Von Estland nach �sterreich

 Polen

Mit zwei Tagen Versp�tung reiten wir am Dienstag, dem 17.05.2005, in Polen ein. Wir sind gespannt, was uns erwartet. Gegen den fr�hen Nachmittag erreichen wir bei str�mendem Regen die Grenze. Die Grenzbeamten schauen zwar etwas verwundert, als neben einer zwei Kilometer langen LKW-Schlange pl�tzlich 11 Pferde am Horizont auftauchen, aber der �bergang nach Polen klappt reibungslos.

Zuerst treffen wir unseren neuen Begleitfahrer, Jerzy Żyszkowski. Kein leicht auszusprechender Name, und so nennen wir ihn George. George ist mit seiner gesamten Familie angereist und wir d�rfen sofort die Herzlichkeit der Polen kennen lernen. Unser Eindruck, den wir bisher nur �ber E-Mail-Kontakte gewinnen konnten, ist best�tigt. Er ist genau der Richtige f�r uns und macht einen fr�hlich-patenten Eindruck. Seine Motivation: �Ich habe euer Gruppenfoto gesehen und wusste, da muss ich dabei sein. Ich m�chte euch mein Land von der sch�nsten Seite zeigen.� Das war uns von Anfang an sympathisch.

Am ersten Abend planen wir die genaue Route durch Polen. Wir ziehen eine Linie vom polnischen Grenz�bergang Budzisko zum Grenz�bergang Mikulovice in Tschechien. Luftlinie sind es 600 Kilometer. Unser Routenplaner sagt, dass wir mit dem Auto 700 Kilometer zur�cklegen und dies wiederum bedeutet, dass wir per Pferd zirka 15% dazu rechnen m�ssen. Somit werden wir zirka 800 Kilometer durch Polen reiten. Vorgesehen sind insgesamt 28 Tage, inklusive 3 Ruhetage. Also sollten wir im Schnitt 32 Kilometer pro Tag zur�cklegen.

Nun geht�s ins Detail. Was m�ssen wir beachten, wo k�nnte es aufgrund gr��erer Fl�sse, St�dte oder Gebirge schwierig werden. Es ist ziemlich schnell klar, dass wir nach den Br�cken planen m�ssen, da es nur wenige gibt.

An Warschau reiten wir zirka 20 Kilometer westlich vorbei. Das passt. Theoretisch m�ssten wir jedoch mitten durch Lodz reiten. Lodz (ausgesprochen wird Wudsch) ist Polens zweitgr��te Stadt und liegt etwa 110 Kilometer s�dwestlich von Warschau. Au�erdem m�ssen wir die Wisla (Weichsel) und die Narew �berqueren. Nach einigen �berlegungen steht unsere Route fest.

Zirka 25 Kilometer westlich vor Warschau gibt es eine neue Autobahnbr�cke �ber die Weichsel. Somit k�nnen wir die ehemalige Br�cke, die nicht mehr stark befahren ist, nutzen. Wenn alles klappt, �berqueren wir den Fluss an einem Sonntag, so dass sicher wenig los sein wird. Um Lodz machen wir einen gro�en Bogen und reiten etwa 30 Kilometer �stlich vorbei. Ein weiterer positiver Effekt: Wir k�nnen bei George zu Hause einen Ruhetag einlegen. Sein Heimatort Nowy Kawęczyn liegt nun genau auf unserer Strecke.

Die einzige gr��ere Stadt, die wir durchreiten m�ssen, ist Opole. Opole liegt mitten im Herzen Schlesiens auf halbem Weg von Breslau nach Kattowitz. Die Gegebenheiten schauen wir uns vor Ort genauer an und werden sicher einen geeigneten Weg durch die Stadt und �ber die Oder finden. An der polnischen S�d- und Westgrenze gibt es wundersch�ne Wandergebiete. Uns und unseren Pferden bleibt der m�hsame Aufstieg in die Gebirge erspart. Unsere Route l�sst das Sudetengebirge westlich und die Beskiden �stlich liegen. Wir reiten genau durch die ebene Mitte. Somit alles perfekt.

