Sylvia Katschker - Richterkarten: NRHA, NRHA of Germany, APHA, ApHC, DQHA, FN �sterreich

 

FREESTYLE REINING � wie sind die Regeln?

aus Western News 4/2002

Eine gute Freestyle Reining-Vorf�hrung ist f�r den Richter sowie f�r den Zuseher gleicherma�en attraktiv zum Ansehen. Der freigew�hlte Ablauf der Man�ver, eine hinrei�ende Musik und eine dazupassende Kost�mierung machen aus diesem Bewerb etwas ganz Besonderes.

Maximale Zeit:

Das Limit liegt bei 4 Minuten, einschlie�lich aller Einleitungen. Die Zeit wird entweder mit dem Beginn der Musik oder der Einleitung genommen (was immer eben zuerst kommt) und endet mit der Musik.

Kost�mierung:

Diese ist nicht Pflicht (aber es sieht halt doch gut aus, wenn die Kost�mierung zur Musik passt und der Reiter sich doch auch diese M�he gemacht hat ...). Der Schwerpunkt f�r die Bewertung liegt in der Zusammenstellung der Reining Man�ver zur Musik.

Hilfsmittel:

Sonstige Mittel sind zul�ssig: z.B. das Pferd mit Decken verh�llen oder spezielle "Gew�nder" f�r das Pferd n�hen, Schmuck wie B�nder, Lametta f�r Schweif und M�hne � es soll nur nie die Sicht des Richters auf das Pferd an sich beeintr�chtigt werden. Auch ein 2. Pferd f�r den Anfang oder Schluss oder als Ausdrucksm�glichkeit f�r eine kleine Geschichte (wie eine dargestellte Liebesromanze) ist durchaus gerne gesehen. Doch man sollte darauf achten, dass der eigentliche Teilnehmer doch der Hauptakteur ist. Auch andere Leute, die man in eine Handlung einbezieht, erzielen einen tollen Effekt und ist vor allem f�r das Publikum sehr interessant. Es gibt schon nette Videos mit absolut tollen Ritten, da kann man sich schon ein paar Ideen abschauen.

Die Pflichtman�ver

Es gibt vorgeschriebene Pflichtman�ver, die ein Reiter zeigen muss. Um zu beurteilen, ob alle diese Man�ver auch gezeigt worden sind, ben�tigt man unbedingt einen Schreiber. In diesem Bewerb geht alles sehr rasch, daher ist die Konzentration f�r die Richter auch sehr hoch. Leider kann man als Richter die Vorf�hrung nicht so richtig genie�en, da man ja beurteilen muss � manchmal ist das aber richtig schade ...

7 Pflichtman�ver (die ersten 7 Boxen) � eine Box f�r �berg�nge, Zirkel (die nicht in Zusammenhang mit anderen Man�ver stehen) und nicht erforderliche Man�ver:

4 Spins nach rechts (aufeinander folgend), 4 Spins nach links, 1 Fliegender Wechsel von rechts auf links, 1 Fliegender Wechsel von links nach rechts, 3 Stops. Das ergibt f�r den Score Sheet folgendes: in den ersten 7 Man�ver (Score) Boxen m�ssen Positionen von �11/2 bis + 11/2 eingetragen sein. Die 8. Box ist die sogenannte Transitionbox. In dieser werden alle anderen Man�ver eingetragen: z.B. sehr beliebt sind am Anfang Trabtraversalen. Trab ist erlaubt, aber er muss offensichtlich als gewollt erkennbar f�r den Richter. Aber auch Zirkel (vor allem mit �bergang von schnellen zu langsamen) werden in dieser Box eingetragen. Es ist allerdings auch m�glich, einen Zirkel der mit einem Fliegenden Galoppwechsel verbunden wird, im Zusammenhang mit dem Wechsel zu ber�cksichtigen und daher dort zu bewerten. Dasselbe gilt auch f�r Rollbacks und R�ckw�rtsrichten: im Zusammenhang mit einem Stop werden sie bei diesem mitgewertet. Kommt es irgendwo anders vor, so findet man diese nicht verlangten Man�ver in der Transitionbox wieder. Es ist vielleicht anfangs verwirrend, dass das ein Reiningbewerb ohne vorgeschriebene Zirkel, Rollbacks und R�ckw�rtsrichten ist. Allerdings: f�r eine gute Benotung wird der Reiter auch Zirkeln zeigen, auch Rollbacks und R�ckw�rtsrichten ist ein freiwilliger fixer Bestandteil in den meisten Vorf�hrungen. Besonders den Zirkeln kommt eine besondere Bedeutung zu: hier kann man nat�rlich in der 8.Box leicht zu einer Plusbewertung kommen; vorausgesetzt, man h�lt sich an eine gewisse Symmetrie der Zirkel, zeigt einen Tempounterschied zwischen gro�en, schnellen und kleinen, langsamen Zirkeln, und beachtet auch hier das Center der Arena als Mittelpunkt. Es ist aber egal, ob man 2 oder 4 Zirkeln zeigt. Die Zirkel sind sogar erw�nscht, um ein willig gehendes Pferd zu pr�sentieren.

