Big Sky Country II

Im ersten Teil berichtete ich �ber Land und Leute in Montana und unseren Einstand als �Cowboys�. Unser erster Tag war schon sehr aufregend verlaufen, aber f�r uns war der zweite Tag der absolute H�hepunkt:

Ein echtes Cowhorse

Am n�chsten Morgen wurde nach dem Fr�hst�ck wieder die Pferdeeinteilung vorgenommen. Jack hatte wohl bemerkt, dass wir doch nicht so schlecht im Sattel sa�en und suchte anspruchsvollere Pferde f�r uns aus. Ich bekam Jordie und die Anweisung nur ja nicht am Z�gel zu ziehen, denn dann w�rde er mit dem Kopf schlagen.

Unsere erste Aufgabe war es, die kleine gemischte Kuh- und K�lberherde vom Vortag von der Weide neben der Ranch in die Corrals zu treiben. Dort sollten sie aussortiert werden. Es waren etliche Rinder mit der Ohrmarke der Nachbarranch dabei und die rancheigenen K�he hatten noch ihre K�lber bei Fu�.

Kaum kamen wir auf der Weide an, machte mir Jordie klar, dass er ein gutes Ranchpferd ist und besser als ich wei�, was zu tun ist. Er klemmte sich hinter Jake und sein Pferd und war dort nicht wegzubringen. Schlie�lich hatte Jake an diesem Morgen das Sagen. Jeden Versuch meinerseits, Jordie durchzuparieren, quittierte er zwar mit nerv�sem Kopfschlagen, aber nicht mit Temporeduktion. Als wir die Herde dann vor uns hatten und Jake antrabte, war mein Ranchpferd nicht mehr zu halten. Es galoppierte mit mir direkt auf die Herde zu und in weiterer Folge fanden wir uns, trotz meines Protests, mitten in jenem Tor wieder, durch das die Rinderherde sollte. Das war wohl die unpassendste Stelle weit und breit - Gott sei Dank hatte ich nicht verraten, dass ich schon an Rindern gearbeitet hatte. Von da an beschloss ich, mit Jordie nur noch ganz hinten zu reiten, um weitere Peinlichkeiten zu vermeiden.

Nachdem die Rinder aussortiert waren, hatten wir G�ste gemeinsam mit Jake und Jason die Aufgabe, des Nachbarn Rinder wieder auf seine Ranch zur�ckzutreiben. So setzten wir uns die Stra�e hinunter langsam in Bewegung und ich versuchte herauszufinden, woran die Kommunikationsprobleme zwischen Jordie und mir lagen. Bald merkte ich, dass Jordie einfach nur seinen Job bestm�glich erf�llen wollte. Er hatte einen �berschw�nglichen Arbeitseifer. Sobald er direkt hinter der Herde gehen durfte, war er absolut zufrieden. Am liebsten h�tte er die kleine Herde wohl ganz alleine zum Nachbarn zur�ckgetrieben. Pl�tzlich h�rte er auf meine Hilfen und war v�llig bei der Sache. Er erinnerte mich sehr an meine Bodercollieh�ndin, die auch dann am gl�cklichsten ist, wenn sie einen Job machen darf, der ihr liegt.

13 halbwilde Pferde

Nach etwa einer Stunde kamen wir am Zaun der Nachbarranch an, �ffneten das Tor und trieben die Rinder auf ihre Heimatweide. Pl�tzlich entdeckten wir eine kleine Pferdeherde, die durch das weite Tal vor uns trabte. Die Pferde waren kaum gr��er als Ameisen zu erkennen und unsere Cowboys Jake und Jason waren mit einem Schlag hellwach.

In kurzen Worten erkl�rten sie uns, dass das eine unserer Pferdeherden war, die wohl �ber den Sommer durch ein Loch im Zaun auf die Nachbarranch gewandert war und dadurch bis jetzt noch nicht gefunden und nach Hause getrieben werden konnte. Es w�re also gro�artig, wenn wir die Pferde nun zur Ranch treiben k�nnten.

