No Name City - Pullman City

Bei meinem Ritt von der einen Westenstadt zur anderen im vergangenen Jahr war ich am Abend des 25.08.04 etwas m�de und ersch�pft am Biobauernhof Dangl in H�f im Yspertal angekommen. Daysi und ich waren bis dahin seit dem 12.08.04 unterwegs. In der No Name City sowie in der Spiellaube bei Frankenfels hatte ich ihr einige Zeit der Rast geg�nnt. Mehr als die H�lfte meines Rittes hatten wir bereits hinter uns. Teilweise war ich auf Pfaden unterwegs gewesen, welche in der Karte als Wanderwege eingetragen waren. Dabei hatten wir viele schwierige Stellen unbeschadet gemeistert. Die Trittsicherheit des Pferdes sah ich als hervorragend an und auch unser wechselseitiges Vertrauen sucht seinesgleichen.

Auf dem Danglhof wurde ich bestens bewirtet. Am Abend musizierte die B�uerin gar mit den G�sten vom Hof. Mir gefiel es dort so gut, dass ich, als der n�chste Morgen verregnet war, einen zus�tzlichen Pausentag dort einlegte, da die n�chste Etappe wieder eine gewaltige Tour bis in die M�hlviertler Alm war und ich nicht nochmals so durch und durch nass werden wollte wie auf meiner Etappe vom Annaberg bis zur Spiellaube.

12. Etappe: Freitag, 27.08.04

An diesem Tag hatte ich vor, es bis zur Wild Mountain Ranch der Familie Tober zu schaffen. Sehr zeitig versorgte ich Daysi, mistete aus und putzte sie. Ich sattelte sie auf und band sie danach so an, dass sie ruhig weiterfressen konnte. Bei meinem eigenen Fr�hst�ck mit dem vollmundigen Kakao packte ich mir auch diesmal wieder ein Lunchpaket zusammen, dann konnte es schon weitergehen.

Wenn Daysi �ber Nacht in einer Box gestanden war, so f�hrte ich sie immer einige Kilometer weit, ehe ich aufsa�. So auch an diesem noch k�hlen und feuchten Morgen.

 

Die Klamm an der linken Seite hochreitend, wandte ich mich Richtung Nordwesten. Tief in den wundersch�nen K�nigswald f�hrte mich dieser Weg. �ber die Wurzeben erreichten wir den still romantisch gelegenen Pfaffenstegteich.

 

Der Teich lag so sch�n still und ruhig vor mir, dass ich Daysi eine gr��ere Fresspause g�nnte und ich diese herrliche Landschaft dort voll auf mich einwirken lie�. Im langsamen Galopp ging es dann weiter bis zum Schlesingerteich und an diesem linkerhand vorbei Richtung Zilleck.

Dort trafen wir wieder auf eine Asphaltstra�e, wo ich wieder einmal absa� und das Pferd f�hrte. Vor Ottenschlag kamen wir an einem Stall an, an dem Achal-Tekkiner gehalten werden. Dort wurde mein Reittier allerbestens gelabt und auch ich genoss ein gro�es Glas Wasser. All den weiten Weg hatte ich meinen und Daysis Durst von der Mutter Natur und deren Quellen und B�chen gestillt. �berhaupt, auf dem weiten Weg und mit dessen konditionellen Anforderungen an Pferd wie Reiter, ich hatte mich schon lange nicht mehr so �beraus wohlfit und rundum �pumperlg�sund� gef�hlt. Ich fand mein Leben auf der Wanderschaft �beraus gesund und weiter empfehlenswert, t�glich fest marschierend und gem�tlich dahinreitend. Tags�ber mit wenig an Essen auskommend, ohne vollen Magen, erm�dete ich viel weniger leicht und hatte dennoch keinen �berm��igen Hunger. Aber an den Abenden, da konnte ich Riesenportionen verschlingen, um nachzutanken, was ich tags�ber an der stets frischen und klaren Luft an Energie oder Kalorien verbraucht hatte. Meine Schenkel und Waden kamen mir schon beinahe �steinern� vor. Kein Berg mit noch so steilem Anstieg schreckte mich ab, ihn zu Fu� mit Daysi im Schlepptau samt deren Sattel und dem daraufgeschnallten Gep�ck zu ersteigen. Mehr als ein Drittel des weiten Weges bin ich so gut und gerne selbst in einem flotten Schritt marschiert, um die 6 Kilometer pro Stunde herum.

