Big Sky Country

Als wir beschlossen am letzten Viehtrieb des Jahres der Dryhead Schively Ranch teilzunehmen, wussten wir noch nicht, wie sehr wir mit dieser Entscheidung ins Schwarze getroffen hatten.
Es gibt sie noch � die ewigen Weiten. Menschenleere, tiefe Canyons, zerkl�ftete Berge, endlose Grasebenen, dar�ber nur der weite, blitzblaue Himmel - Natur pur in Montana. Mitten in dieser grandiosen Landschaft eine einsame Ranch direkt auf einem alten Sioux-Indianerpfad. Eine kleine Oase im Dryhead Canyon � die Dryhead Schively-Ranch.
Montana hat eine Fl�che etwa halb so gro� wie Deutschland und weniger als 1 Million Einwohner. Es gibt nur 4 St�dte mit mehr als 25.000 Einwohnern. Eine davon ist Billings, die Hauptstadt, auf deren Flughafen wir am Nachmittag des 7. November 2004 auf unseren Transport zur Ranch warteten.
Stilecht rollte ein �ber und �ber mit Staub und Schlamm bedeckter Minivan vor die Ankunftshalle des kleinen Flughafens und ihm entstieg ein ziemlich beleibter, vollb�rtiger Cowboy, der sich als Jack, der Foreman der Ranch, vorstellte. Neben uns sammelte er auch noch die weiteren G�ste ein � Steve und Larry sowie Peggy. Larry und Steve � Vater und Sohn aus Kanada, verbrachten schon das 11. Jahr ihren Urlaub auf der Ranch und Peggy hatte sich den Aufenthalt selber zum 55. Geburtstag geschenkt.
Auf dem Weg zur Ranch holten wir noch Dime und Tilly, Jack�s Hunde, ab. Dime, ein Australian Shepherd-R�de, hat seit seinem 6. Lebensmonat nur noch drei Beine, am Viehtrieb ersetzt er aber trotzdem locker einen Cowboy.
Nach zwei Fahrstunden, in denen die Landschaft immer einsamer wurde, ging die Stra�e in einen Schotterweg �ber. Die n�chsten 18 Meilen bekamen wir nur eine verfallene, kleine Ranch und einige Weidez�une als Anzeichen menschlicher Anwesenheit zu Gesicht. Dieser s�dliche Teil Montanas ist von einer w�stenartigen Landschaft gepr�gt, durchzogen von H�geln und kleinen Canyons. Umrahmt wird die Gegend von den zerkl�fteten Pryor Mountains und den tafelbergartigen Big Horn Mountains.
In der Mitte des breiten Tales windet sich, mit unz�hligen kleinen Nebencanyons, der m�chtige, dreihundert Meter tiefe Big Horn Canyon. Eine schmale Zufahrtsstra�e bringt Besucher bis zum Aussichtspunkt an der Kreuzung von Big Horn und Devil�s Canyon. Die Aussicht ist �berw�ltigend, genauso wie das Echo, das erst 7 Sekunden sp�ter wieder an das Ohr zur�ckkommt.
Die Ranch liegt inmitten eines Crow-Indianerreservats. Davon bekommt man aber nicht viel mit, wenn man nicht die von Indianern bewohnten D�rfer besucht.

