Zu Pferd durch Europa
von Erwin Chloupek
Fernreisen zu Pferd - eine Reitalternative aus Western News 3/00
ERSTE BEGEGNUNG
Pferde und Reiter sind fr mich seit meiner Kindheit schon immer eine Faszination gewesen: ob als Mustangherde und hinter ihnen herjagende Indianer in den Weiten der Prrie, oder als gepanzerter Ritter in schimmernden Rstungen, als Heroen in Reiterschlachten die Geschichte geschrieben haben, oder als Skythen, Hunnen, Awaren und Mongolen die Welt eroberten, aber auch als einsamer Cowboy, als Rcher der Schwachen und Schutzbedrftigen in all den zahllosen Westernfilmen. Und in meinen Kinder- und Jugendtrumen bin ich immer mitgeritten und habe Abenteuer erlebt, die mich manchmal bis ans Ende der Welt gefhrt haben.
Beruf, Karriere und Familie lieen diese Trume langsam verblassen, und andere Interessen und Notwendigkeiten hielten mich im Gang und im tglichen Ablauf des Alltages gefangen.
Bis im Jahre 1972 ein scheinbar unbedeutendes Erlebnis mein Leben nachhaltig verndern sollte. Auf einer Frhlingswanderung mit Familie und Freunden im Wienerwald kamen wir an einem idyllisch gelegenen Bauernhof mit grasenden Pferden auf einer Weide vorbei.
Ein Schild mit Aufschrift "WOLF-HOF Haflingerreiten mit Unterricht" lie uns anhalten und einige Fragen an die netten Leute dieses Hofes richten. Eine anschlieende Stallbesichtigung und schon war fr das nchste Wochenende die erste "Schnupperstunde" vereinbart. Nach intensiver Ausbildung auf den Schulpferden im Viereck war bald der erste Ausritt angesagt - und die Trume meiner Kindheit waren wieder vor meinem geistigen Auge, als wir das erste Mal ber Wiesenwege und durch den Wald der nahen Umgebung ritten. Sportliche Bettigung in freier Natur, gepaart mit Erholung, Seelebaumeln und Kameradschaft mit Menschen und Tieren waren die Dinge, die mich in der Folge faszinierten und die fr mich der ideale Ausgleich fr beruflichen Stress und Leistungsdruck waren.
Die Ausritte am Wochenende mit Familie und Freunden waren der Anfang meiner spteren Leidenschaft, die mein Leben so nachhaltig prgen sollte und die mich bis heute nicht mehr losgelassen hat.
Mit steigendem Knnen und Vertrauen kam der Wunsch nach einem eigenen Pferd. Balisa, eine junge nette Haflingerstute, war bald erstanden, und gemeinsam streiften wir nun durch Wald und Flur. Obwohl ich eigentlich noch eine "Greenhorn" war erkannte ich jedoch instinktiv, dass Balisa noch nicht "mein" Pferd war. Und so begab ich mich auf die Suche, denn von dem Virus "Alles Glck auf Erden liegt auf dem Rcken der Pferde" war ich mittlerweile hoffnungslos angesteckt.
Wotan, ein hbscher zweijhriger Shagya-Wallach, gefunden durch eine Zeitungsannonce, war die "Liebe auf den ersten Blick". Eine sofortige und, wie ich glaube, gegenseitige Zuneigung erfasste mich und dieses Pferd und sollte uns durchs Leben begleiten. Als "Ausnahmepferd" ist es in Wanderreitkreisen zur Legende geworden.
Einigermaen sicher im Sattel und gefestigt im Umgang mit Pferd - Wotan hatte ich inzwischen angeritten - streifte ich mit ihm durch die nhere und weitere Umgebung unseres Stalles, meistens mit Freunden, aber immer fter alleine, und versuchte meine Kenntnisse im "Orientieren" zu verbessern. In den ausgedehnten Wldern ein oft sehr schwieriges Unterfangen, aber ich kam, wenn auch manchmal mit Umwegen, immer gesund und wohlbehalten in den heimatlichen Stall zurck. Parallel dazu entwickelte sich auch mein sportlicher Ehrgeiz, und so wurden die ersten Wettbewerbe, spter einschlgige Turniere und - dank der vielseitigen Talente Wotans - meist mit sehr guten Ergebnissen, erfolgreich bestritten.
Die Ausritte wurden zu Tages-, bald zu Zwei- und Dreitagesritten ausgedehnt und fhrten uns zu den Ufern von Donau und Traisen sowie vor die "Mauern von Wien".
DER GEDANKE
Was bewegt einen Menschen an der Wende ins zweite Jahrtausend, im Zeitalter von Raumfahrt, Cyber Space und im Genuss virtueller Multifunktionalitt, sein Pferd zu satteln und mit diesem kreuz und quer, von Nord nach Sd, von Ost nach West, durch Europa zu reisen?
ber Hgel, Berg und Tal, durch endlose stille Wlder, weite Ebenen und Steppen, die sich irgendwo am Himmelsrand verlieren, durch schumende Bche, Flsse, trgerische Smpfe und Moore oder lichte Heide, bis hin zu den fernen Ksten der Meere. Und sind diese dann erreicht und man reitet durch die Dnung auf seinem leise schnaubendem Pferd in dieses magische Element, dann habe ich noch keinen Menschen erlebt, der nicht von diesem Moment bis tief in sein Innerstes bewegt gewesen wre. Und dann die befreiende, fliegende Galoppade am Sandstrand entlang. Von diesem Augenblick trumt man dann sein ganzes Leben.
Oder ein Erleben ganz anderer Art. Wenn man daran geht, die groen und mchtigen Gebirge zu Pferd zu berwinden. ber schmale Steige durch tiefe Schluchten hinauf zu blhenden Almen, wo sich oft ein berwltigender Ausblick auf eine grandiose Landschaft bietet und einem das Gefhl von grenzenloser Freiheit berkommt.
Ist es dieses gemeinsame Bestehen von Gefahr und Abenteuer, dieses Losgelst sein von den kleinlichen Querelen des Alltages und des den Routinetrottes? Ist es das Gefhl des Reitens ohne Grenzen von Horizont zu Horizont? Manchmal zu Mittag noch nicht zu wissen, wo und wie das Abendquartier sein wird, aber immer die Richtung und Vision des Endzieles dieser Reise vor dem geistigen Auge?
Ist es der Gleichklang der Herzen, das Gefhl der Verbundenheit mit seinem Pferd, das beidseitige Aufgehen in ein einziges Lebewesen und mentale bereinstimmung im Empfinden und Wollen, das auf solch langen, intensiven und erlebnisreichen Ritten entsteht?
Kein Kommando, keine Hilfen sind mehr notwendig, da beide wissen, was im entscheidenden Moment zu tun ist. Kein blinder Gehorsam ist mehr gefragt, sondern gegenseitiges Vertrauen und Konzentration, die gemeinsame optimale Bewltigung der anstehenden Aufgaben, die andere oft vor unlsbare Probleme stellt, mitunter geradezu spielerisch meistern lsst.
Wie auch immer. Ein entscheidender Faktor fr einen Reisenden zu Pferd ist die differenzierte Auffassung von der Art des Reisens, die man unternimmt. In einem meiner Reiseberichte stellte ich zur Einleitung und Einstimmung folgende Zeilen voraus:
Die Durchquerung Europas von Nord nach Sd und von Ost nach West im Sattel sind seit dem Alpenzug Hannibals, der Vlkerwanderung, den Kreuzzgen und diversen Feldzgen der folgenden Jahrhunderte immer dem Stern des Krieges gefolgt. Heute "erobern" Millionen Menschen jedes Jahr selbst die entlegensten Winkel unseres Kontinentes, allerdings sind der Groteil mit Auto, Bahn oder Flugzeug unterwegs, und sei es auch nur, um vorgefertigte neuerdings "All inklusive"-Erlebnisse zu konsumieren. Einigen Wenigen ist die Sehnsucht nach dem Unbekannten hinter dem Horizont geblieben, nach der Herausforderung, sich den Weg, den Steig selbst zu suchen, soweit das in unserer voll erschlossenen und durchtechnisierten Welt noch mglich ist. Aber einen heute zu Pferd Reisenden stellen gerade diese Vernderungen vor grere reiterliche Probleme, als die Eroberer im Sattel der vergangenen Jahrhunderte sie hatten.
Der bekannte Slogan "DER WEG IST DAS ZIEL" von einem Autohersteller fr seine Werbung "missbraucht" ist nmlich genau der Unterschied, der einen zu Pferd Reisenden von dem eines mit modernen Verkehrsmittel Reisenden unterscheidet.
Nicht das schnelle mhelose Erreichen eines fernen Ortes ist es, sondern das in sich Aufsaugen der vielfltigen Landschaften, das Kennenlernen der verschiedenartigen Menschen, das Spren des rtlichen Klimas, den typischen Duft der Wiesen, Felder und Wlder dieser Gegen in der Nase, den Wind, Regen, Sonne oder Schnee im Gesicht zu fhlen, das ist es, was diese Art des Reisens zu einer fortwhrenden Bewegung und oft zu einzigartigen Erlebnissen gestaltet.
Und ein weiterer gravierender Unterschied besteht in der Wahl der Route. Mit dem Pferd, abseits der kommerziellen Reisepfade, sind Menschen, Landschaften, Kultur und nicht zuletzt die unverflschte regionale Kche immer etwas Besonderes und bleiben dem "Standardtouristen" in der Regel meist verborgen.
Wir haben es immer wieder erlebt, die Reisetouristikindustrie wirbt mit immer ferneren und exotischeren "letzten Paradiesen", und in der Folge werden diese auch noch zerstrt. Dabei kann man selbst in Gegenden, die mit dem Auto rasch durchfahren, weil d und uninteressant erscheinen, oft nur wenige Kilometer abseits von der Strae landschaftliche Kleinode von subtiler Schnheit entdecken. Und das oft in relativ geringer Entfernung von Ballungszentren und Grostdten.
Auch die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen abseits des Massentourismus ist manchmal geradezu rhrend, und es ist schon vorgekommen, dass aus zuflligen Begegnungen echte Freundschaften entstanden, die ber Jahrzehnte aufrecht sind.
Zum Abschluss meiner Gedanken und Betrachtungen ber das Reisen zu Pferd mchte ich meine Empfindungen nach dem Einstallen meines Pferdes und dem Auspacken meiner Pack- und Satteltaschen nach der Rckkehr festhalten:
Meistens stehe ich etwas gedankenverloren herum, und sptestens nach ein bis zwei Stunden frage ich mich, was ich hier mache und wieso ich nicht weitergeritten bin. Und sptestens dann beginne ich mit der Planung meines nchsten Rittes und berlege, wer wrde wohl das nchste Mal mitreiten?
Fernreisen zu Pferd eine Reitalternative von Erwin Chloupek
Die Idee:
Urlaub mit dem eigenen Pferd, ferne Lnder, fremde Menschen vom Sattel aus kennen zu lernen; Natur und Abenteuer mit gleichgesinnten auf privater, individueller Basis hautnah zu erleben und gesteckte Ziele zu erreichen.
Die Organisation:
Als kompakteste, effizienteste sowie kostengnstigste Variante hat sich eine Reiseform entwickelt, die aus folgendem Team besteht: 3 oder 4 ReiterInnen jeweils mit Fhrerschein, Fahrkenntnissen, Orientierungsvermgen, Sattelfestigkeit und Pferdeverstand. 2 Pferde, gelndesicher, ausdauernd und problemlos im Handling (Verladen). 1 Zugfahrzeug mit Campingeigenschaften (Schlafmglichkeit fr 3 bis 4 Personen) oder Zelt. Ein 2-Pferdetransporter, mglichst mit kompletter Ausstattung.
Zustzlich zur Standardausrstung Wanderreiter / Wanderreitpferd: Ausstattung fr zu erwartende Witterungsverhltnisse (Hitze, Regen, Schnee etc.), auerdem persnliche Campingausrstung (Schlafscke) sowie fr die Crew leicht auf- und abbaubarer E-Zaun, Lebensmittel und Kraftfutterreserven, Wasserkanister fr Trnken unterwegs, mobile Beleuchtung, Orientierungshilfen, Handys, Notapotheke fr Mensch und Pferd, div. Reserveausrstung etc.
Diese Organisationsform ist weitestgehend unabhngig bei der Etappenwahl (keine zwingende Stall- und Unterkunftssuche), flexibel bei unvorhergesehenen Schwierigkeiten (Verletzungen bei Mensch und Tier) sowie Vernderungen bei der Streckenfhrung whrend des Rittes. Geritten bzw. gefahren wird abwechselnd nach individueller Einteilung.
Die Durchfhrung:
Grundlage meiner bisherigen und zuknftigen Ritte ist die Zielsetzung einer NORD-SD- sowie OST-WEST-Durchquerung Europas zu Pferd. Da es nicht mglich war, dieses Ziel in einem Zuge zu bewltigen, war ich gezwungen, dieses in mehreren Teilabschnitten durchzufhren. Immer dort, wo ein Ritt sein Ende nahm, wurde er spter fortgesetzt. So wurden die An- und Rckfahrtstrecken zu den jeweiligen Ausgangspunkten im Laufe der Jahre immer lnger, aber das gesteckte Ziel ist als Vision gltig geblieben. Bei lngeren Fahrten werden entsprechende Pausen und Unterbrechungen fr die Pferde eingeplant.
Von der Ost-West-Achse bin ich bis jetzt von der Hohen Tatra in der Mittelslowakei bis an die Schweizer-franzsische Grenze gelangt.
Fernziel: Frankreich, Spanien, Portugal bis zum Cap St. Vincent, der uersten Spitze Europas.
In der Nord-Sd-Achse bin ich von der Insel Usedom in der Deutsch-polnischen Ostsee bis ans Mittelmeer (Adria) und Rom gelangt.
Fernziel: Sdspitze Italiens. Im Norden Cap Skagen in Dnemark.
Information:
Sollte es Reiter geben, die ein grundstzliches Interesse an dieser Art des Reisens zu Pferd haben und an einem dieser Ritte teilnehmen mchten, so wrde es mich freuen, Gleichgesinnte kennen zu lernen, um mitzumachen. Grundstzlich ist es mglich, mit oder ohne eigenem Pferd bzw. Transportmglichkeit mitzumachen, da immer ein Mangel an Mitfahrern und -reitern besteht und in diesem Fall besonders kostengnstige Arrangements mglich sind. Und falls nicht gengend Urlaubstage vorhanden sind, ist bei entsprechender Abstimmung auch ein Teilzeit/Teilstreckeneinstieg organisierbar.
DIE ITALIENISCHE REISE ZU PFERD DES ERWIN CHLOUPEK
aus Western News 4/00
Der Beginn
Aus Aktualittsgrnden bzw. der besseren bersicht wegen hat mich die Redaktion der Western News ersucht, meine vielen Ritte im In- und Ausland nicht zeitlich chronologisch niederzuschreiben, sondern einen geografischen "roten Faden" zu finden.
Dieser Bitte komme ich gerne nach, ist es doch auch in dieser Form ein Abriss meiner reiterlichen Entwicklung und Auffassung, die ich unter "Prolog" bzw. "Gedanke" als Einleitung bereits dargelegt habe.
Man schrieb das Jahr 1987 und ich war schon einige Jahre sowohl als begeisterter Wanderreiter wie auch als Sport- und Turnierreiter im In- und Ausland unterwegs gewesen. Gemeinsam mit meinem Shagya-Wallach "Wotan 6" konnte ich einschlgige Erfahrungen in den verschiedenen Sparten der Reiterei sammeln.
Neben vielen Mehrtagesritten in Niedersterreich, Obersterreich und Burgenland waren die Durchquerung Niedersterreichs sowie Wanderritte Salzburg Kogl, Wien Budapest, Kogl Plattensee und der EMOrientierungsritt Morges/Schweiz nur einige meiner Highlights. Die faszinierende Kombination von sportlicher Bettigung und das Erleben von Abenteuern in freier Natur, im Kreise von Gleichgesinnten auf dem Kameraden Pferd, waren inzwischen ein fixer Bestandteil in meinem Leben geworden.
Ein Jahr zuvor hatte mich eine geschftliche Berufung nach Krnten verschlagen. Im Herbst 1986 holte ich Wotan nach und fand in der Nhe von Feldkirchen beim Ossiachersee (meine berufliche Wirkungssttte) in fast 1000 m Seehhe einen kleinen, aber sehr feinen Springreitstall in herrlicher Umgebung als neues Zuhause fr mein Pferd.
Mit meiner Begeisterung fr das Aus- und Wanderreiten fand ich in dem eher als Turnierstall ausgelegten Familienbetrieb bald Anhnger, und so erkundeten wir gemeinsam die nhere und weitere Umgebung dieser herrlichen Landschaft. Die Reiterfreundlichkeit von Bevlkerung, Bauern und Jgerschaft lie mich mein Heimweh bald vergessen. Insbesondere die hohen Berge rundherum reizten mich als Flachlnder ganz besonders. Ich empfand sie als neue reiterliche Herausforderung. Uns so trat eine neue faszinierende Reitvariante in mein Leben: Hoch zu Pferd im Hochgebirge unterwegs.
Die Gerlosspitze im Alleingang war ein prgendes Erlebnis fr mich und ich lernte die besondere "Gelndegngigkeit" meines Pferdes zu schtzten. Je fter ich im Gebirge unterwegs war, umso mehr reizte mich diese Art des Reitens, da ein bisher nicht gekanntes gegenseitiges Vertrauen, prziseste Bewegungsablufe und enorme Mitarbeit des Pferdes beim berwinden schwierigster Wegpassagen gefordert waren. Auch das Schrfen der eigenen Sinne war angesagt. Ein Verreiten im offenen Gelnde ist meist nur mit lstigem Zeitverlust verbunden, im Gebirge kann es fr Pferd und Reiter zu schwerwiegenden Gefahren fhren.
Das erste Mal zu Pferd in Italien
Eine wochenlange dichte Nebelwetterlage und laut Radio strahlender Sonnenschein darber lie mich im November den Entschluss fassen, trotz fortgeschrittener Jahreszeit wieder zu einem Gipfelsturm anzutreten. Die Bergspitze des Dreilnderecks, Treffpunkt von sterreich, dem damaligen Jugoslawien sowie Italien, war mein Ziel.
Nachdem ich den Talboden bereits auf einem meiner vielen Wanderritte durchquert hatte, fuhr mich ein Freund per Transporter zur Talstation der Dreilnderseilbahn. Von da an ritt ich die zahllosen Kehren auf einer Forststrae in dichtem Wald stetig bergan. Der Nebel war so dicht, dass die Sicht zwischen 10 und 20 m lag und das Wasser an meinem Reitmantel herunterlief. Nach einer Stunde lichtete sich die "Nebelsuppe", nach ein paar weiteren Kehren standen wir pltzlich im gleienden Licht der Sonne, dass es in den Augen schmerzte.
Nach zwei weiteren Kehren hielt ich meinen Schimmel an, um das gewaltige Naturschauspiel erfassen zu knnen. Der Nebel breitete sich vor meinen Augen wie ein weier See aus. Die Gipfel des Gerlitzmassives, der Villacher Alpen und all der anderen Berge ragten in dieser klaren Luft wie Inseln aus dem Meer. ber mir war strahlend blauer Himmel, rund um mich herum die totale Stille der Einsamkeit.
Angeregt von diesem Eindruck und die warmen Strahlen der Sonne genieend, galoppierten wir langsam die letzen Kehren, in sanfter Steigung, bis zu Spitze des Dreilnderecks hinauf. Beim Gipfelkreuz traf ich auf einen sterreichischen Bergsteiger und einen italienischen Extremmountainbiker. Mit Energiedrinks und Schnaps aus unseren Brustflaschen begossen wir diese seltsame Begegnung von drei Sportarten an diesem einsamen Ort.
Nun stand ich also das erste Mal hoch zu Pferd auf italienischem Boden, wenngleich nur wenige Meter landeinwrts. Ich blickte mich im Rund um, aber irgendwie blieb der Blick letztlich sdwrts gerichtet. Es war der Augenblick, in dem mein Verlangen geweckt wurde, wie in uralten Zeiten, einer ewigen Sehnsucht folgend, meinem Pferd die Schenkel zu geben und in dieses Land hinabzusteigen, um an die Gestade des Mittelmeeres zu reiten, dem Land das Europas Kultur prgte, zur Stadt hin, die einst Mittelpunkt der Welt war Rom.
Mit diesem Keim im Herzen ritt ich aber dann doch den Karawankenkamm sterreich zu meiner linken, Jugoslawien zu meiner rechten ber Steige und Almen weiter zum Wurzenpass. Von hier ritt ich, den zum Teil atemberaubend steilen Abstieg manchmal beide auf dem "Hintern" sitzend in Rutschpartien zum Faakersee, wo wir auch ein Nachtquartier in einem Reitclub fanden. Am nchsten Morgen gings dann ber die Ossiacher Tauern nach Tobisch in den inzwischen heimatlichen Stall zurck.
Die zweite Begegnung
Herbst 1989, ein Jahr war inzwischen vergangen, ich war beruflich wieder nach Wien zurckberufen worden. Nach Beendigung meines Dienstverhltnisses bin ich mit Wotan von Krnten ber Steiermark und Burgenland nach Niedersterreich zu seinem "alten" Stall in Kogl geritten. Die berwindung der Pack im Winter bei Tiefschnee war dabei eine der schwierigsten Unternehmungen, die ich je im Sattel zu bestehen hatte und uns an die Grenzen des Mglichen gebracht hat.
Aufgrund meiner Erfahrungen bei der EM 1986 in der Schweiz im Orientierungsreiten und dem 1. Platz (ex aequo) in dieser Spezialdisziplin, wurde ich vom BFV als Equipechef und Kapitn der sterreichischen Nationalmannschaft nach Palmanova / Provinz Udine entsandt. Wir erreichten im 60 km-Orientierungsritt unter schwierigsten Bedingungen den dritten Platz, und nach Gang- und Gelndeprfung erreichten wir den vierten Gesamtrang, noch vor der starken Mannschaft aus Deutschland und neun weiteren teilnehmenden Nationen.
Dies war eine prgende Begegnung mit Land und Leuten vom Pferd aus. Der Vergleich mit meinen vielen Badeurlauben und Geschftsreisen lie mich den festen Entschluss fassen, diese Gegenden und Landschaften im Sattel zu erleben, um es wirklich kennen zu lernen.
Die erste Reise
Nach vielen kleineren und greren Ritten, wie Alpenberquerung Salzburg Mnchen Allgu Bodensee Nordschweiz Jura bis Genf sowie fast die ganze Slowakei bis in die Hohe Tatra zu den Staatsmeisterschaften im Distanzreiten Kl. L (2. Platz) und im Jahre 1990 der dreiwchige Ritt Wien Berlin, war nun im Jahre 1992 die Fortsetzung dieses Rittes an die deutsch-polnische Ostsee bis zur Insel Usedom geplant.
Die Vorstellung, im gleichen Jahr sowohl zu den Gestaden dieses Meeres, als auch die Fluten der Adria zu erreichen und damit meine bisher durchrittenen Strecken von Kste zu Kste zu verbinden, lie mich nicht mehr los.
Also nahm ich die Karten zur Hand und plante fr den Mai einen Ritt von Seltschach, dem sdwestlichsten Punkt meiner Krntenritte (Dreilndereck) nach Grado an die Adria. Als Route whlte ich die Strecke Tarvis Predil Raccolanatal Fellatal zum Tagliamento und von dort ber Gemona Tacente Palmanova nach Aquileia und Grado. Fr den Gebirgsteil besorgte ich italienische Wanderkarten 1:25.000, in den Ebenen musste ich mit einer Autokarte 1:200.000 mein Auslangen finden, fr Grado gab es eine Kstenseekarte 1:50.000.
Brigitte Endtner, eine Krntner Reiterfreundin, war als Friaul-Fan schnell als Begleiterin zu begeistern. Nach kurzer, intensiver Vorbereitung war es dann am 23.05.1992 soweit. Wotan wurde verladen und von Kogl in seinen Krntner Stall nach Tobisch gebracht. Tags darauf fuhren Brigitte und ich per Auto nach Italien, um Teile der Reitstrecke und Quartiere zu erkunden. Immerhin war das norditalienische Hochgebirgsmassiv zu berwinden.
Am 25.05.1992 wurde Wotan wieder verladen und zur Talstation der Dreilnderseilbahn gebracht. Vom gleichen Ausgangspunkt wie vor fnf Jahren (meinem ersten Ritt an Italiens Grenze) ritt ich diesmal in westlicher Richtung zum grten Teil auf Waldwegen und Forststraen zum Grenzbergang Thrl-Maglern.
Leider waren damals vor der EU-Zeit die Zollformalitten gerade mit Italien der reinste Horror. Trotzdem wir einen ganzen Pack an Zoll- und Veterinrspapieren bei uns hatten, dauerte die Abwicklung den ganzen Tag, den wir am italienischen Zollparkplatz im Niemandsland zubrachten.
Die Nacht brach herein, wir waren mit unseren Nerven am Ende und entschlossen uns, Wotan nochmals nach Tobisch zurckzubringen. Da wir aber in sterreich bereits ordnungsgem abgefertigt waren, bedurfte dies einer Sondergenehmigung, die wir Gott sei Dank erhielten.
Eine in der falschen Spalte befindliche Stempelung wurde im Morgengrauen des 26.05.1992 vom Amtstierarzt nachgestempelt, und dann ging es wieder per Transporter zur Grenze. Nach nochmaligen Telefonaten und den x-ten Interventionen italienischer Freunde war es dann um 09:00 Uhr endlich soweit: Alle Papiere in Ordnung, Sie knnen weiterreiten.
Brigitte fuhr mit dem Gespann voraus, um bei Boscoverde auerhalb von Tarvis auf mich zu warten. Ich ritt noch bis Coccan am Bankett der Strae entlang, dann auf Forst- und Nebenstraen seitlich an Tarvis vorbei zum vereinbarten Rendezvous.
Vergessen war der rger ber die Schikanen der Wahnsinnsbrokratie und gelst ging es in leichtem Trab dahin. Nach kurzer Besprechung mit Brigitte gings weiter zum nchsten Treffpunkt am Lago di Predil.
Ich ritt in sdlicher Richtung auf Sandstraen, im engen Tal des Rio del Lago, parallel , etwas oberhalb der Asphaltstrae dahin, begleitet von links und rechts steil aufragenden Felswnden. Die Strae wurde sichtlich seit vielen Jahren nicht mehr benutzt, denn immer, wenn eine der vielen eisernen Brcken kam, waren diese mit einer Kette und einem Schild mit Totenkopf versperrt.
Nachdem ich fnf oder sechs Brcken vor dem Passieren grndlich untersucht und festgestellt hatte, dass sie Pferd und Reiter tragen mssten, ging es flott weiter. Die letzten Absperrungen wurden schon im Sprung genommen. Cave di Predil war bald durchritten, und nach kurzem, steilem Abstieg war der Rastplatz am Lago di Predil erreicht, wo Brigitte bereits auf mich wartete.
Sie hatte Proviant in Tarvis gekauft, den wir uns gut schmecken lieen, whrend Wotan abgesattelt auf einer Wiese graste. Die Landschaft war grandios. Wir glaubten uns nach Kanada versetzt. Ein enges Tal, ein tiefblauer See, umgeben von einem mchtigen Tannenwald und darber senkrecht aufragende Felswnde.
Hier waren wir nur wenige hundert Meter von der italienisch-jugoslawischen Grenze entfernt, der wir auch noch einige Zeit folgen sollten. Weiter ging es dann den Fluss entlang, entweder auf dem Straenbankett oder auf parallel laufenden Forststraen zur Passhhe Sella Nevea, einem bekannten Wintersportzentrum, und von dort nun in westlicher Richtung auf engen Serpentinen in das Tal des Raccolana.
Kurz vor Erreichen der Talsohle ging es wieder auf einer Forststrae, die rechts im Hang ber Stretti zur Ponte di Tamaroz fhrte. Hier musste ich 4 km die Strae entlang, um bei Sotmedons wieder auf eine Sandstrae zu gelangen. In dichtem Wald und an steilen Felswnden vorbei ging es in diesem fast unbewohnten Tal weiter.
Vor Raccolana entdeckte ich einen Wanderweg. Dieser fhrte mich auf schmalem Steig ber die Tunneleinfahrt der Autobahn zu einer Brcke ber die Fella und hier erreichte ich Chiusaforte. Dies war in den Napoleonischen Kriegen eines der strksten Sperrforts des kaiserlichen sterreichs. Seine Reste sind immer noch imposant anzusehen. Dann ging es weitere 3 km am Straenrand entlang bis zur nchsten Forststrae. Das Tal wurde etwas weiter, die Sandstrae, wieder in den Hang gebaut, stieg teilweise bis zu 200 m ber die Talsohle an, womit man einen herrlichen Ausblick beim Reiten genieen konnte.
Ovedosso, einer der wenigen, aber sehr hbschen Orte, war schnell durchritten und im Seitental des Aupa kom Moggi war schon unser Abendquartier in Sicht. Beim einzigen Bauern dieses Ortes, der auch noch ein Pferd in seinem Besitz hatte, wurde Wotan eingestellt.
Unser Quartiergeber musste auf Anordnung der italienischen Veterinrbehrde fr das einmalige Einstellen meines Pferdes extra seinen Stall auskalken und vom Amtstierarzt kontrollieren lassen. (Das ist Italien!!!) Wotan kam noch eine Stunde zum "Hauspferd" auf die Weide. Whrend er die Box bezog, verbrachte sein italienischer Freund die Nacht im Freien.
Brigitte und ich nahmen in dem netten Hotel Leon Bianco ein erstklassiges Abendessen ein und bezogen unser Quartier. Der Besitzer hatte uns auch bei der Organisation des Rittes sehr geholfen.
Teil II - aus Western News 5/00
27.05.1992. Der Morgen war khl und der Himmel bedeckt. Gutes Frhstck, herzlicher Abschied und schon gings weiter. Als Treffpunkt mit Brigitte war der Pass des Cuel dal Dorondon ausgemacht. Auf einer alten Sandstrae ging es westwrts, die steilen Felswnde des Fellatales entlang, ber zahllose Querschluchten, ber unzhlige Brcken, diesmal meist aus Stein, und durch noch mit der Hand herausgeschlagene Tunnels.
