Andalusien - Ksten und Gebirgstrail

ein Bericht von Brigitte Hammer

aus Western News 4/2001

Stellen Sie sich vor: Sie galoppieren auf einem edlen Andalusierschimmel ber endlose Sandstrnde, dann ber blhende Bergwiesen und durch schattige Korkeichenwlder, genieen Sonnenschein und Wrme, wenn bei uns noch Schnee liegt. Sie werden umsorgt von einem immer gut gelaunten Reisefhrer, der das gesattelte Pferd bereitstellt; vom Busfahrer, der Lunch und alles Ntige nachbringt, Sie abends in ein schnes Hotel fhrt, wo erstklassiges Essen mit Tischwein serviert wird... alles ist bestens organisiert und hundertmal erprobt.

Das alles knnen Sie haben, wenn, ja wenn Sie nicht den "Katastrophenritt" am 11. Mrz 2001 gebucht haben so wie ich.

Da standen wir am ersten Reittag, stramm und voller Erwartungen, alles junge Leute, ein alter Amerikaner und ich. Besorgt musterte mich Calle, der Guide, suchte schon das langsamste Pferd fr die "Oma". Nur das nicht! "Zu Hause reite ich Vollblter!" "Okay, nimm Liviana, den groen Fuchs!" "Die", wunderte sich Frank, "die ist schnell und sie buckelt wild."

Mit Hafer vollgestopft, nach langer Winterpause ausgeruht, zackelten wir eine Weile den Strand entlang. Auch ein freilaufendes Pferd war dabei, als Reserve.

Angenehm fr Westernreiter sind diese spanischen Sttel, man sitzt wie angeklebt, schonend fr die Pferde sind ihre gepolsterten Hackamores.

Calle hob die Hand, alle brausten ab! Nur Liviana ging zunchst mal in die Luft, bevor sie alle berholte.

"She is dangerous, I cannot control her", schimpfte ich. Aber Calle lachte nur, hob bald wieder die Hand zum Galopp. Es gelang mir, Liviana hinter der dicken Kruppe seiner Castania zu halten, "Stopp!" Wir bremsten brav ein, da schoss der alte Amerikaner vor, das freilaufende Pferd folgte. Liviana schoss nach, wobei ich mir an Calles Bein den rechten Bgel abstreifte. In diese Richtung zu zerren, war also nicht ratsam, da uns vom Meer eine steile Bschung trennte. "Nur oben bleiben, wenn du leben willst. Wenn du berleben willst, dann handle, aber bald, denn ber die Asphaltstrae dort vorne kommen wir nicht ohne Sturz!" Mit beiden Hnden zog ich mit aller Kraft am rechten Zgel, widerwillig schwenkte Liviana vom Weg ab in die steinige Wildnis, wurde langsamer, stand!

Nun ritt Calle den verrckten Fuchs, ich seine Castania. An ihr war, auer dem stndigen Zackeln, nichts auszusetzen.

Am zweiten Tag bogen wir landeinwrts ab. Die Woche vorher hatte der Ritt wegen der starken Regenflle seit Jahrzehnten und wegen Hochwassers abgebrochen werden mssen. Die Pferde sanken in die sumpfigen Lehmbden der meist unbefestigten Wege tief ein. Vor uns lag eine Stierweide: "Stay together, dont talk and stick on to your horse. Black bulls are dangerous.", instruierte uns Calle.

Es wurde Abend, der Weg immer sumpfiger. Dann lag ein Graben vor uns. Liviana sackte pltzlich ab und steckte in dem zhen Schlamm. Nun lag dieses so nervige Pferd apathisch da und lie sich stundenlang am Halfter zerren. Wir konnten sie nicht befreien, mussten zurck ber die Stierweiden, dann im Stockdunklen durch einen sumpfigen Canyon.

Calle hatte schon per Handy einen Traktor organisiert und eilte zurck.

Am nchsten Morgen, gerade als wir mit dem Bus bei den Pferden eintrafen, marschierte er mit Liviana ein, beide waren vllig schlammverkrustet und erschpft.

Ein Bagger hatte die ganze Nacht gearbeitet, eine Rinne gegraben, um Traktor und Pferd befreien knnen.

Wir beschlossen, auf der Strae zu bleiben. In Spanien ist es blich, links zu gehen. Das ist gefhrlich, denn entgegen kommende Fahrzeuge geben Gas, statt hinten zu bleiben. Eine Bergkuppe! Ein LKW! Der Lenker sah Gegenverkehr, schwenkte nach rechts. Ein Reiter hngte sich in die Zgel anstatt das Pferd in den Straengraben ausweichen zu lassen. Ein Schrei! Der arme Schimmel kniete am Boden, Blut spritzte, eine Arterie war gerissen. Zufllig war der Pferdetransporter, der Liviana abgeholt hatte, noch nicht weit. Der Schimmel konnte schnell verladen und versorgt werden: Hufbeinriss. Im heimatlichen Stall haben wir ihn am letzten Tag wieder gesehen. Er stand, ordentlich verbunden, in einer sauberen Box. Ein Jahr Zwangspause, meinte der Pfleger.

"Alle guten Dinge sind drei", dachte ich, auch am nchsten Tag gab es Aufregung. Lillis Pferd kippte im Schlamm zur Seite, dabei brach sie sich eine Rippe.

Die letzten beiden Tage ritten wir Gterwege. Dort trifft man noch Mulikarawanen. Sie schleppen Korkeichenrinde ins Tal.

Der Wind hatte sich gelegt, es war warm geworden. Das Picknick wurde auf einem groen Stein serviert, mit herrlichem Blick auf die weien Drfer Andalusiens. Da schrillte Calles Handy: LKW- und Busfahrer wollten wissen, wann sie uns im Tal erwarten sollten. Leider bald!

Calle dachte schon an seine nchste Tour. "Will you come with me to the swamps of the Guadalquivir?" "Natrlich! Wenn die Smpfe dort nicht zu tief und Liviana nicht dabei ist, gerne!" Es war ehrlich gemeint.