5 Tage durchs Marchfeld

Ein Bericht von Kurt Kitzberger aus Western News 6/00

Jetzt ist unser Trainer also ein frisch gebackener Wanderreitfhrer. Das muss man doch ausntzen! So begaben wir uns auf unseren ersten Wanderritt, zum Eingewhnen vor der Haustr...

1. Los gehts!

Am Montag, dem 15. Mai, trafen Henry Pokornik, Elisabeth Sperl, Birgit Schmid, Nori Kassner, Sascha Grigkar und Kurt Kitzberger einander mit Sack und Pack im Pferdestall in Gro-Enzersdorf anstatt zur Arbeit zu gehen. Ein Wohnwagen nahm unser Gepck nebst Pferdekram, Verpflegung und Kochutensilien auf. Danach hie es Pferde putzen und satteln, kontrollieren, ob etwas fehlt, und schlielich losreiten.

Die Strecke fhrte anfangs durch den ziemlich verwachsenen Reitweg in der Lobau (Zehen nach innen!), danach ber Wege zwischen Wiesen und Feldern zur ersten Pause in Oberhausen. An mehreren Koppeln mit Islndern und spter einem Gehege mit neugierigem Wild vorbei, gelangten wir zu einem Wiesenweg, der bei krzeren Ausritten eine Galoppstrecke darstellt. Diesmal aber ging es auch hier, wie die ganze Strecke bisher, zur Verwunderung der Pferde im Schritt entlang.

In Schnau beim Friedhof (mit Brunnen) fand sich ein kleines Birkenwldchen fr die Mittagspause. Dort wartete auch schon Elisabeth mit dem Mittagessen beim Wohnwagen.

ber Feldwege ritten wir gemtlich durch Probstdorf und erreichten schlielich unser Nachtquartier, einen ummauerten Garten in Rutzendorf. Dort sperrten wir uns mit Wohnwagen und Bndern einen Bereich ab, in dem wir Zelte aufbauten und den Griller aufstellten.

Dann setzten wir uns in die erste Reihe fufrei unseres Privatkinos. Es spielte "Eine Stute und vier Wallachen frei im Garten". Es war sehr spannend, interessant und abendfllend. Nach Grillerei und Singversuchen mit Gitarrenbegleitung legten wir uns spt am Abend aufs Ohr.

2. Mich kriegt ihr nicht

...dachte sich ein Pferd und foppte uns lngere Zeit am Morgen des nchsten Tages, weil es sich absolut nicht wieder anbinden lassen wollte. Dabei hatten sich in der Frh sogar einige Pferde niedergelegt und waren ruhig und locker. Aber mit List und Tcke meisterten wir diese Herausforderung.

Die Route dieses Tages fhrte uns an Leopoldsdorf vorbei zum Russbach, an dem wir auch eine schne Stelle fr die Mittagspause fanden. Die Pferde konnten wir an einigen Bumen im Schatten anbinden. Aber seltsam, war der Pferdestrick wirklich so lang? Nein, nur der Knoten aufgegangen. Aufgegangen? Und noch dazu bei unserem morgendlichen Ausreier? Diesmal blieb er in der Nhe seines Freundes stehen. Einmal sehen, noch zwei Schritte bis zum Strickende, noch einer, nun noch den Fu darauf... Geschafft! Hier war keine Mauer herum, nur viel Weite...

Nach dieser kurzfristigen Erhhung des Adrenalinpegels war das Mittagessen doppelt erholsam. Weiter ging es am Russbach entlang, danach ber Feldwege zu einem Schotterteich. Im Windschutzwldchen daneben banden wir die Pferde an und strzten uns in die Fluten. Herrlich!

Nach dem abendlichen Grillen ritten wir in die nahe gelegene Ortschaft und kamen erneut in einem Garten, diesmal eines Gasthauses, unter. Nach der ausgedehnten Plauderei mit der sehr tierliebenden Wirtin und ihrer Tochter war es wieder sehr spt.

3. Sonniges Wetter

...erfreute uns schon seit Beginn, und die hohen Temperaturen fhlten sich wegen eines leichten Lftchens und der Route weiter am Russbach entlang sehr angenehm an. Ein Weg mitten durch eine wunderschne Blumenwiese neben dem Bach verleitete uns zum ersten Galopp auf diesem Ritt. In dieser Idylle machten wir bei einer Wasserregulierungsstation Mittagspause. Der kleine Teich daneben mit maximal 15 Grad Wassertemperatur lockte allerdings nur die Hartgesottenen zu einem sehr erfrischenden Bad.