Diese waren natrlich nicht beleuchtet und einige davon waren so lange, dass man den Ausgang am anderen Ende nicht sehen konnte. Wie in stockfinsterer Nacht tappten und stolperten wir, mit stark mulmigem Gefhl, langsam weiter. Da ich damals noch keine Taschenlampe "standardmig" permanent am Sattel mitfhrte, schoss ich von Zeit zu Zeit mit meiner Kamera ein Foto, um wenigstens fr einen Augenblick die Beschaffenheit des Bodens und der Wnde zu checken.
Aber wir hatten Glck und es lag kein Hindernis am Weg. Der Boden hatte keine greren Lcher oder Spalten. So gelangten wir nach zirka einer Stunde zum Talausgang und trafen hier auf den Tagliamento.
ber die endlos lange, alte Steinbrcke Ponte della Carnia, am Treffpunkt der beiden Flsse, ging es in dem nun weiten Tal in sdlicher Richtung weiter. Carina war schnell durchritten, und entlang des Tagliamento gab es gengend Wiesen und Feldwege, die auch zum Teil zum Galoppieren geeignet waren.
So war bald das alte Stdtchen Venzone erreicht. Nach dem schweren Erdbeben in Friaul, vor einigen Jahren, wurde diese "Perle des Friaul" liebevollst restauriert und mir ein Besuch dringend ans Herz gelegt.
Also ritt ich wie einst die fahrenden Ritter durch das mchtige Stadttor in Richtung Hauptplatz. Ich hatte jedoch bersehen, dass der Belag der Strae aus weiem Marmor bestand und, nachdem es vorher leicht genieselt hatte, glatter als Eis war. Ich sprte, wie Wotan mit kleinsten Schritten, versuchend Gleichgewicht zu halten, weiter trippelte und bemht war, nicht zu strzen. Kein Stift, kein Stollen fand hier Halt. In dieser Situation war auch ein Absteigen ohne Sturzgefahr nicht mehr mglich. Also strebten wir mit angehaltenem Atem weiter.
Die Strae ffnete sich zu einem Platz mit wrdigen Gebuden mit Marmorfassaden und in der Mitte einen ebenfalls marmornen Brunnen. Dort lenkte ich Wotan hin, lehnte ihn an die Einfassung und glitt in Zeitlupentempo aus dem Sattel. Nach dieser Anspannung tat eine Pause gut. Wotan schmeckte das Brunnenwasser sichtlich. Ich schoss einige Fotos und gnnte mir unter den marmornen Arkaden eine Kaffeepause.
Weiter gings mit Wotan, diesmal an der Hand zum anderen Tor hinaus, ein letztes Foto, aufgesessen und auf weicher Sandstrae bergan zum Mittagstreffpunkt. Bald wurde der Weg steiler und steiniger. Durch lichten Wald, stetig bergauf, erreichten wir den Pass Sella die S. Agnese, dann in gleicher Hhe weiter zum vereinbarten Rendezvous.
Abgeschieden, inmitten hochaufragender Berge der Costa della Gringhiona, hatte Brigitte mittels Campingausrstung ein herrliches Picknick mit Friauler Spezialitten vorbereitet. Wotan hatte ein schattiges Pltzchen (mittlerweile war die Sonne hervorgekommen). Wir genossen gemeinsam grasend und schmatzend dieses abgeschiedene landschaftliche Juwel mit herrlicher Aussicht.
Fr 14:00 Uhr war der Weiterritt angesetzt und das Abendquartier in Tarcento als nchstes Treffen vereinbart. In sdlicher Richtung war bald die Villensiedlung und die Citt von Gemona erreicht.
Am Fue des Monte Glemina gelegen ber dem Tal des Tagliamento ist eine sehr schne und gepflegte alte Stadt. Ich ritt am Dom die Roccia vorbei, einer alten Strae am halben Hang des Berges folgend, in Richtung Cologna. Hier, von einem alten K.u.K. Marineoffizier auf einen Capuccino eingeladen, machte ich eine kurze Pause.
Leider konnte er mir keine genauen Ausknfte ber den Wanderweg ber den Monte Campeon nach Tarcento geben. Nachdem ich damals noch wenig Erfahrung mit italienischen Wanderwegen und Markierungen hatten, ritt ich im Vertrauen auf meine Wanderkarte ins Gebirge ein.
Rasch war die Schlucht des Confine erreicht. Mit etlichen Mhen gelang die Furtung und der weitere Anstieg begann. Bald hatte ich die Markierung und in der Folge den Weg verloren. Erst nach wiederholter Umkehr und systematischer Suche fand ich beides wieder. Nach berwindung einer weiteren Schlucht fand ich mich unmittelbar unter dem M. Campeon. Allerdings fhrte dieser Weg an drei Felsvorsprngen weiter, wobei der letzte mittels Stahlseil in der Wand "gesichert" war.
Nur durch die "Coolness" von Wotan war es hier noch mglich umzukehren ohne abzustrzen und durch alle Schluchten und Steilstufen nach Cologna zurckzukehren. Ein Blick auf die Karte und ein weiterer auf die Uhr sagte mir, dass sich die Ankunft im Quartier um einige Stunden verzgern wrde. Handys gab es damals noch nicht, also war keine Verstndigung mglich.
Der schwierige Aufstieg, die lange Suche nach dem richtigen Weg, sowie der noch schwierigere Abstieg hatten mich gute drei Stunden gekostet. Nun stand mir auch noch ein Umweg von ca. 15 18 km zustzlich ins Haus.
Es war inzwischen sehr hei geworden und Wotan zeigte erste Spuren von Mdigkeit. Trotzdem war Eile geboten. So schonend wie mglich ritt ich in groem Bogen, in nordstlicher Richtung, nach Gretto weiter. Die Strae in stndigem Auf und Ab, wobei ich die abschssigen Teile immer zu Fu bewltigte, um Wotan zu entlasten.
Hier zweigte die Strae in direkter Linie nach Sden ab. Nach einigen Kilometern steil bergab fhrender Strecke gelangte ich an den Torrento Zimor. Hier packte mich leise Verzweiflung, denn die alte Steinbrcke war eingestrzt, die Schlucht darunter gute 20 m tief.
Also wieder umkehren und einige Kilometer zurck, nur diesmal steil bergauf. Und so ging es weiter. Die Hhenunterschiede zwischen den einzelnen Ortschaften betrugen bis zu 350 m, und die Strae wand sich in tausenden Kurven und Serpentinen dahin. Die Sonne begann schon unterzugehen. Ein Versuch, ein endloses Kurvensystem abzuschneiden, endete im Dickicht umgestrzter Bume. Als ich wieder in sdlicher Richtung um ca. 19:00 Uhr Malemaserio erreicht hatte, begann die Dmmerung.
In der Ferne weit unter mir sah ich Tarcento, wo ich eigentlich schon seit mehreren Stunden htte sein sollen. Nun wurde es aber khler, und die Strae senkte sich kontinuierlich weniger steil zu Tal. Wotan hatte sich inzwischen gefangen und ich war aufgesessen. Um 21:30 Uhr, es war mittlerweile Nacht geworden, ritt ich ber die Brcke des Torrente Torre, als mich Brigitte besorgt und berglcklich in Empfang nahm.
Noch zwei Kilometer, und wir hatten unseren Stall in den Weinbergen, oberhalb von Tarcento erreicht. Wotan wurde sofort versorgt und eingestallt. In den stilvollen Kellergewlben des Herrenhauses, unseres Gastgebers, feierten wir die sehr spte, aber glckliche Einkehr bis spt nach Mitternacht.
28.05.1992 Genauer Check von Wotan, wie er die anstrengende Etappe des Vortages verkraftet hatte. Aber als Shagya bester Abstammung war er, trotz seines Alters von 22 Jahren, am Morgen wieder in sehr guter Verfassung. Es war schon sehr warm, als wir nach herzlichem Abschied um 09:45 Uhr vom Reitstall Rovere wegritten.
Die Stadt Tarcento selbst liegt am rechten Ufer des Torrente Torro, whrend ich am linken Ufer, an hbschen Landhusern und Villen vorbei, bis Molins ritt. Dort ging ich ber die Brcke, ber die sanften Hgel und Weinberge, um bei Zompitta wieder zum Fluss zurckzukehren. Hier wieder ber eine Brcke auf den linken Damm, dann ritt ich in sdlicher Richtung weiter.
Nach einer Weile traf ich am Rande eines Auwaldes auf ein Zigeunerlager. Angesprochen hielt ich an und war nach wenigen Augenblicken von neugierigen Menschen umringt. Einer Einladung folgend, schwang ich mich aus dem Sattel und lie mich und mein Pferd gerne bewirten. Ich hatte eine lustige Unterhaltung mit dem "Knig" und den Leuten des Lagers.
Aber die Sonne stieg hher und es wurde hei, also musste ich weiter. In der Folge verlie ich den Flusslauf und schlug mich ber Feld- und Gterwege, nun schon in der norditalienischen Ebene, an schnen Gutshfen in gepflegter Landschaft, ber Grions dell Torre nach Ramanzacco durch. Hier hatte Brigitte eine nette Trattoria mit schattigen Bumen fr Wotan gefunden und schon auf mich gewartet.
Nach ausgiebiger Mittagsrast gings um 15:00 Uhr weiter. Ich hatte keine genaue Karte mehr und ritt nun nach der italienischen Straenkarte 1:200.000 weiter. Zuerst musste ich die Nationalstrae 56 und eine Bahnlinie berqueren. Ich fand in der Nhe von Pradamano wieder einen Gterweg. Von hier gings in stlicher Richtung zum Torre die Malina, dann am Damm Richtung Sden nach Buttrio. Das war der nrdlichste Punkt beim 60 km-Orientierungsritt bei der EM 1989 und als Treffpunkt mit Brigitte ausgemacht.
Ohne Handys hatten war eine "Feinabstimmung" zwischen Begleitfahrzeug und Reiter nicht mglich, und so fanden wir nicht zueinander. Zustzlich erschwerte ein mit aller Gewalt hereingebrochenes Gewitter die Suche.
Eine ltere, elegante Dame beobachtete mich, sprach mich an und bot mir und meinem Pferd Unterkunft in ihrem alten monumentalen Stadtpalais an. Ich versorgte Wotan im 500 Jahre alten Schlossstall. Gemeinsam mit der Contessa suchten wir in ihrem Auto nach Brigitte. Nachdem wir sie endlich gefunden hatten, fuhren wir gemeinsam zum Palais zurck. Hier wechselte ich meine tropfnassen Kleider und anschlieend tranken wir im Salon Tee und besprachen die weitere Vorgangsweise.
Nachdem der heftige Regen nicht nachlie und ich die Strecke Buttrio Palmanova bereits 1989 mit Wotan durchritten hatte (im Wesentlichen die linke Uferseite des Torrente Torre), beschlossen wir, Wotan zu verladen und zu unserem Hauptquartier nach San Lorenzo bei Aquileia zu fahren, wo wir dann um 19:30 Uhr eintrafen.
Der Club Ippico "C Viola", im Besitz von Colonel Lorenzo Tartillo, einem ehemaligen Kommandanten der italienischen Kavallerie, bereitete uns einen herzlichen Empfang. Wotan bekam eine Riesenbox mit eigener Rasenkoppel.
29.05.1992. Nachdem Wotan aufs exzellenteste untergebracht war und Brigitte berraschend nach Wien zurckberufen wurde, beschlossen wir einen Stehtag zu machen und Udine zu besuchen. Beim Stadtbummel entdeckte ich in der Buchhandlung eine Seekstenkarte1:50.000, die es mir nun gestatten sollte, wieder genau zu reiten. Nach einem ausgedehnten Mittagessen in einem historischen und stilvollen Restaurant brachte ich Brigitte zum Bahnhof.
Anschlieend fuhr ich zum Stall zurck, wo Wotan stand. Der Amtstierarzt wartete bereits, um Wotan zu untersuchen und die Rckfahrtspapiere auszufertigen. Am Abend fuhr ich nach Grado, um die vorsaisonale Atmosphre dieses alten Seebades zu genieen.
30.05.1992. Nachdem die Strecke Palmanova San Lorenzo auf meinem Ritt noch fehlte, brachte mich der Colonel per Transporter vor die Tore dieser alten Festungsstadt der Republik Venedig aus dem Jahre 1662. Die Stadt ist bis heute nahezu unverndert geblieben und so ritt ich nach dem Ausladen, mit dem Gefhl um Jahrhunderte zurckversetzt zu sein, durch das mchtige Stadttor in die Stadt hinein. In der Nhe des Sdtores befindet sich das Kommando eines italienischen Kavallerieregements, dem ich meine Aufwartung machte.
Teil III - aus Western News 6/00
Nach einem herzlichen Gesprch mit italienischen Offizieren und einer Kaffeepause ritt ich wieder zum Tor hinaus, um die Strecke bis San Lorenzo zu schlieen. Unmittelbar an den Stadtmauern und Wehrgrben fhrt die Autobahn A4 vorbei. Dieser folgte ich in stlicher Richtung bis zur ersten Unterfhrung, und dann gings nun wieder mit genauer Karte in sdstlicher Richtung weiter.
Auf schmalen Sandstraen mit zum Groteil Pinien- und Zypressenalleen und landwirtschaftlichen Verbindungswegen kam ich gut voran. Die kleinen Drfer waren hbsch und von alter, aber gepflegter Bausubstanz. Die Landschaft war von Kanlen und Bewsserungsanlagen durchzogen und stand in saftigem Grn. In Villa Vicentina machte ich unter den Arkaden einer alten Taverne eine kurze Rast.Weiter ging es nun hauptschlich an Kanlen auf Rasenwegen nach San Lorenzo.
Um 16:30 Uhr war der Stall erreicht. Wotan wurde versorgt, gewaschen und auf die Weide entlassen. Abends gab der Colonel mir zu Ehren ein Abenddinner in der "Villa Nera", wo ich Gelegenheit hatte, italienische Reiterfreunde von der EM wiederzusehen. Wir berichteten bis spt in die Nacht von unseren Reitabenteuern.
31.05.1992. Fr diesen Tag war der Ritt ans Meer und damit der Abschluss der ersten Italienreise geplant. Um 10:00 Uhr war Abritt bei strahlendem Sonnenschein. ber herrliche Wiesenwege ging es am Canale Thiel entlang. Dann ein Schwenk in westlicher Richtung zur alten Rmerstrae "Via Julia Augusta", dieser in sdlicher Richtung folgend und dann stlich nach Belvedere. Herrliche alte Villen, in wunderschnen, historischen Gartenanlagen mit uraltem Baumbestand entzckten das Auge. Dann erreichte ich das tiefblaue Meer, allerdings konnte ich hier keinen Zugang finden, da eine endlos lange Steinmauer diesen verwehrte.
Also wendete ich und ritt westwrts die Kste entlang. Ich berquerte die Via Julia Augusta und ritt weiter zur Isola die Gabbiani. In der Bucht der Lagune war der Strand erreichbar und wenige Augenblicke spter trabte Wotan ohne zgern in die Fluten der Adria hinein.
Hier befand ich mich nun, auf meinem Pferd sitzend, im Meer und genoss den Augenblick. Ich hatte das Gefhl, als ob die Zeit stillsteht. Das Ziel war erreicht, das ich am Gipfel des Dreilnderecks zum ersten Mal als Vision gesehen hatten.
Wotan versuchte einige Male zu trinken, aber irgendwie schmeckte dieses Wasser anders als alles andere, was er bisher getrunken hatte. Die uere Abkhlung tat ihm sichtlich gut, und so stapfte er immer tiefer in dieses komische Wasser, bis ich ihn abwendete, da wir drauf und dran waren, den Boden unter den Fen zu verlieren.
Also gingen wir auf den Strand zurck, dann auf den mchtigen Schutzdamm und ritten im langsamen Galopp auf Wiesenboden die Bucht in westlicher Richtung weiter entlang. Die Aussicht war beeindruckend. Zur linken die glitzernde Oberflche und die sanften Wellen der Lagune, zur rechten dehnte sich in endlosem Grn von Schilf und wildem Gras das Naturschutzgebiet Bonifica S. Marco aus. Dazwischen waren Millionen roter Mohnblten, die sich im leichten Wind rhythmisch bewegten, und in der Ferne auf einem Hgel war ein altrmischer Rundtempel zu sehen.
ber unseren Kpfen kreisten seltsame Seevgel, die immer wieder im Tiefflug neugierig die Eindringlinge beugten. Eigenartig war, dass dieses traumhaft schne Naturreservat weder von Italienern noch von Touristen besucht wird, da ich stundenlang keinen Menschen zu Gesicht bekommen habe. Inzwischen hatte ich den Rundtempel erreicht, darin ist die Kapelle S. Marco errichtet. Unter alten Pinien machten wir Rast und genossen im Schatten der Bume die Aussicht von dem kleinen Hgel aus.
Weiter gings die Bucht entlang, bis zur Mndung des Fiume Natissa, ab da in nrdlicher Richtung, auf der rechten Seite des Dammes. Pltzlich hrte ich Stimmengewirr, welches ich fr "Wienerisch" hielt. Neugierig geworden, blickte ich auf und sah die Mastspitze eines Segelbootes, mit rot-wei-roter Flagge, ber der Dammkrone flattern.
Ich gab Wotan die Schenkel und wir galoppierten auf die Krone hinauf. Nach einem groen Hallo und der Begrung waren Boot und Reiter gemeinsam zur Marina di Aquileia unterwegs. Ich band Wotan auf einem Bootssteg an, versorgte ihn diesmal mit Swasser, und schon waren ich und die Crew des Seglers im Hafenrestaurant. Bei einem khlen Bier erzhlten wir uns gegenseitig unsere "G`schichtln".
Um 13:00 Uhr brach ich wieder auf, um auf einer alten Sandstrae die bedeutendste Hafenstadt des rmischen Reiches an der nrdlichen Adria zu erreichen. Zu dieser Zeit war Aquileia noch am Meer gelegen, hatte einen Hafen und spter einen der grten Dome der frhen Christenheit aus dem Jahre 1030. Es war Bischofssitz und Verwaltungszentrum mit ca. 100.000 Einwohnern. Heute stehen einige schne alte Steinhuser rund um den gewaltigen Dom. Rundherum Ausgrabungen, welche die Gre der antiken Stadt erahnen lassen. Sonst jedoch wirkt dieser geschichtstrchtige Ort wie ein kleines Dorf.
Diesmal band ich Wotan an einer Pinie neben dem Hauptportal des Domes an, besichtigte diesen und die anschlieende Klosteranlage, und begab mich danach zum verspteten Mittagessen in die Taverne "Antica Romanum".
Hier hatte ich eine der seltsamsten Begegnungen, die man im Leben hat. Ein Mann hatte mich und mein Pferd beobachtet, war mir neugierig gefolgt und fragte mich, in mir fremden deutschem Akzent, ob er sich setzen drfe.
Nach dem blichen Woher, was ich hier mache und wohin es weiter gehe und belanglosen Worten, erzhlte ich von meiner Vision: Im gleichen Jahr, mit dem gleichen Pferd als sterreicher zur Adria und Ostsee zu reiten. Daraufhin fragte mich der Fremde, wohin an die Ostsee? Ich hatte die Planung schon im Kopf und wusste, dass das Endziel die Insel Usedom (von der ich bis dahin keine wirkliche Ahnung hatte) an der deutsch-polnischen Grenze sein sollte.
Nachdem er sich vorher schon ausfhrlich ber meine Schabracke mit kaiserlichem Doppeladler erkundigt hatte, riss es ihm bei der Erwhnung des Namens "Usedom" frmlich vom Stuhl. Er stand nun kerzengerade aufgerichtet vor mir uns sagte mit heiserer Stimme: "Gestatten! Hermann Ernst, Ritter von Borck Lehnsherr von Usedom!" Ich kam mir wie in einem schlechten Roman vor.
Nachdem sich die erste berraschung gelegt hatte, erzhlte er mir, dass seine Eltern noch ein groes Rittergut mit vielen Pferden besessen hatten. 1945 sind er als Kind und seine Eltern unter Zurcklassung von Hab und Gut auf drei Pferden zu den westlichen Alliierten geflchtet. Jetzt verbringt er die Sommer in Aquileia bei einer adeligen, italienischen Verwandten, deren Pferde er bereitet.
Wir verlieen nach langem und interessantem Gesprch die Taverne. Er ermglichte mir, aufgrund seiner Beziehungen, die antiken Ausgrabungen und die Tempelstraen mit Pferd zu besuchen. Ich muss zugeben, dass diese Besichtigung einen besonderen "Kick" in mir auslste, stand ich doch nun mit meinem Pferd an der gleichen Stelle, wo rmische Csaren die Huldigungen ihrer Prfkten und Heerfhrer entgegengenommen hatten.
Um 16:00 Uhr verabschiedete ich mich von meinem neuen Freund. Ich ritt nach Colombara und von dort auf einem 5 m breiten Wiesenweg, der von einer Zypressenallee gesumt war, nach C Viola, wo ich bereits von meinen Gastgebern erwartet wurde. Nachdem Wotan bestens versorgt war konnte ich mich den Freuden eines Gartenfestes hingeben, dass in den Anlagen des exklusiven, aber urgemtlichen Reitstalles bereits begonnen hatte.
01.06.1992. Der Abschied fllt immer schwer. Diesmal wre ich besonders gerne geblieben, aber neue Unternehmungen waren schon geplant. Um 10:00 Uhr wurde Wotan verladen, um 12:00 Uhr waren wir an der Grenze, und nach zwei weiteren Stunden waren wir sowohl vom Zoll als auch von den Grenztierrzten abgefertigt.
Um 15:00 Uhr war Wotan bereits wieder auf "seiner Koppel" in Tobisch. Bei Bier, Most und Jause berichtete ich meinen Krntner Reiterfreunden ber meine erste italienische Reise zu Pferd.
Nachdem wir uns einen Rasttag vergnnt hatten, nutzen wir unseren Krntner Zwischenstopp, am 03.Juni 1992, fr einen Tagesritt zum Wrthersee, da ich in diesem mit Wotan noch nie gebadet hatte.
Am 04.06.1992 fuhren wir dann per Transporter nach Kobersdorf im Mittelburgenland. Nach der Nchtigung ritt ich dann ber Deutschkreuz auf ungarischem Staatsgebiet in den Seewinkel, wo ich noch gerade rechtzeitig eintraf, um erfolgreich am 2. Burgenlndischen Orientierungsritt teilzunehmen.
Vom 18.07. bis 05.08.1992 waren wir dann im Osten Deutschlands unterwegs. Die Route war: Berlin Mark Brandenburg Mecklenburg bis zur Ostsee.
2. Italienisches Intermezzo
Anfang Oktober erhielt ich vom LFV den Auftrag, eine Mannschaft fr die EM im Orientierungsreiten in Italien aufzustellen. Es gelang mit zwar, aber weil nur wenige Tage zur Verfgung standen, war keine Zeit zur Vorbereitung geblieben. Der LFV hatte diesmal ein Betreuerteam, bestehend aus Heinz Rieger und Gideon Hasenlechner, beigestellt.
So fuhren wir am 15.10.1992 aufs Geradewohl nach Mosciano in den stlichen Auslufern der Abruzzen, in der Nhe der adriatischen Kste gute 100 km sdlich von Ancona.
Start zum 60 km-Orientierungsritt war am 17.10.1992. berrascht vom radikal genderten Reglement, wie Einzelstart, schlechten schwarz-wei Kopien der Gelndekarten, sehr drftigen Informationen, vllig neuartigem Kontrollsystem, war es sehr schwierig, sich in dem unbersichtlichen und sehr anspruchsvollen Gelnde zurechtzufinden. Aber wir erreichten alle in der Zeit unser Ziel, und auch in den am nchsten Tag folgenden Gelnde- und Crossprfungen hielt sich die Mannschaft sehr gut, sodass wir schlussendlich mit dem fnften Gesamtrang diese EM beenden konnten.
Obwohl wir uns von den italienischen Organisatoren sportlich benachteiligt fhlten und entsprechend verrgert waren, wurde dies von der Schnheit der Landschaft, der Kameradschaftlichkeit der Teilnehmer, der Gastlichkeit, dem tollen Rahmenprogramm und dem italienischen "Rundherum" mehr als aufgewogen.
Neue Freundschaften wurden geschlossen, und in dem Bewusstsein fr "Daheim" wieder etwas zu erzhlen zu haben, fuhren wir am 19.10.1992 wieder nach Hause.
DIE ZWEITE REISE. 1.-9. Mai 1998
aus Western News 1/01
Fr das Frhjahr dieses Jahres war ein Campagneritt - Vom Stephansplatz zum Markusplatz - ausgeschrieben. Meine alte "Italienambition" war angesprochen. Da ich den grten Teil der Stecke bereits mit Wotan durchritten hatte, wollte ich mich erst von Tolmezzo aus dieser Gruppe zum Ritt nach Venedig anschlieen, dies war aber nicht mglich. Ich fasste den Entschluss, einen eigenen Venedigritt zu organisieren. Also aktivierte ich meine Italienconnections und gewann als Mitreiter meinen Begleiter von 1996 nach Kecskemet , Herbert Sulzer. Als Ausgangspunkt whlte ich die alte Festungsstadt Palmanova.
Sonntag, der 3. Mai, war unser erster Reittag. Zuerst ging es in westlicher Richtung der A 4 entlang. So gelangten wir (wir konnten das meiste Galoppieren) bald nach Porpetto. Der kleine hbsche Ort war schnell durchquert und weiter gings auf guten Gterwegen nach Pampalura ber den Corgnolizza mit seinen schnen Auen. Nach einem weiteren Kilometer standen wir am Canale Zellina. Das was wir auf der Karte fr eine kleine Brcke gehalten hatten, entpuppte sich in der Realitt als eine betonierte Wehr.
Das ganze war so schmal, dass wir die Pferde noch zustzlich absatteln mussten, da sie sonst an den Regulierungsrdern nicht vorbeigekommen wren. Bald war der grosse Canale Comor erreicht. Auf dem mchtigen Damm gings nun mit herrlicher Aussicht auf die ringsum blhenden Felder bis hin zum Horizont - in sdwestlicher Richtung auf Muzzana zu. Durch die schmalen Gsschen an einem alten Wasserschloss vorbei, ein Kanal in westlicher Richtung. Im Schatten der Bume eines Ristorante wartete Wasser und Futter auf unsere Pferde.
In sdwestlicher Richtung und nachdem die Schnellstrasse 44 und die Bahn berquert war, gings nach Precenicco am Fiume Stella. Der Ort war problemlos zu durchqueren, da uns freundliche Leute durch ihre privaten Grten reiten lieen. Nun steuerten wir den Sdrand von Latisana an. Auf Gterwegen kamen wir in San Michele zur Brcke ber den Tagliamento. Die Kanle liefen hier alle in Nord-Sd-Richtung, also quer zu unserer Grundrichtung. Auf einer herrlichen Parkallee erreichten wir unser Nachtquartier in Vado.
Dieser Ort besteht eigentlich nur aus dem halbverfallenen Schloss und einigen alten Husern unter riesigen Bumen. Allerdings ist die Reitanlage einzigartig in ihrer Art. Neben Rennbahn, Gelndestrecke, einigen Turnierpltzen und einer riesigen Reithalle mit Zuschauertribnen, angeschlossenem Veranstaltungszentrum mit moderster Einrichtung gibt es fr 250 Pferde fixe massive Metall-Holzboxen. Und das nur fr Turnierveranstaltungen, sonst ist diese riesige Anlage unbenutzt und leer.
Montag, 4. Mai. Wir hatten am ersten Reittag gute 60 km, d.h. ein Drittel des Weges nach Venedig zurckgelegt. Deshalb nutzten wir diesen Tag fr die Erkundung der restlichen Strecke sowie fr einen Kulturbesuch von Venedig.
Dienstag 5. Mai. Zunchst ritten wir auf Gterwegen nach S. Magarita, dann meist sdlich bis an den Parco Lagunare. Es war etwas heier als an den vorhergegangenen Tagen und wir hatten einige Orietierungsprobleme, da unsere Karte mit den Gegebenheiten der Landschaft nicht bereistimmte. Riesige Felder, kreuz und quer gezogene Kanle und niemand, den man fragen konnte. So ritten wir mehr nach Gefhl und Kompass weiter.
Wir folgten einer Asphaltstrae und kamen nach 500 m an eine Cafeteria. Hier machten wir Pause und fragten nach dem weiteren Weg. Es ging ber Cavanella Lunga und durch das Naturreservat des Nicesolo. Hier waren wieder auf herrlichen Wiesenwegen in unberhrter Heidelanschaft unterwegs. Wir folgten den verschlungenen Wasserlufen zum Groteil auf mchtigen Dammkronen. In S. Giogio war ein Rendezvous mit unserem Begleitfahrzeug vorgesehen. Eine alte Steinbrcke fhrte ber den Fiume Livanza und unmittelbar danach war ein kleines nettes Ristorante. Mitten im besten Schmatzen ein Anruf durchs Handy. Whrend eines Einkaufes im Supermarkt war das Auto aufgebrochen und ausgerumt worden. Neben Fotoapparat und Handtasche waren auch meine Papiere und Unterlagen sowie ATS 10.000,- (mein Reiseetat Venedig - Bologna) gestohlen worden.
Mittlerweile war es noch heier geworden, und wir hatten noch nicht ganz die Hlfte der Tagesetappe bewltigt. Wir gingen zunchst zu Fu auf der Hauptstrae durch das Stdtchen, denn um diese Zeit gab es sowiso keinen Verkehr (Siesta), dann aufgesessen ber die nchste Brcke zum Canale il Taglio o Brian. Diesem folgten wir 22 km bis Cittanova und nach San Dona di Piave. Wir umgingen die Stadt und stiegen auf den Piavedamm. brigens endete hier im ersten Weltkrieg der weiteste Vorsto der k. u. k. sterreichisch-ungarischen Truppen. Um 17 Uhr erreichten wir auf weichen Wegen unseren Stall in Musile di Piave. Dieser ist in alten, ehrwrdigen Gebuden untergebracht, daran angebaut das Herrenhaus, umgeben von einer sehr gepflegten Anlage. Die Gastgeber bereiteten uns ein kulinarisches Fest und gemeinsam mit ihren Freunden feierten wir bis in die spte Nacht.
