Turniertips von Sylvia Katschker
Pleasure - wozu? 2.Teil
Ist eine Pleasure-Klasse mehr als drei langsame Grundgangarten?
Western News 5/99
Wie in der letzten Ausgabe erw�hnt, eignen sich nicht alle Pferde f�r die
Pleasure-Klassen. Wenn in ZNS-Bewerben Pferde aller Rassen in diesen Klassen
teilnehmen d�rfen - was tun?
Zu richten sind diese Klassen sehr schwer! Denn jedes Pferd soll seiner Rasse
entsprechend gerichtet werden: Nun schaut ein nat�rlicher Trab und Galopp bei
einem Vollblutaraber anders aus als bei einem Haflinger. Ein schweres Pferd wird
sich anders bewegen als ein kleines Pony.
Zuerst braucht man eine Idealvorstellung wie ein Vollbl�ter gehen k�nnte: z.B.
gleichm��iges und ruhiges Tempo, nicht davon st�rmend, kein durchgedr�ckter
R�cken, kein giraffenm��ig hoher Hals, die Nase sich nicht nach oben der
Waagrechten n�hernd. Wenn dieser Pferdetyp sich anbietet, ruhig zu gehen, das
Gewicht auf der Hinterhand tragend mit einem runden R�cken und tief
untersetzter Hinterhand, wird das optisch ein ruhiges und harmonisches Bild nach
au�en erzeugen.
Dass eine Rasse sich ein bisschen raumgreifender und mit h�herer Knieaktion
(gemeint sind hier die Vorderknie oder Vorderfu�wurzelgelenke) bewegt, sollte
ber�cksichtigt werden.
Dass alles klingt nat�rlich sehr sch�n, aber: Wenn jemand haupts�chlich
AQHA-Shows richtet und dann in Europa diese gemischte Anh�ufung von
verschiedenen Pferderassen in einer Pleasure sieht, wird er wahrscheinlich nicht
ahnen k�nnen, wie gut ein Warmblut sich wirklich bewegen kann. Diese Richter
werden immer von Quarter Horses ausgehen und wahrscheinlich auch ein schlecht
gehendes Quarter Horse weit vorne platzieren. Meistens wird dieses Pferd auch
noch flacher und langsamer gehen, obwohl es vielleicht keinen reinen Zweitakt im
Trab oder Dreitakt im Galopp mehr zeigt.
Es ist vielleicht leichter solche ZNS-Klassen ohne Quarter Horses/Paint Horses
zu richten - und vor allem w�re es fairer! Denn Warmbl�ter und Vollbl�ter
werden nicht dazu gez�chtet, m�glichst langsam und wenig raumgreifend zu
gehen. Ein Dressurpferd ohne Raumgriff im Mitteltrab oder im starken Trab ist
armselig und wird sich in h�heren Dressurklassen nicht mehr behaupten k�nnen.
Ein Vollbl�ter, der auf der Rennbahn als langsamster durch das Ziel kommt,
erntet keinen Applaus und kein Geld und wird seinen Besitzer in den Konkurs
treiben. Allerdings soll man nicht zum Umkehrschluss kommen: Wenn sich ein Pferd
weder f�r Dressur, Springen, Vielseitigkeit, Fahren noch f�r die Rennbahn
eignet, soll es in Westernreitdisziplinen eingesetzt werden. Richtig ist jedoch:
Jedes Pferd, auf das man aufsteigt, sollte vorher an der Longe und sp�ter unter
dem Reiter die drei Grundgangarten beherrschen.
Und weil der Reiter auch an die Gesundheit des Pferdes denken soll: Das Pferd
sollte sein eigenes Gewicht m�glichst auf der Hinterhand tragen. Der Pferder�cken
soll rund sein und das Pferd den Hals nicht nach oben dr�cken und
vielleicht nur gegen das Gebiss gehen. Wer das nicht tun m�chte, unterst�tzt
auf lange Sicht nur die Brieftasche des Tierarztes und riskiert ewige
Gesundheitssch�den des Pferdes. Denn diese Tiere neigen von Natur aus dazu, ihr
Gewicht mehr auf der Vorhand zu tragen. Jetzt kommt noch das Gewicht des Reiters
und des Sattels dazu, und wenn es jetzt noch vorlastig mit dem Reiter geht,
kommen Sehnen- und R�ckenprobleme von allein. Dummerweise passiert so etwas
nicht von heute auf morgen, aber wenn man sich umsieht: Wie viele Freizeitpferde
und noch weniger Turnierpferde werden jenseits von 20 Jahren noch geritten bzw.
