Lady Portrait Sonja Grünauer
Vielen von euch ist mein Name bereits seit einigen Jahren durch meine Übersetzungsarbeit für die Western News bekannt. – Jetzt gibt es endlich einmal ein Gesicht zu meinem Namen! Ich heiße Sonja Grünauer, bin 39 Jahre alt und lebe am südlichen Stadtrand von Wien. Für einige Monate durfte ich Gerda im AWA-Sekretariat unterstützen und blieb der AWA als Mitarbeiterin der Western News erhalten.
Als ich 1990 im Alter von knapp 21 Jahren das erste Mal eine Reitstunde hatte, war mir noch nicht bewusst, dass genau dieser Schritt mein Leben von Grund auf verändern würde. Bereits als Kind bin ich pferdenärrisch gewesen, nur leider hatten wir nicht genug Geld, dass Reitstunden finanzierbar gewesen wären. Also musste ich noch einige Jahre warten, bis ich mir dieses Hobby selbst finanzieren konnte.
Im ersten Jahr ritt ich bis zu fünf Mal pro Woche in der Reitschule in Perchtoldsdorf und erfüllte mir dann gleich nach der Reiterpassprüfung meinen sehnlichsten Wunsch: ein eigenes Pferd. Es war eine 14-jährige hessische Warmblutstute, die leider ein Jahr später an Kehlkopfkrebs verstarb. Doch bereits zu diesem Zeitpunkt war ein eigenes Pferd ein fixer Bestandteil in meinem Leben.
Der Zufall brachte mich nach Breitenfurt, wo ich zunächst bei einer Stute Mitreiterin war. Wenige Monate später kaufte ich die damals 3-jährige Traber-Stute Nadeshda. Damals war mir wirklich nicht bewusst, was es heißt, ein Pferd selbst anzureiten. Zugegeben, ich machte damals viele Fehler, doch die Stute wurde trotzdem für 12 Jahre mein treuer Partner. Wir konnten durch konsequentes Training sogar das Niveau der Dressurklasse A erreichen.
Als ich bei der AWA zu arbeiten begann, war die Westernreitweise für mich etwas total Neues. Irgendwie konnte ich mir als eingefleischte Dressur-Reiterin gar nicht vorstellen, dass es Spaß machen könnte, ein Pferd mit einem Sliding Stop zum Halten zu bringen, um dann mit einem Rollback in der entgegengesetzten Richtung davon zu galoppieren. So blieb ich meiner Reitweise treu, begann mir aber in den letzten Jahren durch meine Übersetzungsarbeit für die Western News so meine Gedanken zu machen, ob der Dressursport wirklich das einzig Wahre sei.
Nach dem unerwarteten Tod meiner Traberstute im Sommer 2004 bekam ich von meinen Eltern den damals 3½-jährigen Haflinger-Wallach „Wolfi“ geschenkt. Es war Liebe auf den ersten Blick. Wir begannen ihn ganz sanft – natürlich in der englischen Reitweise – anzureiten.
Nach knapp drei Jahren, in denen wir viele Turnier-Erfolge in der klassischen Dressur verzeichnen konnten, kam im Sommer 2007 die große Wende. Ich hatte gerade den ersten Teil meiner Ausbildung zum Lehrwart für Behindertenreiten absolviert (und sozusagen die Ausbildungsstufe Reitwart für die klassisch englische Reitweise erreicht) und kam ziemlich erledigt von dem Lehrgang nach Hause. Wolfi hatte mich brav durch diesen Lehrgang begleitet, doch sonderlich glücklich waren wir beide nicht, zumal wir einige Wochen zuvor aus reiner Neugierde an einem Umsteigerkurs zum Westernreiten bei Sonja Kroneis teilgenommen und dabei wirklich richtigen Spaß am Reiten gefunden hatten.
Kurzerhand entschloss ich mich, es wirklich mit dem Westernreiten zu versuchen. Dank Gitti Pölzgutter hatten wir kurze Zeit später einen passenden Continental-Sattel. Dem Umstieg stand also nichts mehr im Wege. Hinzu kam auch die Tatsache, dass im Sommer einige Haflinger-Besitzer in unseren Stall in Sulz/Wienerwald eingezogen waren, die ihre „Alpen-Quarter“ auch im Westernstil reiten. Kurzerhand hängte ich mich bei den Trainingsstunden, die Ingrid Stiel bei uns abhält, an und wir konnten bereits nach wenigen Stunden richtige Fortschritte erkennen. Wolfi machte bereits nach kurzer Zeit kleinere Sliding Stops, auch die Rollbacks machten riesigen Spaß. Demzufolge wurde er gleich auf den klangvollen Namen „Smart Sliding Wolfi“ umgetauft – und er macht seinem Namen immer wieder ganze Ehre (soweit es einem Umsteiger-Haflinger mit einem Umsteiger-Frauerl eben möglich ist).
Im Herbst 2007 gründeten wir bei uns am Hof das Team Western Hafipower, und genau diese „Haflinger-narrische“ Truppe motiviert mich jeden Tag, voller Elan weiter an meinem Ziel zu arbeiten: nämlich im Sommer 2008 das WRC zu machen und danach bei den ersten Western-Turnieren zu starten.
Ich kann jedem Englisch-Reiter nur empfehlen, die Western-Reitweise auszuprobieren. Durch die Westernreitweise hat mein Hafi viel mehr Vertrauen zu mir gewonnen. Ein Vertrauen, das meine Pferde auch besonders dann benötigen, wenn ich mit ihnen gemeinsam behinderten Menschen eine sportliche Perspektive geben möchte. Jeder Reiter hat Ziele vor Augen – so auch ich: Einerseits freue ich mich darauf, mit behinderten Menschen in der Reit-Therapie zu arbeiten, und andererseits freue ich mich auf viele schöne Trainingstunden, um möglichst viel in der Westernreitweise dazuzulernen, um dann bei dem einen oder anderen Turnier unsere Fortschritte zeigen zu können.
Ein besonderes Dankeschön gilt an dieser Stelle unserer Trainerin Ingrid Stiel, die mit viel Einsatz und vor allem Geduld (Typische Aussage: „Was machst du denn schon wieder mit deinen Schenkeln? – Du klopfst ja schon wieder andauernd ans Pferd!“) und Humor versucht, aus einer klassisch-steifen Dressurreiterin eine richtige Westernreiterin aus mir zu machen. Ich freu mich schon, euch bei einem der Turniere in dieser Saison zu sehen…
Bis bald, Sonja Grünauer
www.hafipower.beep.de