Jason und Steve sollten das Tal umreiten und dann von hinten die Pferde in unsere Richtung treiben. Wie schnell halbwild lebende Pferde ihre Instinkte wieder gebrauchen, sahen wir daran, dass inzwischen die gesamte Herde auf den h�chsten Tafelberg hinauf galoppiert war, um sich dort in Sicherheit vor uns zu bringen. � Die Herde wusste schon lange von unserer Anwesenheit.

Ein beeindruckendes Schauspiel begann. Nach l�ngerem Warten sahen wir langsam am Bergr�cken hinter der Herde unsere beiden Cowboys auftauchen. Sofort setze sich die Pferdeherde in Bewegung � nur leider nicht ins Tal, sondern den Bergr�cken entlang. Stuten und Fohlen wieherten einander immer wieder zu, der Hengst blieb stets am Schluss und versuchte auch immer wieder durch Scheinattacken und zorniges Gewieher die beiden Reiter zu beeindrucken, um sie von ihrem Vorhaben abzubringen.

Am Gegenhang beschloss die Herde dann doch, den Weg bergab zu nehmen. Im vollen Galopp ging�s Richtung Tal den steilen Hang hinunter.

Nun kamen wir ins Spiel, denn Jason und Steve hatten keine Chance in dem atemberaubenden Tempo der Herde zu folgen.

The Wild Bunch

Unsere Aufgabe war es, die Herde in den Dryhead Canyon zu treiben, der hier seinen Ursprung hat und der direkt bis zur Ranch f�hrt. Gemeinschaftlich gelang uns das auch, obwohl die Herde immer wieder �berlegte, ob nicht doch ein Entkommen m�glich w�re.

Als wir den letzten Pferdeschweif und dahinter Peggy mit ihrem Pferd im Canyon verschwinden sahen, dachten wir, der Job w�re erledigt. Doch weit gefehlt � der Canyon hatte ein St�ckchen weiter vorne noch einen schmalen Seitenausstieg, den die Pferde kannten, aber wir nat�rlich nicht. Pl�tzlich tauchte am Canyonrand etwa die halbe Pferdeherde im vollen Galopp auf und raste den Hang hinauf. Peter, mein Mann, stand mit seinem Pferd am N�chsten und galoppierte sofort hinterher. Mir blieb nichts �brig, als mich jetzt wirklich auf mein Ranchpferd zu verlassen und in weitem Bogen zu folgen. W�hrend ich den Hang in m�rderischem Tempo hinaufgaloppierte, gab ich gleichzeitig meinem Mann Tipps aus meiner Rinderarbeit-Erfahrung. Das Schlechteste, was du in so einer Situation tun kannst, ist es n�mlich, der Herde direkt zu folgen. Das macht die Herde nur noch schneller. Also ging es darum, in einem gro�en Bogen die Herde zu umreiten, von vorne umzudrehen und zur�ckzutreiben.

Das machte Peter auch recht gut, aber leider lie�en sich diese halbwilden Pferde nicht wirklich davon beeindrucken, dass sich ihnen ein einzelner Reiter in den Weg stellte. Sie versuchten einfach, in einem Bogen um Peter herumzugaloppieren. Da kamen Jordie und ich ins Spiel. Wir waren inzwischen fast auf der H�he von Peter und durch lautes Rufen und auf die Herde zugaloppieren gelang es, die Tiere wieder Richtung Canyoneingang zu treiben. Diesmal waren wir schlauer und Peter platzierte sich gleich bei dem Seitenausstieg. Die Herde lief in den Canyon und wir folgten in aller Ruhe. Unser Hochgef�hl wurde noch dadurch verst�rkt, dass unsere beiden Cowboys zu uns kamen und uns zu unserem �great job� gratulierten. Von diesem Moment an erkl�rte ich Jordie zu meinem absoluten Lieblingspferd.

