MIT MUSIK NACH WIEN

 

Durch den hei�esten Sommer und die sch�nsten Landschaften Mitteleuropas

Der internationale Fernwanderritt Deutschland � Tschechien � �sterreich des Ersten Trekking Club Deutschlands e.V., Untertitel �Mit Albert Knaus zu Johann Strauߓ, vom 28.7. bis 6.9.2003 erf�llte alle unsere Erwartungen.

Bereits die Verabschiedung im fr�nkischen Weinst�dtchen Iphofen mit Jagdh�rnern und Geige, romantische abendliche Kutschenfahrten mit Gesang, der Einritt in die Rosenburg mit stilechter Untermalung unserer Jagdhornbl�ser rund um den �musikalischen Leiter� Jochen Euler bis hin zu den Strau�-Walzern der Abschlussgala beim Schloss Sch�nbrunn � die Musik war allgegenw�rtig.

Wundersch�ne Hornkl�nge und zu unrecht in Vergessenheit geratene Reiterlieder verbleiben uns im Ged�chtnis oder auch Weisen wie diese: �Wallfahrer ziehen durch das Tal mit fliegenden Standarten; hell gr��t ihr doppelter Choral den weiten Gottesgarten; wie gerne w�re ich mitgewallt; ihr Pfarr wollt mich nicht haben, so muss ich seitw�rts durch den Wald als reuig Sch�flein traben�. Wo sie sich doch so passend zur Reitwegesituation beim Stift Schl�gl/O� erwiesen.

Auch im Nationalpark Bayrischer Wald und beim Grenz�bertritt nach Tschechien gab es reichlich organisatorischen Aufwand und Probleme. �ber ein Jahr dauerte die sehr genaue Planung dieses sechsw�chigen Wanderrittes, bei dem insgesamt 10 Teilnehmer (gro�teils aus Deutschland) die ca. 900 km lange Strecke erfolgreich bew�ltigten. Nicht nur Reitwege und Quartiere f�r Ross und Reiter, Tierarzt-, Hufschmied- und Sattleradressen mussten erkundet werden, auch ein kulturelles Rahmenprogramm wurde vom Veranstalterteam Albert Knaus, Kerstin H�llmandel und Marion Kabrna erarbeitet. So viel Aufwand kann aus einer Lagerfeueridee entstehen!

Doch wir ritten nicht nur singend von einem Empfang zum n�chsten, sondern legten an 29 Reittagen durchschnittlich je ca. 31 km ganz gem�chlich im Schritt zur�ck. Mindestens ein Drittel davon wurde zur Pferdeschonung gewandert, nicht umsonst hei�t es ja Wander-reiten!

Die Pferde wurden �ber Nacht gro�teils in mitgef�hrten E-Zaun-Paddocks untergebracht, da dies f�r artgerecht gehaltene Wanderreitpferde einfach am nat�rlichsten ist. Aufgrund der gro�en Hitze des Ausnahmesommers brachen wir stets sehr fr�h am Morgen auf. Nur dreimal regnete es kurz in den sechs Wochen, die wir unterwegs waren, und so hatten wir keine M�glichkeit unsere Regenkleidung zu testen, wor�ber wir allerdings nicht allzu traurig waren.

Unser Tagesablauf sah meist folgenderma�en aus: 3 Uhr 20 Wecker, 3 Uhr 30 Pferde f�ttern, duschen, zusammenpacken im Zimmer, 4 Uhr 30 Fr�hst�ck, dann Pferde anbinden, Paddocks abmisten und abbauen, Pferde putzen, satteln und packen, 6 Uhr Abmarsch. Mittags sollte der gr��te Teil der Wegstrecke zur�ck gelegt sein, um nach gem�tlichen Pausen m�glichst am fr�heren Nachmittag im Quartier anzukommen. Dann hie� es wiederum Paddocks aufbauen und Pferde versorgen, bevor wir wieder an unser Wohl denken durften.

Nicht gerade ein Erholungsurlaub, aber daf�r ein einmaliges Abenteuer und Naturerlebnis, so mit den Pferden und netten Reiterkollegen immer von Fr�h bis Sp�t drau�en sein und dabei derma�en viel sehen und in aller Ruhe aufnehmen k�nnen!

In Deutschland ging es in anfangs sehr langen und anstrengenden Etappen durch den sch�nen Steigerwald, die Fr�nkische Alb, den Oberpf�lzer und Bayrischen Wald. In Tschechien durften wir dank einer Ausnahmegenehmigung und Hilfe vom Generalkonsul Dr. Beranek schlie�lich sogar offiziell in den Nationalpark Sumawa reiten. Halbzeit und Erholungspause hie� es dann im sch�nen Knaus-Campingpark Lackenh�user bei Passau.