Durch Engelhartstetten schlurften wir gemtlich nach Stopfenreuth, wo wir unsere vierbeinigen Kameraden auf eine schne Wiesenkoppel entlassen konnten, whrend wir im angrenzenden Teil wieder unser Zeltlager aufbauten. Diesmal errichteten wir ein Lagerfeuer in einer Grube und hngten einen Kessel mittels Dreibein ber das Feuer. Da wir die Trennung zwischen Koppel und unserem Teil mittlerweile wieder geffnet hatten, besuchten uns die Pferde hie und da und schauten, was es Neues gab. Auch vor dem Feuer frchteten sie sich nicht. Nach ungefhr drei Stunden Feuerpflege konnten wir unsere gekochten Stelzen mit frisch geriebenem Kren genieen. Und erst die dabei entstandene Suppe! Dann noch kurz ein Besuch im Mondlicht bei den Pferden und (auch wieder spt) ab "in die Heia".

4. Ist die Karte nicht genau,

...stehst du mitten in der Au. Das mussten wir leider auf dieser Etappe feststellen. Nachdem mit ein paar Spatenstichen die Feuergrube nicht nur zugeschttet, sondern auch fast unauffindbar gemacht worden war, nahmen wir das nchste Stck Weg in Angriff. Die Natur hatte allerdings die Frechheit, sich von der Karte zu unterscheiden, weil in dieser manche Wege und Gelndedetails nicht eingezeichnet waren, was uns zur Improvisation zwang. Warum haben wir nicht gleich eine sterreichische Karte verwendet! Nachdem in der Ebene des Marchfeldes die Ortschaften weithin sichtbar sind, waren wir bald wieder am richtigen Weg und steuerten mit nur minimaler Versptung unseren Mittagsrastplatz in Eckartsau an.

Am Nachmittag ritten wir nach Orth an der Donau weiter, wo wir unsere Pferde nach drei Freiluftnchten wieder einmal in einem Stall in Boxen unterbrachten. Wir begaben uns zu einem Schotterteich in der Nhe und genossen das khle Nass und etwas Faulenzen. Gegen Abend sahen wir eine Wolkenfront auf uns zukommen und etwas spter goss es in Strmen. So verlagerten wir das Abendessen unter das Vordach eines Zeltes. Da hrte es auch schon wieder zu regnen auf, obwohl um uns herum noch einige Gewitter zu sehen waren.

Zum Zeitvertreib gab es die Aufgabe fr drei gemischte Zweierteams, dass der Mann Pfeil und Bogen herstellt, er der Frau das Schieen beibringt und sie dann mglichst weiter als die anderen schiet. Das Team mit der geringsten Weite sollte fr das Abschlussgetrnk am letzten Tag aufkommen. Das gab ein kurzweiliges Suchen in Holzresten, Sgen, Schnitzen, Binden und Schieen ben und wrmte angesichts der durch den Regen gesunkenen Temperatur.

5. Scheibtruhen voller Mist

...rumten wir nchsten Tag, dem fnften und letzten, aus den Boxen unserer Pferde, um sie wieder besenrein zu machen. Hinauf die Rampe auf den Mistwagen und nicht daneben leeren! Als Morgensport fr den ganzen Krper praktisch, wenn auch fr Ungebte ziemlich anstrengend. Was an Gemtlichkeit im Schritt am Anfang unseres Wanderrittes Spa gemacht hatte, wurde jetzt durch den Spa bei langen Galoppstcken wunderbar ergnzt. Da ging es jetzt kontrolliert, doch flott Richtung Gro-Enzersdorf. Zur Erholung dauerte die Mittagspause in Schnau etwas lnger, auch das Uferhaus fr die abschlieende Einkehr war bald erreicht.

Langsam durch den verwachsenen Reitweg in den Stall zurck, und alle Pferde und Reiter kamen gesund und munter heim. Die Teilnehmer erhielten Urkunden zum Andenken. Irgendwann fhrte kein Weg am Ausrumen des Wohnwagens vorbei. Jeder schnappte seine Sachen und machte sich Richtung eigene vier Wnde, im speziellen Dusche oder Wanne, auf den Weg. Guat is gangen, nix is gschehn!

Danke Henry fr die Leitung, Elisabeth fr das Planenwagenmanagement und beiden fr die Organisation!