Schively-Dryhead Ranch
Auf der Ranch angekommen, wurden uns unsere Quartiere zugeteilt. Peter, mein Mann, und ich zogen in ein Doppelzimmer im Haupthaus. Wir teilten unser Badezimmer mit Peggy. Wer es so richtig urspr�nglich m�chte, kann aber auch in einem der beiden Schlafs�le im Bunkhouse, dem ehemaligen Quartier der Cowboys, schlafen. Das Bad liegt dann allerdings einmal �ber den Hof und das kann im November ganz sch�n frisch werden.
Ab dem Fr�hjahr gibt es auch einige kleine Cabins mit eigenem Bad.
Am n�chsten Morgen lernten wir Iris, die Senior-Chefin, kennen. Sie machte uns mit dem Hausgebrauch bekannt und erz�hlte auch einige interessante Details zur Geschichte der Ranch.
Noch bevor wei�e Siedler einen Fu� auf das Land setzten, war der Ort schon f�r die Ureinwohner wichtig. Kaum 300 Meter vom Haupthaus entfernt, den Dryhead Canyon hinunter, gibt es einen historischen �Buffalo-Jump�. Eine steil abfallende Klippe, an der die Indianer �ber Jahrhunderte Bisonherden in den Tod jagten, um an das begehrte Fleisch zu kommen. Noch heute kann man am Fu� der Klippe Bisonknochen finden.
Seit �ber hundert Jahren verdienen sich die Besitzer der Dryhead Ranch ihren Lebensunterhalt mit der Rinder- und Pferdezucht. Derzeit gibt es etwa 800 Mutterk�he und im Fr�hjahr die entsprechende Anzahl an K�lbern. Die Quarter Horse-Zucht besteht aus 10 Hengsten und etwa 70 Mutterstuten. Insgesamt leben auf der Ranch 150 Pferde, darunter auch etliche Mustangs und Mustang-Kreuzungen, die auch f�r die Rinderarbeit verwendet werden.
Die n�chsten freilebenden Mustangs findet man nur 20 Meilen entfernt in der Wildhorse-Range. Oft stehen die Tiere in kleinen Gruppen direkt neben der Stra�e und versuchen, vom sp�rlichen Graswuchs satt zu werden.
Doch auch die Zuchtpferde der Ranch m�ssen sich in den Sommermonaten ihr Futter selber suchen. Im Fr�hjahr teilt Joe, der Ranchboss, seine Stuten den passenden Hengsten zu und dann werden diese aus 7-9 Pferden bestehenden Herden jeweils auf einer der Weiden freigelassen. Die Ranch umfasst eine Fl�che von 8.000 Hektar, dadurch bekommen die Cowboys viele der Pferde nur alle paar Wochen zu Gesicht. Die Fohlen kommen in freier Natur in der Herde zur Welt und sind im Herbst, wenn die Pferde wieder eingefangen werden, um die kalte Jahreszeit auf der Winter-Ranch zu verbringen, bereits sehr geschickt und gut bemuskelt.
Im n�chsten Sommer werden die inzwischen einj�hrigen Pferde, mit den Zwei- und Dreij�hrigen und den Reitpferden auf eine riesige Weide in der N�he der Ranch gelassen. Mit drei Jahren beginnen die Cowboys die Pferde einzureiten und auf ihre Rancharbeit oder den Verkauf vorzubereiten.

Eine echte Working Ranch
Auf der Ranch gibt es zwar Unterbringungsm�glichkeiten f�r bis zu 14 G�ste, aber es ist und bleibt eine echte Working Ranch. Es gibt kein Sonderprogramm f�r die G�ste, jeder ist aber dazu eingeladen, bei allen T�tigkeiten auf der Ranch zu helfen. Es steht auch jedem Gast frei, einen Tag lang die Seele baumeln zu lassen oder seinem Hintern von den t�glichen 5-7 Stunden im Sattel eine Pause zu g�nnen.
Das Essen wird gemeinsam in einem eigenen Blockhaus eingenommen. Die typisch amerikanische Rancherk�che l�sst niemanden hungrig vom Tisch aufstehen. Hauptspeise mit mehreren Beilagen, Salat und als Nachtisch Brownies, Pies etc. werden von Jennifer, der Tochter von Joe und Iris, jeden Tag frisch zubereitet. Als Abschluss der Woche gibt es nat�rlich ein BBQ mit Steaks der rancheigenen Rinder � ein Gedicht!
Nachdem Iris ihre Schilderungen beendet hatte, trafen wir uns am sp�ten Vormittag bei den Corrals. In der Fr�h hatte Jake die Reitpferdeherde zusammen und in den Round Pen getrieben. Jack teilte jedem von uns einen Sattel und ein Bit zu. Diese Ausr�stung w�rde die ganze Woche unsere sein und wir sollten darauf acht geben.
Dann ging er mit uns zum Round Pen und fing f�r jeden ein passendes Pferd mit dem Lasso aus der Herde. Die Pferde werden mit dem Lasso gefangen, weil es zu gef�hrlich w�re, mitten in der zusammengepferchten Herde ein einzelnes Pferd zu z�umen. Nachdem die Reitpferde des Tages ausgesucht waren, wurde der Round Pen ge�ffnet und die restliche Herde zog wieder das Tal hinauf auf die Weide.

