Wanderreiten im Nationalpark Neusiedler See Seewinkel

22.- 25.Juli 2001

Ein Bericht von Brigitte Maxl aus Western News 6/01

Schon in den Wintermonaten berlegten wir eifrig, welches Gebiet fr einen dreitgigen Wanderritt geeignet wre. Edith Leitner, Wanderreitfachfrau des Reit- und Gespannfahrvereins Hegerberg (Gemeinde Stssing), immer bereit, neue und romantische Reitwege im Gebiet Stssing und Laaben zu erkunden, hatte natrlich schon ein Ziel vor Augen. Es sollten die weiten Ebenen des Nationalparks Neusiedler See sein, also Pustaerlebnis pur. Da unser Verein nicht nur aus Westernreitern besteht, sondern auch der Fahrsport massiv vertreten ist, mussten auch deren Bedrfnisse eingeplant werden, das heit Platz fr ein bis zwei Pferde und Kutsche, sichere Anbindemglichkeiten und fr Kutschen befahrbare Wege. Das ca. 150 km umfassende Reit- und Fahrwegenetz bot natrlich viele Mglichkeiten, aber das Finden und Planen der richtigen Tagesetappen fr Reiter und Fahrer stellte hohe Anforderungen an unsere Edith, die das alles ganz alleine organisierte.

Im Mai unternahmen Edith, ihr Pferd Kottan und ihre Freundin Evelyn mit Pferd einen dreitgigen Informationsritt mit Ausgangspunkt Podersdorf. Begeistert kamen sie zurck, die Planung ging ins Finale, das hie Quartier fr Reiter, Fahrer und Pferde besorgen, Reitkarten und Infomaterial zusammenstellen usw. Ende Juni fand dann ein Infoabend fr alle Teilnehmer (neun Reiter, drei Einspnner und drei Zweispnner) in Karlstetten im Reitzentrum Rosental statt.

Sonntag, 22.7.01

Um 13 Uhr wurden alle Reitpferde verladen, und schon waren wir auf dem Weg ins Burgenland. Am spten Nachmittag erreichten wir Podersdorf, Mensch und Tier bezogen Quartier im Georgshof bei Familie Lang. Die Gespannfahrer hatten mittlerweile auch schon ihre Pferde und Wagen untergebracht, also stand auch einem znftigen Begrungsschluck nichts mehr im Wege. Danach hatte Edith einen kurzen Erkundungsritt geplant, und so sattelten wir unsere Pferde und waren schon mitten in den Weingrten rund um Podersdorf. Begeistert trabten wir auf den weichen Wiesenwegen, wurden aber durch Sirenengeheul und Schsse aus unseren Schwrmereien gerissen. Diese drastischen Mittel gegen einfallende Vogelschwrme brachten unsere Pferde etwas aus der Ruhe, aber wie heit es so schn: "Gewhnung ans Gert!" Dieser Lrm war whrend der kommenden Tage unser stndiger Begleiter, aber so richtig konnte ich mich an die Schreckschsse nie gewhnen. Durch diesen Abendritt hatten die Pferde nach dem Transport etwas Bewegung, und die Reitertruppe konnte die Vertrglichkeit ihrer Pferde testen. Fr den nchsten Tag stand es mit der Wettervorhersage leider nicht zum Besten, aber es geht halt nichts ber eine gesunde Portion Optimismus!

Montag, 23.7.01

Ein Blick in der Frh aus dem Fenster verhie nicht Gutes: Regen, Regen...

Kurzerhand wurde die fr heute geplante lange Etappe auf morgen verschoben. Vielleicht hat der Wettergott dann mehr Einsehen mit den Wanderreitern! Am spteren Vormittag hrte der starke Regen endlich auf, und Fahrer und Reiter machten sich bereit fr den Aufbruch. Die Gespannfahrer Herr Machart aus Karlstetten und Herr Kubicek aus Unterlaa, beide aktive Turnierfahrer, hatten es nicht eilig. Sie starteten erst eine Stunde nach uns und waren sogar betrchtliche Zeit vor uns bei der Mittagsrast. Das Fahren auf diesen Wegen machte den Gespannfahrern groen Spa, und ihre Pferde liefen, was das Zeug hielt. Auf dem Weg zum Althof passierten wir das Gehege von Mangalizaschweinen, auch Wollschweine genannt. Der Geruch dieser kleinen, dicken, wolligen und stinkenden Tiere hielt unsere Pferde auf Abstand. Auch Doris Schnabl mit ihrer Vollblutstute Prexa beobachtete das Geschehen aus sicherer Entfernung. In einigen Restaurants kann man diesen Schweinebraten auf burgenlndisch sogar verkosten.

