Serie: Wanderreiten
Von Iris Muhm

Training von Wanderreitpferden

ber das richtige Training von Wanderreit- und Distanzpferden sind schon ganze Bcher geschrieben worden. Viele Teile daraus sind sehr ntzlich, andere sind einfach nicht anwendbar, denn wer trabt schon in einem stark hgeligen Heimatgelnde 30 Minuten lang bergauf, bergab. Dennoch ist das Training des Pferdes vor jedem Wanderritt wirklich notwendig. Mehr als die Hlfte der Pferde sind schon nach Ein- bis Dreitagesritten mit Satteldruck, Lahmheiten und Erschpfung auer Gefecht gesetzt.

Das Konditionstraining
Die meisten Wanderritte finden in der warmen Jahreszeit statt, also hufig zwischen Mai und Oktober. Obwohl natrlich auch im Winter Ausritte ihren Reiz haben und von passionierten Gelndereitern praktiziert werden, sind diese Ritte aufgrund der Klte dennoch meist wesentlich krzer und auch langsamer. Auch hat ein berufsttiger Mensch meist gar nicht die Chance, im Winter jeden Tag nach der Arbeit ausreiten zu gehen, da er ja dann immer im Dunkeln reiten msste. Wer also im Sommer z.B. einen Sechstagesritt plant, sollte mindestens zwei Monate vorher mit dem Training beginnen.
Das Tempo und auch die Dauer der Ritte steigern sich mit wachsender Kondition, sodass man nach acht Wochen einen Ritt von vier bis sechs Stunden als Test einlegen kann. Zur optimalen Bildung der Muskulatur, auch im Rcken, eignen sich besonders gut Hnge, die man am besten im Schritt bergauf reitet. Fr Herz- und Lungentraining ist die Gangart Trab im leicht hgeligen Gelnde bestens geeignet. Je schneller die Atmung und der Puls sich beruhigen, desto besser ist die Kondition. Dazu eine kleine Erklrung:
PAT-Werte bedeutet
P-uls
A-tmung
T-emperatur
Der Ruhepuls eines Pferde betrgt ca. 30-50 Schlge pro Minute. Man kann den Puls an der Unterseite der Ganaschen oder der Schweifrbe messen (leichter Druck mit den Fingern). Die Ruheatmung eines gesunden Pferdes ist ca. 4-24 Atemzge pro Minute. Man misst diese an den Nstern oder der Flanke. Die Temperatur liegt bei ca. bei 37,5 bis 38,5 Grad Celsius. Man misst sie am besten mit einem nicht quecksilberhaltigen Fieberthermometer im After.
Bei einem gut konditionierten Pferd, das nicht berfordert wird, betrgt der Belastungspuls zwischen 70 und 75 Schlgen pro Minute, fllt aber nach 10 Minuten auf ca. 50 ab.
Jedes Pferd hat seine persnlichen PAT-Werte. Vor dem Training ist es somit ideal, die Werte an verschiedenen Tagen zu berprfen und festzuhalten, da sonst die Belastungswerte nicht objektiv sind.

Das psychische Training
Fr jeden Gelndereiter sollte dies eine Selbstverstndlichkeit sein, ist es aber nicht immer. Trifft man Wanderreiter, kann man oft das eigenartigste Fehlverhalten der Pferde feststellen. Z.B. lassen sich die Pferde nicht anbinden, stehen bei einer Pause nicht still und schon gar nicht beim Aufsitzen, lassen sich nicht stressfrei fhren und sind im Straenverkehr eine Zumutung. (Fast) alles lsst sich trainieren, natrlich bedarf dies einiger Zeit und zum Teil auch Kreativitt. (Aber was sollte man denn sonst den langen Winter ber tun, als sein Pferd an Regenschirm, Absperrband und Co. zu gewhnen?) Auch mag es sinnvoll erscheinen, dem Pferd vor dem Wanderritt schon einmal eine Wasserfurt oder eine Brcke gezeigt zu haben. Auch ein Pferdeanhnger gehrt in dieses Kapitel. Fr ein gutes Wanderreitpferd sicher kein Thema - oder?

Das Rittigkeitstraining
Ich kenne Leute, die behaupten, mit einem Wanderreitpferd knne man sonst nichts machen - falsch!
Ein echtes Wanderreitpferd zeichnet sich durch Leichtrittigkeit aus. Praktisch ist ein Pferd, das in allen Gangarten einhndig geritten werden kann und dabei nicht mit perfekter John Wayne-Auenstellung herumgezogen wird. Auch wenn es nicht unbedingt die Winchester ist oder das Lasso, das in der freien Hand seinen Platz findet, so ist es vielleicht eine Wanderreitkarte. Ein paar Schritte rckwrts und auch seitwrts sind jedem Pferd beizubringen. So kann man ein Gatter vom Sattel aus passieren. Wer sein Pferd durch einen Turniertrail schicken kann, hat auch beim Gelndereiten seine Freude. Auch Handpferdreiten kann den grauen Trainingsalltag bereichern - und ist bei verletzten Reitern unumgnglich.
Ich reite mein Pferd hufig am Zirkel in allen Gangarten. Je besser die Gymnastizierung, desto kleiner kann der Zirkel werden. Mit Hilfe von Pylonen oder Hindernisstndern lassen sich Schlagenlinien und Slalom in allen Variationen reiten. Mit Stangen kann man gerades Rckwrts- und Seitwrtstreten ben.
Fr Reiter, die das gewisse Etwas suchen, empfehlen sich Seitengnge wie Schulterherein und Travers. Ein so geschultes Pferd lsst sich im Gelnde mit wenig Schenkeldruck bestens lenken. Gute Wanderreitpferde sind somit sicher fr alles zu gebrauchen!
Im 3. Teil werden verschiedene Sttel und ihre Brauchbarkeit zum Wanderreiten beschrieben.