Hallo, Trailreiter!
Anfang Mai habe ich meine Frau Milena 10 Tage lang in Kalifornien begleitet, wo sie mit ihrer neuen jungen Trailstute die ersten beiden Turniere in den USA bestritten hat. Es waren zwei kleine AQHA Provinzturniere in Kalifornien, das eine in Paso Robles, das andere in Lancaster. Die beiden Turniere konnten jedoch je Turnier ca. 300 Pferde in allen Disziplinen vorweisen. Diese Turniere haben uns gezeigt, wie erstens eine perfekte Organisation funktioniert, und zweitens, wie man sch�ne und anspruchsvolle Trails bauen und reiten kann. Und das ist der eigentliche Anlass, warum ich diese Zeilen schreibe.
Wir haben in �sterreich im Jahr ca. 30 Turniere und unz�hlige Reitertreffen. Von diesen 30 Turnieren sind 4 bis 5 AQHA-Turniere, wo man annehmen w�rde, dass hier die anspruchvollsten Trails aufgebaut und geritten werden. Nun ist es aber leider so, dass das Trail-Niveau in �sterreich auf dem Stand der 70er-Jahre (als man mit der amerikanischen Reitweise in �sterreich begonnen hat) stehen geblieben ist. In anderen Disziplinen, wie z.B. Reining, haben sich die Reiter entwickelt, nur leider nicht im Trail. Warum eigentlich nicht?
Nun, es gibt daf�r mehrere Gr�nde. Einer davon ist die Tatsache, dass es in �sterreich keine Trailtrainer (bis auf etwa f�nf, die man wirklich als Trailtrainer bezeichnen kann) gibt. Jeder sogenannte Trainer versucht sich in der Reining mit mehr oder weniger guten Resultaten, f�r Trail haben diese Leute nur ein m�des L�cheln bzw. Aussagen parat, wie z.B. "Trail muss man nicht trainieren, Trail reiten wir so nebenbei." (Selbst geh�rt!!!) Dadurch wird Trail in den meisten Reitst�llen nur auf dem Zertifikatniveau (spricht Tor, Br�cke, R�ckw�rtsrichten im L) trainiert.
Der zweite Grund sind dann nat�rlich die Turnierveranstalter, denn die trauen sich nicht einen anspruchvollen Trail aufzubauen mit der Begr�ndung, dass das sowieso keiner bew�ltigen k�nne. Oder es gibt �sterreichische Traildesigner, die �berhaupt kein Bezug zum Trail und dadurch auch keine Ahnung vom Trail haben. Bei solchen uninteressanten Trails entscheidet dann (wenn alle Teilnehmer diesen fehlerfrei absolviert haben) �ber den Sieg die sogenannte Manier, unter der jeder Richter etwas anderes versteht. (Dem einem gef�llt vielleicht ein Pferd besser, dem anderem Richter vielleicht die Bekleidung des Reiters.) Und das sollte es im Trail auf gar kein Fall geben, denn hier ist ein klares Beurteilungssystem von der AQHA definiert. Dieses System kann jedoch nur dann richtig funktionieren, wenn es anspruchsvolle Trails gibt. Der Richter selbst hat hier einfachere Arbeit.
F�r uns stellt sich die Frage, wie k�nnen wir Trailreiter diesen Miss-Stand bereinigen? Wir haben dieses Thema auch schon beim letzten AQHA-Turnier in Wilhelmsburg gemeinsam mit Peter Eichberger, der selbst ein begeisterter Trailreiter und gleichzeitig auch der Reitersprecher ist, besprochen. Auch er ist der Meinung, dass der Impuls von uns Trailreitern kommen muss, denn von den Veranstaltern oder sonstigen Vereinsverantwortlichen k�nnen wir hier nichts erwarten.
Deshalb m�chten wir die Erfahrungen, die wir in Kalifornien gemacht haben, als Impuls bzw. berechtigte Forderung zum Thema Trail einbringen.
1/ Der Trailcourse muss mindestens 8-10 Hindernisse beinhalten. Au�er den Pflichthindernissen (wie Tor, Br�cke) muss er Schrittkombinationen, Trabkombinationen, R�ckw�rtsrichten, Links- und Rechtsgalopp �ber Stangen, Seitw�rtsrichten, Drehung in der Box vorweisen. Zus�tzlich, um die Attraktivit�t zu steigern, kann man auch eine Wasserwanne bzw. eine zweite Br�cke einbauen.
