Tipps f�r Turnierreiter
von Sylvia Katschker
Trail - neues Richtsystem
siehe auch: Trail in Bildern
Bewertung und Penalties:
Bei dem neuen System werden die Gangarten und die Fehler zwischen den
einzelnen Hindernissen nicht mehr extra am Schluss verst�rkt bewertet,
sondern sie z�hlen zu diesen. Jede Gangartunterbrechung f�hrt zu Penalties
und kann auch zu einer schlechteren Man�verbewertung f�hren.
Penalties: Break of Gait im Schritt oder im Trab bis zu zwei Schritten (= 4 Tritte oder 2x alle 4 Beine) bedeuten einen Penalty 1, �ber 2 Schritte ergibt das bereits einen Penalty 3! Ein Penalty 3 wirkt sich in der Endbewertung schon recht ernsthaft aus! Allerdings ist dieses neue System mit Vorsicht zu genie�en, denn f�r ein ganz schlimmes Break of Gait kann es z.B. auch einen Penalty 4 geben, der eigentlich nicht auf dem Score Sheet in der Beschreibung aufgelistet ist, das ist eher eine Eigeninterpretation des Richters. Noch haben sich nicht alle Richter auf dieses neue Richtsystem umgestellt. Unbedingt erforderlich ist aber ein Schreiber, denn Fehler passieren gerade im Trail sehr schnell und oft schnell mehrmals hintereinander. Das System h�lt jeden Fehler in der Penalty-Bewertung fest und ist daher von den Teilnehmern leichter nachzuvollziehen als das alte Richtsystem. Im Moment l�sst es sich aber noch nicht 1:1 auf das Reining-Richtsystem �bertragen. Denn dieses ist bei der Reining 100 % klar, w�hrend im Trail noch ein bisschen Eigeninterpretation �blich ist. Vor allem Penalty 3, Penalty 5 und Penalty 5 plus werden noch nicht einheitlich angewendet. Wahrscheinlich wird es in n�chster Zukunft genauso gut funktionieren wie in Reiningklassen.
Die
Schwierigkeit besteht darin, dass nicht nur ein Break of Gait oder ein Out of
Lead auftreten, sondern auch noch gleichzeitig das Pferd auf Stangen tritt
oder �hnliches passiert. Wenn das Pferd vielleicht auch noch dabei ein
bisschen �ber einzelne Stangen dahinstolpert, wird es nat�rlich f�r den
Richter/Schreiber sehr stressig!
Es war bisher sehr unterschiedlich, ab wann ein Richter im alten System ein
Pferd mit der schlechtesten Note (meistens war das 10) bestraft und ob er
diesen Teilnehmer noch hinter alle zur�ckreiht, die die Hindernisse
ordnungsgem�� absolviert haben. Manche haben es getan, manche nicht! Daraus
resultieren meiner Meinung nach die jetzigen Probleme: Es war fr�her eben
nicht einheitlich, jetzt gibt es mit dem neuen System eine Kurskorrektur!
Allerdings sollten der Sieger und die besser Platzierten sowieso m�glichst
kein Penalty 3 oder 5 verursacht haben, und bei denen, die schweren Penalties
verursachen, geht es meistens um die hinteren Pl�tze. Trotzdem ist es
verst�ndlich, dass gerade ein Amateur sich �ber jede bessere Platzierung
freut und es f�r ihn nat�rlich schon einen Unterschied macht, ob da ein
Penalty 5 oder sogar einen Penalty 5 plus auf dem Score Sheet auftaucht.
Penalty
5 plus betreffen haupts�chlich die fr�heren 10er-Situationen. Dabei
wurde meist zur�ckgereiht (auch "dirty circles" genannt). Der Score
wurde mit einem Kreis umgeben, damit der Richter bei der Platzierung nicht
darauf vergisst, diese auf den letzten Platz zu reihen. Diese Penalties sind
teilweise auch im Regelbuch zu finden ("f�r diese Hindernisse gibt es no
score..."), galoppiert z.B. jemand im Rechtsgalopp statt im Linksgalopp
�ber Stangen. Man dreht in einem Stangenquadrat nach rechts statt nach links,
man beginnt bei einem Slalom durch Marker auf der falschen Seite. Es gelingt
dem Reiter nicht, ein Hindernis vollst�ndig zu bew�ltigen: Er kann das Tor
nicht schlie�en, er kommt nicht vollst�ndig durch ein L, das Pferd tritt von
der Br�cke herunter usw.
Was nun auf dem Scoresheet steht, ist momentan wie gesagt, ein bisschen
unterschiedlich! Wichtig ist, dass so eine Situation sich auf ihm festgehalten
wird und zwar mit gewaltigen Strafpunkten! Alles andere wird die Zukunft
bringen...
Gangarten:
Gew�nscht werden im Grunde die Gangarten eines Pleasurepferdes. Alle drei
Gangarten sollten korrekt sein, die �berg�nge weich und geschmeidig. Die
Optik spielt dabei schon eine gewisse Rolle: Wenn ein Ritt von au�en
betrachtet auch nett f�r das Auge aussieht, kommt der Reiter n�her in eine
Plus-Situation (vorausgesetzt das Hindernis wird auch korrekt gearbeitet). Die
Gangart wird in das n�chste Hindernis eingerechnet (zumindest Fehler wie
Break of Gait...).
Ein dahinst�rmendes Pferd wirkt unkontrolliert und wird daher kaum f�r eine
Bewertung 0 oder +1/2 in Frage kommen. Das hei�t nun nicht, dass die Pferde
"dahinschleichen" m�ssen, aber kontrolliert soll es aussehen, auch
weich und geschmeidig. Das kann nicht nur ein Quarter Horse, sondern auch
jedes gut ausgebildete Pferd (sei es ein Noriker oder ein Pony) kann eine
tadellose Leistung erbringen.
