�Bad-Boy� John Hoyt

Der wahrhaft legend�rste US-Westerntrainer in �sterreich

Eine kleine Geschichte �ber den �Big Ole Man John�

v. Heinz Langer

 

Es war ein Westernreitkurs der Superlative, den die beiden Texaner John Hoyt und Bit Maker Greg Darnell am Herminenhof in Berndorf gaben.

Am 29. Juni 1990 um ca. 9.00 war es soweit. Langsam fuhr der Wagen von Josef Staringer, vom Flughafen Schwechat kommend, die Auffahrt zum Herminenhof hinauf, bremste kurz und sanft, und vor den Augen der gespannt wartenden Kursteilnehmer entstiegen der damals erfolgreichste

US-Westerntrainer John Hoyt und der nicht weniger bekannte Bit Maker Greg Darnell dem Fahrzeug.

Auf den ersten Blick sieht man John, dem fast 2-Meter-Mann, der eher einem Double von John Wayne gleichsieht, kaum an, dass er mit jedem Pferd optimal zurechtkommt. Der zweite Blick bringt die Vermutung nahe, dass es so sein k�nnte, und l�ngstens wenn er im Sattel sitzt, ist seine einsame Klasse offenbar.

Der begeisterte Ausspruch von mir als Kursteilnehmer und langj�hrigem Bewunderer von John Hoyt nach einem wirklich spektakul�ren Spin auf einem nur durchschnittlichen Pferd lautete: �Mir kommen die Tr�nen vor Begeisterung, ich kann mir nicht helfen, mir kommen die Tr�nen!� Diese kurze Schilderung zeichnet Stimmung und Action nach, welche in den drei Kurstagen am Herminenhof herrschte.

Der Kurs selbst brachte f�r jeden etwas. Ob Turniercrack oder Newcomer, John hatte f�r jeden die richtigen Worte und Anleitungen.

Wenn selbst das nicht zum Erfolg f�hrte, dann setzte er sich auf die Pferde und zeigte, wo es lang geht. Nachdem er ein Pferd gearbeitet hatte, war dieses kaum wiederzuerkennen. Es schien, als h�tte er eine zus�tzliche Kommunikationsleitung zum Pferd, so rasch und nahezu reibungslos wurden die �bungen umgesetzt. Dies begr�ndete den legend�ren Ruf Johns als Horseman und Pferdetrainer. � John Hoyt war in seiner Glanzzeit daf�r ber�hmt, dass er kein Top-Pferd brauchte, um Top-Leistungen zu erbringen, wie es bei den modernen Trainern durchaus der Fall ist. (D.h., ein Spitzentrainer der Jetztzeit kann es sich kaum noch leisten, ein Pferd zu trainieren, das keine optimalen Voraussetzungen f�r den Erfolg mitbringt. Bei John war das anders: Er begn�gte sich oft mit Durchschnittspferden, die er dennoch zu Weltspitzenerfolgen motivieren konnte.)

Durch das hei�e Wetter bedingt, ergab sich die Tageseinteilung der Clinic von selbst. Vormittag das Reiten der Pferde unter Johns Anleitung, wobei mit jedem Reiter einzeln und intensiv gearbeitet wurde. Nach dem Mittagessen erfolgte der detaillierte und ausf�hrliche Vortrag von Greg Darnell �ber die Vielfalt der Westerngebisse und deren Wirkung. Am sp�ten Nachmittag stand wieder das Reiten im Vordergrund, wo alle vorgegebenen �bungen nochmals geritten und optimiert wurden.

Nach dem Versorgen der Pferde klang jeder Tag in fr�hlicher Stimmung in der Mostschenke oder beim Heurigen aus, wo John Hoyt bei den G�sten stets f�r gro�es Aufsehen sorgte. Angetan mit seinen unvermeidlichen roten Hosentr�gern (sein Markenzeichen), wei�em Texashut und Sporen mit riesigen R�dern, stie� er, dauern Tabak kauend, seinen durchdringenden Texasschrei aus und erschreckte, sein John Wayne-Image wahrend, etliche uneingeweihte Zuschauer.

John hatte nat�rlich auch seine Gattin Grace mitgebracht und zusammen mit den US-Trainern der V&V Ranch und mir wurde so mancher alte Cowboysong angestimmt.

An allen drei Kurstagen zeigte John zwischendurch atemberaubende Showvorf�hrungen, wie sie bis dahin in �sterreich noch nicht zu sehen gewesen waren und die einige Kursteilnehmer gar nicht f�r m�glich gehalten h�tten.