sind h�bsch anzuschauen. Gemeint sind hier nicht die Alterserscheinungen, aber
Dinge wie Gallen, Spat, sonstige Knochenauftreibungen, R�cken- und
Muskelprobleme, deformierte Beine, Sehnensch�den. Weil man wegen wichtiger
Turniere dem Pferd keine Regenerationsm�glichkeit von ein paar Monaten gegeben
hat. Motto: Wird schon wieder... und die Tier�rzte irren sich, wenn sie von
Stallruhe von 3 - 6 Monaten reden. Sehnenprobleme ergeben sich aber meistens
durch �berbelastung seitens des Reiters, weil der nicht erkennt oder nicht
wahrhaben will, dass das Pferd k�rperlich ersch�pft ist.
Die richtige Trainingsintensit�t h�ngt vom Pferd ab. Die einzige
(traurige?) Ausnahme sind Futurities. Da wird aber nicht auf das Pferd
R�cksicht genommen, sondern auf die Gewinnsumme. Die Toppferde von den gro�en
Shows in den USA sind vielleicht manchmal noch gesund, doch in Europa zahlt es
sich nicht aus, die breite Masse an Pferden gesundheitlich zu opfern. (Zu
niedrige Siegespr�mien.) In Europa hat ein Pferd mit einem Futuritysieg nicht
ausgesorgt, es muss auch �lter noch in Shows starten, bevor es sich in die
Zucht verabschieden kann.
Pleasure-Klassen f�r 2-j�hrige Pferde sind gl�cklicherweise in Europa nicht
so verbreitet. In der Junior-Klasse kann man 3-5-j�hrige Pferde in AQHA-Shows
vorstellen; eine gen�gend lange Zeit f�r ein junges Pferd.
Welche Pferde sollte man �berhaupt in Pleasure-Klassen vorstellen:
Haupts�chlich Pferde, die selbst ein langsames Tempo anbieten und
optisch reine Grundgangarten und flache G�nge haben. F�r diese Spezialdisziplin
eignen sich speziell gez�chtete Pferde. Bestimmte Blutlinien werden immer an
der Spitze zu finden sein. Das bedeutet aber nicht, dass man mit anderen Pferden
nicht in diesen Klassen starten soll. Man muss nur realistisch seine Chancen
sehen: Spitzenpferde, die langsam, sich selbst tragend und am losen Z�gel
vorgestellt werden, sind schon optisch eine Augenweide. Diese m�ssen schon
gewaltige Patzer machen, damit sie nicht gewinnen. Manchmal rutschen diese
Pferde nur deshalb ein paar Pl�tze in der Wertung hinunter, weil die Gangarten
nicht mehr taktrein sind. Diese Pferde haben gelernt, sich das Leben durch einen
Vierschlag im Galopp etwas leichter zu machen bzw. hat der Trainer/Reiter das
Pferd zu einem zu langsamen Tempo im Training gezwungen.
Stark erm�dete oder �ltere Pleasure-Pferde (zu langes Abreiten am Turnier, zu
hartes Training, zu tiefer Boden) k�nnen oft ihr K�nnen nicht mehr fehlerfrei
pr�sentieren - aber trotzdem gewinnen sie h�ufig noch! Ist das gerecht? Vor
allem Vierschlag im Galopp ist ein h�ufiges Problem und viele Richter
ignorieren das; aber auch hier findet ein Umdenkprozess statt. - Es sollte sich
in Zukunft wieder �ndern!
In Pleasure-Klassen sieht man recht deutlich den jeweiligen Ausbildungsstand des
Pferdes. Ein j�ngeres Pferd geht zwar taktrein und auch mit leichtem
Z�gelkontakt, vielleicht sogar am losen Z�gel, aber etwas schneller. Ist es zu
bestrafen oder muss man etwa die Jugend des Pferdes positiv ber�cksichtigen?
