Turniertipps - Sylvia Katschker
PLEASURE - ein Gl�cksspiel?
Western News 4/99
Viele Zuseher m�gen sich oft fragen: Was steckt hinter dieser Klasse? Warum
wird ein taktrein gehendes Warmblut hinter ein dahinhoppelndes Quarter Horse
gereiht?
Zugegeben, die folgende Antwort ist brutal, aber wahr: Pleasure hat etwas mit
einer Zuchtklasse zu tun, ist aber auch vollst�ndig eine Gangartenklasse. Das
Wort Zucht betrifft nun einmal Quarter Horses, sie haben ihren eigenen Gang
(flach, nicht sehr raumgreifend) und eignen sich je nach Exterieur und
Abstammung (z.B. Vollblutanteil) f�r manche Reitklassen besser. Ein vom
Temperament h�her stehendes Cuttingpferd kann vielleicht auch in der
Pleasureklasse punkten, aber die Wahrscheinlichkeit ist eher gering. Wahr ist
jedoch, dass viele Spitzenpferde (Reiner, Roper...) auch in Pleasure geshowt
wurden, meistens am Anfang und als Einstieg ihrer Karriere. Auch in Europa ist
es durchwegs �blich junge Pferde in Pleasureklassen gehen und somit Showluft
schnuppern zu lassen, bevor sie sich anderen Klassen zuwenden.
Gangarten:
Wenn die Pferde im Schritt beim Eingang eingelassen werden, betrachtet der
Richter sicherlich die einzelnen Paare, aber das war meist auch schon alles.
Richtig begonnen wird die Klasse erst mit dem Trab. Die erste Wertung
steht schon nach ca. 1 Runde Trab. Die Aufgabe des Richters ist es,
haupts�chlich die besten Mover unter den Pferden zu finden - und das geht oft
sehr rasch. Wichtig daf�r ist ein Zweitakt, gleichm��ige Bewegungen, wenig
Auf- und Abbewegung der Vorderfu�wurzelgelenke und nicht zu weit
zur�ckgestellte Sprunggelenke.
Damit w�re die Frage: Warum ist das Quarter Horse meistens vor dem
Warmblutpferd gereiht, gekl�rt. Es gibt Warmbl�ter, die extrem langsam gehen
k�nnen, aber der Zweitakt geht oft verloren (oft auch wegen eines l�ngeren
R�ckens). Dazu kommt noch, dass die Sprunggelenke sich oft hinter einer
vertikal gedachten Linie befinden. Das ist oft ihre einzige M�glichkeit,
ebenfalls so langsam zu gehen wie das Quarter Horse. Dasselbe trifft aber auf
f�r schlechter gebaute Quarter Horses in der Pleasureklasse zu. Dazu soll sich
das im englischen Knie genannte Vorderfu�wurzelgelenk nicht allzusehr auf- und
abbewegen. Pleasurepferde ben�tigen etwas Raumgriff nur f�r verst�rkte
G�nge. Dazu besonders geeignete Pferde showt man dann gerne auch in den
English-/Hunterklassen.
Es gibt Pferde, die toll im Trab gehen k�nnen, der Galopp ist jedoch weniger
sch�n, oder auch umgekehrt. Beim Galopp kann sich die erste Reihung wieder
�ndern. Schlechte Loper rutschen in der Bewertung hinunter oder aus der Wertung
ganz heraus. F�r diesen Fall hat ein Richter Ersatzpferde. Oft wertet er daher
anfangs zwei Pferde mehr als zur Siegerehrung vorgesehen sind.
F�r den Galopp gilt �hnliches wie f�r den Trab. Taktrein muss er sein,
diesmal ein Dreitakt. Pferde, die m�de sind oder schon lange Zeit geshowt
worden sind, zeigen oft einen Vierschlag. Warum solche Pferde trotzdem oft ganz
vorne sind? Weil sie die besseren Beweger sind; die Antwort ist nicht wirklich
befriedigend, wird aber oft gegeben.
Auch im Galopp soll das Pferd nicht aus dem Rahmen fallen. Es soll mit der
Hinterhand weit vorgreifen, was nur mit einem runden R�cken m�glich ist. Wenn
das am losen Z�gel gezeigt werden kann, ist das die h�chste
Schwierigkeitsstufe, die ein Pferd zeigen kann.
Loser Z�gel - leichter Kontakt:
Manche Pferde gehen nur mit leichtem Z�gelkontakt gut (das sind keineswegs voll angestellte Shanks/Z�gel), manche kommen prima mit losem Z�gel zurecht (mehr Risiko, leichter Slack im Z�gel). Auf keinen Fall wird mit total durchh�ngenden Z�geln geritten. (Da f�hlt sich der Richter gewaltig "ver�ppelt".)
Pleasureklassen sollten nicht lange dauern. Jedes Pferd macht irgendwann Fehler und muss korrigiert werden, dabei kann auch das beste Pferd manchmal schauderhaft aussehen.