Nachdem wir an unserem zweiten Reittag wieder 60 km geschafft hatten und auf die Campagereiter hier warten wollten, um die nchsten zwei Etappen gemeinsam zu reiten, nutzten wir diesen Tag fr einen Ausflug ins vorsaisonale Caorle. Nach dem Frhstck bauten wir noch fr unsere Pferde eine grosse Rasenkoppel innerhalb des Gelndes neben einem Kanaldamm und fuhren anschlieend zur nahen Altstadt mit seinem romantischen Fischerhafen.
Am Abend gab es dann im stilvollen Herrenhaus mit den Campagereitern, die inzwischen eingetroffen waren, ein gemeinsames Abendessen. Gegen 1/2 5 Uhr frh, es war noch dunkel, riss uns ein Hllenlrm aus dem Schlaf! Wir sprangen noch ganz benommen aus dem Auto und trauten unseren Augen nicht: Wie ein breiter, weier Strom wlzte sich eine riesige Schafherde vorbei. Fassungslos standen wir in dem Chaos da, denn zu unserem Erstaunen standen unsere Pferde mit drohend gesenkten Kpfen und bleckenden Zhnen breitbeinig wie Felsen. Nach mehr als einer halben Stunde war der Spuk vorbei. Wir ttschelten stolz unsere "Kampfrsser", besserten den Zaun aus und versuchten noch eine Stunde zu schlafen.
Donnerstag, 7. Mai. Sechs italienische Begleiter fhrten die Gruppe an, und wir durften uns anschlieen. Die Strecke fhrte uns am verschlungenem Ufer des Piave Veccina entlang in sdl. Richtung nach Caposile. Hier kamen wir zum "groen Damm", der das Festland von der Lagune von Venedig trennt. Von der Hhe des Dammes gab es einen beeindruckenden Ausblick ber die riesige Lagune, die sich glitzernd im Dunst des Morgens am Horizont verlor.
Rundum nur unvernderte Natur, durch den Dunst war schon die Spitze der Campanile von San Marco im Sonnenlicht erkennbar, und wir ritten inmitten einer blkenden Schafsherde zur Perle der Adria, zur Traumstadt aller Reisenden vergangener und kommender Zeiten. - Bei Altino verlieen wir den Damm und kamen an den berhmten antiken Ausgrabungen (erste griechische Ansiedlung an der nrdl. Adria) vorbei. Danach ging es im groen Bogen auf dem Grasdamm zum Fiume Dese. Noch einige Kilometer durch Felder und ber Brachen am nahen Flughafen Marco Polo vorbei zu unserem Etappenziel.
Da ich den Weiterritt nach Bologna nur aufgeschoben wissen wollte, erkundigte ich mich beim Stallbesitzer Franco di Giusto, F.I.T.E. Beauftragter und selbst Wanderreiter, nach der besten Route fr eine Tagesetappe, denn ich wollte die nchste Reise schon auerhalb der Stadt in freiem Gelnde starten.
Freitag, 8. Mai. Fr 9 Uhr war der Abritt mit italienischen Fhrern und Polizeieskorte angesetzt, allerdings nur fr zahlende Teilnehmer wie man uns zu verstehen gab. Das traf uns nicht wirklich, da wir wussten, dass wir zu zweit sicher weniger Probleme haben wrden als gemeinsam mit der Gruppe. Dann schwangen wir uns in die Sttel und ritten ber Brachen zum "groen Damm". Nach einiger Zeit machten Querkanle und Zune das Weiterkommen schwieriger. Aber wir fanden immer wieder einen Schlupf oder "Wegerl" und schlugen uns querfeldein nach Mestre durch. Hier gelangten wir auf grozgig angelegten Grn- und Parkanlagen ohne Probleme bis zum Osellino und Canale Secondo. Hier folgten wir dem riesigen Kreisverkehr. Als einziger Zugang zur groen alten Brcke, der Ponte della Liberta, nach Venedig war eine enge, einspurige, schneckenartig verschlungen angelegte Straenauffahrt mit Leitplanken und ohne Fuweg. - Bravours ohne Zeichen von Nervositt gingen unsere Pferde in ruhigem Schritt hinauf, obwohl dichtester LKW-Verkehr herrschte und so mancher Sattelschlepper uns in dem engen Radius fast streifte. Als wir mit angehaltenem Atem endlich dieses Verkehrsbauwerk aus den 50er-Jahren hinter uns gebracht hatten, hielten wir am Brckenanfang kurz an, um nach der Anspannung wieder durchzuatmen. Schnurgerade 6 km, zur Linken donnender Schwerverkehr, dann ein 70 cm schmaler Fuweg. Also noch einen festen entschlossenen Blick gewechselt, die Pferde mehr zur eigenen Beruhigung am Hals abgeklopft und dann gings in ruhigem Trab dahin.
Am Straenschild von Venedig machten wir einige Fotos und dann gings durch die Straen zum Piazza di Roma. In der Zwischenzeit gab es fr die eher unmilitrisch wirkenden Campagnereiter einen Empfang mit militrischen Pomp durch die etwas pikierte ital. Generalitt und Admiralitt.
Fr ein kleines Stck wurden unsere Pferde verladen und dann gings entlang des Canale Osselino in westlicher Richtung zu den Gartenvororten Mestres und zum Fiume Naviglio.
Zunchst in sdlicher Richtung am Canal Bodante auf gutem Weg bis Donaletto, hier verlieen wir ihn und schlugen uns durch einen verlassenen Gutshof zum nchsten Querkanal durch.
Am Serenisima Canale ritten wir 3 km und kamen an einen kleinen See und zum Canale Novissiom. Dieser verluft wieder in N-S und kreuzt hier. Interessant ist, dass die Gewsser in unterschiedlichen Hhen gefhrt werden, was voraussetzt, dass die Pferde gut Stiegensteigen knnen. Bei Maso verlieen wir den Damm, und von nun an gings nur mehr "ber Land" weiter. Nach 5 km hatten wir Calcroci erreicht.
Der Ort war bald hinter uns gelassen, und hier endete auch unsere 1:50.000 Karte. So folgten wir noch eine Weile dem Straenbankett und schlugen uns nach Gefhl und der vagen Information eines Radfahrers in der Folge querfeldein durch. Unser Instinkt lie uns nicht im Stich und in Ideallinie fanden wir das Sportzentrum La Pista. Diese Anlagen beherbergten auf diversen Sportsttten viele Sportarten, unter anderem eine Horseball-Mannschaft, die auch schon in Wels gespielt hat. Auerdem gab es hier zwei Wanderreiter, die vorhatten, nach Moskau zu reiten. Also genug Gesprchsstoff beim gemeinsamen Abendessen im gemtlichen Clubristorante bis in die spte Nacht.
Samstag, 9. Mai. Letzter Tag in Italien und Heimreise. Nach dem Fttern fuhren wir in bester Stimmung und guter Laune nach herzlicher Verabschiedung von neuen Reiterfreunden ab. Zu Mittag fuhren wir von der Autobahn in Richtung San Dona ab, um den Stall in Musile zu besuchen. Heinz Rieger musste sein verletztes Pferd hier zurcklassen. Nachdem wir den Tierarzt gesprochen und das Pferd bestens versorgt wussten, fuhren wir weiter. Nach einer lngeren Rast passierten wir um die Grenze und nach einer weiteren Pause schon in sterreich bezogen unsere Pferde gegen Mitternacht ihre heimatlichen Boxen. Etwas spter konnten auch die Reiter und Fahrer Abenteuern und Aufregungen trumen, von unendlichen grnenden und blhenden Feldern, vom Geruch des Meeres und dem Zauber einer Stadt aus lngst vergangener Zeit im Silberlicht des Mondes.
3. REISE: VENEDIG - VERONA 31.10 - 07.11.1998
aus Western News 2/01
Frhjahr und Sommer waren ausgefllt mit diversen Wanderritten, einigen Besuchen der Mhlviertler Alm, Orientierungsritten und Fuchsjagden. Aber am 31. Oktober war es wieder soweit. Nachdem wir beim Venedigritt im Mai von Franco di Giusto eine Einladung zum F.I.T.E. Jubilumsritt erhalten hatten, wollte ich mich diesem anschlieen und begann mit meinen Vorbereitungen. Ich nderte meine ursprngliche Absicht, direkt ber Bologna in die Toskana zu reiten, und integrierte nun diesen geplanten Ritt nach Verona in das Gesamtkonzept, nach Rom zu Pferd zu reisen.
Nachdem ich davon ausgegangen war, wir knnten uns einer italienischen Reitergruppe anschlieen, verlie ich mich auf den Organisator Franco. Sicherheitshalber vergrerte ich die Autokarte 1:200.000 auf 1:100.000 um irgend etwas in der Hand zu haben. Da meine Crew vom Mai keine Urlaubstage mehr fr den Herbst zur Verfgung hatte, musste ich mich um ein neues Team umsehen. Als Mittreiterin gewann ich Isabella Edlinger mit ihrem Shagya Gazal Ibn Zohair, die ich bei mehreren gemeinsamen Ritten als verlssliche, abenteuerlustige Reiterin schtzen gelernt habe. Erika Zukrigl (Lipizzanerzchterin) war die Dritte im Bunde, meine Mittreiterin nach Babolna (Ungarn) 1997. Nach kurzer Vorbereitung, Scaramouche war sowieso in bester Verfassung, setzte ich den 31. Oktober als Abfahrtstermin fest.
Um 10 Uhr war alles verladen und verstaut, und wir fuhren von Kogl nach Wien, um Erika abzuholen. Dann fuhren wir nach Maria Raisenmarkt weiter zu Isabella und Gazal. Nun waren wir komplett und die Reise ins neue Abenteuer konnte beginnen. Mit den blichen Pausen trafen wir zum Zwischenstopp um 19 Uhr in Flatschach ein. Tobitsch, unser Standardquartier, war voll. Also organisierte uns mein Freund und Mitreiter (durch halb Europa und zwei EMs in Italien) Franz Hfferer ein neues Nachtquartier in einem schnen alten Bauernhof mit nigelnagelneuem Stall (Erstbezug). In der groen Stube fand ein Festl mit vielen Krntner Reiterfreunden statt, bei dem der frisch gebrannte Schnaps des Hausherren verkostet wurde. Ob das Schuld war, dass sich meine Damen etwas frher zurckzogen?
1. November: 8 Uhr Frhstck, 10 UhrVerladen, 11 Uhr Grenze, 15 Uhr Centro Ippico Marco Polo bei Venedig.
Unsere Pferde machten es sich gleich auf der groen Weide bequem, whrend wir unseren Willkommensdrink von Franco in der Clubbar kredenzt bekamen. Nach der Begrung teilte er uns mit, dass der Jubilumsritt zur 100. Fiera Cavalli wegen zu geringer Teilnehmerzahl storniert worden war und er selbst wegen eines unvorhergesehenen Richtereinsatzes bei einem Turnier nicht mitreiten knne. Nachdem aber die Route feststand und Quartiere organisiert waren, sollte es fr Wanderreitprofis kein Problem sein, nach Verona zu finden. Da er die Route mehr oder weniger kannte bzw. im Kopf hatte, besa er kein brauchbares Kartenmaterial, und so zeichnete er mir auf meiner Autokarte den ungefhren Weg ein. Dies war dann in der Praxis, wie sich zeigte, eine Hilfestellung, den wirklichen Weg mussten wir aber selbst suchen und finden.
Nachdem wir uns mit der neuen Situation vertraut gemacht hatten, beschlossen Isabella und ich, noch einen Ausritt zu unternehmen. Die Pferde waren rasch gesattelt und ber die Brachen gings zum groen Damm. Erika war mit der Kamera mitgekommen und schoss einige stimmungsvolle Bilder. Wir waren gerade zurechtgekommen, um zu beobachten, wie einige Fischer mit ihren bunten Booten durch die engen Fahrtrinnen der Lagune dem offenen Meer zustrebten.
Und dann kam wieder ein Erlebnis der besonderen Art. Im langsamen Galopp, man hatte das Gefhl zu schweben, ritten wir in den Sonnenuntergang, die Silhouette von Venedig diesmal als dunkler Umriss vor der riesig erscheinenden, rotgoldenen, langsam im Dunst des Meeres versinkenden Sonne. Die noch laue Luft des Tages auf der Haut und den Atem des Meeres zu spren, war ein zur Wirklichkeit gewordener Traum. Es war schon dunkel, als wir in den Stall zurckkehrten. Wir stallten die Pferde in den Gsteboxen ein und versorgten sie, bevor wir uns zum Besuch Venedigs aufmachten.
Es war 20 Uhr und tiefblaue Nacht, als wir zu dritt ber die Ponte Rialto in den engen Gsschen meiner aus Stein erbauten Geliebten verschwanden. Ich kannte noch von frher ein entzckendes kleines Lokal, in das ich meine Reitgefhrtinnen entfhren wollte. Bald wars gefunden, abseits der Touristenpfade, ein Juwel venezianischer Gastlichkeit. Wir schwelgten bei kstlichen Speis und Trank in Vorfreude kommender Abenteuer und kamen bestens eingestimmt nach Mitternacht zurck zu unserem Nachtquartier, unserem Bus im Areal des Reitclubs.
2. November
Ein schner Morgen, die Sonne schien angenehm warm vom Himmel, als wir um 11 Uhr nach Frhstck, Fototermin (Franco und die Mdels), dem Pferdeverladen und herzlichem Abschied zum Ausgangspunkt unseres Weiterrittes, dem Canale Novissimo, fuhren. Genau an der gleichen Stelle, wo wir diesen im Mai verlassen hatten, um zu unserem letzten Stall zu reiten, luden wir die Pferde auf der Dammbegleitstrae aus, sattelten, um gleich darauf auf der frisch gemhten Dammkrone zu stehen. Isabella stie einen berraschten Schrei aus, denn von sterreich ist man es nicht gewohnt, auf so einem Geluf zu reiten. Bei uns ist das Reiten auf Dmmen mit wenigen Ausnahmen nicht erlaubt (so wie vieles andere auch nicht), in Italien und Ungarn hingegen sind Dmme und Wasserschutzbauten selbstverstndlich zum Reiten, Radeln und Spazieren freigegeben. Ja, sie bilden das Rckrat des norditalienischen Reitwegenetzes (Linea Verde). Whrend unser Gesetzgeber die Meinung vertritt, das Reiten beschdige die Dammkrone, meinen unsere Nachbarn, Reiten verdichte diese auf natrliche Weise und die Erschtterung galoppierender Pferde vertreibe Whlmuse und Bisamratten, die wahren Feinde der Dmme. Und ich glaube, sie haben schon viel lnger und wesentlich mehr Dmme und mehr Erfahrung auf dem Gebiet. - Wre doch ein Ansatzpunkt fr unsere diversen Funktionre und Organisierer "fr ein reitbares sterreich" - oder?
Aber zurck zu unserem Ritt. Nachdem sich Isabella gefangen und darauf eingestimmt hatte, nun auf diesem einige Meter hohen, mit dichtem kurzen Gras bewachsenen Damm 16 km schnurgerade gegen Sden in die milde Herbstsonne zu reiten, zur rechten Seite kleine hbsche Ortschaften oder imposante alte Gutshfe inmitten groer Felder und Obstplantagen, zur linken Seite das einzigartige Naturreservat Oasi Valle Averto bzw. Valle Millecampi, konnte unser Ritt beginnen.
Nachdem sich die Pferde eingegangen hatten, war Trab und ruhiger Galopp angesagt. Zwischendurch lngere Schrittpassagen, um sie nicht zu berfordern und um die herrliche Aussicht auf die sdlichen Lagune von Venedig zu genieen. Auf dem halben Weg kamen wir an einer uralten, romantischen Schleuse vorbei, die beim Durchreiten ber Stiegen und Stege einiges Geschick abverlangte, aber bestens bewltigt wurde. Bei Codevigo war der Damm zu Ende und wir schlugen uns westwrts ber die SS 516 und den berhmten Brentakanal ber Feld- und Wiesenwege, manchmal unter den Obstbumen kleiner Bauernhfe, nach Pontelongo durch. Hier berquerten wir auf einer alten Steinbrcke den Fiume Bacchiglione. Kurz darauf waren wir am parallel verlaufenden Damm des Begleitkanals. Wir ritten hinauf und waren nun in genau westl. Richtung unterwegs.
Irgendwie kam es mir eigenartig vor, aber die Dammkrone wurde kontiunierlich schmler und ging in eine drei Meter hohe Steinmauer ber. Sicherheitshalber stiegen wir ab, denn auch die Mauerkrone verengte sich nach und nach auf einen schwachen Meter, sie war ohne Gelnder und der Boden mit brchigen Ziegelplatten ausgelegt. Mit etwas mulmigem Gefhl gingen wir weiter, denn wenn wir den Blick ber die tief unter uns liegende Strae auf die gegenber liegenden Huser warfen, konnten wir in die Zimmer des ersten Stockwerkes sehen.
Just in dem Moment kam die uns suchende Erika vorbei, sah uns etwas entgeistert an, schoss geistesgegenwrtig zwei Fotos und erklrte uns den besten Weg zum Quartier. Den Blick nun wieder nach vorwrts gerichtet, sah ich, dass in 200 m eine Brcke querte. Die Frage war nun, ob es mglich wre, von der Mauer auf diese zu gelangen, denn ein grerer Niveauunterschied wre ebenso unberwindlich, wie eine Umkehr, ohne einen Absturz zu riskieren.
Aber wir hatten das Glck des Mutigen, es war nicht ganz einfach, doch ohne wirkliche Gefahr fr unsere Pferde zu bewltigen. Wir waren nun wieder am Damm, aber die Krone als Asphaltstrae ausgebaut. Erika hatte jedoch recherchiert, nach 100 Metern kme eine Terrassenstufe mit Grasboden, die direkt bis zum Stall hinfhrt. Nach dem letztem Aufgalopp lieen wir die Pferde im Schritt ausgehen und erreichten um 17 Uhr die Agriturismo Venturato 1 km westlich von Fossaragna, direkt an der Dammterrasse gelegen.
Erika hatte uns avisiert, und so waren die Pferde bald versorgt und in groen Boxen untergebracht. Der Besitzer, ein herzlicher Junglandwirt, bereitete uns ein ausgezeichetes Abendessen, welches wir gemeinsam unter romantischen Ziegelgewlben einnahmen. Zu fortgeschrittener Stunde und in aufgerumter Stimmung war er von Erika so angetan, dass wir ihn mit Mhe von einem Heiratsantrag abhalten konnten.
3. November
Nachdem wir die Nacht "sicherheitshalber" im Bus verbracht hatten, war fr diesen Tag Reitertausch vorgesehen. Erika bernahm Scaramouche (beide waren sich schon seit Ungarn vertraut) und ich unser Gespann. Nach hauseigenem Frhstck, Fototermin und herzlicher Verabschiedung (Erika mge es sich noch einmal berlegen) waren wir ab 10 Uhr wieder unterwegs. Unser neuer Freund hatte den Mdels Tipps fr den weiteren Verlauf der Stecke gegeben, also konnte ich beruhigt zum nchsten Quartier vorausfahren. Das Wetter hatte sich eingetrbt und zwischendurch nieselte es manchmal. Da ich nur die groe Autokarte hatte und einen Zettel von Franco, Alba in Baone, dieser Ort aber in der Karte nicht eingezeichnet war, hatte ich einige Probleme an diesem Tag. Es ist nicht leicht, mit Bus und Hnger durch die sehr engen und kurvenreichen Nebenstraen der Colli Euganei zu fahren. Nach einigen total widersprchlichen Ausknften berkam mich leiser Zeifel an der Existenz dieses Ortes. Nach gewissenhaften Recherchen hatte ich es dann. Baone hat mit Alba nichts auer der Postleitzahl zu tun, ist ber die Berge und einige Kilometer entfernt. Alba wre ein verfallenes Kloster! Bravo, fiel mir dazu ein.
Nachdem ich nun einige Male mit Hngen und Wrgen vergebens hin- und hergekurvt war, nahm ich einen letzten Anlauf. Und siehe da, die ehemaligen Wirtschaftsgebude des Klosters waren restauriert und zu einer stilvollen Agriturismo mit modernem Komfort umgebaut worden. Das gnstige Angebot, drei Abendessen mit regionalen Spezialitten, zwei Einstallungen, Dreibettzimmer mit Frhstck zum Sonderpreis, waren schnell angenommen. Hnger abkoppeln und auf - meine Damen suchen.
Diese waren zuncht noch bis Bovolenta auf Rasen weitergeritten, hier ber die Brcke, die Seite gewechselt, um bei Gargo wieder zurckzuwechseln. Nach 4 km berquerten sie die Regionalstrae um nach weiteren 4 km Santo Stefano zu erreichen. Hier kamen sie an ein kleines, naturbelassenes Flsschen, dessen verschlungenen Lauf sie auf einem Damm nun in sdwestlicher Richtung bis Pernumla folgten. Hier gings unter der Autobahn zum Canale Battaglia weiter. Die Einmndung liegt unmittelbar vor der schnen alten Stadt Monselice mit ihren zahlreichen Kirchen und Palais.
Nach der Durchquerung gings runter vom Damm, durch einige Gassen unter der Bahn hindurch, zum nchsten Damm diesmal wieder in westlicher Richtung, wo sie dann meiner ansichtig wurden. Hier war nhmlich eine verkehrsstategische Schlsselstelle. Die Bahn, ebenfalls auf hohen Dmmen gebaut, zweigte hier in eine sdliche und westliche Strecke ab, und dazwischen meine Mdels und ein Kanal. Nachdem ich mich vorher genau umgesehen hatte und einen schmalen, total verrosteten Eisensteg ber den Kanal und eine Stelle in dem dicht mit Gestrpp und Bumen verwachsenen Eisenbahndamm gefunden hatte, informierte ich die Damen von den bevorstehenden Aufgaben. Abgesessen musterten sie misstrauisch die glitschige Stegruine, fassten sich ein Herz und fhrten die Pferde leisen Schrittes hinber. Darauf Kraxelpartie ber Damm und Geleise, und dann war der breite Verbindungskanal zum Fiume Frassine erreicht. Die restlichen 6 km waren dann auf Grasdammkrone schnell durchritten, bis zur alten Steinbrcke mit klsterlicher Wappensule, dann auf der Sandstrae wieder rechts.
Da die Veranstalter des Rittes fr ca. 50 Teilnehmer disponiert hatten, hatten die Besitzer einen riesigen Speicher ausgerumt, nun aber in der Zwischenzeit zwei provisorische Boxen errichtet, die unsere Pferde sofort beziehen konnten. Die rhrige Dame des Hauses lud uns zu einer Kaffeejause ein, die wir gerne annahmen. Nach Zimmerbezug und "Genussduscherl" gab es um 19 Uhr ein ausgezeichnetes Dinner auf Italienisch.
Ab 21 Uhr besichtigten wir die eindrucksvolle, berhmte Festungsstadt Este. Die mchtigen Mauern und Trme golden angestrahlt im verwehendem Nebel, hoben sich mystisch vom Schwarz des nchlichen Firmaments ab und lieen uns an alte Mantel- und Degengeschichten denken. Anschlieend bummelten wir durch die engen Gassen zu den Arkaden des Hauptplatzes. Hier entdeckten wir in einem alten Palazzo eine grumige Pianobar. Diese hatte ein besonderes Flair, der Pianist war ganz ausgezeichnet, der Barkeeper ein schriller Typ aus der Krntner Szene. Und als sich dann noch unser Hotelier einstellte, war uns klar, dass es wieder sehr spt werden wrde.
4. November
Die Pferde in bester Verfassung, das Fhstck gut und reichlich, noch ein Erinnerungsfoto und weiter gings. Erika sollte das Gespann nach Alonte bringen, whrend wir um 10 Uhr das Klostertor passierten. Zunchst wieder zum Damm weiter westwrts bis zu den gewaltigen Mauern von Este. Der Himmel war verhangen, auf dem Wasser kroch der Nebel dahin, und irgendwie wirkte das groe alte Festungsschloss wie die Kulisse zu einem Fantasy-Film. Als wir daran vorbei waren, war auch der Damm zu Ende, also runter und hinein in die Altstadt. Wir kamen uns vor wie in der Salzburger Getreidegasse zur Festspielzeit. Es empfingen uns in den engen Gassen ein Menschengewhl und der typisch italienische Vormittagsverkehr. Stoisch bahnten wir uns den Weg durch die Menge wie in einem James Bond Actionfilm.
Der Hauptplatz, den wir noch von unserem nchtlichen Streifzug menschenleer in Erinnerung hatten, wimmelte von geschftig hin- und hereilenden Leuten des Marktgeschehens. Wir waren froh, als wir wieder den Damm auerhalb der Altstadt besteigen konnten. Weiter ritten wir auf Wiesenboden, und die Ziegeldcher der alten Vorstadthuser drngten sich nun geduckt an den mchtigen Damm. Wieder auf freiem Feld, mussten wir diesen verlassen, da wir nun in nrdlicher Richtung weiter wollten. Da die Plantagen links eingezunt waren und rechts der Steilhang des Monte Cero, mussten wir 2 km am Bankett entlang. Danach 3 km auf Feldwegen auf den Monte Pozzo zu.
Diese ehemaligen Vulkane erheben sich wie riesige, grnbewaldete Kegel aus der Ebene und sind Nationalpark. Am Fue des Berges angelangt, umgingen wir diesen im Halbkreis bis Valbona. Hier begann es zu regnen, und wir mussten unsere Mntel anziehen. Von diesem Ort ging es zwischen zwei Kanlen auf das berhmte Castello Alt zu. Trotz strmenden Regens mussten wir einige Fotos vor diesem imposanten Hintergrund schieen. Von nun an ritten wir im Zickzack durch kleine Drfer, durch Feld und Flur, an einsamen Gutshfen vorbei bis Colloredo. Inzwischen hatte es zu regnen aufgehrt, die Sonne blinzelte durch die Wolken, und wir hatten an der Staenkreuzung eine Trattoria entdeckt. Die Pferde blieben am Gehsteig stehen, due Cappuccini, due Tramezzini, due Brioche, due Aqua Minerale con Gas, und gestrkt ritten wir weiter.
Nach 6 km erreichten wir Origano. Hier erheben sich prchtige Kloster- und Kirchenanlagen aus Renaissance und Barock in gewaltigen Ausmaen. Es war 17 Uhr und wir wussten, es wird bald finster, schneller als bei uns. Also keine Experimente im nunmehr hgeligen, bewaldeten Gelnde, sondern zur Nationalstrae. Starker Schwerverkehr und ein 2-3 m breiter Brachestreifen. Nun stapften wir bei immer schwcher werdendem Licht 3 km bis zur Abzweigung nach Alonte. Inzwischen war es finster, aber nach 1 km hatten wir auf der Nebenstrae um 18 Uhr unser Ziel erreicht.
In dem von einer hohen Mauer umgebenen alten Gutshof war das Westerncenter "Boston Club" untergebracht. Nach dem Versorgen der Pferde und der Einstallung in Boxen gings mit der ganzen Crew des Clubs, vis vis in die Pizzeria auf einen Schmaus. Paolo und seine Leute waren so herzlich, dass wir wieder erst nach Mitternacht in unsere Stockbetten im Herrenhaus kamen. Dieses hatte fr groe Turniere eine Bettenkapazitt fr 60 Leute und ist manchmal voll belegt, wie man uns sagte.
5. November
Der "Boston Club" im Besitz "unseres" Paolo ist die grte Westernreitanlage der Region. Mehr als 100 Pferde haben hier ihr Zuhause, eine riesige Spannbetonhalle und Anlagen, auf denen berregionale Cuttingbewerbe durchgefhrt werden, grozgige Weiden etc. gehren hier zum Standard. Und das Schne, alle Mitglieder des Clubs waren sehr nett, hilfsbereit und wahre Freunde.
Nachdem wieder Damenreittag angesagt war, erklrte sich Paolo bereit, die Mdels nach Zevio, unserem nchsten Quartier zu fhren, whrend er mir fr die Beschaffung desselben viel Glck wnschte. Nach seinen Erfahrungen wre die hbsche, sehr elegante Besitzerin eher introvertiert und htte in ihrem Exklusivstall mit Wanderreitern nicht viel am Hut. Also nahmen wir an der Clubbar noch gemeinsam unseren Kaffee mit Brioche zu uns, dann sattelten die Damen die Pferde, whrend ich unsere Sachen im Transit verstaute und startklar machte.
Um 9 Uhr war dann dann Abritt bzw.Abfahrt. Whrend sich das Trio ber Feldwege westwrts in Richtung San Toma entfernte und ich sie langsam aus den Augen verlor, machte ich mich auf, unseren nchsten Stall zu organisieren. ber Lonigo und San Bonifacio war Zevio bald erreicht. Die Anlage selbst lag einen guten Kilometer westlich, auerhalb des Ortes direkt am linksseitigen Damm des Fiume Adige bzw. der Etsch, wie der Fluss hie, als dieses Land ringsum noch sterreichisch war (bis1859).
Donna Giuliana war der klingende Name der Gutsherrin und tatschlich - sie sah wirklich so aus. Hochgewachsen, klassische Gesichtszge, goldene Lockenmhne und elegante Reitdress im English Style wie aus dem Journal. Also setzte ich mein charmantestes Lcheln auf und schickte mich an, meine Aufwartung zu machen, um ihr unser Anliegen zu unterbreiten. Und siehe da - nach kurzem Stirnrunzeln erhellten sich ihre schnen Zge und sie willigte ein, uns aufzunehmen. Nicht ohne zu betonen, es wre nicht die Regel. Sie organisierte, zwei ihrer Schulpferde ber Nacht auf der Koppel zu belassen und fr uns zwei Boxen herzurichten. Nachdem ich noch auf einen Drink eingeladen wurde, wobei ich auch ihren Partner kennen lernte - gro, schlank, gut aussehend, grau meliert und aristokratisches Flair - glaubte ich, diesmal in eine Dallas- oder Denver-Episode hineingeraten zu sein. Nachdem hier alles zum Besten geregelt war, machte ich mich daran, nach den Mdels zu schauen. Sorgen betreff Orientierung brauchte ich mir keine machen, wusste ich sie doch diesbezglich bei Paolo in besten Hnden. Auch das Wetter war traumhaft, blauer Himmel, Sonne und milde Luft. Also studierte ich die Karte "Marco Polo" Letztausgabe.
