Im Sattel und auf dem Kutschbock

Von Mrbisch nach Apetlon

aus Western News 5/2001

Unser Verein, Weinviertler Western Reiter, organisiert jedes Jahr einen mehrtgigen Frhjahrsritt. Heuer ging es "Um den Neusiedler See Von Mrbisch nach Apetlon".

Organisation und Rittplanung Karl Berger

ReiterInnen Dr. Andrea Teltscher, Dr. Dieter Schaufler, Julia und Erich Knoll, Dr. Leopold Simperl, Lorenz Frnkranz, DI Walter Widholm, Dr. Heidi Werner, Maggy und Wolfgang Hnuta
FahrerInnen DI Franz Patschka, Lisbeth Frnkranz, Karl Berger und Elisabeth Berger

Ausgangspunkt dieses Wanderrittes und der Wanderfahrt war der Seeparkplatz in Mrbisch, wo wir auch die Mglichkeit hatten, unsere Autos und Pferdehnger abzustellen. Pnktlich um 10.00 Uhr trafen alle Teilnehmer ein und es ging ans Satteln und Anschirren. Gleich zu Beginn stellte sich den Fahrern, trotz bester Planung, gleich ein Hindernis in den Weg. Karl konnte nicht ahnen, dass sich der Parkplatzschranken nur fr Autos ffnet. ber die Sprechanlage mobilisierte Lisbeth den Parkplatzwchter, der sofort mit dem Auto angefahren kam und den Schranken fr unsere Kutschenfahrer ffnete. Nun stand unserem Trip um den Neusiedler See nichts mehr im Wege.

Vorerst trennten sich die Wege der Reiter und Fahrer. Karl und Elisabeth im Planenwagen mit dem gesamten Gepck und mit Duellano, einem tschechischen Warmblut, und Franz mit Lisbeth auf der Wagonette und den beiden Haflingern Winnie und Lilly. Sie fuhren auf der Strae entlang des Sees nach Rust und weiter nach Oggau. Fr uns Reiter ging es in leicht hgeliges Gelnde auerhalb des Schilfgrtels in Richtung Rust und weiter nach Oggau.

In Oggau trafen wir Reiter mit den Fahrern wieder zusammen und legten eine kurze Trinkpause ein. Das khle Nass aus der Khltruhe in Karls Kutsche erfrischte uns alle. Gestrkt ging es weiter. Unsere groe Reitergruppe erregte beim Durchreiten der Ortschaften immer wieder Aufsehen und Bewunderung. Die Wege zwischen den Ortschaften waren geschottert, aber fr die Pferde nicht unangenehm zu gehen, da es runder Schotter war. Vorbei an Schtzen im Gebirge ritten wir neben den Radwegen in Richtung der Auslufer des Leithagebirges nach Donnerskirchen.

Im Seehof der Gutsverwaltung Esterhazy war unsere geplante Mittagsrast. Der Gutsverwalter, Herr Ing. Hppel, erlaubte uns im wunderschnen und angenehm schattigen Innenhof ein Picknick abzuhalten. Fr Reiter und Fahrer und natrlich fr unsere Pferde war alles vorbereitet. Die Pferde genossen gemtlich Gras und Wasser und wir das ausgiebige, mitgebrachte Picknick. Nach dieser Rast musste der Standplatz der Pferde nicht einmal gesubert werden. Schaufel und Schiebetruhe blieben sauber. Unsere Pferde wissen eben, wie man sich benimmt.

Um 13.45 Uhr erfolgte der Abritt bzw. die Abfahrt nach Purbach und Breitenbrunn. Fr die Fahrer ging es wieder ab auf die Landstrae. Wir Reiter und sicher auch die Pferde freuten uns ber die sandigen Wege, teilweise hnlich einer Reitbahn, entlang des Schilfgrtels ab Donnerskirchen ber Purbach und weiter nach Breitenbrunn.

Um 15.15 Uhr gab es wieder ein Zusammentreffen der beiden Gruppen bei einem Heurigen in Breitenbrunn zu einer kurzen Rast fr Reiter und Fahrer und auch einer Mglichkeit zum Trnken der Pferde. Als Schmankerl gab es bei diesem Heurigen, da gerade die Kirschenernte im vollem Gang war, eine herrliche Kirschenbowle.