Inzwischen sind wir seit sieben Wochen unterwegs und es hat sich ein wenig �Alltag� eingeschlichen. Vielleicht ist das der Grund, warum die Zeit so schnell vergeht. Wir k�nnen es kaum glauben, dass wir n�chsten Montag, am 13. Juni, bereits in Tschechien sein werden. Langsam aber sicher naht das Ende unseres Abenteuers. Aber daran wollen wir noch gar nicht denken.

Polen gef�llt uns allen sehr gut. Wir werden verw�hnt mit wundersch�nen Landschaften und traumhaften Reitbedingungen. Es ist nun genau so, wie wir es uns ertr�umt haben. Viele Wiesen- und Waldwege, und wir reiten nur noch selten an gr��eren Stra�en entlang. Wohin das Auge schaut, satte gr�ne Wiesen, ausgedehnte W�lder, Fl�sse, Seen, h�gelige Landschaft und vor allem ganz viel Gr�n. Endlich ist der Sommer da. Das hat uns im Baltikum gefehlt. Die Temperaturen sind angenehm warm bis hei�. Wobei die letzen zwei Tage regnerisch und kalt waren. Aber das ist egal. Polen ist bei jedem Wetter wundersch�n.

Im Schnitt legen wir t�glich problemlos 35 Kilometer zur�ck. Die anf�nglichen zwei Tage Versp�tung haben wir wieder aufgeholt und befinden uns genau im Zeitplan. Unsere Pferde sehen von Tag zu Tag ges�nder und zufriedener aus. Es ist beeindruckend, in welcher guten Verfassung sie sind. Bei den Pferden hat sich eine Top-Kondition aufgebaut. Durch das viele frische, gr�ne Gras tanken sie �ber Nacht so viel Energie, dass sie nach unserer Tagesetappe noch voller Kraft �ber die Koppel galoppieren und miteinander toben. W�hrend die Reiter meist ersch�pft vom Sattel steigen, scheinen unsere Pferde noch nicht ausgelastet zu sein.

Pferd und Reiter haben sich an den Tagesablauf gew�hnt und wir werden von Tag zu Tag schneller. Alles klappt wie am Schn�rchen.

Morgens krabbelt einer nach dem anderen - mehr oder weniger verschlafen - aus dem Zelt. Zuerst werden die Pferde gef�ttert, anschlie�end gibt es f�r uns Fr�hst�ck - meist in freier Natur. Hinterher bauen wir unsere Zelte ab und das Auto wird beladen. Dann geht es zu unseren Pferden. Wir putzen, satteln, bauen den Elektrozaun ab, laden Wassertr�ge und Eimer in den H�nger und los geht�s. Mittlerweile reiten wir meist zwischen 7:30 und 8:00 Uhr los. Unser Tagesziel erreichen wir gegen 16:00 Uhr. Wir und die Pferde sind nach sieben Wochen ein gut eingespieltes Team.

Es ist beeindruckend, wie wenig man zum Gl�cklichsein braucht. Zelt, Isomatte, Schlafsack, Pferd, nette Mitreiter, Natur, am Abend eine Dusche, warmes Essen, Lagerfeuer, etwas Bier und Wodka. Herrlich. Unsere Anspr�che haben sich wie von selbst zur�ckgeschraubt. Eine selbstgebastelte Dusche mit Gartenschlauch und die Duschkabine aus einer Plane sind uns genug. Man gew�hnt sich an alles. Ein richtiges Klo empfinden wir inzwischen als puren Luxus. Es ist ja auch viel sch�ner hinter einem Busch zu hocken und den Blick in der Natur schweifen zu lassen, oder?

Wir tr�umen nicht unser Leben, wir leben unseren Traum