Der Tober Gust hatte mir am Telefon gesagt, dass bei Br�cklwald die Reitwegemarkierungen der M�hlviertler Alm beginnen w�rden.

Als wir die erste Markierung erreichten, folgte ich diesen. Vor der Reindlm�hle w�hlte ich aber dann doch einen kurzen Abschneider, um etwas Zeit und M�hen uns zu ersparen. Dadurch kamen wir an der anderen Bachseite bei dieser M�hle an. Ein schmale Br�ckensteg, genaugenommen drei Planken in L�ngsrichtung, trennten uns von der anderen Seite. Der Steg war zu schmal f�r Daysi mit dem Sattel und dem Marschgep�ck. Kurz �ber dieses Problem nachgedacht, schn�rte ich schon die Packtaschen vom Sattel und band die beiden Steigb�gel �ber dem Sattelhorn zusammen, um sie �ber den Steg zu f�hren. Auch ihr schien die Enge h�lzerne Br�cke zu schmal. Sie setzte z�gernd das eine Vorderbein auf, um dieses sogleich auch wieder zur�ckzuziehen. Nach dem selben Spiel mit dem anderen Bein (Wir Reiter kennen das ja eh alle, nur Zeit muss man diesen liebenswerten und treuen Gesch�pfen Gottes geben.) setzte sie beide Vorderbeine auf die Br�cke. Ich drehte mich voll schnell um und st�rmte mit Daysi, an den Z�geln hinter mir nachziehend, regelrecht zum anderen Ufer, in Sorge, sie k�nnte mir bei den feuchten Balken seitlich wegrutschen. �Uff! Geschafft!� Das waren meine Gedanken hinterher. Heil dr�ben angekommen, machte ich noch ein Foto von dem schmalen Steg.

Danach band ich flugs wiederum die hinteren Packtaschen an und weiter ging es. Ein Jahr zuvor hatte Daysi bei ihrer ersten Bekanntschaft mit dem M�hlrad noch leicht gescheut. Diesmal war es ihr �schnurzegal�. Sie kannte von da an den Weg wieder einmal ganz alleine. Ich h�tte ruhig ein Nickerchen im Sattel machen k�nnen.

Bei den Tobers auf der Wild Mountain Ranch am Wildberg bei Unterwei�enbach wurden Daysi und ich herzlich empfangen. Daysi wollte ich dort eine mehrt�gige Pause g�nnen, ehe es von da aus, wie im Mai 2004 zuvor, die restlichen 200 Kilometer weiter nach Westen in die deutsche Westernstadt gehen sollte.

Zwischenzeitlich war auch wieder der Hufschmied angesagt. Zu diesem Zweck verlud ich Daysi auf einen H�nger und begab mich nach Bad Leonfelden, um dort im Stall Ollmann den mir vom Stefan Grum empfohlenen Hufschmied Josef Tramberger aufzusuchen, welcher zur gleichen Hoof Protection-Vereinigung wie Stefan z�hlt und der an jenem Tage dort arbeitete. Ich war im Juli vergangenen Jahres schon einmal kurz in dem Stall gewesen und die Familie Ollmann hatte uns damals mit ihren Missouri-Foxtrottern eine Pat Parelli-Vorf�hrung vom Feinsten geboten. Ich war damals ganz angetan gewesen, von dem angenehmen, aber doch sehr flotten Schritt dieser Rasse. Am Hof stellte sich heraus, dass Daysi in den Tagen der Rast ein Eisen verloren hatte. Die restlichen drei Eisen konnte ich in der Mitte abbiegen, so d�nn waren sie nach 500 Kilometern geworden. Seit dem Jahr 2000 lasse ich Daysi auf Anraten von Stefan Grum mit NBS-Eisen beschlagen. Dies f�hrt meiner Meinung nach zu geringeren Erm�dungserscheinungen bei gro�en Wanderritten, da die nach hinten zur�ckversetzten Eisen das Abrollen des Hufes wesentlich erleichtern.