Auf dem ganzen Abschnitt Alonte-Zevio nur zwei Brcken, eine hier, eine bei Albaredo, diese aber schon aus der Linie. Mit dieser Erkentnis fuhr ich ber die Brcke zurck, dann auf dem Damm ein Stck flussabwrts, suchte eine geeignete Stelle mit gutem Ausblick, um dort auf das Trio zu warten. 4 Stunden Reitzeit waren veranschlagt, und nachdem sie gut eineinhalb Stunden berfllig waren, machte ich mir Sorgen. Also retour zum Stall, vielleicht gibt es Informationen. Als ich eintraf, sah ich zuerst die Pferde auf der Koppel und dann meine Damen. Erleichtert fragten wir uns gegenseitig nach dem Verbleib. Das Resultat - es gibt noch eine Brcke! Beim Eintragen der Tagesetappe in die Archivkarte klrte sich das Missverstndnis auf. Als die Reiter San Toma erreicht hatten, berquerten sie die Regionalstrae und den Torrente Gua, von hier ritten sie auf Feldwegen nach Bonaldo, wo sie an ein kleines Flsschen kamen. Dieses war nicht reguliert und wand sich in sanften Kurven in westlicher Richtung auf Arcole zu. Der begleitende Wiesenweg lud zu schneller Gangart ein, welche Paolo mit leuchtendem Auge, sichtlichem Wohlgefallen und den an unsere attraktive Isabella gerichteteten Worten "Galoppo Baby" einleitete.
In dem kleinen Ort ging es ber die berhmte "Brcke von Arcole", wo Napoleon persnlich in den Kampf um diese eingriff, um sie den sterreichern zu entreien (17. Nov. 1796). Nach 2 km war die Etsch erreicht. Auf Wiesenwegen, zum Teil auf Dmmen, zum Teil durch Auwald, ging es in flottem Tempo den Fluss entlang bis auf Hhe Perzacco. Dann ber die nicht eingezeichnete Brcke, abermals 4 km auf gleichem Geluf zum Stall. Eintreffen war 14 Uhr, Pferde auf Weide, innige Verabschiedung von Paolo - und wo ist Erwin?
Nachdem wir also wieder vereint waren und man uns versichert hatte, die Pferde am Abend bestens zu versorgen, fuhren wir gegen 17 Uhr nach San Giovanni. Wir bummelten durch die schne alte Kleinstadt, eigentlich schon einen Vorort Veronas, fanden ein nettes Ristorante und, da wir schon hungrig waren, blieben wir zum Essen. Anschlieend buchten wir im nahen Hotel Milano ein Zimmer und fuhren zur Nachtkontrolle in den Stall. Alles bestens, die Pferde mampften noch am Heu und schnaubten zufrieden. Also zurck zum Hotel, noch ein Drink an der Bar und um 23 Uhr war "Stallruhe" angesagt.
6. November
Nach dem Hotelfrhstck und Eintreffen im Stall stand noch ein Vormittagsritt und anschlieend der Besuch der Messe in Verona auf dem Programm. Um 9 Uhr waren Isabella und ich im Sattel und wir ritten am Damm in Richtung Verona bei strahlendem Sonnenschein und blitzblauem Himmel. Wir folgten den groen Bgen des Flussverlaufes im Side by Side Kanter auf 4 m breiten Wiesenstreifen. Im langsamen Galopp, taktgleich auf ruhig prustenden Pferden, im Augenwinkel die gold-gelben Aubume vorbeiziehend, die Aura der herbstlichen, lombardischen Landschaft aufnehmend. Herz, was willst du mehr.
Nachdem wir bis an eine burgartige Wasserwehr gekommen waren und die Trme von San Giovanni hinter uns lagen, wussten wir, dass hier das Ende unseres Rittes gekommen war. Einige Zeit standen wir noch schweigend und regungslos da, dann wendete ich mein Pferd und mit einem eigenartigen Gefhl im Hals, als htte ich hier etwas zurckgelassen, mahnte ich zur Rckkehr. Mit leiser Wehmut ritten wir zurck, doch das Versprechen bei der nchsten Reise wieder gemeinsam zu reiten, lie diese verwehen.
Als wir im Stall waren, freuten wir uns schon sehr auf den Besuch der Pferdemesse. Die Pferde kamen auf die Weide und wir fuhren nun wieder zu Dritt nach Verona. 12 Uhr beim Haupteingang war mit unseren Reiterfreunden aus sterreich ausgemacht worden. Unsere Freunde vom RV Gllersdorf waren pnktlich, und so konnten wir nun auf unsere Info- und Einkaufstour gehen. Ich konzentrierte mich hauptschlich auf Info und Kontaktnahme fr die nchsten zu durchreitenden Gebiete Italiens. Natrlich besuchte ich unseren Freund Franco am Venedigstand und berichtete von unseren Abenteuern.
In der Cafeteria war wieder allgemeines Treffen und nach Verstauung der vielen Tragtaschen gings zur groen Show. Diese Jubilumsshow war die beindruckenste, die ich je auf diesem Gebiet gesehen habe.
Die berittene Polizei Barcelonas, die Carabinieri zu Pferd, waren ein grandioses Schauspiel an Przision und Farbenpracht. Aber auch die vielen anderen Massennummern waren absolute Spitzenklasse. Dressur und Akrobatik in hchster Vollendung rissen das Publikum immer wieder mit, auch der Humor kam nicht zu kurz. Alles in allem ein Event der Superlative. Nach diesem "Spectacolo grandioso" war ein wrdiger Abschluss unserer Reise angesagt. Im Spitzenristorante "da Fiena" zelebrierten wir gemeisam den Schmaus der Fischplatte "Il Mondo del Mare" mit erlesensten Weinen und anschlieend einem fulminanten Dessert (dieses auf Einladung des Hauses an die Reiter). Zur Verdauung bummelten wir zur beleuchteten Arena, zum Balkon der Julia, um nun schon nach Mitternacht in die In-Bar "Bukovsky" zu krachen. Um 3 Uhr trennten wir uns von der Gllersdorf-Crew, um zu unserem Stall zu fahren. Die Pferde schliefen tief und fest, als wir uns leicht bernchtig und etwas frstelnd im Bus zusammenkuschelten.
7. November
8 Uhr Tagwache. Nachdem die Pferde schon gefttert waren, schnell unter die Clubduschen und in die Konditorei. In Zevio hatten wir eine entdeckt, die von einem "Altsterreicher" gefhrt wurde. Sein Cappuccino und sein Gebck waren einfach himmlisch. Nach interessantem Geplauder (sein Grovater war noch Bcker in der k.u.k.Armee), zurck zum Stall. Um 10 Uhr verstauten und verluden wir unsere "Siebensachen", freundliche Verabschiedung und ab gings. 14 Uhr in Tarvis die erste Ausladepause, um 17 Uhr die nchste auf der Pack. Um 22 Uhr waren Isabella und Gazal zu Hause, und Scaramouche bezog eine gute Stunde spter seine heimatliche Box. Nachdem ich noch Erika nach Hause gebracht hatte, bezog auch ich um 2 Uhr "meine Box", nicht ohne vergessen zu haben, den Wecker auf 6 Uhr zu stellen, war doch fr Sonntag der "Leonhardiritt" nach Wrmla angesagt - mit Scaramouche natrlich - wem sonst?
4. Teil: Verona Bologna, 6.-16. Mai 1999
aus Western News 3/01
Whrend eines Kamingesprches, als ich von meinen Reitabenteuern erzhlte, fragte mich jemand, wieso ich immer von meiner "Italienischen Reise" sprche, wo es doch mehrere gewesen wren und auch noch welche folgen sollten. Ich antwortete, dass dies fr mich eine philosophische Betrachtensweise des Reisens darstellt und ich mich irgendwie dem Geiste Goethes auf seiner "Italienischen Reise 1786-1788" verbunden fhle. Leise belchelt wollte man von mir den Konnex wissen, worauf ich fortfuhr, dass Goethe vor dem St. Gotthard Pass aus seiner Postkutsche ausstieg und den erstaunten Mitreisenden erklrte, mit der Kutsche ginge es zu schnell und man knne von der grandiosen Landschaft ringsum zu wenig in sich aufnehmen. Er gab die Anweisung, seine Bagage im Hospiz zu deponieren - und ging zu Fu bis zur Passhhe weiter. Auch seine Reise dauerte zwei Jahre.
An dieses Gesprch erinnerte ich mich, als ich im Winter ber meine Karten gebeugt, die Route des nchsten Abschnittes berlegte und die Po-Ebene vor meinem geistigen Auge sah. Aufgrund meines Berufes (Mode- und Bekleidungsbranche) habe ich bei meinen Geschfts- und Messereisen diese auf meinem Weg nach Florenz / Prato viele Dutzend Mal durchfahren und immer versucht, sie (weil fade und de) so rasch wie mglich hinter mich zu bringen. Da ich aber festen Entschlusses war, die Toskana und Rom zu erreichen, musste ich durch, wollte ich nicht wie Campangereiter ungeliebte, groe Streckenteile einfach mit dem Transporter berbrcken. Also tftelte ich an einer Route Verona - Mantua (ehem. sterreichische k. und k. Festung) - Modena (schnster Teil der Ebene) - Apennin Toskana, um auch diesen Abschnitt mit den Augen Goethes sehen zu knnen. Den Zeitbedarf veranschlagte ich mit 14 bis 16 Tagen.
Als Konditionstraining unternahm ich mit Reiterfreundinnen im Jnner einen Vier- und im April einen Fnf-Tagesritt im Weinviertel. Dazwischen gab es ein kontinuierliches Aufbauprogramm fr Scaramouche und mich. Das Interesse an der Reise war rege, aber nach und nach wurden es aus unterschiedlichen Grnden immer weniger Reiter. Als zuletzt auch Isabella Edlinger wegen Stallausbaues absagte und Erika Zukrigl sich nur zehn Tage frei nehmen konnte, schien das Unternehmen zum Scheitern verurteilt zu sein. Nachdem die Reisen zu Pferd etwas mit Abenteuer zu tun haben und Abenteuer etwas mit dem berwinden von Schwierigkeiten zu tun hat, beschlossen wir - wenn auch diesmal nur zu zweit -, sie trotzdem zu unternehmen.
Donnerstag, 6. Mai
Um 11 Uhr fuhr ich mit Pferd von Kogl los, holte wie blich Erika von Hietzing ab, fuhr dann zur A2 zum ersten Stopp in Loipersdorf. Bei Vlkermarkt fuhren wir ab, um in Viktring/K meine Begleiterin der ersten Reise (nach Grado - Brigitte Entner) zu besuchen. Grosses Hallo, herzliche Begrung, Kaffee und Kuchen und weiter gings. Um 20 Uhr trafen wir - wie im November des Vorjahres - bei unseren Freunden in Flatschach ein. In Erichs Pferderast, wie nun der offizielle Name lautet, ging Scaramouche, nachdem er sich noch auf der Weide die Fe vertreten hatte, sofort in "seine Box". Mit Erich, seiner hbschen Frau, den Hfferers und weiteren Freunden, gings bei einer Krntner Spezialjause noch hoch her, ehe wir um ein Uhr in die Schlafkammer hinaufsteigen konnten.
Freitag, 7. Mai
Nach einem Krntner Frhstck fr Pferd und Reiter in Gesellschaft von Traude Wegscheider fuhren wir nach herzlichem Abschied um 10 Uhr weiter. Eine Stunde spter waren wir an der Grenze, wechselten Geld - und waren wieder einmal unterwegs in Italien. Mit bester Laune und in der Vorfreude der kommenden Ereignisse, fuhren wir so auf der A4 dahin, als ich pltzlich auf der Fahrbahn groe LKW-Reifenteile liegen sah. Ein Verreien des Gespanns auf den Pannenstreifen, wie es der PKW vor mir tat, ist mit Pferd im Hnger nicht ratsam, also blitzschnell den kleinsten der Reifenfetzen anvisiert und mit dumpfem Schlag darber. Dieser Zwischenfall sollte in der Folge unsere ganze Reiseplanung verndern. Als ich das Gespann am Pannenstreifen ausrollen lie, sahen wir die Bescherung. Der Tank war aufgerissen und leckte. Also zur nchsten Autobahnservicestation. Keine Chance - nchste Ausfahrt, nchste Werksttte - keine Chance - also nach Vicenza zur grten Vertragswerksttte der Region. Erste Schnelldiagnose - neuer Tank, aber keiner lagernd - in Rom htte man einen, aber es ist Freitag. - Wie war das mit Abenteuer?
Scaramouche graste inzwischen seelenruhig und mit Erlaubnis auf dem grozgig angelegten Zierrasen der Autoreprsentanz, whrend wir hektisch mit Autoclubs und unserem Basisstall in Alonte telefonierten. An Mietautos gibt es keine Anhngerkupplung und entsprechende Versicherung sowieso keine. Aber auf unsere Freunde vom Boston Club war Verlass. Paolo veranlasste eine Bergeaktion, ein Jeep holte unseren Hnger, ein Turnier-LKW Scaramouche. Der Bus blieb in der Werksttte, whrend wir um 18 Uhr unser Quartier bezogen. Eine Box im historischen Gewlbestall, ein Stockbett im Herrenhaus (wie im Herbst). Am Abend feierte der ganze Club ein tolles Fest im nahen Lonigo, und nach dem hervorragenden Essen gab es im Extrasaal des Spitzenristorante, dargeboten von Mitgliedern der Reitercrew, eine der besten und lustigsten Striptease-Parodien, die ich je gesehen hatte. - Und wie meist auf unseren Ritten, sahen wir unsere Betten erst weit nach Mitternacht.
Samstag, 8. Mai
Nachdem Erika nur zehn Tage Urlaub hatte, musste ich die ursprngliche Route Verona - Mantua - Modena auf die direktere Variante Alonte Legnago Ostiglia Modena verlegen, wollten wir die Toskana erreichen. Jetzt hatten wir noch das zustzliche Problem mit unserem Bus einzuplanen. Paolo machte uns folgenden Vorschlag: Ich sollte die erste Etappe reiten und er hole mich am Abend retour, am Sonntag gbe es das nationale Cuttingturnier bzw. knnten wir einen Rundritt unternehmen und am Montag brchte er Erika zur Fortsetzung der zweiten Etappe nach Legnago und mich nach Vincenza zum Bus. berwltigt von dem Angebot, nahm ich begeistert an, schwang mich um 11 Uhr in den Sattel und ab gings.
hnlich wie Erika und Isabella im November, ritt ich zunchst westlich nach San Toma und hatte hier ein nettes Erlebniss. Ich traf hier auf eine Hauptstrae mit geschlossener Gartenhuserzeile. Dahinter der grne Damm des Torrente Gua. Ein netter Herr sprach mich an: Wohin? - Zur Bcke! Daraufhin ffnete er das Gartentor und wies mich durch seinen gepflegten Garten zum Damm. Mit freudigem " mille grazie" hechtete ich hinauf und auf der Grasnarbe ging es nach Boaldo weiter. Von hier dann in sd-westlicher Richtung auf Albaredo zund Das Geluf war gut, meist Feldwege oder Wiesenstreifen an den zahlreichen Kanlen bzw. Bewsserungsgrben. Hier erreichte ich die Etsch bzw. den Fiume Adige, der sich in groen Bgen, begleitet von mchtigen Dmmen, nach Sden windet. Das Wetter war von Anbeginn des Urlaubs das, was man von einem strahlenden Mai erwartet. Und so war uns einigermaen warm, als wir unter azurblauem Himmel so im langsamen Galopp dahinzogen. Die Auwlder, die uns begleiteten, standen in voller Blte und streckenweise war die Landschaft wei wie im Winter bei einem Schneetreiben. Von der Hhe des Dammes hatte ich einen schnen Ausblick auf die weiten Felder und die in einiger Entfernung liegenden Drfer. Hie und da ein Gutshof am Fue des Dammes und, nachdem sich der Durst bemerkbar machte, ritt ich bei einem solchen vom Damm herunter, um Scaramouche beim Brunnenbecken den Durst stillen zu lassen. Sofort strzte der Bauer aus dem Haus und wild gestikulierend auf uns zund Ich glaubte schon an Hausfriedensbruch, doch er meinte, das Wasser wre so stark nitratangereichert, dass es dem Pferd schaden knnte. Daraufhin verschwand er im Haus und kam mit einem groen Kanister Trinkwasser und einem Kbel wieder, damit Scaramouche seinen Durst stillen konnte. - Auch einer der Grnde, warum ich so gerne in Italien reite.
Um 16 Uhr hatten wir die Brcke im Zentrum von Legnago erreicht, lagen also im Zeitplan, und brauchten nur mehr auf den Turniertransporter zu warten. Eine Stunde spter war Scaramouche auf der Hauskoppel in Alonte und ich konnte, mit Erika wieder vereint, einen Cappuccino an der Clubbar trinken. Am Abend ging es dann mit der Crew in die gegenber liegende Pizzeria, um 23 Uhr war alles in den Federn. Fr Morgen war das groe Cuttingturnier angesagt.
Sonntag, 9. Mai
Whrend Erika und ich gemtlich an der Clubbar unser Frhstck einnahmen, herrschte rundherum schon geschftiges Treiben. Der riesige Turnierplatz wurde adaptiert, die Koppeln ringsum zu Corrals fr die zahlreichen Klberherden umfunktioniert. Fr die Pferde der Mannschaften wurden die Stnde hergerichtet, die nach und nach aus Groraumtransportern geladen wurden. Ein prchtiges Festzelt mit entsprechendem Buffet und Sektbar wurde aufgebaut, und als dann noch die Flaggen gehisst wurden, glaubten wir in Wyoming, Texas oder sonst wo in den USA zu sein.
Da die Bewerbe erst zu Mittag beginnen sollten, beschloss Erika, noch einen Vormittagsritt in die bewaldeten Berge der Umgebung von Alonte zu unternehmen, whrend ich Paolo anbot, bei den Vorbereitungen zu helfen. Nachdem sich herumgesprochen hatte, sterreichische Wanderreiter wren da, wurde ich betreffs Routeninformation von einigen Turnierteilnehmern angesprochen und bekam folgende Informationen:
1. Es gbe Unterlagen der Streckenfhrung Mantua - Ostiglia - Rom mit Quartiersliste
2. Ich sollte nicht bei Modena, sondern bei Bologna ber den Apennin reiten. Diese wre wesentlich besser und einfacher zu bewltigen. Paolo versprach, sich darum zu kmmern.
Zu Mittag war es dann soweit. Die zahlreichen Zuschauer fllten nach und nach die Tribnen und das Turnier begann mit einem Showprogramm von internationalem Standard. Herrliche Pferde mit exzellenten ReiterInnen in toll gestylten Gewndern boten Westernreiten vom Feinsten.
Erika war inzwischen vom Ausritt zurck und berichtete mit leuchtenden Augen von der Schnheit der Landschaft ringsum, die sie mit Scaramouche eben durchstreift hatte.
Pnktlich um 14 Uhr begann das eigentliche Turnier. Unser Boston Club stellte zwei Mannschaften, von denen eine von Paolo (himself) angefhrt wurde. Die Bewerbe waren sehr spannend und mit jeder Menge Action, man zeigte bravourse Leistungen von Pferden und ReiterIn, sodass es das Publikum immer wieder von den Sitzen hochriss und in Begeisterungsstrme ausbrechen lie. Natrlich feuerten auch wir unsere Mannschaften bis zur totalen Heiserkeit an. Um 18 Uhr war das Turnier zu Ende, "wir" hatten einige Pokale gewonnen und waren zur Clubfeier ins Ristorante da Duomo in Lonigo als sterr. Fanclub eingeladen. Ich glaube nicht besonders erwhnen zu mssen, dass es wieder etwas spter wurde.
Montag, 10. Mai
Am Morgen mein "zweiter Weg" der zum Telefon: Was ist mit dem Auto? Antwort: Um 14 Uhr gibts Bescheid! Also Lagebesprechung. Resultat: Start zur zweiten Etappe auf morgen verschoben. So beschloss ich, die vier Stunden fr einen Ausflug in die Umgebung zu nutzen. Erika gab mir eine 1:50.000 Karte mit Streckenvorschlgen, die sie am Vortag von Paolo erhalten hatte, und ich machte mich mit Scaramouche auf den Weg. Zuerst durch den Ort an der schnen, alten Kirche vorbei, dann zwischen hbschen, terrassenfrmig angelegten Husern hinauf zu den Patriziervillen am Rande der Pinienwlder. In der klaren Luft des Maienmorgens, den berstrmenden Duft der Pinien in der Nase, war der rger ber unsere Panne bald verdrngt, als ich in sanfter Steigung und langen Kehren dem Kamm des Bergrckens zustrebte. Oben angekommen, erreichte ich eine groe Lichtung, von wo aus sich ein herrlicher Rundblick bot. Im Osten das langgestreckte Tal des Scolo Nicola mit seinen Weingrten und unter mir am Steilabhang die beherrschende Villa del Ferro und genau gegenber, am Fue des nchsten steil ansteigenden Bergrckens, Campolongo. Nach Sden hin das dunkle Grn des dichten Waldes. Nach einem weiteren Anstieg erklomm ich den Monte Pozzetto und wendete mich von dort nach Sden. In dem dichten Wald war es gar nicht so einfach, die Orientierung zu behalten, aber wunschgem erreichte ich die Hhen von Orgiano und konnte diesmal im hellen Mittagslicht von oben die imposanten Anlagen des Klosters betrachten. Von hier ging es nun in westlicher Richtung weiter. Dem Blick ffnete sich die weite Ebene mit endlosen Feldern und blhenden Obstgrten bis zum Horizont hin. Dann wieder ein Schwenk nach Norden, durch den gewaltigen Steinbruch Mottogrosseco, der mich mit seinen steil aufragenden Felsen an alte Karl May-Filme erinnerte. Von da auf halbem Hang, heraus aus dem Wald und in kontinuierlichem Abstieg durch Obst- und Weingrten zurck zum Stall. Punkt 14 Uhr ritt ich ein, Erika bernahm Scaramouche und ich strzte zum Telefon.
Was ist mit dem Auto? Schlechte Nachricht. - In Rom gbe es doch keinen Tank, aber aus dem Zentralwerk in Kln werde einer per Expressluftfracht nach Venedig geflogen. Dienstag am Abend knne der Transit abgeholt werden. Paolo, Erika und ich hielten eine kurze Besprechung. Nachdem unser Freund inzwischen die Routen- und Quartierliste vom italienischen Verband gefaxt bekommen hatte, beschlossen wir fr morgen folgendes Programm: Ich bringe Erika und Scaramouche per Turniertransporter zur Brcke von Legnago (Endpunkt am Samstag), sie reitet bis Ostiglia und berquert dort den Po. Ich bringe den Transporter zurck und am Nachmittag fhrt mich Paolo nach Vincenza, ich bernehme den Bus, hole den Hnger und fahre nach Ostiglia. Den restlichen Nachmittag relaxten Pferd und Reiter in der angenehm warmen Sonne Italiens. Den Abend verbrachten wir in der schon zum Stammbeisl gewordenen vis-a-vis Pizzeria.
Dienstag, 11. Mai
Es war 9 Uhr, als wir uns per Transporter auf den Weg machten. Nach einer guten Stunde waren wir in Legnago, letzte Wegebesprechung, Erika fhrte Scaramouche auf die Brcke ber die Etsch, schwang sich drben in den Sattel und war auf dem Damm, in sdlicher Richtung reitend, bald meinen Augen entschwunden.
Im Stall angekommen, verfasste ich meine Schadensmeldung, verstaute unsere Sachen im Hnger und wartete ungeduldig auf den Nachmittag. Um 16 Uhr waren wir in der Werksttte. Als mir der Werkstttenleiter mit verzweifelter Miene entgegentrat, schwante mir Bses. Auch im Hauptwerk gbe es keinen Tank, obwohl man von dem Auto weit ber eine Million Fahrzeuge gebaut htte!!! Aber im englischen Bristol htte man einen gefunden und der wre bereits im Flieger und Freitag um 14 Uhr - bei seinem Leben - wre das Auto fertig. Bei mir wechselten Wutausbrche mit stiller Verzweiflung. - Erika irgendwo in Richtung Po unterwegs und ich im gleichen "Daham", wie man in Wien solche Situation drastisch zu beschreiben pflegt. Zu Paolo gewandt erklrte ich entnervt, das Unternehmen abbrechen zu wollen, Erika zurckzuholen und am Freitag nach Hause zu fahren. Da legte er mir seine Hand auf die Schulter, sah mir in die Augen und sagte: Ihr reitet weiter, ihr knnt inzwischen meinen privaten Range-Rover haben - Amigo. Wir umarmten uns und fuhren zurck nach Alonte. Nach dem Abendessen waren wir dann noch in einer kleinen Bar - mir war so danach.
Mit Erika stand ich whrend des Tages in Handy-Kontakt und wir hielten uns gegenseitig auf dem Laufenden.
Nachdem wir uns getrennt und einen letzten Blick gewechselt hatten, ritt Erika noch ein Stck am Damm des Fiume Adige entlang, um sich auerhalb der Stadt scharf westwrts zu wenden. Auf Feld und Gterwegen erreichte sie die S 434, ritt unter dieser hindurch und kam nach Cason, streifte den Ort und ging in sd-westlicher Richtung weiter. Die einzige Information, die sie hatte, war, dass der nchste Stall in Ostiglia am anderen Ufer des Po wre. Nur mit einer 1:200.000 Autokarte ausgerstet, aber mit grenzenlosem Optimismus und vertrauend auf ihren Instinkt, ritt sie mehr oder minder ins Blaue. Und beides sollte sie brauchen, denn nicht immer dort, wo eine Brcke ber die zahlreichen Flsse, Bche, oder Kanle laut Karte sein sollte, war dann auch eine oder umgekehrt. Aber mit dem Glck des Tchtigen ereichte sie ber den Fossa Maestra den groen Canale Bianco. In weiterer Folge stand sie dann bei Melara am gewaltigsten Fluss Italiens, dem Po. Von hier aus rief sie mich um 13 Uhr voll Freude an, und ich konnte ihr mitteilen, dass der anzureitende Stall in Wirklichkeit weiter sdlich in Pieve di Coriano sein sollte!? Mehr hatte ich inzwischen auch nicht erfahren knnen. Diese drftige Information tat aber ihrer guten Stimmung keinen Abbruch, und so ritt sie frohen Mutes weiter durch das idyllische Naturreservat Isola Boschino, zum Teil auf Dmmen, zum Teil durch ausgedehnte Pappelwlder. Ein Plantscherl mit Scaramouche im khlen Nass einer stillen Bucht, und weiter ging es durch faszinierende Aulandschaften. Als Nationalparkfhrerin der Donau-Auen konnte sie auch interessante Beobachtungen machen. Dann war die Stadt Ostiglia erreicht.
Hier ist auch die Hauptverkehrsverbindung von Strae und Bahn der Region ber den Po und entsprechend das Verkehrsaufkommen. Eine schmale, uralte, eiserne Bogenbrcke verbindet die beiden Ufer, und zu allem berfluss war sie noch eine einzige Baustelle. Ohrenbetubender Lrm, Staub und Chaos, Presslufthmmer, knatternde Motorrder, donnernde LKWs und hupende Autos, ein infernalisches Szenario - und als einzige Mglichkeit mit dem Pferd hinberzukommen, ein auen gefhrter schmaler Fugngersteg! Dessen Boden bestand aus gerippten Metallplatten und das Gelnder war relativ nieder. Also zuerst einmal abgesessen, die Nerven beruhigt und dann mit Abenteuergeist und Todesverachtung ber die endlos erscheinende Brcke. (Der Po ist hier ganz schn breit.) Aber mit Scaramouches Routine lassen sich auch solche Dinge meistern.
In Pieve angekommen, versuchte sie, bei Leuten im Ort mit "Kreativitalienisch-Hnden und Fen" nhere Angaben ber den genauen Standort des Stalles in Erfahrung zu bringen. Zuerst wurde sie mit Speis und Trank gelabt, und Scaramouche durfte im Garten grasen. Dann lotste eine nette, ltere Dame die beiden auf ihrem Drahtesel zum Gutshof etwas auerhalb des Ortes, am Rande des Auwaldes gelegen, in welchem die Stallungen des Clubs "Il Cavalierie del Po" untergebracht waren. Um 17 Uhr war die Pferdeversorgung abgeschlossen und Erika konnte im Clubgebude ein gemtliches Zimmer beziehen.
Am Abend wurde sie vom Besitzer ins Ristorante Lido eingeladen. Dort nahm sie meine Information betreffend weiterer Fahrunfhigkeit unseres Autos sehr gelassen auf. "Es ist nicht viel, was man wirklich zum Leben braucht", war ihre Antwort. - (Wie erinnerlich sa ich zu dieser Zeit mit Paolo an der Bar, weil mir so danach war...)
Mittwoch, 12. Mai
Nach dem Einrumen unseres Gepcks, dem gemeinsamen Frhstcks mit Paolo und einer herzlichen Verabschiedung bestieg ich seinen Range Rover und machte mich auf, meine Gefhrten zu suchen. Um 11 Uhr waren wir wieder glcklich vereint, schossen noch einige Erinnerungsfotos von der netten Familie und den beeinduckenden Gewlben des Stallgebudes, und um 13 Uhr sa ich wieder im Sattel und ritt am mchtigen Damm den Po stromaufwrts weiter.
Erika fuhr im Rover als Begleitfahrzeug voraus. Als Treffpunkt hatten wir, laut Quartierliste des italienischen Verbandes, Motta am Fiume Secchia ausgemacht. Nach sechs Kilometern erreichte ich die Einmndung dieses Flusses und ritt von da an in unzhligen Kurven, den Windungen des Gewssers folgend, stetig gegen Sden. Dieses war sehr naturbelassen und der Damm fhrte die meiste Zeit durch herrliches Augebiet. Um 16 Uhr durchritt ich auf der gepflegten Uferpromenade die schne alte Stadt Concordia, freundlich begrt von den zahlreichen Spaziergngern, die das prchtige Wetter fr einen Bummel nutzten. Nach 12 Kilometern wand sich dann der Fiume Secchia einige Zeit gegen Osten, und hier traf ich um 19 Uhr auf Erika.