Das Schlagwort hei�t "Versammlung". Nicht weil jemand mit reinen
Z�gelhilfen das Pferd zu bremsen versucht. - Genau das wollen wir in keiner
Disziplin sehen. Wir m�chten ein Pferd haben, dass seine Hinterhand ben�tzt
und seinen R�cken gebraucht. So sollte sich auch das Ideal-Pleasurepferd
bewegen. Dieses sollte auch den Schub von der Hinterhand entwickeln und mit
rundem R�cken vorw�rtsgehen. Dass es so sein soll, aber nicht so ist, wissen
Reiter und Richter. Viele Pleasurepferde haben keine korrekten G�nge mehr und
den Takt verloren, auch ziehen sie sich �ber die Vorderbeine vorw�rts - ein
Jammerbild! Es gibt sie jedoch noch, es gibt sehr gute Pleasurepferde, die
Taktreinheit aufweisen und korrekte G�nge - und nur diese sind als Vorbild
gemeint.
Stil/Sitz:
Je besser ein Reiter seinen K�rper zur Hilfengebung verwenden kann, umso
unsichtbarer werden nach au�en seine Hilfen. Daher ist auch hier ein guter
Sitz im Sinne eines Horsemanship-Sitzes zu empfehlen.
Wann sieht etwas gut aus? Wenn ein neutraler Beobachter das Gef�hl von
"schaut ganz gut aus" hat, dann n�hert sich die Bewertung in jeder
Disziplin in Richtung +1/2, hingegen ein "das sieht super aus" in
Richtung +1 geht und ein " das rei�t mich vom Sessel, das geht nicht
besser" in Richtung +11/2. Vielleicht ist den Teilnehmern mit diesen sehr
einfachen Aussagen geholfen, die Unterscheidung zwischen einzelnen Bewertungen
zu verstehen. Ein "das sieht nett aus" steht f�r eine 0, ein
korrektes Man�ver.
Ein schlechter Sitz sieht nun einmal optisch nicht gut aus. Ein Reiter, den es
im Sattel durchsch�ttelt oder der verkrampft wirkt, wird ziemlich
Schwierigkeiten haben, in eine Plus-Situation zu kommen. Denn das sieht nicht
einmal mehr "nett" aus. Objektiv gesehen mag das falsch erscheinen,
aber es soll nach au�en einfach auch gut wirken; keine �berfl�ssigen
Bewegungen, totale Harmonie zwischen Reiter und Pferd, eine gewisse
Leichtigkeit bei der Ausf�hrung schwieriger Aufgaben. Au�erdem lassen sich
schwierige Anforderungen wie fliegende Galoppwechsel, Galoppstangen in
gr��erer Anzahl und auf gebogenen Linien und andere schwierige Man�ver ohne
einen unabh�ngigen und damit auch attraktiven Sitz nicht leicht bew�ltigen.
Ein schlechter Sitz l�sst sich auch am Ausdruck des Pferdes feststellen.
Reiter, die ihren Pferden ins Kreuz fallen, werden bei diesen Verspannungen
ausl�sen und einen ungl�cklichen Ausdruck hervorrufen. Das �u�ert sich in
angelegten Ohren, steifen G�ngen, peitschendem Schweif etc.
Die Richter ber�cksichtigen auch das - und zwar in allen Disziplinen. Es ist
eine Gratwanderung, denn offen gesagt wird das sehr selten! Ein ungl�ckliches
Pferd wird einfach nicht so hoch bewertet!
Auch ein guter Reiter mit einem gut gehenden Pferd mit solchen Anzeichen
sollte nicht gewinnen. Denn das Pferd soll im Training nicht so �berfordert
und gebrochen werden, dass es zwar hervorragende Leistungen zeigt, aber nur
mehr die Ohren anlegt und vielleicht noch das Maul ohne Z�geleinwirkung
aufsperrt. Aber von irgendwo kommt das her: Seien es nun scharfe
Trainingsgebisse oder stundenlanges sinnloses Abreiten (sinnvoll nur, weil die
Pferde sich danach nicht mehr wehren k�nnen und am durchh�ngenden Z�gel
geshowt werden...).
Regulierend greifen dabei die Richter ein. Sie k�nnen weder Unrecht dem Pferd
gegen�ber noch einen schlechten Sitz gutmachen, sie k�nnen aber diese Reiter
weiter hinten platzieren. Und das wird gemacht (in AQHA, NRHA...)!
Das ist ein ganz heikles Thema und vielleicht wird es mir auch �rger
einbringen, offen dar�ber zu schreiben. Es sollte auch ein Hinweis f�r
Trainer sein, dass Richter "happy horses" sehen wollen, es geht
vielleicht doch gewaltloser im Training, oder?
Ein guter Sitz
vervollst�ndigt optisch ein sich gut bewegendes Pferd. Dieses sollte willig
arbeiten und z.B. gerade bei Stangen ein gewisses Ma� an selbst�ndigem
Arbeiten mitbringen. Es sollte nicht gegen das Gebiss gehen, aber auch keinen
eingesch�chterten Eindruck vermitteln (z.B. Kinn an der Brust). Die
Hindernisse sollen ruhig �berwunden werden ohne jeden hektischen Eindruck,
das Pferd soll auf die Kommandos des Reiters warten. Ohne Angst �berwindet
das Pferd die Hindernisse, ohne dabei einen abgestumpften Eindruck zu
vermitteln.
Gesucht sind Pferde, welche die Hindernisse ansehen und nicht einfach nur
dr�bergehen. Daher wird eine gewisse Aufmerksamkeit vom Pferd verlangt,
gegen�ber den Hindernissen und dem Reiter.
Upload: 29.11.2000