Von der No Name City zur Pullman City
Teil IV


10. Etappe: Dienstag, 24.08.04
Fr�h am Morgen holte ich Daysi von der Weide und versorgte sie mit Heu und Kraftfutter. F�r den Tag hatte ich eine ca. 40 Kilometer lange Etappe geplant. Nach einem ausgiebigen Fr�hst�ck sattelte ich Daysi und es ging wieder weiter.
Auf den Asangkogel ging es gleich ganz sch�n hoch rauf. Auf der Nordwestseite f�hrte ich Daysi die Asphaltstra�e bis zur Burg Plankenstein und noch ein St�ck weiter. Von der Burg, durch welche direkt unser Reitweg f�hrte, hat man eine wunderbare Panoramasicht bei klaren Witterungsbedingungen.
Weiter ging es auf dem blau-wei�en internationalen Weitwanderweg Adria-Alpen-Ostsee in Richtung Norden. Bei den Reitpausen, in denen ich Daysi grasen lie�, genoss ich die sch�ne Landschaft.
Bei Gstetten nach Oberndorf kamen wir zur Melk. Auf der Kanalb�schung ging es im Handgalopp den schon etwas gr��eren Bach entlang. An einer Furt f�hrte ich Daysi ins Wasser, um sie wieder einmal trinken zu lassen, was sie auch ausgiebig tat.
Weiter ging es im gem�tlichen und kr�fteschonenden Handgalopp. Es ging relativ eben dahin und endlich konnte ich wieder gr��ere Distanzen schaffen. Die Berge hatten mich jede Menge Zeit gekostet und ich lag in meinem Zeitplan bereits um zwei Tage hinten. Zus�tzlich war ich, anstatt am 10.08. die ersten Etappen nach W�llersdorf zu starten, diese erst am 12.08 wegen beruflicher und privater Vorbereitungen angetreten. Somit war ich nicht nur zwei, sondern bereits vier Tage hinter meinem Plansoll.
Ich h�tte all die tollen Erfahrungen, herrlichen Erlebnisse und wundersch�nen Eindr�cke da drinnen im Gebirge im Nachhinein nicht missen wollen.
Vor Ruprechtshofen leitete mich ein Reitwegepflock nach rechts. Ich folgte dieser Richtung und entdeckte beim Geigelberg seltsame Erdh�hlen mit gro�en R�umen, welche in der Vergangenheit von Menschen gen�tzt worden waren.
Nach einem Blick auf meine Karte erkannte ich, dass ich wieder auf die linke Seite der Melk geh�rte. Durch Plankenstein und ein gro�es St�ck weiter f�hrte ich Daysi auf der Asphaltstra�e. Sie hatte mich die Melk hinunter die l�ngste Zeit getragen und mittlerweile war ich fast s�chtig nach selbst�ndigem Gehen. Au�erdem tut es bei solcherlei Wanderritten immer wieder gut, einige Zeit aus dem Sattel zu kommen.
Durch einen Irrtum verschob sich mein Etappenziel zum Reiterhof Wurzer nach Ruprechtshofen auf das Etappenziel Erber in Zelking. Im Reiterhof Wurzer durfte ich meinem Pferd freundlicherweise etwas Kraftfutter geben und auch mich labte der Seniorchef mit einem G`spritzten. Im Nachhinein gesehen, meine Daysi w�re in dieser Nacht wohl lieber in diesem Hof gestanden. Denn als wir dann im Gasthof Erber ankamen und ich f�r sie ganz alleine einen Standplatz im Stall erhielt, da sah sie mich schon etwas vorwurfsvoll an. So etwa wie: "Habe ich mir DAS heute verdient ?"
Nach dem Absatteln verwendete ich mein Knotenbosal, um hinter ihr den Standplatz abzubinden. Damit wollte ich sie wenigstens davor bewahren, mit dem Halfter vorne angeh�ngt zu werden. All die vielen Etappen bisher hatte sie sich n�chtens frei bewegen k�nnen bzw. war sogar auf Wiesenkoppeln gewesen, wo sie sich mit saftigem Gras hatte ern�hren k�nnen. Und nun das! Ich war etwas entsetzt. Aber ich hatte keine andere Wahl und sollte froh sein, diese Ersatzm�glichkeit zu haben.
Der Gasthausbesitzer, selbst Pferdehalter, hatte sein eigenes Pferd in einem anderen Stall eingestellt. Ich wollte ihn schon fragen, ob er da ebenfalls einen Standplatz hat. Das Essen war sehr gut und das Zimmer ordentlich. Aber insgesamt bisher war das die teuerste �bernachtung mit 54,- Euro samt Essen und Trinken. Einiges machte der Gastwirt bei mir wieder gut, als er mit mir zu einem Stall in der N�he fuhr, damit ich wenigstens f�r mein Pferd Kraftfutter bekam. Sie h�tte sonst f�r diese Nacht nur Heu gehabt.