2/ Der Trailcourse muss von einem sachkundigen Traildesigner (das ist in den USA ein Beruf) fehlerfrei und vor allem klar interpretierbar gezeichnet sein. Die Trailcourse-Mannschaft muss diesen auch entsprechend richtig aufbauen k�nnen. Vor allem die Abst�nde zwischen den einzelnen Stangenkombinationen m�ssen genau den Regeln der AQHA entsprechen. Wir haben zwar in �sterreich keine professionellen Traildesigner, aber es gibt genug Leute (und hier vor allem die echten Trailreiter selbst), die Kenntnisse, Erfahrung und Bereitschaft f�r Traildesign mitbringen und diese auch f�r die Veranstalter zeichnen k�nnen. Es werden vielleicht einige sagen: "Na ja, wenn das ein Trailreiter zeichnet, kann er das vorher auch �ben und daraus ein Vorteil haben." Klar kann man solche Trails �ben, aber das kann auch jeder f�r sich zu Hause machen. Ein echter Trailreiter trainiert zu Hause sowieso alle m�glichen Hindernisse und Kombinationen. Nur die, die meinen, dass ein Trail so nebenbei geritten wird, k�nnen solche �u�erungen von sich geben und haben dann im Bewerb Probleme, den Trail zu bew�ltigen. �brigens, wir haben genug Trailbeispiele mit unterschiedlichsten Hindernissen, die wir auch, wenn Interesse besteht, zur Verf�gung stellen k�nnen.
3/ Der Traildesigner zeichnet den Trail nach seinen Erfahrungen bei Turnieren so, dass dieser zwischen den einzelnen Klassen mit wenigen Handgriffen (ein Paar Stangen weg- oder dazugeben oder erh�hen, jedoch immer so, das der Grundcourse erhalten bleibt) umzubauen ist, und der Umbau nicht l�nger als 5 Minuten dauert. Die Trails sind auch so aufgebaut, dass der Durchlauf pro Reiter (inklusive ein- und ausreiten) nicht l�nger als ca. 4 Minuten dauert. Die Trailzeichnung muss sowohl f�r die Trailmannschaft, als auch vor allem f�r die Reiter (und Richter) klar gezeichnet und beschrieben sein. Der Beginn und das Ende eines Trails muss immer an der selben Seite der Arena sein, um unn�tige Verz�gerungen zu vermeiden. Die Trails m�ssen auch so gezeichnet sein, dass man diese einmal von links nach rechts, und das zweite Mal von rechts nach links durchreiten kann. Dadurch wird ein Umbau zwischen zwei Klassen vermieden.
4/ F�r solche anspruchsvollen Trails (und diese wollen wir reiten) muss der Veranstalter mindestens 80 Stangen zur Verf�gung stellen. Davon sollten ca. 50 Stangen die L�nge von 2 Metern, und ca. 30 Stangen die L�nge von 3 Metern haben. Genauso muss es f�r erh�hte Stangen (sollten in jedem Seniortrail vorkommen!!!) Holzst�tzen, die der vorgeschriebenen H�he entsprechen, geben. Die Br�cken m�ssen flach sein, damit man unterschiedliche Varianten zeichnen kann (z.B. von der Seite auf die Br�cke hinaufsteigen und danach die Br�cke der L�nge nach �berschreiten). Das ist eine einmalige Investition, die sich jedoch - auf mehrere Jahre umgelegt - sicher f�r jeden Veranstalter rechnet.
5/ Der Ringsteward muss genau die aufgelegten Trails von den Abst�nden her kontrollieren. Nach jedem Verschieben der Stangen im Hindernis muss rechtzeitig (das kann auch schon passieren, w�hrend der Reiter den Trailcourse zur Ende reitet) das Hindernis wieder gerichtet werden.
