Turniertipps von Sylvia Katschker
Horsemanship
Western News 3/99
In dieser Klasse steht die Beurteilung des Reiters im Vordergrund. Bewertet
werden haupts�chlich seine Hilfengebung, sein Sitz und die Exaktheit des
Patterns.
Der Sitz ist sehr mitentscheidend f�r die Endbeurteilung: Ein aufgerichteter
und gerader Oberk�rper, der aber nicht steif wirken soll. Ein nach vorne
gerichteter Blick, ohne das Kinn zu hoch zu nehmen, denn das sieht sehr arrogant
aus. Man soll weich und geschmeidig mit den Bewegungen des Pferdes mitgehen,
daher ist also ein Auf- und Abholpern im Sattel nicht erw�nscht. Der Absatz
soll tiefer sein als die Fu�spitze und ein weiches Abfedern der Bewegungen des
Pferdes erm�glichen. Die H�fte des Reiters und die Ferse sollten sich in etwa
einer vertikalen Linie befinden, ein bisschen davor wird auch noch akzeptiert.
Frei nach vorne durchschwingende Unterschenkel - vor allem im Galopp - sind auf
alle F�lle zu vermeiden. Dagegen hilft nur ein Anspannen der gesamten
Beinmuskulatur - nicht aber krampfhaftes Verspannen - und die Abfederung im
Steigb�gel. Die L�nge der Steigb�gel ist zu beachten: Sind sie zu lange, kann
man die Beine nicht unter dem K�rper halten, auch die Fersen werden nicht der
tiefste Punkt sein. Selbst wenn man die Steigb�gel z.B. f�r eine Reining
l�nger hat, in der Horsemanship z�hlt das nun einmal zum Erscheinungsbild des
Reiters. Auch zu kurz sollten sie sein, eine zu starke Winkelung des Knies soll
vermieden werden. Ein Tip: Einfach aus dem B�gel schl�pfen und das Bein
herunterh�ngen lassen (dabei ist die Fu�spitze am tiefsten), dann einfach die
Ferse tief nehmen und das Bein anspannen. Der B�gel sollte nun auf keinen Fall
tiefer als die Ferse sein, er soll eher knapp beim/unter dem Kn�chel sein.
Die Hand des Reiters soll die Bewegungen des Pferdes ganz leicht mitmachen, daher nicht steif halten. Das ist aber nur bei einem sehr gutem, unabh�ngigen Sitz m�glich, bei dem die H�nde von der Bewegung des eigenen K�rpers getrennt werden k�nnen. Auf dieser Stufe erf�hlen die H�nde die Bewegung des Pferdes und erm�glichen dem Pferd m�glichst immer im selben Rahmen zu gehen.
Bei Romalreins ist die Z�gelhand �ber dem Sattelhorn zu f�hren. Bei Split Reins etwas tiefer vor dem Horn, w�hrend bei beidh�ndiger Z�gelf�hrung die H�nde links und rechts vom Horn getragen werden.
Zu loser Z�gelkontakt ist nicht erw�nscht und f�hrt nicht zum Erfolg. Im Gegenteil, man findet sich dabei ein paar Pl�tze weiter hinten in der Bewertung. Selbst wenn das Pferd das Pattern noch so korrekt geht und die einzelnen Man�ver noch so hervorragend sind. Der Richter f�hlt sich nicht ganz ernst genommen; so etwas gilt auch f�r extrem lange Z�gel in einer Pleasureklasse!
Man m�chte leichten Z�gelkontakt sehen, wobei die H�nde immer auf dem selben Platz sein sollten. Also nicht auf einem linken Zirkel die H�nde nach links nehmen oder auf einem rechten umgekehrt. Auch bei einh�ndiger Z�gelf�hrung soll die Z�gelhand immer in der N�he des M�hnenkamms bleiben, denn das Pferd soll sich von den Beinen und dem Gewicht reiten lassen. Bei Split Reins bleibt die freie Hand in der N�he der Z�gelhand, nur so sieht es elegant aus. F�r die exakte Handhaltung bei Romalreins - siehe Western News 5/98 .
Mit Silber beschlagene S�ttel und Zaumzeuge schauen zwar hervorragend aus, sind aber nicht entscheidend f�r die Bewertung. Viel wichtiger ist, dass Sattelzeug und Pferd sauber und gepflegt sind.
Auch die Kleidung des Reiters soll sauber und gepflegt aussehen. Wenn die Farben der Satteldecke mit den Farben der Kleidung harmoniert, gew�hrleistet das ein gutes Erscheinungsbild und einen guten ersten optischen Eindruck. Der oberste Knopf von Hemd/Bluse soll geschlossen sein. Flatternde Oberteile sind in dieser Klasse zu vermeiden, sonst wirkt der Sitz nicht mehr elegant. Auff�llige Muster vermitteln auch nicht unbedingt Eleganz und machen den Sitz optisch unruhig. Teure Showkleidung muss nicht sein, wird aber von Damen oft verwendet. Auch hier gibt es von Saison zu Saison neue Entwicklungen und Farben. Man f�llt sicher damit auf, aber wenn der Sitz nicht sehr gut entwickelt ist, schadet man sich mehr. Dunkle oder Erdt�ne kaschieren oft ein bisschen und man vermittelt oft mehr Harmonie mit dem Pferd im Gesamterscheinungsbild.