Die Fliegenden Wechsel k�nnen in Verbindung mit Zirkeln gezeigt werden, aber auch auf einer Diagonalen oder jeder anderen beliebigen Linie. Auch hier geht es darum, eine gewisse Symmetrie und erkennbare Choreographie zum Ausdruck zu bringen. Der Schwierigkeitsgrad wird auch durch das Tempo und die Durchl�ssigkeit des Pferdes beurteilt. Besonders nett ist es anzusehen, wenn Reiter ihre Pferde mehrmals � beabsichtigt � hintereinander wechseln lassen. Der Richter kann jeden Fliegenden Galoppwechsel einzeln bewerten oder als Gruppe, wobei da dann der Score f�r jede Richtung in der Gesamtheit der Qualit�t und Schwierigkeitsgrad gewertet wird.

0 Score und Penalties:

Sturz von Reiter und/oder Pferd, Verweigerung ein Kommando auszuf�hren, ein Pferd au�er Kontrolle, das �berschreiten des Zeitlimits. Dagegen ist ein Handwechsel, der Gebrauch beider H�nde oder eine Verk�rzung der Z�gel durch das Romal kein Grund f�r einen 0 Score.

In dem Fall, dass nicht alle 7 Pflichtman�ver innerhalb der 4 Minuten gezeigt worden sind, bleibt die betreffende Box leer und der Reiter erh�lt einen 0 Score. Es steht jedem Reiter frei, Man�ver zu wiederholen. Diese werden dann wieder in der betreffenden Box festgehalten. Wenn der Reiter z.B. 2x 4 Spin nach rechts zeigt, so findet er in der betreffenden Box (das ist das erste Man�ver auf dem Score Sheet) beide Scores. Macht er z.B. beim 2. Mal nur 2 Spins, so findet man dieses Man�ver als "freiwilliges" Man�ver in der 8. Box � der Transitionbox. Wenn jemand nun beim 1. Mal z.B. nicht nur 4 Spin, sondern gleich 7 Spins macht, so werden die 7 Spins gemeinsam bewertet und trotzdem in der Box f�r die Spins festgehalten. Allerdings f�r jede Seite m�ssen zumindest einmal je 4 auf einander folgenden Spins gezeigt werden.

Penalty 5 � wof�r:

Es werden alle gegeben, ausgenommen den Sattel festhalten, solange das mit Ab- oder Aufsteigen oder anderen notwendigen Teilen w�hrend der Vorf�hrung in Zusammenhang steht. Das bedeutet daher, dass man schon einen Penalty 5 bekommt, wenn man sich w�hrend eines Stops oder Rollbacks am Sattel festhalten muss (aus Sicherheitsgr�nden).

Bewertet wird aber nur das, was man im Sattel sitzend an Man�ver zeigt. Sonstige Sachen (z.B. eine kleine Rock�n Roll-Einlage vorher wird nur im artistic impression score ber�cksichtigt).

Eine Ausnahme gibt es noch: ein offensichtliches trainiertes Man�ver, wie durch Hilfen hervorgerufenes Steigen, f�hrt nicht zu einem Penalty 5.

Es gibt also welche f�r:

Spornieren vor dem Gurt, Gebrauch der Hand f�r Lob oder zum Angst einfl��en, offensichtlichen Ungehorsam

Penalty 2:

Penalties f�r Freeze Up (Einfrieren, d.h. komplette Unterbrechung der Seitw�rtsbewegung der Schultern im Spin) und Break of Gait werden gegeben.

Es gibt aber nicht:

Es gibt keine Marker-Penalties oder keine Penalties bis zu einem bestimmten Punkt anzugaloppieren oder aus dem Schritt oder Halt anzugaloppieren.

Sonstige Penalties:

Penalties f�r Overspin bzw. Underspin (d.h. f�r �ber- oder Unterdrehen) werden hier nicht gegeben.

Auf den Zirkeln werden auch alle Penalties gegeben, die sonst auch verteilt werden. Also, z.B. f�r jeden Kreuzgalopp oder auch falschen Galopp. Es gibt aber eine gro�e Ausnahme: wenn ein Reiter das Pferd absichtlich im Au�engalopp gehen l�sst, gibt es daf�r keine Penalties. Somit ist die Erfahrung und das Gef�hl des Richters gefordert: war es ein gewollter Au�engalopp oder ist nur das Pferd nach einem Fliegenden Galoppwechsel nicht umgesprungen � im Zweifel wird immer f�r den Reiter entschieden. Doch meistens merkt man sehr schnell, was der Reiter vom Pferd gewollt hat.