Sie hatte inzwischen unser geplantes Quartier gefunden, aber einige Probleme geortet. Der auf der Infoliste angegebene Sttzpunkt war in Wirklichkeit ein Nobelrestaurant, dessen Besitzer im angeschlossenen Garten in seinem Privatstall sein Pferd hielt! Der beraus liebenswrdige Gastronom, der verzweifelt war, dass er uns nicht aufnehmen und nicht einmal bewirten konnte, da sein Restaurant gerade renoviert wurde und daher geschlossen, lie es sich jedoch nicht nehmen, uns nach ausgiebiger flssiger Labung eine Auswahl von kulinarischen Kstlichkeiten und Weinen mitzugeben. Auerdem organisierte er uns in der 5 Kilometer entfernten River Ranch ein Quartier.
Nach einer Stunde Pause ging es weiter am Damm und knapp vor 21 Uhr war unser Etappenziel erreicht. Der lustige Rancher wartete schon auf uns, Scaramouche bezog eine Holzauenbox mit Grnkoppel, und wir machten uns gemeinsam unterm Partyzelt ber das mitgebrachte Luxusmen her. Um 23 Uhr bezogen wir unsere Schlafscke, Erika im Rover und ich unter dem Vordach der Terrasse, denn die laue Nacht war zu schade fr den Bezug der Dachkammer.
Verona Bologna
aus Western News 4/01
Donnerstag 13. Mai
Ein herrlicher Morgen, Frhstck wieder unterm Zelt, Scaramouche geputzt und gesattelt und um 10 Uhr brachen wir auf. Erika ritt wieder auf den Damm des F. Secchio hinauf und war auf weichem Grasweg zwischen blhenden Wildblumen zgig und in bester Stimmung unterwegs. Nach 18 Km verlie sie den Damm und ritt auf Gter- und Feldwegen ostwrts um Modena zu umgehen. In Albareto machte sie in einer kleinen Trattoria ihre Mittagspause. Anschlieend gings dann noch weitere 6 Km in gleicher Richtung bis zum Fiume Panaro der in ca.3 Km an der Stadt vorbeifliet. In Navicello sollten wir uns um 16 Uhr treffen. Ich war in der Zwischenzeit auf Quartiersuche gewesen. In Spilamberto fand ich unmittelbar neben unserem Flu mitten in den Auen gelegen einen exklusiven Springreitstall und nach einem netten Gesprch mit der attraktiven Besitzerin konnte ich eine Luxsusbox fr Scaramouche disponieren. Fr uns resevierte ich im nahen Vignola in einer kleinen Pension ein Zimmer, denn wir lechzten schon etwas nach einer erfrischenden Dusche. Zum vereinbarten Zeitpunkt war ich beim Randezvous und nach einem Kaffee war Auto Pferdtausch angesagt. Erika fuhr zum Stall voraus und ich schwang mich wieder in den Sattel in Erwartung eines gemtlichen problemlosen Rittes den Flu entlang. Aber es sollte ganz anders kommen. Zunchst wars ja noch ganz so wie ich gedacht hatte,die begrnte Dammkrone lud zu einem langsamen Galopp ein, ich sprte wie Scaramouche froh war wieder einmal richtig ausgreifen zu knnen und so hatten wir im Nu die querende Eisenbahnlinie erreicht. Was ich nicht wusste, war, dass diese als Hochleistungsstrecke gefhrt war. Entsprechend waren die Absichrungen ausgebaut. Also keine Chance am Damm weiter und dann unter der Brcke durchzukommen. Meterhohe massive Zune verhinderten dies. Deshalb herunter von diesem und am Fue des Bahndammes eine Durchfahrt oder einen Bahnbergang finden. Die Entuschung folgte auf dem Fu. Die erste war zugemauert und ein aufgelassener bergang ebenfalls mit Zunen und Betonblcken abgriegelt. Die nchsgelegene grssere Strae wo ein bergang laut Karte zu erwarten war, lag einige Km. aus der Richtung und ich wollte mir diesen betrchtlichen Umweg gerne sparen. Das hie also ber den Eisenbahndamm zu reiten. Dieser bestand an seinem Fundament aus einer 70 cm hohen Mauer und war dann gute 3 m hoch. Also kletterte ich vorerst alleine hinauf um vor weiteren beraschungen gefeit zu sein. Nachdem ich festgestellt hatte, das es sich um eine viergleisige Strecke handelt und der Aufsprung auf der anderen Seite machbar sein msste, kletterte ich wieder hinunter und und bestieg mein geduldig wartendes Pferd. Dann wartete ich den nchsten mit ca. 250 Km vorbeisausenden Zug ab, (man hrt sie nmlich erst wenn sie schon fast wieder vorbei sind) gab Scaramouche die Schenkel sprang auf die Mauer und hechtete mich zu den Gleisen hinauf. ImTrab dann darber, die Bschung hinunter und whrend ich noch von der Mauer zur Sandstrae hinuntersprang, hrte ich das Sausen und sprte den Sog des eben vorbeikommenden Gegenzuges. Ohne eines Anzeichen einer Aufregung lie sich Scaramouche nach dem Aufsprung aufnehmen, ich hingegen hatte das Gefhl meinen zweiten Geburtstag zu erleben. Nach dieser riskanten und zugegebener Maen leichtsinnigen Action (ich habe daraus gelernt) wollte ich nun weniger spektakulr weiter gehen. So kam ich ber Felder kommend in den kleinen Ort S.Ambrogio und wollte hier die Strada Grande Nationale "Victor Emanuel" queren. Eingedenk des vorher erlebten stieg ich vom Pferd und wollte es an der Hand ber die vierspurig ausgebaute Strae fhren. Nachdem ich so eine Weile gewartet hatte und keine Chance sah in dem dicht flieenden Abendverkehr eine so groe Lcke zu finden die es uns mglich gemacht htte in einem Zug hinber zu kommen, und mein vierbeiniger Freund ungedulig zu Zappeln begann, warf ich meine guten Absichten ber den Haufen und schwang mich wieder in den Sattel. Beim nchsten kleinen Zwischenraum starteten wir los, das Heck des letzten Autos fast streifend, blieben wir am Mittelstreifen stehen, warteten die nchste LKW- Kolonne des Gegenverkehrs ab und dann waren wir drber. Nach dieser Action dachte ich mir, vielleicht ist "Er" gar kein Traber und war frher ein Polzeipferd. Nun suchte ich wieder zum Damm zu gelangen, hatte ihn auch bald erreicht und dachte das Grbste sei nun ausgestanden. Aber dieser Nachmittag sollte es in sich haben. Nach wenigen Kilometern war der kontiunierlich ausgebaute Damm zu Ende und verzweigte sich zu einem Labyrint. Ein selektieren war mit meiner Autokarte natrlich nicht mglich und so versuchte ich mich nach Gefhl durchzuschlagen. Die Gegend war zwar wunderschn und ich glaubte mich manchmal im Dschungel zu befinden so dichtverwachsen und Sumpfig war das Gelnde, aber ich war heilfroh als ich wieder den groen Damm erreicht hatte und damit den berblick meines Standortes. Nun gings wieder einige Zeit flott dahin, als die Autobahnbrcke vor mir auftauchte. Eingedenk meiner letzten Erlebnisse dachte ich an ein neues Problem, aber diesmal war es zwar auch nicht ganz einfach die schrgen und glatten Steinplatten unter der Brcke zu passieren, machte uns aber keine Schwierigkeiten. Von hier an machte der Flu einen Schwenk nach Sdost und ich ritt in der Folge durch ein Vogelschutzgebiet von einzigartiger Schnheit. Die erste Khle des Abends machte sich angenehm bemerkbar und wir ritten unhrbar ber den seidigen Rasen fast trumend dahin. Dann kamen einige Tafeln deren Aufschrift ich nicht bersetzen konnte und nach einiger Zeit vernderte sich die Landschaft, der Weg wurde hrter und vor mir tauchte eine Schotter und Sandgewinnungsanlage auf. Der nunmehr befestigte Weg zweigte im rechten Winkel ab und fhrte offensichtlich zur Asphaltstrae nach Spilamberto. Diesen Umweg wollte ich mir sparen und so ritt ich einfach weiter. Ein etwas gewagtes Unternehmen wie sich bald herausstellte. Nach einigen "Kraxelpartien" hinauf und hinunter ber Schotterhalden fhrte der einzige Weg direkt durch das Schotterwerk mit rasselnden Sortiertrmen., kreischenden, wassersprhenden Frderbndern, lrmenden Raupenfahrzeugen und rasant herumkurvenden LKWs. Und unter einem dieser Bnder mussten wir durch. Aber an diesem Tag konnte uns nichts mehr erschttern und stoisch als wre dies alles nicht vorhanden velieen wir diese gewaltige Industrieanlage wieder. Weiter gings am Damm, alsbald tauchten die ersten Gartenhuser auf und kurze Zeit spter war das Zentrum erreicht. Gleich neben der Brcke hinunter in die Au und damit waren wir auch in der Reitsportsttte, etwas mde aber glcklich angelangt. Scaramouche wurde frstlich versorgt und anschlieend gingen Erika und ich in ein witziges Lokal direkt an der Brcke, denn ich hatte ihr doch einiges zu berichten. Um Mitternacht fuhren wir nach Vignola in unsere Albergo Belvedere denn ich tat mir schon schwer die Augen offen halten.
Freitag 14. Mai
Zeitiges Frhstck im Hotel, denn dieser Tag versprach wieder ein spannender zu werden. Ich stellte es Erika frei entweder mit dem Rover nach Alonte zu fahren, den Transit von Vinzenza zu holen, dann in Alonte den Hnger anzudocken und anschlieend zu versuchen mich irgendwo in den Bergen von Sasso Marconi zu finden. Wir wusten ja mittlerweile, dass die Angaben der Quartiersliste nur symbolischen Charakter hatte. Oder die andere Mglichkeit mit Scaramouche ohne genaue Karte (wir hatten uns zwar inzwischen eine 1:100.000 Karte der Provinz Bologna besorgt, aber die war auch nicht besser als unsere Autokarte) nach eben diesem Bergmassiv zu reiten. Es gab weder einen fixen Treffpunkt, da wir noch keinen Stall in der Gegend wussten, noch konnte ich irgendeine Hilfestellung garantieren, da nicht abzusehen war wie das mit unserem Gespann funktionieren wrde. Aber sie entschied sich frs reiten obwohl die geplante Strecke mit 4045 Km veranschlagt war und die Anlage Altola (unser Stall) auf 54 m Seehhe lag und die Berge immerhin bis 1280 m hoch waren. Dann fuhren wir gemeinsam zum Pferd und machten es zum Abritt fertig. Um 10 Uhr trennten wir uns, hoffend einander am Abend gesund und wohlbehalten wiederzufinden.
Also umarmte ich die beiden nocheinmal, und machte mich daran unser Equipment wieder zu komplettieren. Die Sonne Italiens schien warm vom Himmel, und whrend ich im Rover so nordwrts dahinfuhr und die eben durchrittene Landschaft an mir vorberglitt war ich mit meinen Gedanken wieder im Sattel. Der Vergleich mit meinen frheren Geschftsreisen kam mir wieder in den Sinn und ich fhlte wie ich jetzt nach den vielen Erlebnissen zu Pferd, in dieser groen Ebene, diesen Landstrich mit seinen vielen verborgenen Schnheiten und seinen herzlichen Menschen mit anderen Augen sah und sich eine tiefe Zufriedenheit in mir ausbreitete, die Erkenntnis des richtigen Tuns, das mir so oft nach einschlgigen "Katalogurlauben"in Italien gefehlt hatte.
Nach freudigem Wiedersehen mit Paolo in Alonte, fuhren wir gemeinsam nach Vincenza und dem erleichterten Grinsen des Wekstttenleiters war zu entnehmen, das es diesal mit dem Transit OK gehen werde. Dann zurck nach Alonte den Hnger holen, und das restliche Gepck und Ausrstung (Pferd Reiter) verstauen. Bis alles erledigt war, sind die Stunden nur so Verflogen und beim letzten Hndedruck war es 18 Uhr und allerhchste Zeit nach meinen beiden Gefhrten zu suchen. Die Handyverbindungen waren nicht optimal, aber im Groen und Ganzen wussten wir voneinander Bescheid.
Erika verlie zur gleichen Zeit den Stall und begab sich wieder auf den Damm des Fiume Panaro. Nach den ausfhrlichen Schilderungen meiner Erlebnisse des Vortages, war sie voll Spannung in den Tag gegangen. Und sie wurde auch nicht entuscht. Kaum einen Kilometer geritten, als auch schon der erste Schotter-LKW in eine riesige Staubwolke gehllt, ihr entgegendonnerte. Anschlieend musste auch sie ein riesiges Schotterwerk durchqueren, war aber vorbereitet und die beiden meisterten auch diese Aufgabe bravurs. Doch danach wie in eine andere Welt eintauchend Stille, nur mehr Vogelgezwitscher war zu vernehmen, ein schmaler Pfad nebem natubelassenen Flulauf Idylle pu ! Pltzlich ein lautes Geknatter, zwei bermtige, aber sehr rcksichtsvolle Motto Cross Fahrer berholten, dann wieder Stille und so ritt sie vor sich hintrumend dahin, bis sie von mehreren Schssen ganz in der Nhe j aus ihrer Versunkenheit gerissen wurde. Sie vermutete sich in einer Treibjagd italienischer Jger und ein gehriger Schreck fuhr ihr in die Glieder. Laut singend versuchte sie auf sich aufmerksam zu machen, denn der Ritt sollte nicht hier ein vorzeitiges Ende nehmen. Zur groen Erleichtrung klrte sich die mysterise Schieerei, als sich der Uferbewuchs teilte und sich eine ausgedehnte Obstplantage vor ihr auftat. Es waren Schreckschuapperate, die verhindern sollten, dass Stare zuviel von den Weichseln naschten. Nach 7 Km velie sie Flu und Au um sich sdstlich nach Savignano zu wenden. Die Zivilisation hatte sie wieder. Ein kleiner Imbiss in einer kleinen Cafetteria und ein Kbel Wasser unter einem Sonnendach fr Scaramouche tat beiden gut. Allerdings wurde die Pause dann doch lnger. Ein hbscher Italiener erzhlte ihr sehr ausfhrlich von Luciano Pavarottis grossem Pferdestall in Modena und wollte ihr diesen auch bei Gelegenheit gerne zeigen. Nachdem sie sich wieder losgerissen hatte gings weiter. Als sie durch eine Siedlung musste fand sie sich auf einmal sich am Ende einer Sackgasse. Also wieder zurck. Doch ein wunderschner weier Araberhengst im Garten erregte ihre Aufmerksamkeit. Gleich darauf trat der Besitzer aus dem Haus und schon war eine angeregte Unterhaltung in Gang. Nach Einladung, weiterer Strkung und Verproviantierung zeigte er ihr im Bus vorausfahrend noch den Weg aus dem Gassenlabyrint der Gartensiedlung. Dann kam der erste Gelndeanstieg. Nachdem der Hgelrcken bewltigt war ritt sie durch ein einsames Tal und umrundete den "Parco Regionale dell Abbazia di Monteveglio"der den steilen Berg schtzt. Danach gings von Oliveto sdwrts 10 Km den Torrente Samoggia entlang. Unterwegs wieder ein kurzer Stopp bei einer Agritourismo bei netten englischsprechenden Leuten, wo sie sogar ihr Ungarisch einsetzen konnte, und das auf einem kleinen italienischen Bergbauerhof! Es war schon spter Nachmittag, drckend hei und bereits 30 Km geritten als sie sich einem mchtigem Berg gegenber fand. Die Strae in unzhligen Kurven den Berg hinaufwindend. Auf der Karte ohne Hhenschichtlinien war das nicht ersichtlich gewesen, - aber was ntzts sie musste hinauf, denn die Richtung war vorgegeben. Also abgesessen, weiter, und so schleppten sie sich Kurve um Kurve bergan. Oben angekommen fand sie den kleinen Ort Mongiorgio, eine Augenweide und sehr Romantisch. Der herrliche Ausblick auf das Land ringsum war dann die schnste Belohnung fr die Strapazen des beschwerlichen Aufstiegs. Nun gings bergab weiter in stlicher Richtung. Bei Badia stie sie dann auf die Regionalstrae und ging noch weitere 3 Km am Bankett entlang bis Colombara. Mittlerweile war es 19.30 geworden und Zeit eine Unterkunft zu finden. Und tatschlich wie ein Geschenk des Himmels, eine Hinweistafel zu einem Reitstall. Also nichts wie hin und nach kurzer Schilderung der Situation alles paletti! Ein besonders herzlicher Stallbesitzer, eine gerumige Box und schne Graskoppel fr Scaramouche. Herz was willst Du mehr. Nachdem alles zum besten geregelt war rief sie mich an, gab mir ein genaues Aviso und eineinhalb Stunden spter waren wir wieder vereint. Den Abend verbrachten wir in einer netten Pizzeria im Ort und um Mitternacht checkten wir nun zum ersten Mal auf dieser Reise in unserem "Hotel Transit" ein. Ein erlebnisreicher Tag ging zu Ende. Buona notte!
Samstag 15. Mai
Nachdem wir nun den Appeninn ereicht hatten und schon viele aufregende Erlebnisse hinter uns, wollten wir die Reise gemtlich ausklingen lassen. Also beschlossen wir nach unserem Frhstck noch einen schnen Halbtagesritt in die Berge schon in Richtung zur Toskana zu Unternehmen und den spteren Nachmittag bzw. Abend fr einen Besuch des nahen Bologna zu nutzten. Um 10 Uhr war ich wieder im Sattel und los gings. 2 Km zwischen Strae und dem Bach des Tales in Richtung Sd. Dann kam ich zu einer schnen Sandstrae die sich durch den Wald in die Hhe zog. Nach einer Stunde hatte ich das alte Kloster San Chirlo erreicht. Ein Anbindeplatz fr 20 Pferde lud zur Einkehr und zum Fotografieren ein. Hier hatte ich eine wunderbare Aussicht und holte mir einen Vorgeschmack auf meine weiteren geplanten Ritte. Eine Weile gings noch auf gleicher Hhe zwischen saftigen Weiden und kleinen vertrumten Orten dahin. Dann durch Wlder wieder hinunter ins nchste Tal. Mittlerweile war es hei und schwl geworden und der Aufstieg auf den Monte Pastore machte einige Mhe und so war ich froh als ich den hbschen Ort erreicht hatte. Inmitten der alten kleinen Huser ein uriger Gasthof mit schattigem Garten und Grasboden. Der Wirt schlo das Gartentor damit Scaramouche frei grasen konnte, whrend ich mit unverflschter Kche verwhnt wurde. Leider bekam ich hier keine Verbindung mit Erika denn eigentlich wollte ich hier unsere Reise beenden und uns holen lassen. So ritt ich also dann doch weiter um eine Position zu finden um Erika zu erreichen. Die Gegend ffnete sich zu einem Hochplateau und war mit riesigen Weiden bedeckt. Dann summte pltzlich das Handy und wir tauschten unsere Standorte aus. Trinita, ein Ort wo 5 Straen aus allen Himmelsrichtungen zusammenliefen war der ideale Endpunkt dieser und Startplatz fr die nchste Reise, als Treffpunkt bestimmt worden. Fast Zeitgleich trafen wir am vereinbarten Ort ein, lieen unseren braven Burschen noch grasen whrend wir gensslich auf der Kaffeeterrasse unser Eis verspeisten. Ein letztes Foto, dann rein in den Hnger und zurck zum Stall. Dort angekommen wurde er auf die Weide entlassen whrend wir uns fr Bologna frisch machten.
Nach kurzer Fahrt waren wir in dieser berhmten Grostadt aus dem Mittelalter. Das Flair dieser Stadt ist einzigartig mit ihrer zur Gnze erhaltenen gotischen Bausubstanz die im reizvollem Gegensatz zu den berwiegend jugendlichen Besuchern steht. Nachdem wir uns mit Kultur vollgesogen hatten, die imposanten Gebude, weiten Piazzi und engen Collonaden gesehen und gefhlt hatten, erwiesen wir der nicht minder berhmten Bologneser Kche unsere Reverenz. Die Heimkehr nach Colombara erwies sich dann einigermaen Schwierig da wir uns mittels "Abschneider" fast hoffnungslos Verfahren hatten und Erika als Copilot auf Waldwegen die selbst Scaramouche in Erstaunen gesetzt htten unseren Transit ins Ziel bringen wollte.
Sonntag 16. Mai
8 Uhr letztes gemeinsame Frhstck, 9 Uhr Einrumen, Verladen 10 Uhr. Herzliche Verabschiedung und Abfahrt. 17 Uhr Pause und Weidegang an der Grenze. 19 Uhr Weiterfahrt 23 Uhr Wien- Hietzing 24 Uhr Kogl Stall.
Unser Ziel die Durchquerung der groen Po Ebene war erreicht, der Einstig in den Appeninn gefunden, also die nchste Teilreise durch die Toskana in den Bereich der nchsten Planung gerckt. Somit konnte unsere Phantasie wieder ihre Flgel ausbreiten zu neuen Abenteuern, zu neuen Erlebnissen und neuen Freundschaften irgendwo weit hinter dem Horizont.
Bologna - Siena
aus Western News 6/01
2.-15. Oktober 1999 - Teil 1
Nun sollte es also soweit sein und die Toskana, das Land, welches man als eines der schnsten dieser Welt bezeichnet, auch erreicht werden knnen. Erika Zukrigl, meine Begleiterin Venedig Verona Bologna, war diesmal verhindert und so bestand das Team fr die Reise erstmals aus Renate Pretting auf Dandy, Sonja Lehninger auf Kohan und Anita Spannbruckner, die sich auf Scaramouche und Transit mit mir abwechseln sollte. Nachdem wir erstmalig in Italien mit drei Pferden unterwegs waren, hatten wir auch zwei Autos mit zwei Transportern in unserem Tross. Nach eingehenden Vorbesprechungen und intensivem Training unserer Pferde, war dann der Start am 2. 10. um 9 Uhr Uhr in Kogl.
Mit zwei Pausen und einem zweistndigem Weidegang in Leibsdorf/K erreichten wir um 19 Uhr Uhr unseren bewhrten Sttzpunkt den RV Marco Polo in Venedig/Tessera. Whrend die Pferde auf der Weide grasten, nahmen wir den traditionellen Begrungstrunk von Franco zu uns. Dann wurden die Pferde versorgt und in den Gsteboxen untergebracht. In einem netten Ristorante lieen wir den ersten Tag ausklingen, bevor wir im Clubgelnde zu viert unseren zum Schlafsaal umfunktionierten Bus bezogen.
Sonntag, 3. Oktober
Im hellen Morgenlicht der aufgehenden Sonne war rasch gesattelt und wir ritten in das Naturschutzgebiet der groen Lagune von Venedig. Hatte ich doch meinen Damen versprochen, ihnen dieses einmalige Erlebnis nicht vorenthalten zu wollen. Auf dem Wiesenweg des mchtigen Dammes, den Spuren meiner Venedigritte vom Mai bzw. Nov. 98 folgend, gelangten wir bis an den Rand von Mestre. Auch dieses Mal war der Zauber dieser besonderen Stimmung fhlbar und spiegelte sich in den Augen meiner Reiterinnen wieder. Beim Rckritt begegneten wir einigen Jgern und wurden von diesen freundlich begrt. Offensichtlich fhlten sie sich von uns nicht im geringsten gestrt. (Italien!) Nach der Rckkehr vom Ausritt gingen die Pferde auf die Weide und wir zum Frhstck.
Um 10 Uhr war alles verstaut und verladen und wir konnten unsere Reise fortsetzen. Colombara in der Nhe von Bologna (der letzte Stall meiner vierten Reise), war unser Ziel. Wir wurden wieder sehr freundlich aufgenommen, mussten uns allerdings diesmal eine Wiesenkoppel abstecken, da alle Boxen wegen eines gleichzeitig stattfindenden Springturniers besetzt waren. Anschlieend fuhren wir in Renates Gelndewagen in die Richtung des nchsten Etappenzieles. Unser Quartiergeber konnte uns als Turnierreiter nur vage Angaben machen, aber er meinte, irgendwo in den Bergen gbe es einen rustikalen Westernstall. Nach einigen Recherchen und einer abenteuerlichen Gelndefahrt fanden wir inmitten einer wildromantischen Gebirgslandschaft den Privatstall "La Fusida", dessen Besitzerin Sabrina uns mit groer Herzlichkeit aufnahm. Da dieses Quartier so abgeschieden im Gebirge lag und von unserer geplanten Streckenwahl aus sehr schwer zu finden gewesen wre, erbot sich Sabrina, uns bei einer bestimmten Stelle vor dem Einstieg in die Berge zu Pferd abzuholen. Mit Freude nahmen wir dieses Angebot an und kehrten nach Colombara zurck.
Montag, 4. Oktober
Dieser sonnige Morgen war der Beginn unseres eigentlichen Rittes. Die Pferde wurden verladen, nach kurzer Fahrt war Trinita, der Endpunkt meines vierten Teilabschnittes vom Mai dieses Jahres erreicht. An derselben Wegekreuzung wurde ausgeladen und noch schnell ein Foto geschossen. Wir waren bereit fr die berwindung des Apennin-Hauptkammes, auf dem Weg in die sonnigen Gefilde der Toskana.
Der Ausgangspunkt lag schon in beachtlicher Hhen, und so ging es zunchst einige Zeit auf schmaler Sandstrae stetig bergab. Spter durch tiefe enge Schluchten bis zum Fiume Reno. Bei Vergate berquerten wir diesen, folgten ihm dann einige Kilometer bis Quarderna, um anschlieend den Anstieg des nchsten Hhenkammes in Angriff zu nehmen. Am vereinbarten Treffpunkt holte uns Sabrina ab. Zu fnft ritten wir nun durch naturbelassenes, sehr steiles Gelnde auf schmalen Wegen oder ber Stock und Stein zu Sabrinas Gebirgsranch hinauf. Oben angekommen wurden die Pferde versorgt und anschlieend auf die ausgedehnten Gebirgsweiden entlassen. Fr die Reiter gab es einen Begrungstrunk, und Sabrina hatte in der Zwischenzeit einige Mhe, telefonisch ein geeignetes Quartier fr den nchsten Tag zu organisieren. Dank ihrer Hartnckigkeit gelang es ihr dann aber doch, und so konnten wir uns beruhigt den Freuden eines gemtlichen Abends hingeben.
Im Kreise der Familie saen wir nach groem Abendessen, noch einige Stunden angeregt plaudernd, vor dem knisternden Feuer im offenen Kamin. Unsere gute Stimmung wurde nur durch den Blick auf den Wetterbericht im TV etwas getrbt, ausgedehntes Tief mit Niederschlgen auf der ganzen Halbinsel. Das Nachtlager schlugen wir dann im freundlich zur Verfgung gestellten Schlafzimmer der Hausherrin auf, whrend unsere Pferde in gerumigen Holzboxen ihren Schlaf der Gerechten schliefen.
Dienstag, 5. Oktober
Als wir am Morgen erwachten, regnete es in Strmen. Aber schon whrend des Frhstcks lie der Regen etwas nach. Beim Putzen der Pferde gab es dann eine bse berraschung. Dandy hatte beim abendlichen Weidegang ein Hufeisen verloren. Es auf der riesigen Almweide zu finden, erschien aussichtslos, und die Reserveeisen befanden sich im Tross in Colombara. Wir glaubten schon einen Tag verloren zu haben, aber Sabrina berraschte uns wieder. Zielstrebig stapfte sie durchs hohe Gras, und nach krzester Zeit stie sie einen Schrei aus und hielt das verlorene Hufeisen in die Hhe. Dann ging sie zu Dandy und, nachdem sie das Eisen fachkundig ausgerichtet und den Huf nachgeraspelt hatte, war Dandy auch schon beschlagen.
Inzwischen hatte es auch zu regnen aufgehrt. Unter Sabrinas Fhrung gings in stlicher Richtung und in einem atemberaubenden Abstieg ins nchste Tal hinab. Auf zum Teil felsigen, zum Teil grasbewachsenen Gebirgssteigen gelangten wir zum Fiume Setta, den wir bei Pindisetta erreichten. Unsere italienische Reiterfreundin, die wir inzwischen richtig lieb gewonnen hatten, verabschiedete sich hier.
Wir ritten nun in sdlicher Richtung weiter, fanden einen schmalen Steig, der uns zum alten Stdtchen Lagaro hinaufbrachte. Von hier gings zum Flsschen Brasimonte den wir einige Male berquerten, bis wir zu einem halbverfallenem Bauernhof kamen. Bei diesem
angelangt, gab es kein Weiterkommen mehr, da sich das Tal inzwischen zur Schlucht verengt hatte. Im Hof schlugen Hunde an und eine finstere Gestalt, die uns misstrauisch musterte, kam aus dem dsteren Gebude. Wir versuchten ihm unsere Lage zu erklren und seine Gesichtszge erhellten sich. Freundlich wies er uns zu einigen moosbewachsenen Steinstufen, die hinter seinem Haus auf seine steile Hauswiese fhrten, und von dort aus zum nchsten Hhenweg. Wir dankten, gaben den Pferden die Schenkel und hechteten zu diesem hoch.
Mittlerweile hatte es zu regnen begonnen und das Wasser lief in Strmen an unseren Reitmnteln herunter. Bei Nsse, Klte, dichtem Nebel und steinigen, steilen Wegen kmpften wir uns auf den nchsten dicht bewaldeten Hhenrcken hinauf. Oben angelangt fanden wir ein passables Geluf in sdlicher Richtung, welches etwas Tempo erlaubte. Nach einer Stunde verlieen wir den Wald, und vor uns ffnete sich hgeliges Gelnde mit Streusiedlungen und jeder Menge verschlungener Wege. Der Regen hatte inzwischen aufgehrt, aber die Sicht war wegen des Dunstes sehr beschrnkt. Mit unserer ungenauen 1: 100.000 Karte hatten wir einige Orientierungsprobleme und Diskussionen, fanden aber trotzdem ohne "Verreiter" die Klosterkirche San Damiano. Hier war unser vereinbarter Treffpunkt mit Anita.
Diese hatte inzwischen mit Sabrinas Aviso unser Quartier in Castiglione dei Pepoli organisiert und geleitete uns das letzte Wegestck bis zum Stall. Auf einer Hhenlage, inmitten dieses hbschen Stdtchens, lag die Anlage mit einem imposanten Herrenhaus. Bald stellte sich heraus, dass dies einer der bekanntsten Vollblutaraber-Zuchtbetriebe Italiens war. Herrliche Hengste, grazise Stuten, die reinste Augenweide, sind der besondere Stolz der hbschen Besitzerin. Trotz der Millionenwerte ihrer Pferde nahm sie uns Wanderreiter mit groer Gastfreundlichkeit auf, und unsere braven Burschen bekamen schne groe Boxen zugewiesen. Anita hatte ganz in der Nhe ein nettes Hotel ausfindig gemacht.
