Wozu in die Ferne schweifen...
oder Oberbierbaum ist eine Reise wert
aus Western News 4/2001
Obwohl Oberbierbaum mit seinen l Autostunden Entfernung von Wien auch fr einen Kurzurlaub ideal ist, beschlossen meine Freundin Angela und ich, heuer eine ganze Woche auf der Southern Woodquarter Ranch bei Pepi (Joseeef) Staringer zu verbringen.
Die Ortschaft Oberbierbaum besteht aus nur fnf Husern und liegt wirklich malerisch in einer schnen und freundlichen Ecke des Waldviertels. Es wird dort von allem etwas geboten: weite, ebene Wiesenwege, auf denen man durch offenes Gelnde streifen kann, steiles Auf und Ab, Bachberquerungen, und natrlich nicht zu vergessen viele Wlder. Fasziniert waren wir wirklich auch von der Ausstrahlung der Wlder, immer wieder tauchten groe Granitbrocken vor uns auf - Wackelsteine, urtmlich in ihrer Form, liegen sie einfach da auf dem weichen Waldboden, alleine oder in Gruppen, teilweise von Moos und Flechten berwachsen.
Wir kommen aus einem ziemlich industrialisierten Gebiet mitten im Wiener Becken und genossen die Ruhe in vollen Zgen. Kaum Verkehr, selbst die Menschen scheinen ruhiger, weniger gestresst. Angenehmst berrascht waren wir auch, wie freundlich uns im Urlaub immer wieder von Seiten der Einwohner begegnet wurde. Seien es die Bauern, die die Traktoren zumindest anhalten, wenn nicht sogar den Motor abstellen, um uns mit unseren Pferden vorbeizulassen (Na, schreckt er sie eh net?), die Einwohner Oberbierbaums (Na, seids alle gsund...?) oder sonstige Leute, die man so trifft, wenn man sich gerade im Wald verirrt hat und hinter einem Hof aus dem Gestrpp bricht (Na, wo kommts denn ihr daher...?) bzw. denen man auf einer einsamen Landstrae vor das Auto springt, um Auskunft zu erhalten, wo man sich denn auf dieser Karte, die man vom Hausherrn erhalten hat, vielleicht gerade befindet. Und das hat nichts mit der Qualitt von Pepis Karten zu tun, die wirklich sehr gut sind.
Dazu muss man sagen, dass Pepi an einem System arbeitet, dass seine diversen Wege auch fr wald- und forstunerfahrene Prriereiter (so wie uns) wirklich gut erkenntlich macht, - ein neon-rosarotes Hufeisen, so ungefhr auf jeden zweiten Baum gesprht - wirklich nicht zu bersehen.
Nachdem Pepi uns am ersten Tag bei unserem Ausritt begleitete, zogen wir die folgenden Tage auf eigene Faust los.
Der gefhrte Ausritt am ersten Tag war wirklich von Vorteil fr uns, da unsere flachlandverwhnten Hafis doch einige Zeit brauchten, bis sie auf gelndegngig umschalteten, d.h. bis sie die Erfahrung hatten, dass es Abhnge gibt, die so steil und so lang sind, dass man sie weder mit einem Sprung bewltigen (so wie bei uns zu Hause diverse Straengrben), noch im Trab schnell hinter sich bringen kann (so wie - eh schon wissen wo, manche Bahnberfhrungen. etc...).
Nachdem sie dies kapiert hatten, machten diverse "Bergwertungen" sowohl uns als auch ihnen riesigen Spa. Noch ein Wort zu der Auslastung der Pferde: Gibt es zu Hause in der Ebene immer wieder Anflle von Gequieke und Gerenne, manchmal auch einige Bocksprnge aus purer Lebenslust (beide Pferde sind so um 6 Jahre alt), so ist der Galopp nach einem Tag in Oberbierbaum gemigt und ruhig, und auch sonst hatten die zwei Typen nicht wirklich genug Zeit, um sich diversen Bldsinn einfallen zu lassen. Die ca. 10 Min. Stehzeit/Stunde (bedingt durch intensives Kartenstudium und Grbeln, Streitereien ber den richtigen Weg, Unterhaltung mit Einwohnern, Bauern, vorbeifahrenden "Informanten" etc.) haben die Pferde dann auch immer zum Ausruhen genutzt.