Wenn es das beste Bewegungstalent im Feld ist, wird es gewinnen, au�er es gibt
ein Pferd, das �hnliche G�nge hat, aber langsamer geht. Je langsamer das
Tempo, desto h�her ist der Schwierigkeitsgrad! Nachdem Trainer das wissen,
versuchen sie, das Pferd noch langsamer zu machen. Aber es gibt eine nat�rliche
Grenze. Taktreinheit! Wenn man diese �berschreitet, ist das Pferd oft
f�r die Pleasure verloren, jedenfalls wird es nicht mehr zu den ganz gro�en
Siegen reichen. Wenn das Pferd nicht mehr taktrein geht und dadurch auch keine
nat�rlichen Grundgangarten mehr hat, sondern nur mehr sehr k�nstlich geht,
wird es mit Punkteabz�gen bestraft!
Wie schon erw�hnt, soll man aus gesundheitlichen Gr�nden sein Pferd dazu
bringen, sein Gewicht m�glichst auf der Hinterhand zu tragen. Das ist kein
Freibrief, ein Pferd selbst sinnlos zu verschnallen. Dazu gibt es Trainer, die
mit Reiter/Pferd schonender und langfristiger mit einem Trainingsprogramm
arbeiten k�nnen. Eine gute Grundausbildung ist f�r Pferd und Reiter nun einmal
teuer, aber nichts ist so gef�hrlich und t�richt, wie es ohne gen�gend
Erfahrung selbst zu probieren (auch nicht im Selbststudium mit B�chern oder
Videos).
Jedes Reitpferd soll in den drei Grundgangarten gehen k�nnen: taktrein ohne zu
st�rmen. Man kann das junge Pferd in Pleasure-Klassen starten, aber auch mit
dem �lteren Pferd beginnen (vor allem wenn man neu in der Turnierszene ist).
Man soll es aber nicht zu etwas zwingen, wenn es die nat�rlichen
Voraussetzungen nicht mitbringt. Wenn bessere Pferde in der Klasse sind, darf
man nicht entt�uscht sein.
Ruhige Grundgangarten sind f�r viele Disziplinen wichtig: Ein gutes Trailpferd
hat langsame und reine G�nge. In der Horsemanship soll ein Pferd
ebenfalls kein Renntempo haben, allerdings st�ren mehr die Aufrichtung des
Pferdes und mehr Z�gelkontakt nicht die Bewertung. In der Western Riding
zeigt jenes Pferd einen h�heren Schwierigkeitsgrad, das im langsamen Tempo
fehlerfrei seine Galoppwechsel zeigt (ohne die Schulter dabei zu heben oder
vorne und hinten nicht zeitgleich zu wechseln). Ein st�rmisches Pferd in einer Reining-Klasse
kann keinen Richter allein mit einem Tempo beeindrucken (wenn das Pferd selbst
entscheidet, wann es die Geschwindigkeit auf einem Run Down aufbaut, wird es
niemals eine positive Bewertung auf dieses Man�ver bekommen. Das Pferd muss
immer auf die Hilfen des Reiters warten und sie auch beachten!
Somit braucht man ruhige und gleichm��ige Grundgangarten f�r jede Disziplin
im Westernreitsport. Hoffentlich wagt sich jeder Reiter nur mit einem Pferd ins Gel�nde,
das sich auch auf einem Reitplatz in Schritt, Trab und Galopp man�vrieren
l�sst! Aus eigener Erfahrung wei� ich, dass Freizeitreiter oft die besten
Selbstmordkandidaten sind. - Nur sie wissen oft nicht, in welcher Gefahr sie
sich befinden!
Zusammenfassung: Die drei Grundgangarten sind f�r jedes Pferd wichtig.
Diejenigen Pferde, die sich durch Zucht besonders daf�r eigenen, sollen
sich in der Spezialdisziplin Pleasure messen. Andere, weniger geeignete
Pferde k�nnen in dieser Disziplin geshowt werden. Die Reiter sollen aber nicht
entt�uscht sein, wenn es nicht f�r Spitzenpl�tze reicht, sondern
"nur" f�r die All-Around-Wertung! Turnieranf�nger sollten mit
den Disziplinen Horsemanship, Trail und Pleasure beginnen! Hier
soll die Basis f�r einen guten Sitz gelegt werden. Vor allem im Trail
und in der Horsemanship kann man mit einem Durchschnittspferd viel erreichen.