John Hoyt, heute 76-j�hrig, wurde am 14. April 1929 in Arcadia/Kalifornien, n�rdlich von L.A. geboren. Sein Vater starb, als er erst 3 Jahre alt war, und seine Mutter, K�chin in einer Privatschule, arbeitete hart, um f�r John und seine 5 �lteren Geschwister zu sorgen. Das �schwarze Schaf der Familie� erz�hlt, dass er sich nicht erinnern k�nne, jemals in seinem Leben nicht verr�ckt nach Pferde gewesen zu sein. Er wollte seit Kindesbeinen nur bei Pferden sein und mit ihnen arbeiten und schulte schon damals seinen unvergleichlichen Horse Sense. Ab seinem 13. Lebensjahr (mit damals noch 50kg K�rpergewicht) arbeitete er als Jockey auf den Rennbahnen und wechselte danach zum Rodeo, wo er Top-Erfolge, vor allem im Calf Roping erzielte, bis er schlie�lich als Ranch Hand auf die Fulton Ranch in Arizona �bersiedelte. Abgesehen davon, dass John mit 19 Jahren der j�ngste lizenzierte Rennpferdetrainer im Land war, befasste er sich nun zunehmend mit allen Disziplinen des Showreitens, insbesondere aber mit den Rinderbewerben, wo er sp�ter vierfacher World Champion in Working Cow Horse wurde.

Als vor ca. 50 Jahren der Reining-Sport erstmals ins Licht der �ffentlichkeit r�ckte, war John Hoyt, zusammen mit John Wilkinson, einer der ersten Pioniere dieser Sportart, die heute immer mehr in die N�he der olympischen Reitdisziplinen r�ckt.

John f�hrte ein sehr bewegtes Leben, in dem er nicht einmal vor Saloon-Raufereien zur�ckschreckte, wenn es ihm um seinen Ruf und den seiner Freunde ging. Nicht zuletzt deshalb erwarb er sich seinen Spitznamen �Bad Boy�. Doch er galt immer als �Schaf im Wolfspelz�, der hinter seiner rauen Schale stets den weichen Kern verbarg und f�r alle Anliegen der ihm Wohlgesinnten und f�r die geliebten Vierbeiner offen war.

Durch seine viele Jahrzehnte lange Erfahrung im Horse & Show Business genie�t John noch heute legend�ren Ruf in den USA und weltweit.

Nach dem t�dlichem Autounfall seiner ersten Frau Jane im Jahr 1974 lernte John 1976 Grace Harris kennen, mit der er noch heute gl�cklich verheiratet ist und einen h�chst erfolgreichen Quarter Horse-Zucht- und Trainingsstall in Lone Oak, Texas, betreibt, wo Bit Maker Greg Darnell sein unmittelbarer Nachbar ist.

Greg Darnell ist �brigens in meiner Geschichte auch als Trainer (er hat bei John gelernt) des gro�en QH-Hengstes (�Joe�) Buckskin Dear bekannt, der seinerzeit von Herrn Schleiermacher aus USA importiert wurde, und noch vor ca. 25 Jahren in Deutschland und ganz Europa als das Non Plus Ultra eines Quarter Horse galt und l�ngst in die DQHA Hall of Fame aufgenommen wurde. Mein erstes QH war eine Tochter von Buckskin Dear, namens Belly Dear Forever, die Gregg Darnell als Trainer ihres Vaters beim Kurs am Herminenhof 1990 mit gro�em Interesse testete und die ein Jahr sp�ter, bei einem weiteren Kurs auf der Glis Ranch in K�rnten, von John Hoyt turnierm��ig weiter ausgebildet wurde.

Seine besonderen Show-Erfolge feierte John Hoyt bei der ersten American Quarter Horse World Championship Show 1974 mit Benito Bob.

Danach qualifizierte er sich f�r weitere 21 World Championship Shows, wobei er 1980 mit Handfulla Charm und 1986 mit Bueno Chex Imp Senior Working Cow Horse World Champion wurde. Weitere AQHA Champions, die John zu Top-Erfolgen ritt, waren Canyon Ann; Canyon Tom, Cherokee Scout, Go Lucky Mat, My Stormy Boy, Quincy Feature, Roca Girl, Roca Girl und Zorena. Andere Top Performer, die John trainierte und startete, waren All Dun (urspr�nglich ein wenig begabtes Pferd), Bar Fred, Cherizan, Dick Sonoita, Drift O Smoke, Leyba Chester und Little Nebraska.

Mit Hob Nob Kip wurde John Hoyt 1995 beim NRHA Derby NRHA International Champion.

Seine Mentoren, die ihn in seiner langen Karriere begleiteten, waren Gene Albritton, Dick Doyle, Bob Elliot, Red Lott, Don �Pooch� Lieber, Frank Owenby und Carl Wells.

Besondere Vorbilder f�r ihn waren die beiden gro�en Horsemen und Cutting Horse-Trainer Matlock Rose und Buster Welch von der Kings Ranch.

John Hoyt brachte w�hrend seiner langen Schaffensperiode drei Generationen erfolgreicher Horse Trainer hervor. Die international und auch bei uns ber�hmtesten darunter sind wohl Al Dunning (ehemaliger Reining World Champion auf Expensive Hobby und Buchautor) und Randy Paul (gab mehrere Reining Clinics auf der Glis Ranch/K�rnten), die heute zur Weltspitze in Cutting und Reining z�hlen.

Johns Familie besteht, neben Gattin Grace (selbst Non Pro Reining Champion), aus Tochter Betsy, seinen S�hnen John und Frank und seiner Stieftochter Justine.

Sein Lieblingshund ist ein Rhodesian Ridgeback-Australian Shepherd-Mix.

Johns Lebensmotto lautet: �Sei ehrlich zu dir selbst!