Nach einer Stunde Pause gings weiter ber Winden, vorbei an Jois nach Neusiedl am See, dem Etappenziel des ersten Tages.

Gegen 17.30 Uhr trafen Reiter und Fahrer bei der Csarda in Neusiedl ein. Hier war auch das Nachtquartier fr unsere Pferde, 11 Stnde und eine Box. Sie hatten diesen ersten Tag glnzend berstanden und strzten sich mit Appetit ber das bereitgestellte Kraftfutter.

Nach dem Versorgen der Pferde, begann nun auch fr uns der gemtliche Teil des Abends. Wir genossen die angenehme Atmosphre des Restaurants und das gute Essen. Gegen 22.00 Uhr lste sich unsere vergngte Runde auf.

1. Tag, Donnerstag 14. Juni Reit-km / Fahr-km
Mrbisch Oggau 11,30 km / 12,80 km
Oggau Donnerskirchen 9,70 km / 5,60 km
Donnerskirchen Breitenbrunn 13,40 km / 14,60 km
Breitenbrunn Neusiedl am See 8,20 km / 9,50 km
Gesamtstrecke Mrbisch Neusiedl am See 42,60 km / 42,50 km

Am Freitag trafen wir einander um 8.30 Uhr in der Neusiedler Csarda. Wieder zeigte sich herrliches Wetter. Es war noch etwas wrmer als am Vortag. Die Pferde waren bereits gefttert, und so konnten wir planmig um 9.30 Uhr aufbrechen. Auf Nebenstraen ging es fr die Fahrer durch Neusiedl am See und dann neben Radwegen entlang des Sees nach Weiden.

Fr uns Reiter war es auch ein langer Weg, aber um es gleich vorweg zu nehmen, ein problemloser Ritt auf Asphaltstraen durch Neusiedl. Nach Neusiedl gelangten wir in den Naturpark. Hier mussten wir unsere Pferde fhren, da Reiten verboten ist.

Beim Aussichtsplatz Wildhter genehmigten wir uns gemeinsam mit den Fahrern wieder eine Trinkpause. Die Getrnke aus dem Kutschenkhlschrank hatten noch immer angenehm khle Trinktemperaturen. Whrend dieser Rast kamen zwei Naturparkaufseher, die uns Reitern im Schilfbereich einen wunderschnen Pfad, der bis Podersdorf fhrt, zeigten. Fr die Kutschenfahrer gab es ebenfalls einen schnen, befahrbaren Weg, sogar mit einer Furt durch den Naturpark.

Gegen 11.30 Uhr trafen Reiter und Fahrer fast gleichzeitig zur Mittagsrast im Georgshof der Familie Andreas Lang, einem Reiterhof der Spitzenklasse, ein. Hier konnten wir unsere Pferde zur Mittagsrast einstellen. Franz, Karl, Leo und Walter zogen es jedoch vor, die Pferde im Baumschatten grasen zu lassen. Vom Heu waren die Tiere allesamt nicht besonders begeistert. Es roch anders als das gewohnte Futterheu und wie man ja wei, sind Pferde besonders whlerisch, was das vorgesetzte Futter betrifft.

Um 13.00 Uhr war Abritt bzw. Abfahrt nach Illmitz, entlang des Sees und weiter nach Apetlon.

Fr uns Reiter kam nun eine traumhafte Reitstrecke. Die sandigen Wege luden zu einem langen, langsamen Galopp entlang und im Schilfgrtel ein. Uns bot sich eine Landschaft, die man mit der Camargue vergleichen kann. Im Naturschutzgebiet um den Zicksee kamen wir bei frei lebenden Przewalski-Pferden vorbei. Ihre eingezunten Weidegebiete reichen bis in den See hinein. Riesige Steppenwiesen, hnlich unseren Brachen, die zum Durchreiten einladen, haben wir nicht beritten. Hier hielten wir uns an die Wege, da wir nicht sicher waren, ob das Durchreiten erlaubt ist. Nach Illmitz ging es weg vom See in Richtung Apetlon.

Um 15.15 Uhr endete diese traumhafte Tagesetappe im Reitstall Pusztarssl der Familie Joch. Nach dem Versorgen der Pferde und der Unterbringung in den vorbereiteten Boxen gab es auch fr uns ein erfrischendes Getrnk.

