Ber�hmte Quarter Horses
OLD SORREL
�bersetzung und Bearbeitung: Heinz Langer
Eine Serie f�r QH-Z�chter & Enthusiasten
Teil I
Habe ich in der letzten Ausgabe der WN (3/04) �ber Steel Dust und die Steel Dust Horses berichtet, so wollen wir auch diesmal in die Vergangenheit, n�mlich an den Anfang des 20. Jahrhunderts zur�ckkehren und �ber den ber�hmten Hengst der King Ranch, Old Sorrel, und seine Bedeutung f�r die Quarter Horse-Rasse nachdenken.
Der Hengst lebte von 1915 bis 1946 und seine Blutlinie hat noch heute, 80 Jahre sp�ter, f�r die QH-Zucht hohe Bedeutung. Man findet sie, wenn man die Geschichte der Rasse zur�ckverfolgt, in allen bedeutenden Siegern von Working Events.
Die King Ranch in Kingsville im S�den von Texas war Zuchtst�tte und Heimat von Old Sorrel, dessen Nachkommen ab 1940 die erste Ausgabe des AQHA-Stutbuchs f�llten. Er war die Verk�rperung des idealen All Around-Pferdes, wie es sich die Pferdez�chter damals vorstellten, ein Ranchpferd, das perfekte Aktion f�r die Rinderarbeit, f�r den schon damals in den USA beliebten Polosport und f�r den Alltagsbedarf aufwies. Von seinen Top-Eigenschaften abgesehen, vererbte er auch ein wundervolles Wesen, das QH-Besitzer noch heute sch�tzen und die Rasse f�r den Menschen besonders umg�ngig macht.
Seine superbe Charakteristik wurde durch erlesene und vorsichtige, ja wissenschaftliche Zuchtauswahl bei seinen Nachkommen fixiert und immer mehr perfektioniert. So f�hrte zur Zeit der AQHA-Gr�ndung jedes King Ranch Quarter Horse Old Sorrel-Blut.
Die ber�hmte King Ranch, die jedem Quarter Horse-Kenner ein Begriff ist, wurde bekanntlich von Kapit�n Richard King 1853 gegr�ndet. Der Schiffskapit�n zahlte damals 300 Dollar f�r 15.000 Acres spanisches Land, das von den wenigen Bewohnern jener Zeit nach dem Bach Santa Gertrudis �Rincon de Santa Getrudis� genannt wurde. Entlang der Ufer des Santa Gertrudis Creek errichtete Captain King eine Rinderzucht, zusammen mit einem Partner namens Gideon K. Lewis, der sp�ter erschossen wurde. Man lebte ja zur Zeit des Wilden Westens, wo derartige Vorkommnisse nicht selten waren. Die King Ranch erwarb im Laufe der Zeit immer mehr Land, sodass sie gegen Ende des 20. Jahrhunderts gr��er war als der Bundesstaat Rhode Island.
Zur Zeit von King�s Tod, am 14. April 1885, war die Ranch bereits auf 600.000 Acres (300.000 Hektar) angewachsen und verf�gte �ber Tausende von Rindern und Pferden.
Die Gattin des Kapit�ns, Henrietta, �bernahm das Unternehmen und machte ihren Schwiegersohn, Robert Justus Kleberg, zum Partner und Manager der Ranch. In den folgenden 40 Jahren verwirklichten die beiden Partner durch neue produktivere Methoden im Land- und Vieh-Management den seinerzeitigen Traum Captain King�s und machten die Ranch zur gr��ten der Welt.
Kleberg war Rechtsanwalt von Beruf und kam mit King in Verbindung, indem er den Kapit�n in einem Rechtsfall vertrat, den er gegen die gegnerischen Anw�lte haushoch gewann. King engagierte den jungen Mann am Tag nach dem Prozess. Der Anwalt bekam immer mehr Einblick ins Rindergesch�ft und heiratete schlie�lich King�s Tochter Alice.
Ihre beiden S�hne, Richard M. �Dick� und Robert Justus Jr. �Bob� f�hrten die Ranch ab 1916 weiter, nachdem der Vater schwer erkrankt war. Mit dem Beispiel ihres Vaters und Gro�vaters vor Augen, entwickelten die Br�der neue progressivere Methoden der Betriebsf�hrung, sodass das Unternehmen wuchs und wuchs.
Dick studierte an der University of Texas und schloss als Rechtsanwalt ab. Er wurde zun�chst Kongressabgeordneter der Vereinigte Staaten, doch 1911 kehrte er auf die Ranch zur�ck, um seinen Bruder beim Management des Rinderimperiums zu unterst�tzen.
