte. Ihre totale Gewinnsumme belief sich auf 28.311 Dollar. (Damals war der US-Dollar noch ca. 25 öS wert.) Die Stute beendete ihre Rennkarierre gesund und wohlbehalten.

Nach der Geburt von Lena’s Bar produzierte Lena Valenti weitere gute Fohlen für Merrick. 1956 brachte sie Clovis’ Doll, von Clovis’ Champ zur Welt. Clovis’ Doll bekam ihre AAA-Qualifikation im Rennsport und wurde Mutter des AAA AQHA Champion Clovis’ Win. 1958 gebar Lena Valenti Roman Bob, ein Hengstfohlen von Bob’s Folly, der später kastriert wurde und ebenfalls sein AAA errang.

1960 bekam Lena Valenti eine Vollschwester zu Lena’s Bar, namens Little Lena Bar, ein Rennpferd, das die Quarter Horse-Welt auf den Kopf stellte.

In dem kurzen Zeitraum vom Juli 1963 bis September 1964 brach Little Lena Bar die bestehenden Weltrekorde über 220, 250 und 330 Yards. Darüber hinaus toppte sie die Rennrekorde über 400 und 440 Yards.

Eine Zeit lang sah es so aus, als würde das Thoroughbred-Stutfohlen alle Weltrekorde im Quarter Horse-Rennsport übertrumpfen. Als Antwort auf dieses Paradoxon strich die AQHA alle Zeiten und Rekorde, die von Vollblütern gelaufen wurden. Von da an anerkannte die AQHA keine Weltrekorde mehr, sondern registrierte nur mehr Bahnrekorde. Anfangs wurden die von der American Quarter Racing Association organisierten Quarter Horse-Rennen sanktioniert. Die AQRA stieg in den späten 40er-Jahren aus dem Geschäft aus und die AQHA wurde Geschäftsträger der Quarter-Rennen.

Doch zurück zu Lena’s Bar. Merrick integrierte sie 1962 in seine Zuchtstutenherde und ließ sie von Double Bit, dem Champion Quarter Horse Running Stallion von 1959, decken. Das Resultat dieser Anpaarung war Double Dancer, ein kastanienbraunes Hengstfohlen. Nach vielen Rennerfolgen bekam Double Dancer sein AAA-Certificate und startete sodann eine erfolgreiche Karriere als Deckhengst.

Hank Wiescamp, der berühmte Züchter aus Alamosa in Colorado, leaste Double Dancer für einige Jahre und der Hengst wurde Begründer der St. Dancer-St. Limit-Blutlinie, welche die Wiecamp-Zucht in den 1980er-Jahren bestimmte. Hank Wiescamp war zeitlebens ein Verfechter der Theorie, dass vor allem Speed und perfekte Conformation ein Quarter Horse ausmacht.

1963 wurde Lena’s Bar von Tonto Bars Hank, dem Sieger der 1960 All-American Futurity und Champion Quarter Running Stallion des Jahres, gedeckt. Daraufhin kam im nächsten Frühjahr Delta Rose, ein gut aussehendes sorrel-Stutfohlen, zur Welt. Bei 16 Starts als 2- und 3-Jährige , gewann Delta Rose drei Rennen, war in vier Stakes platziert und gewann 12.794 US-Dollar. Sie wurde ebenfalls als AAA eingestuft. Sie holte beim Texas State Fair 1967 auch den Halter-Sieg unter 17 zweijährigen Stuten.

1968 deckte Merrick Delta Rose mit Good Bird (TB), worauf hin Oh Johney geboren wurde, der einen Speed Index von 94 erreichte. Von Good Bird bedeckt, produzierte Delta Rose 1970 Byou Bird.

Die Stute Byou Bird lief 26 Rennen für Merrick und gewann die Hälfte davon. Sie gewann vier Futurities für Zweijährige und wurde 1972 World Champion 2-Year-Old-Filly. Sie gewann insgesamt 309.643 $ Preisgeld und bekam sogar einen Speed Index von 113.

1964 wurde Lena’s Bar zum ersten Mal dem World Champion Quarter Running Horse Jet Deck zugeführt. 1965 brachte sie ein Super-Hengstfohlen, sorrel-farben mit weißer Blesse und vier weißen Füßen, zur Welt. Es bekam den Namen Jet Smooth und wurde ein Top-Leistungspferd, sowohl auf der Rennbahn, als auch im Show Ring.

Als 2-jähriger gewann er die Kansas Futurity, im folgenden Jahr das All-American Congress Derby und 1968 das World’s Championship Classic. Gesamt startete er 25 Mal und gewann 79.089 $.

Als Show Horse gewann er seine Klasse und wurde 1967 Reserve Champion Stallion 1967 am All-American Quarter Horse Congress; er siegte in seiner Klasse bei der Oklahoma State Fair 1967 und wurde Reserve Champion Stallion auf der Texas State Fair 1968. 1968 wurde er auch AQHA Champion.

Jet Smooth absolvierte eine höchst erfolgreiche Karriere als Zuchthengst. Er zeugte 348 Racing Register of Merit Earners, 18 Performance Register of Merit Earners und 23 Halter Point Earners.

Seine Nachzucht brachte auf den Rennstrecken 2,546,842 $ an Preisgeld ein. Darunter waren Smooth Coin, Champion Quarter Running 3-Year-Old-Filly 1973, und A Smooth Request, der Gewinner von 77.162 $.

Jet Smooth’s Arena-Performing-Nachwuchs sammelte 1.047,5 AQHA-Punkte, darunter war Smooth Herman, das AQHA Honor Roll High Point Junior Cutting Horse von 1977.

1965 wurde Lena’s Bar abermals von Tonto Bars Hank gedeckt und brachte ein Stutfohlen namens Mayflower Ann. Sie gewann von 23 Starts 10 Rennen mit 18.947 $ Siegesprämien, erreichte einen Speed Index von 100 und war x-mal bei Stakes platziert.

Mayflower Ann brachte Merrick drei ROM-Rennpferde, wovon das Beste Talladega, ein Wallach von Hempen (TB), geboren 1980, war. Er gewann 28.327 $ auf den Rennstrecken und holte sich das erste Au Revoir Handycap (1. Div.) mit einem Speed Index von 105.

1966 wurde Lena’s Bar zum zweiten Mal von Jet Deck bedeckt, von dem sie 1967 ihr letztes Fohlen zur Welt brachte, den großen Easy Jet, dessen spannenden Lebenslauf wir in der nächsten Ausgabe der WN beschreiben wollen.

Lena’s Bar starb 1968, erst 14 Jahre alt, an einer Blasenerkrankung, an der sie neun Monate lang laborierte, die aber trotz aller Bemühungen der Tierärzte nicht zu heilen war.

Die Fohlen der großartigen Stute brachten Renngewinne von insgesamt 557.199 $ ein.

Walter Merrick war ohne jeden Zweifel der Größte der Quarter Horse Race Breeders. Während seiner langen und illustren Karriere als Züchter von Sprintern betonte er oft, dass Lena’s Bar eines der bedeutendsten Pferde war, das er je gezüchtet hatte. - Schließlich war sie doch auch die Mutter von Easy Jet!

 

 

Pedigree:

Midway

Percentage

Gossip Avenue

Three Bars

Luke McLuke

Myrtle Dee

Civil Maid

Lena’s Bar (1954-1968)

Gino

Gray Dream

Dark Love

Lena Valenti

Percentage

Perhobo

Homebody