Am Dienstag der ersten Septemberwoche des Jahres 2004 wollte ich meinen Ritt fortsetzen. Auf demselben Weg, den ich im Mai desselben Jahres mit dem Tober Gust als F�hrer, dessen Tochter Sandra sowie den beiden t�chtigen Steirerm�dels Gitti Morocutti und Andrea Gruber bereits einmal gegangen war. Aber das Wetter hatte umgeschlagen und es nieselte wieder einmal andauernd dahin. Zus�tzlich hustete Daysi.

An dem Tag hatte bei den Tobers ein Wanderreitf�hrerkurs begonnen. Herr Dr. Kaum hielt einen eint�gigen, sehr interessanten Vortrag, den ich mir anh�rte. Zigmal lieber, als bei dem feuchten Wetter wieder unterwegs zu sein. Mittag lie� ich Daysi von ihm checken, und der Herr Veterin�r gab mir gr�nes Licht f�r die Fortsetzung meines Rittes.

Die Strecke bis Eging in 5 Etappen, die ist Gust Tobers Reitstrecke, und darum will ich hier nicht n�her darauf eingehen. Gust f�hrt meistens im Mai Reitergruppen von der M�hlviertler Alm in die deutsche Westernstadt Pullman City. Ich hatte mich im Mai mehr auf meine Reitkameraden und Reitkameradinnen sowie auf das Pferd unter mir konzentriert, wobei ich im Nachhinein immer noch die Fitness der beiden Steirerm�del von damals bewundere. So konnte ich diesmal viel mehr mein Augenmerk der wundersch�nen Landschaft, welche vom Pferder�cken so ganz anders als von einem Auto oder Zug �erfahren� werden kann, widmen.

Auf den letzten 200 Kilometern in die deutsche Westernstadt gab es ebenfalls viel zu erleben. Einmal ist mir Daysi beim Lenz-Bauern auch abgehauen! Hat sich wahrscheinlich gedacht: �Mir reicht�s! Ich geh� allein zur�ck!� Ich h�tte gerne ein Foto von mir gehabt, mit meinem baffen Gesicht, als ich eine Stunde sp�ter die Koppel, auf die ich das Pferd fr�h am Morgen zum Grasen gestellt hatte, leer vorfand.

Die wohl letzten zehn Kilometer am Samstag, dem 04.09.04, waren die l�ngsten Reitkilometer, welche ich je zur�cklegte. Mir wie dem Reitpferd reichte es wahrlich. Ich dachte, jetzt und jetzt muss ich sie zu meinem Ziel tragen. F�r meine Begriffe schlichen wir uns an die Westernstadt heran. Nichts war es mehr mit unseren 5-6 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit. Erst auf den letzten f�nfhundert Metern erkannte Daysi, dass sie den Weg schon einmal gegangen war und dass das Ziel ganz nahe war.

Dort erwarteten uns schon mein Freund Peter F�rnhammer und seine Frau Silvia, mit denen wir die R�ckreise antreten wollten. Ohne dessen tatkr�ftigste Unterst�tzung h�tte ich diesen Ritt niemals machen k�nnen. Ich danke es dir, Peter, noch im Nachhinein.

In der Westernstadt Pullman City wurden Daysi und ich dann noch aufgefordert, an einem Umzug mit teilzunehmen.