Warum ein Pferd trotz eines Fehlers vorne ist? Weil es der beste Mover im ganzen Feld war und man nicht alles gesehen haben muss! Brutale Entscheidung. Aber man sucht nun einmal den besten Beweger unter den Pferden und schaut nicht nur, ob Fehler passieren.
Andererseits hat man nat�rlich auch die Fehler zur Kenntnis zu nehmen. Eine halbe L�ngsseite im falschen Galopp wird unter normalen Umst�nden nicht mehr zum Sieg reichen, auch wenn sich das Pferd nun einmal traumhaft bewegt! Es sei denn, alle anderen gehen durch oder im Kontergalopp oder...
Wenn das Pferd ein bis zwei Spr�nge falsch angaloppiert und dann korrigiert wird, kann das trotzdem noch f�r den Sieg reichen. Ein paar Spr�nge mehr f�hren sicherlich zu einem Verlust von ca. zwei Pl�tzen. Bei entsprechend schweren Fehlern dann nat�rlich auch mehr.
Handwechsel:
Eigentlich nicht erw�nscht als Hinterhandwendung, sondern im Schritt, oder wenn schon vorher Trab war, ebenfalls im Trab. Das Pferd soll zeigen k�nnen, dass es auch Wendungen gleichm��ig durchlaufen kann. Meistens wird der Handwechsel dazu missbraucht, sein Pferd zu korrigieren!
Auf der zweiten Seite kann nat�rlich noch einiges passieren, was die Wertung beeinflusst. Meistens kommt es nur zu leichten Umreihungen und kleineren Korrekturen (au�er bei langen Kontergaloppstrecken, extremem Break of Gait und sonstigen Widersetzlichkeiten).
Der Vorwurf, dass oft das Siegerpferd nicht mehr genau angesehen wird, kommt der Wahrheit sehr nahe, wenn man es so umschreiben will. Warum? Weil man den besten Mover nicht verlieren will. Grobe Fehler sollten trotzdem geahndet werden, kleinere kann man verzeihen!
R�ckw�rtsrichten:
Dies sollte fl�ssig und vor allem ohne Widerstand seitens des Pferdes gezeigt werden. Bei grober Widersetzlichkeit verliert man einige Pl�tze, das sollte auch f�r den besten Mover gelten! Es muss aber kein schnelles R�ckw�rtsrichten sein, nur gleichm��ig!
Was passiert nun in der Ecke hinter dem Richter? Die Zuseher sehen leider immer alles, warum nicht der Richter? Normalerweise wei� jeder Richter, dass es unm�glich ist, eine ganze Klasse ohne Korrektur durchzureiten. Darum dreht er sich meistens nicht um und gibt dem Reiter so die M�glichkeit, kleine Korrekturen durchzuf�hren. Wird es aber sehr knapp um den ersten Platz oder will der Richter kontrollieren, wieviel H�rte hinter ihm eingesetzt wird, dreht er sich schon einmal um: Das kann dann f�r die Beteiligten b�se enden. Man sollte lieber nicht zuviel hinter einem Richter riskieren. Er wei� genau, dass hinter ihm auch Schweinereien gemacht werden.
Pferde, die immer mit der Nase hinter der Vertikalen gehen, werden nicht weiter beachtet (Grund f�r eine Disqualifikation). Das trifft aber auch f�r Pferde zu, die ihre Nase weit hinausstrecken und dabei meistens Genick/Hals in Giraffenh�he haben, denn das sieht nicht nur nicht gut aus. Versammlung ist in diesem Fall nicht mehr gegeben, und das Pferd wird auch nicht sehr weit untertreten.
Ein Hauptproblem ist die Beurteilung, wie tief ein Pferd seinen Kopf h�lt. Laut Regelbuch ist es nach f�nf Schritten mit tieferen Ohren als dem Widerrist disqualifiziert. Manche Richter nehmen es todernst. Es gibt viele Pferde, die "nat�rlich" so ihren Kopf halten und auch gut gehen (abgesehen von dem ganzen Hilfsz�geltraining). Ob diese nun wirklich so hart bestraft werden sollten, ist eine andere Frage! Das Ziel, weg vom "Peanuts-Roller" hat man l�ngst erreicht. Eine Regel�nderung kostete viele Opfer unter den Trainern und den Pferden, die bis dahin Sieger waren.
Wie trainiert man ein Pferd, das die Nase wenige Zentimeter �ber den Boden tr�gt, pl�tzlich hinauf in lichte H�hen? Die meisten Richter haben den Zweck und Sinn richtig erkannt und erlauben einem Pferd, auch mit tieferen Ohrspitzen zu gewinnen. Solange das nat�rlich ausschaut, weil es dem Pferd leicht f�llt so zu gehen, ist dagegen wohl nichts einzuwenden. Es soll nicht nur auf die sch�nsten nicht zu tiefen Ohrspitzen ankommen, sondern - erraten - auf den insgesamt sch�nsten Mover!
Mein pers�nlicher Tip: Versucht bei Pleasurepferden nicht nur Fehler zu suchen, sondern genie�t die Vorstellung guter Pferde!
Und an mich selbst: H�tte ich das anonym geschrieben, w�rde ich mir vielleicht viel �rger ersparen...