Das Round Up
Ich hatte an diesem Tag �Buck� bekommen. Ein sehr braver buckskin Quarter-Wallach, der leider auch ein wenig triebig war. Aber selber Schuld � ich hatte sicherheitshalber ja auch behauptet, obwohl ich ein eigenes Pferd bes��e, nicht oft zum Reiten zu kommen.
Unser Job an diesem Tag war es, die Rinder von den entferntesten Winkeln der Ranch auf eine zentrale Weide zusammen zu treiben. Als wir �ber 2 Stunden bis an den �u�ersten Winkel der Ranch ritten, bekamen wir jedoch kaum Rinder zu Gesicht. Dann ging es die Bergflanke entlang und je 2 Reiter wurden in einen der Canyons geschickt, um die darin befindlichen K�he Richtung Tal zu treiben. �Unser� Canyon war ziemlich steil und kaum von Trampelpfaden durchzogen. So ging es ganz sch�n brenzlig an Bergr�cken entlang, �ber steile Abh�nge hinunter und dann durchs Unterholz neben einem B�chlein. Doch dann marschierten auch �unsere� Rinder zum Sammelplatz. Nach und nach tauchten rundum aus Bauminseln und Canyons immer mehr Rinder auf. Am sp�ten Nachmittag zogen von allen Seiten der Ranch kleinere und gr��ere Gruppen von Rindern die Bergh�nge hinunter und sammelten sich zu einer stattlichen Herde von 250 St�ck.
Zu diesem Zeitpunkt hatten wir das erste Mal in dieser Woche richtiges Cowboy-Feeling. Die gesamte Mannschaft schlenderte am langen Z�gel in der riesigen Staubwolke, die von 1000 Rinderhufen aufgewirbelt wurde, der Ranch entgegen. In uns stieg das zufriedene Gef�hl auf, unseren Job richtig gut erledigt zu haben.
Nach 6 Stunden im Sattel schmeckte das sp�te Mittagessen im K�chenhaus besonders gut. Joe beschloss, dass noch genug Tageslicht w�re, um eine andere Weide abzureiten. Mein Mann und ich verzichteten in Hinblick auf unsere wunden Hintern und die kommenden langen Reittage auf diesen zweiten Ritt und entspannten uns auf der Ranch.
Erst eine Stunde nach Einbruch der Dunkelheit kam die restliche Mannschaft wieder bei der Ranch an. Mit ihnen etwa 30 K�he und K�lber.
Wie es uns am n�chsten Tag ging, als wir die Rinder aussortierten, eine 13-k�pfige, halbwilde Pferdeherde zur�ck zur Ranch trieben und uns dann auf den dreit�gigen Rindertrieb von Montana nach Wyoming begaben, k�nnt ihr im zweiten Teil von �Big Sky Country� lesen.

Wer solche Abenteuer selber erleben m�chte, kann sich direkt mit der Ranch in Verbindung setzen: Schively Ranch, Prior Mountains, South of Billings, MT 82431, United States
Tel. 001/307/5486688, Fax 001/307/5482322, e-mail schively@starband.net, Homepage: www.dryheadranch.com