11. Etappe: Mittwoch, 25.08.04
Fr�h am Morgen putzte ich Daysi, mistete aus, sattelte, h�ngte sie f�r die Zeit w�hrend meines Fr�hst�cks an und ging dann wieder weiter.
Hinter Zelking ging es hinein in den Wald. Bei den Feldern des Mitterbergs f�hrte unser Weg unter der A1 hindurch zur neuen Donaubr�cke bei P�chlarn. Nach Klein-P�chlarn auf der Nordseite der Donau hielt ich auf Maria Taferl hin zu. Direkt an der Wallfahrtskirche vorbei, w�hlte ich � unwissend der Schwierigkeit der Wegstrecke � einen in Serpentinen steil abw�rts f�hrenden Pfad. Der Weg war stellenweise so steil, dass ich nach einer Kehre, welche ich schon gegangen war und mein Pferd noch nicht, dessen Hufe in Augenh�he hatte. Ich machte Fotoaufnahmen von der Steilheit des Pfades, aber darauf sieht man die Steigung bzw. die Neigung des Hanges nicht so gut. Jedenfalls konnte ich Daysi von unten hinauf fotografieren. F�r mein Pferd eine Kletterpartie den Hang abw�rts, um B�ume herum und die Felsen hinunter. An einer Stelle musste sie mir h�fthoch nachsteigen. Aber auch diese Schwierigkeit meisterten wir beide ebenso bravour�s wie all die anderen zuvor. Unten angekommen, f�hrte ich Daysi zu einem Bach, woraus sie in gro�en Z�gen nach dieser Kraftanstrengung trank.
Danach ging es eine Klamm hoch, hinauf nach Untererla und weiter hoch nach Obererla. Da durfte Daysi wieder einmal ausgiebig grasen und ich konnte auf Maria Taferl und dar�ber hinaus weit nach S�den in die Berge blicken. Auch den Asangkogel konnte ich erkennen, wo ich zwei Tage zuvor meinen Ritt nach zwei Tagen Pause fortgesetzt hatte. Es ist schon etwas Erhabenes, wenn man auf eine Distanzstrecke von rund 60 Kilometern, welche man mit seinem Pferd zur�ckgelegt, dabei doch einiges erlebt und gemeinsam an Strapazen durchgestanden hat, zur�ckblickt.
Weiter ging es �ber Neuwaldh�usl dem Kaiserstein zu. Von S�den her ist er leicht anzureiten. Danach wurde es felsig und ein, zwei Stellen bedeuteten wiederum f�r meine Daysi allerh�chsten Schwierigkeitsgrad. Auch das meisterten wir.
Ob es zu meinem n�chsten Ziel, dem Peilstein, nochmal so schwierig oder gar noch schwieriger w�rde? Das ging mir die l�ngste Zeit, w�hrend wir auf den Peilstein zu hielten, durch den Kopf. Bisher hatten wir Gl�ck gehabt, aber dieses endlos Herausfordern wollte ich nicht, und so entschloss ich mich, auf eine Forststra�e westlich unterhalb des Kammweges zu wechseln. Quer durchs Gel�nde, durch verwachsene und zugewachsene Pfade k�mpften wir uns abw�rts. Schwieriger w�re der gerade Weg wahrscheinlich auch nicht gewesen. Unversehrt erreichten wir die angestrebte Forststra�e. Daysi hatte gro�en Durst und ich suchte nach einer M�glichkeit, sie zu tr�nken. Aus dem Hang floss immer wieder Wasser. Aber der Boden davor war relativ weich und Daysi vertraute diesem nicht. An einer Stelle war es dann doch m�glich, dass sie trinken konnte.
Bald darauf begann es zu regnen und ich musste meine Regenausr�stung auspacken. Bevor wir kurz vor unserem Etappenziel in H�f ankamen, ritt ich auf Daysi �ber die saftigste Wiese, die wir bisher auf unserem Weg vorgefunden hatten. Daysi war nicht zu halten und tauchte mit dem Maul in Klee mit L�wenzahnbl�ttern gemischt, um ihren gro�en Hunger zu stillen.
Es war nicht mehr weit zur Dangl-Ranch. Dort angekommen, leuchtete ein doppelter Regenbogen �ber das Peilsteinmassiv. Der Hof selbst war ein Musterbeispiel eines Rinderhofes und war �ber und �ber mit Balkon- und Sommerblumen geschm�ckt, sodass der Anblick eine wahre Freude war.