Dieser Nachmittag wurde nun gentzt, um Autos und Pferdehnger nachzuholen. Mit dem Fhrboot dauerte die berfahrt nach Mrbisch nur 25 Minuten, und um 18.30 Uhr langten wir wieder in Apetlon ein.

Am Abend waren wir noch zu einer Bioweinkost im Garten des Bio-Weinbaubetriebes der Familie Klinger eingeladen, die wir sehr genossen.

2. Tag, Freitag, 15. Juni Reit-km / Fahr-km
Neusiedl am See Aussichtsplatz Wildhter 9,30 km / 10,70 km
Aussichtsplatz Wildhter Podersdorf Georgshof 6,70 km / 7,90 km
Podersdorf Georgshof Apetlon Reitstall Pusztarssl 20,20 km / 16,10 km
Gesamtstrecke Neusiedl am See Apetlon Reitstall Pusztarssl 36,20 km / 34,70 km

Obwohl der Vorabend sehr lange gedauert hatte, waren alle Reiter und Fahrer fit und bereit zu einem Ausflug durch die Tiefebene. Leo stieg diesen Tag zu Franz und Lisbeth auf die Kutsche und gnnte sich und seinem Pferd Geoffrey einen Urlaubstag.

Erste Station war Wallern, wo wir bei einer Tankstelle, die einem Bekannten von Franz gehrt, eine Pause einlegten. Hier konnten auch unsere Pferde khles Nass tanken. Gestrkt ging es dann durch die Tiefebene zum NeuhofHansag, der sdlich von Tadten liegt. Dort hielten wir dann auch eine ausgedehnte Mittagsrast. Franz hatte eine kleine Weinverkostung mit den ausgezeichneten Weinen vom Weingut Goldenits organisiert.

Da der Samstag extrem hei war, genossen wir den anschlieenden Ritt im Naturschutzgebiet um die Lange Lacke. Landschaftlich bot sich uns eine Heide- und Steppenlandschaft mit kleineren und greren Seen. Der Hhepunkt dieses Nachmittags war der Ritt am Ufer eines dieser Seen. Er war uns empfohlen worden. Anfangs war dieses khle Nass und der leichte Wellengang unseren Pferden nicht sehr geheuer, aber schon nach kurzer Zeit konnten wir im seichten Wasser mit ihnen galoppieren. Es war herrlich. Das Wasser um uns spritzte hoch auf. Es war ein unbeschreibliches Reitgefhl, das wir noch nie erlebt hatten.

Am Abend wurde dann in der Reithalle gegrillt und wir lieen uns den Spiebraten schmecken. Musikalisch, Karl hatte seine Gitarre mitgebracht, klang dieser Tag aus.

3. Tag, Samstag, 16. Juni Reit-km / Fahr-km
Apetlon Reitstall Pusztaschlssl Wallern 11,60 km / 16,90 km
Wallern NeuhofHansag 10,30 km / 8,00 km
NeuhofHansag Apetlon Reitstall Pusztaschlssl 31,10 km / 16,60 km
Gesamtstrecke 53,00 km / 41,50 km

Am nchsten Tag waren wir sehr enttuscht, als wir zum Himmel blickten. Er hatte alle Schleusen geffnet und damit den Schlusspunkt unseres Wanderrittes gesetzt. Der Ausflug mit Fhrung im Vogelschutzgebiet musste leider entfallen. Schweren Herzens beschlossen wir, unsere Heimreise anzutreten.

Dieser Ritt um den Neusiedler See bot, ohne dem tglichen Nachholen der Hnger, zwei Tage unbeschwertes Reiten um den See. Das Nachholen der Pferdehnger stellte schlussendlich durch die kurze berfahrt kein Problem dar. Unterkunftsmglichkeiten fr Pferd und Reiter waren gut und auch nicht allzu schwer (14 Personen und 13 Pferde) zu organisieren. Zum Reittempo muss gesagt werden, dass wir wenig Schritt, viel Trab und, wo es das Geluf mglich machte, in einem langsamen, kontrollierten Galopp am losen Zgel gingen. Unsere Pferde, bereits auf vielen Wanderritten eingesetzt, sind bestens konditioniert und waren am Ende des dritten Tages topfit.

Diese Umrundung des Neusiedler Sees ist ein besonderes Erlebnis und fr Wanderreiter nur zu empfehlen.