Die besondere berraschung des Tages: Sabrina hatte in der Zwischenzeit eine Geburtstagstorte fr mich gebacken und uns diese von ihrem Lebensgefhrten und ihrem Bruder nachbringen lassen. Natrlich war die Freude gro und gemeinsam verbrachten wir zu sechst einen lustigen Abend in einer netten Pizzeria. Als sich dann unsere Freunde spt auf den Heimweg machten, freuten wir uns schon sehr auf unsere bequemen Hotelbetten.
Mittwoch, 6. Oktober
Nach dem teilweise verregneten Vortag (es sollte brigens der einzige bleiben), begann der Tag mit strahlendem Sonnenschein. Anita machte sich mit sehr vagen Informationen zur Quartiersuche auf, whrend wir nach dem Verlassen von Castiglione in ein schnes Tal einritten. Immer am halben Hang entlang, gelangten wir an den Lago Brasilmone, einem Stausee, wo wir einen herrlichen Ausblick auf die herbstliche Landschaft genieen konnten. Hier stiegen wir mit courbetteartigen Sprngen in einen Steig, wobei ich den Eindruck hatte, die Mdels sen auf Gmsen, nicht auf Pferden. Nach kurzem, steilem Anstieg kamen wir auf einen wunderbaren Waldweg.
Dann wieder ein steiler Abstieg und ein pltzliches Halt. Was wir hier vor uns sahen, machte uns wenig Freude. Wir standen auf einer sehr steilen Bschung und der Straengraben war zu einer 120 cm breiten und 70 cm tiefen Schmelzwasserrinne ausbetoniert. Auf der rechten Seite Felsen, auf der linken ein hoher Zaun, nach dem Graben die Asphaltstrae und in den Gesichtern groe Ratlosigkeit. Wie nehmen wir dieses Hindernis? Also stieg ich vom Pferd, berwand die Rinne zu Fu, sah mir die Situation von der Strae aus an und fand, dass es zu berspringen wre. Mit fester Stimme rief ich Scaramouche beim Namen, worauf dieser sich von seinen Gefhrten lste, an den Rand vortrat und mit einem beherztem Satz neben mir stand. Nach dieser Demonstration von Vertrauen und Gehorsam eines gut ausgebildeten Wanderreitpferdes gab Sonja ihrem Kohan die Schenkel und Sekunden spter standen die beiden neben mir. Nur Renate traute der Sache noch immer nicht. Zirkusreif balancierte sie mit Dandy auf einem 10 cm breiten Streifen die Rinne entlang, um dann seitlich zwischen dem Zaun und der Kanalffnung zu uns zu gelangen. Ich konnte gar nicht hinsehen, aber sie schafften es.
Wir verlieen den See und ritten durch dichten Wald auf einer schnen Sandstrae stetig bergan gegen Sden. Wir befanden uns nun im Nationalpark im Aufstieg zum Apennin-Hauptkamm. Der Weg, schlecht markiert, war zeitweise kaum zu finden. Nur noch cirka 700 Meter von der ersehnten Passhhe entfernt, hatten wir dann ernstliche Probleme. Wir waren inzwischen abgesessen und fhrten unsere Pferde auf den steilen Hang hinauf, wobei immer wieder der Weg unter den Hufen wegbrach. Und dann war es pltzlich ganz aus. Wahrscheinlich ein schweres Unwetter hatte den Weg auf einer Lnge von mehr als 30 Metern total weggerissen. Vorsichtig, mit der Hinterhand gegen den Berghang, wendeten wir unsere Pferde und versuchten ganz behutsam auf dem kaum noch vorhandenen Weg zu einer sicheren Stelle zurckzukehren.
Das genaue Studium unserer Wanderkarte wies einen nicht markierten Weg aus, von dem wir hofften, dass er uns doch noch zur Kammhhe bringen wrde. Der Weg fhrte tatschlich zum gewnschten Punkt und auf Sichtweite an unser Ziel heran. Allerdings versperrten ein zwei Meter hoher, solid gebauter Eisenzaun und ein mchtiges, fest verschlossenes Tor den bergang von der Emilia Romagna in die Toskana. Sichtlich war hier auch die Verwaltungsgrenze der Nationalparks der beiden Provinzen. Nun war guter Rat teuer. Der unfreiwillig verlassene Wanderweg musste hier in der Nhe ber die Grenze fhren? In einer abenteuerlichen Aktion seitlich durch dichtesten Wald und ber Felsen gelangten wir auf einen Weg, fanden ein unversperrtes Tor und ritten die letzten Meter zur Passhhe des San Giuseppe beim Monte Della Scopreta.
Der Anblick, der sich hier bot, verschlug uns den Atem. In der klaren Luft und unter strahlend blauem Himmel lag die ganze Pracht der toskanischen Landschaft vor uns ausgebreitet da: Die bewaldeten Berge und Hgel in absinkenden Gelndeformationen, der sich in weitem Bogen nach Sden hinziehende Apennin, am Horizont verlierend und so weit das Auge reichte nur unberhrte Natur in grandioser Vollendung. Nachdem sich der ehrfrchtige Schauer gelegt hatte, brachen wir in Jubel aus und vergessen waren die Mhen und Anstrengungen des Aufstieges.
Eine schmale Sandstrae fhrte uns an eindrucksvollen Felsformationen vorbei. Nach unserer Karte musste ein kleiner Ort an unserem Weg liegen. Auf einer Felsenklippe klammerten sich einige Huser dichtgedrngt an den Fels. Der Dorfplatz von Cavarzano, in Wohnzimmergre, war gesumt von vier alten Bumen, in deren Schatten wir unsere Pferde gut anbinden und trnken konnten. Die kleine Trattoria war fr eine kleine Pause wie gemacht. Whrend wir uns auf der Miniterrasse labten und die herrliche Aussicht genossen, fhlten wir uns in die Zeiten der fahrenden Ritter auf ihrem Weg nach Rom versetzt. Weiter ging es, begleitet von ursprnglicher Landschaft, bis wir auf das Quertal des Fiume Bisenzo stieen, wo Anita bereits auf uns wartete. Es wurden Pferde und Auto getauscht. Renate und ich fuhren nach Colombara zurck, um den restlichen Tross zu holen, whrend Sonja und Anita, diese auf Scaramouche und mit Dandy als Handpferd, den Fluss in sdwestlicher Richtung folgend, weiterritten.
Nach einigen Kilometern stieg dann eine steile Sandstrae in unzhligen Kurven bis zur Agriturismo Azienda Selvapiana. Wie es uns allen schien, war hier das Ende der Welt. Es war eine organisatorische Meisterleistung von Anita, dieses Juwel zu finden. (Ein toller Reitstall mit gerumigen Boxen, endlosen saftigen Weiden, geschmackvollem Gstehaus fr die Reiter etc. - inmitten von "Natur pur".) Nachdem die Mdels die Pferde versorgt hatten und wir mit dem nun wieder kompletten Equipment eingetroffen waren, fuhren wir anschlieend nach San Quirico zu einem kleinen, sehr originellen Ristorante. Bei Hausmannskost vom Feinsten feierten wir gemeinsam mit dem Besitzer bis spt in die Nacht hinein meinen Geburtstag. Den Rest dieser (Nacht) verbrachten wir im Gstehaus der Azienda.
DIE ITALIENISCHE REISE DES ERWIN CHLOUPEK
5. TEIL Bologna Siena
2.-15. Oktober 1999 - Teil 1
aus Western News 6/01
Nun sollte es also soweit sein und die Toskana, das Land, welches man als eines der schnsten dieser Welt bezeichnet, auch erreicht werden knnen. Erika Zukrigl, meine Begleiterin Venedig Verona Bologna, war diesmal verhindert und so bestand das Team fr die Reise erstmals aus Renate Pretting auf Dandy, Sonja Lehninger auf Kohan und Anita Spannbruckner, die sich auf Scaramouche und Transit mit mir abwechseln sollte. Nachdem wir erstmalig in Italien mit drei Pferden unterwegs waren, hatten wir auch zwei Autos mit zwei Transportern in unserem Tross. Nach eingehenden Vorbesprechungen und intensivem Training unserer Pferde, war dann der Start am 2. 10. um 9 Uhr Uhr in Kogl.
Mit zwei Pausen und einem zweistndigem Weidegang in Leibsdorf/K erreichten wir um 19 Uhr Uhr unseren bewhrten Sttzpunkt den RV Marco Polo in Venedig/Tessera. Whrend die Pferde auf der Weide grasten, nahmen wir den traditionellen Begrungstrunk von Franco zu uns. Dann wurden die Pferde versorgt und in den Gsteboxen untergebracht. In einem netten Ristorante lieen wir den ersten Tag ausklingen, bevor wir im Clubgelnde zu viert unseren zum Schlafsaal umfunktionierten Bus bezogen.
Sonntag, 3. Oktober
Im hellen Morgenlicht der aufgehenden Sonne war rasch gesattelt und wir ritten in das Naturschutzgebiet der groen Lagune von Venedig. Hatte ich doch meinen Damen versprochen, ihnen dieses einmalige Erlebnis nicht vorenthalten zu wollen. Auf dem Wiesenweg des mchtigen Dammes, den Spuren meiner Venedigritte vom Mai bzw. Nov. 98 folgend, gelangten wir bis an den Rand von Mestre. Auch dieses Mal war der Zauber dieser besonderen Stimmung fhlbar und spiegelte sich in den Augen meiner Reiterinnen wieder. Beim Rckritt begegneten wir einigen Jgern und wurden von diesen freundlich begrt. Offensichtlich fhlten sie sich von uns nicht im geringsten gestrt. (Italien!) Nach der Rckkehr vom Ausritt gingen die Pferde auf die Weide und wir zum Frhstck.
Um 10 Uhr war alles verstaut und verladen und wir konnten unsere Reise fortsetzen. Colombara in der Nhe von Bologna (der letzte Stall meiner vierten Reise), war unser Ziel. Wir wurden wieder sehr freundlich aufgenommen, mussten uns allerdings diesmal eine Wiesenkoppel abstecken, da alle Boxen wegen eines gleichzeitig stattfindenden Springturniers besetzt waren. Anschlieend fuhren wir in Renates Gelndewagen in die Richtung des nchsten Etappenzieles. Unser Quartiergeber konnte uns als Turnierreiter nur vage Angaben machen, aber er meinte, irgendwo in den Bergen gbe es einen rustikalen Westernstall. Nach einigen Recherchen und einer abenteuerlichen Gelndefahrt fanden wir inmitten einer wildromantischen Gebirgslandschaft den Privatstall "La Fusida", dessen Besitzerin Sabrina uns mit groer Herzlichkeit aufnahm. Da dieses Quartier so abgeschieden im Gebirge lag und von unserer geplanten Streckenwahl aus sehr schwer zu finden gewesen wre, erbot sich Sabrina, uns bei einer bestimmten Stelle vor dem Einstieg in die Berge zu Pferd abzuholen. Mit Freude nahmen wir dieses Angebot an und kehrten nach Colombara zurck.
Montag, 4. Oktober
Dieser sonnige Morgen war der Beginn unseres eigentlichen Rittes. Die Pferde wurden verladen, nach kurzer Fahrt war Trinita, der Endpunkt meines vierten Teilabschnittes vom Mai dieses Jahres erreicht. An derselben Wegekreuzung wurde ausgeladen und noch schnell ein Foto geschossen. Wir waren bereit fr die berwindung des Apennin-Hauptkammes, auf dem Weg in die sonnigen Gefilde der Toskana.
Der Ausgangspunkt lag schon in beachtlicher Hhen, und so ging es zunchst einige Zeit auf schmaler Sandstrae stetig bergab. Spter durch tiefe enge Schluchten bis zum Fiume Reno. Bei Vergate berquerten wir diesen, folgten ihm dann einige Kilometer bis Quarderna, um anschlieend den Anstieg des nchsten Hhenkammes in Angriff zu nehmen. Am vereinbarten Treffpunkt holte uns Sabrina ab. Zu fnft ritten wir nun durch naturbelassenes, sehr steiles Gelnde auf schmalen Wegen oder ber Stock und Stein zu Sabrinas Gebirgsranch hinauf. Oben angekommen wurden die Pferde versorgt und anschlieend auf die ausgedehnten Gebirgsweiden entlassen. Fr die Reiter gab es einen Begrungstrunk, und Sabrina hatte in der Zwischenzeit einige Mhe, telefonisch ein geeignetes Quartier fr den nchsten Tag zu organisieren. Dank ihrer Hartnckigkeit gelang es ihr dann aber doch, und so konnten wir uns beruhigt den Freuden eines gemtlichen Abends hingeben.
Im Kreise der Familie saen wir nach groem Abendessen, noch einige Stunden angeregt plaudernd, vor dem knisternden Feuer im offenen Kamin. Unsere gute Stimmung wurde nur durch den Blick auf den Wetterbericht im TV etwas getrbt, ausgedehntes Tief mit Niederschlgen auf der ganzen Halbinsel. Das Nachtlager schlugen wir dann im freundlich zur Verfgung gestellten Schlafzimmer der Hausherrin auf, whrend unsere Pferde in gerumigen Holzboxen ihren Schlaf der Gerechten schliefen.
Dienstag, 5. Oktober
Als wir am Morgen erwachten, regnete es in Strmen. Aber schon whrend des Frhstcks lie der Regen etwas nach. Beim Putzen der Pferde gab es dann eine bse berraschung. Dandy hatte beim abendlichen Weidegang ein Hufeisen verloren. Es auf der riesigen Almweide zu finden, erschien aussichtslos, und die Reserveeisen befanden sich im Tross in Colombara. Wir glaubten schon einen Tag verloren zu haben, aber Sabrina berraschte uns wieder. Zielstrebig stapfte sie durchs hohe Gras, und nach krzester Zeit stie sie einen Schrei aus und hielt das verlorene Hufeisen in die Hhe. Dann ging sie zu Dandy und, nachdem sie das Eisen fachkundig ausgerichtet und den Huf nachgeraspelt hatte, war Dandy auch schon beschlagen.
Inzwischen hatte es auch zu regnen aufgehrt. Unter Sabrinas Fhrung gings in stlicher Richtung und in einem atemberaubenden Abstieg ins nchste Tal hinab. Auf zum Teil felsigen, zum Teil grasbewachsenen Gebirgssteigen gelangten wir zum Fiume Setta, den wir bei Pindisetta erreichten. Unsere italienische Reiterfreundin, die wir inzwischen richtig lieb gewonnen hatten, verabschiedete sich hier.
Wir ritten nun in sdlicher Richtung weiter, fanden einen schmalen Steig, der uns zum alten Stdtchen Lagaro hinaufbrachte. Von hier gings zum Flsschen Brasimonte den wir einige Male berquerten, bis wir zu einem halbverfallenem Bauernhof kamen. Bei diesem
angelangt, gab es kein Weiterkommen mehr, da sich das Tal inzwischen zur Schlucht verengt hatte. Im Hof schlugen Hunde an und eine finstere Gestalt, die uns misstrauisch musterte, kam aus dem dsteren Gebude. Wir versuchten ihm unsere Lage zu erklren und seine Gesichtszge erhellten sich. Freundlich wies er uns zu einigen moosbewachsenen Steinstufen, die hinter seinem Haus auf seine steile Hauswiese fhrten, und von dort aus zum nchsten Hhenweg. Wir dankten, gaben den Pferden die Schenkel und hechteten zu diesem hoch.
Mittlerweile hatte es zu regnen begonnen und das Wasser lief in Strmen an unseren Reitmnteln herunter. Bei Nsse, Klte, dichtem Nebel und steinigen, steilen Wegen kmpften wir uns auf den nchsten dicht bewaldeten Hhenrcken hinauf. Oben angelangt fanden wir ein passables Geluf in sdlicher Richtung, welches etwas Tempo erlaubte. Nach einer Stunde verlieen wir den Wald, und vor uns ffnete sich hgeliges Gelnde mit Streusiedlungen und jeder Menge verschlungener Wege. Der Regen hatte inzwischen aufgehrt, aber die Sicht war wegen des Dunstes sehr beschrnkt. Mit unserer ungenauen 1: 100.000 Karte hatten wir einige Orientierungsprobleme und Diskussionen, fanden aber trotzdem ohne "Verreiter" die Klosterkirche San Damiano. Hier war unser vereinbarter Treffpunkt mit Anita.
Diese hatte inzwischen mit Sabrinas Aviso unser Quartier in Castiglione dei Pepoli organisiert und geleitete uns das letzte Wegestck bis zum Stall. Auf einer Hhenlage, inmitten dieses hbschen Stdtchens, lag die Anlage mit einem imposanten Herrenhaus. Bald stellte sich heraus, dass dies einer der bekanntsten Vollblutaraber-Zuchtbetriebe Italiens war. Herrliche Hengste, grazise Stuten, die reinste Augenweide, sind der besondere Stolz der hbschen Besitzerin. Trotz der Millionenwerte ihrer Pferde nahm sie uns Wanderreiter mit groer Gastfreundlichkeit auf, und unsere braven Burschen bekamen schne groe Boxen zugewiesen. Anita hatte ganz in der Nhe ein nettes Hotel ausfindig gemacht.
Die besondere berraschung des Tages: Sabrina hatte in der Zwischenzeit eine Geburtstagstorte fr mich gebacken und uns diese von ihrem Lebensgefhrten und ihrem Bruder nachbringen lassen. Natrlich war die Freude gro und gemeinsam verbrachten wir zu sechst einen lustigen Abend in einer netten Pizzeria. Als sich dann unsere Freunde spt auf den Heimweg machten, freuten wir uns schon sehr auf unsere bequemen Hotelbetten.
Mittwoch, 6. Oktober
Nach dem teilweise verregneten Vortag (es sollte brigens der einzige bleiben), begann der Tag mit strahlendem Sonnenschein. Anita machte sich mit sehr vagen Informationen zur Quartiersuche auf, whrend wir nach dem Verlassen von Castiglione in ein schnes Tal einritten. Immer am halben Hang entlang, gelangten wir an den Lago Brasilmone, einem Stausee, wo wir einen herrlichen Ausblick auf die herbstliche Landschaft genieen konnten. Hier stiegen wir mit courbetteartigen Sprngen in einen Steig, wobei ich den Eindruck hatte, die Mdels sen auf Gmsen, nicht auf Pferden. Nach kurzem, steilem Anstieg kamen wir auf einen wunderbaren Waldweg.
Dann wieder ein steiler Abstieg und ein pltzliches Halt. Was wir hier vor uns sahen, machte uns wenig Freude. Wir standen auf einer sehr steilen Bschung und der Straengraben war zu einer 120 cm breiten und 70 cm tiefen Schmelzwasserrinne ausbetoniert. Auf der rechten Seite Felsen, auf der linken ein hoher Zaun, nach dem Graben die Asphaltstrae und in den Gesichtern groe Ratlosigkeit. Wie nehmen wir dieses Hindernis? Also stieg ich vom Pferd, berwand die Rinne zu Fu, sah mir die Situation von der Strae aus an und fand, dass es zu berspringen wre. Mit fester Stimme rief ich Scaramouche beim Namen, worauf dieser sich von seinen Gefhrten lste, an den Rand vortrat und mit einem beherztem Satz neben mir stand. Nach dieser Demonstration von Vertrauen und Gehorsam eines gut ausgebildeten Wanderreitpferdes gab Sonja ihrem Kohan die Schenkel und Sekunden spter standen die beiden neben mir. Nur Renate traute der Sache noch immer nicht. Zirkusreif balancierte sie mit Dandy auf einem 10 cm breiten Streifen die Rinne entlang, um dann seitlich zwischen dem Zaun und der Kanalffnung zu uns zu gelangen. Ich konnte gar nicht hinsehen, aber sie schafften es.
Wir verlieen den See und ritten durch dichten Wald auf einer schnen Sandstrae stetig bergan gegen Sden. Wir befanden uns nun im Nationalpark im Aufstieg zum Apennin-Hauptkamm. Der Weg, schlecht markiert, war zeitweise kaum zu finden. Nur noch cirka 700 Meter von der ersehnten Passhhe entfernt, hatten wir dann ernstliche Probleme. Wir waren inzwischen abgesessen und fhrten unsere Pferde auf den steilen Hang hinauf, wobei immer wieder der Weg unter den Hufen wegbrach. Und dann war es pltzlich ganz aus. Wahrscheinlich ein schweres Unwetter hatte den Weg auf einer Lnge von mehr als 30 Metern total weggerissen. Vorsichtig, mit der Hinterhand gegen den Berghang, wendeten wir unsere Pferde und versuchten ganz behutsam auf dem kaum noch vorhandenen Weg zu einer sicheren Stelle zurckzukehren.
Das genaue Studium unserer Wanderkarte wies einen nicht markierten Weg aus, von dem wir hofften, dass er uns doch noch zur Kammhhe bringen wrde. Der Weg fhrte tatschlich zum gewnschten Punkt und auf Sichtweite an unser Ziel heran. Allerdings versperrten ein zwei Meter hoher, solid gebauter Eisenzaun und ein mchtiges, fest verschlossenes Tor den bergang von der Emilia Romagna in die Toskana. Sichtlich war hier auch die Verwaltungsgrenze der Nationalparks der beiden Provinzen. Nun war guter Rat teuer. Der unfreiwillig verlassene Wanderweg musste hier in der Nhe ber die Grenze fhren? In einer abenteuerlichen Aktion seitlich durch dichtesten Wald und ber Felsen gelangten wir auf einen Weg, fanden ein unversperrtes Tor und ritten die letzten Meter zur Passhhe des San Giuseppe beim Monte Della Scopreta.
Der Anblick, der sich hier bot, verschlug uns den Atem. In der klaren Luft und unter strahlend blauem Himmel lag die ganze Pracht der toskanischen Landschaft vor uns ausgebreitet da: Die bewaldeten Berge und Hgel in absinkenden Gelndeformationen, der sich in weitem Bogen nach Sden hinziehende Apennin, am Horizont verlierend und so weit das Auge reichte nur unberhrte Natur in grandioser Vollendung. Nachdem sich der ehrfrchtige Schauer gelegt hatte, brachen wir in Jubel aus und vergessen waren die Mhen und Anstrengungen des Aufstieges.
Eine schmale Sandstrae fhrte uns an eindrucksvollen Felsformationen vorbei. Nach unserer Karte musste ein kleiner Ort an unserem Weg liegen. Auf einer Felsenklippe klammerten sich einige Huser dichtgedrngt an den Fels. Der Dorfplatz von Cavarzano, in Wohnzimmergre, war gesumt von vier alten Bumen, in deren Schatten wir unsere Pferde gut anbinden und trnken konnten. Die kleine Trattoria war fr eine kleine Pause wie gemacht. Whrend wir uns auf der Miniterrasse labten und die herrliche Aussicht genossen, fhlten wir uns in die Zeiten der fahrenden Ritter auf ihrem Weg nach Rom versetzt. Weiter ging es, begleitet von ursprnglicher Landschaft, bis wir auf das Quertal des Fiume Bisenzo stieen, wo Anita bereits auf uns wartete. Es wurden Pferde und Auto getauscht. Renate und ich fuhren nach Colombara zurck, um den restlichen Tross zu holen, whrend Sonja und Anita, diese auf Scaramouche und mit Dandy als Handpferd, den Fluss in sdwestlicher Richtung folgend, weiterritten.
Nach einigen Kilometern stieg dann eine steile Sandstrae in unzhligen Kurven bis zur Agriturismo Azienda Selvapiana. Wie es uns allen schien, war hier das Ende der Welt. Es war eine organisatorische Meisterleistung von Anita, dieses Juwel zu finden. (Ein toller Reitstall mit gerumigen Boxen, endlosen saftigen Weiden, geschmackvollem Gstehaus fr die Reiter etc. - inmitten von "Natur pur".) Nachdem die Mdels die Pferde versorgt hatten und wir mit dem nun wieder kompletten Equipment eingetroffen waren, fuhren wir anschlieend nach San Quirico zu einem kleinen, sehr originellen Ristorante. Bei Hausmannskost vom Feinsten feierten wir gemeinsam mit dem Besitzer bis spt in die Nacht hinein meinen Geburtstag. Den Rest dieser (Nacht) verbrachten wir im Gstehaus der Azienda.
DIE ITALIENISCHE REISE DES ERWIN CHLOUPEK
5. TEIL Bologna Siena 2.-15. Oktober 1999 - Teil 2
aus Western News 1/02
Donnerstag, 7. Oktober
Ein strahlender Morgen und unser erstes selbstgemachtes Frhstck, gebastelt in der Apartmentkche mit Tee und Sabrinas Geburtstagstorte. Der Stallbesitzer, ein bekannter Distanzreiter in Italien, gab uns die Adresse eines renommierten Reitcenters in der Nhe von Florenz und auch einige gute Tipps fr die Route dorthin. Noch eine kurze Besprechung betreff unseres Treffpunktes, ein letzter Rundblick auf die herrliche Aussicht und los ging es wieder. Bei bester Laune verabschiedeten wir uns von Anita, die sich im Jeep zu unserem Abendquartier aufmachte, whrend wir die Pferde ber grne Wiesen ins nchste Tal hinabfhrten. Dieser Tag war in seiner Art einer der eindruckvollsten.
Nachdem wir zwei kleine, typisch toskanische Ortschaften hinter uns gelassen hatten, ritten wir in ein weites Tal ein. Auf einer sehr gepflegten Sandstrae, die stndig leicht bergan stieg, bewegten wir uns den ganzen Tag durch menschenleere, traumhafte Wlder mit hoch aufragenden, uralten Bumen. Wir wurden stndig vom schaurig-schnen Rhren der Hirsche begleitet, die es hier in Unmengen zu geben scheint. (Eines der grten zusammenhngenden Naturreservate Italiens.) Am Ende des Tales, bei einer verfallenen Einsiedelei, wand sich der Weg auf den gegenberliegenden Hang, um dann ber einen Sattel zum Abstieg in die Ebene um Florenz hinunter zu fhren.
Kurz vor dem Abendquartier machten wir beim schnen, alten Schloss Iavello eine Rast und unterhielten uns mit einem Schfer, der gerade seine Herde vorbeitrieb. Mit dem Einverstndnis der attraktiven Schlossherrin lieen wir unsere Pferde auf der saftigen Weide des angeschlossenen Gutes weiden und im khlen Bchlein trnken. Bald war auch Anita zur Stelle, und so wie am Vortag wurden wieder Pferde und Auto getauscht. Renate und ich machten sich auf, den restlichen Tross nachzuholen, whrend Sonja und Anita die Pferde zur Reitanlage Le Querche nach Montemurlo in der Nhe von Florenz ritten. Dies gestaltete sich gar nicht so einfach, da sie den Ort und die verkehrsreiche Hauptverkehrsstrae queren mussten.
Trotz bevorstehendem Turniers am Wochenende wurden wir in dem vornehmen Reitstall sehr herzlich aufgenommen. Der Prsident dieses Eliteclubs ist selbst aktiver Wanderreiter und war uns sehr behilflich. So durften wir in dieser als "Fnfstern 1A-Centro Ippico Grande" ausgewiesenen Anlage wie Clubmitglieder alle Einrichtungen, wie Auenboxen, Weidekoppeln, Waschanlage, Clubrume, exklusive Bder und Umkleiderume sowie Bar und Cafeteria etc. in Anspruch nehmen.
Nachdem die Pferde 1A versorgt und wir 1A geduscht und erfrischt waren, fuhren wir nach Montemurlo in eine Pizzeria, um unsere weitere Reise zu besprechen. Wir hatten nun den Apennin berquert, aber dieses Unterfangen hatte sich in der Praxis als schwierig herausgestellt. So hatten wir die Etappen verkrzen und ein zustzliches Quartier einschieben mssen. Auerdem hatte ein informelles Gesprch mit dem Clubchef ergeben, dass unsere weitere Routenwahl zur Kste (mit den Pferden ins Meer) nicht optimal wre, da zwei hohe Gebirgsstcke eine Diagonaldurchquerung der Toskana sehr schwierig gestalten wrde. Man hatte uns stattdessen die klassische Route ber Siena nach Grosseto zum Meer vorgeschlagen. Diese Strecke wre aber, wollten wir unsere Pferde nicht berfordern, mit den restlichen Urlaubstagen nicht zu bewltigen gewesen. Um meinen Amazonen den Traum von der Galoppade am Meeresstrand mit eigenem Pferd erfllen zu knnen, nderte ich den weiteren Ablauf. Ich schlug vor, den nchsten Tag zum Stehtag zu machen und diesen fr einen Ausflug per Transporter mit den Pferden am Meer zu nutzen. Der Vorschlag wurde einstimmig angenommen und in bester Laune kehrten wir in unsere Anlage zurck, um in Vorfreude auf den kommenden Tag sanft im Transit zu entschlummern.
Freitag, 8. Oktober
Bei sommerlichen Temperaturen wurden die Pferde verladen und um 10 Uhr ging es mit meinen sehr aufgeregten Damen zur nahe gelegenen Autobahn Richtung Pisa. Nach kurzer Frhstckspause und Entdeckung eines topografischen Kartenatlasses 1:100.000 erreichten wir nach zwei Stunden Fahrtzeit die schlossartige Einfahrt zum Nationalpark Tennta Presenziale di Sanrossore nordwestlich von Pisa. Dank einer Empfehlung unseres Clubprsidenten von le Querche ffneten sich auch die Schranken. Mit den besten Wnschen der Direktion fr einen schnen Ritt fuhren wir mit Sondererlaubnis zum Parkplatz des Rennbahngelndes, welches am Rande des Naturschutzgebietes liegt.
Irgendwie wurden wir wegen der groen Menge an Verbotstafeln an Prater und Freudenau erinnert. Allerdings fehlte das Reitverbot, und somit war klar, dass wir doch in Italien waren.
