Lady Portrait Claudia Klucsarits

 

Lady Portrait Claudia Klucsarits aus Western News 04/2007

 

 „Das wird teuer!“, sagte ein wildfremder Mann zu meinen Eltern im Wiener Prater, als ich als 4-jähriges Mädel schon darauf bestand, im Pony-Karussell nicht in der Kutsche mitzufahren, sondern unbedingt auf einem Pony zu sitzen.

Und er sollte Recht behalten!

Mit gerade einmal sechs Jahren bekam ich meine ersten Reitstunden im Wiener Reitinstitut im dritten Bezirk. Da die Reitschule nur eine halbe Minute von der Wohnung meiner Eltern entfernt war, verbrachte ich natürlich jede freie Minute dort und war jeden Samstag und Sonntag schon um fünf Uhr früh auf den Beinen, um Pferde zu putzen und Hufe auszukratzen.

Als ich elf Jahre alt war, besuchte ich mit meinen Eltern wieder einmal das „Fest der Pferde“.

Dort bekam ich am Stand der AWA ein Poster geschenkt, auf dem ganz viele österreichische Westernreiter abgebildet waren. Darunter befanden sich Adressen von Ranches, wie zum Beispiel der „Sunhill V&V Ranch“ in Sommerein. Da meine Großmutter aus Sommerein kam und ich unbedingt einmal das Westernreiten ausprobieren wollte, fuhren wir kurzerhand zu dieser Ranch. Und nachdem ich das erste Mal auf einem Westernpferd gesessen war, wollte ich danach nie wieder auf ein anderes aufsteigen.

Am 1. Mai 1992 bekam ich mein erstes eigenes Pferd. Da ich damals nur aufs Ausreiten erpicht war, hatte ich viel Freude mit meinem „Winny“ und absolvierte mit ihm sogar einmal einen Wanderritt nach Ungarn.

Irgendwann packte mich aber doch das Turnierfieber. Leider war mein treuer Winny für Reining absolut nicht geeignet, aber das war die Disziplin, die mich so sehr faszinierte. Schweren Herzens trennte ich mich von Winny und bekam dann im Herbst 1997 von meinen lieben Eltern den damals zweijährigen „Fifty Proof“ geschenkt. (Sein Rufname ist übrigens Spirit und nicht Fifty, wie viele Leute meinen!)

Als ich ihn in Texas zum ersten Mal sah, hatte ich Tränen in den Augen und konnte gar nicht glauben, dass das mein Pferd sein sollte. Ich habe ihn von der ersten Minute an geliebt!

Meine Turnierkarriere begann jedoch erst vier Jahre später. Eine Freundin empfahl mir, mit meinem Pferd einen Kurs von Volker Schmitt zu besuchen. Ich war total begeistert von Volker und konnte seine Anweisungen auch super umsetzen.

Ich beschloss, im Frühjahr 2001 für drei Monate mit Spirit zu Volker zu fahren, um mit ihm zu trainieren. Aus den drei Monaten wurden vier Jahre, in denen ich Volker durch ganz Deutschland nachgereist bin und dank ihm auch irrsinnig viele Erfolge auf Turnieren hatte.

Im ersten Jahr war ich „Rookie of the Year“ der NRHA Germany und gewann die Bronze-Medaille bei den deutschen Meisterschaften in Aachen. In den folgenden Jahren gewann ich die Jahreswertungen der Limited Non Pro, der Ladies und war Reserve Champion der Intermediate Non Pro.

Auf der DQHA Meisterschaft 2003 in Kreuth startete ich das erste Mal für eine Bronze Trophy. Das Starterfeld war erschreckend gut. Ich rechnete mir überhaupt keine Chancen aus. Vielleicht ging ich dadurch locker genug in die Prüfung, die ich dann auch gewann. Außerdem gewann ich auf dieser deutschen Meisterschaft den Meistertitel in der Novice Amateur Reining und die Bronze-Medaille in der Amateur Reining.

Eine Woche später war die NRHA Futurity in Kreuth. Dort ging ich wieder in der Lawson Bronze Trophy als vorletzte Reiterin an den Start. Da ich schon die Trophy der Vorwoche in der Tasche hatte, war ich nicht sehr angespannt. Bevor ich an den Start ging, war 214 High Score.

Als ich die Halle betrat, traute ich meinen Augen nicht. Die Zuschauerränge waren brechend voll, da der  Futurity Sale gerade zu Ende war und alle Leute anscheinend nun die Halle bevölkert hatten. Durch die vielen, jubelnden Leute motiviert, legte ich den Ritt meines Lebens hin. Ich hatte so viel Spaß! Und er wurde mir gelohnt. Ich erritt eine 220 und gewann meine zweite „Lawson“.

In den darauf folgenden Jahren war jedoch meine Motivation wie weggeblasen. Ich hatte keine Lust mehr auf Turniere, das ewige Nicht-zu-Hause-sein nervte mich. Durch diese miese Stimmung hatte ich natürlich auch keine Erfolge. Also legte ich eine Pause ein.

Letztes Jahr jedoch beschloss ich, meine ersten Reitstunden mit Vern Sapergia im heimatlichen Stall zu nehmen. Von Anfang an war ich fasziniert wie viel System er und Sylvie in ihrem Trainingsprogramm haben und wie leicht es für Amateure nachzuvollziehen ist.

Mit ihrer Unterstützung und meinen lieben, neuen Freunden im Stall haben Spirit und ich uns wieder aufgerafft und endlich wieder Spaß am Turniergeschehen. Und dank dieser lieben Leute schaffte ich es, mir letztes Jahr einen lang gehegten Traum zu erfüllen. Nämlich Europameister zu werden.

Als ich dieses Jahr wieder in der gleichen Klasse qualifiziert war, rechnete ich mir null Chancen aus. Denn zweimal so etwas zu leisten, erschien mir unmöglich. Und doch haben wir es geschafft!

Spirit mag zwar jetzt zweifacher Europameister sein, aber für mich ist und bleibt er das beste Pferd der Welt und der größte Schatz, den ich habe. Er hat mich noch nie in der Show auflaufen lassen und gibt immer sein Bestes. Obwohl er schon 12 Jahre alt ist, wird er immer besser. Dieses Jahr haben mir schon viele Leute gesagt, dass er ein Jahrhundertpferd ist. Und sie haben bestimmt Recht.

Ich möchte auf diesem Weg bei meinen Eltern bedanken, die mir all dies ermöglicht haben, bei Volker Schmitt, ohne den ich nie begonnen hätte, Turniere zu reiten, bei Vern und Sylvie, die für jedes Problem eine Lösung zu haben scheinen, bei der tollen Stall-Gemeinschaft in Mitterndorf, die mich so lieb aufgenommen hat, und natürlich bei meinem „World Champion“ Spirit, dem besten Pferd der Welt!!!