Bei der Bewertung gibt es unterschiedliche Systeme: Manche Richter benutzen das System von 0 bis 20, andere nehmen �hnlich wie in der Reining als Durchschnitt 70 an. Die meisten unterteilen die Bewertung: f�r den Sitz des Reiters und seine Hilfengebung von 0 - 10 und f�r die technische Ausf�hrung des Patterns nochmals von 0 - 10. Daraus ergibt sich zusammen die vorl�ufige Bewertung. Denn ergibt sich bei der Einzelaufgabe, dass mehrere Reiter dieselbe Benotung haben, werden in der anschlie�enden Railwork (alle zusammen wie in der Pleasure) diese Gleichst�nde (Ties) ausgearbeitet. Nur bei extremen Fehlern, wie falschem Galopp, kann auch der Sieger der Einzelaufgabe noch weiter zur�ckfallen, ansonsten geht es bei der Railwork um die Ties (das kann auch nur den 4./5. Platz betreffen und muss nicht eine Entscheidung zwischen 1. und 2. Platz sein).
Wenn nun jemand das Pattern �u�erst korrekt reitet, daf�r aber einen steifen und gek�nstelten Sitz vermittelt, wird der alleine der Sitz ihm wertvolle Punkte kosten. Er wird also trotz fast fehlerlosem Ritt nicht gewinnen, weil ihm beim Sitz / der Hilfengebung nicht die H�chstnoten gegeben werden. Dasselbe gilt f�r zu lange Z�gel oder wenn die Unterschenkel zu weit vorne sind.
Nun aber zum Pattern: Wie schaut eine korrekt gerittene Aufgabe aus? Diese wird vorher frei zug�nglich ausgeh�ngt . Man muss sich genau ansehen, wo die einzelnen Man�ver ausgef�hrt werden sollen. Ganz wichtig: Ob links oder rechts von dem Marker ein Man�ver vorbeif�hrt - bei einem solchen Fehler sind alle Tr�ume vom Gewinnen umsonst! Die Platzeinteilung ist sehr wichtig: Bei einem Zirkel soll man links und rechts vom Marker denselben Abstand haben. Die Symmetrie ist wichtig! Wenn es nach einem Zirkel auf einer geraden Linie weitergeht, soll das Pferd nicht mit der Kruppe ausbrechen. Dazu muss es allerdings wirklich einem �u�eren Schenkel gehorchen. Die Man�ver sollen auch bei den Markern ausgef�hrt werden und nicht davor oder danach. - Pr�zision ist einfach ein wichtiger Teil dieser Klasse und ist entscheidend f�r den Sieg. �berg�nge zwischen den Gangarten sollen flie�end und weich sein, ein Kopfhochwerfen des Pferdes ist nicht w�nschenswert. Ein gro�er Fehler dabei ist allerdings ein Break of Gait (Gangartunterbrechung). Mit so einem Fehler findet man sich vielleicht gerade noch im Mittelfeld.
Technisch schwieriger wird das Pattern mit einem h�heren Schwierigkeitsgrad.
Erh�hen kann man den Grad bei einer Hinterhandwendung, je schneller, umso
schwieriger. Nun braucht das aber auf keinen Fall ein Spin zu sein! Das Pferd
soll sich auf dem hinteren inneren Fu� drehen, dabei nicht den Kopf hochwerfen
und sich nicht gegen die sonstigen Hilfen wehren. Aber eine fl�ssige Drehung
ist nun einmal risikoreicher als eine Schritt f�r Schritt-Drehung. Das Pferd
kann nach der Drehung schief stehen, kann hektisch werden - es ist einfach ein
h�herer Schwierigkeitsgrad. Dasselbe gilt auch f�r das R�ckw�rtsgehen: Es
kann ruhig und korrekt ausgef�hrt werden, es kann aber auch durch ein bisschen
Tempo schwieriger werden. Doch Vorsicht: Anders als bei einer
Reiningklasse ist die Anzahl der Tritte/Schritte vorgegeben, darum ist etwas
langsamer oft besser als schneller. Auch bei �berg�ngen gibt es verschiedene
Schwierigkeitsgrade: Wie sehr muss man das Pferd vorher aufnehmen? Oder versucht
es davonzulaufen und man hat daher eine l�ngere Z�geleinwirkung? Manche Reiter
m�ssen die Z�gelhilfen sehr stark einsetzen, um das Pferd im Zirkel zu steuern
oder um eine gleichm��ige Anlehnung zu behalten. Das alles entscheidet
schlie�lich, wie hoch die Endnote ist. Bei sehr guten Ritten zwischen 18 und 20
Punkten (dabei war der Sitz exzellent und das Pattern �u�erst korrekt) schaut
alles nach au�en spielerisch leicht aus und ist optisch gesehen eine
Augenweide. Diese hohen Noten ergeben sich praktisch von selbst. Wenn sich dann
die Fehler h�ufen (auch wenn es nur ein unpr�zises Man�ver oder ein unruhiger
Sitz war), reduziert sich der Score.
Als Richter sucht man dabei nicht die Fehler, sie fallen einem einfach ins Auge.
Sie wirken st�rend beim Ablauf des Patterns und m�ssen bei der Bewertung
ber�cksichtigt werden. Und nochmals: Das Pattern vorher genau studieren! Eine
falsche Reihenfolge, ein Vergessen z.B. des R�ckw�rtsgehen oder an der
falschen Seite des Markers reiten - und man ist trotz sonstiger Spitzenleistung
am untersten Ende der Bewertung!