Nachdem die Pferde ausgeladen und gesattelt waren, ritten wir in Richtung Meer. Anfnglich galoppierten wir in von Menschenhand gepflegtem Wald, mit schnen Reitwegen in alle Richtungen, lautlos auf sandigem Boden dahin. Als der Wald dichter und wilder wurde, der Weg immer schmler, die Pinien mchtiger und hher sowie die Farne bis in Kopfhhe reichten, ritten wir im langsamen Trab weiter. Dann gab es keinen Weg mehr. Im Schritt schlngelten wir uns durch diesen Urwald weiter. Bald schon hatten wir die Seeluft in den Nasen und das Rauschen der Brandung in den Ohren, als unvermittelt ein gewaltiger Zaun vor uns auftauchte. Groe Enttuschung war auf den Gesichtern zu erkennen, dass es so kurz vor dem ersehnten Ziel kein Weiterkommen mehr zu geben schien. So kmpften wir uns am Zaun entlang, bis wir tatschlich ein kleines Tor fanden. Dort lichtete sich der Wald und eine bizarre Landschaft abgestorbener Bume, die wie riesengroe Hnde gen Himmel ragten, begleiteten uns. Dazwischen hohes, dorniges Gestrpp und jede Menge Disteln. So ritten wir vorsichtig weiter, einen sanften Hgel hinauf und hatten mit einem Mal den Dnenkamm erreicht, wo unsere Pferde wie angewurzelt stehen blieben. Da lag es nun vor uns, im gleiendem Licht der Mittagssonne. Majesttisch in langer Dnung schumten die Wellen des ligurischen Meeres heran und verloren sich am goldweien Strand. Minutenlang standen wir regungslos da, um diesen Augenblick zu genieen und in uns aufzunehmen. Das Gefhl im Sattel des eigenen Pferdes zu sitzen, sein leises Schnauben zu hren, dieses grandiose Schauspiel zu erleben und eine Vision Wirklichkeit werden zu lassen, war einer der Hhepunkte dieser Reise. Obwohl ich schon an der Adria und Ostsee hnliches erlebt hatte, ist dieses Gefhl jedes Mal ein Unbeschreibliches. Der groe Unterschied war diesmal, dass wir uns hier in einem Reservat befanden und der Strand, der sich hier kilometerweit als weies Band zwischen dem blauen Meer und den dunkelgrnen Pinienwldern hinzog, menschenleer war. Keine Hotel- oder Ferienanlagen, keine Spur menschlicher Zivilisation strte das Auge, man fhlte sich in paradiesische Zeiten versetzt.
Nachdem wir uns von diesen Eindrcken gefangen hatten, ritten wir die Dne hinunter, der leichten Brandung entgegen. Vorsichtig, leise schnaubend und argwhnisch ugend nherten sich unsere Pferde diesem unbekannten Element. Bei jeder Welle wichen sie zurck, doch wie man wei, sind auch Pferde neugierig. Und so setzten sie bald zgernd einen Fu nach dem anderen in dieses ganz anders als die Bche und Seen zu Hause aussehende Wasser. Nach und nach gelang es uns, die Pferde tiefer und tiefer in das fremde Nass zu reiten. Bald war der Bann gebrochen und gelassen stampften sie durch die Wellen und schienen die Abkhlung sichtlich zu genieen.
Nachdem dieses Ereignis dokumentarisch ausgiebig festgehalten war, kehrten wir an den Strand zurck und ritten diesen in nrdlicher Richtung entlang, bis wir zu einer mchtigen Sandklippe kamen, an der die Gischt hochspritzte. Hier ging es nicht weiter, also wendeten wir und ritten nach Sden, wo wir in einiger Entfernung eine Natursteinmole ausmachen konnten. Auf dem Weg dorthin empfingen uns neugierig gewordene Besatzungsmitglieder einer vor der Kste liegenden Segeljacht, die inzwischen mit einem Beiboot an Land gekommen waren. Einige nette Worte waren schnell gewechselt, ein Scherzchen hier, ein Kompliment an meine hbschen Damen da, und einer der Burschen war als Schnellfotograf engagiert, um unsere Strandgaloppade im Bild festzuhalten. Nachdem die Temperaturen an diesem Herbsttag ber 30 Grad lagen, entledigte Sonja ihren Kohan seines Sattels und sich ihrer Kleider und ging mit ihrem Pferd schwimmen, um sich den "ultimativen Kick" zu geben. Die Zeit verging im Fluge und die Begeisterung des Strandabenteuers war uns allen ins Gesicht geschrieben. Aber wir mussten trotzdem an die Rckkehr denken. So ritten wir in voller Verzckung des eben erlebten durch die Pinienwlder zur Rennbahn und unseren Fahrzeugen zurck. Dort angekommen wurden die Pferde getrnkt und durften auf dem schnen Rasen noch ausgiebig grasen, bevor wir sie verluden und zu unserem Exklusivreitstall le Querche nach Montemurlo zurckbrachten. Den Abend verbrachten wir in einem netten Ristorante in der Altstadt und die Gesprche kehrten immer wieder zu dem an diesem Tag verwirklichten Traum zurck.
Samstag, 9. Oktober
Nach den anstrengenden Gebirgsetappen der vergangenen Tage stand nun die einzige Flachetappe unserer Reise (die Ebene westlich von Florenz ) auf unserem weiteren Programm. Vom Stall ging es zunchst ber Felder und unter der Autobahn hindurch, nach 6 km dann in sdstlicher Richtung an Fluss- und Kanaldmmen entlang bis Poggio. Hier war wieder eine Autobahn zu unterqueren. Die Gegend bestand zum Groteil aus landwirtschaftlichen Groplantagen, jeder Menge Brachflchen, kleineren Industriebetrieben und alten Ortschaften, alles bunt durchmischt. So gelangten wir auf Sandstraen und Gterwegen ohne Probleme nach Signa. In diesem schnen, alten Stdtchen berquerten wir ber eine historische Brcke den Arno und folgten ihm ein kleines Stck in westlicher Richtung. Die letzten Tageskilometer bescherten uns dann noch einen relativ steilen Aufstieg (damit wir nicht aus der bung kommen) zu unserem Nachtquartier, dem Castello Bellesguardo.
So eine Unterkunft hatten wir noch nie auf unserer Reise. Auf einem beherrschenden Hgel sdwestlich von Florenz, mit herrlichem Ausblick auf diese Traumstadt, thronte dieses monumentale Barockschloss in majesttischer Lage. Von der untergehenden Sonne rotgolden angestrahlt, wirkte es wie die Zefirelli-Inszenierung eines italienischen Historienfilmes. Weltweit ist das Schloss als Villa Caruso bekannt, es war zu Lebzeiten der Wohnsitz dieses Sngermonuments und ist heute als Museum eingerichtet, zu dem alljhrlich Tausende Musikliebhaber aus aller Welt pilgern. Zu bewundern sind die sehr gut erhaltene Bausubstanz und die beeinduckende barocke Gartenanlage mit uraltem Baumbestand. Das Stallgelnde ist an den Auenmauern des Castellos angeschlossen und beherbergt das Centro Trekking Ippotour. Von den Stallbesitzern wurde uns neben Weidegang und Boxen fr unsere Pferde die Mglichkeit erwirkt, in diesem ehrwrdigen Gebude zu bernachten. (Gott sei Dank, denn ich hatte die Mdels mit dem Versprechen nach Italien gelockt, einmal am Strand zu galoppieren und eine Nacht in einem Schloss zu verbringen.)
Da fr den nchsten Vormittag die Stadtbesichtigung von Florenz geplant war, organisierte der Hausherr einen Halbtagesritt zu einem zweieinhalb Reitstunden entfernten Quartier und erbot sich, uns mit Freunden dorthin zu begleiten. Zuletzt bekamen wir noch einen Tipp fr das In-Lokal in Signa.
Nachdem wir die Pferde versorgt hatten, fuhren wir zu diesem, bekamen wieder einmal die beste Seite der italienischen Kche zelebriert und hatten mit den brigen Gsten eine nette Unterhaltung bis in die spte Nacht hinein. Als wir in unserem alten Schloss zurck waren, bezogen wir ein riesiges Zimmer. Als das Licht ausgemacht war, fhlten und hrten wir, dass wir nicht alleine waren. Der Geist Carusos, der bei Vollmond durch die ehrwrdigen Gemuer huschen soll, erwies sich zur Erleichterung des "Dreimderlhauses" als der schwarze Kater des Burgvogtes, der sich heimlich in unser Zimmer geschlichen hatte.
Sonntag, 10. Oktober
Auch dieser Tag erwachte in strahlendem Blau und Sonnenschein. Von den hohen Fenstern unseres Zimmers hatten wir einen berwltigenden Ausblick auf die historische Gartenanlage und die fernen Trme von Florenz. Nachdem die Pferde gefttert und auf die Weide gebracht waren, fuhren wir im Transit in die Stadt am Arno, denn Kultur stand auf unserem Programm. Nach dem ausgiebigen Frhstck im Domcafe schrieben meine Mdels jede Menge Ansichtskarten, whrend ich inzwischen vor die Tr ging, um die morgendliche Frische und das bunte Treiben auf der Piazza vor dem gewaltigen Dom zu genieen. Als ich dann der Touristengruppen ansichtig wurde, die in kleinen Herden von ihren Fhrern im Eilschritt an den Sehenswrdigkeiten vorbeigetrieben wurden und hektisch versuchten, diese in dem starken Gewimmel nicht zu verlieren, wurde mir bewusst, welch ein Unterschied zwischen unserer Reise zu Pferd und diesem konfektionierten Massenreisetourismus besteht. Mit einem Glcksgefhl ob dieser Erkenntnis musste ich meine Freundinnen umarmen, als sie aus der Cafeteria traten. Lachend gingen wir dann daran, das Flair dieser alten Herzogsstadt in uns aufzunehmen.
Da ich Florenz von meinen unzhligen Geschftsreisen sehr gut kenne, bot ich eine Fhrung la carte an, welche meine Damen gerne annahmen. Dom, Piazza della Repubblica, Piazza Signoria mit dem Herzogspalast und den Statuen des Michelangelo, dort ein nettes Fachgesprch mit zwei berittenen Polizisten, die Uffizien und die alten Ponte Vecchio, wo natrlich kleine Schmuckstcke erstanden werden mussten. Weiter schlenderten wir dann am Kai des Arno entlang. Zwischendurch wurden natrlich auch einige interessante Innenhfe geschichtstrchtiger Palazzi besichtigt und jede Menge Souvenirs, Grtel und Taschen mitgenommen (gekauft).
Da fr den Nachmittag noch ein Ritt auf dem Programm stand, mussten wir auf ein Mittagsessen in meinem Lieblingslokal verzichten und uns mit einem Gelato unterwegs zur Garage begngen.
Um 14 Uhr waren wir beim Schloss, eine Stunde spter der Abritt. Begleitet von einer italienischen Eskorte ging es ausschlielich auf Wiesenwegen, hgelauf, hgelab, durch Obst- und Weingrten zum nchsten Quartier in San Vicenze a Torre. An diesem "Toskana pur"-Reittag war Anita auf Scaramouche unterwegs, whrend ich unser Gespann chauffierte. Allerdings hatte ich mehr Probleme, unser Ziel zu finden, als meine Reiterinnen, da diese Agriturismo so abgeschieden im Gelnde versteckt war, dass es einiger Recherchen bedurfte diese zu orten. Letztlich musste ich den Transporter schweren Herzens mitten in der Landschaft auf der Asphaltstrae zurcklassen und konnte froh sein, die drei Kilometer zu der Zufahrt zum Stall mit meinem Transit zu schaffen. Allerdings lohnte sich die Mhe, denn die Anlage befand sich in einer traumhaften Lage. Das imposante Herrenhaus auf einem grnen Hgel, der den Pferden als Weide diente, und unterhalb ein lichter Pinienwald, in dem der Stall und die grozgigen Koppeln untergebracht waren.
Hier lernten wir Angelika, eine attraktive Architektin und Reiterin aus sterreich, kennen, die gemeinsam mit ihrer hbschen italienischen Freundin und Besitzerin diese groe Agriturismo mit Reitbetrieb managt. Whrend Anita die Pferde versorgte und ich mit Angelika das Quartier des nchsten Tages und die Route dorthin besprach, fuhr Renate mit den Begleitern der italienischen Eskorte nach Bellesguardo retour, um ihr Gespann zu holen. Ihr ging es dann bei der Rckfahrt auch nicht besser als mir, auch sie hatte die allergrte Mhe unseren Stall zu finden.
DIE ITALIENISCHE REISE DES ERWIN CHLOUPEK
5. TEIL Bologna Siena
2.-15. Oktober 1999 - Teil 3
aus Western News 2/02
Montag, 11. Oktober
Der Morgen azurblau und angenehm warm, begann mit einem ppigen und ausgedehnten Frhstck unter den Arkaden des alten Herrenhauses gemeinsam mit Angelika. Diese versorgte meine Damen noch mit letzten Tipps fr die Tagesetappe, denn wie am Vortag war Anita mit Scaramouche und ich mit den 100 PS unseres Transits beritten. Sie befrchteten einige Orientierungsprobleme. Auerdem waren die Handys nur mehr zum Teil einsatzfhig, sodass zu befrchten stand, dass ich ihnen von unterwegs keine aktuellen Informationen zukommen lassen knnte. Da sie mit den Gegebenheiten der toskanischen Landschaft schon einigermaen vertraut waren, gewann der Optimismus, das Tagesziel gut zu erreichen, bald die Oberhand.
Ich machte mich mit dem Gespann daran, unser nchstes Quartier zu suchen, und dank der genauen Beschreibung von Angelika war es auch bald gefunden. In der Nhe von La Romanita, ein auf einer Erhebung gelegener Dressurreitstall, dessen grozgige Ausdehnung einem groem Reitbetrieb alle Ehre gemacht htte, und im Besitz eines sehr netten Ehepaares ist, mit Halle, integrierten Boxen, Reitplatz und jede Menge Koppeln und Weiden am schattigen Bchlein. Nachdem ich mit Kaffee und einer Erfrischung bewirtet worden war und ich den Hnger abgestellt hatte, machte ich mich daran, meine Mdels zu suchen.
Diese waren gleichzeitig mit mir zunchst durch offenes Gelnde in das Tal des Fiume Pesa hinunter geritten. Dann durch Auen und auf Wiesenwegen, um sich dann in der Nhe von Castiglione nach Sden zu wenden. Sie stiegen zu dem Hhenrcken hinauf, der sich in sdstlicher Richtung, flankiert von den beiden Flssen Pesa und Virgino, bis Tavarnelle erstreckt. Ab da in sanftem Bergauf-bergab durch Olivenhaine und Weingrten, im stndigem Zickzack nach San Quirico. Hier trafen wir aufeinander.
Leider hatte die Trattoria weil Montag geschlossen. So ritten die Damen etwas enttuscht weiter. Weiter ging es nun durch winzige Ortschaften, an kleinen Kastellen und alten Klstern vorbei. Ich auf der schmalen Strae, die Pferde auf den weichen Begleitwegen. Immer wieder machten wir einen kurzen Stopp, denn die Fotomotive drngen sich in dieser herrlichen Landschaft geradezu auf.
Nachdem der Stall erreicht war, gaben wir die Pferde auf die Weide, denn das Wetter war einfach zu schn fr eine bernachtung in den Boxen. Nachdem sie bestens versorgt waren, die Sonne noch relativ hoch am Himmel stand es war ja erst 16 Uhr fuhren wir mit dem Auto nach San Casciano. Ich hatte mir diese alte, typisch toskanische Kleinstadt schon bei der Quartiersuche angesehen und war von der romantischen Ausstrahlung sehr angetan. Sie war auf einem Bergrcken erbaut und mit einer mchtigen, hohen Mauer umgeben. Zwischen imposanten, alten Gebuden zwngten sich schmale, verwinkelte Gassen. Auf der Rckfahrt nahmen wir in einer netten Trattoria einen kleinen Imbiss und allerbesten Chianti zu uns. Anschlieend besichtigten wir noch einige historisch interessante Gebude und fuhren zur Abendftterung in den Stall.
Auf Empfehlung unserer Gastgeber fuhren wir noch ins Tal des Fiume Pesa hinab, um vor der alten Steinbrcke in der liebevoll restaurierten Fuhrwerksherberge die Spezialitten der lokalen Kche zu genieen.
Dienstag, 12. Oktober
Um 4 Uhr war fr Renate und mich Tagwache, da unsere Freundin wegen eines wichtigen geschftlichen Termins dringend nach Wien musste. Die Pferde waren sichtlich erstaunt, so frh gefttert zu werden, lieen sich aber die Mahlzeit gut schmecken. Nachdem sie gespeist hatten, wurde Dandy verladen. Nach herzlicher Verabschiedung machte sich Renate auf den Heimweg, wo sie gut und wohlbehalten eintraf.
Um 7 Uhr war dann die zweite Tagwache fr den Rest der Crew. Fr diesen Tag war die lngste Etappe dieser Reise geplant, nmlich gute 45 km in bergigem Gelnde. Fr den Frhstckstreffpunkt war eine kleine Trattoria zwischen La Romanita und Tarvanelle vorgesehen. Unter der Rosenpergola der rckwrtigen Gartenterrasse genossen wir unser Frhstck bei herrlicher Aussicht auf das weite Land ringsum.
Schlielich war es 11 Uhr, als wir endlich weiterritten. Zunchst immer links oder rechts der Strae durch Obst- und Weingrten in Richtung Tavernelle. Ab da fhrte eine schmale Sandstrae nach Tigano, einer Klosterburg aus dem Mittelalter. Von dort aus ritten wir durch enge Kurven steil zum Flsschen Cinciano hinunter. Wir folgten diesem in ein tiefes, enges Tal, das sich gegen Sden wand, weiter auf weichen Sandwegen.
Hier sahen wir zum ersten Mal Markierungen des legendren Weitwanderreitweges Mantua Rom. Allerdings waren diese so sprlich angebracht, dass wir weiterhin nach der Karte reiten mussten. Im Gegenteil, wir hatten die grte Mhe den Weg nicht zu verlieren, da dieser sichtlich kaum begangen wurde und sich immer wieder im dichten Bewuchs verlor, wenn sich das Tal zur Schlucht verengte und der Weg in den Steilhang hinauffhrte. Am Talausgang mussten wir endgltig den Hhenkamm erklimmen, da wir zum nchsten Lngstal hinber sollten.
Nach steilem Abstieg und einem weiteren Aufstieg lag vor uns, in einem riesigem und relativ steil abfallenden Talkessel, die Stadt Poggiponsi. Auf unserer Karte war sie uns nicht so weitlufig erschienen, wie sie sich nun in der Realitt prsentierte. Also hielten wir eine kurze Beratung ab, wie wir dieses Hindernis mit der noch verbleibenden Zeit, es war mittlerweile 17 Uhr, am Besten berwinden knnten. Eine Durchquerung zur Abendhauptverkehrszeit schien uns nicht verlockend und eine Umgehung auf adquaten Straen oder Wegen war, weil sie alle sternfrmig auseinander liefen, auch nicht zu sehen. Also beschlossen wir, uns neben der Autobahn, die an der Stadt in groen Bogen mit zwei Ausfahrten herumfhrte, "entlang zu hndeln". Ein teilweise sehr schwieriges Unterfangen, da der Weg nicht durchlaufend war und wir immer wieder, um Zune und Einfriedungen zu umgehen, in steiles, unwegsames Gelnde ausweichen mussten. Nun ging es am Bankett von schmalen Bezirks- bzw. Sandstraen in leichtem Hgelauf und -ab ber Lecchi nach La Ripa.
Dies ist eine mchtige, mittelalterliche Burgstadt, umgeben von gewaltigen, hohen Mauern und Wehrtrmen. Wir ritten durch den Festungsgraben, dann steil hinauf zum groen Tor ins Innere und fhlten uns dabei in die Ritterzeit versetzt. Als wir in den kleinen Marktplatz einbogen, erhielten wir von einem Italiener, welcher im Vorgarten einer Taverne sa, von Anita, die sichtlich schon auf der Suche nach uns war, Informationen betreffend unseres Treffpunkts. In Freude ob dieser Nachricht verlieen wir nun mit beschleunigten Schritten dieses alte Stdtele. Wir folgten der alten, gewundenen Strae, berquerten die Gleise einer Lokalbahn und erreichten nach kurzer Zeit die Nationalstrae 122. Am Parkplatz eines Supermarktes sahen wir dann unser Gespann stehen.
Anita hielt fr uns einen Imbiss bereit und fr die Pferde die vollen Wasserkbel, da sie geahnt hatte, das wir bis hier ohne Pause durchgeritten waren. Auch unser Quartier hatte sie inzwischen organisiert und den besten Weg dorthin. Allerdings wollten wir diesem aus Zeitdruck nicht folgen, da die Dmmerung eingesetzt hatte und uns ein Querfeldeinritt zu riskant erschien. So bot sie uns als Alternative den 10 Meter breiten Brachestreifen neben der Hauptstrae bis Castellina und von dort die Gterwege mit einigen Abschneidern als Route zum Stall hin an. So gelangten wir gemeinsam, zuletzt schon im Dunklen, sicher und wohlbehalten in die groe und bekannte Reitanlage Taddei Scuola in Casone an.
An diesem Tag waren wir neun Stunden im Sattel, da die Strecke letztlich doch mehr als 50 km lang und schwieriger als erwartet war. Nachdem die Pferde in groen Boxen eingestallt und versorgt waren, hatten wir noch eine abendsportliche Einlage als Draufgabe, indem wir den Besitzern und Stallpersonal halfen, in dem weitlufigen Gelnde einige ausgebrochene Hengste einzufangen. Schon spt in der Nacht machten wir uns auf, um unser wohlverdientes Abendessen zu genieen. Endlich fanden wir um Mitternacht ein abenteuerliches Lokal, welches noch offen hatte. Todmde, aber zufrieden ber den ereignisreichen und spannenden Tag krochen wir in die Schlafscke im Transit zu unserer vorletzten italienischen Nacht.
Mittwoch, 13. Oktober
Die letzte Etappe in die Nhe von Siena war mit ca. 30 km veranschlagt und wir waren der Meinung, dass dies mit einem starken Halbtagsritt zu bewltigen sein msste. Also nutzten wir den Vormittag fr einen Besuch Castellinas mit gemtlichem Frhstck in der Altstadt und einem ausgiebigen Einkaufsbummel (Mitbringsel fr die Daheimgebliebenen). Im Stall informierten wir uns beim Chef des Hauses, einem der bekanntesten Trekkingfhrer Italiens, ber die beste Strecke zu unserem Endziel und einem geeigneten Quartier. Es war 13 Uhr, als sich Sonja und ich in den Sattel schwangen und zum letzten Tagesritt dieses Teilabschnittes meiner italienischen Reise aufbrachen.
ber ebene Feld- und Gterwege erreichten wir in gemtlichem Trab bald Abad a Isola, eine gewaltige Klosteranlage am Fu des Monte Maggio. Wir ritten durch das mchtige Tor und besichtigten vom Sattel aus die ausgedehnten Innenhfe und die interessante Architektur dieses alten Bauwerkes.
Auf gepflegten und markierten Forststraen ritten wir zunchst durch einen Pinienwald in stetiger Steigung ca. zwei Stunden in gutem Tempo dahin. Dann allerdings verzweigten sich die Wege in verschiedene Richtungen. Wir sahen uns einer Unzahl von verschlungenen Wanderwegen gegenber, deren Markierungssystem fr uns undurchschaubar war. Unsere 1:100.000 Karte konnte auch nicht helfen, also ritten wir nach Kompass weiter. Zu unserem Missmut mussten wir aber immer wieder umkehren, da es sich offensichtlich um Rundwanderwege handelte. An einer sternfrmigen Wegkreuzung fanden wir eine Waldhtte, deren Besitzer gerade sein Blumengrtlein pflegte. In leichter Verzweiflung fragten wir nach dem richtigen Weg. Daraufhin verschwand er im Haus, kam mit einer lokalen Wanderkarte wieder, erklrte uns die Nummerierung der Strecken und berlie uns zur Sicherheit die Karte. Italien!
Ab nun war die Orientierung etwas leichter. Die Gegend war sehr interessant, denn neben der landschaftlichen Schnheit der Wlder gab es hier Rodungsflchen, in denen verfallene, alte Bauerhfe aus dem Mittelalter standen, die durch befestigte Straen miteinander verbunden waren. Auf diesen war das Weiterkommen gar nicht so einfach, da wir auf diesen absitzen und die Pferde an der Hand fhren mussten. Der Straenbelag war durch die Jahrhunderte in einen Zustand gelangt, der nur ein mhseliges Dahinstolpern erlaubte. Allerdings kamen wir in diesem Teilabschnitt auch an noch bewohnten und bewirtschafteten Hfen, kleinen historischen Wehrklstern und Anlagen, wie Fungaja oder San Colomba vorbei, um die herum sich alte Steinhuser duckten.
In der Zwischenzeit hatten wir zur Kenntnis genommen, das unsere Einschtzung eines lockeren Halbtagsrittes nicht haltbar war. Auch Anita hatte in diesem sehr hgligen und unbersichtlichen Landstrich ohne wirkliche Straen die allergrten Probleme mit Transit und Pferdetransporter, unser geplantes Quartier zu finden. Einmal hatte sie sich ohne Umkehrmglichkeit total festgefahren und war dann doch wieder flottgekommen. Unseren vorgesehenen Stall hatte sie unbesetzt und versperrt vorgefunden. Aber aufgrund unserer Routine und mit gegenseitigem Zuspruch nderten wir unseren Plan.
In der Nhe des bekannten Wallfahrtsklosters Leceto hatte Anita die groe Reitanlage Il Cannucio entdeckt, zu der sie uns dirigierte. Da es inzwischen spter als gedacht war, nderten wir unsere Route und ritten niicht den krzeren und wahrscheinlich schneren Weg ber die hchste Erhebung des Monte Maggio, sondern wir umgingen die Bergkuppe unspektakulr auf einer Sandstrae bis wir auf die Hauptstrae Richtung Siena trafen. Dieser folgten wir ein Stck am Bankett entlang. Dann sahen wir auch schon die riesigen Wiesenkoppeln und Reitanlagen unseres Ausweichquartiers.
An der Einfahrt wartete schon Anita sehnschtig auf uns und glcklich fielen wir uns in die Arme. Auch ohne vorheriges Aviso wurden wir in dem Stall sehr herzlich aufgenommen und unsere Pferde konnten eine schne Nacht auf der Weide verbringen. Nachdem unsere Lieblinge versorgt und gefttert waren, fuhren wir ins nahe Siena, um in einer kleinen stilvollen Taverne, angelehnt an der mchtigen Stadtmauer, unser "letztes Abendmahl" in Italien zu genieen. Dabei berichteten wir uns gegenseitig von den zuletzt erlebten Abenteuern und lieen in Gedanken unsere Reise noch einmal Revue passieren.
Donnerstag, 14. Oktober
Das Ende der Teilreise war gekommen, und als Abschluss wollte ich noch gerne den Mdels Siena, eine meiner Lieblingsstdte, zeigen. Also ftterten wir unsere Pferde und gnnten ihnen noch einen Relaxtag auf der grnen Wiese vor der langen Heimfahrt. Wir fuhren bei herrlichem Wetter noch einmal in die alte und berhmte Festungsstadt, die so lange im historischen Wettstreit mit Florenz gelegen war und auf eine Jahrhunderte alte, auch reiterliche Tradition zurckblicken kann. Wir machten einen Spaziergang durch die engen, manchmal sehr steilen Gassen, besichtigten den berhmten Dom, einige ehrwrdige Palazzi und besorgten die letzten Souvenirs. Dann betraten wir das groe Oval eines der bekanntesten Pltze dieser Welt il Campo.
Nach dem obligaten Rundgang lieen wir uns vor einer historischen Cafeteria zu einem ausgiebigen Frhstck nieder. Ich versuchte meinen Damen eine Vorstellung zu geben, welche Atmosphre an dieser Stelle herrscht, wenn hier zum Palio, einem der ltesten und traditionsreichsten, aber auch zugleich wildesten Pferderennen der Geschichte, die zusehenden Massen, die vorbeirasenden Reiter anfeuern und bejubeln. Und whrend ich so im Schildern dieser Geschehnisse war, keimte in mir der Gedanke, vor dem Weiterritt der nchsten Teilreise nach Rom, eine Schrittrunde mit Scaramouche am Campo zu reiten.
Die Zeit der Rckreise war gekommen. Im Stall wurde der Transporter fr die Pferde freigemacht und alles Gepck und Ausrstung im Transit verstaut. Da die Sandstrae bergab und extrem holprig war, wollten wir den Pferden eine Rttelpartie ersparen, und so fuhr Anita das Gespann bis zu Hauptstrae voraus, whrend wir unsere Burschen an der Hand hinabfhrten. Am Parkplatz wurde dann wieder verladen. Bei Florenz fuhren wir auf die Strada del Sole auf, um dann an einer Raststation im Apennin die erste Pause zu machen. Die Pferde grasten unter Pinien, whrend wir uns labten. Die nchste Pause war dann von 19 bis 20 Uhr in Padova-Est. Wieder wurde ausgeladen und eine groe Wiese diente als Weide.
Nachdem Sonja aus beruflichen Grnden einen Tag frher als geplant zurcksein sollte, mussten wir auf die vorgesehene bernachtung in unserem Etappenstall in Venedig verzichten. So machten wir die letzte Pause um 23 Uhr im Dreilndereck und lieen unseren Pferden schon auf sterreichischem Boden die Fe vertreten, whrend wir unseren Kaffee tranken.
Um 6 Uhr war Pettendorf erreicht und Kohan zu Hause, wenig traf auch Scaramouche in Kogl ein und beide Pferde konnten es sich auf ihren Hausweiden gemtlich machen und ihren Stallkollegen von ihren erstaunlichen Abenteuern berichten. Und wie ich meine Gefhrtinnen kenne, werden auch sie ihre Herzen auf der Zunge tragen und von verwirklichten Trumen erzhlen, vom sonnigen Herbst in der Toskana, der Galoppade am Strand, der Nacht im Schloss, der exzellenten Kche, den herzlichen Menschen und dem unbeschrnkten Reiten auf wunderbaren Wegen in herrlicher Landschaft.
Und ich? Meine Gedanken, auch sie sind bei dem eben Erlebten. Aber noch ist der Traum nicht ausgetrumt, noch ist die Maremma nicht durchritten und noch ist Rom nicht erreicht. Noch bin ich nicht durch den Konstantinbogen zum Kolosseum geritten, noch hat der Hauch der Ewigkeit meine Wange nicht berhrt.