Daraus ergibt sich dasselbe f�r Fliegende Galoppwechsel: versp�tete Galoppwechsel, weil das Pferd nicht umgesprungen ist, werden gegeben. Ebenso werden Break of Gaits dem Richter kein Problem machen. Das Center wird auch von den Reitern als Orientierungspunkt f�r die Wechsel auf dem Zirkel gebraucht. Doch dem Reiter bleibt grunds�tzlich �berlassen, wo er die Fliegenden Galoppwechsel zeigen m�chte. Doch wo immer ein Kreuzgalopp auftaucht, wird er als solcher gewertet.

Wenn dem Stop ein Rollback folgt, nimmt man an, dass das Pferd im Galopp herauskommen wird. Trabtritte werden mit Penalties bestraft (1/2 Penalty bis 4 Tritten mit den Hinterbeinen, 2 Penalties f�r mehr als 4 Tritte). Auch hier muss der Richter beurteilen, ob der Reiter vielleicht absichtlich herausgetrabt ist (allerdings ist das dem Reiter nicht zu raten) oder ob sp�ter ein Trab�bergang vorgenommen worden ist oder einfach ein Break of Gait passiert ist. Rollbacks werden meist im Zusammenhang mit einem Stop bewertet. Bei einem Freeze Up im Rollback wird ganz normal ein Penalty 2 gegeben.

Der Mindestabstand von der Wand beim Stop wird nicht gefordert, Fencing (das Pferd von der gegen�berliegenden Wand stoppen lassen oder sehr knappes Hinreiten auf die Wand) soll sich allerdings negativ auf den Score auswirken.

Die Ausr�stung:

In der Freestyle Reining ist man ein bisschen gro�z�giger (NRHA-Regeln). Doch der Tierschutz steht auch hier an erster Stelle. Der gr��te Unterschied ist, dass im Bit sowohl ein- wie auch zweih�ndig geritten werden darf. Auch ein Wechsel dazwischen ist m�glich. Man kann aber auch ohne Zaumzeug reiten oder nur mit einem Neck Rope. Das sieht nat�rlich besonders spektakul�r aus, aber nur dann, wenn das Pferd auch willig alle Man�ver ausf�hrt.

Die Bewertung:

W�hrend des Rittes sagt der Richter seinem Schreiber an, welche er Bewertung er f�r welches Man�ver gibt. Also k�nnte man sagen, es sind Notizen, die noch nicht zur Endbenotung f�hren. Nach dem Ritt wird dann der Durchschnittsscore ermittelt, wobei dann mathematisch auf- bzw. abgerundet wird.

Rechenbeispiele: (immer f�r dasselbe Man�ver)

Box 1 (4 Spin rechts):

bewertet mit +1/2 f�r das erforderliche Man�ver;

dazu noch eines mit 0 bewertet und eines mit �1/2 f�r zus�tzliche Man�ver

Daraus resultiert ein Durchschnitt von 0.

Box 1 (4 Spin rechts):

Bewertet mit 0 f�r das erforderliche Man�ver, dazu kommen noch ein +1/2 und noch ein +1/2 f�r zus�tzliche Man�ver.

Daraus resultiert ein Durchschnitt von +1/2.

Box 1 (4 Spin rechts):

Bewertet mit einem �1/2 f�r das erforderliche Man�ver. Dazu kommen noch ein 0 Man�ver und ein weiteres �1/2 Man�ver.

Daraus resultiert ein Durchschnitt von �1/2.

Artistic impression:

Auf dem Score Sheet findet man noch eine weitere Box (unter den Penalties am Schluss) -ARTISTIC � f�r artistic impression (k�nstlerischer Eindruck). In NRHA Freestyle Reining-Klassen kann man sogar einen eigenen Richter daf�r einsetzen, der den k�nstlerischen Wert der Vorf�hrung bewertet. Meistens gibt es daf�r aber keinen eigenen Richter und der Score f�r artistic wird mitbewertet. Die Bewertung erfolgt von �2 �ber 0 bis +2.

-2

No Artistic Merit Evident

-11/2

Extremely Poor

-1

Very Poor

-1/2

Poor

0

Average

+1/2

Good

+1

Very Good

+11/2

Very Good

+2

Exceptional

Wie setzt sich nun dieser Score zusammen? Bewertet wird wie der Reiter zu Tempounterschieden der Musik reagiert, wie er die ganze Arena ausnutzt und auch die unterhaltende Komponente.

Die musische Komponente: wie der gezeigte Ritt zur Musik passt.

Choreographie: die Gestaltung und Einteilung des Rittes in Relation zur Musik und Rhythmus

Originalit�t: die Verwendung von nicht erforderlichen Man�ver, welche die Leistung steigern

Ausgeglichenheit der Vorf�hrung: die Anordnung der Man�ver in der Arena

Freestyle Reinings sollten meiner Meinung nach viel �fter im Programm der Veranstalter stehen! Es ist ein Publikumsmagnet (in den Staaten h�tten sie h�heres Sponsorengeld in diesen Klassen als f�r die eigentliche Futurity � denn Freestyle Reining ist Fun, und kann auch dem nichtkundigen Zuschauer als Attraktion verkauft werden!).

In diesem Sinne: viel Spa� bei der n�chsten Freestyle Reining!!!