Die Ausritte ohne Josef folgten ungefhr immer dem gleichen Schema: Besichtigung unserer Wegstrecke auf der Karte, packen (Karte, Regenmantel, Essen, Handy), losreiten.
Zu Beginn eine Menge Spa und Euphorie, spter irgendwann im Wald groes Grbeln meinerseits, wo wir denn nun wirklich sein knnten bzw. wo der Weg ist, den uns Josef da eingezeichnet hat. Whrenddessen hat Angela ihrerseits schon kapiert, dass nun wieder keine Pause drinnen ist (so mit richtigem Picknick), und beginnt unsere Vorrte whrend des Reitens zu vertilgen. Besser essen beim Reiten als reiten ohne Essen. Irgendwann am Abend kommt dann ein Anruf von Verena: "Wo seid ihr? Ihr msstet doch schon lngst wieder zu Hause sein."
Ich muss sagen, obwohl wir uns des fteren verritten haben, machte es wirklich Spa, vielleicht auch gerade deshalb. Die Gegend ist so besiedelt, dass sich immer irgend wer findet, den man nach dem Weg fragen kann (obwohl ich mir vor allem in greren Waldstcken fters einen Kompass gewnscht htte), und wenn man sich im Wald befindet, stt man irgendwann schon auf eine Strae und auf Wegweiser mit so malerischen Namen wie Gottsberg, Neue Welt, Rudelhuser...
Reitet man von Oberbierbaum Richtung Sden/Donau, dann kommt man nach Maria Taferl oder nach Artstetten. Den Abstieg zu diesen Ortschaften haben wir uns fr heuer noch gespart, jedoch der Blick von der Hochebene des Waldviertels ber die Donau ist wirklich sehenswert. Aus dem dunklen, khlen Wald kommend, reitet man ber einen ebenen Wiesenweg und hat dann auf einmal unter sich die Donau, die sich dort durch den Nibelungengau windet. Romantisch und fantasievoll wie ich bin, fasziniert mich dieser alte Grenzfluss, der schon immer als Verkehrsweg diente, und ich sehe von der einen Seite die Nibelungen auf ihrem Zug herankommen... - doch so schmalzige Details unseres Urlaubs interessieren sicherlich keinen.
Haben wir heuer auch nur die nhere Umgebung Oberbierbaums durchstreift, so wissen wir, dass Oberbierbaum ein idealer Ausgangspunkt fr mehrtgige Wanderritte ins Waldviertel sowie ins Mhlviertel ist. An Regentagen steht fr wirklich arbeitseifrige Reiter auch eine kleine Halle zur Verfgung. Wir nutzten einen solchen zu einem Besuch der Tibetausstellung auf der Schallaburg und zu einem Spontan-Stadtbummel inkl. groem Fressgelage in Melk. (Essen ist gut gegen Regendepression!) Danke Verena!
Danken mchten wir auch Waltraud und Werner (Pepis Nachbarn) fr den netten Abschluss unseres Urlaubs bei Kaminfeuer und einem guten Abendessen. Und natrlich mchten wir uns auch bei Pepi - Josef Staringer - fr seine Geduld mit unseren diversen Anliegen bedanken: "Joseef! Mein Pferd hat eine Beule! Schau dir das bitte an! Joseeef! Wie lange reiten wir noch? Mir tut der Hintern schon weh! Joseeef! Um Gottes Willen - ein Lastwagen! Joseeef!..."Und seine Ruhe beim Lsen diverser Probleme: "Geht scho... Moch ma schoo... Ka Problem..."
Abschlieend knnte man es wohl so ausdrcken: "Joseeef! Wir kommen wieder!"
Astrid und Angela