Auf dem Althof erwarteten uns eine gemtliche Wirtshausstube und Heu fr die Pferde. Da gibt es halt noch Speckeier, serviert im schwarzen Stielpfandl, und natrlich beste Weine aus der Umgebung. Ein riesiger Hund, wahrscheinlich eine Mischung aus Schaf und Hirtenhund, hatte es auf die kleine, lufige Hndin von Frau Stipschitz abgesehen. Familie Stipschitz mit Hund und zwei Schimmeln hatte immer einen krftigen Schluck aus dem Flachmann fr uns arme Reiterlein parat. Auerdem begrte er uns immer mit einem lauten Kosakengru, der spter fr alle Fahrer und Reiter zum Pflichtgru wurde. Leider begann es nach der Mittagsrast wieder zu regnen, aber die Aussicht auf einige Kilometer Wiesenwege entlang des Golser Kanals machte die Sache leichter. Viele Radfahrer begegneten uns, aber durch vorsorgliche Ausweichmanver auf beiden Seiten endeten diese Begegnungen meistens mit einem freundlichen Gru. Wir beschlossen diesen Tag, wie schon geprobt, mit einem guten Essen und einem guten Glas Wein im Restaurant des Georgshofes.

Dienstag, 24.7.01

Wir kennen ja das schon vom Vortag! Regen am Morgen macht Reitern und Fahrern groe Sorgen. Aber unverwstlich starteten wir um 9 Uhr die erste Etappe. Diese fhrte uns auf wunderbaren Sandwegen durch Steppengebiete und entlang der Groweiden von Przewalskipferden und Graurindern. Ein alter Ziehbrunnen brachte natrlich die Fotografen auf den Plan. ber einen kleinen Graben gesprungen, und schon befanden wir uns mitten auf einer riesigen Wiese. Pustaerlebnis pur, dazu noch ein intakter alter Ziehbrunnen, und Kesch Robert, von allen Floppy genannt, trabte auf seinem Janosch mutig auf das hlzerne Ungeheuer zu. Mit dem mutigen Hintraben hatte es sich dann aber schon, Floppy musste absteigen und dann ging alles recht schnell! Das riesige Gert bewegte sich, ein alter Kbel kam scheppernd zum Vorschein und das gengte, um alle Pferde einen perfekten Rollback ausfhren zu lassen. Wenn man darauf nicht gefasst ist, bekommt man halt dabei so einige Schwierigkeiten.

Immer bereit zum Fotografieren, hatte ich meinen Fotoapparat schussbereit, nur Bonito wollte nicht warten, hpfte ber den Graben und versteckte sich hinter dem Gespann von Herrn Hollerer aus Gfhl. Nach einem weiteren Versuch und einer weiteren Gewhnung ans Gert stand einem urigen Foto nichts mehr im Wege. Jetzt hie es etwas Tempo zulegen, denn die Mittagsrast war noch weit. Unser Reitpony Merlin fand einen neuen Freund, denn ein junger Albinoesel folgte uns einige Zeit entlang seines Geheges. Mindestens zwanzig weie Esel hatten dort ein herrliches freies Leben und da Merlin nicht beschlagen war, zog es ihn auch auf die weichen Wiesen. Seine Reiterin Christine Fichtinger aus Schrding stieg oft ab und fhrte den armen Kerl, der nicht mehr so richtig weiterwollte.

Vor Illmitz gab es noch Angusrinder zu sehen, gottseidank eingezunt, denn diese knnen ganz schn aggressiv werden, berichtete uns Herr Frank, Mitarbeiter der biologischen Station, selbst Reiter und Gastgeber bei unserer Mittagsrast. Na ja, mit den Anbindemglichkeiten stand es ja dort nicht gerade zum Besten, aber das Gulasch und die anschlieende Weinverkostung entschdigten uns. Die Weinverkostung lie uns fast die Zeit vergessen, trotzdem trennten wir uns um 17 Uhr von den kstlichen Proben aus Familie Franks Weinkeller. Natrlich nicht, ohne eine ordentliche Bestellung zu machen, die uns Herr Frank am nchsten Tag nach Podersdorf lieferte.

Da mir der kleine Merlin leid tat, bot ich Christine an, auf Bonito zu reiten und Merlin als Handpferd mitzufhren. Da das Kutschenfahren seit zwei Jahren meine geheime Passion ist, freute ich mich, mit Wolfgang Csar und seinen Warmbltern diesen Tag beschlieen zu knnen. Da ging es aber ganz schn zur Sache, denn der Turnierfahrer, Parcoursbauer und Richter lie rdk und Nougat ganz schn laufen. Das ersehnte Ziel an diesem Nachmittag war der Warmsee, eine nicht ausgetrocknete Lacke mit festem Lehmboden. Das ca. 50-70 cm tiefe Wasser war ideal geeignet fr einen herrlichen Galopp im feuchten Element. Das Gefhl war unbeschreiblich! Wolfgang feuerte die Pferde an und schon wurden wir von Wasserfontnen eingehllt. Waschelnass und total begeistert warteten wir auf die Reitergruppe, die auch schon im vollen Galopp auf uns zu kam. Auch Marion Reusser auf ihrem Halbblut namens Schnecke (diesmal Turboschnecke) genoss diesen wilden Ritt durch das salzige Wasser. Im Wasser galoppierende Pferde sind ein toller Anblick, das dachten sicher auch einige Rad- und Autofahrer, die auf der am See vorbei fhrenden Strae stehen blieben und das wilde Geschehen beobachteten. Merlin war mittlerweile auch wieder ganz munter geworden, kein Wunder, genoss er doch sein Pferdedasein ganz ohne Reiter und Sattel. Pltzlich riss er sich von Christine, die ihn als Handpferd mit sich fhrte, los und zischte bermtig im Wasser umher, gottseidank lie er sich mhelos wieder einfangen.