In �sterreich sollte der Ritt eigentlich gem�tlicher verlaufen mit k�rzeren Streckenabschnitten und mehr Ruhe- und Kulturtagen. Dennoch erwies sich der erste Tag gleich als kleiner H�rtetest f�r neubeginnende Teilnehmer, da wir uns leider im teils �verbotenen� Wald des Stiftes Schl�gl etwas verritten. Der �Moldaublick� in Adalbert Stifters B�hmerwald und ein sehr interessanter Vortrag �ber naturgem��e Forstwirtschaft anhand des Musterwaldes Schl�gl von unserem mitreitenden Forstdirektor entsch�digten uns jedoch daf�r. Auf die sp�te Ankunft im Gewitter und einen hektischen Paddockaufbau im Sturm folgte zum Gl�ck eine angenehme, wenngleich kurze Nacht im beeindruckenden Stift Schl�gl.

Am n�chsten Morgen fand dort f�r uns �reitende Wallfahrer� eine feierliche Pferdesegnung statt. Weiter ging es �ber den zum Teil leider recht hart geschotterten und gar nicht so romantischen Nordwald-Kammweg nahe der tschechischen Grenze durch die sch�ne, vertr�umte Gegend des Sterngartls zu Iris Muhm am Wanderreithof �Gr�ne Weide� in Bad Leonfelden. Iris als erfahrene Wanderreiterin hatte mir bei der Reitwegeplanung in O� dankenswerterweise sehr geholfen.

Dann pilgerten wir �ber den Pferdeeisenbahn-Wanderweg und durchs malerische Freistadt in der neuen Reitregion M�hlviertler Kernland in Richtung Reitparadies M�hlviertler Alm. Nicht nur die Wege und Stationen dort sind wirklich gut, auch die stark h�gelige Landschaft mit gro�artigen Ausblicken begeisterte meine deutschen Reiterfreunde.

Durch den Weinsberger Wald gelangten wir ins Waldviertel, meine Heimat, die vor allem dank ihrer vielen auch zum Baden mit und ohne Pferd einladenden Teiche gut ankam. Nat�rlich durfte ein Besuch beim ber�hmten �Mohnwirt� im Armschlag nicht fehlen, ehe es entlang der Gro�en Krems weiterging in die neue Wanderreit-Region Kampstauseen-Gf�hlerwald. Wir kamen gerade recht zur Er�ffnung, waren jedoch eher entt�uscht von den Wegen, da sich mehr als die H�lfte als asphaltiert herausstellte.

Von Gf�hl aus unternahmen wir einen Autoausflug in die Wachau mit ausf�hrlicher und lehrreicher Weinverkostung bei den Freien Weing�rtnern im wundersch�nen Kellerschl�ssl D�rnstein, ehe wir weiterritten zur einzigartigen Rosenburg. Diese durften wir tats�chlich mit unseren Pferden �besichtigen�. Es war ein ganz besonderes Gef�hl, �ber den Turnierhof und die Aussichtsterrasse, wo sonst die Falknereivorf�hrungen stattfinden, reiten zu k�nnen.

Durch den zum Gl�ck nicht Hochwasser f�hrenden Kamp ging es dank dem Halloween-Kult vorbei an farbenpr�chtigen K�rbisfeldern weiter in Richtung Manhartsberg und Weinviertel. Bei Ravelsbach kamen wir mit den Pferden durch die ersten Weinberge und romantischen Kellergassen.

Auf dem weiteren Weg im Tullnerfeld kamen wir noch mit unseren durch nichts mehr zu ersch�tternden vierbeinigen Kameraden durch einen belebten Jahrmarkt und diverse Stiegen mussten gemeistert werden.

Schlie�lich empfing uns dann in Tulln vor der Donaubr�cke der Europa-Wanderreiter-Kollege Erwin Chloupek, bekannt vor allem durch seine Italien-Touren, und geleitete uns durch die Donau-Auen und den Wienerwald zum Ziel, ab Langenlebarn unterst�tzt von Christl Groll von der Rieglerh�tte und ihrem Team, unserer �Hausherrin� von Wien.

Mit Begleitschutz der Polizei ritten wir zur Abschlussgala beim Schloss Sch�nbrunn, mittlerweile eine recht gro�e Gruppe mit unseren Gastreitern. Nach einer Ehrenrunde durch den Schlosspark, Ansprachen von Gemeinder�tin Landtagsabgeordneter Dr. Elisabeth Vitouch, selbst Reiterin und Stellvertreterin vom Schirmherrn unserer Veranstaltung, B�rgermeister Dr. Michael H�upl, vom deutschen Gesandten und den offiziellen Vertretern von BFV und LFV Prof. Mautner Markhof, Peter Nidetzky und Dr. Schmitz, Urkunden�berreichung und Interviews mit dem Team von ORF-Seitenblicke gab es noch ein Buffet f�r Ross und Reiter.