DIE ITALIENISCHE REISE DES ERWIN CHLOUPEK ( XII)
6. TEIL, Siena Rom, 15. April - 1. Mai 2000
aus Western News 5/2002
Rom, ewige Stadt, zu Stein und Marmor gewordene Faszination imperialer Gre und unumschrnkter Macht, Symbol des Despotismus mit blutrnstiger Vergangenheit und doch spterer Kirchenstaat. Heute moderne Millionenstadt und pulsierende Tourismusmetropole und seit vielen Jahren Ziel und Wunschtraum meiner Reiterreisen. Nun war es im Jubilumsjahr 2000 zur Gewissheit geworden, endlich meiner Vision folgen zu knnen und auf dem Rcken meines Pferdes zu diesem Zentrum abendlndischer Kultur reiten zu knnen, um mich dann im Sattel sitzend vom Hauch der groen Vergangenheit, der Ewigkeit umwehen zu lassen.
Bei den Vorbereitungen des Rittes, so Mitte Februar, kristallisierte sich mehr und mehr heraus, dass die Crew des Vorjahres aus unterschiedlichen Grnden an dem geplanten Unternehmen nicht teilnehmen konnte. Aber Erika Zukrigl (Mitreiterin Venedig-Verona-Bologna) konnte an diesem Ritt, diesmal mit eigenem Pferd Diplomat wieder dabeisein. Inzwischen hatten Reiterfreund Johann (Hansi) van Muysen fr den ersten Teil Pascale Khn, eine Freundin von Erika, fr die zweite Hlfte der Reise ihre Teilnahme zugesagt, somit waren wir wieder ein Team und unseren neuen Abenteuern stand nichts mehr im Wege.
Samstag, 15. April
10 Uhr Abfahrt zur A2, beim Rasthaus Zbern erste Rast. 17 Uhr Grenze und zweite Rast, 20 Uhr Ankunft in Venezia/Tessera "Centro Ippico Marco Polo" bei unserem Freund Franco, der sich besonders erfreut zeigte, Erika wiederzusehen. Der Zwischenstopp und die Einstallung in Venedig sind inzwischen zur Routine geworden und Scaramouche ist hier schon fast zu Hause. Auch im Ristorante war unser Tisch schon bestellt, und so konnten wir knapp vor Mitternacht unsere Schlafscke im Bus beziehen und unter sdlichem Himmel wieder einmal von unseren kommenden Taten trumen.
Sonntag, 16. April
Ab 8 Uhr Fttern, Duschen, Frhstcken, Weidegang, 10 Uhr verladen, letzte Umarmung Francos und Aufbruch. Wir verzichteten dieses Mal auf unseren morgendlichen Lagunenritt, denn auf unserer letzten Reise war ausgemacht worden, bevor wir nach Rom weiterreiten, in Siena auf dem Piazza il Campo eine Schrittrunde des Palio (historisches Pferderennen) zu reiten. - Diese Idee war natrlich nicht verworfen worden, daher lautete die Aufgabenstellung, mglichst nahe bei der Stadt einen Stall zu finden. Nach angenehmer Fahrt hatten wir dann um 18 Uhr, nur 5 km vor der Stadt, "La Selva"entdeckt, eine Agriturismo, gelegen auf einem bewaldeten Hgel inmitten eines traumhaften Parks, angeschlossen ein riesiges Vollblutgestt und eine Deckstation mit herrlichen Hengsten. Unsere Pferde bezogen eine groe Rasenkoppel mit schnen Boxen, wir ein gemtliches Appartement in dem alten, stilvollen Herrenhaus. Der Abend sah uns dann in Siena und wir bummelten durch die engen, manchmal sehr steilen und mit glatten Steinplatten ausgelegten Gassen, um den besten Weg fr den morgigen Ritt zu erkunden. ber die Suche vergaen wir natrlich nicht, das einzigartige Flair dieser mittelalterlichen, einstigen Handelsmetropole in uns aufzunehmen und zu genieen. Nach abschlieendem Rundgang um den "Campo", stillten wir noch Hunger und Durst in den Gewlben eines antiken Ristorantes mit Siener Spezialitten, bevor wir um Mitternacht nach La Selva aufbrachen.
Montag, 17. April
Nach der blichen Morgenarbeit und einem guten Frhstck machten wir uns auf den Weg. Hansi auf Diplomat, ich auf meinem Scaramouche, zogen wir an einer kleinen Nebenstrae entlang, die durch die Klosterorte San Martino und San Dalma zum Vorort Petronilla fhrte. Diplomat erwies sich als verkehrssicher, und so gelangten wir ohne grere Probleme bis unmittelbar vor die mchtigen und hohen Stadtmauern von Siena, ritten an diesen entlang zur Zitatelle, der gewaltigen Festung, um dort, vor deren Haupttor, einige Fotos zu schieen. Weiter gings ber die Brcke des groen Grabens, der die Festung von der Innenstadt trennt.
Bald waren wir in den engen und winkeligen Gassen und zwngten uns durch die Touristenstrme in Richtung Campo. Nach einiger Zeit hatten wir ihn erreicht und genossen frs erste den Kick, diesen berhmten Ort vom Pferd aus betrachten zu knnen. Wir schossen vom Sattel aus einige Fotos und waren bald von einer neugierigen Menschenmenge umringt, wurden bestaunt, befragt und von allen Seiten fotografiert. Mit Mhe konnten wir uns lsen und ritten weiter, um dann den Platz zu umrunden. Nachdem wir von dem hoch gelegenen Platz hinter dem Palazzo Pubblico noch die Aussicht auf die schne Umgebung genossen hatten, machten wir uns durch die engen Gassen wieder auf den Rckweg. Unsere Absicht war, zu versuchen, in sdwestlichem Bogen, diesmal durchs Gelnde, nach La Selva zu gelangen. So ritten wir also zunchst auf der relativ steilen und verkehrsreichen Strada Pescaia von der Hhenlage der Stadt zu Tal. Dann durch Vororte ins freie Gelnde und weiter gings hgelauf - hgelab durch Obst- und Weingrten, ber Weideflchen zum Wald von Casciano, ritten durch den herrlichen Pinienhain und erreichten um 15 Uhr unser Gestt. Die Pferde gingen auf die Weide und wir mit Erika ins nahe Tognazza zum Kaffee.
Unser Abendprogramm bestand zuerst aus Kultur, denn wir fuhren zur berhmten mittelalterlichen Burgstadt Monteriggione, die wir bei unserem letzten Ritt nur von der Ferne zu Gesicht bekommen hatten, besichtigten die Sehenswrdigkeiten aus der Kreuzritterzeit, um uns anschlieend in der romantischen Burgtaverne den kulinarischen Kstlichkeiten hinzugeben. Um Mitternacht letztes Controlling der Pferde und dann hinauf in die anheimelnden Gemcher des Herrenhauses, denn Morgen gehts los. - Rom wir kommen!
Dienstag, 18. April
Nach freundlicher Verabschiedung saen Hansi und ich wieder im Sattel, um in sdwestlicher Richtung den nchsten Teilabschnitt der italienischen Reise in Angriff zu nehmen. Nach 8 km waren wir wieder auf der gleichen Route wie im Herbst, folgten dieser weitere 8 km, um uns dann bei unserem Vorjahrsquartier angelangt, scharf nach Sd zu wenden. Nachdem wir zwei Stunden durch bewaldetes Hgelland geritten waren, kamen wir nun in ebenes, freies Gelnde. Piagiaella umritten wir, um dann im Abstand von circa 300m der S73 zu folgen. Wir berquerten den Fiume Arnano und machten dann an der Kreuzung in dem urigen Fernfahrertreff "la Bottega" unsere Mittagspause.
14 Uhr Aufbruch. Auf Gterwegen in sdlicher Richtung, zunchst am kleinen Flugfeld vorbei, dann ein Schwenk nach West ber den Fiume Mulinello, zum bekannten Klosterschloss Stigliano. Der schne alte Ort liegt am Abhang eines stark bergigen, dicht bewaldeten Naturschutzgebietes. Die Markierungen der als Wander-, Rad- und Reitweg ausgewiesenen Route, waren schon sehr verwittert und kaum noch erkennbar. Auch die Streckenfhrung selbst war sehr abenteuerlich, fhrte zum Beispiel ber eine halb verfallene circa 80cm hohe, dicht verwachsene Mauerbresche, deren berwindung uns einiges Kopfzerbrechen bereitete. Durch metertiefe Grben und extreme Steilstcke kmpften wir uns durch dichtestes Unterholz zum Colle Montecchino hinauf. Die Mhen wurden aber belohnt, denn von nun an ritten wir auf feinsandigen Waldstraen bergauf, bergab, durch mrchenhaften Nadelwald.
Nachdem wir mehr als 16 km seit Stigliano zurckgelegt hatten, erreichten wir Pentolina. Auf der Hhe eines Berges gelegen, ist dieses verlassene, malerische Dorf mit allen seinen alten Husern zu einer einzigen groen Hotel- und Ferienanlage restauriert worden. Von hier waren es dann noch 3 km zu unserem Abendquartier, der Argriturismo "la Planai", gelegen an zwei kleinen Seen, inmitten einer riesigen Almwiese, mit herrlichem Ausblick.
Es war 17 Uhr, und wir beschlossen, unsere Pferde noch eine Stunde grasen zu lassen, bevor wir sie in den gerumigen Boxen einstallten. Am Abend fuhren wir in das romantische Rosia, wo wir in der alten Rathaustaverne kulinarisch verwhnt wurden. Die Nacht verbrachten wir neben unseren Pferden im Bus, nicht ohne uns vorher an dem strahlenden Sternenhimmel des Firmaments und der lauen Luft, die uns sanft umstrich, zu erfreuen.
Mittwoch, 19. April
Der Morgen begrte uns mit azurblauem Himmel und hellem Sonnenschein, der Chef der Anlage persnlich bereitete uns ein frstliches Frhstck, welches wir gensslich im rustikalen Salon einnahmen. An diesem Tag war auch Reiterwechsel vorgesehen und damit fr Erika ihr erster Reittag angebrochen. Um 10 Uhr saen wir im Sattel und ritten von der Hhe ins Tal des Fiso Risecco bis zu dessen Einmndung in den Fiume Feccia. Dieser relativ breite Fluss in einem weiten Tal hatte keine Brcke, sondern eine Furt, bei der wir diesen dann auch berquerten. Kurz darauf mussten wir ber die S73 und dann ber die Brcke des Fiume Merse, der hier ebenfalls in den Fiume Feccia mndet. Wir waren immer in sdlicher Richtung in leicht hgeligem und nur zum Teil bewirtschafteten Gelnde unterwegs.
Nun schickten wir uns an, in das nchste dicht bewaldete Bergmassiv einzusteigen. Da wir die weltberhmte gotische Abtei von San Galgano unbedingt besichtigen wollten, versuchten wir der total verwitterten Markierung zu folgen. Genau wie am Vortag ein abenteuerliches Unterfangen. Es erforderte unsere ganze Routine und die Abgebrhtheit unserer Pferde, diese Kriterien zu meistern. Metertiefe Steilufer, sumpfige Gewsser, dichtester Verwuchs und echte Kletterpartien lieen uns zweifeln, ob wir unser Ziel je erreichen knnen. Aber wir lieen nicht locker, und nachdem wir die Hhe erreicht hatten, fanden wir uns auf einem Hochplateau. Vor unseren Augen, inmitten einer riesigen Wiese, die gewaltigen Ruinen des ehemaligen gotischen Domes. Wir fhlten uns wie in einen Robin Hood Film im Zeitsprung ins Mittelalter versetzt.
Nachdem wir uns "ausfotografiert" hatten, setzten wir unsere Reise fort. Genau wie beim Aufstieg war es beim Weiterreiten. Die Markierungen endeten an Steilhngen oder bei eingestrzten Holzbrcken. Umherirrende Wanderer und Mountainbiker bewiesen, dass auch sie die gleichen Probleme mir der Wegmarkierung hatten. Nachdem wir einige Male ohne Erfolg hin und her geritten waren, packten wir die Wanderkarte weg, nahmen unsere topografische 1:100.000 Generalkarte als auch den Kompass zur Hand und ritten von da an, ohne auf Markierungen zu achten, weiter. Und siehe da, es klappte wieder.
Wir furteten in einer verwegenen Aktion den Fiume Merse, erklommen einen Nord-Sd gerichteten kilometerlangen Hhenkamm, ritten auf schnen Waldwegen, um dann einem Bach zu folgen, der uns bei Chiesino wieder zur S73 brachte. Hier trafen wir auf unseren Bus und Hansis Reiseproviant. Nach dieser Pause gingen wir 1 km der Strae entlang, um dann steil zum Flsschen Farma abzusteigen. An diesem ritten wir auf weichen Wegen 8 km in einem stillen Tal und wechselten einige Male die Ufer.
Bei Terra Rossa, einem einsamen total abgeschiedenen, alten frstlichem Gutshof hielten wir an. Von hier begann dann wieder der Aufstieg, diesmal nun zu unserem Etappenziel. Durch dichten Nadelwald fhrte eine schne Sandstrae stetig bergan und nach 5 km hatten wir die Passhhe erreicht. Hier bot sich unseren Augen ein traumhafter Anblick. Auf gleicher Hhe, durch eine Senke getrennt, im rotgoldenen Licht der untergehenden Sonne, auf einem mchtigen Felsen thronend, die historische Burgstadt Roccatederighi, genauso wie man es sich von den Prospekten erwartet. Also, noch schnell einige Fotos und ab zum Etappenziel.
Da es in der Stadt und der Umgebung keine Pferde, daher auch keinen Stall gab, mussten wir improvisieren. Eine groe Wiese zwischen Gartenhusern und einem kleinen Wohnblock unmittelbar vor den Mauern der Stadt wurde uns von den hilfsbereiten Bewohnern angeboten. Gleich darauf war sie eingekoppelt, eine Wasserschlauchleitung wurde installiert und somit das Problem aufs Beste gelst. Nachdem die Pferde versorgt waren, unternahmen wir eine Stadtbesichtigung, gingen durch die engen und ineinander verschachtelten Gassen, Hfe und Huser, ber Stiegen und Treppen bis zur hchsten Zinne hinauf. Der Ausblick war berwltigend. Von dieser Hhe aus konnte man im schwindendem Licht der eben untergegangenen Sonne, den letzten Reflex im Dunst des Meeres am fernen Horizont erkennen, bevor die nun schnell hereinbrechende Nacht uns auf unseren leeren Magen aufmerksam machte. Diesen fllten wir in einem der nettesten und gemtlichsten Lokale, die mir je untergekommen sind. Bevor wir uns in den Bus verzogen, beobachteten wir in aufgerumtester Stimmung unsere Pferde, die in saftigstem Grase stehend, sichtlich mit Genuss die laue Nacht genossen.
Donnerstag, 20. April
Nach Frhstck in einer Trafitek bauten wir den Koppelzaun ab und um 11 Uhr waren Erika und ich wieder im Sattel. Zunchst ritten wir durch die engen Gassen der Burgstadt, um dann auf einer schmalen, abwechselnd Sand- und Asphaltstrae relativ steil in die groe Ebene um Grosseto abzusteigen. Die Landschaft ringsum bestand aus Obst - und Olivengrten, eingestreut dazwischen nette, kleine, vertrumte Ortschaften. An einem alten Pferdebrunnen Baujahr 1806 lieen wir unsere Pferden ihren Durst stillen, denn mittlerweile war es ganz schn warm geworden. 8 km waren wir nun bergab gegangen und hatten bei Fratta Lattia die Ebene erreicht, die sich in einer durchschnittlichen Breite von 6 bis 8 km in sdlicher Richtung zum Meer hin erstreckte. Auf Feld und Gterwegen ritten wir durch groe Obstplantagen am riesigen Gut Palazziana vorbei, bis wir wieder unsere S73 erreicht hatten, die hier am Rande des Monte Leoni Bergstockes entlangfhrte.
Hier trafen wir auf Hans, der uns informierte, einen schnen Stall 3 km vor Bagno Roselle gefunden zu haben. Wir gingen 5 km am Bankett entlang, da zwei Versuche durchs Gelnde zu gehen scheiterten, weil es sich um einen Truppenbungsplatz mit Absperrungen handelte. Dann aber konnten wir die Strae wieder verlassen und ritten auf steilen Sandwegen zum befestigten Bergstdtchen Montepescali hinauf. Am winzigen Stadtplatz, stellten wir die Pferde ab, um eine versptete Mittagspause zu machen. Ich holte aus dem Laden, der auch gleichzeitig Post, Trafik, Bar und Apotheke war, Brtchen und kalte Getrnke, trnkte unsere Pferde, whrend Erika die Pferde hielt.
Auf der anderen Seite beim Tor hinaus und wieder gings auf schner Sandstrae in kontinuierlichem Abstieg durch Pinienwald in Richtung Grosseto hinunter. Nach 6 km trafen wir auf eine schmale Nebenstrae mit breitem Bankett, welches uns noch zu einem "Abschlugalloperl" einlud.
Um 19 Uhr hatten wir dann die Appaloosa-Ranch (Zuchtbetrieb) erreicht und wurden freundlich von der ganzen Familie empfangen. Die Pferde wurden versorgt, gingen zunchst grasen, um dann in groen gemauerten Boxen die Nacht zu verbringen. Wir nutzten den Abend zur kulturellen Erbauung und fuhren ins nahe Grosseto, um dieser schnen, alten Stadt unsere Reverenz zu erweisen. Die vollkommen erhaltenen mchtigen Stadtmauern sowie die grtenteils marmornen Palazzi und prchtigen Kirchen hinterlieen einen anhaltenden Eindruck von der einstigen Bedeutung dieser historischen Stadt im Zentrum der Maremma. Nach abschlieendem Besuch von In-Pizzeria und Citytreff fuhren wir zur Ranch zurck, um uns im Hotel "Ford Transit" in Morpheus Arme zu begeben.
Freitag, 21. April
Der Reiter-/Fahrerwechsel Hansi Pascale war zwar erst fr Samstag vorgesehen, aber nachdem unser Freund schon an diesem Tag nach Hause musste, fuhren wir am frhen Morgen zum Bahnhof von Grosseto, um das Ticket zu besorgen. Nachdem die Abfahrt erst am Abend mglich war, verbrachten wir den Vormittag noch gemeinsam. Nach dem Frhstck fuhren wir zunchst nach Albarese, um uns ber die Durchreitmglichkeit des Maremma Nationalparks zu erkundigen. Dort erfuhren wir, dass dies wegen der Gefahr der Einschleppung von Krankheiten nur mit Pferden des Nationalparks mglich sei, da die halbwild lebenden Pferde- und Rinderherden nicht geimpft werden und daher eine Ansteckung bei Kontakt mit fremden Pferden nicht auszuschlieen sei. Aber man versicherte uns, dass das Gebiet parallel zum Nationalpark landschaftlich genauso schn und einzigartig wre und wir auch dort ursprngliche Natur sowie auch die berhmten halbwild lebenden Bffelrinder antreffen werden. Auerdem bekamen wir die Adresse eines Wanderreitstalles, zu dem wir dann anschlieend hinfuhren, um uns fr den Abend zu avisieren.
Um 12 Uhr waren wir wieder auf der Ranch und machten uns sofort fr den Abritt fertig. Whrend Hansi das Gespann in das Etappenziel Podere San Martino brachte, machten wir uns auf den Weg. Zunchst wieder am Bankett der Strae nach Istia d`Ombrone, wo wir den gleichnamigen Fluss berquerten. Dann zwischen Strae, Fluss und den abfallenden Hgeln in sdstlicher Richtung bis Podere Ponticello. Hier ging es dann im rechten Winkel noch ein Stck bis Podere il Gillese. Wir waren nun gute zwei Stunden im ebenen Gelnde unterwegs, um nun in sdlicher Richtung, wieder in die Berge einzusteigen. Die Sonne schien strahlend vom Himmel, es war auch sehr warm geworden, aber unsere Pferde drften sich schon akklimatisiert haben, denn sie schritten willig aus und wir kamen gut voran. Wir erklommen den Podere gio Bisterne und ritten auf schnen Sandstraen von einem Weingut zum anderen. Am Rande des ausgedehnten, zerklfteten und dicht bewaldeten Bergmassiv des Monte Bottigli verlor sich dann der Weg. Wir versuchten einige Male etwas Gangbares zu finden, da wir aber fr die Etappe nur den halben Tag zur Verfgung hatten, wollten wir nichts riskieren und so gingen wir ins Tal des Rispescia Baches zur Strae hinunter. Diese war kaum befahren und wand sich nach einiger Zeit in vielen Kurven zum Podere gio Osteria hinauf. Nachdem wir die bewaldete Hhe hinter uns gebracht hatten, sahen wir, umgeben von Weinbergen, die am hchsten der Berge gelegene Burgstadt Montiano vor uns. Von der tiefstehenden Sonne purpurn angestrahlt, ein wahrlich schner Anblick und bleibender Eindruck. Kurz vor dem steilen Anstieg zur Stadt wendeten wir uns auf Sandwegen nach rechts und ritten durch Obst und Weingrten zu unserem Abendquartier hinunter.
Antonio Fontani, der Besitzer des netten Privatstalles, erwartete uns bereits und war uns bei der Versorgung der Pferde behilflich, die zuerst auf die Weide kamen und dann in gerumige Holzboxen. Anschlieend bewirtete er uns in der Laube mit kstlichem Eigenbauwein und erzhlte uns, dass er unseren Hansi gut zum Bahnhof nach Grosseto gebracht htte. In einem entzckenden Ristorante im nahen Montiano, mit herrlichem Ausblick auf den sdlichsten Teil der Toskana, verbrachten wir nunmehr zu zweit die restlichen Stunden des Tages. Bei bester Speis und edlem Trank besprachen wir dabei den morgigen Tagesablauf. Da es nicht mglich war, wie geplant durch den Nationalpark zum Meer zu reiten, beschlossen wir fr die Pferde einen Weidestehtag und fr uns einen reitfreien Urlaubstag, aber mit entsprechender Besichtigungstour zu diesen einmaligen Sehenswrdigkeiten. Der Abschluss war wie immer im Bus bei unseren Pferden, und fr diese Nacht hatten wir auch etwas mehr Platz als sonst.
Samstag, 22. April
Der Morgen. Unsere Pferde waren schon auf der Weide, und so konnten wir uns sogleich zu unserer Sightseeingtour aufmachen. Zuerst besichtigten wir die Verwaltungsanlagen des Nationalparks mit Museum, Reitschule und Stallungen in dem weitlufigen, historischen Gebudekomplex. Weiter gings zu den riesigen Weideflchen, wo wir die berhmten Maremmarinder mit ihren gewaltigen Hrnern zu Gesicht bekamen, die hier in groe Herden friedlich grasten. Auch die meist dunkelbraunen oder schwarzen und ziemlich groen Maremmapferde konnten wir im Herdenverband vorbeiziehen sehen. Anschlieend fuhren wir durch naturbelassenen Pinienwald zum Strand. Im herrlichen Sonnenschein spazierten wir noch ein Stck am Strand entlang, bevor wir uns zur alten Hafenstadt Talamone aufmachten.
Weiter gings zur Insel des Monte Argentario, welche durch drei Dmme mit dem Festland verbunden ist. Von Porto Santo Stefano ging die schmale, in die senkrecht ins Meer abfallende Felswand gehauene Strae zum Sdende der Insel. Von da durch Orbetello mit dem grandiosen Barockschloss und Garten zurck zum Festland.
Um 18 Uhr waren wir im Stall eingetroffen, um nach unseren Lieblingen zu schauen. Eine Gruppe von Reitern schickte sich gerade an, den Stall zu einem Abendausritt zu verlassen und wechselte noch schnell einige Begrungsworte mit uns und - irgendwie kamen wir uns bekannt dabei vor. Pltzlich fiel der Groschen! Zwei der Einsteller hatten an der gleichen Europameisterschaft in den Abruzzen 1992 gemeinsam mit mir teilgenommen! Das war ein Hallo und eine Wiedersehensfreude. Erika und ich erhielten von ihnen eine Einladung, nach ihrem Ausritt in den Sommersitz von Massimos Familie und deren Freunde mitzukommen, welcher ganz in der Nhe des Stalles gelegen war, um gemeinsam das Abendessen einzunehmen. Pascale, die inzwischen aus sterreich kommend zu uns gestoen war, wurde sofort in das Geschehen integriert, und so verbachten wir in dem gemtlichen, liebevoll restaurierten und gediegenst eingerichteten Landhaus, einen ganz bezaubernden Abend.
Nach dem hervorragendem Essen gings in den Salon, wo zum Gaudium aller der Hausherr die Videos der EM 92 zeigte, wo man uns Champions von damals in voller Action sehen konnte. Sehr spt fuhren wir zurck zum Stall und begaben uns zur Ruhe, in dem Bewusstsein wieder ein komplettes Team zu sein und fr neue Taten bestens motiviert, dem nchsten Morgen entgegenschlummern zu knnen. Als Novitt hatte ich jetzt auch ein vierbeiniges Mdel in meinem Team, nmlich die weie Schferhndin Diana von Pascale, die ab nun bis zum Ende der Reise an unseren Abenteuern teilnehmen sollte.
Sonntag, 23. April
Ausgiebiges Ostersonntagsfrhstck im Salon des Hauses. Nach sehr herzlicher Verabschiedung waren wir dann um 11 Uhr bereit zum Abritt. Erika stellte Pascal fr den Einstieg in die Reise ihr Pferd zur Verfgung, und so hatte ich fr diesen Tag eine neue Begleiterin an meiner Seite. Wir ritten zunchst auf Feldwegen und schmalen Lokalstraen nach Sden. In schner hgeliger Landschaft ging es zum Teil ber bewirtschaftetes, zum Teil durch naturbelassenes Gebiet mit eingestreuten Waldparzellen dahin. Manches Mal kamen wir an kleinen Bauernhfen vorbei, wo wir fast immer Pferde auf den Weiden sahen.
Und dann kam einer dieser Momente, die sich fr immer in das Gedchtnis einprgen, obwohl sie vollkommen unspektakulr und nur von der einzigartigen Stimmung, dem Flair dieses besonderen Augenblicks bestimmt sind. Wir ritten in der lauen Luft dieses sonnigen Frhlingstages, auf breitem, feinsandigen Weg durch ein kleines Wldchen, kamen ber eine uralte Steinbrcke, der Weg nderte scharf die Richtung, und da lag er mit einem Mal vor uns. Auf einem kegelfrmigen, die Landschaft beherrschenden Hgel, bewachsen mit frischem Grn und berst von tausenden erblhten Wildblumen, ein mchtiger, antiker Gutshof aus der Rmerzeit. Der Weg fhrte nach neuerlicher Wendung kerzengerade zu dem eindrucksvollen Portal, gesumt von einer jahrhundertealten, schier in den Himmel ragenden gewaltigen Zypressenallee. Wir sahen uns nur stumm in die Augen und ritten im Schritt langsam auf dieses Monument zu. Wir fhlten, wie in dieser Symbiose aus Vergangenheit und Gegenwart, hier an diesem besonderen Ort, in der uns umgebenden Einsamkeit, die Zeit stillzustehen schien. Man sprte in diesem geschichtstrchtigen Landstrich noch krperlich die rmische und etruskische ra, den Geist dieses bis heute geheimnisvoll gebliebenen Volkes, von dem man sagt, es entzndete einst das Licht.
Weiter ging es auf den Podre gio Marta zum Flsschen T. Osa und zum Centro San Donato, einer groen Klosteranlage. Hier wendete sich unser Weg nach Osten, bis wir nach einigen Kilometern auf die Strada 323 trafen. Hier mussten wir in sdwestlicher Richtung 1 km am Bankett reiten, wurden aber entschdigt, da entlang der Strae eine Ausgrabungssttte einer etruskischen Siedlung zu sehen war. Hier trafen wir dann auch auf Erika, die inzwischen unseren Transporter ins Abendquartier zum Privatstall San Andrea, einem Freund unseres letzten Quartiergebers, gebracht und dort abgestellt hatte. Weiteres hatte sie recherchiert, dass der Fiume Albegna, ein ziemlich breiter Fluss, der quer zu unserer Richtung floss, nicht wie angenommen eine Brcke, sondern eine sichtlich verfallene Furt hatte. Diese sah wirklich nicht sehr einladend aus, da die groen Bodenplatten zum Teil zerbrochen, zum Teil bereinandergetrmt oder zwischendurch ganz fehlten. Ich sagte den Mdels, sie mgen ein wenig warten, und im Vertrauen auf Scaramouche, begab ich mich vorsichtig, Schritt fr Schritt in die trben Fluten. Dieser stapfte vllig ungerhrt durch den Fluss und bald hatten wir das andere Ufer erreicht. Diplomat wollte zuerst nicht folgen, lie sich dann aber doch dazu berreden. Nach diesem praxisbezogenen Furtungstraining wechselten meine Damen Auto und Pferd, und die letzten 8 km bis zum Abendquartier hatte ich wieder Erika an meiner Seite. Wir konnten im gemtlichen Galopp auf dem Wiesenweg der Dammkrone, den sanften Biegungen des Flusses folgend, 6 km gelst dahinreiten. Dann in scharfer Wendung nach rechts, in sdlicher Richtung zur Strada 74. Nachdem die Strae berquert war, erreichten wir nach 200 m auch schon das etwas rustikale Stallgelnde. Pascale wartete bereits auf uns und Pierro Crocinni, ein Butteri (italienischer, berittener Pferde- und Rinderhirte) und Zchter von Maremmapferden, hatte fr unsere Pferde eine Art Freilaufstall hergerichtet, in dem wir unsere Burschen versorgten und anschlieend gut unterbrachten.
Anschlieend besichtigten wir das bekannte Castello Marsiliana, welches auf einem gewaltigen Felsstock, der aus der umgebenden Hgellandschaft herausragt, erbaut ist. Nach der Abendftterung gings in die rustikale Pizzeria des kleinen Ortes, wo wir nach guter Speis einige Glser des ausgezeichneten Weines tranken. Mde und zufrieden bezogen wir diesmal bereits um 22.30 unseren Bus, in unmittelbarer Nhe neben unseren Pferden, zur letzten Nacht auf toskanischen Boden. Morgen sollten wir die Region Lazio erreichen und damit war Rom schon in greifbare Nhe gerckt.