Bob hatte an der University of Wisconsin zwei Jahre Landwirtschaft studiert, bevor er 1911 wieder auf die Ranch zur�ckberufen wurde. Er musste sich zun�chst vor allem um das Cattle Business k�mmern, sein Hauptinteresse aber lag in der Pferdezucht. Die Ranch verf�gte damals �ber Zuchthengste verschiedener Rassen. Es gab Thoroughbreds, Standardbreds, Araber, Saddlebreds und Morgan-Hengste, die mit Zuchstuten-Herden gepaart wurden, die noch auf die Mustangherde der Gr�nderzeit unter Captain King zur�ckzuf�hren waren. All diese Produkte gen�gten jedoch nicht den Anspr�chen der Ranch, was Gesundheit, H�rte und Brauchbarkeit als Rinderpferd betraf.
Die Clegg Horses
Bob, der immer f�r Neues und Verbesserungen aufgeschlossen war, reiste viel umher und sah sich auch auf anderen Ranches nach Rindern und Pferden um. So hatte er bald ein Auge auf die Pferde des benachbarten Ranchers und Z�chters George Clegg geworfen. Cleggs Stolz war eine Herde von Zuchtstuten, die sorgsam ausgew�hlt waren, um gutes Aussehen und hervorragende F�higkeiten f�r die Rancharbeit an ihre Fohlen zu vererben. Er nannte sie liebevoll seine Wax Dolls.
Clegg andererseits war auf der Suche nach Qualit�tshengsten, mit denen er seine Stuten decken konnte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lie� er seine Stuten von Little Rondo, einem Sohn von Skyes Rondo bedecken. 1905 kaufte Clegg den J�hrling Little Joe, von Traveller. Nach einer sehr erfolgreichen Rennkarriere deckte Little Joe einige Jahre lang Cleggs Stuten, bevor er an Ott Adams, einen anderen benachbarten Z�chter mit gro�er Erfahrung, der f�r seine schnellen Pferde bekannt war, verkauft wurde.
Danach kaufte Clegg den viel versprechenden jungen Hickory Bill, einen Sohn des ber�hmten Rennpferdes Peter McCue. Peter Mc Cue, wie auch sein Sohn Hickory Bill, waren Zuchtprodukte von Samuel Watkins, dem Betreiber der Little Grove Stock Farm.
Hickory Bill�s Mutter war Lucretia M, eine Tochter des The Hero, einem Thoroughbred Stallion, von Iroquois, aus der Ontario, einer Tochter des brillanten Speedsters Bonnie Scotland. Seine Second Dam war ebenfalls eine Stute aus Watkins Zucht, namens Bird. Sie stammte von Jack Traveller, aus der Kitty Clide. Bei all diesen Pferden handelt es sich um Tiere, von denen wir in den vorhergehenden Kapiteln �ber ber�hmte Quarter Horses bzw. ihre Vorfahren bereits geh�rt haben.
Jack Traveller war in Texas gezogen. Seine Abstammung ist ungewiss. Sicher ist jedoch, dass er entweder ein Sohn oder Enkel von Steel Dust (v. Harry Bluff), aus der Queen, von Pilgrim (TB) war. Nach einer beachtlichen Rennlaufbahn f�r A.W. Green, kam er in den Besitz der Litle Grove Stock Farm.
Kitty Clyde war ein Rennpferd, das aus Kentucky nach Texas und danach nach Illinois kam, wo sie m�glicherweise in die H�nde von Samuel Watkins geriet. Nach einem fr�hen Thoroughbred-Stutbuch, welches der Vorl�ufer des American Stud Book (of TB) war, stammte die Stute von Star Davis (TB), aus der Margravine, von dem importierten Vollbl�ter Margrave. Sie bew�hrte sich sowohl als Zuchtstute als auch als Rennpferd. Zus�tzlich zu Bird, war sie die Mutter von Nora M, einer vollendeten Halbmeilen-Stute, die nach ihrer Rennkarriere Peter McCue zur Welt brachte.
Unter Cleggs Wax Dolls gab es vier Stuten mit ungew�hnlichem Background!
Dr. Rose, ein wohlhabender Zahnarzt aus Del Rio in Texas, besa� und betrieb einige Ranches in Mexiko. Unzufrieden mit den Pferden in seinen Remudas, fuhr Rose nach Kentucky und kaufte eine Wagenladung Stuten. Nachdem er sie auf seine mexikanischen Ranches gebracht hatte, verloren sie zwar ihre individuelle Identit�t, doch sie und ihre Nachzucht entsprachen in der Qualit�t genau den Vorstellungen von Dr. Rose. Nachdem die Stuten eine �berzahl von Fohlen produziert hatten, entschloss er sich, einige seiner Pferde zu verkaufen, einschlie�lich einer Wagenladung an den Rancher J.C. McGill, einen Partner im Rindergesch�ft von Clegg.