6/ Trail Warm Up: Bei allen Turnieren in den USA wird immer ein Trail Warm Up durchgef�hrt. Hier wird immer der schwierigste Trail des Tages aufgelegt. In der Zeit vor dem ersten Trail (ca. zwischen 7 � 9h) kann jeder den Trail ausprobieren, alle Hindernisse durchreiten und �ben. Der Grund f�r das Trail Warm Up ist klar: Kein Traildesigner will irgend welche Fallen f�r die Reiter aufstellen, was auch laut Reglement verboten ist. In dem Trail Warm Up werden die Reiter vom Ringsteward in Gruppen zu max. 4 Reitern f�r etwa 5 Minuten hineingelassen. Das kann sich jedoch (je nach Starteranzahl) in der reservierten Zeit mehrmals wiederholen. Danach wird der Trailcourse zurechtger�ckt, der erste Trailbewerb kann beginnen. Der Trail wird immer in einer separaten Arena, d.h. parallel zu anderen Bewerben ausgetragen. Und das kann man auch in �sterreich ohne Probleme durchf�hren, den jeder Veranstalter hat mehrere Pl�tze zur Verf�gung. F�r einen anspruchsvollen Trail braucht man auch nicht mehr als max. 20x30 Meter Platz. Au�erdem ist Trail (leider) f�r Zuschauer nicht so interessant, dass dieser immer in der Hauptarena ausgetragen werden muss.
7/ Die Richter � Der Richterberuf ist sicher nicht leicht, aber auch wir Reiter wollen exakt und den Regeln entsprechend gerichtet werden. Deshalb kann es nicht sein, dass der Richter beim Trail irgendwo in der Ecke sitzt, von wo er der gesamten Trail �berhaupt nicht �berblicken kann. Bei weiter entfernten Hindernissen dann auch nicht sehen kann, ob ein Pferd geklopft hat oder nicht. Daher verlangen wir von den Richtern, dass diese sich mit dem Reiter (wenn es notwendig ist) durch den Trail bewegen, damit es hier nachtr�glich keine Streitereien und Diskussionen gibt. Genauso ist seitens der Richter darauf zu achten, dass der Trailcourse so durchritten wird, wie er gezeichnet war (d.h. wenn dort ein Marker steht und die Reitlinie links vorbei geht, dann muss ein Reiter, der rechts vorbeireitet, 5 Punkte Penalty bekommen), denn dieser Misstand kommt immer wieder vor.
8/ Klassen, die den selben Trailcourse haben, k�nnen auch gemeinsam ausgetragen werden (d.h. geritten werden) mit anschlie�ender getrennter Siegerehrung. Das spart dem Veranstalter Zeit. Der Richter hat sowieso die entsprechende Startliste zur Hand, damit er wei�, wer in welcher Klasse startet. Bei AQHA Shows k�nnte man durch diese Zeitersparnis an beiden Tagen jeweils alle Trails austragen, so dass der Reiter mehr M�glichkeiten zum Trailreiten hat. Da bei uns sowieso immer double pointed Shows (also mit zwei Richtern) ausgetragen werden, k�nnte der eine Richter am ersten Tag die Trails richten, und der andere am zweiten Tag. Man bekommt pro Ritt zwar nur die einfache Punkteanzahl, aber daf�r kann man einen "verhauten" Ritt am n�chsten Tag vielleicht besser reiten und die Chance nochmals wahrnehmen. Dadurch werden auch mehr Trailreiter zu solchen Turnieren kommen, der Bewerb wird aufgewertet. Parallel dazu kann man in der anderen Arena z.B. Pleasure oder Horsmanship austragen (und dadurch wieder Zeit sparen), es muss nur das Turniermanagement richtig funktionieren.
Als Beilage zu diesen Ideen und Forderungen lege ich drei Trailzeichnungen vom Turnier in Paso Robles bei, die an einem Tag geritten wurden. Wie man sieht, kann man mit diesen drei Trails insgesamt acht Klassen bestreiten, und das ohne Zeitverlust durch unn�tigen und komplizierten Umbau.
Also wer diese Forderungen unterst�tzen, und auch mehr Spa� beim Trailreiten haben m�chte, kann uns oder Peter Eichberger kontaktieren. Wenn sich genug Interessenten finden, sind wir auch bereit, im Sp�tsommer oder Herbst einen "Trailday" zu veranstalten (wo, das wird noch bestimmt), damit jeder Trailreiter in �sterreich auch die Gelegenheit bekommt, einen anspruchsvollen Trail zu reiten. Wir sind nat�rlich auch an Vorschl�gen und Anregungen von anderen Reitern interessiert und w�rden diese auch in gemeinsamen Runden gerne besprechen.
Also viel Spa� beim Trail!
Peter Kalat, A. Baumgartner-Str. 44/C8/1205, 1230 Wien, e-mail: peter.kalat@henkel.at
Artikel Western News 4/2001