Danach wurden die Pferde mit Transportern zum Stadtpark gef�hrt, da der Verkehr auf dieser Strecke zum Reiten einfach zu schlimm gewesen w�re. Wir besuchten Johann Strau� und ritten unter Polizeischutz zur Pferdesegnung beim Stephansdom inmitten von Menschenmassen. Zu guter Letzt musste ich noch bei meiner Firma vorbeischauen und ein wenig Unruhe in eine Aufsichtsratsitzung bringen.

Obwohl wir durch bekannte Reitregionen kamen und auch Ferienzeit war, begegneten wir kaum anderen Reitern. �sterreichs Wanderreiter, wo seid ihr? Durch die Natur zu streifen mit Pferden, ist doch die absolut sch�nste Form der Freizeitgestaltung!

Viele andere nette Leute lernten wir jedoch kennen, besonders unsere Quartiergeber, die uns oft mit guten lokalen Spezialit�ten bekochten. Der Genuss darf schlie�lich auch nicht zu kurz kommen auf einem Wanderritt. F�r uns Reiter gab es unterschiedliche Schlafgelegenheiten, von einfachen Blockh�tten �ber Stockbettzimmer, Romantikzimmer auf Bauernh�fen bis hin zu den Luxussuiten im Schlosshotel Rosenburg, wo wir sogar in aller Fr�h von der Chefin pers�nlich ein Sektfr�hst�ck nur f�r uns Wanderreiter serviert bekamen!

Als Wanderreitquartier empfehlen sich besonders in O� der Lenz�nhof in Afiesl, das Reitgut Punkenhof in Lasberg, der Wanderreithof Gr�ne Weide in Bad Leonfelden, der Reitpark Gst�ttner in Sch�nau im M�hlkreis, die Georgskutscher in St. Georgen/Walde sowie das Pferdehaus Katharina in Gf�hl in N�.

F�r die meisten von uns war die �Eroberung� der Rosenburg das sch�nste Erlebnis, neben dem Ritt durch den Schlosspark Sch�nbrunn. Hoch zu Ross von der Gloriette auf Wien und die Touristenmassen hinunterblicken, war sicherlich ein H�hepunkt. F�r mich pers�nlich war es auch gro�artig, in einem Zug durch so viele unterschiedliche Landschaften zu reiten. In Richtung Gro�stadt Wien wurden leider die Menschen fallweise unfreundlicher. So schimpfte uns ein Bauer, �ber dessen verdorrten, kurz geschnittenen Wiesenrand wir zu reiten wagten, da wir dort sicher Hufn�gel verloren h�tten, an denen seine K�he ersticken w�rden � anstatt uns Wasser f�r die durstigen Pferde zu geben. Und im Wienerwald wollte ein Wirt uns Wanderreiter am liebsten gar nicht versorgen.

Auf der langen Strecke konnten wir gut verschiedene Produkte auf ihre Wanderreittauglichkeit testen. Lammfellartikel (Pads und Gurtschoner) wie z.B. von der Firma Christ Horsedream bew�hrten sich nicht nur bei kleineren Druckstellen. Swiss Horseboots (Hufschuhe!) waren der Dauerbeanspruchung nicht ganz gewachsen. Nach etwa der H�lfte des Weges kam es bei einem seit ca. einem Jahr damit gerittenen Pferd zu leichten Druckstellen im Ballenbereich. Gut f�r die Regeneration der Hufe ist es aber auf jeden Fall, wenn nicht immer ein Beschlag ben�tigt wird. Auch die Insektenmittel von Zedan halfen uns, sowie auch die Leuchtwesten und -gamaschen der Firma PMS f�r den Stra�enverkehr.

Viel zu schnell kamen wir nach Wien ans Ziel unseres gro�en Reitabenteuers. Nicht nur ich w�re gerne noch wochenlang so weiter geritten und gewandert mit den lieb gewonnenen Partnern. Warum muss nur alles Sch�ne so schnell zu Ende gehen? Noch klingt mir eines unserer oft gesungenen Lieder im Ohr �Wir sind nur alte, zerlumpte Zigeuner, haben keine Heimat, kein Geld, nur die Pferde und die sonnige Welt� und ich denke bereits an die n�chsten Wanderritte, alleine oder wieder mit Freunden.

Sollte jemand Interesse an �hnlichen anspruchsvollen und pferdefreundlichen Ritten haben, so kann er sich gerne bei mir melden. Auch Bestellungen f�r unser Rittbegleitbuch mit allen Informationen sind willkommen!

Marion Kabrna, Muckendorf 4, 3650 P�ggstall, Tel. 0676/6132505, e-mail marion.kabrna@europay.at