Clegg entdeckte vier alte Stuten in der Gruppe und integrierte sie in seine Herde. Er tauschte sie f�r einige seiner j�ngeren Stuten ein. Eine dieser Matronen, von der man annahm, dass sie eine der original Kentucky-Stute war, gebar 1915 ein wundersch�nes Hengstfohlen, dessen Vater Hickory Bill war. Im Pedigree des Sorrel Colts scheint als Mutter eine �Dr. Rose Mare� unbekannter Abstammung auf. Das spielte keine Rolle, da sie ihre offenbar hervorragende Gene auf das Fohlen �bertragen hatte.
El Alazan
Auf Klebergs Vorschlag begab sich sein Cousin Caesar Kleberg zur Clegg Ranch, um wie allj�hrlich Pferde einzukaufen. Caesar, ein exzellenter Pferdekenner, der aktiv im Management der King Ranch mitarbeitete, sah die wunderbar aussehende Dr. Rose-Stute und ihr Sorrel-Hengstfohlen. Nach einigem Feilschen kaufte er das Fohlen f�r 125 Dollar und lieh sich die Stute aus, damit sie ihren Kleinen zur Beruhigung auf die King Ranch zur�ckbegleiteten konnte.
Als das Hengstfohlen sich zu einem stattlichen Pferd entwickelt hatte, nannte man ihn einfach The Clegg Horse. F�r die Kinenos (so nannte man die mexikanischen Cowboys der King Ranch) war er
El Alaza, was auf spanisch The Sorrel bedeutete. Als er erwachsen war, �nderten sie seinen Namen auf El Alazan Viejo (The Old Sorrel). Als er in vorger�cktem Alter bei der AQHA registriert wurde, w�hlte man den offiziellen Namen Old Sorrel.
Auf der King Ranch war es Tradition, s�mtliche Hengste und Stuten bei der allt�glichen Rinderarbeit einzusetzen, um ihre F�higkeiten zu �berpr�fen - das traf auch f�r Old Sorrel zu. Bob Kleberg schrieb, das sich Old Sorrel als das au�ergew�hnlichste und beste Rinderpferd erwies, das die King Ranch je besessen hatte. Er war au�ergew�hnlich sch�n, hatte die besten Qualit�ten, was sein Exterieur und Interieur betraf, war au�erordentlich sanftm�tig und feinstens zu handhaben.
Old Sorrel war nicht nur ein bestechendes Cow Horse, sondern auch ein verdammt gutes Rennpferd.
Eine bekannte Anekdote illustriert Old Sorrels athletische Vielseitigkeit. Als bei der Gattin Bob Klebergs das Interesse f�r Vollblut-Springpferde erwachte, lie� sie einen regul�ren Spring Parcours auf der Ranch errichten. Bob sagte ihr, er h�tte ein altes Cow Horse, welches ohne weiteres die diversen Spr�nge meistern k�nnte, was seine Frau in Frage stellte. So holte Bob Old Sorrel von der Weide und ritt den damals 14-j�hrigen Hengst nur mit Halfter und ohne Sattel problemlos �ber s�mtliche Hindernisse einschlie�lich einiger mehr als 1,4m hoher Oxer. Offensichtlich wusste Kleberg, dass das Pferd bereitwillig alle Hindernisse nahm, so wie die dornigen Birnen- und Mesquite-B�sche, die es auch bei der t�glichen Arbeit �berspringen musste.
Old Sorrel hatte au�erdem noch zwei Eigenschaften, die das Ranch Management zu sch�tzen wusste.
Erstens war seine Farbe dunkel-sorrel bis chestnut, was eine rezessive Charakteristik bedeutet, die leicht nachzuz�chten war. Zweitens hatte er keinerlei wei�e Abzeichen an den Beinen. Dies bedeutete einen Vorteil auf den brandhei�en alkalischen und Sandb�den der Ranch, wo so wenig wei� wie m�glich an den Beinen erw�nscht war.
1916 kam Dr. J. K. Northway als junger Tierarzt auf die King Ranch. Auch er beschreibt Old Sorrel als wundersch�nen Chestnut von mittlerer Gr��e, mittlerem Gewicht und wundervoller Balance, sowie als vielseitigstes Pferd, das er kannte. Old Sorrel hatte 1,43m Stockma� und war von fehlerfreiem �u�eren:
�Ich sah Richard Kleberg und George Clegg den Hengst jeden Morgen ropen und cutten und nachmittags bestritten sie Rennen mit ihm. Man konnte ropen, cutten oder jede andere Rancharbeit mit ihm machen und er war in keiner Disziplin mittelm��ig sondern absolute Spitze.�
In der n�chsten Ausgabe der WN werde ich euch im 2. Teil �ber Old Sorrel, der das QH so entscheidend gepr�gt hat und den man als einen der wichtigsten Foundation Sires der QH-Zucht sehen muss, �ber die Lazarus-Stuten und die Nachkommen des Hengstes berichten.