90 Meilen Cattledrive

Am n�chsten Morgen war das Fr�hst�ck schon f�r 6 Uhr angesetzt, denn wir mussten ja erst noch die Rinder auf der ranchnahen Weide zusammentreiben, bevor wir uns auf den Weg machen konnten. Ich hatte f�r die n�chsten drei Tage, die der Rindertrieb dauern w�rde, Roman, einen braven, kr�ftigen, roanf�rbigen Mustangmischling.

Wir brauchten eine gute Stunde, um die knapp 300 Rinder zusammenzutreiben und um 9 Uhr zogen wir stolz mit unserer Herde durch die Ranch Richtung Stra�e.

Die n�chsten drei Tage verliefen sehr ruhig. Die K�he kannten ihren Weg, manche liefen ja schon zum zehnten Mal die selbe Strecke. Unser Job bestand nur darin, hinten ein bisschen anzutreiben, damit die langsamen K�he nicht zur�ckblieben.

Am zweiten Tag durchritten wir den landschaftlich sch�nsten Teil. Es ging nicht nur der Stra�e entlang, sondern durch den Dead Horse Canyon. Hier konnten h�chstens zwei Rinder oder Reiter nebeneinander gehen. In engen Windungen ging es �ber Stock und Stein � und das bei strahlendem Sonnenschein.

Am letzten Tag trieben wir die Herde zuerst stundenlang durch eine total w�stenartige Landschaft. Kein H�lmchen wuchs hier und jeder einzelne Huf zog eine Staubwolke hinter sich her. Zuletzt wurde es doch noch einmal spannend, denn jetzt kamen wir zum Highway in dichter besiedeltes Gebiet. Nun hatte jeder alle H�nde voll zu tun. Erst ging es mit der gesamten Herde �ber eine schwankende Br�cke, dann mussten s�mtliche Hofzufahrten und Weidetore durch Reiter abgesichert werden. Au�erdem machten uns riesige Trucks, die manchmal nicht besonders vorsichtig von hinten oder vorne an uns heranrauschten, ganz sch�n zu schaffen. Zu guter Letzt passierte das, was Jack schon am Tag zuvor bef�rchtet hatte. Kurz vor unserem Ziel hatte man die Stra�e frisch aufgesch�ttet, aber den Zaun zum benachbarten Alfalfafeld nicht erh�ht. Noch dazu grasten auf dieser saftiggr�nen Verlockung die K�he des Nachbarn. Und schon war es passiert � eine unserer K�he war einfach �ber den Zaun geh�pft und andere folgten ihr. Es war fast so, wie wenn ein Damm bricht. Die K�he waren fast nicht zu stoppen, obwohl wir uns mit unseren Pferden und lautem Geschrei dazwischen warfen.

Dank unseres Einsatzes waren es dann doch nur 15 K�he, die von Jake und Steve m�hsam zur�ckgeholt werden mussten. Die restlichen 280 K�he waren Minuten sp�ter erfolgreich in den Paddocks der Winterranch angekommen.

Das obligatorische BBQ am Abend hatten wir uns redlich verdient. Steaks vom Bio-Ranch-Rind mit allem, was dazu geh�rt, schmeckte sogar mir �Fast-Vegetarierin� hervorragend.

Am n�chsten Tag ritten wir noch einmal hinaus, um etwaige verirrte Rinder zu finden, aber es blieb bei dem Versuch. Anscheinend hatten wir unseren Job beim Round Up nicht schlecht gemacht.

Zu Mittag hie� es dann Abschied nehmen. In dieser kurzen Zeit war uns die gastfreundliche, hilfsbereite, naturverbundene Ranchmannschaft sehr ans Herz gewachsen. Aber uns war klar � wir werden wieder kommen!

Wer solche Abenteuer selber erleben m�chte, kann sich direkt mit der Ranch in Verbindung setzen: Schively Ranch, Prior Mountains, South of Billings, MT 82431 United States
Tel. 001/307/5486688, Fax 001/307/5482322, schively@starband.net, www.dryheadranch.com