Nachdem die Wasserplanscherei auch fotografisch festgehalten worden war, ging es entlang von Feuchtwiesen und weiteren Lacken wieder zurck nach Podersdorf. Recht spt kamen wir dort an und wollten natrlich sofort wissen, wie es den anderen Gespannen im Warmsee ergangen war. Offensichtlich waren wir die einzigen, die durch das Naturschutzgebiet zu diesem See gefunden hatten. Gewisse Orientierungsschwierigkeiten und Probleme beim Kartenlesen verhalf einigen Kutschern fast zu einem unfreiwilligen Grenzbertritt bei Pamhagen. Aber guat is` gangen und nix is g`schehn, so endete der zweite Tag.

Mittwoch, 25.7.01

Heute konnte ich endlich einen Teil des mitgebrachten Insektenmittels verwenden, denn endlich schien die Sonne. Bewaffnet mit Coolgelstirnband (orange) und Sonnencreme sattelte ich Bonito. Die letzte Etappe fhrte uns durch Podersdorf City, die Bewahrungszone Nationalpark Neusiedler See und durch den Golser Kanal.

Diesmal fuhren und ritten wir im Konvoi durch Podersdorf und verursachten groes Aufsehen. Wir blockierten den rtlichen Kreisverkehr, kein Wunder bei fnf Kutschen und zehn Reitern. Unsere Reitergruppe bestand heute sogar aus zehn Teilnehmern, denn Andy Gruber, Wirt vom Kutscherstberl in Karlstetten, lie seinen Marathonwagen heute im Stall, borgte sich von Edith ihren Reservewesternsattel - und schon war sein Norikerblauschimmel Ramses ein Reitpferd. Der Fahrzaum war ein Stilbruch, aber das tat dem Reitvergngen keinen Abbruch.

Heute galt es, den Golser Kanal zu furten und Edith hatte uns schon vorher auf mgliche Schwierigkeiten hingewiesen. Blo nicht von der richtigen Furt abkommen (Kanalsystem) und sich nicht von der Tiefe schrecken lassen! Natrlich wieder mit dem Fotoapparat in der Hand und ein Flupferd unter mir, hatte ich mit dem nassen Element zu kmpfen. Bonito liebt es zu furten und stapfte unerschrocken durch das fast bis zu seinem Bauch reichende Wasser. Wegen der Sonne hatten heute Edith ihr Wstenkapperl und Christine ihren weien Sonnenhut auf, aber dann fegte ein Windsto den Hut von Christine Lambeck vom Kopf. Mit den Worten "frher habe ich das immer gekonnt", beugte sie sich vom Pferd, streckte die Hand nach dem Hut und schon konnte sie sich ihren Rocky von unten betrachten.

Im flotten Galopp ging es ber ein Stoppelfeld, und schon erreichten wir unsere Mittagsrast, eine Steckerfischhtte. Steckerlfisch ist nichts Alltgliches, also warteten alle geduldig auf die frisch gegrillten Fische, und ein Schnapserl danach half bei der Verdauung. Da fr 18 Uhr der Heimtransport vorgesehen war, beeilten wir uns, wieder nach Podersdorf zu kommen. Es wurde eingepackt, Kutschen und Pferde verladen, und die Reiter waren die letzten, die die gastliche Anlage von Fam. Lang verlieen. Spt am Abend kamen wir in Stssing an. Nach einem herzlichen Abschied ging es endlich nach Hause. Hans Maron und seine Tochter Doris mussten noch mit ihren Haflingern Lisa und Susi nach Kasten reiten, also noch ein ordentliches Stck bis zum heimatlichen Stall. Und eigentlich sollten auch Edith und ich unsere Pferde in den Stall bringen, aber vorher mussten wir unsere schon im Gasthaus Dambeck wartenden Freunde begren. Nach einem kleinen Bier und einer kurzen Zusammenfassung unserer Wanderreitabenteuer trabten wir in der Dunkelheit nach Hause.

Schnell sattelte ich Bonito ab, und schon lief er zu seinen Freunden auf die Koppel. Sicher hatte er auch so einiges zu erzhlen. Es war wirklich ein schner Wanderreiturlaub, und deshalb werden wir die Pferde auch im nchsten Jahr wieder satteln, denn viele neue und interessante Wanderreitstrecken warten noch auf uns.

Howdy, eure Brigitte Maxl