Wie die Cowboys die Stiefel entdeckten
Text & Fotos: William Manns
�bersetzung: Sonja Gr�nauer
( Aus Western News 2/2004, Seite 8 )
Vor der Erfindung der hohen Stiefel im sp�teren 19. Jahrhundert, trugen die Cowboys Milit�rstiefel � gro�e Langschaftstiefel aus grobem schwarzem Leder, genannt Kip. Diese fr�here Fu�bekleidung in der Pr�rie hatte einen flachen Schuhabsatz und war vorne rund geschnitten. Entgegen der Meinung der Historiker gab es keinen Unterschied zwischen linkem und rechtem Schuh. Der urspr�ngliche Cowboystiefel, der Nachkomme des schlichten Cavallery-Boots, tauchte in der Zeit um 1860 auf. Erst nach 1870 fertigten die Cowtown Schuhmacher einen Stiefel f�r junge M�nner, die die meiste Zeit im Sattel verbrachten � so wurde der Cowboy-Stiefel ein Teil der Western-Mode. Der urspr�ngliche Cowboystiefel war mit seinen hohen Abs�tzen nicht zum Laufen bestimmt, war aber n�tzlich f�r die Sicherheit und Bequemlichkeit bei der Arbeit im Sattel. Der vordere spitze Teil erlaubte es den Cowboys in und aus den Steigb�geln zu rutschen. Der Absatz sch�tzte den Fu�. Um den Halt in den Steigb�geln zu verbessern, wurde die Fu�w�lbung der Stiefel verst�rkt. Die meisten Cowboys kamen nach den langen Texas-Kansas-Trails mit dreckigen, abgetragenen Stiefeln z�r�ck. Sofort nach ihrer Ankunft kauften sie sich ein Paar ma�geschneiderte Stiefel. Dieser wesentliche Bestandteil ihrer Kleidung kostete damals zwischen 3 $ und 20 $ - das beste Paar kostete fast einen halben Monatslohn. Die urspr�nglichen Stiefeln hatten eine Einheitsgr��e von 17 inch und sch�tzten den Cowboy vor Kakteen, Disteln, W�stenbeifu�, Wundreibung, Klapperschlangen, Schlechtwetter und vor Tritten der Rinder und Pferde. Es ist schwierig, festzustellen, wer definitiv den ersten Cowboy-Boot entworfen hat. T.C. McInerney gr�ndete einen Schusterladen in Abilene (Kansas) � der allerersten Cowtown - um die Viehtreiber mit wesentlichen Utensilien auszustatten. Seine Stiefel -hochhackig, gekappt mit Sternen und Sichelmonden verziert � kosteten zwischen 12 und 20 $.
Das Gesch�ft entwickelte sich gut, dass er eines Tages, mitten in der Abilene�s Hochsaison, bereits 20 M�nner f�r die Herstellung der Stiefel besch�ftigte. 1870 er�ffnete Charles H. Hyer ein Gesch�ft in Olathe/Kansas. Er wurde bereits oft als Produzent der ersten Cowboystiefel bezeichnet, die einen linken und einen rechten Schuh hatten.
Neben dieser bereits erw�hnten M�nner glauben Historiker jedoch, dass der �Coffeyville Boot�, der Mitte der 1870er entstand, der eigentliche erste typische Cowboystiefel war. Diese Art der Stiefel wurde von William Bright und John Cubine in Coffeyville/Kansas auf den Markt gebracht.
Jo Mora, ein fr�her Autor, erw�hnte, dass der Coffeyville Boot einer der typischen fr�heren Stiefel gewesen sei. Es war bereits der Lieblingsstiefel der Dalton-Bande und hei� begehrt bei den Cowboys von Texas bis Cheyenne. Er war aus schwerer Kuhhaut gefertigt und hatte relativ niedrige Sch�fte, die Abs�tze waren verst�rkt und abgeschr�gt und die Zehen durch die Stiefelspitze fixiert. Nachdem die Cowtowns sich vermehrten, gab es auch mehr Stiefelmacher, die den Stil ihrer Stiefel immer wieder variierten und diese dem Geschmack und dem Einsatz des K�ufers entsprechend anpassten.
Ein weiterer bekannter Stiefelmacher war Tony Lama, der 1912 in El Paso/Texas seinen ersten Shop er�ffnete und sogar f�r Pr�sident Truman 1948 Stiefel anfertigte. Diese Stiefel hatten K�nguruh-Sohlen, einen Ziegenleder-Oberteil mit Silber und Gold-Inlays. Ein weiterer Stiefelmacher, M.L. Leddy verstand es, seine Stiefel durch aparte Stickereien zu Preisen von $ 425 zu verkaufen - selbst heute noch kostet ein gutes Paar Cowboystiefel fast einen Monatslohn.
F�r jene, die sich keinen 20$ Boot vom Stiefelmacher leisten konnten, war es m�glich bei Sears, Roebuck & Co. und Montgomery Ward Stiefel zu leistbaren Preisen zu erstehen. Tom Mix, der in den 20er Jahren mit einigen Rodeostars unterwegs war, entwickelte den Style mit abgerundetem und engerem Zehenbereich, ein Stil, der sich bis in die 40er Jahre hielt. Danach wurden die Acme Boots aktuell, die bis heute noch einen popul�ren Namen auf dem Markt haben. Neben der Variationen im Zehenbereich gab es auch Variationen in der restlichen Ausf�hrung, wie bei den Bestickungen mit verschiedenen Mustern, wie Schmetterlingen, Igel, Flaggen, Kakteen, Rosen und Brandzeichen. Auch die Liste der verwendeten exotischen Lederarten wurde l�nger: Armadillo, Elefantenleder, Kr�tenleder, Nerz, Ameisenb�r, Krokodilleder, Alligatorleder, Straussenleder, Seeschildkr�te etc. Dies lie� bereit 1860 so manchen Cowboy ungl�ubig den Kopf sch�tteln.
Heute produzieren noch viele der urspr�nglichen Firmen ihre Stiefel und individuelle Stiefelmacher werden wieder gesucht. Besonders alte Stiefel-Varianten sind sehr beliebt bei Cowboys und Sammlern, da diese Stiefel � so wie der Cowboyhut � das Flair einer bereits l�ngst vergangenen �ra aufrechterh�lt.