Das war nicht ihres. Menschenmassen und gro�es Geklatsche sowie Bravorufe lie� sie unter mir im Ansatz zum Rodeopferdchen werden. Ich lie� sie los und im Galopp legte lie� sie die f�r sie so furchtsamen paar hundert Meter entlang der Zuschauermengen hinter sich.

All die vielen Berge und all die Wege mit den gro�en Gefahren hatte sie m�helos zur�ckgelegt. Ver�ndert hatte sie sich in der K�rperform. War sie so schon von Haus aus eher der elegante Quartertyp mit 1,56 Stockma�, so war sie auf dem weiten Ritt immer schlanker, aber auch l�nger und z�her geworden.

 

Dem Sohn des Gr�nders dieser Westernstadt �bergaben wir noch w�hrend des Umzugs die Depesche, welche von der No Name City aus einen eigenen, recht abenteuerlichen Weg gegangen war. Aus Sorge, das P�ckchen und dessen Siegel unterwegs in all den vielen Reittagen zu zerdr�cken, hatte ich es mehreren Personen der Reihe nach �berantwortet, und Peter hatte es f�r mich von Steyr abgeholt und mir nachgebracht.

Dann ging es in den H�nger und ab nach Hause in Richtung Korneuburg zum Fichtenhof, wo wir am 12.08.04 uns auf den Weg gemacht hatten. Dort angekommen war die Freude Daysis �bergro�, als sie ihren Heimatstall nach dreieinhalb Wochen wiedersah. 19 � Jahre war sie auf diesem Weg gewesen.

Ein halbes Jahr sp�ter musste ich sie nach kurzer, schwerer Krankheit einschl�fern lassen. Dieses Pferd war f�r mich �DER PARTNER PFERD� im wahrsten Sinn des Wortes.

Drau�en in der Natur, da waren wir EINS mit dieser. Nun, uns allen ergeht es oder ist es auch schon so ergangen, dass wir uns von so einem treuen und edlen Tier verabschieden m�ssen oder auch schon mussten. F�r mich will ich Daysi im Pferdehimmel wissen. Dort, wo es immer saftige, gr�ne Wiesen gibt. Wunderbare T�ler und tiefe W�lder von klaren B�chen und Fl�ssen durchzogen. Da, wo es keine Z�une, Stra�en oder sonstigen Grenzen gibt, welche diese wunderbaren Gesch�pfe der Natur in deren Freiheit beengen.

Mir selbst ist die Freude am Wandern und Reiten f�r einige Zeit ein klein wenig vergangen. Aber das Leben geht immer weiter und es gibt viele wundersch�ne und liebenswerte Pferde...

1000 Meilen in einem St�ck durchzureiten und zu durchwandern in unserem wundersch�nen �sterreich, w�ren f�r mich ein n�chstes interessantes Ziel als auch eine gro�e Herausforderung. Vielleicht gelingt es mir, dieses Vorhaben demn�chst auch umzusetzen. Probieren will ich es Anfang August 2005 rundum und quer durch mein sch�nes Nieder�sterreich. Im Jahr 2006 w�re ein Ritt vom Neusiedlersee bis zum Bodensee in Verbindung mit einer Querung �ber den Nord-S�d-Pass des Gro�glockners ein f�r mich ebenfalls erstrebenswertes Ziel.

Wandern und Reiten ist eine wunderbare Sache. Man kann dabei unser einzigartiges Land mit ganz anderen Augen kennen lernen. Auch mit dem Stolz im Hintergrund, diese und jene Strecke geschafft und dabei viele einpr�gsam sch�ne Momente erlebt zu haben. Vielleicht sehen wir uns?

Der Ritt von der einen Westernstadt zur anderen auf gro�teils mir zuvor unbekannten Pfaden war f�r mich bis zum heutigen Tag das Abenteuer meines Lebens und zugleich auch � ohne es zu wissen � mein allerletzter gro�er Ritt mit Daysi.